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To You I Gladly Surrender Myself

KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Dylan Hunt Telemachus Rhade
22.09.2012
22.09.2012
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2.125
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22.09.2012 2.125
 
Autor: Susanne Christie
Fandom: Andromeda     
Pairing: Telemachus Rhade/Dylan Hunt
Disclaimer: Sämtliche Rechte und finanziellen Gewinne an den von mir in dieser Geschichte benutzten Charakteren liegen bei deren Erfindern und Copyrightinhabern. Die Rechte an der Plotidee beanspruche ich selbst.


To You I Gladly Surrender Myself


Zutiefst erschrocken hielt Telemachus Rhade inne.
Ihm war, als wäre er soeben aus einem bösen Traum erwacht.
Dylan Hunt kniete zusammengekrümmt vor ihm, rang nach Atem und spuckte dunkelrotes Blut auf den Boden.
Vor einer Weile war Rhade in die Bar gestürmt und wie entfesselt auf den ahnungslosen Dylan losgegangen, hatte ihn angeschrien, für alles Negative verantwortlich gemacht, was der Crew der Andromeda Ascendant in den vergangenen Wochen zugestoßen war, und dann hatte er Dylan brutal zusammengeschlagen.  
Der plötzliche Verlust seiner Selbstbeherrschung schockierte Rhade, doch er hatte dringend ein Ventil für seine aufgestauten Aggressionen gebraucht. Dafür war ihm Dylan, der an der Bar stand und im Gespräch mit einem der Einheimischen seine Sorgen zu vergessen suchte, gerade recht gekommen. Dylan war schließlich Schuld daran, dass sie hier gelandet waren.
In seiner Rage vergaß Rhade zudem völlig, dass Dylan der Captain der Andromeda und in dieser Eigenschaft sein vorgesetzter Offizier war.
Seit sie allerdings in diesem verlotterten Seefra-System gestrandet waren, schien nichts mehr normal zu sein, und außergewöhnliche Situationen zogen eben außergewöhnliche Handlungen nach sich. Dylan Hunt hatte genug gesehen und erfahren in seinem Leben, um das zu wissen.
Das Schlimmste an der Sache war sowieso nicht Rhades Wutausbruch, sondern die Art und Weise, wie Dylan diesen hingenommen hatte.
Der Captain, als auf Tarn Vedra geborener Schwerkraftweltler um einiges stärker als gewöhnliche Menschen, hätte dem Nietzscheaner durchaus die Stirn bieten können, auch wenn außer Frage stand, dass ein Mensch gegen einen Nietzscheaner in einem Zweikampf ohne Waffen keine Chance hatte.
Doch Dylan hatte sich die Behandlung fast wehrlos gefallen lassen, hatte die üblen Schläge eingesteckt, als sei es völlig in Ordnung, von einem untergeordneten Crewmitglied verprügelt zu werden.
Zu Beginn versuchte Dylan wenigstens noch, die Schläge abzuwehren, doch dann ließ er sich regelrecht willentlich zusammenschlagen.
Diese Erkenntnis drang jetzt immer deutlicher in Rhades sich langsam abkühlendes Gemüt.
Warum? Warum hatte Dylan sich nicht angemessen gewehrt?
Dylan hatte keine Angst vor Zweikämpfen, das wusste Rhade. Dylan scheute eine solche Konfrontation auch dann nicht, wenn er sich darüber klar war, keine ernsthafte Chance auf einen Sieg zu haben.
Aus irgendwelchen Schuldgefühlen heraus war Dylan sicher nicht passiv geblieben. Rhades Schläge waren hart und überaus schmerzhaft, und wie es aussah, hatte er Dylan tatsächlich schlimm erwischt. Er selbst dagegen war gänzlich unversehrt geblieben.
Die Reue für seinen unkontrollierten Wutausbruch überrollte Rhade regelrecht, jetzt, da er Dylan keuchend, hustend und blutend auf dem Boden kauern sah. Dylan, der alles klaglos über sich hatte ergehen lassen.
Rhade fiel neben dem Mann auf die Knie, der sein Vorgesetzter und Freund war. "Dylan......!"
Der Nietzscheaner umfasste Dylans Schultern und versuchte, ihn hochzuziehen. Dylan schrie unterdrückt auf, worauf Rhade ihn sofort losließ. Lediglich seine Hand ruhte auf Dylans Schulter. "Dylan, alles okay?"
Dylan presste die Arme auf seinen Magen und versuchte, zu Atem zu kommen. Schließlich gelang es ihm doch, sich mit Rhades Hilfe etwas aufzurichten. Rhades Herz schlug heftig aufgrund einer durcheinanderwirbelnden Gefühlsmischung aus Reue, Sorge und Mitleid. Und Liebe.
Vor allem Liebe.......
Diese Erkenntnis traf Telemachus Rhade härter als irgendeine andere Regung zuvor.
Das war es, was er für Dylan Hunt empfand, immer schon empfunden hatte. Sein Bewusstsein hatte das jedoch beharrlich zu verdrängen gewusst. Hatte ihm eingeredet, Dylan sei für derlei Zuneigung nicht empfänglich, weil der Captain scheinbar nur für seine Arbeit lebte, für seine Ziele, und für sein Raumschiff.
Jetzt auf einmal bestand Rhades Bewusstsein geradezu darauf, dass er dieses Gefühl wahrnahm, deutlicher als alle anderen Emotionen, die durch seine Adern wallten.
"Dylan!" Rhades Stimme bekam etwas Drängendes. "Dylan, sieh’ mich an!"
Rhade legte seine Hand an Dylans Wange und zwang ihn, den Kopf zu drehen. Hart presste Rhade die Kiefer aufeinander. Dylans hübsches Gesicht sah schlimm aus. Er hatte Blutergüsse auf den Wangen und seine Lippe blutete.
Was war nur über ihn gekommen? Wie hatte er das nur tun können! Warum um alles in der Welt hatte er seinen Zorn an Dylan ausgelassen? Ausgerechnet an dem Mann, den er liebte!
Rhade verstand sich nicht. Er verstand nicht, was mit ihm geschehen war.
"Was passiert ist, tut mir leid, Dylan", sagte der Nietzscheaner heiser. "Das....... habe ich nicht gewollt."
"Okay", keuchte Dylan entkräftet, worauf Rhade seine Arme um ihn schloss und ihn an sich drückte.
"Das kommt wieder in Ordnung", murmelte Rhade, wie um sich selbst zu beruhigen. Was er getan hatte, schmerzte ihn jetzt zutiefst.
Rhade hielt Dylan fest umfasst und streichelte über sein weiches, blondes Haar. Nach einer Weile löste er die Umarmung, um erneut in Dylans geschundenes Gesicht zu schauen.
"Warum?" fragte Rhade erschüttert. "Warum hast Du das zugelassen, Dylan? Warum hast Du Dich nicht gewehrt?"
Dylan sagte nichts. Er hatte ohne Zweifel Schmerzen. Rhade's Hiebe hatten ihn brutal in die Rippen und in die Magengegend getroffen.
Doch da war noch etwas anderes. Rhade merkte, wie Dylan sich auf eine zurückhaltende, fast schüchterne Weise seiner Berührung hingab. Einer Berührung, die jetzt nicht mehr schmerzhaft, sondern zärtlich und liebevoll war.
Wie er Rhades Umarmung genoss, und die sanfte Berührung seiner Haare durch Rhade’s liebevolle Hand. Als wäre das etwas Besonderes. Etwas Ersehntes.
Und nach einigen Minuten der Stille, in denen Rhade seinen Freund mit Berührungen tröstete, die für bloße Freundschaft viel zu viel Zärtlichkeit beinhalteten, begriff Rhade plötzlich, warum Dylan sich nicht gewehrt, warum er nicht ebenso wutentbrannt zurückgeschlagen hatte.
Dylan empfand mehr für ihn. Viel mehr.
Deshalb war er passiv geblieben. Im Gegensatz zu Rhade war es Dylan zuwider gewesen, den Mann, dem sein Herz gehörte, zu schlagen.
Dylan hatte kapituliert, hatte sich Rhade ergeben.
Aus Liebe.
Rhade schluckte hart. Er legte seine Hand an Dylans Wange, worauf Dylan vor Schmerz leise aufseufzte, um gleich danach die Augen zu schließen.
Tatsächlich! Er genoß die Berührung. Trotz der Schmerzen, die sie ihm verursachte.
"Dylan......." Der Name hauchte wie von selbst aus Rhades Mund, und diesmal klang er anders als je zuvor. Das gehauchte Wort trug Rhades Herz mit sich. "Oh Dylan!"
Rhade bewegte den Daumen über Dylans Wange, bis Dylan die Augen wieder öffnete und ihn ansah.
Die vorangegangene Brutalität hatte sich in ihr Gegenteil verkehrt. Aus einem unkontrollierten Wutausbruch war Liebe hervorgegangen. Jene Liebe, die bisher hinter einer Fassade von Geschäftigkeit und Gleichgültigkeit verborgen geblieben war.
In einem ungleichen Kampf hatten ihre Herzen einander gefunden.
Rhade näherte sein Gesicht, schob seine Hand in Dylans Nacken und küsste ihn zum ersten Mal, zärtlich, aber fest, auf die heißen, blutenden Lippen.

+++++++

"Na endlich!"
Der Klang einer väterlichen Männerstimme.
Rhade löste sich erst, nachdem er den süßen Kuss voll ausgekostet hatte, und schaute sich um.
Flavin strahlte über sein bärtiges Gesicht und rieb sich zufrieden die Hände.
Telemachus Rhade erschrak, als er den wohlbeleibten, aber sympathischen Weltengänger in seiner vollen Größe wie einen Racheengel dastehen sah. Flavin setzte sich für Dylans Wohlergehen ein. Er würde nicht begeistert sein davon, was Rhade seinem Schützling angetan hatte.
Rhade streichelte Dylan noch einmal sachte über die Wange, dann erhob er sich und ging zu Flavin.
"Es tut mir leid!" sagte Rhade leise und reuevoll. "Ich habe........ das nicht gewollt......."
"Ich weiß", erwiderte Flavin gütig. Er zog sich Rhade an die Brust und klopfte ihm den Rücken. "Du hast getan, was Du tun musstest. Um zu lernen, und um zu verstehen."
"Wirst Du....... mich bestrafen?"
"Nein. Keine Angst, Rhade."
Rhade löste sich. Er schaute zu Dylan, der vor Schmerzen zusammengekrümmt auf dem Boden kauerte, und dann wieder zu Flavin, und Tränen glänzten in seinen sanften, dunklen Augen. "Kannst Du ihm helfen, Flavin?"
Flavin nickte. "Natürlich."
Der Weltengänger bewegte seine füllige Gestalt dorthin, wo Dylan zusammengebrochen war. Er beugte sich hinab, griff Dylan unter die Arme und half ihm vorsichtig, aufzustehen.
Flavin führte Dylan in die Räumlichkeiten nach nebenan, die er bewohnte, während Rhade zurückblieb.
Rhade musste den Schock über das, was er getan hatte, erst einmal verdauen.

+++++++

Flavin half Dylan, sich auf sein weiches Bett zu legen. Dort zog Flavin ihm Jacke und Schuhe aus.
Dann holte er eine Salbe, die intensiv nach verschiedenen Kräutern roch. Er setzte sich auf den Bettrand und begann damit, sie auf Dylan's Wunden aufzutragen, zuerst auf die im Gesicht, dann auf die Rippengegend, wo Rhade ihn schmerzhaft getroffen hatte.
"Ich weiß, das tut weh", erklärte er mitfühlend, als Dylan zusammenzuckte. "Die Salbe wird helfen."
Dylan seufzte leise vor Schmerzen, während Flavin die starken Blutergüsse so vorsichtig wie möglich behandelte. Der freundliche Bärtige lächelte Dylan dabei aufmunternd an.
"Du weißt, warum Rhade das getan hat, Dylan", sagte Flavin nach einer Weile. "Nicht, weil er wütend auf Dich war. Und erst recht nicht, weil er Dich verletzen wollte."
Dylan versuchte trotz seiner Erschöpfung ein Lächeln. "Er hat mich....... seit langem verletzt. Seine Ignoranz."
"Er wusste es nicht, Dylan. Er hatte wirklich keine Ahnung von Deinen Gefühlen. Du darfst ihm das nicht vorwerfen."
"Das tue ich nicht. Dafür liebe ich ihn viel zu sehr."
"Er war wirklich ahnungslos", erklärte Flavin. "Ich meine, nicht nur im Hinblick auf Deine Gefühle. Er wusste auch nichts über seine. Das Mysterium von Seefra hat ihm die Augen geöffnet, indem es ihm durch seine Wut hindurch seine wahren Gefühle für Dich offenbarte."
"Empfindet Rhade aus freien Stücken, oder wurde er gezwungen, so zu empfinden?" fragte Dylan leise, wobei seine ausdrucksvollen Augen Flavin fixierten, als versuche er zu erkennen, ob Flavin ihn anlog.
"Er wurde nicht gezwungen." Flavin hielt dem prüfenden Blick stand. "Telemachus Rhade liebt Dich, Dylan. Er hat Dich immer geliebt, so wie Du ihn. Ihr konntet es beide nur nicht deutlich genug fühlen."
"Manchmal konnte ich es", flüsterte Dylan. "Wenn es mir gelang, andere Gefühle auszublenden. Wenn ich mit ihm allein war, bei dienstlichen Besprechungen."
Flavin nickte, und Dylan begriff, dass der Weltengänger das alles längst wusste. "Du konntest es manchmal. Rhade konnte es nicht. Er musste es auf die harte Tour erfahren, leider auf Deine Kosten."
Flavins väterlich-tröstendes Lächeln verstärkte sich. "Aber Du warst nicht allein. Ich war die ganze Zeit in Deiner Nähe."
Liebevoll streichelte Flavin die Haare aus Dylans Stirn, als wäre Dylan sein kranker Sohn, den es zu versorgen galt.
"Flavin?" Kleine Sorgenfalten zeigten sich auf Dylans Stirn. "Das mit Rhade und mir....... wird es gutgehen?"
Flavin fasste nach Dylans Hand und hielt sie sanft zwischen seinen beiden fest. "Das kann ich Dir nicht sagen, Dylan. Auch Weltengänger sind nicht über alles informiert. Das solltest Du wissen. Du bist doch selbst einer. Wir vermögen in begrenzter Weise durch die Zeiten zu reisen, doch wir sind keine Hellseher."
"Du weißt etwas, Flavin", beharrte Dylan. "Du weißt etwas, durch das Mysterium von Seefra."
Der Bärtige schwieg eine Weile, drückte Dylan’s kalte Hand zwischen seinen beiden warmen Händen.
"Nach meinem Dafürhalten", sagte er schließlich leise, "wird es gutgehen."
Dylan lächelte.
Flavin schmerzte der Anblick seines verwundeten Gesichts, und er streichelte Dylan mit dem Handrücken über die Wange.
"Bleib’ bei mir, Flavin", hauchte Dylan. "Lass’ mich nicht im Stich"
"Ich lasse Dich nicht im Stich", versprach Flavin, wobei er die Decke über Dylans Brust zog.
Dylan Hunt zu beschützen war schließlich seine Aufgabe. Eine Aufgabe, die niemals wirklich erfüllt sein würde. Dylan war etwas Besonderes. Er würde in diesem Universum immer in Gefahr sein.
Dylans Augen füllten sich mit Tränen. "Danke, Flavin."
"Schon gut."
Sehnsucht erfasste Dylan. Sehnsucht nach den zärtlichen Händen des anderen, neuen, liebevollen Rhade.
"Wann darf ich Rhade sehen?"
"Bald. Er muss mit sich ins reine kommen."
Eine plötzliche Schwäche überkam Dylan, und er schloß die Augen.
"Schlaf’ jetzt, Dylan", sagte Flavin leise. "Es ist alles in Ordnung."
Der Weltengänger entzündete mehrere Kerzen, die den Raum in ein warmes, angenehmes Licht tauchten. Dylan beobachtete das Flackern des Kerzenlichts an den Wänden, bis er irgendwann einschlief.
Flavin setzte sich im Schneidersitz auf den Boden. Endlich konnte er in Ruhe meditieren.
Er war zufrieden. Telemachus Rhade waren die Augen geöffnet worden, und Dylan kam endlich dorthin, wohin er gehörte.
An die Seite des Mannes, der ihn liebte.


ENDE
by Susanne Christie 2012
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