Pushing me away (Chester Bennington)

von Scatcat
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Chester Bennington Mike Shinoda OC (Own Character)
20.09.2012
07.07.2019
34
83.001
13
Alle Kapitel
211 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
20.09.2012 2.132
 
Hallo, meine Lieben!

Ich wage mal etwas neues - meine erste LP-FF, und dann gleich ohne Slash. Ich hoffe, sie spricht euch trotzdem irgendwie an.
Über Feedback freue ich mich natürlich immer (außer über Beleidigungen - dann beginne ich, mit Besteck zu werfen ;) ).
Zu Anfang möchte ich noch kurz anmerken, dass ich die Kapitel sehr unregelmäßig posten werde, wann immer ich eben ein neues fertiggeschrieben habe, aber ich habe durchaus vor, diese FF zu beenden (ich habe auch noch eine mit dem lieben Mikey in Vorbereitung =) ).
Zu dieser FF: Ich weiß schon, dass Chester in seiner High-School-Zeit noch nicht so ausgesehen hat, wie in dieser Geschichte beschrieben, aber ich hoffe, ihr könnte darüber hinwegsehen ^^
Und ansonsten...hör ich jetzt auf, euch zu belästigen ;)

<3


-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

1. Greenway High




“And I can tell you’re going through the motions - I figured you were acting out your part - Once again, we’re playing off emotion - Which one of us will burn until the end?”

New Found Glory – All downhill from here



Seufzend lehnte Megan die Stirn an die kühle Fensterscheibe und sah hinunter in den Garten des Hauses, das sie von nun an ‚Heimat‘ nennen sollte. Der Rasen strahlte kräftig grün, ein Gegensatz zu dem heißen, von Gelb- und Erdtönen beherrschten Arizona, das sie vom Flugzeug aus gesehen hatte. So anders als Wisconsin. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, vermisste sie Lacrosse jetzt schon schmerzlich. Lacrosse, ihre alte High School, ihre Freunde – was war das, dass Menschen heiraten und Kinder bekommen ließ, nur, um sich ein paar Jahre später wieder zu trennen und die Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen? Hätten ihre Eltern nicht wenigstens noch die zwei Jahre warten können, bis sie die High School beendet hatte und aufs College gegangen wäre? Nein, man hatte sich mitten im Schuljahr trennen müssen.

Es war nicht so, dass Megan große Angst vor ihrer neuen Schule hatte. Sie hatte sich schon immer schnell anpassen können und dadurch Anschluss gefunden. Kein Problem für sie. Aber so unnötig in diesem Fall. Sie hauchte auf das Fensterglas und schrieb mit dem Zeigefinger ihren Namen auf die beschlagene Scheibe.

Unten auf der Terrasse dirigierte ihre Mutter gerade die Möbelpacker, die Gartentisch und –Stühle aufstellen sollten. Samstag. Noch eineinhalb Tage, dann würde sie sich in dem Wirrwarr ihrer neuen Schule wiederfinden. Müsste neue Freundschaften knüpfen, sich in bestehende Cliquen einfügen…

Sie machte ihren Eltern keine Vorwürfe. Er Wirtschaftsanwalt, sie Scheidungsanwältin. Wenig Zeit für die gemeinsame Tochter, praktisch keine Zeit füreinander. Dafür perfekt ausgearbeitete Eheverträge. Kein Wunder, dass das irgendwann in die Hose gehen musste. Die Streitereien hatten im letzten Jahr zugenommen, was allerdings kaum aufgefallen war, schließlich waren beide kaum zu Hause. Bis zu dem Abend vor drei Monaten, als Greg und Sue Perks ihrer Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ruhig, aber bestimmt erklärt hatten, dass ein Zusammenleben unter diesen Umständen leider nicht mehr möglich wäre, man sich aber im Guten trennen würde, sie ihren Vater natürlich besuchen könne, wann immer ihr der Sinn danach stünde, und überhaupt – Mom und Dad hätten sie natürlich lieb und das Scheitern der Ehe absolut nichts mit ihr zu tun. Und so weiter, und so fort. Megan hatte freundlich genickt und auch kaum das Gesicht verzogen, als ihre Mutter ihr eröffnet hatte, sich in eine bereits bestehende Kanzlei einzukaufen. In Phoenix, Arizona.

Es war okay, Megan wollte keine Umstände machen. Wenn ihre Mutter in Arizona glücklicher war als in Wisconsin, kein Problem. Sie würde nicht anfangen, zu diskutieren. Das tat sie nie. Also hatte sie eine Abschiedsparty veranstaltet, zu der beinahe ihr ganzer Jahrgang gekommen war, sich von ihren Freunden beim Packen helfen lassen, Versprechen abgegeben, dass man sich bestimmt nicht aus den Augen verlieren würde, und war nach Phoenix geflogen. Mitten im Oktober. Megan vermisste jetzt schon die Jahreszeiten. In Wisconsin wirbelten jetzt schon bunte Blätter über die Straßen, bald hätte sie Handschuhe und Mützen aus dem Schrank hervorgekramt. Und hier? Hier war es schon ‚kalt‘, wenn man mal etwas Langärmeliges überstreifen musste. Weihnachten im strahlenden Sonnenschein. Na toll.

„Schatz? Willst du nicht mal den neuen Flügel einweihen? Die Möbelpacker sind weg und ich habe uns Sushi bestellt!“
Mit einem letzten Blick in den Garten des freistehenden, zweistöckigen Wohnhauses wischte Megan mit ihrem T-Shirt-Saum die verschmierte Scheibe sauber und stieg über mehrere Kartons aus ihrem Zimmer die Treppe hinunter.

Ihre Mutter packte gerade das Besteck aus und lächelte ihre Tochter freundlich an.
„Er steht im Esszimmer. Hast du deine Noten schon ausgepackt, oder spielst du frei?“ Eigentlich wollte sie gar nicht spielen. Sie wollte auch kein Sushi essen. Sie wollte auch nicht in Arizona sein.

„Frei. Tschaikowsky oder Liszt?“
„Liszt. Tschaikowsky wird mir nach diesem langen Tag zu anstrengend.“
Also setzte Megan sich an den glänzend schwarzen Flügel, der wie ein riesiges Ungetüm ein Drittel des Esszimmers für sich beanspruchte und klappte den Deckel hoch.
„Die Männer von der Spedition haben es übrigens tatsächlich geschafft, die Kartons der drei Bäder zu vertauschen. Wofür habe ich denn auf jede Kiste und auf jede Tür einen passenden Zettel geklebt? Zum Glück habe ich es noch rechtzeitig bemerkt!“
Megan entzog sich einer Antwort, indem sie die Augen schloss und die Finger über die Tasten gleiten ließ.

Megan nahm Klavierunterricht seit sie drei Jahre alt war. Seit bald 13 Jahren spielte sie die großen Klassiker an Geburtstagen und Weihnachtsfeiern, Thanksgiving und Schulfesten, und sie tat es gern. Sie spielte gerne Klavier, aber es war nichts, was sie sich ausgesucht hatte. Ihre Eltern hatten sie in die richtige Richtung gelenkt und Megan war dabei geblieben. Ohne Herzblut, weshalb sich aus dem Hobby nie ein ernsthaftes Talent entwickelt hatte, aber sie beherrschte schwierige Partituren und gab sich Mühe. Es hätte ihre Mutter sehr enttäuscht, wenn sie mit der Musik aufgehört hätte. Also tat sie ihr den Gefallen und klimperte einen Part aus Liszt’s ‚Romanze‘, während sie auf das Abendessen wartete.

Lustlos räumte Megan eine Stunde später ihre Schulsachen in das Regal neben ihrem Schreibtisch. Sie hatte das sperrige Teil direkt vor eines der Fenster geschoben, aber noch lagen keine Arbeitsmaterialen darauf, sondern kleinere Kartons, Klebeband und außerdem ihr Zahnputzbecher. Kopfschüttelnd räumte sie diesen in ihr angrenzendes Bad. Der Spiegel über dem Waschbecken schnitt ihr eine Grimasse. Sie löste den Dutt aus ihren braunen Haaren und kämmte die beinahe hüftlangen Strähnen mit den Fingern aus. Vielleicht würde sie morgen mal ein wenig durch ihr Viertel spazieren, sich die Umgebung anschauen. Und vielleicht würde sie auch einfach den gesamten Tag in ihrem Zimmer verbringen, alte Fotos aus den Kisten hervor wühlen und das heiße Oktoberwetter in Arizona einfach ignorieren, in dem sie die Klimaanlage hochdrehte, sich einen Strickpulli überzog und vorstellte, noch in Wisconsin zu sein. Sich vorstellte, noch eine intakte Familie und ihren Freundeskreis um sich zu haben.

„Ich habe mich übrigens schon nach einem geeigneten Klavierlehrer für dich erkundigt. Die Musikschule scheint eine recht gute Auswahl zu haben. Du schreibst dich doch wieder für das Schulorchester ein, nicht wahr?“
Es war Montagmorgen, und tatsächlich hatte Megan das Haus an diesem ersten Wochenende in Phoenix noch nicht verlassen. Nun war es acht Uhr, in einer halben Stunde fuhr ihr Schulbus und Megan saß vor ihren Cornflakes und der ledernen Aktentasche ihrer Mutter. Sue Perks perfektionierte gerade ihren Lippenstift und warf im Spiegel einen flüchtigen Blick auf ihre Tochter.
„Klar. Wenn sie eines haben.“
„Schätzchen, jede Schule hat ein Schulorchester. Vielleicht könntest du auch dem Debattier-Club beitreten, das hat dir in Wisconsin doch solchen Spaß gemacht. Pass bitte auf, wo du deinen Löffel hinlegst, die Unterlagen sind wichtig!“
Megan beobachtete ihre Mutter dabei, wie sie ihr Kostüm von nicht vorhandenen Fusseln befreite und dann, mit einem Blick auf die Uhr, nach ihrer Tasche griff. Liebevoll strich sie ihrer Tochter über die Haare und setzte dann ihre Sonnenbrille auf.
„Ich weiß noch nicht, wann ich heute nach Hause komme, vielleicht kannst du ja ein bisschen was einkaufen. Und mach dir keine Gedanken, du hast doch schon immer schnell neue Freunde gefunden. Bis heute Abend, Schatz!“

Energisch wurde die Haustür geschlossen, und Megan war wieder allein. Zu gerne hätte sie sich jetzt wieder nach oben in ihr Zimmer verkrochen, den ersten Schultag einfach verschlafen, und alle folgenden ebenfalls. Aber dann stand sie doch auf, kippte die restliche Milch in den Ausguss und schlüpfte in ihre Schuhe.

Als sie das erste Mal den Weg zu ihrem Schulbus entlangging, ließ sie den Blick durch die Nachbarschaft schweifen. Einzeln stehende Einfamilienhäuser, begrenzt mit Zäunen oder Hecken. Alles sah ziemlich gleich aus. Und über allem spannte sich der gleißend blaue Himmel, dessen Sonne sogar um diese Uhrzeit schon eine beinahe abartige Hitze ausstrahlte. Was wohl passieren würde, wenn sie sich jetzt einfach in ihr Auto setzen würde? Motor an und fahren, bis sie raus aus Phoenix war, raus aus den Vororten, vorbei an den letzten Ausläufern der Stadt, und dann…Wüste. Und immer weiter geradeaus, den Highway entlang. Schnurgerade, Stunde um Stunde. Wo würde sie irgendwann landen?

An der Bushaltestelle war sie die einzige, die wartete. Der typische gelbe Schulbus, der all jene an die Greenway High bringen würde, die kein eigenes Auto hatten. Es wurde wirklich Zeit, dass sie sich eines besorgte. In Wisconsin hatte sie einen alten Ford gehabt, doch den hatten sie nicht mitnehmen können.

Im Bus trafen sie neugierige Blicke. Sie setzte sich mittig in einen leeren Zweiersitz und versuchte, sich erst einmal zu orientieren. Was waren das für Leute, die hier mit ihr auf die Schule gehen würden?
„Bist du neu hier?“
Megan wandte den Kopf wieder nach vorne. Auf dem Sitz vor ihr saß ein blonder Typ mit strahlend blauen Augen und einem freundlichen Grinsen. Er hatte sich zu ihr umgedreht und musterte sie nun neugierig. Er schien in ihrem Alter zu sein, und Megan lächelte höflich zurück.
„Ja, ist mein erster Tag hier. Ich bin aus Wisconsin.“
„Wisconsin? Cool, da hab ich einen Onkel. Schön grün da unten, aber zu kalt im Winter.“, erklärte er zwinkernd.
„Naja, ich find’s hier zu warm. Ich bin Megan.“
„Josh. Schön, dich kennen zu lernen. Welcher Jahrgang?“
„11. Und du?“
„Ebenfalls! Hast du schon deinen Stundenplan?“
Megan schüttelte den Kopf.
„Den bekomme ich erst nachher.“
„Vielleicht haben wir ja welche zusammen. Du musst auf jeden Fall. Kunst statt Musik wählen, unser Musiklehrer ist ein ziemlich schräger Vogel.“
Diesmal nickte Megan. Sie beschloss, es vorerst darauf ankommen zu lassen, und sich ein wenig an Josh zu hängen. Es war immer einfacher, wenn man sofort Kontakt zu jemandem hatte, der sich auskannte.

Nur 15 Minuten später hielt der Bus zischend vor dem weiträumigen Geländer der Greenway High School und Megan schwamm mit dem Strom der ankommenden Schüler in Richtung des Hauptgebäudes. Josh, der gemeinsam mit ihr durch die weit geöffneten Glastüren schritt, lotste sie in Richtung des Sekretariats. Tatsächlich schien sich ihr Gespür für Menschen wieder einmal bewahrheitet zu haben. Josh grüßte nach allen Seiten, schien beinahe jeden zu kennen und wenn Megan Glück hatte, müsste sie an ihrem ersten Tag an der neuen Schule mittags wenigstens nicht alleine beim Lunch sitzen.

„Guten Morgen, Mrs. Bender! Megan hier ist neu, wir sind da, um ihren Stundenplan abzuholen!“
Mit einem breiten Lächeln beugte Josh sich zu der braungelockten Sekretärin hinunter, deren Brille an einer Kette um ihren Hals hing. Sie sah von ihren Unterlagen auf.
„Name?“
„Megan Perks.“
„Ach ja, hier haben wir dich ja. Hier ist dein Stundenplan, vielleicht kann Josh sich ja an deinem ersten Tag ein wenig um die kümmern. Du bist für den Rest des ersten Terms in Kunst eingetragen und wirst demnach im folgenden Musik belegen müssen. Ebenfalls haben wir dich in den Spanischkurs eingeteilt, das hattest du ja an deiner alten Schule schon. Wir haben ein breitgefächertes Kursangebot an den Nachmittagen, ich gebe dir ein Programm mit. Ansonsten – herzlich Willkommen an der Greenway High!“
Während Megan ihre Papiere entgegennahm, hatte Josh schon nach ihrem Stundenplan gegriffen.
„Wir haben Algebra und Amerikanische Literatur gemeinsam…oh, und PE auch. Ach, aber du bist im anderen Kunstkurs. Macht nichts, Missy und Daniel sind auch da drin, die stell ich dir gleich vor. Danke, Mrs. Bender!“
Und damit öffnete Josh Megan die Tür zurück zu den weitläufigen Fluren der Schule.

„Also dann, wir sehen uns in der dritten Stunde wieder!“
Megan schenkte Josh ein letztes Lächeln, bevor dessen hochgewachsene Gestalt sich zwischen den Schülern verlor, die die Treppen in den ersten Stock hochstiegen. Megan dagegen ließ den Blick durch die Mengen schweifen, obwohl sie sich eigentlich auf den Weg zu ihrem Biologiekurs machen sollte. Es war kühl in dem großen Steingebäude. Sie drehte sich einmal um sich selbst. Die große Eingangshalle leerte sich schnell und gab den Blick auf die Wände frei, an denen Bilder der Kunstkurse hingen. Hinweistafeln wiesen den Weg in die Bibliothek, der Mensa, den Toiletten.

Also auf in den Kampf.
Review schreiben