Suraks Jüngerin

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
09.09.2012
16.12.2012
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Also, ursprünglich wollte ich ja meine Biographie von Amanda Grayson veröffentlichen, nicht nur über sie als Spocks Mutter, sondern vor allem als Sareks Ehefrau. Aber dummerweise war das eins meiner ersten Werke, deshalb ist Amanda eher eine Mary-Sue, und ich muss sie komplett überarbeiten. Dafür diesen netten kleinen OS über eine andere interessante Ehe.

Disclaimer: Surak, Vulkan, das kal-if-fee und andere erwähnte Schandtaten habe ich mir nicht ausgedacht, sondern Gene Roddenberry und Co., und ich versuche auch nicht, damit Geld zu verdienen. Nur P'Nêl und ihre Geschichte sind auf meinem Mist gewachsen.
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„Um nichts auf dieser Welt!“, brüllte P’Nêl aus vollem Hals.

Ihr Vater schrie ebenso laut zurück: „Doch! Es ist beschlossene Sache!“

Die 20jährige P’Nêl sah rot. Ihre Hand krampfte sich zur Faust zusammen, ihre Drüsen schütteten Adrenalin in ihre Adern aus, der gesamte Körper stellte sich auf Angriff um.

In diesem Moment war ihr bewusst, dass die Vulkanier als Raubtiere geboren wurden. Dass sie eine reißende Bestie war. Mit einem Schrei stürzte sie sich auf ihren Vater, schlug nach ihm – und fing natürlich selbst eine gepfefferte Ohrfeige ein.

„Du weißt dich wohl nicht zu benehmen?“, fauchte ihre Mutter.

P’Nêl stieg auf eine neue Taktik um: Sie brach in Tränen aus. „Ich bitte dich – nein, ich flehe dich an! Das kannst du nicht machen! Du darfst mich nicht mit diesem Soziopathen vermählen!“

Ihre Mutter verdrehte die Augen. „Er ist kein Soziopath. Rede nicht so einen Unsinn!“

Mit einem knurrenden Laut fuhr P’Nêl zu ihr herum. „Er ist nicht richtig im Kopf! Ihr habt doch beide persönlich mit ihm gesprochen! Hast du gar nicht bemerkt, dass er niemals Emotionen zeigt? Er ist kalt, wie ein Fels! Das ist doch krank!“

„Na und? Er zeigt Interesse an dir und hat einen guten Brautpreis geboten, ganz im Gegensatz zu diesem nichtswürdigen und nichts habenden Idioten, mit dem du dich sonst rumtreibst!“

P’Nêl widerstand der Versuchung, noch einmal zuzuschlagen. „J’Sen ist kein Idiot, und er ist auch nicht nichtswürdig!“

Doch auf diese Diskussion waren beide Eltern nicht bereit, sich einzulassen. Kurzerhand sperrten sie P’Nêl in ihrem Zimmer ein.

Nicht, dass es sonderlich lange dauerte, bis eines ihrer zahlreichen Geschwister ihr zur Flucht verhalf; alle Söhne und Töchter von Tekan und Rontha, von denen P’Nêl die Älteste war, hatten unter einander eine Vereinbarung getroffen, die beinhaltete, jedes Mal bei Hausarrest die Tür des Betroffenen aufzubrechen und ihn ungesehen aus dem Haus zu schleusen.

Heute war ihr vierzehnjähriger Bruder an der Reihe. Er lenkte die Eltern ab, sodass P’Nêl zur Tür gelangte, und verabschiedete sie dort noch.

„Vielleicht komme ich auch gar nicht wieder“, überlegte P’Nêl, als sie ihre Schuhe anzog. „Ich will diesen Kerl nicht heiraten…“

„Du musst. Sie holen dich doch zurück“, entgegnete ihr Bruder mitleidig. „Was willst du sonst machen?“

In den dunklen Augen der jungen Vulkanierin schillerten Tränen. „Ich laufe eben weg, mit J’Sen!“

Der Jüngere machte eine Geste, die unter Vulkaniern das Fehlen jeglicher Intelligenz bedeutete. „Mit J’Sen? Diesem Schwachkopf? Was wollt ihr dann machen? Glaubst du, er könne für dich sorgen? Und du kannst auch nicht für dich sorgen, und erst recht nicht für ihn. Er läuft dich nur in den Tod!“

Fauchend klebte P’Nêl ihm eine, ehe sie aus dem Haus schlüpfte und verschwand. Allerdings wusste sie ziemlich genau, dass ihr Bruder Recht hatte. Ihre Eltern würden sie zurück holen.

‚Verflixt, dann heirate ich den Sonderling eben!‘, dachte sie trotzig. ‚Aber er soll bloß nicht glauben, dass er irgendein Anrecht auf mich hat – ich werde mich nicht von J’Sen trennen, das kann er vergessen!‘



Am Tag der Hochzeit stand sie in einem Vorraum des Tempels, in ihrem Hochzeitsgewand. Zwei ihrer Schwestern scharwenzelten andauernd um sie herum und zupften hier und dort noch etwas zurecht, und allmählich verlor P’Nêl die Geduld. „Könnt ihr dann wohl mal aufhören?“

„Entschuldige“, entgegnete eins der jüngeren Mädchen spitz. „Wir haben eigentlich gehofft, dass es dir eine Hilfe ist. Irgendwie mussten wir ja verhindern, dass der Soziopath mit dir redet.“

P’Nêl wurde blass. „Er wollte mich sprechen?“

Ein knappes Nicken. „Er hat ein paar Mal nach dir gefragt, aber wir haben uns gedacht, du willst nicht.“

„Stimmt ja auch.“

Daran nahm Surak keinen Anstoß: Er kam ungefragt herein und wurde von drei Vulkanierinnen wütend angezischt. Was ihn in keinster Weise beeindruckte; kein Muskel in seinem Gesicht regte sich. ‚Soziopath‘, dachte P’Nêl angewidert.

„Ich möchte mit dir sprechen, P’Nêl“, sagte er ohne Umschweife.

„Ich aber nicht mit dir!“, erwiderte sie hasserfüllt. „Hau ab, Surak! Ich muss dich schon den Rest deines Lebens ertragen, kannst du mir nicht noch ein paar Minuten Ruhe gönnen?“

„Nein“, lautete seine trockene Antwort. „Ich halte es für hilfreich, wenn wir vor unserer Ehe ein Gespräch führen, um wenigstens ein paar Dinge zu klären, über die zu reden du dich ja bisher erfolgreich geweigert hast.“ Ihre Schwestern ergriffen wie aufs Stichwort die Flucht.

P’Nêl sah Surak höhnisch an. „Oh, ich HABE über diese Dinge geredet! Nur nicht mit dir!“

Er nickte gleichmütig. „Genau da liegt das Problem.“

P’Nêl stieg das Blut ins Gesicht, hieß, ihre Gesichtsfarbe wechselte ins Grünliche. Dann fing sie an zu brüllen. „Das Problem liegt also bei mir? Du abscheuliche Missgeburt von einem Mann, wie kannst du es wagen? Ich bin hier nicht diejenige, die beschlossen hat, sich zu benehmen wie ein Eisklotz! Das Problem bist doch wohl eher du!“

Surak beobachtete ihren Wutausbruch mit einem geradezu wissenschaftlich anmutenden Interesse, redete weiterhin völlig gelassen mit ihr.

„Gibt es etwas, was ich noch wissen sollte?“ Er schaute ihr ins Gesicht. Tiefschwarze Augen bohrten den Blick in ihre. Ein seltsam nachdrücklicher Blick, dem sie nicht standzuhalten vermochte. Sie senkte den Kopf. Er war ihr unheimlich.

„Ja. Ich habe einen Gefährten, J’Sen. Und ich beabsichtige nicht, mich von ihm zu trennen!“ Nimm das, Soziopath! Sie schaute wieder auf, in sein Gesicht. Sie wollte endlich mal sehen, wie er reagierte. Wie er wütend wurde. Dieses Arschloch sollte nicht mit ihr umgehen, als wäre sie ein Stein, der ihm nichts anhaben könnte.

Doch er zog nur eine Augenbraue hoch. „Das könnte möglicherweise unsere Ehe belasten.“

Sie grinste verächtlich. „Willst du mich etwa von ihm trennen?“

Er überlegte einen Moment, ehe er den Kopf schüttelte. „Nein, das wäre wohl nicht sehr zweckdienlich. Und wenn du meinst, dass er deinen Bedürfnissen entspricht…“

P’Nêl schnappte nach Luft. Was bitte? Ihre Bedürfnisse??? „Was gehen dich meine Bedürfnisse an? Du hast sicher kaum vor, dich darum zu kümmern. Ich glaube, du würdest nicht mal richtig mit einer Frau schlafen können, um dich fortzupflanzen!“

Er runzelte leicht die Stirn, aber nur für einen Moment. „Darüber lässt sich streiten. Aber ich denke nicht, dass ich es in nächster Zeit versuchen werde. Umso weniger ohne deine Einwilligung, aber auch allgemein betrachtet eher nicht.“

Die Idee, er könne sie nicht mal ein bisschen attraktiv finden, kränkte die hübsche P’Nêl beinahe noch mehr als die Vorstellung, tatsächlich mit ihm ins Bett zu steigen. Nicht sehr rational, aber das musste sie ja auch nicht sein, oder? Stattdessen nutzte sie das Thema als Aufhänger für eine weitere Beleidigung. „Sehr gut! Ich habe nämlich nicht vor, dir ein paar kleine Soziopathen-Babys zu gebären!“

Das entlockte ihm sogar ein Seufzen. „Ich bin kein Soziopath.“

„Nein, nur nicht ganz klar im Kopf. Warum heiratest du mich überhaupt? Warum hast du meine Eltern nach mir gefragt? Ich weiß gar nicht, was du überhaupt mit mir willst! Du kennst mich kaum, und du scheinst mich nicht sonderlich zu mögen. Dich stößt mein Verhalten so sehr ab wie mich deines. Wir passen doch gar nicht zu einander!“ Eine Spur von Verzweiflung hatte sich in ihre Stimme geschlichen, aber das konnte sie jetzt auch nicht mehr ändern.

Surak schaute sie ernst an. „Du hast Potential“, erklärte er. „Ich habe nach jemandem gesucht, der geeignet ist, von mir zu lernen. Du bist intelligent und im lernfähigen Alter. Und eine Ehe war die einfachste Möglichkeit, dich dazu zu bringen, dich mit dem auseinander zu setzen, was ich dich zu lehren habe.“

P’Nêl schnaubte abfällig. „Was willst du mir beibringen? Eine Spinnerin zu sein wie du?“

„Ich bin kein Spinner.“ Surak wandte sich ab. „Und diese Diskussion führt uns zu nichts. Ich will versuchen, mit meinen Ideen Vulkan den Frieden zu bringen… aber das willst du im Moment noch nicht verstehen. Ich habe Zeit damit.“ Er verließ den Raum.

P’Nêl folgte ihm widerwillig und Mordgedanken frönend in den Altarraum des Tempels. Mit seinen Ideen Vulkan den Frieden bringen? Der hatte ja ganz schön ehrgeizige Pläne! Wesentlich wahrscheinlicher, dass er dafür den Kopf abgerissen bekam. Und wenn sie es selbst tun würde. Von ihm lernen wollte und konnte sie sicher nicht!



Als sie einander gegenüber knieten und sich ihre Fingerspitzen gerade so berührten, studierte Surak den Gesichtsausdruck seiner widerwilligen Braut. Sie sah wütend aus. Auf die Frage hin, ob sie das kal-if-fee wählen wolle, zeichnete sich ein vager Schmerz in ihren Augen ab. Sie lehnte den rituellen Kampf ab.

Über die Berührung hörte Surak ihre Gedanken: ‚Wie kann ich jemanden wählen, der um mich kämpft, wenn J’Sen nicht da ist? Wieder mal. Ich habe ihn gebeten, herzukommen und wenigstens für mich da zu sein…‘

Äußerst aufgebrachte Gedanken. Voller Hass, Trauer und Zorn. Emotional. Aber es war seine Entscheidung gewesen, sich die ideale Partnerin auszusuchen. Eine Art Jüngerin, die ihm auf seinen Weg folgen sollte.

Sein schwerwiegendstes Problem war jetzt nur noch, dass P’Nêl Widerstand leisten würde. Selbst wenn sie auf vernünftiger Ebene einsehen konnte – schließlich war sie ziemlich intelligent – dass er Recht hatte, würde sie sich rein aus Prinzip dagegen sträuben, es zuzugeben.

Er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Denn wenn er es schaffte, dieses Mädchen von seinem Weg in den Frieden zu überzeugen, dann gelang es ihm auch bei allen anderen.
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vlt. schreibe ich noch ein paar andere OneShots aus dem späteren Verlauf ihrer Ehe... mal sehen. Über Reviews würde ich mich freuen :D
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