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GeschichteAllgemein / P12
Benjamin Barker Mrs. Lovett
30.09.2012
30.09.2012
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Sweeneys Gesicht spiegelte sich in den Klingen wieder, die er in ihre Schachtel zurücklegte. Sie wiederzufinden war ein Glücksgefühl und ihn überkam der Drang nach Alkohol.
„Es beginnt“, murmelte er, während dicke Regentropfen die Fensterscheibe besiedelten.

Er hatte die letzte Klinge in der Hand, auf welcher er ein weiteres Gesicht fand. Mrs Lovett hatte ihren glasigen Blick nicht abgelegt und verlieh ihm nun mehr Ausdruck, als er sich je hätte vorstellen können.
In der grauen Szene des Wetters war ihre Visage wie ein Gedicht, weich, fühlend, stimmig. Sweeney überließ es ihr, das erdrückende Schweigen zu brechen. Sein Zeigefinger strich über die Schneide, gleich unter ihrem Gesicht und es fühlte sich an wie eine warme, weiche Haut.

Menschliche Nähe war ihm auf See fremd geworden, er hatte sie nicht ertragen wollen. Das Gefühl war weder neu noch alt, er hatte es wiedergefunden, und es machte ihn durstig, davon zu kosten.
Lucy, rief sein Gedächtnis ihm zu. Lucy, dachte er laut.
„Tragisch“, fügte Mrs Lovett aus dem Hintergrund hinzu. „Sie müssen…“
Sweeneys Handbewegung signalisierte ihr, zu schweigen. Er trug die Dunkelheit Londons in seiner Seele und hatte in ihren Augen die trüben Wolken gefunden.
Die Atmosphäre schnürte ihn ein und nahm ihn gefangen wie einen willenlosen, jungen Mann. Er wollte aufbrechen, die Vergangenheit nicht hinter sich lassen, aber sie rächen.
Weitere Sekunden verbrachte er in dieser Starre, unerklärlich, versunken in ihrem Gesichtsausdruck, der ihn nicht mehr loslassen wollte.


*~*

Das Kaminfeuer streichelte ihre blasse Haut. Für ihn war Nellie einfach zu haben gewesen, vornehm ausgedrückt: zuvorkommend.
Sweeney lachte beinahe, als sie sich seinen Arm um die Schultern legte und die Augen schloss. Vermutlich machte sie sich nun noch Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft.
Er hatte seine Lust an ihr gestillt, und es tat ihm kein bisschen Leid. Sie würde es nie schaffen, ihn zu verführen. Er nahm sie, wenn er sie brauchte.
„Die Zeiten werden sich noch ändern“, versprach er ihr leise, wohlwissend, dass sie es nicht mehr hörte.
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