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Anne auf Green Gables

von Sarah0606
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Diana Barry Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
15.09.2012
03.10.2012
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15.09.2012 1.887
 
Als Anne zu den Barries ging war es schon Mittag. Anne war glücklich, dass sie und Diana sich wieder vertragen hatten. Gleich würden sie wieder zusammen lachen und vielleicht mit Tante Josephine einen Ausflug machen. Es würde bestimmt ein schöner Tag, der frei von Sorgen war, werden. Kurz vor Orchard Slope, dem Haus, in dem Diana wohnte, lief Minni May ihr schon entgegen.
„Anne, Anne, wie schön, dass du kommst. Sieh mal, ich habe eine neue Puppe bekommen. Sie heißt Lady Cordelia, den Namen habe ich von dir.“
Anne lächelte und betrachtete die kleine Puppe, die Minni May in den Armen hielt.
„ Was für eine hübsche Puppe, genau passend für Lady Cordelia.“
„Wo ist Diana. Ist sie in ihrem Zimmer?“, fragte Anne und ihr Herz schlug plötzlich schneller. Sie war total aufgeregt.
„Nein, sie ist mit Tante Josephine im Wohnzimmer und trinkt Tee, sie warten auf dich.“ Anne folgte Minni May in das Haus von den Barries. Sie war lange nicht mehr bei ihnen gewesen. Zuletzt vor dem Frühjahrball, aber nein, daran wollte Anne jetzt nicht denken.
„Oh, Anne Kind, lass dich mal anschauen“ rief Dianas Tante „ Du bist ja groß geworden und hübsch.“
„Vielen Dank Mrs Barry, aber ich bin immer noch rothaarig und viel zu dünn“ sagte Anne, aber trotzdem freute sie sich, dass Mrs Barry ihr ein Kompliment gemacht hatte.
„Ach Anne, ich freu mich ja so, das du doch noch gekommen bist, ich hatte schon Angst, dass du immer noch böse auf mich bist. Sollen wir nach oben in mein Zimmer gehen, da sind wir völlig ungestört.“  Diana summte vor sich hin. Freute sie sich, dass Anne da war oder dachte sie jetzt an Gilbert? Anne war misstrauisch, sagte aber nichts. Anne nickte.
„Ja, ist vielleicht besser so, Mrs Barry entschuldigen sie uns bitte, wir kommen gleich sicher noch mal nach unten.“ Anne lief hinter Diana die Treppe hoch. Auch Dianas Zimmer hatte sich verändert, statt der Bilder von Elfen und Feen, hingen jetzt viele Lichtbilder von ihr und ihrer Familie dort. Auf einem Bild war Diana zusammen mit einem rothaarigen Mädchen. „Das bin ja ich“ sagte Anne.
„Ja natürlich bist du das, wer denn sonst?“ kicherte Diana
„Schon klar, dass sich niemand anders hinter den roten Haaren verbirgt.“ Anne war ein wenig beleidigt, weil Diana sich über sie lustig machte. „Ach Anne, so habe ich das doch nicht gemeint. Ich meine nur, weil du meine beste Freundin bist und wohl kaum ein anderes Mädchen auf meinen Lieblingsbildern zu sehen ist" „Ist ja gut Diana, ich war nur ein wenig traurig, weil ich Angst hatte, dass du vielleicht über mich lachen würdest. Aber sag mal, du hast ja die ganzen schönen Bildern von den Elfen abgenommen.“
„Ja das stimmt, dieser ganze Elfen Kram hängt schon seit meiner Geburt da, irgendwann bin ich es leid geworden und ich habe mein Zimmer ein wenig umgestaltet. So ist es doch auch schön.“
Anne blickte sich in dem Zimmer um, nicht nur die Bilder hatten sich verändert, sondern auch ihr Tisch. Der alte weiße Tisch hatte sich nun zu einem großen Schreibtisch verändert. „Nun ja, du weißt ja, dass ich da anderer Meinung bin, Diana, aber ich glaube, ich kann mich daran gewöhnen. Dein Zimmer ist trotzdem schön!“ Anne schmunzelte und malte sich ihr Traumzimmer aus. Es sollte mit bunten Blüten geschmückt sein, am besten mit Marmorsäulen oder Diamanten, vielleicht sogar mit einem Himmelbett….
Ein Geräusch ließ Anne aus ihrer Traumwelt erwachen. Sie erschrak und bemerkte, dass es an der Tür geklopft hatte.
„Diana, du hast Besuch. Kommst du bitte runter?“ rief Dianas Mutter.
Anne schaute Diana entsetzt an. Wer wollte sie denn jetzt schon wieder stören? Hoffentlich war es nur Ruby oder Jane, Aber was wenn es Josie Pye war oder noch schlimmer…
„Bitte Diana, gehe nicht runter, wir sollten mit dem Schlimmsten rechnen, wir wollen doch unseren wertvollen Nachmittag, an dem wir soviel zu besprechen haben, nicht gegen einen anderen Besuch austauschen..." Anne schaute Diana flehend an. „So ein Unfug!" sagte sie. "Wer um Himmels Willen soll es denn schon sein? Ich sag einfach, dass ich mit dir verabredet bin und schon ist die Sache vergessen."
Anne grinste. „Das werden wir ja sehen!"
Diana verstand sie nicht und ging die Treppe herunter. Neugierig lauschte Anne, indem sie einfach die Zimmertür von Diana öffnete.
„Guten Tag, Diana“ hörte Anne jemanden sagen. Das war eindeutig keine Mädchenstimme. „Ich äh, wollte dir nur etwas geben.“ Jetzt war es eindeutig, wer da mit Diana sprach. Anne konnte sich nicht mehr beherrschen, sie lief die Treppe herunter in den kleinen Flur und schon sah sie die beiden. Gilbert gab Diana ein kleines Geschenk. Diana errötete leicht. Jetzt war Anne an der Reihe.
„Guten Tag Mr. Blythe. Wie sie vielleicht nicht wissen - da es Ihnen Diana nicht höchstpersönlich mitgeteilt hat - obwohl wir es so besprochen hatten - werde ich ihnen sagen, dass Diana und ich kein Interesse an ihrem Besuch haben. Wir wollen nämlich ungestört sein und unter vier Augen reden, da brauchen wir keinen Begutachter. Was fällt ihnen eigentlich ein, einfach so, an einem so schönen Nachmittag einfach bei den Barries hereinzuplatzen? Diana denkt genau dasselbe, nur dass sie den Mut nicht aufbringt, ihnen dasselbe ins Gesicht zu sagen. Kein Wunder, wenn sie herein kommen, verschlägt es einem ja auch die Sprache..", sprudelte Anne hervor. „Äh ich, ich.. woher sollte ich denn wissen, dass Diana heute Besuch erwartet? Außerdem hat es mir niemand verboten, hier her zu kommen, jedenfalls hat es mir keiner gesagt. Ich wollte nur ein kleines Geschenk an Diana überreichen, ich denke, dass das zu ihrer Zufriedenheit ausfällt, Anne Shirley.“
Diana stand wie versteinert da. Sie schaute die beiden an. Oh, wie sehr sie sich blamierte. Wieso musste Anne wieder mit allem übertreiben?
„Ich denke, wir sollten das jetzt alles vergessen und äh, es macht dir doch nichts aus wenn ich den Nachmittag heute mit Anne verbringe. Wir waren nun mal verabredet. Trotzdem vielen Dank für das Geschenk und deinen Besuch.“ , sagte Diana kleinlaut.
„Gerne, es tut mir wirklich außerordentlich leid, dass ich die Damen gestört habe. Sowas wird nicht wieder vorkommen. Auf Wiedersehen und noch einen schönen Nachmittag.“ Gilbert schloss die Tür hinter sich. Diana stöhnte.
Anne blickte zu Diana „Diana wie kannst du nur? Ist dir klar geworden, dass Gilbert uns den ganzen Nachmittag versaut hat und du hast nichts gesagt, du hättest ihm es auch sagen müssen, aber nein, du stehst da wie ein kleines Kind, das man gerade beim Unsinn stiften erwischt hat und schämt sich zu Tode, weil es Gilbert ist. Oh Diana, du bist so blind!“
„Ich bin überhaupt nicht blind, was soll ich denn tun? Soll ich ihn deshalb zur Schnecke machen? Er hat es eben nur gut gemeint. Du kennst ihn ja gar nicht.“
„Wie bitte? Ich kenne ihn nicht? Das tue ich sehr wohl, Diana! Hast du etwa schon alles vergessen, wie er mich zum Gespött von ganz Avonlea gemacht hat und mich einfach 'Karotte' genannt hat. Oh, wie sehr kann man diesen Menschen nur hassen und du liebst ihn auch noch.“ Anne schäumte vor Wut „ "Nein, natürlich habe ich es nicht vergessen, aber ich finde, dass jeder Mensch mal einen Fehler macht und eine zweite Chance verdient, dabei bist du  nur zu dickköpfig oder zu arrogant, um dich zu beherrschen. Dein Temperament geht jedes Mal mit dir durch. Du musst dich wirklich jedes Mal in Szene setzen wenn Gilbert Blythe von der Partie ist.“ Diana war den Tränen nahe, sie schluchzte und ging langsam die Treppe hoch. Jetzt tat Diana ihr leid, aber sie war es einerseits selbst schuld. Anne dachte noch einen Moment lang nach, dann sah sie, dass in dem Flur noch das Geschenk lag, das Gilbert Diana gegeben hatte. Anne nahm es und zögerte. Sollte sie es aufmachen? Jetzt konnte sowieso nichts mehr schlimmer werden, also zog sie an der roten Schleife. Eine Kette lag in dem kleinen Karton mit einem kleinen rötlichen Granatanhänger. Sie nahm die Kette und ließ sie durch ihre Finger gleiten. "Wie schön! "flüsterte Anne, auch wenn es kein Diamant war, war sie doch ein bisschen neidisch. Sie legte die Kette wieder in den Karton und ging nach oben.
Diana lag auf ihrem Bett und weinte. Sie merkte nicht, dass Anne hereinkam.
Anne setzte sich vorsichtig auf Dianas Bett. „Was ist? Willst du mir jetzt wieder Vorträge halten, in denen es darum geht, dass man auf keinen Fall Gilbert lieben sollte?" fragte Diana mit brüchiger Stimme.
„Nein, hier dein Geschenk.“ Anne hielt ihr das Geschenk von Gilbert vor die Nase.
Diana zögerte. „Nun mach schon auf!“ befahl Anne.
Diana öffnete vorsichtig den gelben Karton mit der roten Schleife.
Sie blickte auf den Anhänger, der im Sonnenlicht funkelte.
„Ich weiß ja nicht, was du jetzt wieder sagst, aber ich finde ihn schön.“
„Ich auch.“
Diana schaute sie an. „ Du kannst ruhig sagen, wenn sie dir nicht gefällt?“
„Sie gefällt mir aber, sie ist wundervoll. Genauso eine Kette habe ich mir schon immer gewünscht, egal von wem sie nun ist.“
Beide schwiegen, keiner traute sich etwas zu sagen. Die Welt schien für beide eine Weile still zu stehen. Beide schauten verträumt aus dem Fenster. Die Sonne ging langsam unter.
„Nun vielleicht ist es besser, wenn ich jetzt gehe“
Anne stand vom Bett auf und wollte gerade ihren Poncho überziehen, als Diana sie zurückhielt.
„Nein, warte Anne, setz dich noch mal“
„Gut, aber nur kurz. Ich habe Marilla versprochen pünktlich zuhause zu sein.
„Du magst Gilbert, habe ich recht?“ Diana sah sie erwartungsvoll an.
Anne schaute zu Boden, es sah so aus, als wäre ihr nicht gut, so blass war sie plötzlich.
„Nun sag schon - ist doch nicht schlimm. Du kannst mir sowieso nichts vormachen.“ Diana lächelte sie an.
„Ich weiß es nicht, ich meine, dass ich ihn hasse und manchmal denke ich, dass er ja schon gutaussehend ist, aber als besten Freund könnte ich ihn mir nicht vorstellen. Nein, das könnte ich wirklich nicht.“
Anne guckte ein wenig hochnäsig. Diana öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann jedoch wieder. „Nun gut, du musst ja jetzt gehen.."
„Ja genau, das muss ich, ich muss mich beeilen sonst kriege ich noch Ärger mit Marilla. Es wird jetzt schon langsam dunkel."
„Anne, was hältst du davon wenn ich meinen Vater frage, ob er dich mit dem Buggy nach Hause fährt? Ich kann auch mitkommen wenn das erwünscht wäre.“
Anne lachte.  „Ja, das wäre wirklich nett von dir und deinem Vater, dann bin ich auch in einem schneller auf Green Gables.“
Als die beiden Mädchen mit Mr. Barry wenig später im Buggy saßen, lachten sie und vertrugen sich wieder.
„Ach übrigens, mein Kleid ist fertig, ich habe es eben vergessen dir zu zeigen, aber es hat keine Rüschen“ sagte Diana
„Wie schade, wenn es Rüschen gehabt hätte, hätte es dir ja sowieso nicht gefallen und du hättest es mir gegeben“
„Das könnte dir so passen!“ An Dianas Gesichtsausdruck merkte man deutlich, dass sie Anne nicht mehr böse war. Als Anne abends in ihrem Bett lag, dachte sie an den Tag. Es war wieder mal so unglaublich viel passiert. Sie hatte sich unmöglich gegenüber Gilbert und Diana verhalten, aber das war halt ihre Art. Sie würde es wieder gut machen, das schwor sie sich und schließlich schlief sie ein.
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