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Ein Mensch werden...

von Liwen
GeschichteAllgemein / P16
Kurtis Trent Lara Croft Winston Smith Zip
22.09.2012
30.11.2013
15
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22.09.2012 2.010
 
Piepiep…piepiep…
Ein klingelndes, vibrierendes Handy durchdrang die Stille im Schlafzimmer auf der anderen Seite der Erde und weckte die beiden langsam auf.
Kurtis brummte etwas verschlafenes, was die Frau neben ihm allerdings nicht entziffern konnte, aber vermutlich verfluchte er gerade das Handy, was auf dem Nachttisch neben ihnen lag und zu solch früher Morgenstunde solchen Lärm verursachte.
Verschlafen drehte die Archäologin sich aus seinen Armen und blieb auf dem Rücken liegen. Sie hatte die Augen noch zu, doch tastete nach ihrem Telefon, bis sie es gefunden hatte.
Ein Auge zwang sie auf, nur um zu erkennen, das Sara Pezzini´s Name - neben der Uhrzeit: 05:32 - auf dem Display aufleuchtete.
,,Wieso ruft sie denn jetzt an?…” fragte Kurtis verschlafen, denn auch er hatte seine Augen aufgezwungen, ,,…Sie hat doch erst letztens mit dir telefoniert…” er gähnte.
Lara schloss die Augen ebenfalls wieder und nahm den Anruf entgegen. Sie klang müde: ,,Weißt du, wie früh es ist? Wehe, das ist kein Notfall…” Sie gähnte nun auch, hielt sich dabei die Hand vor den Mund und lauschte den hektischen Worten ihrer besten Freundin, denen Lara allerdings so schlaftrunken doch nicht wirklich folgen konnte.
,,Sara…ganz langsam…” fiel die Archäologin, noch immer halb im Schlaf und nach einigen Sekunden dazwischen, ,,…Bei uns ist es erst halb sechs Uhr morgens…Natürlich bin ich in England. Wo sollte ich denn sonst sein?…Was ist denn los?”
Kurtis drehte sich unterdessen auf die Seite, schloss die Augen, legte einen Arm zärtlich über Laras noch nicht allzu großen Bauch und wollte weiterschlafen, doch urplötzlich war die Archäologin hellwach und setzte sich abrupt auf. Schrecken zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab und sie klang nicht gerade leise: ,,Was!?”
Kurtis erschrak, riss die Augen wieder auf. Fragend setzte nun auch er sich auf und blickte seine Frau an.
Lara drehte den Kopf zu ihm, noch immer am telefonieren und sagte, als sie ihm in die Augen sah: ,,Das glaubst du nicht!”

---

,,Lara!…” Kurtis lief ihr schon seit einiger Zeit hinterher, während sie ihre Reisetasche packte, ,,…Ich kann das wirklich nicht zulassen!…”
Sie standen beide im begehbaren Kleiderschrank, doch Lara ignorierte ihn und stopfte etwas an Kleidung, die sie für ein paar Tage brauchen würde, nachdem sie sich selbst angezogen hatte, in die Tasche. Sie trug eine schwarze Jeans und ein schwarzes Oberteil. Ihr Bäuchlein zeichnete sich aber schon ganz deutlich ab.
Dann drehte sie sich um und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Die Tasche stellte sie auf dem Bett ab und sie ging weiter zum Badezimmer.
,,Hörst du mir eigentlich zu?” fragte Kurtis, der nur ein Shirt und Boxershorts trug, da kaum eine halbe Stunden seit Saras Anruf vergangen war. Er folgte ihr ins Badezimmer und sprach weiter, obwohl er das Gefühl hatte gegen eine Wand zu sprechen: ,,Ich will nicht, das du nach Manhattan fliegst! Diese Frau kann dir doch egal sein. Sie hat Zip damals verletzt und Alister getötet!…Dein Haus in die Luft gejagt und dich beinahe umgebracht! Zweimal! Hast du das vergessen?”
Lara hatte ihre Badeutensilien, Zahnbürste, Kamm und was sie sonst noch so brauchte, in einen Beutel gesteckt und drehte sich genervt zu ihrem Ehemann um: ,,Nein, das habe ich nicht!…Ja, sie hat abgedrückt und Alister…erschossen, aber ich habe dir doch erklärt, das sie von Natla kontrolliert wurde. Sie hätte es niemals getan, wenn sie einen freien Willen gehabt hätte.”
,,Das weißt du nicht. Wie kannst du nur so was sagen?…” fragte Kurtis fassungslos, ,,…Hast du am Ende noch Mitgefühl für dieses Stück Abschaum?”
Lara war zurück zum Bett gegangen und steckte den Beutel in die Reisetasche. Es nervte sie, darüber zu reden, also schwieg sie. Sie wollte keinen Streit.
,,Lara!…” Kurtis griff an ihren Arm und drehte sie zu sich um. Verständnislos blickte er sie an, ,,…Hast du den Verstand verloren? Ich werde dich nicht gehen lassen.”
Sie entzog sich ihm: ,,Dann musst du mich schon am Bett festketten…Hör zu…” sie atmete einmal durch, ,,…sie ist doch genau wie ich. Natla hat sie von meiner DNS geklont. Ja, sie hat einiges angerichtet, doch sie hat es nicht freiwillig getan. Das weiß ich und du weißt genau, wie es ist, wenn man von jemandem kontrolliert wird und Dinge tun muss, die man normalerweise niemals tun würde.”
,,Das ist doch kein vergleich, du bist wirklich verrückt…” er verschränkte die Arme vor seiner Brust, ,,...ich glaube deine Hormone fahren mal wieder Achterbahn, oder? Du kannst schon nicht mehr klar denken. Sie ist nicht im geringsten wie du!”
,,Das hat doch damit überhaupt nichts zu tun, Kurtis…Ich habe den Stein mit der Formel zerstört, ich habe ihr einen freien Willen verliehen und ich habe erst hinterher bedacht, dass das vielleicht ein Fehler war. Ich glaube, ich weiß, wie es ihr geht. Sie war zum `dienen´ erschaffen worden und muss sich jetzt doch vorkommen, als hätte man ihr den Boden unter den Füßen weggezogen.” Sie wollte an ihm vorbei, doch er hielt sie auf.
,,Nein!” beschloss er.
,,Dann komm doch mit mir.” meinte Lara.
,,Du spinnst ja!…Für die mach ich keine Finger krumm!” er blickte zur Seite.
Lara zuckte mit den Schultern, enttäuscht darüber, das er sie nicht verstand, sie nicht begleiten wollte. Sie griff ihre Tasche und wollte zur Tür. Dann, wie von Geisterhand wurde sie ihr vor der Nase zugeschlagen.
Wütend drehte Lara sich nun zu ihm um, da sie wusste, das er es gewesen war: ,,Hatten wir nicht vereinbart, das du deine Fähigkeiten nicht mehr anwendest? Du kannst sonst was anstellen, wenn du sauer wirst und das weißt du!”
Kurtis kam auf sie zu: ,,Diese Abmachung gilt für uns beide, aber du treibst mich gerade zum Äußersten!…Und im Gegensatz zu dir, habe ich meine Fähigkeiten im Griff!” Ja, er war sauer.
Lara sah ihn wütend an: ,,Diese Anspielung war unnötig. Ich habe das jetzt auch unter Kontrolle. Es ist außerdem meine Entscheidung, Kurtis, was ich tue oder lasse…” sagte Lara bestimmt, ,,…du musst das respektieren. Ich will mich nicht mit dir streiten.”
Er schüttelte den Kopf: ,,Dieses mal nicht. Ich werde nicht wieder klein bei geben!…Außerdem streiten wir doch schon längst!…“ er holte Luft um weiter zu fauchen, ,,…Du kannst nicht tun und lassen, was du willst! Du hast Verantwortung! Denk doch mal daran!…” er deutete zu ihrem Bauch, ,,…Außerdem lasse ich dich in deinem Zustand nicht in ein Flugzeug steigen!”
,,Meinem Zustand?…Du tust so, als wäre ich todkrank!…“ fuhr sie ihn unverständlich an, ,,…Was ist denn dein Problem? Es ist nicht gefährlich nach Manhattan zu fliegen, genauso wenig, meinem Klon gegenüber zu treten. Es geht mir gut, du kannst mich hier nicht einsperren. Dieses Thema haben wir doch schon vor einigen Wochen abgeschlossen…” entgegnete sie, ,,…Mein Arzt sagt, das alles bestens ist und ich kann wohl in Urlaub fliegen, finde dich damit ab, Kurtis!”
,,Aber nicht zu einer Frau, die dich umbringen wollte!…Vielleicht will sie das immer noch! Sie ist viel schneller und stärker als du, das hast du schon am eigenen Leib erfahren! Und außerdem…“ er sah sie wütend an.
,,Kurtis, es reicht!…” unterbrach sie ihn stinksauer, ,,…Wir reden wieder miteinander, wenn du dich beruhigt hast…Ich werde nicht hier bleiben und die Füße still halten!” Sie drehte sich zur Tür, umfasste den Knauf und wollte diese öffnen, doch Kurtis hielt sie mittels seiner Fähigkeiten zu.
Das wusste Lara und sie funkelte ihn über ihre Schulter hinweg, sauer an.
,,Bleib!” meinte er dann nur.
Lara blickte wieder zur Tür trat zwei Schritte zurück und sagte dabei: ,,Nach der Aktion gerade, ganz sicher nicht!”  Dann konzentrierte sie sich und ließ die Tür ruckartig aufschwingen.
Kurtis war überrascht, doch er wusste, das Lara durch ihr beider Kind auch etwas Telekinese beherrschte, nur das sie diese mittlerweile schon so gut steuern konnte, hatte er nicht gewusst. Er holte aus, etwas zu sagen, denn er war wirklich sauer über ihr verantwortungsloses Verhalten, doch Lara gebot ihm mit erhobener Hand Einhalt: ,,Lass es!” Dann setzte sie ihren Weg fort.
,,Dann mach doch was du willst!” rief er ihr beleidigt hinterher und verschränkte abermals die Arme…

---

Seufzend lehnte Lara sich im Sitz ihres First-class-Bereiches zurück und blickte während dem Start aus dem Fenster. Niemand war in ihrer Nähe. Sie hatte ohne größere Schwierigkeiten noch einen Flug bekommen können.
Sie seufzte.
Eine kleine Träne rann ihr aus dem Auge. Es tat ihr Leid, das sie sich mit Kurtis gestritten hatte. Sie kam sich vor, wie ein Vollidiot.
Ja, sie hatten hin und wieder immer mal hier und da eine recht heftige Meinungsverschiedenheit, doch diesen Streit, so wie heute Morgen…sie hatte es gehasst, wie er mit ihr gesprochen hatte. Hätte sie ihre Pistolen gehabt, hätte sie ihn erschossen…
…Nein!…Moment, was denk ich mir denn da zusammen?…Ich würde ihm niemals weh tun, ich liebe ihn, aber er treibt mich manchmal wirklich in den Wahnsinn!…
Es nervte sie ungeheuerlich, das Kurtis so überfürsorglich gewesen war, seit er erfahren hat, das er Vater werden würde.
…Was habe ich jetzt angerichtet?…Wir haben uns gestritten. Was wird er jetzt von mir denken?…Es würde mich nicht wundern, wenn er gerade seine Sachen packt und auszieht, weil ich so unausstehlich geworden bin und ich blöde Kuh kann noch nicht einmal mit ihm reden, weil ich in einem dummen Flieger sitze, auf die andere Seite der Welt reise, nur um meinem bösen Zwilling guten Tag zu sagen…Verdammt! Verzeih mir, Kurtis!…
Lara seufzte laut und verschränkte, sich Vorwürfe machend, die Arme vor der Brust.
Seit sie schwanger war ging ihr Temperament noch schneller mit ihr durch als sonst. Sie nahm kein Blatt vor den Mund und explodierte leicht, aber genauso schnell tat es ihr leid, was sie sagte oder sie brach in Tränen aus, nur weil ein Impuls sie dazu bewegte. Es war wirklich nicht immer leicht in den letzten Monaten.
Sicher liebte sie ihr Kind mittlerweile und sie freute sich auch irgendwie darauf, aber ab und an gab es doch noch Momente, wo Lara sich wünschte, keins zu bekommen oder einfach nur, das die Menschen in ihrer Umgebung sie wie immer behandeln und nicht wie ein rohes Ei, das bei der kleinsten Kleinigkeit zerbrechen könnte.
Gut, wenn sie Telekinese benutzt, kam es schon manchmal vor, das ihr der Kopf höllisch weh tat. Sie war es eben einfach nicht gewohnt und es hatte lange gedauert, bis sie ihre Gedanken, mit Kurtis´ Hilfe, im Griff gehabt hatte und nicht hier und da mal wieder etwas unbewusst gegen die Wand geschleudert hat, wenn sie wütend war, aber dem neuen Leben, das seit knapp 19 Wochen in ihr wuchs, ging es gut und ihr ebenso, wieso konnte Kurtis das nicht einsehen.
Nervös kaute sie sich auf der Unterlippe herum.
Vielleicht war es doch falsch, was sie tat.
Immerhin wollte ihre Doppelgängerin sie schon mehr als einmal umbringen. Doch nach all dem, was Sara ihr gesagt hatte musst ihr Zwilling ziemlich down sein.
Seit über einem Jahr hatte ihr Zwilling sich nicht mehr blicken lassen.
Lara hatte sie das letzte mal in der Gruft unter ihrem zerstörten Manors gesehen und da Lara weder sie noch Natla je wieder gesehen hatte, hatte die Archäologin angenommen, das wohl beide umgekommen waren. Sie war auch nicht wirklich scharf darauf gewesen, zurück zu gehen und nachzusehen, weil sie es einfach vergessen wollte. Es war ihr recht gewesen, so wie es gekommen war, denn Lara wusste, das ihre Kopie trotz allem stets zuverlässig war.
Doch wieso sie nun in Manhattan aufgekreuzt war, war der Archäologin schleierhaft. Was trieb sie dazu an? Was hatte ihr Klon überhaupt in der Zwischenzeit gemacht?
Das waren Fragen, die Lara wirklich interessierten.
Sie konnte sich zwar nicht erklären, wie Natla damals an ihre DNS gekommen war, um sie zu klonen - sie nahm an, das wohl Blut von einer ihrer Wunde auf den Boden getropft war - aber sie musste sich eingestehen, das Kurtis recht gehabt hatte.
Lara hatte auf irgendeine Art Mitgefühl für diese Kreatur, die nur als billige Marionette, als Spielzeug und Sklavin benutzt worden war und am Ende ohne etwas da stand und das Lara so fühlte, war mit Sicherheit nicht auf ihre Hormone zurückzuführen…
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