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Child's play

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
10.09.2012
10.01.2013
14
17.381
2
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15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
10.09.2012 3.100
 
Hey Leute! Ich weiß, die Geschichte ist sehr, sehr unrealistisch, da ist die Phantasie wohl mit mir durchgegangen… :D Ich habe alles ein bisschen verdreht XD
Liebe Grüße,
eure Samantha

„Hey, Lia, schon mal dran gedacht dich bei der Armee zu melden?“, rief ein Junge einem Mädchen zu, das tief ins Gras geduckt da lag und durch die Zielerfassung einer M24 blickte.
„Klar, Clark, aber ich bin schon dort, ich gehe da zur Schule. Und jetzt sag ich denen, ich ballre auf einem alten Fabrikgelände mit einer Softair rum und die nehmen mich gleich bei den Scharfschützen auf!“, spottete sie. Dann verfiel sie in konzentriertes Schweigen.
Auf der anderen Seite der von ein paar Bäumen bestandenen Wiese bewegte sich etwas und die Scharfschützin nahm ihr Funkgerät.
„Clark, ich hab die Lösung!“
„Skorpion!“
Sie schoss und die kleine, gelbe Kugel traf die Gruppe auf der anderen Seite.
„Yeah! Wir haben’s geschafft!“
Clark und Lia klatschten sich ab. „Team 1 hat wieder mal gewonnen!“
Über Funk meldete sich der „Geiselnehmer“, er klang ziemlich erschrocken.
„Lia, Clark! Wir haben hier ein Problem! Over!“
„Was denn, Jo? Over!“
„Kommt her, ihr müsst es euch selber ansehen, aber seid leise und duckt euch!“, meinte Jo.
„Roger!“, erwiderte Lia, packte ihr Gewehr und marschierte geduckt los.

Als sie bei den anderen waren, deutete Jo zwischen ein paar Bäumen hindurch auf die Straße.
Clark sog pfeifend die Luft ein. Lia nahm den Schutzhelm mit der Brille ab und griff nach ihrem Fernglas.
„Das ist Sam! Scheiße, dein Vater wird dich killen!“, murmelte sie. Sie kannte Sam nur vom Sehen, er war einmal bei Clark zuhause gewesen.
„Nicht wenn wir uns ducken, liegen bleiben und tun als wären wir nicht da!“, schlug Jo vor. Er hatte seine Schutzkleidung auch schon abgenommen.
„Leute, wir sind zu alt für so einen Mist!“, maulte Amanda, eine der „geretteten Geiseln“.
Zwar fand Lia, dass sie sogar ein bisschen Recht hatte, aber es machte ihr so einen Spaß. Sie waren schon alle 15 und spielten dieses Spiel schon seit sie 10 waren und sich die ersten Mini-Softairs mit Schaumgummikugeln gekauft hatten.
Clark hatte sie auf die Idee gebracht, als er von seinem Vater erzählt hat.

Sam sah die Truppe und bekam fast einen Lachanfall. War Clark nicht etwas zu alt für sowas?
Er musste Ed mal fragen, ob er seinem Sohn erzählt hatte, dass er wusste, was die Freunde so in ihrer Freizeit machten.
Er selbst beobachtete die Truppe immer mal wieder, ein Mädchen hatte nämlich ein erstaunliches Talent für einen nicht ausgebildeten Scharfschützen.

„Er hat uns gesehen, Clark. Vermindern wir die Strafe und stellen uns!“, verlangte Lia und wollte aufstehen.
„Runter, oder ich nenn dich nur noch so, wie du wirklich heißt!“, drohte Clark.
„Das wagst du nicht!“, erwiderte Lia, blieb aber unten.
„Sammy, Sammy, Sammy.“ Lia, oder Samantha wie sie richtig hieß, funkelte Clark vernichtend an. Sie hasste ihren Namen und hatte deswegen von Anfang an behauptet, dass sie Lia hieße.
Erst als sie richtig gute Freunde geworden sind, hat sie ihnen die Wahrheit gesagt.
Sie waren ja nicht auf einer Schule, also konnten die anderen es nicht durch die Lehrer rausgekriegt haben.
„Nenn mich nicht so!“, fauchte sie.
„Lia.“
„Gut!“ Die beiden kabbelten  sich ständig, es war manchmal schon etwas nervig.
„Leute, ich muss heim!“, meldete sich Sonja zu Wort. Lias zweitbeste Freundin und normalerweise auch in Team 1.
„Schleich dich hinten raus!“, kommandierte Clark, der unangefochtene Chef der Gruppe.
„Ich geh mit!“, meinte Amanda und folgte ihr.
Jetzt waren nur noch Lia, Jo und Clark da.
„Ich glaube, wir sind denen zu kindisch, eh?“, witzelte Lia. Die anderen beiden nickten.
„Du, Lia, ich glaube, wir sollten Sam mal zeigen, was du draufhast.“, sagte Clark plötzlich ganz ernst.
Er sah zu Lias Gewehr und wieder zurück. Er hatte mit seinem Vater über die Nachbarstochter, die auf eine Schule der Armee für Hochbegabte ging, und ihre Begabung gesprochen. Sie war wirklich gut, traf jedes Ziel. Ihr Spezialtrick war, ein Blatt von einem Baum abzutrennen und dann in der Luft nochmal zu durchlöchern.
Sein Vater hatte gemeint, dass er sie durch eine rosa Brille schießen sah, aber das stimmte nicht.
Lia war seine beste Freundin und mehr als brüderliche Liebe empfand er nicht für sie.
Außerdem hatte er ja schon einen Schwarm. Emilia Johnson, ein Mädchen aus seiner Klasse.
Sie war einfach gut.
„Du spinnst doch!“, knurrte Lia leise und genervt.
Warum meinte Clark immer sie sei so talentiert?
„Dann halt nicht. Aber wolltest du nicht immer zur SRU?“
„Ich bin noch Schülerin! Und… das war doch nur ein alberner Kindertraum.“, erwiderte sie schnippisch.
„Im letzten Jahr!“ Clark und Jo beneideten sie für ihre Intelligenz. Mit fünfzehn Jahren die Schule fast fertig zu haben, das war ein ziemlich cooles Ding.
Irgendwann war Sam weg, zumindest sahen sie ihn nicht mehr und Lia konnte mit ihren Schießübungen fortfahren, die sie immer nach einem Spiel machte.
Mit einer kleinen Automatik schoss sie die Blätter von den Bäumen und zerlöcherte sie. Nur zum Aufwärmen.
„Okay, ich bin soweit! Los, Jo!“, gab sie bekannt. Jo schoss mit der Zwirbel die kleine Pappscheibe in die Luft und Lia holte sie mit einem Schuss runter. Dann schnippte er zwei davon. Wieder schaffte sie es, dass beide durchlöchert waren.
„Wollen wir mal mehr nehmen?“, fragte Jo. Lia nickte.
Jo schoss sechs in die Luft. Oben verteilten sie sich. Lia wirbelte hier hin und dort hin, drehte sich und schaffte wieder alle.

Sam staunte nicht schlecht, er hatte sich einen besseren Beobachtungsposten gesucht, als er sah wie gut das Mädchen schoss.
Ohne jegliche Ausbildung.

„Ich muss heim! Bell kommt gleich vom Tennis!“, verkündete Lia und schulterte ihre Gitarrentasche, in der die Waffe lag. Sie konnte ja nicht mit einer M24 auf der Straße rumrennen, keiner sah schließlich, dass das nur eine Softair war.
Sie tippte sich an die Stirn und marschierte los in Richtung Ende des Geländes.
Ihr ging nochmal durch den Kopf, was Clark gesagt hatte.
Sie hatte gelogen, als sie sagte, sie wolle nicht zur SRU. Es war immer noch ihr Traum, aber sie hielt sich für eine zu miserable Schützin, als das man sie dort nehmen würde.
Außerdem musste sie für Bell da sein, seit ihr Vater im Krieg war, trank ihre Mutter wie ein Loch.
Sie war dankbar, dass sie ein Stipendium hatte, weil sie nicht wusste, ob ihre Familie sich diese Schule leisten konnte, auf die sie ging.

„Bell, hey! Hast du Hunger?“, fragte Lia, zuhause nur als Sam bekannt, ihre kleine Schwester.
„Ich will das Mama mir was zu essen macht, du kannst nicht kochen, Sam!“, jammerte Bell und sah sich suchend um.
Aber Mrs. Mellis war nirgends zu sehen.
„Ich frag sie, bleib du hier!“, meinte Lia und rannte die Treppe hoch. Sie wusste, wo ihre Mutter war.
Und sie wusste, dass sie ihre Schwester schützen musste, vor dem Anblick einer saufenden Mutter.

„Mom, Bell will, dass du für sie kochst! Sie mag meine Nudeln nicht!“, sagte sie, aber ihre Mutter registrierte das gar nicht. Langsam begann Lia zu kochen vor Wut und Hilflosigkeit.
In der Nachbarschaft hatten sie schon gefragt, warum Lias Mutter nicht mehr aus dem Haus kam. Lia hatte erzählt, dass sie sich beide Beine gebrochen hatte.
Damals war sie sehr erleichtert gewesen, dass ihre Mutter nicht viele Freunde hatte und niemand sie besuchen wollte.
Die Erinnerung daran machte sie noch wütender und sie schrie: „Steh auf und kümmere dich um deine Töchter, verfluchte Scheiße!“
Lia ging auf ihre Mutter zu und beugte sich vor sie. Der Alkoholatem ließ sie würgen.
„Du. Bist. Erbärmlich.“, knurrte sie, da holte ihre Mutter aus und knallte ihr eine.
Dann noch eine und noch eine. Ihre Mutter war stark und Lias Wangen glühten vor Schmerz, aus ihrer Nase rann Blut. Ihre Lippe war aufgeplatzt, aber zurückschlagen konnte sie nicht.
Es war immerhin ihre Mutter.
„Verschwinde aus meinem Blickfeld!“, schrie die Frau und Lia rannte weg ins Bad. Sie überdeckte die Wunden mit Makeup und tupfte das Blut von ihrer Lippe.
Als sie wieder nach unten ging, sah sie normal aus.
„Mom kann heute nicht, es geht ihr nicht gut. Ich schmiere dir ein Brot, okay?“, log sie.
„Von mir aus!“, maulte Bell trotzig und stapfte ins Wohnzimmer. Sobald sie außer Sicht war, fing Lia an lautlos zu weinen. Sie hielt es nicht mehr aus und ihr Vater würde ihr nie glauben.
Sie hatte aber auch Angst es Clark zu erzählen, weil sie sich so unsäglich sehr schämte.
Lia wischte sich vorsichtig die Tränen ab und brachte das Brot ihrer fernsehenden Schwester.
„Danke, Sam!“
„Bitte, Kleines! Ich geh nochmal schnell weg, ja. Ich hab mein Handy und geh nicht hoch zu Mama, sie hat schlechte Laune. Du darfst fernsehen solange du willst, wenn du nicht hochgehst und du darfst in meinem Zimmer Prinzessin spielen.
„Auch auf der Etagen-Dings?“
„Ja, solange du aufpasst, dass du nicht runterfällst. Wenn du mir versprichst, nicht zu Mom zu gehe, darfst du sogar mein Abendkleid anziehen.“
Bell’s Augen strahlten und sie nickte eifrig.
Lia verließ das Haus und rannte den Weg zurück zum alten Fabrikhof. Ihr war schlecht und ihr Schädel pochte höllisch, aber sie bis die Zähne zusammen.
Dort holte sie ihre kleine Waffe hervor und schoss sich so lange aufs Bein, bis der Schmerz in ihrer Seele nachließ und ihr Bein klitsche blau war und selbst dann schoss sie weiter. Am Ende hatte sie keine Munition mehr.
Dass Clark sie beobachtete, war ihr nicht bewusst.
Er aber war entgeistert und machte sich gewaltige Sorgen um das Mädchen.
In letzter Zeit war sie oft abwesend und traurig.

„Lia? Alles okay?“, rief er und rannte über den Platz zur ihr.
„Lass mich zufrieden, Clark!“, fauchte sie nur.
„Ich lass dich nicht zufrieden! Du schießt auf dein Bein und weinst dabei, dein Gesicht ist grün und blau geschlagen! Erzähl mir was los ist, sonst rufe ich meinen Vater an!“, meinte er ruhig und hielt sie fest, als sie wegrennen wollte.
„Ich will nicht darüber reden!“
„Ich aber, Lia!“
„Lass mich los!“
„Nein!“, bestimmte er. Sie weinte schon wieder und war ganz hysterisch.  Mit der freien Hand rief er seinen Vater an.
„Dad, du kennst doch das alte Fabrikgelände in der Nachbarschaft? Ich brauch ganz schnell deine Hilfe.“, murmelte er ins Telefon.
„Was ist denn los? Ist dir was passiert, Junge?“
„Nein, Dad, aber einer Freundin geht es nicht gut. Ich glaube, sie wurde verprügelt. Ich mach mir ernsthaft Sorgen um sie!“, erklärte Clark und war erleichtert, als sein Vater versprach, sofort da zu sein.
„Ich will keine Hilfe! Ich brauche keine Hilfe!“, schluchzte Lia, versuchte aber nicht mehr wegzulaufen. Selbst als Clark sie losließ.
Sie setzte sich auf den Boden und zog die Knie an.
Clark setzte sich neben sie und strich ihr beruhigend über den Rücken, während er auf die Straße starrte. Der Wagen seines Vaters war schneller da, als er erwartet hatte und gleich zwei Leute stiegen aus. Ed und Jules.
„Bleib hier sitzen, ja?“, verlangte Clark.
„Okay, wenn’s sein muss!“, erwiderte sie erstickt.
Er rannte auf seinen Vater zu und fragte: „Warum ist sie dabei?“
„Wenn deiner Freundin, etwas Schlimmes angetan wurde, dann wird sie wohl eher mit einer Frau darüber reden wollen, als mit mir, Clark. Wo ist sie denn?“
Clark führte seinen Vater und Jules zu dem völlig aufgelösten Mädchen.

„Wie heißt sie?“, fragte Jules.
„Samantha, aber sie selbst nennt sich Lia.“, erzählte Clark.

„Hey, Lia. Ich bin Jules, du kannst mich auch gleich duzen, wenn du magst.“ Die junge Frau setzte sich neben das Mädchen und wartete auf eine Antwort. Insgeheim war sie erleichtert, dass sie nicht einen Geiselnehmer beruhigen musste, sondern nur ein ziemlich lädiertes Mädchen.
Ed nahm seinen Sohn und führte ihn weg. Er war froh, dass schon Feierabend war und er Zeit hatte, sich um seinen Jungen zu kümmern. Er hasste es, ihn zu enttäuschen.
Jules sah den beiden nach und murmelte dann: „Die Jungs sind weg…“ Sie machte eine Pause und fuhr fort: „Du siehst aus, als hätte dir jemand ziemlich wehgetan. Wer war das denn?“
Lia schluchzte auf und stotterte: „Weiß ich nicht!“
„Hm… kannst du dich wirklich gar nicht erinnern?“
„Nein…“
„Das ist schade. Clark hat mir erzählt, dass du gut schießen kannst und gern zur SRU gehen würdest… Du bist sicher ein sehr kluges Mädchen. Ich will  nicht, dass jemand so Vielversprechendes so schlecht behandelt wird.“ Ed hatte es Jules auf dem Weg erzählt, weil er ahnte, dass es sich um Lia handelte.
In Lia fand ein Kampf statt. Ihre verletzte Seele schrie danach, sich jemandem anzuvertrauen, der sie nicht auslachen würde, aber sie wollte ihre Mutter auch nicht verraten. Obwohl sie wusste, dass diese Frau, die sie doch eigentlich lieben sollte, etwas Schreckliches tat.
„Wenn du es nicht für dich erzählen willst, erzähle es damit andere nicht auch leiden müssen…“, machte Jules weiter.
Vor Lias innerem Auge spielte sich etwas Grauenhaftes ab. Sie sah, wie ihre Mutter Bell verprügelte.
„Es war meine Mom… Sie hat mich geschlagen…“, schluchzte Lia haltlos.
Mit den weiteren Tränen kamen die ganzen Wunden zum Vorschein, auch die Platzwunde, die die Faust ihrer Mutter verursacht hatte.
Als Lia aus dem Bad gekommen war, hatte sie den Kragen ihres schwarzen Pullis darüber gezogen, aber der war nun runtergerutscht. Blut klebte daran. Und die Mullbinde, die auf die Wunde gedrückt war, war voller Blut.
„Ich muss dich ins Krankenhaus bringen, Lia…“, sagte Jules vorsichtig. Die Wunde musste versorgt werden, auch wenn sie nicht sehr groß war.
„Nein! Nein! Das geht nicht! Ich muss sofort nachhause und auf Bell aufpassen!“, rief Lia panisch.
„Ist sie deine Schwester?“
„Ja, ich muss sie beschützen!“
„Okay… okay… verstehe ich. Wir fahren hin und holen sie, dann fahren wir dich ins Krankenhaus…“, schlug Jules vor.
„Sie darf mich nicht so sehen. Sie erzählt es dann vielleicht Vater und der… der denkt ich stifte sie zu Lügen an, weil ich mich schon lange nicht mehr mit meiner Mutter verstehe… Er… ach... egal…“, wimmerte sie.
Offenbar bereitete ihr die Wunde starke Schmerzen. Sie krümmte sich zusammen.
„Lia, du bist verletzt. Ich muss dich ins Krankenhaus bringen. Egal wie, aber ich will dich nicht unbedingt in Handschellen hinbringen müssen.“, erklärte Jules und strich dem Mädchen über den Kopf.
„Aber… Bell…“
„Ich schick einen aus meinem Team hin und der passt auf sie auf, ja?“
„Aber, wenn Mom doch runterkommt, dann…“, murmelte Lia zweifelnd.
„Kennt sie Ed?“, fragte Jules.
„Ein bisschen…“, erwiderte das Mädchen und beruhigte sich allmählich.
„Ich denke, du verstehst… komm. Fahren wir.“
Jules half ihr auf und stützte sie, da Lia humpelte.
„Was ist mit deinem Bein?“ Besorgt sah sie das Mädchen an. Lia sah auf den Boden und seufzte.
„Ich hab mich mit meiner Softair solange beschossen, bis ich keine Munition mehr hatte. Das lindert den Schmerz ein bisschen…“, erzählte sie beschämt und traurig.
Jules hatte Mitleid mit Lia. Sie konnte nur ahnen, wie das war.

Als sie Lia ins Auto gesetzt hatte, klärte sie alles mit Ed ab.
„Ich ruf noch Sam an, falls sie durchdreht…“, meinte er und verabschiedete sich. Clark stieg mit ins Auto. Er wollte bei Lia sein.
Jules fuhr so schnell sie konnte, denn das Mädchen schien auch eine Gehirnerschütterung zu haben. Zumindest wäre es möglich.

Im Krankenhaus ging es eigentlich relativ schnell. Die Untersuchungen dauerten dafür ewig.
Am Ende kam der Arzt mit raus und ging auf Jules zu.
„Sind Sie die Mutter?“, fragte er.
„Nein, ich bin Polizistin, ich habe das Mädchen hergebracht. Was hat sie?“, erklärte Jules.
„Eine heftige Gehirnerschütterung, der der sie so zugerichtet hat, war nicht zimperlich.“, sagte der Arzt und Entsetzen schwang in seiner Stimme mit.
„Ich will sie deshalb erst einmal hierbehalten, es ist nämlich ein Wunder, dass sie noch nicht in Ohnmacht gefallen ist.“
Clark schluckte hart. Jules ebenfalls.
„Können wir zu ihr?“
„Sie sind zwar nicht die Erziehungsberechtigten, scheinen sich aber große Sorgen zu machen, also… von mir aus…“

„Jules, Clark! Ich will nachhause zu Bell! Sofort!“ Lia war fürchterlich aufgebracht. Sogar so sehr, dass die Schwestern sie festgeschnallt haben.
„Lia… warte kurz! Clark, ruf deinen Vater an und sag ihm er soll Sam mit Bell herschicken. Die Mutter sollte er aber keinesfalls einbeziehen. Sag ihm auch, dass es besser ist, wenn er dort bleibt, weil er die Mutter kennt.“, instruierte Jules den Jungen, der seinen Auftrag auch sofort ausführte.
„Sie darf mich nicht so sehen!“, rief Lia. Jules beruhigte sie und lenkte sie ab, während Clark draußen auf Sam wartete.
Eine knappe halbe Stunde später, war Sam da und mit ihm die sechsjährige Bell.
„Was hast du?“, fragte sie gleich ihre Schwester, unterdessen winkte Sam Jules nach draußen.

„Clark, würdest du uns bitte Kaffee holen, das Wechselgeld kannst du behalten! Und äh… lass dir ruhig viel Zeit.“ Sam steckte dem Jungen einen Fünfer in die Hand und er lief sofort los. Langsam, wie befohlen.
Nun waren sie allein auf dem Flur.
„Ich hab mit dem Jugendamt gesprochen… Bis sicher ist, dass es die Mutter war, sollen die Kinder bei Freunden untergebracht werden, aber die Familie hat weder weitere Verwandte, noch Freunde noch erreiche ich den Vater… Was machen wir jetzt mit der Kleinen. Zurückbringen können wir sie nicht, bisher hat Lia alles am Laufen gehalten. Wenn sie nicht da ist, wird die Kleine das Opfer.“, erzählte Sam. Jules nickte. Das war ihr alles klar, und selbst wenn das Jugendamt die Kinder zurückschicken wollen würde, hätte sie das nicht zugelassen.
„Ed hat schon gesagt, er würde sie nehmen, aber nur im äußersten Notfall…“
Jetzt durchschaute Jules Sams Pläne.
„Sam! Du… das…“, meinte sie leise.
„Wir können sie auch in ein Erziehungsheim stecken, bis alles geklärt ist!“, sagte Sam.
„Okay, du hast gewonnen.“ Zufrieden grinsend betrat Sam wieder das Zimmer. Jules folgte ihm nicht ganz so begeistert.

„Warum hat Mommy das gemacht?“, fragte Bell gerade. Lia seufzte.
„Ich weiß es nicht… weil sie Angst um unseren Daddy hat…“, erklärte sie dann vorsichtig.
Jules bewunderte die Stärke des Mädchens. Sie wusste nicht, ob sie das in dem Alter auch gekonnt hätte.
„Tapfer…“, flüsterte Sam und beobachtete die Geschwister. Jules nickte und erwiderte ebenso leise: „Du hättest sie vorhin sehen müssen, jetzt sieht sie ja wieder einigermaßen zusammengeflickt aus. Und Sam… sie hat irgendein Problem mit ihrem Vater….“
Sam wusste sofort auf was Jules hinauswollte und nickte. Bei diesem Mädchen würde es wohl eine ziemliche Konfrontation mit seiner Vergangenheit geben.
„Nimm die Kleine mit raus, ich versuche mit ihr zu reden… Ich habe sie und Clark oft beobachtet… Sie ist eine gute Schützin, sehr gut sogar, bedenkt man, dass sie keinerlei Ausbildung hat.“, erzählte er und ging auf das Mädchen zu. Er wusste schon, wie er ein Gespräch beginnen konnte.
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