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FF mit Lysander

Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Amber Castiel Lysander Rosalia Viola
14.09.2012
01.11.2012
16
44.198
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14.09.2012 2.943
 
Chris war festgenommen worden und kam wieder ins Gefängnis. Diesmal für lange, sehr lange Zeit. Nach Absitzen seiner Strafe würde er in eine offene Psychatrie kommen. Ich hoffte, dass er sich dort seines Wahnsinns bewusst wurde und sie ihm dort helfen konnten.
Nachdem sie Chris zum Präsidium gefahren hatten, hatten die Polizisten Lysander und mir noch ein paar Fragen gestellt und schließlich zum Ausgangspunkt des Orientierungslaufes gebracht. Dort hatten wir dann auf die anderen Teams gewartet. Das Gewinnerteam bestand aus Kim und einem Mädchen namens Zoe, die einen Büchergutschein geschenkt bekamen. Richtig zufrieden sahen sie mit ihrem Gewinn nicht aus, aber sie waren stolz darauf, dass sie überhaupt gewonnen hatten. Ich freute mich, da sie aus meiner Klasse waren und die beiden ganz nett waren.
Amber hatte während des Laufes eine Krise bekommen, da sie keinen Handyempfang hatte und ihre Schuhe dreckig geworden waren, und hatte deshalb schon nach einer Stunde aufgehört mitzumachen. Sie war den gesamten Tag mit Charlotte bei den Lehrern gesessen und hatte sich darüber aufgeregt, dass wir alle überhaupt hier waren. Elaine und Castiel waren, neben Li und Carla, eine der letzten, dafür sahen die beiden aber umso glücklicher aus. Sie waren schon Händchen haltend aus dem Wald gekommen. Amber hatte darauf einen Tobsuchtsanfall bekommen und uns allesamt angefaucht und war dann beleidigt abgezogen. Elaine hatte gar nicht mehr aufhören können zu lachen.
Ich hatte den anderen außerdem erzählen müssen, was passiert war. Wie hätte ich ihnen sonst den ganzen Polizeiaufmarsch erklären sollen? Anfangs waren sie sehr beunruhigt gewesen und ein bisschen sauer, weil ich nichts erzählt hatte. Aber am Ende waren doch alle froh gewesen, dass nichts ernsteres passiert war.
Das Lösungswort des Laufes eröffnete uns die nächste große Veranstaltung, die geplant war: Ein Sommerfest unserer Schule, an der auch Bands spielen konnten. Castiel und Lysander wollten ihre Band dafür auch sofort anmelden.
Am Abend waren wir dann zurückgefahren. Die ganze Story musste ich dann noch mal den drei Frauen bei mir zuhause erzählen. Katherine war noch einen Tag länger geblieben, musste dann aber wieder zurück fahren, da sie nicht länger frei bekam. Und ich war nicht ihre einzige zu Betreuende. Meine Mutter fuhr am Ende der Woche dann auch wieder ab. So waren Tantchen und ich wieder alleine in der Wohnung.
Man könnte fast meinen, der Alltag war wieder eingekehrt. Aber nur fast.

Immer wieder hörte ich, wie jemand meinen Namen sagte. Unruhig drehte ich mich herum und öffnete verschlafen die Augen. Dann schreckte ich zurück und wäre fast aus dem Bett gefallen. Elaines Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. „Was machst du hier?“, rief ich. „Lass mich überlegen. Wir wollten vor zwanzig Minuten loslaufen, du warst aber nicht da. Also...“, erklärte sie, ich unterbrach sie aber mit einem Aufschrei, als mein Blick auf den Wecker glitt. Ich hatte ja total verschlafen! In einer Spitzenzeit machte ich mich fertig und schnappte mir die Klamotten, die ich mir schon am Tag zuvor zurecht gelegt hatte.
Es war nur noch eine Woche bis zu den Sommerferien und heute war das Sommerfest. Alle, die nicht mit organisierten, mussten erst um 12 Uhr zur Schule kommen, dafür aber den ganzen Nachmittag dort bleiben. Elaine und ich wollten eigentlich schon drei Stunden eher losgehen, um Castiel und Lysander beim Proben zu überraschen. Jetzt kam es wohl zu einer klitzekleinen Verspätung. Zweifelnd stand ich vor dem Spiegel. „Meinst du, ich kann das wirklich anziehen?“, fragte ich Elaine. Sie aber war hellauf begeistert. „Natürlich! Das steht dir super!“, rief sie. Ich hatte ein schwarz-weißes Kleid an, das bis zur Mitte meiner Oberschenkel ging. Es war am Ausschnitt und am Saum unten etwas gerüscht. Es sah wirklich schön aus, ich war mir bloß nicht sicher, ob es zu overdressed war. Ich lief schließlich mit einem eleganten Kleid in die Schule. „Komm schon, ich will los. Lysander wird es gefallen.“, zwinkerte sie mir zu. Dann zog sie mich an der Hand aus meinen Zimmer und aus der Wohnung. Ich schaffte es kaum, die Wohnung abzusperren, geschweige denn, in meine Ballerinas zu schlüpfen. Hinter ihr herhumpelnd verließ ich dann die Wohnung. Auf der Straße hatte ich es endlich geschafft, in meine Schuhe hineinzuschlüpfen. „Warum hast du es denn so eilig? Castiel wartet schon auf dich, keine Sorge.“, maulte ich. „Pff.“, kam es von meiner Freundin. „Du willst Lysander schließlich auch sehen.“, grinste sie dann. Eine leichte Röte überzog meine Wangen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das, was wir hatten man eine Beziehung nennen konnte. Aber ich war glücklich so und jeder wusste, dass wir in einer gewissen Weise ‚zusammen’ waren. Bei Castiel und Elaine war das jedenfalls besser definiert. Letztere schoss mir gerade davon. Schnell lief ich ihr hinterher. „Du kannst manchmal echt anstrengend sein.“, sagte ich mit einem Grinsen im Gesicht. „Aber ich hab dich lieb.“ Elaine lächelte und stieß mich mit dem Ellbogen an. „Als wärst du einfacher.“ Es war ein angenehmer Sommertag, die Sonne schien warm auf uns hinab und ein sanfter Wind wehte. Das Wetter war einfach perfekt. An der Schule angekommen standen wir vor einem riesigen Chaos. Die freiwilligen Helfer bauten unter anderen die Bühne auf und Verkaufsstände, ich entdeckte Nathaniel, der versuchte, alles zu koordinieren und darunter noch ein paar jüngere, die anscheinend zuschauten und total aufgeregt wirkten. Elaine und ich bahnten uns einen Weg durch die Schüler und den ganzen Utensilien. Wir begrüßten Nath freundlich, der uns etwas zerstreut mit einem „Guten Morgen.“ antwortete. Der arme Kerl hatte wohl echt viel zu tun. Elaine stieß die Haupttür auf. Hier war vergleichsweise wirklich wenig los, der ganze Trubel herrschte außen. Wir gingen durch die fast leeren Gänge hinunter zum Treppenhaus. Von da aus gingen wir in den Keller. Castiel und Lysander weigerten sich weiterhin, im Musiksaal für ihre Band zu proben, daher waren sie immer noch im Keller. Genau in dem Raum, in dem ich sie anfangs des Halbjahres in der Nacht angetroffen hatte. Wenn ich jetzt daran dachte, kam es mir so ewig her vor. Dabei waren es vielleicht sechs Monate. Ich folgte Elaine die Treppe nach unten. Schon von weitem hörten wir etwas gedämpft die Musik. Vor der Tür warteten wir, bis die Instrumente verstummten, dann drückte Elaine die Klinke hinunter und wir traten mit einem Grinsen ein. „Überraschung!“, riefen wir zusammen. Die Jungs blickten überrascht auf. Neben Castiel und Lysander waren noch Kay und Erik da. Die beiden unterstützen unsere Jungs bei dem Auftritt, da ihnen ja Schlagzeuger und Bassist fehlten. „Was macht ihr denn hier?“, meinte Cas überrascht. Lysanders Blick war ähnlich. „Wir wollten euch überraschen.“, erklärte ich. „Stören wir?“, warf Elaine gleich ein. Sie schauten sich fragend an und zuckten dann aber mit den Schultern. „Nö, eigentlich nicht. Dann machen wir halt eine Pause.“, meinte Erik und holte eine Kippenschachtel raus. Dann verschwand er sogleich mit Kay. Als sie weg waren, hüpfte Elaine sofort in Castiels Arme, der ihr gleich die Haare verstrubbelte. Ich fragte mich , warum sie jeden früh sich die Haare herrichtete, sie wurden spätestens eh in der Schule wieder von Cas zerstört. Lys kam lächelnd mit einem „Hey.“ auf mich zu und küsste mich. Ich musste mich ein bisschen strecken, da er viel größer als ich war, aber es störte mich nicht wirklich. „Hey.“, begrüßte ich ihn ebenso lächelnd. Dann betrachtete er mein Outfit. „Du siehst toll aus.“, sagte er und küsste mich wieder. „Danke.“, flüsterte ich. Es freute mich, dass es ihm gefiel, da ich ja noch etwas unsicher gewesen war.  „Seid ihr schon weit gekommen?“, fragte ich ihn dann. Er zuckte mit den Schultern. „Na ja, wir sind mit allen so gut wir durch, müssen aber an manchen Stellen noch ein bisschen feilen. Aber es müsste gut laufen.“, erklärte er. „Dann ist gut.“, lächelte ich. „Wollen wir vielleicht auch raus gehen? Bevor wir hier im Keller versauern.“, schlug Elaine vor. Ich stimmte ihr zu, da es hier wirklich etwas frisch war. Ich hatte schließlich nur ein Kleid an. Also gingen wir nach oben, und setzten uns etwas abseits von den ganzen Aufbauaktionen auf eine Bank. Trotz der Abgeschiedenheit hörten wir noch den Lärm, den die Vorbereitungen auslösten. Ich zog die Beine an und legte meinen Kopf auf Lysanders Schulter. Da ich verschlafen hatte und mich in Eile fertig machen musste, war ich immer noch ein bisschen müde. Er legte sanft den Arm um mich. „Ich geh schnell eine rauchen.“, sagte Castiel und verschwand mit Elaine. Ich schaute den beiden hinterher, wie sie das Schulgelände verließen. Elaine rauchte nicht, da war ich mir sicher, aber Cas zuliebe ging sie mit. „Wisst ihr schon, wann ihr auftretet?“, fragte ich Lys. „So um 13 Uhr rum. Wenn bis dahin die Bühne steht.“ Ich musste grinsen. Als wir angekommen waren, war davon ja noch nicht viel zu sehen gewesen. Aber vielleicht schafften sie es ja noch in der Zeit. Dann fiel mir wieder etwas ein. Ich hob den Kopf und schaute ihn an. „Meine Mutter möchte dich kennen lernen. Du hast ihr anscheinend sehr imponiert.“, lächelte ich ihn an. „Am Telefon?“, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. Das einzige Mal, wo er mit ihr geredet hatte, war damals am Strand gewesen, als Lysander sie angerufen hatten. „Na ja...“, sagte ich etwas verlegen, „vielleicht habe ich ein, zweimal was von dir erzählt..“ Er grinste. „Da ist deine Mutter nicht die einzige.“ „Was?“, rief ich überrascht. „Hättest du vielleicht Lust mit mir in den Ferien auf’s Land zu fahren? Meine Eltern würden sich freuen.“ Ich strahlte ihn an. „Würde ich gerne.“ Von weitem sahen wir, wie die beiden vom Rauchen wieder kamen. Das ging aber schnell. „Machen wir weiter?“, fragte Castiel. Lys nickte, verabschiedete sich von mir und ging wieder rüber in die Schule. Elaine ließ sich neben mir auf die Bank plumpsen. „Also das mit dem Rauchen muss ich Casilein noch abgewöhnen. Das stinkt bis zum Himmel.“, seufzte sie. Ich musste lachen. „Ich bezweifle nicht, dass du das schaffst.“ „Vielleicht nehm ich ihm einfach seine Kippen weg. Dann kann er es gar nicht mehr tun“, überlegte sie laut vor sich hin. Ich stupste sie an. „Mach das. Wollen wir vielleicht den anderen beim Aufbauen helfen? Würde unseren Schülersprecher bestimmt glücklich machen.“ „Das ist mein Lebensziel!“, rief sie voller Ironie. „Ist aber keine schlechte Idee, komm, auf geht’s.“ Sie sprang auf und lief schon nach vorne, ich ihr hinterher. So kam es dazu, dass wir die restlichen Stunden bis zum Sommerfest noch beim Aufbauen mithalfen.

Um 12 füllte sich die Schule allmählich und wir mussten alle in unsere Klassenzimmer, um unsere Anwesenheit zu bestätigen. Während Mr. Faraize jeden Namen einzeln vorlas und immer wieder einen Haken setzte, saß ich mit Elaine und Iris an einem Tisch und redete über das Sommerfest, das in Kürze beginnen würde. „Habt ihr die Bühne schon gesehen? Die ist richtig toll geworden.“, sagte Iris. „Ja, wir haben schließlich mit aufgebaut“, erklärte Elaine stolz. „Mehr oder weniger freiwillig.“, zwinkerte sie mir zu. Auf Iris fragenden Blick erklärte ich ihr, dass es mein Vorschlag gewesen war, mit zu helfen. „Du wolltest das aber auch!“, warf ich meiner rothaarigen Freundin vor. Die grinste aber nur frech. Mein Blick glitt durch das Klassenzimmer. Alle redeten wild durcheinander und waren aufgeregt, Mr. Faraize hatte es aufgegeben, alle aufzurufen und hakte nur noch ab. Mein Blick glitt zu Amber, die böse Blicke auf mich und Elaine warf und mit Li und Charlotte tuschelte. Desinteressiert wandte ich mich wieder Iris und Elaine zu. Seitdem Elaine mit Castiel zusammen war, war Amber voll und ganz damit beschäftigt, Elaine das Leben schwer zu machen. Sie nahm es aber mit Humor. Dann hörten wir endlich die erlösende Stimme von unseren Klassenlehrer: „Ok, wir sind hier fertig. Ihr könnt rausgehen.“ Alle schnappten sich ihre Sachen und ich verließ mit Iris und Elaine das Klassenzimmer. Auf dem Schulhof herrschte schon reges Treiben. An verschiedenen Ständen wurde Essen angeboten oder Spiele für die Jüngeren. Dass das für uns Ältere nichts mehr war, war klar. Iris entdeckte Melody und verschwand kurz darauf. Als wir etwas unsicher auf dem Schulhof standen und nicht wussten, was wir tun sollten, kam Rosa auf uns zugelaufen. Im Schlepptau hatte sie ihren Freund Leigh. Da das Schulfest eine öffentliche Veranstaltung war, konnten auch Eltern, Verwandte und Bekannte herkommen. Im Endeffekt war es aber auch eine Werbung für die Schule, damit sich mehr Schüler hier anmeldeten. „Hey, ihr!“ Sie umarmte uns freudig. „Wart ihr schon hinten bei der Bühne? Die stellen schon die Instrumente auf.“ „Oh, nein, wir sind gerade erst aus dem Klassenzimmer entlassen worden.“, erklärte ich. „Na dann auf!“, rief sie und wir liefen gemeinsam zu besagter Bühne. Es hatte sich schon eine kleine Menge von Schülern angesammelt, die warteten. Hauptsächlich waren es welche aus meinem Jahrgang oder ein Jahr drüber oder drunter. Wir setzten uns auf eine Bank an der Seite der Menge. Ich wollte nicht unbedingt da mitten drin stehen und Lys anhimmeln. Das wäre doch etwas übertrieben, außerdem konnte ich das hier genauso gut. Rosa stupste mich mit dem Ellbogen an. „Na, schon aufgeregt?“, fragte sie mich. „Was, warum?“ Ich blickte sie etwas perplex an. „Dein Freund singt jetzt gleich vor; meinst du nicht, er hat was besonderes geplant?“, grinste sie dann. Mein Mund formte ein ‚O’. Dann überlegte ich. Was sollte er denn tun? Hoffentlich bat er mich nicht auf die Bühne, Hilfe. Nein, das würde er nicht tun, er weiß, dass ich es nicht mag, vor vielen Leuten zu stehen und angestarrt zu werden. Während ich so überlegte, hörte ich Elaine sagen: „ Na toll, jetzt hast du sie wieder in eine andere Welt geschickt. Die ist jetzt mindestens eine halbe Stunde lang nicht mehr ansprechbar.“ Ich blickte auf. „Hey!“ Ich wollte etwas nach ihr werfen, während sie sich schlapp lachte, fand aber nur ein zusammengeknülltes Blatt Papier. Und das flog auch nicht wirklich weit. Schmollend lehnte ich mich zurück. „Nehm’s ihr nicht übel“, meinte dann Rosalya, „sie ist immer so.“ Das war dann der Moment für Elaine, sich zu wehren. Es endete in einem Gerangel, das ich lachend und Leigh überrascht beobachtete. Er war das von seiner Freundin anscheinend nicht gewohnt. Dann murmelte er: „Ich glaube, es geht los.“ Die beiden verstummten sofort und schauten nach vorne. Kay hatte hinter seinem Schlagzeug Platz genommen, rechts und links standen Castiel mit E-Gitarre und Erik mit E-Bass. Vorne stand Lysander. Sie stöpselten gerade noch alles an und testeten, ob alles funktionierte. Als Lys mich entdeckte, zwinkerte er mir zu und ich lächelte ihm zu. Jetzt war ich doch etwas nervös, obwohl ich noch nicht ganz wusste, warum. Es waren noch mehr Menschen gekommen und der Platz hatte sich ganz gut gefüllt. Jedenfalls für ein Schulkonzert. Dann stimmte Castiel die ersten Töne an. Die harten Gitarrenklänge dröhnten aus den Lautsprechern, kurz darauf gesellten sich Schlagzeug und Bass dazu. Als Lysander anfing zu singen, bekam ich eine kleine Gänsehaut. Ich liebte seine Stimme, er sang einfach wundervoll. Sie spielten ziemlich rockige Lieder, was den Leuten – und vor allem uns – auch umso mehr gefiel. Manche Lieder kannten wir sogar, sodass wir drei leise mitsangen. Castiel zwinkerte immer wieder mal Elaine zu, die fröhlich vor sich hin grinste. Bei einem Song blickte Lysander mich auf einmal an und wandte sich auch nicht mehr ab. Als er dann ins Mikro sprach, wurde ich sofort purpurrot: „Der nächste Song ist für ein ganz bestimmtes Mädchen.“ Eine Gänsehaut bildete sich auf meinen Rücken. Manche schauten zu mir, aber die meisten registrierten mich nicht wirklich. Ich kannte das Lied, normalerweise war es ruhiger, aber sie hatten es insgesamt etwas rockiger gemacht, mit mehr Gitarrenriffs und Schlagzeug. Besonders bei einer Stelle lief mir ein kleiner Schauer über den Rücken: „You know I'd do almost anything for you my guiding light, you know I'd do almost everything to keep you in my life, ‘cause you're my star shining on me now. A love from worlds apart, I need for you, you are my shining star, my star.” Als die letzten Töne des Stücks verklangen, lächelte er mich vorsichtig an. Ich erwiderte sein Lächeln und wurde gleich noch einmal rot, als ich bemerkte, dass ich Tränen in den Augen hatte. Etwas beschämt blickte ich zu Boden und wischte sie fort. Nach dem Auftritt schlichen wir uns hinter die Bühne. Die Umräumarbeiten für die nächste Band waren schon voll im Gange und wir quetschten uns zwischen ein paar Helfern durch. Als ich Lys entdeckte, lief ich sofort auf ihn zu. Er nahm mich sanft in die Arme. „Ich hoffe, es war nicht unangenehm für dich.“, begrüßte er mich sogleich. Ich lächelte ihn an. „Nein, war es nicht. Es war das schönste, was je ein Junge für mich getan hat. Danke.“ Er schien zufrieden und küsste mich auf die Stirn.
„Also, ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber ich hab Hunger.“, meinte Castiel auf einmal hinter uns. Wir drehten uns um und ich zuckte mit den Schultern. „Warum nicht?“ Fragend blickte ich zu Lysander, er grinste. „Ich gehe dahin, wo du hin gehst.“, sagte er. Ein Lächeln breitete sich wieder in meinem Gesicht aus. „Na dann los!“, rief Elaine und wir verließen das Chaos um die Bühne herum. Als Lys meine Hand nahm, begann mein Herz zu flattern.
Ich war froh, dass die ganze Sache um Chris nun endlich vorbei war. Und ich hatte gelernt, dass man kämpfen musste und nicht von seinen Ängsten davon rennen sollte, sondern sich stellen musste, um sie zu überwinden. Ich hatte kaum noch daran geglaubt, aber es war wirklich alles gut gegangen. Während ich jetzt in Lysanders Augen blickte, musste ich unwillkürlich lächeln. Es war geradezu perfekt. Und wenn ich so an die Zukunft dachte, hatte ich auch keine Angst mehr. Denn er war ja da.

~Ende~
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