Die Rückkehr der Wölfe

von Leolay
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
23.09.2012
21.04.2013
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Kapitel 2:

Als ich wieder aufwache, spüre ich keine harten Steine unter mir, sondern weiche Wiese. Ich öffne die Augen, um sie gleich danach wieder zu schließen. Muss die Sonne so hell sein?!

Wie komme ich überhaupt in den Garten, ich lag doch auf der Terrasse? Hoffentlich hat Mama nicht angerufen, wenn ich nicht abgenommen habe, dreht sie sicher durch. Ich sollte sie anrufen. Langsam kriege ich meine Augen geöffnet, dann richte ich mich auf. Moment! Das ist nicht der Garten!! Diese Gegend kenne ich kein bisschen! Obwohl sie mir doch bekannt vorkommt….

Ich sehe mich um. Rechts von mir liegt noch jemand! Den kenn ich doch…? Auch der junge Mann richtet sich gerade auf. „Ben?!“, rufe ich verwundert aus. „Cassia? Was ist passiert?“ „Wenn ich das wüsste…“, ich sehe mich weiter um. Da höre ich ein Stöhnen hinter mir. Als ich mich umdrehe, stöhne ich meinerseits. Jedoch genervt. „Und was zum Teufel macht DER hier?!“, sage ich und deute anklagend auf Bastian.

Der rappelt sich jetzt vollständig auf. „Boa, wo bin ich?! Freak, was machst du hier?!“ „Das gleiche würde ich dich fragen!!“, schnappe ich zurück. Ben begreift, dass das der Bastian ist, von dem ich ihm erzählt habe.

Als die beiden sich erst mal vorstellen, sehe ich mich noch einmal um. Hinten kann man nebelumhüllte Berge sehen, ganz in der Nähe schlängelt sich ein Fluss… Ein Fluss mit mir bekanntem Verlauf…

Ungläubig taste ich nach meiner Hosentasche. Ich fühle ein rechteckiges, dickes Stück Papier. Schnell ziehe ich es heraus und falte die Karte Mittelerdes auseinander. Ich lege sie vor mir aufs Gras.

Oh mein Gott. Der Verlauf eines Flussstückes, ein Stück des Flusses Lautwasser, stimmt eins zu eins mit dem Verlauf auf der Karte überein. „Oh mein Gott!“, hauche ich.

„Der Freak hat wohl eine Haselnuss gefunden!“, lacht Bastian hämisch. Ben jedoch kommt zu mir. „Was ist?“ „Das hört sich jetzt bescheuert an….“ „So wie alles was dein Maul verlässt.“, unterbricht mich Basti-Spasti aber ich ignoriere ihn „…Aber der Abschnitt dieses Flusses stimmt haargenau mit dem auf der Karte überein!“

Ben sieht nach. „Stimmt! Was ist das für eine Karte?“ „Steht links unten.“ „Der Westen von Mittelerde am Ende des dritten Zeitalters?!“, liest er ungläubig vor. „Was für ein Scheiß?“, fragt Bastian nach. Ben zeigt ihm die Karte. „Was ist das denn für eine Verarsche?!“,

Ich trete zu Ben und studiere die Karte noch einmal.

„Und wie kommen wir jetzt wieder nach Hause?!“, will Bastian entnervt wissen. Ich ignoriere ihn weiter und rede nur mit Ben. „Wir sollten in Richtung Bruchtal wandern und dort um Hilfe bitten.“, Ben nickt. „Das wäre wohl das Beste.“ „Oh, aber eins wird schwierig sein: Kein einziges Wesen hier spricht Deutsch.“ „Woher weißt du das?“, wundert sich Ben. „Sagt dir die Karte nix?“ „Ach ja, stimmt. Herr der Ringe Fan?“ „Wohl eher Freak.“, gibt Bastian seinen Senf dazu.

„Jap, Herr der Ringe Fan.“ „Kannst du eine Sprache?“ „Nein, leider nicht. Jessy und ich wollten aus Spaß mal anfangen, Sindarin zu lernen, aber daraus wurde nix.“, antwortet ich Ben.

„Schade. Du?“, wendet er sich an Bastian. „Bin ich bescheuert? Ich guck doch kein Herr der Ringe, voll lahm!“, ich verdrehe die Augen. „Gehen wir los.“, entscheide ich und laufe voraus. Ben kommt hinterher und Bastian hat gar keine andere Wahl, als hinterher zu zockeln.

Zwei Tage laufen wir, total geschafft, müde und dreckig. Mit Socken lässt es sich wirklich nicht gut wandern…

Am Abend des zweiten Tages fallen wir alle einfach um. „Einer muss Wache halten… wir wissen ja nicht ob wir im Ringkrieg, davor, oder danach gelandet sind…“, sage ich noch, dann jedoch bin ich eingeschlafen. Eigentlich geht es doch auch ohne Wache. Wir haben die letzte Nacht auch ohne Feindesangriffe überstanden und niemand hielt Wache…

Diese Nacht geht es ebenfalls gut. Und die nächste und die übernächste… nur die Nacht des fünften Tages weist Probleme auf. Wir werden ziemlich unsanft geweckt, nämlich durch eine laute Stimme, die uns anschreit.

Ich sitze kerzengerade im Gras, vor meiner Nase eine Pfeilspitze. Okay, jetzt nicht bewegen…

Ich lasse meine Augen auf den Besitzer des Bogens schweifen. Ein Elb. Schwarzhaarig mit eisblauen Augen. Wow, der sieht gut aus…

Aber momentan macht er mir eher Angst. Ein blonder Elb mit blauen Augen, er bedroht gerade Ben mit seinem Pfeil, fragt gerade etwas auf Sindarin. Ich hebe langsam meine Hand, der Elb vor mir spannt seinen Bogen noch mehr, und deute auf den Blonden, der mittlerweile zu mir sieht, dann auf mein Ohr und zucke mit den Schultern. Er versteht. Dann gestikuliert auch er. Er deutet auf unsere Truppe. Ach so, er will wissen wer wir sind.

Ich stoße Luft aus. „Er will wissen wer wir sind, wie sollen wir jetzt antworten?“, frage ich Ben. „Keine Ahnung.“, Mist. Ich versuche es mit Gestikulation, aber der Blonde versteht mich nicht. Ich stütze entmutigt meinen Kopf in die Hände. So wird das nichts…

Der Blonde sagt etwas zu den anderen, die daraufhin ihre Bögen sinken lassen. Einige der Elben ziehen uns drei unsanft hoch und durchsuchen uns. Als sie nichts finden, berichten sie dies wohl dem Blonden, der ihnen etwas sagt. Ich horche bei dem Wort „Mithrandír“, auf. „Gandalf!“, sage ich, nicht wissend, was ich davon halten soll. Jedoch wird der Blonde wieder auf mich aufmerksam. Er sagt noch irgendetwas, dann gibt er den anderen einige Anweisungen. Wir werden, nun um einiges sanfter, zu einer Gruppe Pferden geführt. Der Elb der mich festhält, nun wieder der mit den eisblauen Augen, schwingt sich aufs Pferd und hält mir dann seine Hand hin. Ich bemerke, dass auch Ben und Bastian auf Pferde eskortiert werden. Sie sind unsicher, ob sie aufsteigen sollen. Ich mache vor, dass wir es lieber tun sollten. Ich ergreife die Hand des Schwarzhaarigen, der mich dann auf seinen Rappen zieht und vor sich im Sattel platziert.

Der Blonde sagt einen Befehl, dann schnalzt er und galoppiert los. Der Schwarzhaarige Elb hinter mir schnalzt ebenfalls und hängt mit sanfter Stimme noch ein „Noro lim!“, hinten dran. Das verstehe ich! Juhu!  

Es wird den ganzen Tag durchgeritten, nur fürs Essen machen die Elben eine Pause. Als die Elben halten, um ihr Nachtlager aufzuschlagen, plumpst Bastian von dem Pferd, auf dem er mitgeritten ist und stöhnt vor Schmerz. Ich kann nicht anders, als ihn auszulachen, denn da ich selbst sehr gerne reite, habe ich keine Probleme mit Reisen zu Pferd. Natürlich habe ich ein wenig Muskelkater, aber es ist nicht der Rede wert. Bastian sieht wütend zu mir. „Halt die Schnauze!“, ruft er. Ich lache nur noch mehr und steige ohne weitere Probleme ab, was ihn noch wütender macht. Vor allem, weil auch Ben ohne größere Probleme vom Pferd gekommen ist. Naja, auch er kann kaum laufen, aber er stellt sich besser an, als Basti-Spasti.

Ich beruhige mich langsam und beginne, mit dem Rappen des Elben zu schmusen. „Na du Süßer?“, sage ich zu dem Pferd. Ich streichele den Hals des Tieres und beginne dann, die Ohren des Hengstes zu massieren, woraufhin dieser seinen Kopf an mich lehnt und sich entspannt. „Das magst du, stimmt‘s?“, sage ich zu dem Pferd. Währenddessen hat der Elb sein Pferd angebunden und belächelt nun meinen Umgang mit dem Rappen.

Dann sagt er etwas auf Elbisch. Ich zucke bedauernd die Schultern. Er zeigt auf den Rappen. „Aegnor“. Ich nicke. Der Hengst heißt also Aegnor… Schöner Name, doch, doch.

Der schwarzhaarige Elb tippt mich an, ich drehe mich zu ihm herum. Er zeigt auf mich, dann auf sich und dann zum mittlerweile brennenden Lagerfeuer. Ich seufze, verabschiede mich mit einem Halsklopfen von Aegnor und gehe dann ans Lagerfeuer. Ben sieht ziemlich geschafft aus, Basti-Spasti schläft schon. Lusche.

Am nächsten Morgen werden wir noch vor Sonnenaufgang geweckt. Ich grummele „Noch fünf Minuten…“, nuschele ich. Aber der Elb versteht mich natürlich nicht. Er zieht mich auf die Füße und schiebt mich in Richtung Aegnor. Während die Elben das Lager abbauen, lehne ich mich an den bereits hellwachen Rappen und schaffe es tatsächlich, im Stehen einzuschlafen…

Zumindest bis mein Begleiterelb mich wieder einmal weckt. Er lacht. Lacht der mich aus?! Ich bin ein Morgenmuffel, morgens ist mit mir nicht zu spaßen, egal ob Elb oder Mensch! Der Elb steigt auf und zieht mich auf Aegnors Rücken. Müde schiele ich zu den anderen. Oder eher zu Ben, Bastian ignoriere ich. Eigentlich freue ich mich eher, dass ihm mordsmäßig die Beine wehtun sollten. „Noro lim, Aegnor!“, ruft der Elb hinter mir wieder und Aegnor stürmt nach vorn, dem Schimmel des Blonden hinterher, bei dem Ben hinten drauf sitzt. Er sieht auch aus, als hätte er Schmerzen. Um ihn tut’s mir zwar Leid, aber machen kann ich leider nichts.

Nach einer Woche des Reisens kann ich dank meines Begleiterelbs schon ein wenig Sindarin. Ich kann sagen, dass ich Hunger oder Durst habe oder, dass mir etwas gefällt oder dass mir etwas wehtut. Naja das war‘s auch schon.

Nach einer Woche hatte sich sogar Basti-Spasti langsam ans Reiten gewöhnt. Doch am ersten Tag der zweiten Woche bietet sich uns ein atemberaubender Anblick. Ein wunderschönes Tal, mit einem riesigen Anwesen darauf. Es ist noch viel, viel schöner als im Film. „Imladris!“, flüstert mein Begleiterelb. „Was ist das?!“, sagt Basti-Spasti in unpassender Lautstärke. Einige unserer Begleiterelben sehen sich erbost nach ihm um. Ich verdrehe die Augen. Ben sieht wissend zu mir. „Bruchtal! Oder auch Imladris! Du Idiot ey!“, empöre ich mich. „Ich bin nicht so ein verrückter Freak wie du, woher soll ich das wissen?!“ „Durchs Zuhören?“ „Du bist so ein Opfer du blödes Flittchen!“, lacht Basti-Spasti. „Hast du sie noch alle du Pussy? Aber es nicht mal eine Woche durchgängig auf dem Pferd aushalten, wer ist hier das Opfer?!“ „Jetzt ist aber mal gut hier!“, spricht Ben das Machtwort. Die Elben haben verwirrt zwischen uns hin und her gesehen, während unseres Wortgefechts. Der Blonde, der die Truppe anführt sieht jedoch erbost zu Basti-Spasti und mir.

Der Blick könnte einen wilden Eber aufspießen, daher sind wir lieber still. Der Blonde gibt wohl den Befehl zum weiterreiten, denn die Pferde setzen sich wieder in Bewegungen. Unbemerkt von dem Blonden bewerfen Bastian und ich uns weiter mit Beleidigungen, bis wir lauter werden. Dann platzt dem Blonden nämlich der Kragen. Er schnauzt uns auf Sindarin an, einen klitzekleinen Teil von seiner Schimpftirade versteh ich sogar. Die Bestrafung stimmt wohl nicht ganz, sondern ist von mir kombiniert, aber die ungefähre Aussage lautet: „Wenn ihr nicht sofort still sein, lasse ich euch am nächsten Baum aufknöpfen!!“,

Naja, dann haben wir wirklich keinen Mucks mehr gemacht. Und eins ist klar: Bruchtal ist noch eindrucksvoller, wenn man genau davor steht.
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