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FF mit Lysander

Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Amber Castiel Lysander Rosalia Viola
14.09.2012
01.11.2012
16
44.198
1
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14.09.2012 2.063
 
Ich steckte mit dem Oberkörper in meinem Kleiderschrank und schmiss alles durcheinander. Irgendwo musste mein Bikini doch sein... Jetzt nachdem meine Wohnung ordentlich war, war mein Kleiderschrank das Chaos schlechthin. Shirts lagen bei den Jeans und andersherum. Ich hatte sogar einen Rock gefunden, von dem ich nicht einmal gewusst hatte, dass ich ihn beim Umzug eingepackt hatte.
Iris war auf die Idee gekommen, am Wochenende ins Freibad zu gehen, da das Wetter doch sehr schön war. Elaine hatte begeistert zugesagt und Rosalya hatte sogar gemeint, dass sie noch ein paar Leute mitbringen würde. Ich freute mich auch schon darauf. Wer Rosalya wohl begleiten würde? Bestimmt ihr Freund und vielleicht ein paar Kumpels von ihm. Ich war schon gespannt ihn zu sehen, er arbeitete im Modegeschäft hier in der Stadt und er soll echt Stil haben.
Als die Türglocke erklang, fluchte ich. Iris und Elaine wollten mich abholen, und ich hatte meinen Bikini immer noch nicht gefunden. Rosalya wollte nachkommen. Ich rappelte mich auf und lief schnell zur Tür und öffnete sie. Zwei fröhlich grinsende Mädchen standen mir gegenüber. „Hey ihr, ich bin gleich fertig, ich muss nur noch meinen Bikini finden..“, erklärte ich ihnen und ließ sie herein. „Oh, hast du ihn verloren?“, fragte Elaine mich gleich. „Wir können dir ja helfen“, bot Iris an. Elaine war als Erste in meinen Zimmer und begutachtete meinen Schrank. „Also das... schaut fast aus wie Sodom und Gomorra!“ Ich blickte sie entsetzt an. „Was? SO schlimm ist es doch auch wieder nicht..!“ „Stimmt, es geht immer schlimmer.“, lachte sie. Zu viert waren wir viel schneller als ich allein und wir fanden sogar drei Bikinis und nach der Suchaktion sah mein Schrank sogar etwas aufgeräumter aus als vorher. Ich entschied mich für einen schwarzen Bikini mit Rüschchen, dann gingen wir los.
Das Freibad war circa eine halbe Stunde entfernt und etwas außerhalb gelegen. Nachdem wir den Eintritt gezahlt hatten, suchten wir uns einen Platz auf der Liegewiese. Es war noch später Vormittag, daher war es noch nicht so voll. Vereinzelt entdeckte ich ein paar bekannte Gesichter, die ich mal in der Schule oder beim Einkaufen gesehen hatte, aber genauer kannte ich niemanden. Wir legten uns erst mal in die Sonne und plauderten ein bisschen. „Wann wollte eigentlich Rosa kommen?“, fragte ich. Iris schaute auf die Uhr. „Sie müsste demnächst kommen, aber sie verspätet sich immer ein bisschen.“, erklärte sie grinsend. Elaine lachte. „Das stimmt. Und sie bringt sicher Leigh mit. Die beiden sind manchmal echt unzertrennlich. Aber total süß.“  Wir warteten noch ein bisschen, entschieden uns dann aber, dass wir schon mal ins Wasser gehen konnten. Wer wusste wann der Rest auftauchte. Die Schwimmbecken waren in der Mitte des Freibades und von Büschen und den Liegewiesen umgeben. Es gab einen großen Sprungturm, an dem schon eine lange Schlange anstand. Wir setzten uns an den Beckenrand und beobachteten die Springer. Bis Elaine auf die Idee kam, dass es doch total lustig wäre, Iris und mich ins Wasser zu schubsen. Iris war noch so schnell, dass  sie Elaine mitreißen konnte. Ich war da eindeutig zu überrascht. Prustend tauchten wir alle drei wieder auf. „Elaine!“, riefen wir beide fast wie aus einem Mund. Diese grinste uns aber nur an. Es folgte eine wilde Plantscherei, in der wir uns gegenseitig bespritzten und aufpassen mussten, dass wir vor lachen nicht untergingen. Erschöpft zogen wir uns schließlich wieder an den Beckenrand. Gerade als wir uns einigermaßen beruhigt hatten, hörten wir ein freudiges „Elaine, Iris, Georgiana!“ Wir drehten uns um und sahen eine aufgedrehte Rosalya auf uns zulaufen. Bevor sie uns stürmisch umarmen konnte, blickte sie uns stirnrunzelnd an. „Na ihr seht ja zerzaust aus.“ Hinter ihr kamen nun auch andere nach. Der Erste hatte schwarze Haare und sah ungemein gut aus. Er legte den Arm um Rosas Taille. Das war dann also Leigh. Ihm folgten Castiel (?) und ... mir stockte fast der Atem, als ich Lysander entdeckte. Mit ihm hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich lächelte etwas schüchtern und er erwiderte es. Mein Herz machte sofort einen Hüpfer.
...
Die Jungs wollten vom Springturm springen, also setzten wir uns an den Rand und beobachteten sie dabei. Rosa schwärmte dabei von Leigh, ich beobachtete Lysander. Seine Bewegungen waren so anmutig und elegant. Genauso war sein Köpfer. Die anderen Mädchen waren zu sehr beschäftigt, zu beurteilen, wer denn nun den besten Sprung gemacht hatte. Naja, bis sie mich fragten. Ich wurde rot. Ich hatte ja nur einen beobachtet. „Ähm... ich fand Lysander gut“, murmelte ich. Rosalya begann zu grinsen, verkniff sich aber Gott sei Dank ein Kommentar dazu.
Nachdem die Jungs sich ausgetobt hatten, kam Rosalya auf eine Idee:“ Wir könnten doch ein bisschen Volleyball spielen, ich glaube das Feld ist gerade frei.“ „Hey, gute Idee“, freute sich Iris. Wir stimmten ihr alle zu und machten uns auf. Auf den Weg band ich meine Haare zu einen hohen Zopf zusammen. Als wir über die Wiesen liefen, kam es irgendwie dazu, dass Lysander neben mir lief ( Nein, das war keine Absicht). „Hey.“, sagte er. Gott, der Kerl brachte mich irgendwie um den Verstand. „Hey..“ Ich blickte ihn forschend an. „Bist du mit Leigh befreundet, oder..?“, fragte ich ihn. Er lachte. „Nein, er ist mein Bruder.“ „Oh. Tut mir Leid, dass wusste ich nicht.“, meinte ich. Aber stimmt, die beiden sahen sich eigentlich ein bisschen ähnlich. Warum war mir das nicht aufgefallen? „Kein Problem.“, sagte er lächelnd. Wir waren mittlerweile am Volleyballfeld angekommen.
Rosa schaute uns prüfend an. „Es geht nicht auf“, stellte sie schließlich fest. Elaine meldete sich dann zu Wort: „Ich denke die Jungs sind eh viel besser als wir. Also machen wir ein Team mit zwei Jungs und einem Mädchen und das andere mit einem Kerl und drei Mädchen.“ Sie schaute uns fragend an. Nachdem niemand eine bessere Lösung hatte – gut, Castiel hatte anscheinend nicht richtig Lust und wollte einfach aussetzten, das ließen aber Rosalya und Elaine wieder nicht zu - bildeten wir Teams und stellten uns gegenüber auf dem Feld auf.
Ich landete mit Lysander, Iris und Elaine in einen Team. Wir spielten nicht schlecht, die Punkte blieben ungefähr immer auf derselben Höhe, auch wenn Castiel einen großartigen Schmetterball drauf hatte. Iris duckte sich jedes Mal, wenn er ankam, was dazuführte, dass Elaine und ich sie auslachten. Natürlich war es nicht böse gemeint.
Als ein ziemlich schwerer Ball kam, streckte ich mich danach und erwischte ihn gerade noch so. Dabei verlor ich jedoch das Gleichgewicht und knackte um. Ich spürte einen stechenden Schmerz in meinen Fuß. Ich schrie auf und landete auf meinen Hintern. Sofort kamen alle auf mich zugerannt und standen im Kreis um mich herum. Ganz schön merkwürdig, der Mittelpunkt alles Geschehens zu sein. Lysander kniete sich zu mir auf den Sand und begutachtete meinen Knöchel. „Tut es sehr weh?“ Als er ihn vorsichtig berührte, wimmerte ich ein „Au.“ Bildete ich mir es nur ein oder schwellte er an? „Ich glaube, sie sollte zum Erste-Hilfe-Häuschen.“, stellte Leigh fest. Lysander nickte. „Ich bringe dich hin, ok?“ Ich gab einen zustimmenden Laut von mir. Als ich versuchte auf zustehen, half mir Lys, indem er den Arm um mich legte. Ich zuckte zusammen und wich etwas von ihm weg. Eindeutig zu nah. Bilder erschienen vor meinem geistigen Auge. Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Das war Lysander. Der Lysander, der mir helfen wollte. Er würde mir nie wehtun. Ich blickte zu ihm. „Tut mir Leid.. das war gerade etwas... überrumpelnd für mich.“ Ich wurde rot. Gott, war das peinlich. Er nickte nur, dann legte er wieder den Arm um mich und half mir auf. Im Vorbeihumpeln sah ich die besorgten Gesichter meiner Freundinnen. „Wir kommen mit...“, sagte Iris, aber ich unterbrach sie. „Nein, ist schon ok. Wir müssen da nicht alle auftauchen. Bringt das Spiel zu Ende.“ Ich zwang mich zu lächeln. Sie sah zwar nicht glücklich aus, aber ich wollte nicht, dass ich ihnen noch mehr den Tag vermieste. Nachdem wir uns von den anderen etwas entfernt hatten, flüsterte ich Lysander ein „Danke“ zu. Wir mussten über die Wiese und um die Schwimmbecken herum. Ich entdeckte einen Kiosk, an dem viele Menschen anstanden, den man auch vom Spielfeld hätte sehen können. Ich musterte die Leute, die anstanden oder ein Eis aßen. Da entdeckte ich einen Mann. Ich blieb aprupt stehen. Lysander blickte mich fragend an. „Georgiana, was...“. Ich beachtete ihn aber nicht. Konnte es nicht. Ich starrte nur den Mann an. Militärische kurzgeschnittene braune Haare. Und dieses Lächeln. Dieses schadenfrohe, hinterhältige Grinsen. Auf einmal begann sich alles um mich herum zu drehen. Das konnte nicht sein. Nein, es war nur eine Einbildung. Wenn es nur nicht so verdammt echt scheinen würde... Mir wurde schlecht. Und er blickte mich an. Trotz der Sonnenbrille konnte ich den Blick auf mir spüren. „Nein...“, flüsterte ich. Ich spürte meine Beine nicht mehr und fiel fast um, hätte Lysander mich nicht aufgefangen. Am liebsten hätte ich geschrien, aber meine Lungen waren wie zugekleistert. Als mir Tränen in die Augen stiegen, wurde alles schwarz um mich herum...

Ich spürte weiche Kissen und eine Decke über mir. Mein Knöchel fühlte sich äußerst kühl an. Ich blinzelte. Wo war ich? Meine Augen brauchten etwas Zeit, um sich an das Licht der Neonröhren zu gewöhnen. Ich war in einer kleinen Holzhütte. An der Wand hingen verschiedene Verbandskästen mit einem roten Kreuz darauf. Wie eine Flut kamen die Erinnerungen zurück. Ich schloss die Augen wieder um alles verarbeiten zu können. Ich war umgeknackt... und ... oh Gott dieser Mann... Lysander hatte mich... Ich riss die Augen wieder auf und blickte nach rechts. Da entdeckte ich Lysander neben mir. Ich atmete erleichtert aus. „Hey, wie geht’s dir?“, fragte er mich. Er schien sich ernsthafte Sorgen zu machen. Naja, konnte man auch nachvollziehen, ich war einfach umgekippt. „Es... es geht schon wieder. Danke.“ Ich zwang mich zu einem Lächeln und richtete mich vorsichtig auf. Wenn ich so zurück dachte... mich überfuhr ein kalter Schauer. Einerseits wollte ich glauben, dass es nur Einbildung gewesen war, andererseits ... ich würde ihn immer erkennen. Aber er hatte eine Sonnenbrille getragen und war relativ weit weg von mir gewesen. Es hätte jeder sein können.
Lysander schaute mich mit gerunzelter Stirn an. Er glaubte mir nicht wirklich, aber er fragte auch nicht weiter nach. Anscheinend schien er zu merken, dass ich nicht darüber reden wollte.
Ein Sanitäter erschien hinter ihm. Nachdem er mich noch einmal untersucht hatte und den Knöchel mit einer Salbe einschmierte und gut einbandagierte, durften wir gehen. Er stützte mich wieder und wir gingen so langsam wieder zurück zu unserem Platz. „Wie lange war ich eigentlich... bewusstlos?“, fragte ich Lysander vorsichtig. Ich hatte Angst vor der Antwort. „Fast eine halbe Stunde.“, antwortete er mir, „wir hatten schon Angst, dass wir einen Krankenwagen rufen mussten. Deine Werte waren jedoch sehr stabil.“ Ich schluckte. „Oh Gott, das tut mir so Leid...“, begann ich schon, er unterbrach mich aber. „Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen.! Du kannst doch schlecht etwas dafür, wenn dein Kreislauf versagt.“ Wenn er bloß wüsste. Ich nickte nur. Als wir an unserem kleinen Lager ankamen, waren alle schon wieder da und bombadierten mich mit Fragen, wie es mir ginge. Anscheinend hatte aber niemand etwas von meinem Zusammenbruch mitbekommen, und ich beließ es lieber dabei, dass es auch keiner erfuhr. Sie sollten sich nicht unnötig Sorgen machen. „Mir geht es schon besser, allerdings soll ich meinen Fuß schonen und sie haben mir auch empfohlen, nach Hause zu gehen.“, erklärte ich meinen Freunden. Lysander hatte mir angeboten, mich Heim zu fahren, was ich auch dankend angenommen hatte. Meine Tante arbeitete und konnte mich unmöglich abholen und laufen war keine Option. Ich packte meine Sachen schnell zusammen und zog mir mein Kleid über meinen Bikini. Nachdem mich Iris, Rosalya, und Elaine umarmt hatten und ich mich bei den Jungs mit einem Winken verabschiedet hatte, brachte Lys mich zu seinem Auto.  Die Fahrt war relativ kurz, und ich bedankte mich gefühlte tausendmal für seine Hilfe. Er half mir in meine Wohnung, und ich dankte Gott, dass meine Wohnung halbwegs ordentlich war. Ich hätte mich vor ihm sonst unendlich geschämt. Unsere Verabschiedung verlief unspektakulär. Nachdem er gegangen war, legte ich mich in mein Bett, und mir fielen sofort die Augen zu. War wohl heute doch zu viel Aufregung gewesen. Ich hätte auch über das Geschehene nachdenken sollen, aber ich verdrängte es. Was nicht wirklich die Lösung war, aber vorerst wollte ich einfach nicht daran denken.
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