Dieses Mal

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P6
Count D Leon Alcott
18.09.2012
18.09.2012
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Titel: Dieses Mal
Fandom: Pet Shop of Horrors
Autorin: Enaty
Übersetzerin: Nani Namenlos
Altersfreigabe: P6
Disclaimer: Die Charaktere aus PsoH gehören Matsuri Akino.
Claimer: Diese Übersetzung gehört mir, sie ist in Absprache mit der Autorin entstanden.
Kurzbeschreibung: Er wartet. Dieses Mal wie jedes Mal vorher. Es ist immer dasselbe. Aber er kann nicht aufhören zu warten – auf etwas, das wahrscheinlich nie passieren wird …


Dieses Mal

Es ist jedes Mal dasselbe, denkt Leon, während er sich in dem dunklen, staubigen Keller umblickt, der einmal den Pet Shop beherbergt hat. Jedes Mal …

Er seufzt und setzt sich auf den Boden, an derselben Stelle, an der er das Jahr zuvor auch schon gesessen hat. Und das Jahr davor, und das vorher auch. Jedes verdammte Mal dieselbe Stelle.

Er weiß nicht, warum er das macht. Warum er jedes Jahr am selben Tag zurückkommt und die ganze Nacht in diesem kleinen Raum verbringt. Als ob D plötzlich wieder auftauchen würde, zudem noch am Tag seines Verschwindens … als ob die Tür hinter ihm sich plötzlich öffnen und wieder den dämmrigen Korridor des Shops zeigen würde anstatt eines noch kleineren, verstaubten Raumes …

Er hat es versucht. Viele Male. Die Tür geschlossen, seine Augen geschlossen und sich mit aller Macht gewünscht, dass sie wieder in den Shop führt. Dann, wenn er endlich davon überzeugt war, dass es diesmal funktionieren würde, hatte er die Tür aufgerissen – um denselben alten, verstaubten Raum zu enthüllen. Immer denselben. Immer.

Also hat Leon damit aufgehört. Aber er kommt immer noch und setzt sich, wartet auf etwas, von dem er selbst nicht mehr glaubt, dass es passieren wird. Seit fünf Jahren. Jedes Mal ist es dasselbe. Jedes Mal ist er hier, und D ist es nicht.

Er ist so in Gedanken versunken, dass er das leichte Knarren hinter sich nicht bemerkt. Dann jedoch fällt es ihm auf und er dreht sich so schnell, dass er beim Aufstehen stolpert. D keucht erschrocken, eilt zu ihm und greift nach seinem Arm, um ihn zu stützen. „Es tut mir Leid, ich wollte Sie nicht erschrecken!“, entschuldigt er sich, aber seine Worte sind es nicht, die Leon erschreckt haben, und beide wissen sie es.

Leon starrt, und starrt, bis D seine ungleichen Augen senkt und den Blick abwendet. „Wo zur Hölle bist du gewesen?“, flüstert er und D seufzt, leise, traurig.

„Nirgends wirklich“, antwortet er genauso leise wie Leon, der ihn beim Klang seiner Stimme an den Schultern packt, fest, damit D nicht wieder fliehen kann.

„Ich suche dich seit fünf verdammten Jahren!“, knurrt er. D lächelt, unsicher.

„Ich weiß“, erwidert er. „Ich habe – Sie im Auge behalten.“

„Hast du, hm?“ Leon will, dass es verärgert klingt, wütend, aber tatsächlich ist es erleichtert. D hat ihn im Auge behalten … D hat ihn nicht vergessen … er erinnert sich an Leon …

„Und warum zum Henker bist du dann nicht aufgetaucht?“, platzt es aus ihm hervor und diese ungleichen Augen flackern.

„Ich bin aufgetaucht, Herr Kommissar“, teilt D ihm sanft mit, schaut ihn nicht an dabei. „Ich bin jedes Jahr hier gewesen, habe darauf gewartet, dass Sie die Treppen herunterkommen, sich umschauen halten, auf mich warten …“

„Dann – warum bist du dann nie rausgekommen, vorher?“, fragt Leon, verwirrt, er denkt nicht darüber, wo genau sich D versteckt hat. Er hat beide Räume mehrmals durchsucht, jedes Jahr …

D jedoch redet einfach weiter, und Leon richtet sein Augenmerk wieder auf ihn. „Es war keine Absicht … ich war zufällig im ersten Jahr hier, ich wollte etwas abholen, und Sie haben mich überrascht, als Sie plötzlich kamen … und im zweiten Jahr war ich neugierig, ob Sie wieder kommen würden … im dritten Jahr fürchtete ich Ihr Erscheinen … im vierten hatte ich Angst, dass Sie nicht kommen würden … und jetzt …“

Er wird leiser, sieht zu Leon auf, der ob der leuchtenden, ungleichen Augen schlucken muss. „Bitte bleib hier“, flüstert D. „Bitte, verlass mich nicht noch einmal …“

Leon will einwenden, dass es letzten Endes D war, der mit seinem verdammten Boot nach Gott weiß wohin geflogen ist, spürt aber, dass, wer auch immer und was auch immer D ist, er sich mit solchen Situationen nicht auskennt. Er braucht Leons Rückhalt, und der Blonde gibt ihm diesen mit Freuden.

„Natürlich“, entgegnet er rau und schlingt seine Arme um Ds Hüfte, zieht ihn so nah wie möglich zu sich. „Natürlich bleibe ich.“

D lächelt und schlingt seine Arme um Leons Hals, vergräbt sein Gesicht in seiner Schulter. Sie bleiben so, die ganze Nacht, bis die Dämmerung sich in die Ritze unter der Vordertür schleicht.

Doch als die Sonne letztendlich hoch am Himmel steht, ist der Vorraum wieder leer. Nur zwei Spuren zum Hinterzimmer bezeugen im Staub, dass hier jemals jemand gewesen ist, und die Sonne lässt auch diese rasch wieder im Staub verschwinden.

- Ende -

Übersetzerinnenkommentar:
Das ist der erste von ein paar OneShots, die ich übersetzten will und teilweise schon habe. Dieser gehört zu den ernsteren und gefällt mir deshalb auch so gut. Man kann mit D und Leon viel Spaß haben, sollte dabei aber nicht vergessen, dass ihr Miteinander und ihre Trennung nach der ersten Serie nie einfach war. Deswegen kann ich mir ein solches Wiedersehen gut vorstellen.
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