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Die letzte Nacht

von Aiwendil
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Nick Boyle Philip Callahan
21.09.2012
21.09.2012
1
934
 
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21.09.2012 934
 
Setting: Staffel 1
Pairing: Nick x Philip
Spoiler: ein wenig
Betaleser: Nein (also alle Rechtschreibfehler bitte großzügig überlesen)

Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an dieser Serie und verdiene auch kein Geld damit.
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Mit einem leisen Keuchen schreckte Nick Boyle aus dem Schlaf hoch und drehte sich intuitiv ein wenig von der Wärmequelle an seiner Seite weg. Schwer auf seinen Unterarm gestützt, versuchte er ruhig zu atmen und die letzten Reste des Traumes abzuschütteln, der ihn erneut in jenen Dschungel transportiert hatte und er untätig dabei zusehen musste, wie sein Team starb.

Schon nach kurzer Zeit verblasste der Schrecken wieder, dennoch erschien der Gedanke an Schlaf in weite ferne gerückt zu sein. Stattdessen betrachtete Nick durch die Dunkelheit, die sie einhüllte, die Person, die neben ihm im Bett lag und es immer wieder schaffte, aus ihm zugleich das beste und das schlechteste hervor zu locken.

„Möchtest du darüber sprechen?“ fragte Philip mit besorgter Stimme, worüber Nick lächeln musste, da es dieser wohl niemals schaffte, aus seiner Rolle als Geistlicher zu entfliehen. Auch wenn er genau wusste, wie die Antwort lautete. Denn der Sicherheitschef des Legats war nicht gerade darauf erpicht, sein Seelenleben vor anderen auszubreiten, insbesondere nicht vor dem Priester, obwohl dieser es vermutlich für sich behalten würde.

Denn die Erinnerung an den Dschungel brannte nach wie vor wie eine offene Wunde in ihm und nur, wenn er sie in die hinterste Ecke seines Bewusstseins verbannte, wurde der Schmerz halbwegs erträglich. Zudem machte er Gott seit diesem Tag schwere Vorwürfe, wie dieser das Massaker an seiner Truppe geschehen lassen konnte und selbst wenn dies zu dessen großartigem Plan gehörte, weshalb hatte er Nick verschont?

Diese Frage stellte er sich seit dem ersten Tag und erst, als er für das Legat arbeitete und unschuldigen helfen konnte, bekam sein Leben wieder einen Sinn. Zudem waren die Mitglieder der Luna Foundation (so der offizielle Name) in San Francisco ihm inzwischen sehr ans Herz gewachsen, was seinen Beschützerinstinkt ihnen gegenüber nur noch verstärkte, da er keinen weiteren Toten in seinem Umfeld mehr verkraftete. Selbst wenn Derek das Hitzköpfigkeit nannte, so konnte er damit leben, solang niemand anderes als er dafür bluten musste.

Als er Philips nachdenklichen Blick auffing, rang sich Nick ein kleines beruhigendes Lächeln ab und nickte kurz.
„Alles in Ordnung.“ dabei drückte er dem anderen Mann einen kleinen Kuss auf die Ohrmuschel „Wirklich!“

Und obwohl der zweifelnde Ausdruck nicht vom Gesicht des anderen wich, ging er nicht weiter auf dieses Thema ein, da sie beide wussten, dass es nur einen Streit nach sich zog, wenn der Priester weiter nachbohrte und dies wollte Philip nicht riskieren, da er Nick am nächsten Tag nicht so verlassen wollte, wenn er ins Priesterseminar zurück kehrte.

Doch schon alleine der Gedanke daran, ließ seine gute Laune verfliegen, da er hier in Sünde lebte, obwohl sich seine Zuneigung zu Nick doch richtig anfühlte und er kaum glauben konnte, dass ein liebender Gott ihn dafür in die Hölle schicken würde. Dennoch wusste Philip, dass diese Beziehung nicht richtig war, da er bei seiner Priesterweihe geschworen hatte, allen fleischlichen Gelüsten zu entsagen und nur noch Gott zu dienen.

Nicks Lippen, die sich sanft auf seine eigenen drückten, beendeten seine Grübeleien und wurde von einem Feuer ersetzt, von dem er nicht einmal mehr wusste, dass er es besaß. Bereitwillig erwiderte er den Kuss und zog Nick dabei zu sich herab, da er spüren wollte, dass der andere Mann bei ihm war.


Die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tagen weckten den Geistlichen aus seinem Schlaf und sofort fiel sein Blick auf den Mann neben ihm, der in diesem Augenblick so friedlich wirkte, wie er ihn selten im wachen Zustand erlebte. Es brach ihm fast das Herz, dieses Haus und dessen Bewohner schon wieder verlassen zu müssen, da sie ihm doch mehr bedeuteten, als er sich eingestehen wollte. Doch er hatte seine Entscheidung getroffen und musste nun mit ihr leben.

Leise, da er nicht wollte, dass Nick erwachte, betrat er das Badezimmer, wo er erst einmal tief durchatmete und sich zum wiederholten Male fragte, ob er wirklich das richtige Tat. Doch als er an die tiefe Verbindung zu Gott und all den Menschen, denen er täglich half, dachte, die er immer dann am intensivsten spürte, wenn er den Kragen anlegte, wusste er, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Auch, was die Errettung seiner Seele betraf.


„Du willst dich doch nicht einfach so davon schleichen, oder!?“ ertönte mit einem mal eine Philip sehr vertraute Stimme hinter ihm, als er gerade das Gebäude verließ, in der eine Mischung aus Wut und Enttäuschung mitschwang.

Langsam drehte er sich zu Nick um, in dessen Gesicht die unausgesprochene Frage nach dem Weshalb stand und eine Traurigkeit durchflutete Philip, die er nicht für möglich gehalten hätte.

Mit zwei großen Schritten überwand er die Distanz zwischen ihnen, drückte einen sanften Kuss auf die Schläfe des kleineren Mannes und zog ihn in eine letzte feste Umarmung.

„Auf ein baldiges Wiedersehen!“

Schnell wandte sich der Priester wieder von dem anderen ab und ging, ohne auch nur einen weiteren Blick zurück zu werfen, mit großen Schritten davon, wobei er durch den Schleier von Tränen, der in seinen Augen hing, den Weg nur noch schemenhaft erkannte.

Eine Weile stand Nick wie betäubt in der Tür und erst die Präsenz einer anderen Person neben ihm weckte ihn wieder auf und entfachte erneut die Wut auf den Priester, der ihn nun erneut einfach verließ, ohne eine Erklärung dafür abzugeben.

„Wo ist Philip?“

„Gegangen.“ erwiderte Nick einsilbig und bedachte Alex neben sich mit einem vernichtenden Blick, bevor er sich um wandte und die Frau, sprachlos und verwirrt, alleine zurück ließ.
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