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Anne auf Green Gables

von Sarah0606
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Diana Barry Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
15.09.2012
03.10.2012
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„Diana, du weißt doch, dass ich heute Nachmittagsunterricht habe, nicht wahr?“ , sagte Anne zu Diana, die sich gerade auf den Heimweg machen wollte. Die Schule war nämlich schon aus, bis auf die Schüler, die am zusätzlichen Unterricht teilnahmen.
„Ja, natürlich, ich komme dich um vier Uhr mit dem Buggy abholen.“
Anne nickte.

Nach einer halben Stunde saßen Anne, Ruby, Jane, Josie, Gilbert und Moody im Klassenraum. Zuerst hatten sie Französisch und danach sollten sie einen Aufsatz über die jeweilige Vorstellung des einzelnen Berufes schreiben. Anne schrieb natürlich, dass sie eine Lehrerin in Avonlea werden wollte. Nachher präsentierten alle ihre Aufsätze, Gilbert wollte Arzt werden und Josie wollte eine Modedesignerin werden, so ähnlich wie in dem Stoffgeschäft, indem Alice arbeitete. Ganz typisch für eine Pye. Hochnäsig und arrogant zugleich. Josie ließ sich überhaupt nicht anmerken, dass sie vorgestern eine sechs geschrieben hatte, wer weiß, vielleicht interessierte sie es noch nicht mal. „Zumindest bin ich ehrlich und sehe meine Fehler ein, ich brauche hier nicht die Mrs Bücherwurm vorzumachen, das wirkt auf Dauer auch langweilig und abweisend.“ hatte sie gesagt und Anne hatte laut gelacht.
„Ihr habt ja wirklich alle sehr schöne Ideen, was ihr später einmal werden wollt.", betonte Miss Stacy. "Nun, wo wir einmal beim Thema sind, ihr wisst alle, das in ein paar Wochen die Abschlussprüfungen statt finden, zunächst einmal in Englisch, Mathematik und in Französisch werden wir auch eine schreiben. Ich bin mir sicher, dass ihr alle gut durch kommt, ihr könnt es alle schaffen, wenn ihr euch anstrengt und lernt. Eure mündlichen Mitarbeiten waren in letzter Zeit wirklich sehr gut und ich kann von jedem behaupten, dass er das Zeug dazu hat es zu schaffen, ich möchte das die Arbeit besser ausfällt als beim letzten Mal.“, sagte Miss Stacy und warf Josie dabei einen strengen Blick zu.

Nach dem Unterricht gingen alle möglichst schnell nach Hause, da es an zu regnen fing. Anne wartete auf Diana, doch sie kam und kam nicht. Nach zwanzig Minuten war sie immer noch nicht da, dabei hatte sie ihr doch versprochen, sie mit dem Buggy abzuholen. Langsam wurde Anne ungeduldig, Wo konnte sie bloß sein?
Anne wollte sich gerade selber auf den Weg machen, als sie hinter sich, jemanden gehen hörte. „Anne?“
Anne kannte diese Stimmte, sie kannte diese Stimme nur zu gut. Es war Gilbert Blythe, der hinter ihr stand und sie fragend anschaute. Der hatte ihr gerade noch gefehlt.
„Ich dachte, du wärst schon weg, warum stehst du denn hier mutterseelenallein im Regen? Es fängt gleich an zu dämmern.“ Gilbert hob eine Augenbraue. „Ich stehe hier mutterseelenallein im Regen, weil ich auf Diana gewartet habe, die anscheinend vergessen hat, dass sie mich abholen wollte, ich habe nur höflich auf sie gewartet."
„Ach so“ , erwiderte Gilbert kurz.
„Mein Buggy steht gleich da drüben, ich war noch etwas länger bei Miss Stacy, weil ich sie etwas zu den Abschlussprüfungen fragen wollte, deshalb bin ich noch hier, also wenn du möchtest, kannst du mit mir fahren.“
Anne öffnete kurz den Mund, als wollte sie etwas sagen, schloss ihn dann jedoch wieder. „Das ist sehr nett von dir, Gilbert, aber ich kann auch alleine gehen, es tut mir gut, ein wenig zu laufen. Diana wird ja doch nicht mehr kommen.“
Gilbert schaute ein wenig enttäuscht. „Wie du willst.“, sagte er und kehrte ihr den Rücken zu und ging zu seinem Buggy.
Anne hatte seinen enttäuschten Blick nicht übersehen, plötzlich tat er ihr leid, er wollte nur nett zu ihr sein und hatte ihr angeboten, mit ihm zu fahren, doch sie hatte ihn zurückgewiesen. Aber war es denn so schlimm, wenn man die Hilfe eines anderen dankend abgelehnt hatte? Plötzlich fing es noch stärker an zu regnen und dazu kam zog noch ein kühler Wind auf. Anne zitterte wie Espenlaub und sie fror. Ihr Kleid war schon völlig durchnässt.
„Gilbert?“, rief Anne „Könntest du mich vielleicht doch mitnehmen? Ich bin schon ganz durchnässt.“
Gilbert grinste. „Aber natürlich, Anne Shirley."
Er half ihr beim Einsteigen. Der Buggy war zwar nicht besonders warm, aber er war wenigstens trocken.                
„Ich frage mich nur, wo Diana bleibt, ich hoffe ihr ist nichts passiert.“ Bei dem Gedanken daran wurde Anne ganz flau im Magen.
„Mach dir keine Sorgen, ihr ist bestimmt nichts passiert, vielleicht hat sie es vergessen, oder sie ist aufgehalten worden, wer weiß.“, antwortete Gilbert.  
„Ja, mag sein. Ich bin dir wirklich sehr dankbar, dass du mich doch noch mitgenommen hast, Gil…“
„Hab ich doch gern gemacht, oder wolltest du etwa bei dem Regen zu Fuß gehen?“, lachte Gilbert.
„Es wäre mir ja wohl kaum etwas anderes übrig geblieben, oder?“
„Das stimmt.“, sagte Gilbert und lächelte süffisant.
Sein Lächeln war sehr schön. Im Allgemeinen konnte sie schon verstehen, warum alle Mädchen bei seinem Anblick dahinschmolzen. Er war ein sehr gutaussehender junger Mann.
„Ist was?“, fragte Gilbert. Erschrocken stellte Anne fest, dass sie ihn schon eine ganze Weile angestarrt hatte, er müsse sie für verrückt halten. „Nein…nein, gar nichts! Ich hab nur nachgedacht.“, sagte Anne und lief rot an. Gilbert kicherte. Die restliche Fahrt über verlief relativ schweigsam, keiner wusste was er sagen sollte. Anne hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, sie war so gemein zu ihm gewesen, sie hatte all die Jahre so einen Hass auf ihn gehabt, obwohl er ihr doch eigentlich nie etwas getan hatte. Er war immer so freundlich und hilfsbereit und trotzdem hatte Anne ihn nie beachtet. Sie erkannte, was für ein wahrer Freund er doch war. Sie bereute alles, ihr ganzes Verhalten ihm gegenüber. Aber sie wusste nicht, wie sie es wieder gut machen sollte. „Wir sind da.. Anne?“ Eine vertraute Stimme riss Anne aus ihren Gedanken. „Anne?“
„Ja?“
„Ich wollte dir nur sagen, das wir da sind, wir sind da“, sagte Gilbert.
„Oh, ähm, ja dann werde ich wohl mal gehen.“
„Ja.“ sagte Gilbert und man konnte seinen enttäuschten Unterton nicht überhören.
„Bis bald.“, sagte Anne.
„Das hoffe ich doch sehr.“ Seine braunen Augen musterten sie einen Moment zu lange.
„Moment, meine Jacke, sie muss hier irgendwo sein.“, murmelte sie.
Gilbert wollte ihr die Jacke reichen, als Anne ebenfalls danach griff, berührten sich ihre Hände kurz. Anne fühlte sich plötzlich ganz komisch, ihr war schwindelig. „Danke Gilbert. Auf Wiedersehen..“
„Ja…“
Als Anne ging, dachte sie immer noch an Gilbert, ihre Hände hatten sich berührt und es war schön gewesen. Sie spürte, dass sie schon lange keinen Groll mehr gegen ihn hegte, dass Diana sie eigentlich hätte abholen müssen, hatte Anne schon vergessen.
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