Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vollmond über Sachaka

von Avarya
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Dakova Hoher Lord Akkarin OC (Own Character)
30.09.2012
23.04.2019
2
2.183
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
23.04.2019 1.315
 
„Mein Messer, Avarya.“ Die kalte Stimme Dakovas zerschnitt die Stille, welche in den letzten Minuten innerhalb des Zeltes geherrscht hatte. Ohne es wirklich kontrollieren zu können, zuckte ich zusammen, ehe ich hastig mit gesenktem Kopf aufsprang und die wenigen Schritte zurücklegte, die mich von einem kleinen Schränkchen trennten. Allerdings ging es primär um die Schatulle, die auf dem Möbelstück stand. Ich entnahm das sich dort befindliche Messer mit juwelenbesetzem Griff und legte es mir in einer fließenden Bewegung auf die Innenseite meiner Handgelenke, zu geübt, um auch nur ein wenig zu zittern. Erst dann kehrte ich zu meinem Herrn zurück, kniete nieder und streckte die Arme nach oben, ihm so die Klinge darbietend. Um genau zu sein, bot ich nicht nur die Klinge dar, sondern auch meine eigene magische Stärke, so wie es bereits seit Jahrhunderten Brauch war, zumal es sich keinesfalls nur um Symbolik handelte. Das Gewicht des Messers schwand von meinen Gelenken und ich wappnete mich innerlich für das, was gleich eintreten würde. Hunderte Male war ich in den vergangenen Jahren Teil dieses Prozedere, ja fast schon Rituals gewesen, doch so ganz gleichgültig konnte ich es noch immer nicht hinnehmen. Aber ich durfte mich nicht bewegen, durfte nicht zusammenzucken. Vor allem nicht, als die kühle Spitze der scharfen Klinge meine Haut berührte. Das würde den Schnitt nur vergrößern und die Heilung verzögern. Wie immer verursachte der flache Schnitt kurzen, brennenden Schmerz – eigentlich sollte ich mich wohl daran gewöhnt haben. Eigentlich. Dakova presste die Hand auf die Wunde und ich wusste, was jetzt kam. Es war mir nicht möglich mich zu rühren, ich konnte in diesen Momenten, in denen er meine Stärke nahm, nichts tun, um mich in irgendeiner Hinsicht zu wehren. Theoretisch könnte er mich töten ohne, dass ich auch nur den Hauch einer Möglichkeit hätte, ihn daran zu hindern. Nun, es wäre sowieso töricht sich gegen den Meister aufzulehnen. Wie lange es genau dauerte, bis er endlich fertig war, konnte ich nicht sagen, nahm nur schweigend das Messer wieder entgegen.
„Ich benötige dich heute nicht mehr, aber schick Akkarin zu mir“, befahl er, während ich mich schwankend erhob, um die Klinge wieder wegzulegen. Ich verneigte mich tief und sammelte meine Kleidung auf, ehe ich mit etwas unsicheren Schritten das Zelt verließ. Der Kraftverlust setzte mir immer zu, weswegen ich froh war, dass er in der Regel nur abends oder nachts magische Stärke nahm. So konnte ich mich wenigstens im Schlaf wieder regenerieren. Außerdem war er heute weniger fordernd gewesen, als an anderen Tagen. Hastig zog ich mich an. Eigentlich konnte man es nicht als Kleidung bezeichnen, es waren eher Lumpen, doch sie erfüllten ihren Zweck. Ich strich mir meine blonden Haare aus dem Gesicht und schaute mich dann nach Akkarin um. Auch wenn wir gut 15 Sklaven waren, konnte man ihn einfach nicht übersehen. Als Einziger, der nicht aus Sachaka stammte fiel er alleine vom Äußeren her auf. Deswegen brauchte ich auch nicht so lange zu suchen, seine hochgewachsene Gestalt fiel mir sofort ins Auge – und die Tatsache, dass er mich beobachtete. So, wie er vermutlich den Eingang des Zelts nicht aus den Augen gelassen hatte, seit ich dieses mit unserem Meister betreten hatte. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als ich zu ihm ging. Es tat gut zu wissen, dass es da jemanden gab, der sich sorgte, dem ich nicht egal war. Auch wenn unsere Gefühle füreinander nur zu oft der Grund waren, warum unser Leid sich noch vergrößerte. Ich ließ mich neben dem Kyralier nieder, nickte leicht auf seine unausgesprochene Frage, ob es mir gut ging. Es tat gerade äußerst gut einfach sitzen zu können. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte dieser Moment ewig gedauert, doch das durfte er nicht. Ich hatte noch immer einen Befehl auszuführen und ich wollte nicht, dass Akkarin bestraft wurde, nur weil ich es ihm nicht sofort ausgerichtet hatte.
„Der Meister will dich sehen“, sagte ich leise. Meine Hand griff nach der seinigen, drückte sie flüchtig, nur für einen Augenblick. Ich konnte und durfte ihn nicht aufhalten, egal wie sehr ich es mir wünschte. An mir war es lediglich zu hoffen, dass er keine Strafe erhielt und weitestgehend unbeschadet das Zelt wieder verließ.
„Dann sollte ich ihn wohl nicht länger warten lassen“, bemerkte Akkarin, in dessen Tonfall sich Zynismus und Bitterkeit mischten, und stand auf. Er hatte sich noch immer nicht mit seinem Schicksal abgefunden. Akkarin war der Einzige von uns, dessen Kräfte freigesetzt waren, der zudem eine umfassende Ausbildung erhalten hatte – und der dennoch nichts unternehmen konnte, denn der Meister war zu stark, zu mächtig. Ich wusste, dass er an diesem Gedanken beinahe zerbrach, doch ich konnte nichts tun – außer einfach nur für ihn da zu sein. Schweigend blickte ich dem großgewachsenen Mann nach, wie er mit steifen Bewegungen den Weg zum Zelt zurücklegte. An seiner ganzen Haltung war zu erkennen, dass er sich nicht wohlfühlte. Aber er hatte keine andere Wahl, niemand hier hatte auch nur irgendeine Wahl. Wir existierten doch nur, um unserem Meister zu Diensten zu sein. Das war nun einmal das Los eines Sklaven.
Ich zog die Beine an, schlang die Arme darum und legte das Kinn auf die Knie. Weniger, um mich vor der nächtlichen Kühle zu schützen, als vielmaher vor der Kälte in mir selbst. Sollte der Ichani irgendwann zu dem Schluss kommen, dass Akkarin doch eine zu große Gefahr darstellte, den Gefallen an ihm verlieren, dann würde er ihn ohne zu zögern töten und diesen Moment fürchtete ich mehr als alles andere. Dakova wusste um unsere Gefühle füreinander und das nutzte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wie oft hatte er einen von uns betraft, nur um zu sehen, wie der andere litt? Weil es ihm Spaß machte, weil er sich an unseren Qualen ergötzte. Um Leid zuzufügen, musste er nicht töten - das wäre nur Verschwendung einer Kraftquelle. Liebschaften unter Sklaven waren nicht grundsätzlich verboten, doch als Dakovas Bettsklavin gehörte ich ausschließlich ihm. Deswegen durften wir uns ja auch nicht berühren. Kein Kuss und keine weitergehenden Handlungen, sonst würde er uns beide töten. Dabei war Akkarin der einzige Mann, dem ich mich sogar freiwillig hingeben würde. Ich seufzte leise und wandte meine dunklen Augen nicht von dem Eingang ab. Ich würde genauso warten, bis er wieder rauskam, wie er auf mich gewartet hatte. Natürlich wäre es klüger zu schlafen, Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln, doch das gelänge mir unter diesen Umständen kaum.
Wie lange es dauerte, bis die Plane wieder zurückgeschlagen wurde, wusste ich nicht, doch so wie es aussah, konnte Akkarin zumindest noch gehen. Das war nichts, was man als gegeben hinnehmen sollte. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, dass er in den ersten paar Wochen nur mehr hatte kriechen können. Langsam richtete ich mich wieder etwas auf, löste die Hände von meinen Beinen, während ich darauf wartete, dass er mich erreichte. Auf den ersten Blick konnte ich keine wirklichen Verletzungen erkennen, sein Gang zeugte eher von Müdigkeit, doch natürlich konnte ich in der Dunkelheit nicht sehr viel sehen.
„Wie geht es dir?“, fragte ich leise, als er sich neben mich setzte, musterte ihn abermals. Wenn man es genau nahm, könnte ich ihn den ganzen Tag einfach nur anschauen ohne, dass ich dem überdrüssig wurde.
„Es ist alles in Ordnung“, beruhigte Akkarin mich, immerhin kannte ich die tiefere Bedeutung seiner Worte. Nachdem der Geist von jemandem durchwühlt worden war und man dich dann noch die Kraft durch höhere Magie hatte rauben lasen müssen, war nie alles in Ordnung, doch darüber hinaus war wohl nichts geschehen. Ein Glück. „Wir sollten schlafen.“ Das klang vernünftig, äußerst vernünftig. Vor allem würde ich jetzt schlafen können, immerhin war er an meiner Seite. Das war alles was zählte. Akkarin zog mich mit sich, sodass wir beide auf dem kargen, harten Boden lagen. Ich schmiegte mich an ihn, spürte seine Arme um meinen Körper und es gelang mir sogar zu lächeln. „Gute Nacht Akkarin.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast