Der Test der Zeit Band IX "Chroniken der Reise in die Hölle!"

von Nakago
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
25.09.2012
01.11.2012
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Kapitel 1
Der Ball des Landgrafen!

22. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Chondathan

Das ist natürlich jetzt eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Nun gut. Bevor wir uns an die Befreiung der inhaftierten Seher machen können, brauchen die später Geretteten dann ein neues Versteck, da ja leider der Stadtsitz des Adligen konfisziert worden ist. Mein Haus will ich dazu nicht hergeben, aber wir haben noch eine andere Option, die wir genau für solche Situationen im Auge behalten haben. Vor vielen Jahren hatte diese Stadt eine Rylkar Plage, dass waren diese seltsamen Feuerresistenten Riesenratten, die wir gelöst hatten. Dabei fanden wir das Versteck eines Dunkelzwerg Sklavenhändlers in den alten Minen des Tarsus, des Berges neben Chondathan. Also gehen wir dort hin und schauen mal nach, ob das Versteck noch sicher ist. Wer weiß, was sich da inzwischen alles eingenistet haben kann. Auf dem Weg dorthin gabeln wir Dolon auf, der seine geheime Mission für den Tempel erledigt hat.

Da wir schon lange nicht mehr in den Minen waren, verlaufen wir uns mehrmals, finden aber schließlich den geheimen Eingang zum Versteck des Dunkelzwerges. Innen drin haben sich neue Mieter in Form von Kakerlaken eingenistet. Sie sind so groß wie mein Wachhund, aber nachdem wir etwa dreißig von ihnen erschlagen haben, halten diese einen großen respektablen Abstand zu uns. Wir gehen nach unten und schauen nach, ob der Fluss noch sprudelt. Tut er nicht. Das Becken ist trocken und darin räkelt sich eine gewaltige Mutterschabe, die größer als eine Kuh ist. Das ist ja eklig. Mal sehen, ob sie schwimmen kann. Leider sind die Hebel stark beschädigt, aber nichts, was man nicht mit etwas Werkzeug und Material beheben könnte. Leider ist das entsprechende Equipment hier nicht vorhanden. Wir verlassen die Minen und suchen einen Händler in der Lagerstadt auf, wo wir das notwendige Zeug für eine Reparatur bekommen.

Zurück im unteren Flussraum werden wir von zwei gewaltigen Kakerlaken Zusammenballungen angegriffen. Iiiks! Die formen sich zu humanoiden Wesen, die nach uns schlagen. Dolon setzt seine Kräfte ein und lässt uns alles viel schneller erledigen. Als erstes entfessle ich einen gewaltigen Säuresturm, aber beide Kakerlakenhaufen weichen agil aus. He. Aber Mama setzt das doch schon etwas mehr zu. Die wenigen Verluste werden durch neue Kakerlaken ersetzt. Lia wirft einen Flammenlohe, die einige von diesen Dingern richtig gut durchbrät. Der Geruch nach verbranntem Chitin liegt in der Luft. Druss stürm in eines der Viecher und haut es ordentlich. Bekommt auf dem Weg aber noch eine drauf, nachdem er schon vorher mehrere Hiebe abbekommen hat. Das andere Ding attackiert mit mäßigem Erfolg Dolon, der sich mit einem Schlaghagel abreagiert und es weg haut.

"Kegel aus Kälte!" rufe ich und friere Mama und überlebenden Haufen etwas ein, während Lia es mit einem Flammenstrahl wieder auftaut. Druss aktiviert seine Waffe und beginnt das überlebende Vieh zu umgehen. Dolon greift das Ding an und verletzt es schwer. Ich werfe eine Elektrische Sphäre ins Zentrum und auch der zweite Haufen bricht zusammen. Die wenigen Überlebenden Kakerlaken rennen zu ihrer Mutter und tragen sie weg. Nun gut, damit wären sie wohl vertrieben. Eine Verfolgung unterlassen wir, da wir diese Dinger hier ja nur raus haben wollten und mit ihrer Flucht unser Ziel erreicht ist. Dolon heilt diejenigen, die etwas abbekommen haben und ich repariere den Mechanismus. Danach fluten wir das Becken und machen etwas sauber, legen ein Lager an und bunkern ein paar Vorräte.

Die erste Hürde wäre genommen, als nächsten brauchen wir einen Weg hinein in den Zwinger. Fragen wir am besten Renya Harloff, die Wirtin des Brunnenhauses. Vor sieben Jahren trafen wir uns dort, eine kleine Gruppe Menschen, Elfen und Halbelfen. Jung und wagemutig. Ist es wirklich schon so lange her? Sieben Jahre? Wie die Zeit vergeht. Damals war Mili noch ein kleines Kind, dass immer ihre kleine Ente hinter her zog, jetzt ist sie ein kleiner Wildfang und schon bald in dem Alter, wo aus Kindern gar nicht mehr so kleine Rebellen werden. Ich wünschte, ich könnte mit ihr mehr Zeit verbringen. Aber wieder mal muss ich Leben retten. Wird das jemals aufhören?

Renya spielt Karten, als wir das Brunnenhaus betreten. Es ist schade, dass wir meist nur hier her kommen, wenn wir was brauchen. So auch diesmal. Die gute Frau Harloff führt uns in die Dachstube, wo wir ungestört reden. Der Zwinger des Landgrafen ist natürliche eine Klasse für sich, noch besser bewacht als die Pfennigfeste. Und die war ja schon eine Herausforderung, deren Meisterung wir Monate gebraucht haben. Es gibt wohl zwei Organisationen, die etwas darüber wissen könnte. Zum einen die Diebesgilde der Schwarzpfeil. Zum anderen der Masketempel. Mit keiner von beiden Organisationen sind wir besonders grün. Der Masketempel ist mir aber äußerst unsympathisch, besonders da der wohl noch den Zehnt verlangen könnte, aus all meinen kleinen Beutezügen. Nein, das kommt gar nicht in die Tüte. Maske ist mir suspekt. Dann lieber die Schwarzpfeil, mit der hatten wir direkt noch nie wirklich Ärger.

22. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Chondathan

Da ich nicht unbedingt in der Diebesgilde erkannt werden möchte, tarne ich mich entsprechend als ungesehene Seherin aus den Kernlanden, genauer gesagt aus dem guten alten Arras. Ich übe mich etwas in dem dortigen Dialekt und gehe dann zur Goldmünze, dem inoffiziellen Hauptquartier des Schwarzpfeil Diebesgilde. Es ist früher Abend und schon einiges los. Zwei bullige Schränke verwehren mir den Weg nach oben, zum Hinterzimmer, wo die Offiziere der Schwarzpfeil Diebesgilde Hof halten. Ich müsste das erst mit einem Kerl aushandeln, der hier die Glücksspiele überwacht. Nach kurzem Gespräch führt er mich nach oben. Die Schwarzpfeil ist etwas älter geworden, ihr kleiner Sohn thront neben ihr und tut auf wichtig. Früh übt sich, wer mal Gildenmeister sein will. Ich schau ihn mir genauer an und versuche zu erkennen, ob er Lucius dem Schneider ähnlich sieht, kann aber keine signifikanten Merkmale feststellen.

Meine Tarnung wird leider recht schnell unter allgemeinem Gelächter erkannt. Finsterste Verdammnis! Ich mache böse Miene zum bösen Spiel und halte meine Tarnung zum Trotz aufrecht. Wenigstens werden wir sehr schnell Handelseinig, auch wenn ich nicht das bekomme, was ich eigentlich wollte. Sie haben tatsächlich eine Möglichkeit, in den Zwinger hinein zu kommen, aber die wollen die uns nicht verraten. Ihr Gegenangebot ist, die Schwarzpfeilgilde wird die überlebenden Seher herausholen, wenn wir im Gegenzug eine Organisation namens Apokryptos davon überzeugen, sich in Chondathan anzusiedeln. Die befinden sich zurzeit in Westtor und wären einen Vereinigung aus Apothekern und Alchemisten. Das ist die Vorleistung, bei Übergabe wären noch 3000 Goldmünzen fällig. Das es nicht ganz billig werden würde, war mir klar gewesen. Das wird mein Budget ziemlich angreifen, aber nun gut, sie sind meine Leute und ich verdanke ihnen viel. Am Geld soll es also nicht liegen. Wir brauchen aber noch einen Sündenbock, wir gehen verschiedene Fraktionen durch, einigen uns dann auf die Vollstrecker der Janus Kompanie, von dem ich noch eine Kapuze herumliegen habe. Das wäre also geklärt.

Ich sage den anderen Bescheid, was Sache ist und wir beschließen, noch heute nach Westtor aufzubrechen. Inzwischen sind auch schon die offiziellen Einladungen für den Empfang beim Landgrafen eingetroffen. Mili ist ganz aus dem Häuschen, da muss ein neues Kleidchen und Schuhe her; und eine Überarbeitung der Frisur ist ebenso fällig. Und ich muss das in die Hände des Kindermädchens legen, während ich nach Westtor muss, um diesen Geheimbund von Apothekern zu finden. Ich hoffe mal, dass sich dahinter keine Giftmischer verbergen. Wie heißt es so schön, alles ist Gift, nur die Dosierung macht es erträglich.

Gerotar ist nicht auffindbar, was mir gerade recht ist, hier geht es um Subtilität. Also bilden Druss, Dolon, Lia und ich einen Teleportationskreis und teleportieren nach Westtor. Aber wir kommen nicht vor dem Tymoratempel in Westtor heraus, sondern an einer ungepflasterten Straße, mitten unter schäbigen Häusern. Wir sind irgendwo anders heraus gekommen. Delzoun, wie nach kurzem Nachfragen heraus finde. Das ist etwa fünfzig Kilometer von Westtor entfernt. Ups! Nun schlecht, dann eben noch einmal. Diesmal kommen wir in Westtor heraus. Geht doch!

Wir beginnen einschlägige Schenken abzuklappern. Aber kaum jemand hat je vom Apokryptos gehört. Diese Vereinigung ist sehr nebulös und keiner weiß, wo die zu finden sind. Na prima. Schließlich haben wir einen Namen, Selveran, ein kleines Handelshaus, die scheinen mal Kontakt mit denen gehabt zu haben. Leider ist es jetzt spät in der Nacht und nicht die beste Zeit, einfach mal vorbei zu schauen. Also suchen wir uns ein nettes Gasthaus und schlafen den kurzen Rest der Nacht. Nach dem wir nicht überfallen oder sonst wie gestört worden sind, Westtor ist einfach nicht mehr das, was es mal war, nehmen wir ein kräftiges Frühstück zu uns. Das Kontor des Handelshauses ist geschlossen wegen Familiärer Angelegenheiten. Nun, dann gehen wir eben zum Familienanwesen außerhalb der Stadt. Das sind schlappe fünf Kilometer Fußmarsch. Och! Irgendwie bin ich so etwas gar nicht mehr gewöhnt, am Tag an der Oberfläche mich zu Fuß fortzubewegen.

Endlich sind wir dort und finden heraus, dass heute die Verlobung von der jüngsten Tochter des Hauses gefeiert wird. Wir kommen als alte Veteranen um den Krieg um Westtor mit dem Hausherrn ins Gespräch. Er ist ziemlich reserviert uns gegenüber, will uns aber zuerst zeigen, was diese Vereinigung für ihn getan hat. Der Mann mit Stock führt uns an die Küste und ein Pier. Dort hängt eine große Glocke, die er mehrmals schlägt. Es dauert eine Weile, dann taucht eine Art Meerjungfrau auf. Das ist seine älteste Tochter, die an einer magischen Krankheit litt. Ein Fluch, den niemand zu brechen vermochte und welche ihr das Atmen immer unmöglicher machte. Nur die Leute von Apokryptos konnten ihr helfen und gaben ihr Kiemen. Das Mädchen macht einen gelösten und glücklichen Eindruck. Wir werden eingeladen, den Morgen auf dem Fest zu verbringen, was wir annehmen. Dann verrät er uns noch seinen Kontakt zu dieser Geheimgesellschaft, nachdem wir schwören, dass wir nicht vorhaben, ihn zu Schaden. Zum einen gäbe es da eine Parfümmischerin namens Irella, zum anderen ein Händler mit dem Namen Karatall. Ist ja immerhin schon mal eine konkrete Fährte.

23. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Westtor

Wir verbringen einen vergnüglichen Vormittag auf der Verlobungsfeier und müssen Kriegsanekdoten zum besten geben. Dolon ist da Feuer und Flamme, ich muss da eher immer an das Leid der unbeteiligten Zivilbevölkerung denken. Und wie wir die letzten Stunden in Westtor verbracht haben, in einem Haus verbarrikadiert, um die dortigen Leute vor Plünderung, Schändung und Mord zu bewahren. Krieg schmeckt nur jenen süß, die nie von ihm gekostet haben.

Als nächstes suchen wir Irella auf, die einen sehr noblen Laden im zweiten Ring hat. Wir bekommen einen Termin und nutzen die Zeit noch einen Schneider aufzusuchen und dort einen weiteren Termin auszumachen. Morgen ist ja schon das Fest und wir müssen uns noch hübsch machen. Dann gleich noch einen Friseurtermin ausgemacht. Die Parfümmischerin ist eine kultivierte Dame mittleren Alters, die sehr charmant und zuvorkommend ist. Während wir plaudern, kaufe ich ein wirklich wohl duftendes Parfüm in einem leuchtenden Kristallflakon. Kostet nur 390 Goldmünzen. So rein zufällig kommen wir auf das Apokryptos zu sprechen. Nach etwas hin und her können wir uns darauf einigen, dass sie diesen Leuten eine Botschaft über unser Gesprächsbegehren schicken wird. Immerhin etwas.

Danach geht es zum Schneider, der sich als ein alter Bekannter aus Chondathan entpuppt. Er nimmt mal wieder nur mit den Augen maß und ich bin um 500 Goldmünzen ärmer. Für die Frisur gehen noch mal fünfzig drauf, was ja ein richtiges Schnäppchen ist, der Schuhmacher schlägt noch mal mit 300 Goldmünzen zu buche. Empfänge entpuppen sich als teure Angelegenheit. Bis wir alles zusammen haben, ist es wieder Abend und die Männer sehen richtig geschafft aus.

Noch keine Nachricht, wir beschließen bis Morgen früh zu warten und dann den Händler aufzusuchen. Nach einer weiteren ruhigen Nacht in dem einst ach so berüchtigten Westtor sind wir immer noch ohne Ergebnisse. Die Zeit läuft uns davon. Also gehen wir zu diesem Händler Karatall, welcher mit seltenen Antiquitäten aus dem alten Jhaamdath aus zweifelhafter Quelle handelt. Deswegen wollten wir ihn nicht als erstes besuchen, da er sehr nach Hydrazugehörigkeit riecht. Aber jetzt gehen uns die Optionen aus. Sein Kontor steht direkt an einem Pier. Wir finden den fetten Kerl hinter seinem wuchtigen Schreibtisch sitzend. Sein Sohn wurde in etwas verwandelt, was grob einem Steingolem ähnelt. Äußerlich ein Mensch, aber alles an ihm ist grau, sogar die Pupillenlosen Augen. Wie eine lebendig gewordene Statue. Das soll Schutz vor psionischen Kristallen bieten, deren Berührung allein schon zu höchst unangenehmen Nebenwirkungen führen kann. Schön, dass wir heute zum ersten mal davon hören. Der Händler will 5000 Goldmünzen für das Arrangieren eines Treffens. Spinnt wohl! Nach einer zehnminütigen äußert hitzig geführten Verhandlung einigen wir uns auf 2500 Goldmünzen.

Wir warten knapp zwei Stunden, werden dann von seinem unheimlichen Sohn in die Krypten der Stadt geführt, da Westtor keinen wirklichen Friedhof hat. Die Toten werden direkt unter der Stadt in weitläufigen Katakomben begraben. Wir werden in eine Gruft mit den Sarkophagen geführt. Am Ende steht vor der Wand ein Mensch in über den Kopf gezogener Kapuzenrobe. Nach seiner Stimme ist es ein Mann. Ich trage mein Anliegen vor und nach etwas hin und her meint er, dass er uns eine Botschaft seiner Anführer zukommen lassen wird. Ich mache ihm klar, dass der Faktor Zeit entscheidend ist und wir bis zur vierten Mittagsstunde eine Entscheidung erwarten.

Also hohlen wir erst mal unsere ganzen Einkäufe ab und warten dann wie auf glühenden Kohlen. Tatsächlich taucht kurz vor Ablauf eine Frau auf, deren Gesicht zur Hälfte mit einer eisernen Maske bedeckt ist. Ihre Augen sind Stahlblau und ihr Haar eine rote Mähne. Sie wird als Botschafterin der Apokryptos fungieren. Nun gut, dann hält uns nichts mehr. Ich bete zu Tymora, dass wenigstens einmal es mir gelingt, fehlerfrei nach Chondathan zu teleportieren. Wir kommen zielgenau in der Nähe der Goldmünze heraus. Ich trenne mich von den anderen und führe verschleiert die Frau zur Goldmünze. Die Schwarzpfeil ist leider nicht da, aber wohl entscheidungsfähige Offiziere. Nach einer kurzen Unterredung bekomme ich das OK, der Deal steht. Sie werden in zwei Tagen zuschlagen. Dafür brauchen wir dann ein Hieb und Stichfestes Alibi. Und mir fällt da auch schon etwas ein, was über jeden Zweifel erhaben ist.

23. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Chondathan

Jetzt heißt es erst mal ab nach Hause und sich in Schale werfen. Mili ist genau so aufgeregt wie ich und zappelt nur herum. Ich habe alle Mühe, sie daran zu hindern, ihr neues Kleidchen zu ruinieren. Ach, wie süß sie darin aussieht, wie eine kleine Prinzessin. Garn wirft sich ebenfalls in Schale, nur spannt seine festliche Robe etwas, ist wohl wie seine Rüstung etwas eingegangen. Eine Mietkutsche holt uns ab und fährt uns bis zum Zwinger. Die ganze Zeit überprüfe ich meine perfekt sitzende Frisur im Spiegel, wobei mein böses ich mir wie üblich böse Faxen schneidet. Der Tag wird kommen, da hol ich mir dieses Ding im Spiegel und mach es alle.

Der Zwinger ist festlich beleuchtet und die Festhalle ist dekorativ geschmückt. Wir sind mit bei den ersten, obwohl wir pünktlich sind. Die Herzöge und der Landgraf sind noch nicht da, auch keiner der hohen Adligen. Ich sehe manch bekanntes Gesicht aus der Zeit, als die Gemeinschaft der Fünf noch Feste gegeben hat und wir eingeladen gewesen waren. Mili rennt aufgeregt hin und her, bis ich sie irgendwann einfange und sie dazu verdonnere, an meiner Seite zu bleiben, kommen doch jetzt so langsam die wichtigen Leute. Sie sollen schließlich eine liebe und wohlerzogene Mili kennen lernen, vielleicht schafft ja meine Kleine irgendwann den Sprung in höhere Kreise. Vielleicht werde ich irgendwann noch für meine großen Verdienste um die Stadt noch in den Adelsstand erhoben. Davon träumen darf man ja.

Schließlich tauchen auch die Herzöge und der Landgraf auf. Dieser eröffnet dann endlich den Ball und die Musik spielt richtig auf. Mili ist ganz aus dem Häuschen, als sie zum Tanzen aufgefordert wird. Hoffentlich zahlen sich die nicht ganz billigen Tanzstunden für sie nun aus. Ich tanze etwas mit Garn, dann mit einigen anderen wichtigen Herren. Unter anderem mit dem neuen Herzog, der für die Stadtwache zuständig ist. Nach dem peinlichen Zwischenfall mit der Herzogin, die ja pikanterweise nackt und gefesselt vom Meisterdieb Ricardo zurück gelassen wurde, als die grüne Kugel aus der Pfennigfeste verschwand, musste die Herzogin schließlich zurück treten. Ihr Nachfolger ist etwas aufgeschlossener meinen Verbesserungsvorschlägen und wir machen einen Termin in zwei Tagen aus. Wenn das mal nicht das perfekte Alibi ist?

Als Höhepunkt tritt der Barde Laslo auf, begleitet von zwei Flötenspielerinnen. Er singt von unserem Kampf gegen den blauen Ritter, als wir gegen Mak Thuun Ngatha gekämpft hatten. Allerdings hat er uns dazu nie befragt, so hat die Weise die er vorträgt, so gut wie gar nichts mit den damaligen Ereignissen um die Tsochhari zu tun. Dann kommt die Ballade um die Kreeg Oger, die schon viel näher an der Wahrheit liegt, habe ich doch unsere Abenteuer zu Papier gebracht. Und so wie es aussieht scheinen diese Werke nicht nur unsere Feinde zu lesen. Dann kommt noch die Schlacht um Köhlerheim zum tragen, die war ja auch wirklich episch. Damals bin ich zum letzten Mal gefallen. Hach, das ist auch schon wieder länger her, dass ich mal Tod war. Ich hoffe dieser Zustand hält noch lange an.

Danach dankt der Herzog uns ganz offiziell für unsere Verdienste um das Zwergengefängnis und das wir die Stadt viel sicherer gemacht haben. Zum Abschluss gibt es noch eine Spendensammlung für Notleidende Wagemutige, wo immer hin noch einmal satte Sechsundzwanzigtausend Goldmünzen zusammen kommen. Und dann werden uns noch die Zwergenwaffen überreicht. Ich bekomme ein hübsches Kurzschwert, dass mir erlaubt, einen Zauber darin zu speichern und es hat die Gabe, dass ich immer wenn ich das Schwert in der Hand halte, alles Unsichtbare erkennen kann, dazu kann ich noch körperlose Wesen ohne Probleme treffen. Herr Fröhlich, nimm dich in Acht!

Lia bekommt einen heiligen Langbogen, der jede Art von Tarnung oder Hindernis ignoriert und seine Pfeile als magische Energie abfeuern kann. Druss bekommt ein Berserkerschwert, welches sich dem Gegner anpasst. Sehr praktisch so etwas. Der Kriegsrufer bekommt ein Unerbittlich scharfes Schwert. Und unser Erdklümpchen schließlich bekommt ein Schwert mit einem Gewitterausbruch und Rückschlag. Na, ich weiß nicht, ob das jetzt so ein Segen ist. Leider muss ich dafür das Herz der Habgier zurück schicken, was mir sehr schwer fällt. Aber aus so einer Waffe die einst ein finsterer Gott geschaffen hat, kann nur wenig Gutes erwachsen. Dieses Schwert ist schon etwas feines, jetzt brauche ich nur noch einen passenden Namen dafür, der sich noch heraus kristallisieren muss. Schließlich geht auch dieses rauschende Fest zu Ende und wir fahren nach Hause. Mili ist zwar todmüde, trotzdem vollkommen aufgedreht. Sie summt die ganze Fahrt über im Halbschlaft die Musik, zu der sie so schön getanzt hat. Ja, ein schöner Abend. Das ist einer der Momente, wo ich mich in meinen Tun bestätigt fühle.

25. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Chondathan

Ohne Probleme werden wir am Abend, zwei Tage nach dem Fest, zur Pfennigfeste durchgelassen. Der Herzog erwartet uns schon und ich unterbreite ihm meine Verbesserungsvorschläge. Zum einen die Schildwacht zwei zu teilen. Einmal für Wachdienste, also Tore bewachen, durch die Stadt patrouillieren, Streit schlichten, Randalierer zur Räson bringen. Dann eine Schildwacht, die sich nur mit der Aufklärung von Verbrechen beschäftigt. Und das diese Leute kein verdammtes Schild mit sich herum schleppen müssen, sondern ein sehr kleine Version davon als Erkennungszeichen.

Wir haben auf dem Fest von einem Waukeenpriester namens Bruder Karvas erfahren, dass die Schwarze Hand in der letzten Zeit sehr aktiv geworden ist und finstere Rituale der Menschenopferung betreibt. Ich kann mir in etwa vorstellen warum, die brauchen die sechstausend fehlenden Seelen. Der Herzog ist über die Piratenplage beunruhigt. Es gibt zwar Abwehrtürme am Hafen, aber einer massiven Landung einer Flottille von Piratenschiffen hat Chondathan kaum etwas dagegen zu setzen. Der Landgraf hat mehrere Schiffe im Auftrag gegeben und Dolon erklärt sich bereit, dass sein Tempel ein Teil der Ausbildung der Seesoldaten übernehmen wird. Das ist ein äußerst vernünftiger und weitblickender Vorschlag.

Mitten im Gespräch werden wir unterbrochen, eine Angehörige der Schildwacht flüstert aufgeregt in das Ohr des Herzoges, der uns daraufhin leider mehr oder weniger heraus wirft. Das waren wohl die Schwarzpfeile, welche meine Freunde von den Ungesehenen Seher befreit haben. Hoffe ich zumindest. Wie auf Holzkohlen sitzend warte ich auf Nachricht, als es dann schließlich an der Haustür klopft. Na prima, toller Wachhund. Ein junges Mädchen erklärt mir mit Schalk in den Augen, dass die Schwarzpfeile erfolgreich waren und ich nun die letzte Rate zu bezahlen habe. Aber sicher doch. Die kleine Diebin von vielleicht Fünfzehn Jahren wird von der Nacht verschluckt. Hach, vor Zehn Jahren war ich auch mal so Jung und dachte, die Welt würde mir gehören und ich wäre unsterblich. Inzwischen bin ich etwas klüger und weiser geworden. Alleine eile ich durch die Nacht zur Goldmünze.

In einem Nebenraum sitzen die sieben überlebenden Seher. Karn und Alura sind auch darunter. Was bin ich Froh, sie lebendig und nur mit einigen Oberflächlichen Kratzern versehen zu sehen. Hab ein ziemlich schlechtes Gewissen, mich erst so spät um sie gekümmert zu haben. Aber zuerst kam die Zwergeninsel dazwischen, dann das einsperren der Gefangenen, dass nicht verschoben werden konnte. Karn dankt mir überschwänglich, auch die anderen sind sehr Froh, den Kerkern entkommen zu sein. Ich bezahle die Schwarzpfeil aus und ich bereue keine Goldmünze. Damit ist auch das erledigt. Ich mache uns alle Unsichtbar und führe meine Gruppe zu den Minen. Acht sind jetzt noch übrig, viele waren wir noch nie. Ein weiteres Bollwerk des Guten ist gefallen, auch wenn die Alten, die Anführer der Seher, vielleicht nicht die nettesten Zeitgenossen gewesen waren. Diese alten Narren! Warum hatten sie nicht mehr Geduld? Hätte jetzt dieser Monat des mehr Wartens so viel ausgemacht nach über tausend Jahren? Was für ein Wahnsinn! Was für eine Verschwendung! Verdammnis!

Ich überlasse Karn weitere anderthalbtausend Goldmünzen als Startkapital und bringe meine Leute auf den neusten Stand. Das wir die Gebeine nun haben und das Mathras hinter der ganzen Sache steckte. Und das er in der Hölle ist, mit Neunzehntausend Seelen und die restlichen wohl gerade zusammen kauft. Wie üblich bekomme ich zu hören, dass ich vorsichtig sein soll. Wenn ich das wirklich sollte, dann würde ich doch das alles gar nicht tun? Nun ja, ich überlasse ihnen meine Unterlagen, so dass die nicht verschollen gehen, falls mir dort unten was passiert. Ist ja durchaus möglich, dass wir scheitern. Der letzte Kampf gegen Mathras war nicht wirklich glorreich. Nun denn, auf geht’s.

Zum Abschied drücke ich noch jeden meiner Brüder und Schwestern und ich wünschte, ich könnte bei ihnen bleiben und ihnen über die nächsten Tage helfen. Natürlich lasse ich auch die Zugangssteine der Okularen Bibliothek bei ihnen. Dann gehe ich zum Tempel der Tymora, der Still und leise nur von ein paar Kerzen erleuchtet dasteht. Ich versinke im Gebet, zum einen aus Dank für die Rettung meiner Organisation, zum anderen um meine Seele zu reinigen und zu stärken, um den Verführungen und Gefahren der Hölle zu widerstehen. Normalerweise können sie mich nicht versuchen, denn jemand, der sein Leben im Dienst des Guten gestellt hat und sich so seiner Schutzgöttin verschrieben hat wie ich, der braucht um sein Seelenheil nicht zu fürchten. Aber vielleicht finden diese teuflischen Teufel ja einen Schwachpunkt, den ich noch nicht kenne. Also bete ich um den Willen, die Weisheit, die Gewitztheit den gefahren und falschen Versprechungen der Teufel zu widerstehen. Mein Herz ist rein, lass nur Tymora rein!

26. Eleint 738 TZ Das Jahr des segelnden Mannes Chondathan

Wir schließen die letzten Vorbereitungen ab, kaufen Proviant und Wasserschläuche ein. Auch besuche ich den Bischof der Triade in seiner Kathedrale und berichte von Moloch, Mathras und der Hydra. Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan, zeigt sich zum einen darüber erfreut, dass die Hydra aus der Stadt verschwunden ist, äußert aber seine Sorge über das Potential von Neunzehntausend Seelen in den falschen Händen. Wenigstens bekommen wir etwas Rabat, als wir noch zwei Stäbe des leichten Wunden Heilens kaufen. Dank Dolons fehlen waren die letzten Abenteuer doch recht kostenintensiv, was Heilmagie anbelangt.

Nachdem der Schlachtenrufer seine Mittagsgebete beendet hat, kann es losgehen. Ich verabschiede mich noch von meiner Familie, die ich mal wieder allein lassen muss. Verdammnis! Ich will meine Kinder aufwachsen sehen, ihnen eine gute Mutter sein. Aber nein, ich muss in die Hölle und einen wahnsinnigen Leichnam aufhalten. Finsternis. Von wegen, wir gehen den leichten Weg! Es zerreißt mein Herz, meine Tochter und meinen kleinen Sohn mal wieder alleine zu lassen. Ach!

Aber je schneller wir diese Sache erledigen, umso schneller ist das beendet. Also bilden wir einen Kreis und teleportieren zurück in das Zwergengefängnis. Hier halten nun zwergische Wachen wacht. Wir nehmen die Schattenlaterne und schauen bei Moloch nach. Auch hier sind Wächter, die Runen sind immer noch beschädigt. Moloch schmollt in seiner Zelle, während ich mich mit einem der Zwerge unterhalte. Er teilt mir mit, dass die Reparatur in Gange ist. Aber so etwas dauert seine Zeit. Und Zwerge haben ihre ganz andere Begrifflichkeit von Zeit wie ein Mensch. Auf der anderen Seite ist es ja gut, wenn sie besonders Sorgfältig arbeiten, aber ich habe Angst, dass es vielleicht zu Spät sein könnte, bevor sie mit einem perfekten Ersatz fertig werden. Wir verabschieden uns von den Zwergen und schauen nach, ob Jasper Janus noch dort liegt, wo wir ihn erschlagen haben. Tut er, da die Türe noch so ist, wie wir sie zurück gelassen haben. Wir diskutieren kurz, was wir mit der Leiche machen. Ich wäre ja für ein ordentliches Begräbnis, da er ja immerhin ein Mensch war und durchaus für das Gute gekämpft hat, wenn auch mit den falschen Mitteln. Lia würde ihn ja direkt in die Esse werfen. Feuerbestattung. Geht’s noch?

Schließlich lassen wir ihn einfach so wie er gerade ist und versiegeln die Türe. Das Portal wird von Lia aktiviert, während ich noch darüber rätsle, wie man das am besten anstellt. Ich habe kein gutes Gefühl, als ich schließlich als die letzte durch das Portal trete. Wir wissen nicht, ob es einen Weg zurück gibt. Und uns durch sechs Ebenen auf die erste zurück zu kämpfen dürfte Problematisch sein. Angeblich gibt es ein Treppenhaus, das alle Ebenen miteinander verbindet oder Portale, aber die erst mal und Führer finden, dürfte schwer werden.

Wir landen in einer groben Höhle, also eher eine Mine, die in einen Hügel getrieben wurde. Selbst unter der Erde ist es warm. Könnte darin liegen, dass die Hölle ein heißer Ort ist. Ich schleiche bis zum Ausgang und schau nach draußen. Eine Hügellandschaft im satten Rot vor rotem Himmel breitet sich aus. Unrat ist keiner zu sehen. Dafür ein Halbling, der Dreck aus seinen Fußsohlen puhlt und zwei Legionsteufel. Wie ein Gefangener sieht der Halbling nicht aus. Ich kann diese Gruppe nicht Sinnvoll einordnen und ziehe mich zu den anderen zurück. Wir diskutieren kurz, wie wir am besten vorgehen. Das einfachste dürfte sein, wir fragen einfach mal ganz freundlich, wo wir hier eigentlich sind.

Also marschieren wir aus der Höhle. Der Halbling steht auf und sieht uns prüfend an, dann wird er immer größer und verwandelt sich in einen verdammt großen Teufel, mit einer rauchenden Kette in der Hand. Ich glaub, ich hab schon mal was von denen gehört. Ich schätze ihn mal als verdammt gefährlich ein. Verdammnis!

"Die Wagemutigen, nehme ich mal an?"
"Und wenn es so wäre?"
"Dann töte ich euch und kassiere das Kopfgeld."
"Was sind wir inzwischen wert? Der letzte hat was von hundert Seelen gefaselt."
"Hundert Seelen? Verdammt! Da werde ich wohl nachverhandeln müssen."
"Wie wäre es, wenn du das erst mal im Voraus machst. Nicht das du dich unter Wert verkaufst, Teufel!"
"Haha, netter Versuch, aber genug geschwafelt, jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum sterben. Und zwar für euch!" Der Teufel pfeift und auf einmal ploppen zehn weitere Legionsteufel vor uns auf. Nicht gut!

Ich entfessle einen Säuresturm, dem die Legionsteufel gewandt ausweichen und auch der Hornteufel macht eine unbeeindruckte Mine! Verdammnis! Dolon spendiert uns eine Hast, während Lia sich mit einem Kreis aus magischen Klingen umgibt. Der Teufel macht eine eindeutige Angriffsgeste und setzt einen Feuerball zwischen uns, dem ich elegant ausweiche. Die Legionsteufel ploppen vor uns auf und versuchen mich zu hauen. Da ein wahrer Klingensturm auf mich niederprasselt, aktiviere ich meine Armschienen und komme so ohne Blessuren aus dem Kampf. Druss lässt wie rasend mit wuchtigen Hieben sein Schwert auf und nieder fahren und die Legionsteufel fallen einfach um. (Zwei Kritische waren doch etwas zu viel für die Kerlchen).

Dolon versucht nun einen Sturmangriff, wird aber vom großen Teufel abgefangen und gelähmt. Ich gehe etwas zur Seite und bringe das Ding aus dem Gleichgewicht und brutzle ihm eine mächtige Säurekugel auf den Pelz. Lia beschießt ihn mit Pfeilen aus göttlichem Licht und Druss haut ihm sein Schwert um die Ohren. Das Ding revanchiert sich mit einem entsprechenden Schlaghagel auf den Barbaren, was diesen durchaus verletzt. Aber ich gebe dem Teufel Nachschlag und er fällt tot zu Boden.

"Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet", meint des Teufels Advokat Xelfex (aka Ilvarex vom roten Kreis, hab den Namen früher falsch geschrieben) von der Valerax Bruderschaft mit einem breiten Grinsen. Das gut gekleidete Teufelchen tritt aus seinem Versteck hervor und grinst uns Gewinnbringend an. Sieht so aus, als hätten wir einen unvertrauensvollen Führer für die Hölle gefunden. Finsternis!

Gespielt am 30.10.2010
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira 17 (Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 4/ Arkaner Trickser 8),
Druss 16 (Barbar),
Lia 16 (Waldläufer 5/ Kriegsmagier 6/Arkaner Bogenschütze 2, Mystischer Ritter 3)
Dolon 16 (Kleriker 8/Kriegspriester 8)
EP: Stufe 16 2100 Stufe 17 1775  
Überwundene Gegner
2 gemorphte Kakerlaken
12 Legionsteufel
1 Hornteufel
Belohnung
1 Adamant Kurzschwert +2 mit Zauberspeicher und Ätherischem Schnitter (Kaira)
1 Komposit Langbogen +2 Suchen, Göttlich, Magische Energie (Lia)
1 Zweihänder +3 Berserker, Verwandlung (Druss)
1 Zweihänder +2 Unerbittlich Scharf (Dolon)
1 Zweihänder +3 Rückschlag, Blitzausbruch
26000 GM Belohnung vom Ball
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