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Minor Fall

von ayola
GeschichteAllgemein / P16
25.09.2012
27.11.2012
4
4.207
 
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
25.09.2012 1.022
 
Hallo,
hier ist nun endlich mein Beitrag zur elften Runde. Meine ausgeloste Welt nennt sich Minor Fall und die erhaltene Beschreibung füge im vierten Kapitel an. Es folgen nach diesem Kapitel folglich noch 3 weitere.

Die Kapitelnamen stehen für die Namen der Hauptpersonen. Los geht's mit Anarie.
Ich wünsche euch viel Spaß!

******************

Die Leute um mich flüsterten und tuschelten, als wären sie mitten auf einem Ball. Es ging mir auf die Nerven.
Die Arena schien gerade wieder renoviert worden zu sein, überall glitzerte mir Gold entgegen. Das vorherige Rot hatte mir bei besser gefallen.
Immerhin hatte ich hier, in der VIP-Lounge, einen eigenen Stuhl und musste mich nicht auf dieselben Bänke wie das gemeine Volk quetschen.
Verwaltungsbeamte im schwarz-goldenen Dress wuselten umher. Ich scheuchte mit einer genervten Handbewegungen wieder einen weg, der sich nach meinem Wünschen erkundigte. Ihr unterwürfiges Benehmen widerte mich an. Sie mussten doch wissen, dass ich eh nicht den Wunsch oder die Macht hatte, sie aus diesem Dasein zu befreien.
Aber vielleicht erhofften sie sich ein Lob, das ich an meinen Boss weitertrug und ihnen Günstigkeiten verschaffte. Dabei sollten sie dankbar sein, dass sie sich als Einzige außerhalb der grausamen Welt befanden und sie einigermaßen beherrschen konnten. Ihre Vorfahren waren nicht ohne Grund in diese abscheuliche Kolonie versetzt worden.
Und wenn sich diese nervigen Kriecher so sehr vor dem Zorn der gemeinen Bevölkerung fürchteten, sollten sie doch selbst an den Kampfspielen teilnehmen.
Jeder, der in Minor Fall war, hatte schließlich einen Grund seines Daseins- und wenn es eben die Schuld ihrer Vorfahren gewesen war, die sie ausbaden mussten.
Irgendjemand musste schließlich dafür bezahlen.
Ein Gong ertönte und schlagartig verstummten alle. Mein Boss setzte sich auf seinem Platz auf. Ich saß leicht erhöht hinter ihm, hatte dennoch guten Blick auf den Arenaboden, auf dem nun die vier Kontrahenten erschienen. Ihr Erscheinen wurde auf die großen Leinwände gespielt und auch zu den kleinen in dem VIP-Bereich. Damit man ja nichts verpasste.
Jetzt begann ein mindestens vierstündiger Wettbewerb, in dem die vier Männer sich in zahlreichen Disziplinen beweisen mussten und um Punkte und die Zuschauergunst kämpften.
Wie jedes Jahr würden sie wohl bei jeder Prüfung um jeden Punkt wie Bluthunde kämpfen. Widerlich. Ich hatte gehört, die Verlierer werden herabgestuft. Na und?
Dafür musste man sich doch nicht derartig lächerlich machen. Und wie triumphierend sich der Gewinner am Ende der Menge präsentierte- es war erbärmlich.
Ich hatte keine Ahnung, was mein Boss daran fand. Nahezu jeden Monat ließ er sich per Shuttle zur Kolonie bringen und nahm Platz, um sich das hier anzutun. Zum Glück musste ich nicht jedes Mal mit.
Unten begann die erste Runde, in der es dieses Mal um Reaktionsschnelligkeit ging. Unblutig. Vermutlich würde es wieder ein Wettkampf ohne viel Blutvergießen werden. Oder aber der Veranstalter würde die Runden immer brutaler und tödlicher machen. Ich beugte mich ein wenig übers Geländer und spähte in die Ecken. Doch, da standen Verwaltungsbeamte mit Elektroschockern. Offenbar hatten sie dazu gelernt.
Bei meinem letzten Besuch hatte sich einer der Verlierer zur Freude der Zuschauer - und zu dem Entsetzen der Verwaltungsidioten selbst gerichtet.
Wie ein Wahnsinniger hatte er, während der Sieger beklatscht wurde, sich in die Arena,zu den Schwertern gestürzt und eines, ohne Zögern, gegen seinen Hals geschlagen.
Und das alles ohne ein Wort zu sagen. Vermutlich hatte er dem Sieger nur nicht den Triumph gönnen wollen. Das sähe diesen Leuten hier ähnlich.
Die erste Runde war vorbei, aber da viele folgen würden, sagte der Punktestand natürlich gar nichts. Ich warf auch nur einen flüchtigen Blick auf die große Leinwand, direkt gegenüber, und wandte mich wieder meinen Tablettabs vor mir zu. Deshalb war ich mit- ich war die Assistentin und hatte den Überblick für meinen Boss zu behalten. Natürlich hatte er mir, wie jedes Mal, gesagt, ich könne es hier locker angehen lassen und solle lieber den Kampf genießen, aber herrje- was sollte ich denn daran finden?
Nachdem die Anfragen nahezu minütlich eintrafen (es war mittlerweile Mittag- Hauptarbeitszeit), änderte ich den Status meines Chefs von Abwesend auf Beschäftigt und die Anfragen hörten schlagartig auf. Ein wenig tat mir die Sekretärin schon leid, die nun die Arbeit hatte, aber die wusste selbst, dass dieses leicht seltsame Hobby unserem Boss zu wichtig war, als dass er es sich durch Arbeit verderben ließ.
Sie schickte mir auch nur drei Datensätze zu, die offenbar dringend war. Zwei bearbeitete ich bis zur Halbzeitpause, bei dem dritten fehlte nur noch die Unterschrift. Ich würde sie mir erst bei der Landung auf dem Firmenarbeitsitz holen. Den Rückflug nutzte der Boss gern, um die vergangen Stunden noch mal zu genießen.
Erneut trat einer der Verwaltungstypies an mich heran, aber da sie mich zumindest zwei Stunden lang in Ruhe gelassen hatten, sah ich auf. Man informierte mich nur, dass drinnen das Buffet eröffnet worden war. Ich nickte abwesend und machte eine abwehrende Handbewegungen, doch der Kerl blieb, verbeugte sich erneut und fragte, ob er mir sonst etwas vom Essen bringen sollte.
Verblüfft sah ich wieder auf. Ein vernünftiger Vorschlag! Das war nun wirklich noch nie vorgekommen- bei meinen 27 Besuchen. Ich nickte und er hielt mir eine Auflistung des Essens entgegen.
Kaum, dass er verschwunden war, trat mein Boss an meinen Platz und ich erhob mich höflich.
"Ein wunderbarer Kampf bis jetzt, nicht wahr?" Ich lächlte automatisch. "Ja, er gefällt mir besser als der Letzte."
Er lächelte ebenfalls, stimmte mir zu und ging dann ins Innere. Ich setzte mich wieder, prüfte im Glas hinter mir mein Aussehen und machte mich wieder an die Arbeit.
Ich belog meinen Boss jedes Mal, wenn er nach meiner Meinung zu diesen dummen Spielen fragte.
Aber auch keine der fünf anderen Assistentinnen konnte sich mit dieser Unterhaltung richtig anfreunden. Aber wir hatten auch noch nicht herausgefunden, was unseren Chef daran so begeisterte. Vielleicht sollte ich mich doch einmal zwingen die zweite Hälfte anzusehen, einfach um den Boss besser zu verstehen. Das konnte in einer Beförderung enden und das machte mir den Aufenthalt zum ersten Mal schmackhaft.
Aber genauso freute ich mich darauf in drei Stunden diese armselige Kolonie endlich zu verlassen- und hoffentlich erst im nächsten Jahr wiederzukommen.
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