Der Weg der Göttin -  die Geschichte der Gangrel Inana Buch II: Child

von Einhard
GeschichteHorror / P12 Slash
16.09.2012
16.09.2012
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16.09.2012 701
 
So viele sind mittlerweile in diesem Sinnlosen Kampf um ihr Leben gekommen. Warum gelingt es diesem sogenannten Führer – dem König- nicht uns sein zu lassen, wie wir es wollen? Warum dies Gemetzel um den Glauben? Wir wissen, daß das Göttliche viele Gesichter hat – warum kann dies der Gott des Königs nicht akzeptieren..?
Ich bin es leid, das ständige Morden… bin müde…
Doch ich darf es mir nicht erlauben aufzugeben, muß mich auf den herannahenden Winter vorbereiten, zusehen, daß mir die heilkräftigen Pflanzen –die dieses Jahr so spärlich zu finden sind – nicht ausgehen…
Bis spät in die Nacht versuche ich gedankenverloren meiner Aufgabe nachzukommen.
Spüre, daß weiteres Unbill auf mich zukommt, auch wenn ich es nicht zu deuten vermag, aus welcher Richtung… Fühle mich beobachtet – wie schon seit einiger Zeit, doch kann erneut niemanden erblicken… Wende mich an die Reste der Silbernen Sichel & suche Rat… Doch Sie schweigt & läßt mich im ungewissen… Beginnt damit sich hinter den zusammenziehenden Wolken zu verbergen.
Also suche ich weiter nach den immer spärlich werdenden Pflanzen, die Heilung und Linderung versprechen, bis dieser zarte Klang mein Ohr erreicht.
Die Worte der alten Weise klingen vertraut und doch so fremd, so…alt…
Ich richte mich zur vollen Größe auf und versuche zu ergründen, woher die Stimme kommt, doch es scheint fast, als währe die Sängerin überall und nirgends um mich herum.

Rasch werfe ich einen Blick zum düsteren Himmel, um mich zu vergewissern, nicht in der Anderswelt –oder Tuatha Dé Danann, wie die Iren sie nennen- gestrandet zu sein.
Eisige Kälte erfaßt mich und ich raffe den dicht gewebten Wollumhang enger um mich und ebenso plötzlich, wie das Lied seinen Anfang nahm, die Nacht und mich beherrschte, bricht es tonlos ab und ich fühle mich einsam, verlassen, allein.
Ich bemerkte nichts von Ihr, bis ich Ihre kalte, selbst durch die Kleidung spürbare und doch zarte, feingliedrige Hand auf meiner Schulter spürte. Hastig zuckte ich zurück, fuhr herum und hatte das Messer schon gezogen, doch Sie starrte mich nur mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis an.
Sie war kleiner als ich und gekleidet in eine Leinenbluse und weite Hosen, ganz ähnlich den Lowländern und Ihre Haut glänzte im sanften Mondlicht wie weißer Alabaster, einzig Ihre Augen –tiefrot und geschlitzt, wie bei einer Katze- ängstigten mich zutiefst, da ich mich Ihr ansonsten überlegen fühlte.

Ich weiß nicht, wie lange wir uns sprachlos anstarrten, ehe ich meine Zunge wieder gebrauchen konnte.
„Wer seid Ihr?“
Sie lächelte, ohne die schmalen Lippen dabei zu öffnen.
Ich wiederholte meine berechtigte Frage, während ich langsam von dieser unheimlichen Gestalt zurückwich, doch Sie schüttelte nur den Kopf.

„Ich bin…Ende & Anfang…“

Die Antwort verwirrte mich und ich begann mich zu fragen, ob dies eine Botschaft, eine Antwort auf meine Gebete, sein mochte.
Plötzlich bewegte Sie sich, so schnell und geschmeidig, wie ein Wildpferd und stand dicht vor mir, ehe ich auch nur einen Atemzug machen konnte und ich fühlte Ihre kalte Hand im Nacken, wo sie mich fest gepackt hielt.

„Ich beobachte Dich schon seit vielen Nächten, Sterbliche. Und mir gefällt, was ich sehe. Sehr.“
Ob der beiden spitzen und überlangen Eckzähne, die sie dabei entblößte, konnte ich mich kaum auf die Worte konzentrieren.
„Nun bin ich gekommen, um Dich einer letzten Prüfung zu unterziehen.“

„Was?“
Ich verstand nicht, was Sie von mir wollte, doch Ihr fester Griff, stärker, als der, der meisten Männer, die mich jemals gepackt hielten, ließ mich ebensowenig los, wie Ihre furchterregenden Augen.

Sie lächelte, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, wie ich es oft bei Katzen gesehen habe und sprach: „Lauf – lauf um Dein erbärmliches Leben. Wenn Du mir bis zum Morgengrauen entkommen kannst, so will Ich Dir Dein Blut lassen. Wenn nicht…“
Ich fühlte Zorn neben meiner Furcht erwachsen; was bildete sich diese Fremde ein, so erschreckend Sie auch erschien – aber so sprach man nicht mit einer Tochter der Highlands, mit einer unbeugsamen MacGregor.
Ich versuchte mich aus Ihrem eisenharten griff zu befreien, doch Sie lachte nur verächtlich, packte noch fester zu, riß mich mühelos in die Höhe und – warf mich mehrere Meter durch die Luft, ehe ich hart auf dem kargen, felsigen Boden aufschlug, mir alle Luft aus dem Körper gepreßt wurde.