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Rettet die Afrikaner – aber nicht die selbstgefälligen Tiger!

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
27.09.2012
03.11.2013
29
63.048
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27.09.2012 2.206
 
Grübelnd lief ich mit gesenktem Kopf durch den Schulkorridor und starrte auf den grauen Boden,
während ich den klebrigen Kaugummis auswich. Angewidert umging ich ein besonderes ekliges,
großes Exemplar.
Das entfernte Stimmengewirr und das laute Gebrüll eines Schülers, nahm ich nur am Rand wahr. Ich
war vollkommen in Gedanken versunken. Wer kam nur in Frage? Wem konnte ich vertrauen und
wer war gut genug? Gedanklich ging ich sämtliche Informatikfreaks meiner Schule durch. Nick?
Der verpickelte Wuschelkopf war zwar ein Genie, aber er traute sich ja nicht mal, einem Lehrer
Widerworte zu geben. Der würde niemals gegen das Gesetz verstoßen. Eric? Der…
Plötzlich prallte ich gegen etwas Hartes und stolperte einige Schritte zurück. Überrascht hob ich
meinen Kopf und starrte in dunkelblaue Augen, die mich wütend anfunkelten. Als ich erkannte
gegen wen ich da gelaufen war, durchfuhr es mich wie ein Gedankenblitz. David! Er war perfekt,
genau der Richtige für meinen Plan. Ohne darüber nachzudenken, packte ich seinen Arm, ließ
meinen Blick kurz durch den dunkelgrauen gestrichen Flur schweifen und blieb an der blauen Tür
mit der Aufschrift „Besenkammer“ hängen. Perfekt! Ungeduldig zog ich David hinter mir her und
achtete nicht auf seinen wütenden Protest. Glücklicherweise war der Raum nicht abgeschlossen und
ich öffnete ruckartig die Tür, stieß ihn in den dunklen Raum und schloss die Tür wieder. Gut, dass der Flur selten genutzt wurde und niemand das gesehen hatte.
Wir waren in vollkommene Dunkelheit gehüllt, doch ich brauchte kein Licht um zu merken, dass
David ziemlich nah bei mir stand, denn ich spürte seinen warmen Atem auf meiner Haut. Leider war
der Raum total eng und mir drückte ein Stiel in den Rücken. Hektisch tastete ich die Wand neben mir
ab und suchte nach einem Lichtschalter.
„Hätte nicht gedacht, dass du es so nötig hast. Aber du hättest mich nur fragen und nicht
gleich entführen müssen. Aber das hat schon was. So wurde ich noch nie verführt.“ Seine Stimmte
triefte nur so vor Spott und Sarkasmus. Empört schnappte ich nach Luft, wie konnte er es wagen?
Endlich fand ich den Lichtschalter, drückte ihn und ein grelles Licht erhellte den kleinen, zugestellten
Raum. Sein Gesicht schwebte direkt vor meinen und ich konnte nicht anders, als ihn anzustarren.
Mir war noch nie aufgefallen, wie gut er aussah! Klar hatte ich gemerkt, dass er attraktiv war, aber
so aus der Nähe…
Er hatte pechschwarze, kurze Haare, doch sie schimmerten ein wenig bläulich und sein Gesicht
war scharf geschnitten. Alles an ihm strahlte pure Männlichkeit aus und ich musste mich schwer
beherrschen um ihn nicht noch weiter anzustarren.

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte und hoffte, dass er mein Starren nicht gemerkt hatte,
wollte ich ihm gerade wütend eine Erwiderung entgegenschleudern, doch ich stoppte noch rechtzeitig. Es war nicht gerade schlau, jemanden den man um einen Gefallen bitten wollte, zu
verärgern. Kurz überlegte ich, ob es das Ganze wert war, doch er war der Einzige, der mir helfen könnte. Es war ein offenes Geheimnis an dieser Schule, dass er sich vor einem Jahr in die Schulrechner gehackt hatte und das ganze System lahmgelegt hatte, doch niemand konnte ihm das nachweisen. Außerdem gehörte seinem Vater einer der größten Programmierfirmen der Welt. Kein Wunder, dass er so viel Ahnung von Computern hat.
Ich im Gegensatz gar nicht, deshalb brauchte ich seine Hilfe.
„Ich will dich garantiert nicht verführen, wer will das schon? Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich
brauche deine Hilfe.“
Ok, ich musste zugeben, das war etwas grob rübergekommen.
Spöttisch zog er eine Augenbraue hoch.
„Wie heißt das Zauberwort?“
Wollte er mich auf den Arm nehmen? Wütend schluckte ich meine zugegebenermaßen nicht sehr nette Antwort runter und schob ein gequältes „Bitte“ hinterher.
„Schon besser. Also, wobei soll ich dir helfen?“
Sollte ich ihn wirklich fragen? Aber er war der Einzige, der mir helfen konnte und ich musste das jetzt
einfach durchziehen.
Also atmete ich noch einmal tief durch und antwortete dann.
„Ich will mich während eines laufenden Fußballspieles in die Computer des Senders einhacken, um
etwas anderes, was ich selbst gedreht habe, einzublenden.“
Jetzt war es draußen. Vorsichtig blickte ich zu ihm und bemerkte, dass er mich fassungslos und sprachlos ansah. Doch dann fasste er sich wieder und lachte lauthals los.
„Der war gut! Das meinst du doch nicht ernst?“ Prüfend sah er mich an, doch ich blieb vollkommen
ernst.
„Du meinst das wirklich ernst! Warum?“ Verwirrt blickte er mich an.
„Ich will die Fußball besessene Welt nur auf etwas aufmerksam machen.“
Genervt stöhnte er.
„Und was? Muss man dir denn alles aus der Nase ziehen?“
Ich wich seinem Blick aus, mehr wollte ich ihm eigentlich nicht sagen.
„Ist das nicht egal?“
„Egal? Meinst du nicht, dass ich ein Recht drauf habe, zu erfahren, warum ich was Illegales machen
soll?“, meinte er spöttisch.
„Das heißt du machst es?“ Hoffnung stieg in mir auf.
„Nein, das heißt es nicht. Erst will ich mehr Informationen.“
Seufzend gab ich nach.
„Na schön; hast du mal darüber nachgedacht, dass während die Fußballvereine Millionen aus
dem Fenster werfen, in Afrika die Einheimischen und insbesondere die Kinder und Frauen tagtäglich verhungern, misshandelt oder verkauft werden?
Die bezahlen für einen Fußballer neun Millionen, davon könnten dort tausende von Menschen Jahre
überleben. Sorgenfrei! Und wie viele kaufen irgendwelche unnützen Fanartikel und geben ein heiden
Geld dafür aus, nur weil da das Zeichen ihres Lieblingsvereins draufgedruckt ist, aber haben noch nie
im Leben mal ein Euro gespendet?“ Ich redete mich in Rage, wie ich es immer tat, wenn ich auf das
Thema zu sprechen kam.

„Jemand muss ihnen das mal klar machen!“ Vermutlich hörte ich mich total fanatisch an, aber das
Thema machte mich richtig wütend und traurig.
Ich hatte vermutete, dass er mich auslachen würde, doch er blieb ernst und schaute mich fast…
bewundernd an. Bewundernd? Schnell guckte ich genauer hin, doch was auch immer da eben in
seinem Blick, war verschwunden.
„Ich werde dir helfen.“ Hatte ich richtig gehört?
„Ja? Danke, das ist super! Kannst du vielleicht morgen vorbei kommen, dann…“ Erleichtert bedankte
ich mich bei ihm, doch er unterbrach mich.
„Du weißt meinen Preis noch nicht.“ Was, er wollte etwas dafür haben? Verdammt, das war gar nicht
gut.
„Was willst du? Geld…“
Er unterbrach mich schon wieder.
„Wer hat denn was von Geld gesagt? Das hab ich selber genug. Nein, ich will etwas ganz Anderes.“
Spöttisch sah er mich an und leckte sich mit der Zunge über die Unterlippe. Ich brauchte ein paar
Augenblicke um zu verstehen was er meinte, doch dann blieb mir empört die Luft weg. Er war so ein
verdammtes, gieriges, schmieriges, ekliges, perverses, notgeiles-
„Bevor du mich weiter in Gedanken verfluchst, es ist nicht genau das, was du denkst.“
Woher wusste er das?

„Man sieht dir an, dass du mir gerade am liebsten die Augen auskratzten würdest. Aber keine
Sorge, ich will nur einen Kuss. Auf den Mund.“
Ich wollte ihm immer noch die Augen auskratzen.
„Also wenn du nicht willst, dann kann ich ja jetzt gehen…“
Verdammt! Ich brauchte ihn! Ohne ihn würde das nicht klappen.
Und einen Kuss, das würde ich ja wohl überleben.
Also gab ich zähneknirschend nach.
„Warte. Von mir aus, kriegst du deinen dummen Kuss. Aber nichts weiter, sonst beiß ich dir die
Zunge ab!“, fauchte ich.
Er grinste überlegen und meinte: „Wer weiß, vielleicht bist du ja nachher diejenige, die weiter gehen
will.“
Meine Hand zuckte zu seinem Gesicht, doch er fing sie kurz vorher ab, drückte mich mit seinem
Körper an die Wand, so dass ich bewegungsunfähig war, meinte, dass er eine kleine Vorauszahlung
wollen würde und streifte für eine Millisekunde meine Lippen. Das alles ging so schnell,
dass ich absolut keine Chance hatte, irgendwie zu reagieren. Und während ich noch erstarrt war,
verschwand er aus dem engen Raum und ließ mich vollkommen verwirrt zurück.

Den ganzen Tag grübelte ich darüber nach, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, ausgerechnet David um Hilfe zu bitten.
Am besten hoffte ich einfach, dass er das Ganze vergaß und ich suchte mir jemand Anderen.
Also versteckte ich mich den Rest der Schulzeit mehr oder weniger vor ihm und war noch erleichterter als sonst, als es endlich zum Schulschluss klingelte. Ich hechtete aus meiner Klasse und rannte fast zum Ausgang. Doch als ich auf den Schulhof kam, verflüchtigten sich all meine Hoffnungen, dass ich ungesehen von David abhauen konnte. Er stand, die Hände tief in der dunkelblauen Jeans vergraben, mitten auf dem Hof. Verdammt! Ich sah mich hektisch nach Fluchtmöglichkeiten um, doch der einzige Weg führte direkt an ihm vorbei. Doch scheinbar war mir das Glück dann doch mal gnädig, denn auf einmal kamen Sarah und ihre Clique angestöckelt und umzingelten ihn. Ich hörte wie er sie wütend anblaffte, doch zu spät. Ich war bereits an ihnen vorbei gehuscht und in letzter Sekunde in den Bus gesprungen. Als sich die Türen bereits schlossen, sah ich wie er wütend auf den Bus zukam, doch da fuhren wir auch schon los. Im Bus war es wie immer total voll, sodass ich natürlich keinen Sitzplatz bekam und eine ganze Viertelstunde lang in jeder Kurve hin und her geworfen wurde.

Erleichtert stieg ich an meiner Haltestelle aus und zog mir die blaue Stoffkapuze meines Pullovers
über den Kopf, da natürlich genau in dem Moment in dem ich aus dem Bus gestiegen war, plötzlich
heftiger Regen einsetzte. Ich steckte mir die Ohrstöpsel meines roten iPods in die Ohren und
blendete alle Geräusche um mich herum aus. Begleitet von Rihannas Lied Umbrella stapfte ich
also die endlos lange Straße entlang und versuchte möglichst allen Pfützen auszuweichen, da ich
Angst hatte, mir schon wieder eine neue Hose zu ruinieren. Ich hatte leider ein Talent dafür, öfters
hinzufallen und alles schmutzig zu machen. Also richtete ich den Blick auf den Boden, hörte deshalb
das rasende Auto zu spät und konnte nicht früh genug zurückweichen. Genau neben mir fuhr der
pechschwarze, glänzende BMW durch eine tiefe Pfütze und – wie sollte es anderes sein – spritzte
das dreckige Wasser in einem hohen Bogen Richtung Gehsteig und durchnässte mich von oben bis unten.

„Verdammt nochmal!“, fluchte ich. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Konnte das dumme
Arschloch da drinnen nicht mit seinem fetten Auto ein wenig aufmerksamer fahren? War sich wahrscheinlich zu schade dafür. Ich schüttelte mich, doch es brachte nichts. Gänsehaut breitete sich auf meinen Körper aus, als das kalte Wasser sekundenschnell meine Klamotten durchweichte. Fröstelnd legte ich einen Schritt zu, denn ich wollte einfach nur noch nach Hause und mich in Jogginghose ins warme Bett kuscheln und versuchen, diesen verdammten Tag zu vergessen. Da ich den Fahrer in Gedanken noch weiter verfluchte, bemerkte ich nicht, dass das Auto ein paar Meter weiter gehalten hatte und die Tür aufging, sodass ich auch noch fast gegen sie gerannt wäre. Doch ich konnte gerade noch rechtzeitig stoppen, trotzdem platzte mir der Kragen und ich brüllte den unbekannten Fahrer, den ich noch nicht sehen konnte, an.
„Sie Idiot, erst machen sie mich komplett nass mit ihrer dummen Karre und jetzt renn ich auch
noch fast gegen Ihre verfluchte Tür. Können Sie denn keine Rücksicht nehmen?“
Aus dem Wageninneren ertönte ein wohlklingendes Lachen, das mir einen angenehmen Schauer über den Rücken jagte, obwohl ich ihn dafür hasste, dass er mich jetzt auch noch auslachte.
„Was gibt’s da zu lachen? Ich find das gar nicht lustig!“
Als eine, mir wohlbekannte Stimme, ertönte, wuchs meine Wut ins Unermessliche.
David!
„Aber, aber. Ich wollte dir doch nur anbieten, mitzufahren. Doch du warst ebenso schnell weg… man
könnte fast meinen, du hättest dich absichtlich vor mir versteckt.“
Empört wollte ich ihm ins Gesicht schleudern, dass ich mich sehr wohl vor ihm versteckt hätte, da
ich seinen Anblick nicht ertragen könnte, obwohl das natürlich gelogen war, aber er kam mir wieder
zuvor.
„Aber das würde ja bedeuten, dass du Angst hättest, aber das hast du doch nicht, oder Maya?“
Herausfordernd sah er mich an und mir blieben die Wörter auf halben Weg im Hals stecken. Idiot!
Warum wusste er, wie er mich so reizen konnte?
Trotzdem blickte ich ihm halbwegs selbstbewusst in die Augen.
„Ne, wie kommst du denn darauf? Deal ist Deal und ich habe nicht vor ihn platzten zu lassen.“
„Dann ist ja gut. Ich freu mich schon auf meine Belohnung. Und ich dachte wir könnten das Ganze heute schon abziehen, denn falls du es nicht weißt, aber das Spiel ist heute. Ich hab meine Sachen sogar schon dabei.“
Spöttisch grinste er und warf einen vielsagenden Blick auf meine Lippen.
Wütend kniff ich sie zusammen. Verdammt, vor lauter Aufregung hatte ich doch tatsächlich das Datum verwechselt, aber jetzt konnte ich auch nicht kneifen, auch wenn mir das alles auf einmal viel zu schnell ging.
„Dafür musst du es erstmal hinkriegen und davon bin ich nicht überzeugt.“
Gespielt empört sah er mich an und tat so, als ob ich ihn in seiner Ehre gekränkt hätte.
„Autsch, das tat jetzt aber weh. Aber nein, du musst dir keine Sorgen machen, dass du deinen Kuss nicht bekommst, ich werde das schaffen. Und jetzt steig ein und versuch, nicht alles nass zu machen. Ich will jetzt endlich beginnen.“
Verdammt! Er war so ein…selbstgefälliger Idiot! Kurz wägte ich ab, ihn einfach zu ignorieren, doch ich hatte überhaupt keine Lust so noch weiter zu laufen und außerdem würde das dann so aussehen, als ob ich kneifen würde.
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