Ein Stück Glückseligkeit

von Arzani92
KurzgeschichteAllgemein / P12
16.09.2012
16.09.2012
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Sie ging diesen endlosen Weg entlang ohne zu wissen, wo er enden würde. Neben ihr wuchs blutroter Mohn, der sich wie Farbsprenkel durch die goldenen Felder zog. Der Himmel war ein einziges Farbenspiel an Blautönen und es wehte ein erfrischender Wind, der den Duft des Frühlings trug.

Ihre Fantasie malte Bilder von Feen, die durch dieses Schauspiel tanzen und von Vögeln, die im Himmel zu Hause waren. Die Haare tanzen in ihrem Gesicht und sie schloss die Augen für einen kleinen Moment, um dann ihren Blick weiter wandern zu lassen. Unermüdlich trugen ihre Füße sie weiter. Langsam kam ein Wald in Sicht und die gepflegten Felder wurden zu wilden Wiesen, auf denen die verschiedensten Pflanzen zu Hause waren. Man hätte meinen können, dass einem Maler alle Farben ausgelaufen waren, so vermischt und ineinander fließend sahen die Wildblumen und das leuchtende Gras aus. Schmetterlinge und Bienen tummelten sich auf den Blüten und ein kleiner Bach suchte sich seinen Weg durch die Gräser und Blumen, mit dem Wissen seinen Teil beitragen zu dürfen.

Als sie den Wald erreichte, blieb sie einen Moment auf der Grenze zwischen Licht und Schatten, Hell und Dunkel und Himmel und Erde stehen. Dann betrat sie den kühlen Wald. Durch die Kronen der Bäume fiel ein grünes Licht, dass ein unverwechselbares Schattenspiel auf den Boden zauberte. Licht und Schatten tanzten einen eigenen Tanz.
Leise hörte man Vögel zwitschern und wo vorher Feen waren, zauberte ihre Fantasie jetzt Bilder von Kobolden und Hexenhäuser. Auch die Luft roch jetzt mehr und mehr nach Harz und Farnen. Ohne zu wissen wieso, verließ sie den Weg und schritt mitten in den Wald hinein. Unter ihrem Gewicht knackten Zweige und die Blätter raschelten. Ihre Hände streiften die rauen Rinden der Bäume und schoben die Zweige weg, die ihr im Weg waren. Leichtfüßig umging sie große Steine und umgeknickte Bäume, auf denen weiches Moos wuchs, dabei streiften Farne ihre Beine. Ihr Blick wanderte nach oben, aber sie konnte den Himmel durch die Dichte der Blätter nicht sehen.

Trotz allem hatte die Atmosphäre etwas Beruhigendes. Ein paar Vögel flogen, aufgeschreckt durch das Krachen eines Zweiges, zwischen den Bäumen hindurch und suchten sich ihren Weg in die Wolken. Nur eine Handbreit schien ihr der Himmel entfernt.
Nach einer Weile kam sie auf eine Lichtung, auf der neben gelben Blumen auch Erdbeeren wuchsen. Diese waren zwar noch nicht reif, aber sie lächelte bei dem Gedanken daran, wieder kommen zu können um die reifen Früchte zu probieren. Mit diesem Lächeln ließ sie sich ins Gras fallen und ihre Gedanken schweifen.
Langsam fielen ihre Augen zu und sie fühlte nur noch den warmen Wind über ihre Haut streifen. Mit dem weichen Gras als Matratze, dem Moos als Kissen und dem Erdbeerduft als Decke legte sie sich in ihr eigenes wunderbares Bett. Sie fühlte sich frei, schwerelos und glücklich als ihr die Augen zufielen.

Sie wartete auf eine bestimmte Person. In ihren Gedanken erschien ein Bild. Ein Gesicht, dessen zauberhaftes Lächeln sie glücklich machte. Die grünen Augen sahen sie verschmitzt an und das blonde Haar schob er mit einer geschmeidigen Bewegung aus dem Gesicht. Sie spürte, dass er ganz in ihrer Nähe war und ihr Pulsschlag wurde schneller. Dann hörte sie ein Rascheln und ein glockenhelles Lachen.

Als sie die Augen aufschlug, war das Gesicht, das sie eben noch vor ihrem inneren Auge gesehen hatte, direkt vor ihr. Er war noch schöner, als sie ihn immer in Gedanken vor sich hatte. Lächelnd bewegte er sich zu ihr hinunter und küsste sie zart auf die Nasenspitze. Sie lächelte und ließ sich von ihm hochziehen. Als sie auf den Füßen stand, fing er an sie herumzuwirbeln und sie tanzten zur Melodie des Waldes ihren eigenen Tanz. Sie fühlte sich federleicht und hatte das Gefühl, als würde sie sich mit ihm direkt in den Himmel tanzen. Immer höher, dorthin wo es nur noch warm und weiß war. Dorthin, wo es keine Trauer und keine Einsamkeit gab.
Dann fiel sie und mit einem Lachen landete sie in seinen starken Armen. Sanft fing er sie auf und alles um sie herum schwand für einen Augenblick und machte der Unendlichkeit ihren Platz. Für einen kurzen Augenblick hatte sie Wahrheit gespürt.

Als sie dann aufwachte und in das verwebte Dach der Bäume schaute, sah sie ein Meer aus grünen Farben, die alle ineinander flossen. In einem Gefühlszustand der vollkommenen Zufriedenheit, wusste sie, dass ihr Traum kein Traum bleiben würde. Er war ganz in der Nähe, dass wusste sie tief in ihrem Herzen. Suchend blickte sie sich um, bis sie ein glockenhelles Lachen hörte. Ihr Puls stieg auf einmal rasend schnell, bis sie auf ihrem Nacken einen sanften Kuss spürte. Seine starken Arme umschlangen sie von hinten und gaben ihr ein Gefühl von Geborgenheit. Auf einmal war sie vollkommen ruhig. Sie war aufgewacht und er nahm ihren Traum genau dort auf, wo er geendet hatte.
Sie drehte sich um und sah direkt in seine grünen, funkelnden Augen. Er sah sie mit einem Lächeln an, dass nur ihr gehörte. Langsam fuhr sie ihm mit ihrer Fingerspitze über die Lippen und lächelte ihn an. Sanft zog er sie zu sich heran und sie spürte seine weichen Lippen auf ihren. Sein Atem war so süß, wie der Erdbeerduft in ihrer Nase, dass sie kurz keine Luft mehr bekam.

Während er sanft von ihr abließ, schaute er ihr in die Augen und lächelte ein süßes Lachen, dass seine Augen funkeln lies. Er strahlte eine Aura von Glückseligkeit aus und zog sie damit in seinen Bann. Als er ihre Hand nahm und mit seiner verschränkte, als sich ihre Finger in einander verwoben, war jeder Gedanke in ihr erfüllt mit tiefer Zufriedenheit und jeder Herzschlag pumpte einen Strom von reinen Glücksgefühlen durch ihren Körper. Dann wirbelte er sie ihm Kreis herum. Sie tanzten und kurz darauf hatte sie Zeit und Raum völlig vergessen. Dieser eine Moment hatte etwas so vollkommenes, dass sie ihn bis in alle Ewigkeit mitnehmen wollte. Sie schwebte und er holte ihr ihren Himmel auf das wunderschönste Stück Erde, dass es gab.
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