Das Geheimnis des Drachens

von JanJu
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6
12.09.2012
12.09.2012
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Ich sollte eigentlich nicht hier sein sondern bei den anderen, dafür bin ich her gekommen, aber ich kann nicht. Es fühlt sich nicht richtig an. Ich sah wie die Männer deinen Sarg hochhoben. Dein Enkel, dein Schwiegersohn und einige Freunde. Ich sah deine Tochter hinter dir herlaufen und die Frauen die du geliebt hast. Ich sollte dort sein ich sollte deine Last tragen. Aber ich kann es nicht. Es fühlt sich nicht richtig an. Dort unter den ganzen Menschen kann ich dich nicht fühlen. Susanne ist da für sie ist es wichtig und ich weiß dass sie es gut machen wird. Aber ich kann es nicht. Ich wollte dir Nahe sein und ich war dir nie näher als hier. Wir haben uns oft gestritten, ich war nicht einfach und ich habe mich oft unverstanden gefühlt. Aber wenn ich mit dir hier war,  war ich glücklich hier hatte ich dich für mich ganz allein…  Erinnerst du dich damals als Mark starb mein bester Freund in der Grundschule. Mama war dagegen das ich zur Beerdigung mit kam, aber du hast verstanden das ich den Abschied brauchte. Du hast zu mir gesagt ich soll alles das aufschreiben was ich Mark gerne noch gesagt hätte, dann bist Du mit mir auf den Spielplatz gegangen da wo Mark und ich immer gespielt haben, wir haben den Brief an einen Luftballon gebunden und in den Himmel steigen lassen. Danach hast du mir meinen ersten Drachen gebastelt und bist mit mir hier her gefahren. Du hast gesagt so ein Drache wäre das einzige was in den Himmel steigen könnte und gleichzeitig tief in der Erde verwurzelt wäre und eines Tages wüsste ich wann es Zeit wäre ihn loszulassen. Wie bei einem Kind. Dem müsste man auch die Freiheit geben hoch in der Luft zu spielen und gleichzeitig immer mit der Erde verwurzeln. Damals habe ich das nicht verstanden und später habe ich mich geärgert dass ich nicht höher fliegen durfte sondern du mich immer zurück gehalten hast. Aber du hattest Recht du hast gewusst wann es Zeit ist los zu lassen und deswegen schicke ich dir heute den Drachen hinter her. Es gibt so viel was ich dir noch sagen möchte. Aber ich weiß nicht wie. Mir fehlen die Worte aber ich habe ein Lied gefunden das all das sagt:
Du warst von Anfang an dabei:
Der erste Blick, der erste Schritt
Jubelnd in der ersten Reihe
Ich halt Dich

Du hast gewacht, während ich schlief
und mich geführt, während ich ging
Warst lange da, bevor ich rief
Ich halt Dich
Ich halt dich

Und wer lehrt mich jetzt zu leben?
Wer marschiert voran?
Und wer lehrt mich jetzt zu geben?
Wenn ich’s allein nicht kann?

Ich werd dich weiterleben und weitergeben
So gut ich es nur kann
Ich setz dich fort
Bis dann

Du hast gesehen, wie ich fiel
und mich ermutigt, neu zu springen
Du warst der Fallschirm, der mich hielt
Ich halt dich

Du hast verstanden, wer ich war
und mich geführt, zu was ich bin
Unaufgefordert, immer da
Ich halt dich
Ich halt dich

Und wer lehrt mich jetzt zu leben?
Wer marschiert voran?
Und wer lehrt mich jetzt zu geben?
Wenn ich’s allein nicht kann?

Ich werd dich weiterleben und weitergeben
So gut ich es nur kann
Ich setz dich fort
Bis dann

Und ich halte Deine Hand
damit ich geben kann
was Du mir einst gegeben hast

Und ich seh’ Dich noch mal an
und frag mich, ob ich’s schaff

Und ich spür Dich nur noch schwach
Dir schwindet deine Kraft
Ich weiß, was ich zu tun hab

Ich werd Dich an mich nehmen,
um dich fortzugeben

Und ich werde dich vertreten
Deine Zeit war nicht vergebens

Und ich lehre sie zu leben
Ich marschier voran
Und ich lehre sie zu geben
Bis sie’s alleine können

Ich werd dich weiterleben und weitergeben
So gut ich es nur kann
Ich setz dich fort:
Dein Jan

Lieber Papa ich werde mein Bestes  geben dich zu vertreten. Ich werde versuchen trotz allem für Leo und Timo und alle die nach ihnen kommen da zu sein. Das habe ich von dir gelernt. Das Familie und Freunde das wichtigste sind. Du hast es gut gemacht du hast uns allen starke Wurzeln gegeben,  das Gefühl das du da bist auch wenn du nicht da bist. Ich weiß das du uns jetzt von oben siehst die Leute an deinem Grab und mich hier und ich weiß das du dich freust das alle zusammenhalten. Ich weiß aber auch dass du verstehst dass ich hier herkommen musste und das ich allein sein musste.
Der junge Mann steckte das Stück Papier in den Umschlag band den an den Schwanz des Drachens und lies ihn steigen. Er hielt den Drachen fest und sah hinaus auf den Rhein, als später eine Böe aufkam wusste er, was er zu tun hatte, er ließ die Schnur los und der alte Drache flog übers Wasser. Der Mann wusste genau wie damals der kleine Junge auf dem Spielplatz das sein Brief ankommen würde, weil sein Papa bei ihm war auch wenn er ihn nicht mehr sehen konnte. Er war immer da, in ihm und er würde auf ihn warten wenn er eines Tages bereit war als Drachen in den Himmel zu steigen.
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