Resemblance

GeschichteMystery, Romanze / P16
Train Heartnet
18.09.2012
28.12.2012
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Ein kalter Schauer fuhr Train über den Rücken. Ohne seine Augen zu öffnen reichte er mit einer Hand unkoordiniert nach der leichten Stoffdecke, welche ihm Sven meist aus Mitleid über seine Unfähigkeit, sie sich selbst zu nehmen, umwarf. Erst nach einigen verstrichenen Sekunden, in denen er nichts zu fassen bekam, wurde ihm bewusst, dass es keine Decke gab.
Grummelnd und widerwillig richtete sich der Sweeper auf, bis er sich auf seinen Ellbogen aufstützte und ihm sogleich wieder bewusst war, wo er sich befand. Nicht viele Orte ähnelten einem Zugabteil frappierend genug, um diese Umgebungen durcheinander zu bringen. Immer noch war er daran gewöhnt, den blonden Haarschopf des Prinzesschens neben sich zu erblicken, oder zumindest durch Svens konstantes Schnarchen einigermaßen wachgerüttelt zu werden, befand der junge Mann es als seltsam, eine der Bänke allein für sich zu haben – geschweige denn, sich alleine in einem Abteil zu befinden. Nach einem ganzen Jahr des gemeinsamen Reisens fiel es ihm zugegebenermaßen schwer, die beiden nicht mehr rund um die Uhr an seiner Seite oder zumindest Nähe zu wissen. Auch wenn nun bereits einige Wochen verstrichen waren, seit die Wüste durch die Allianz neues Dekor in Form des monströsen Eden-Roboters verliehen bekommen hatte.
Da seine Augen sich bereits an die spärliche Lichtquelle gewöhnt hatten, als wäre es helllichte Mittagsstunde, bat sich ihm kein Vorwand mehr an, noch länger schlaftrunken auf der roten Sitzbank zu verweilen, so sehr er es auch zu verleugnen versuchte. Ein schneller Schwung hob seine Beine von den Polstern und half ihm zu einer aufrechten Sitzposition, in welcher er sich zu allererst ausgiebig und genüsslich streckte.
Im nächsten Moment erweckte die Durchsage aus dem Lautsprecher seine Aufmerksamkeit.
„Nächster Halt, Shiteke City. Umsteigen zu den Regionalzügen in Richtung Sapidoa und Schnellzügen in Richtung Regionalflughafen Routinia. Achtung, meine Damen und Herren, wann immer Sie in eine andere Republik einreisen, halten Sie bitte Ihren Reisepass bereit. Nächster Halt, Shiteke City…“
Train schalt sich aufgrund der Gefahr, eine Ausstiegsmöglichkeit zu verpassen, dafür, eingenickt zu sein. Doch nun würde er ohnehin nicht mehr schlafen können. Nur noch einige wenige Stationen, dann würde er erneut in diesem gottlosen Ort stehen, an den er sich damals mit einer langen und unkomfortablen Schwarzfahrt geflüchtet hatte. Den er erreicht und über den er aufgrund seiner Ignoranz alle Warnungen über den Nebel in den Wind geschlagen hatte. Dem Wetterbericht der Region hatte er dieses Mal aufmerksam gelauscht, in für ihn ungewöhnlich weiser Voraussicht, um denselben Fehler nicht noch ein zweites Mal zu begehen.
Denn das Gebirge dort war ihm als äußert verworren im Gedächtnis geblieben – das war der Grund für seine Vorsicht. Schließlich wollte er ja nicht wieder durch den Nebel desorientiert und halluzinierend das Bewusstsein verlieren und von derjenigen, die er zu besuchen gedachte, in eines ihrer vielen leer stehenden Betten gehoben werden. Diese mysteriöse, junge Frau, welche seine Gedanken seit ihrer Begegnung ebenso wenig in Frieden ließ wie ihr exaktes Spiegelbild es bereits sehr viel länger tat, sollte sich seinetwegen nicht schon wieder einen Bruch heben.
„Sa…ya“, murmelte er diesen für ihn mehr als bedeutungsvollen Namen leise vor sich hin, wobei er zwischen den beiden Silben kurz pausierte, um die Namens-Katakana auf die angeschlagene Fensterscheibe zu schreiben. Einige Momente lang betrachtete er, wie das Grün der Suruna Wälder durch die Schriftzeichen raste, bevor er nach kurzem Zögern die Hand erneut hob und den Namen erneut an die Fensterscheibe schrieb, exakt neben dem ersten. Erneut starrte er auf die Stelle, an der ihm nun zweimal Saya dargeboten wurde, bloß einige Sekunden lang, dann begann er langsam damit, die zweite Silbe des rechten Schriftzuges zu löschen. Sein Zeigefinger setzte sofort dazu an, das verwischte Zeichen zu ersetzen, fuhr jedoch anstatt der vorhergegangenen zwei Striche nun dreimal über das kalte Glas. Gerade als er die Hand von der Scheibe wegbewegte, erreichte der Zug einen kurzen, doch nicht weniger dunklen Tunnel, der ihm die Sicht auf die Schriftzeichen verweigerte. Der Zug raste allerdings in einer derartig hohen Geschwindigkeit über die Funken sprühenden Gleise, dass diese Blockade nicht länger als einige Sekunden lang anhielt und Train nun wieder freie Sicht auf die beiden Namen an der Scheibe bot. Das kleine ya der rechten Reihe war einem ki gewichen.
In den Augen des jungen Sweepers verband die beiden Namen etwas Besonderes, nicht nur ihre Ähnlichkeit im Klang. Etwas weit, weit Stärkeres. „Sa…ki.“
Ebenso wie er den Namen seiner besten Freundin gemurmelt hatte, war ihm nun der Name jener jungen Frau über die Lippen
gekommen, welche ihn so sehr an Saya erinnert hatte. Ihr Aussehen, ihre Bewegungen, ihre Persönlichkeit, ihre Überzeugung, ihr Mut, der Ausdruck ihrer Augen, ihr Lachen.
Ihr Lied. Konoyo no Uta. Ehe er sich versah, ertönte die Melodie erneut in seinem Kopf und brachte ihn dazu, leise zu ihr zu summen. Nun schrieb sein Finger den Titel des Liedes über beide Namen, stellte ein Verbindungsglied zwischen ihnen dar.
Saya. Konoyo no Uta. Saki.
Ein leises Seufzen entkam ihm. Langsam verwischte er jede Linie mit einem einzigen Handbewegung über die Scheibe wieder, stützte sein Kinn auf seine nun zur Faust geballten Finger und verfolgte die Umgebung mit seinen scharfen Augen, welche jedoch immer noch unscharf und ungewiss an ihm vorbeizog. Dann entwich ihm die Frage, an sich seit ihrer Begegnung immer und immer wieder in seine Gedanken geschlichen hatte.
„Saki“, wiederholte er ihren Namen noch einmal, nun ohne ihn durch jedwede Art von Betonungen oder Pausen zu entfremden. „Wer bist du?“  

R E S E M B L A N C E


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Neue Black Cat FF. Weil ich es kann und keine meiner anderen Train/Saya als Thema hat.
Wie das hier entstanden ist? Ich habe seit ungefähr drei Jahren das erste Mal wieder eine wahre Black Cat Phase. Und die will ich ausnutzen.
Manche von euch haben vielleicht in 'Die schlummernde Katze' hineingelesen - eine Fanfiktion, die ihr ebenfalls hier findet und die von der äußerst talentierten Mleko verfasst wurde/wird. Das hier wird weder von dieser Fanfiktion klauen noch ihr irgendwie ähneln, so viel kann ich euch versprechen. (Ihr solltet dort trotzdem mal reinschauen *winkwink*)

Ich befinde mich übrigens im Moment in Amerika, im Sinne eines Austauschjahres, was erneut ein Grund dafür ist, dass ich wirklich nicht weiß, wie oft ich zum Schreiben kommen werde, wenn ich in Laune dafür bin. Bis jetzt gefällt mir mein Konzept für diese Geschichte jedoch noch, also mal sehen, was sich daraus entwickelt.
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