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Moona und das süße kleine Chaos

von Jealous
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
12.09.2012
23.10.2012
5
6.665
 
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12.09.2012 1.371
 
Hallo, Moona!

"Du wirst hier sicher eine tolle Zeit verbringen!", hatte meine Mutter mir noch hinter her gerufen, als ich mit zögernden Schritten in den kühlen Schulflur getreten war. Das war vor ungefähr 10 Minuten gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich an ihren Worten gezweifelt. Jetzt war ich mir vollkommen sicher das sie unrecht hatte.
Nur um das mal klarzustellen, ich hasse rosa nicht. Es ist mir einfach nur irgendwie... unsympathisch. Und jetzt ist meine komplette Schule in diesem "Farb"-Ton gehalten. JUHU! Ich meine, das fängt schon bei dieser bescheuerten Geschlechter-Aufteilung an. Jungs sind Team-Blau, Mädchen sind Team-Rosa. Ich HASSE Verallgemeinerungen, was vielleicht damit zusammen hängt, dass mich alle für einen Grufti halten, nur weil ich gerne mal schwarz trage… Meine Güte, ich fühle mich einfach sicherer, wenn ich nicht aussehe wie ein etwas zu knallig verpacktes Bonbon. Aber heute hatte mich meine Mutter dazu gezwungen, etwas vollkommen Moona-Untypisches zu tragen. Lange, weiße Hose, und ein dunkelblaues, etwas weiter ausgeschnittenes Shirt.
"Damit du nicht gleich einen schlechten Eindruck auf alle machst!", hatte sie gesagt, als sie mich nötigte, meinen schwarzen Rollkragenpulli, die schwarze Jeans und das schwarze Top mit der hübschen blauen Katze darauf mitten in der Küche gegen meine jetzigen Klamotten zu tauschen. Als wäre ich allein dafür verantwortlich das ich bei den meisten einen schlechten Eindruck mache! Sie ist die, die allen zu sehr auf die Pelle rückt und mich anderen Leuten aufzwingt. Ach ja, und sie ist die, die mir diesen bescheuerten Namen gegeben hat…
"Mooncat?" Diese leise, weiche Stimme hatte ich von Anfang an nicht leiden können. Ich schloss kurz die Augen und sandte ein Stoßgebet zum Himmel, dann drehte ich mich um, ein schüchternes Lächeln auf den Lippen, für das ich wirklich hart trainieren musste.
Die Direktorin lächelte mich an. Ihr graues Haar war sauber nach oben gebunden worden, die kleine Halbbrille saß auf ihrer Stupsnase ein wenig schief und ihr hellrosa Kostüm biss sich herrlich mit der Wand. Wenn man sie ansah, hatte man gleich das Gefühl vor seiner Großmutter zu stehen, der man alles erzählen, bei der man allen Frust ablassen kann, ohne das sie nur ein böses Wort gegen dich richtet. Ich sag ja, ÄTZEND!
"Guten Morgen, Frau Köhler.", sagte ich freundlich. Das Lächeln der Direktorin wurde noch breiter.
"Ah, ja, du bist es. Sehr schön, ich habe dich schon gesucht. Hattest du schöne Ferien?"
"Ja, wirklich toll. Aber auf die Schule hab ich mich dann doch ein wenig gefreut", antwortete ich und hoffte, meine Stimme würde nicht zu überzeugt klingen.
"Ja, das ist häufig so. Ferien sind schön, aber zu lange nichts zu tun zu haben ist auch nichts.", antwortete die Direktorin und streckte eine Hand aus, als ob sie mir in die Wange kneifen wollte, tätschelte dann doch lieber nur meine Schulter. Ich hielt mein Sonnenschein-Dauergrinsen angestrengt aufrecht.
"Ich weiß, der ganze Umzug und so muss schwer für dich gewesen sein", sagte sie mit mitfühlender Stimme. "und deshalb erwartet niemand von dir das du dich sofort ins Unterrichtsgeschehen wirfst. Nimm dir die erste Woche Zeit um die Schule ein bisschen zu erkunden und alle kennenzulernen."
Ich sah sie entgeistert an. "M-meinen sie das ernst?", fragte ich und vergass ganz meine supergute-spitzen Laune in meine Stimme einfließen zu lassen. "Aber…",
"Keine Sorge, ich stelle dir jemanden zur Verfügung. Weißt du was, ich überlege mir noch wen, und so lange gehst du ins Büro des Schülersprechers und machst dich mit Nathaniel bekannt."
"Nathaniel ist noch mal wer?", fragte ich unsicher.
"Der Schülersprecher!"
Ach ja. Natürlich. Ich soll ins Büro des Schülersprechers, also ist der Typ, mit dem ich mich da bekannt machen soll der Schülersprecher… Hach, ich liebe meine Verpeiltheit!
Als ich noch ein paar Momente orientierungslos in der Gegend rumstand deutete die Direktorin mit einem honigsüßen Lächeln auf eine Tür rechts von mir. Sie war rosa…  (Was sonst?!)
"Hallo?", fragte ich leise, als ich die Tür öffnete. Der Raum dahinter war mir um einiges sympathischer als der Flur, in hellen, aber nicht zu aufdringlichen Farben gehalten. Ein Junge stand mit dem Rücken zu mir und leicht vorn übergebeugt an einem der Hellholztische. Als er meine Stimme hörte, drehte er sich zu mir um.
Ich spürte wie ich ein bisschen rot wurde. Er sah schon verdammt süß aus… Seine Augen waren braun-golden und sein Haar war blond und ein wenig verstrubbelt. Er lächelte freundlich, aber nicht so schrecklich kitschig wie die Direktorin.
"Hi.", sagte er. "Du bist bestimmt Mooncat, die Neue, oder?"
Ich zog bei der Erwähnung meines Namens die Nase Kraus.
Der Junge lachte. "Ich bin übrigens Nathaniel."
Er hielt mir die Hand hin und ich schüttelte sie, wobei ich mich fragte wann ich das letzte mal zur Begrüßung Hände geschüttelt hatte.
"Schön dich kennenzulernen", sagte ich. "Aber wenn du nicht irgendwann einmal als Wasserleiche enden willst, nennst du mich Moona, verstanden?"
Nathaniel lachte wieder. "So schlimm?"
"Jap."
"Lass mich raten, etwas zu flippige Mutter, etwas zu nachgiebiger Vater..?"
Ich hob eine Augenbraue. "Bist du wirklich so gut oder führt ihr schon jetzt eine Akte über mich?"
"Wohl eher ersteres!", antwortete Nathi grinsend. Er war echt nett. "Nun, was brauchst du? Du bist wahrscheinlich nicht ohne Grund hier, oder?", fragte er.
Ich knetete meine Hände, wie immer wenn ich aufgeregt war. "Doch, eigentlich schon, außer du zählst  'dich mit Nathaniel bekannt machen solange ich mir überlege wer dein neuer Laufbursche sein wird' als Grund…"
Er zuckte mit den Schultern. "Na dann, warten wir mal auf den Glücklichen. Ich habe zwar kein Unterhaltungsteam für heute engagiert, aber vielleicht reicht es dir ja mir beim Sortieren der Akten zuzusehen."
Mit einer übertriebenen Handbewegung und Verbeugung deutete er auf einen Stuhl. Ich bewegte mich nicht. "Kann ich mich auch auf den Tisch setzten?"
Überrascht hob er den Kopf. "Hä?"
Ich muss zugeben, das diese Reaktion schon extrem niedlich an ihm aussah.
"Ich mag Stühle nicht so besonders gerne."
In den gold-braunen Augen spiegelte sich Überraschung und Belustigung, doch er fasste sich und sagte nur knapp. "Ja klar, mach's dir bequem."
Ich platzierte mich auf der Tischplatte, ein wenig nach hinten gelehnt, die Hände als Stütze, und sah Nathaniel dabei zu wie er einen Stapel Akten durchging, hin und wieder eine zur Seite legte, andere, schon bei Seite gelegte, wieder zu Rate zog und sie neu einordnete.
Nach ungefähr zehn Minuten platzte ich fast vor Redebedarf. Neben der "Farbe" Rosa, ekelhaft süßen und unordentlichen Menschen gibt es da noch etwas was ich nicht ausstehen kann: lang anhaltendes Schweigen. Es fühlt sich für mich falsch an, wenn nicht geredet wird, während mehrere Personen im Raum sind.
Irgendwie schien Nathi das zu spüren, denn er hob den Kopf, grinste und sagte: "Frag ruhig."
Durch seine erschreckend gute Menschenkenntnis zuerst überrascht, freute ich mich, eine Erlaubnis zum Plappern zu haben. "Sag mal, ganz ehrlich: Machst du den Job als Schülersprecher freiwillig, oder hast du irgendwas verbockt?"
Er lachte, nahm eine Akte, blätterte sie kurz durch und legte sie dann auf den größten Haufen vor ihm. "Freiwillig. Abgesehen hier von macht es echt Spaß! Glaub mir!"
"Wenn du meinst…", murmelte ich. "Sag mal…"
Doch ich kam nicht mehr dazu ihn zu fragen wo man denn einer derartigen Gehrinwäsche unterzogen wird, denn in diesem Moment öffnete sich die rosa Tür und die Direktorin kam herein. Schnell rutschte ich vom Tisch.
"Ah, Mooncat. Ich hoffe ich habe dich nicht zu lange warten lassen, aber dieser junge Mann hier musste erst einmal dazu überredet werden, dich rumzuführen."
Neugierig lugte ich an der Direktorin vorbei - gespannt wer mit "dieser junge Mann" denn gemeint sein konnte - … und kippte fast vorn über.
"Hi", sagte er mit einer rauen, dunklen Stimme. "Ich bin Castiel."
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