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_________Herzlich

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Eustass 'Captain" Kid Trafalgar Law
08.09.2012
08.09.2012
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So viele Piraten, so viele Leben, so viele Träume und all die Angst. Hier waren sie gesammelt, in all den gläsernen Behältern in dem Regal vor mir. Alle akribisch nebeneinander aufgereiht: Herzen, der Impuls des Lebens. Das Organ, das unser Lebenselixier durch unsere Venen pumpt, bis zum bitteren Ende. Meistens. Körper funktionieren auch ohne es - der Geist, die Seele, nicht.

Ich gehe tiefer in den dunklen kleinen Raum, in meine eigene kleine Kammer, schalte das Licht nicht an. Es würde alles zerstören, das Bild meiner Schätze erkalten lassen, sie in die lieblose Atmosphäre eines Labors tauchen, ihnen das warme, geborgene Umfeld eines Rückzugortes nehmen. Mit den Fingern fahre ich über eines der Gläser, gefüllt mit Konservierungsflüssigkeit – in ihr ein schlagendes Herz,begleitet vom regelmäßigen, hörbaren Pochen.

Auf den Gefäßen befinden sich keine Etiketten, wie auf irgendwelchen Versuchsorganismen in Laboren, die jediglich für etwas anderes gezüchtet werden, die bloß ein Teil von einem anderen Ergebnis sein sollen. Sie sind das Ergebnis. Etiketten oder Schildchen sind nicht nötig. Ich kenne sie, alle. Weiß haargenau, wem es einst gehörte. Erinnere mich an die Angst, den Schmerz, den Verlust in desjenigen Gesicht. Und es gefällt mir.

Gelüste nach Macht? Nein. Macht interessiert mich nicht.

Ich schalte die Tischlampe an und lege meine wollige, weiße Mütze neben ihr ab. Wenigstens ein wenig Licht, ein wenig Wärme, gemütliche Atmosphäre – alles besser zu sehen, der Leidenschaft ist hingebungsvoller Folge zu leisten. Wie bei einer Trophäe, die immer und immer wieder voller Stolz, in Erinnerung an die gebrachte Leistung, betrachtet wird.
Die Organe vor mir erscheinen in sanften, dunklen Farben. Das Glas ihrer Behälter spiegelt helles Orange wieder. Das ist es! Wahnsinn legt sich in mein Gesicht. Der Anblick erfüllt mich mit Euphorie. Ich bin besessen!

Lebende Organismen sind so zerbrechlich. Menschen, Tiere, Monster sind so zerbrechlich. So stark und barbarisch wie sie auch sein mögen, so viel sie auch aushalten können, es braucht so wenig um sie zu brechen, ihnen ihre Schwäche höhnisch vorzuhalten. Ein kleiner Schnitt und es ist vorbei.

Egal wie kräftig oder robust, völlig gleich wie groß und mächtig, sie haben es alle gemeinsam: den Körper. Arme sind nutzlos ohne Nervenstränge, Gliedmaßen nicht zu gebrauchen ohne Blutzufuhr.

In diesen Organismus, in diese Funktionen einzugreifen, dem Körper, ein solch bewundernswerter Komplex, dem eigenen Willen zu unterwerfen. Zu schneiden, sägen, bohren und zu brechen, austauschen, herausnehmen, einpflanzen, anpflanzen. In dieses reibungslose Spiel der Organe, Zellen, des Gewebes, einzugreifen, es zu beeinflussen. Den Körper nach belieben formen, ohne etwas zu zerstören. Dabei zusehen, wie das Zusammenspiel des Körpers künftig, in neuen Formen, in abartigen Konstelationen, funktioniert. Shambles – Chaos! Und der Körper muss es hinnehmen, damit weiterleben. Kann nicht anders.

Die Menschen, die Empfindungen dahinter spielen keine Rolle.

Ich lehne mich gegen den hölzernen Schreibtisch, meine Siluohette wirft einen Schatten in den schmalen Gang zwischen den Regalen. Zufrieden sehe ich sie mir an; meine Sammlung, meine Schätze, mein Werk. Hier habe ich sie, die Lebenselixiere all derer, denen ich sie entrissen habe – und alle leben sie noch. Ohne Herz, ständig von Angst begleitet, es könnte in der nächsten Minute anders sein, Tod. Aber ich passe auf.

Meine Teufelskraft ist wahrhaftig die eines Teufels. Wer könnte sie geschickter einsetzen, wem könnte sie dienlicher sein als mir, einem Arzt, einem Chirurgen. Dem Chirurg des Todes, Trafalgar Law.

Einhundert. Einhundert von ihnen, meinen Schätzen, habe ich an die Weltregierung geschickt. Einhundert. Einhundert Leben, einhundert Träume, einhundert Piraten. Die Zahl einhundert tut weh. Was die Regierung mit den Herzen getan hat, liegt auf der Hand: verbrennen, zerstören, abstechen, töten. Was sollen sie auch damit? Als ob sie die Schönheit, den Sinn, die Funktion dieses Organs schätzen könnten! Für sie sind es bloß einhundert Herzen, für mich die puren Gelüste. Jedes Einzelne abzugeben stimmte mich traurig. Doch das war der Preis: Shichibukai. Ein Titel, der nichts bedeutet. Ein Titel, der jediglich Ruhe vor der nervtötenden Marine mit sich bringt.
Mein Blick bleibt an einem bestimmten Herzen, meinem Neuesten, hängen: Admiral Smoker, der weiße Jäger. Hier ist es: sein Leben so zerbrechlich in meiner Hand, in meinem Glas, in meinem Regal. Smoker war stark und hartnäckig, doch nicht zuletzt bloß ein Organismus, ein Körper, den ich genau zu stoppen wusste. Er lebt noch. Er will sein Herz wieder. Er bekommt es nicht. Einhundert waren genug.

Heart-Piraten. So nennt man uns mit Sicherheit nicht, weil wir so herzlich sind.

Grausam, rücksichtslos, gefühllos. Das alles wird dem Käpt'n nachgesagt – jedes Gerücht wahr. Kämpft man nicht unter mir, ist man gegen mich. Ist man gegen mich, erkennt man recht schnell das eigene Spiegelbild nicht mehr. Oder bist du es gewohnt, deinen Mund plötzlich an deiner Stirn wiederzufinden? Oder eine Hand aus deinem Kopf herausragen zu sehen? Sicher nicht. Falls doch, stimmt eindeutig etwas nicht.

Hastige Schritte hallen durch den Korridor. Dieser Abteil des U-Bootes wird jediglich von mir genutzt, also werde ich gesucht. Die beständigen Geräusche sind gedämpft; tatzige Pfoten, weiches Fell. Bepo. „Käpt'n?!“ Stutzig stoße ich mich vom Tisch ab, schalte die Tischlampe wieder aus. Ich setze meine Mütze wieder auf und verlasse den Raum, verschließe die Tür. Er muss mich gehört haben, denn mein plüschiger Begleiter stoppt und dreht sich um, sieht mich an. „Entschuldigung, Käpt'n!!“ Sein Gesicht ist leicht panisch, eher überfordert. „Was ist?“, frage ich, ruhig wie immer, völlig beherrscht.

„Ein ungebetener Besucher!“

Meine Augenbraue hebt sich. Punk Hazard habe ich vor Tagen hinter mir gelassen. Verfluchter Smoker, elendiger Strohhut! Der Clown würde ebenfalls noch sein Fett weg bekommen – ganz nach chirurgischer Manier! Hat mich etwa jemand verfolgt? Wie? Weder die Marine noch der größenwahnsinnige Luffy hätten meine Spur aufnehmen können!

„Welches Schiff?!“, abrupt wende ich mich ab, will zu meiner Crew und Informationen über den wahnsinnigen Spinner, der wenig genug Verstand hat, ausgerechnet mir in die Quere zu kommen!

„Kein Schiff, Käpt'n! Entschuldige bitte, es tut mir leid. Er ist bereits an Bord...!“, stottert Bepo mich an. Ich stutze. Er, bereits an Bord. So wahnsinnig ist nur einer...!



„Mr. Eustass.“, ich betrete das Deck des gelben U-Bootes. Dort steht er, Eustass Kid, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, hier einfach so aufzukreuzen, meine Crew aufzuscheuchen und mir seine Kehrseite und diesen dämmlichen Fellmantel zu präsentieren. Er lässt einen meiner Männer, den er am Kragen gepackt hat, los. Er fällt zu Boden und geht hastig auf Abstand. Der rothaarige Teufel dreht sich um.

Mir stockt jedes Mal der Atem – an diesen Anblick werde ich mich wohl nie gewöhnen: die grässlichen Narben, die sein halbes Gesicht entstellen, welche sich weiter hinab über den Hals, bis zur, unter dem Mantel verdeckten, linken Schulter ziehen, immer dichter, verwachsener werdend, immer mehr Aufschluss darüber gebend, wie viel Schmerzen er gehabt haben muss, wie schwerwiegend die Verletzungen gewesen sind und von welchem Stümper er behandelt wurde.

Er sieht mich an, seine goldenen Augen immer noch genauso raubtierhaft wie damals, verstärkt durch die schwarze Ummalung. Dunkelgefärbte Lippen, sein Gesicht die Fratze des Teufels. Kid lacht.

„Shichibukai Trafalgar Law!“, niemand spricht diesen Titel so abwertend aus wie Eustass Kid.

Er grinst, so breit und herablassend, so herausfordernd, wie wohl nur er es kann. Ich sehe an ihm vorbei, erkenne in unmittelbarer Ferne die Galley, sein Schiff. Wie ist er hierher gekommen? Geschwommen oder geflogen sicher nicht. „Was willst du hier? Wie hast du mich gefunden?“

Seine Körperhaltung entspannt sich, sein Blick wird jedoch intensiver, animalischer. Er macht mich nervös und ich hasse es.

„Du hast nicht gesagt, dass du nicht mehr auf Punk Hazard bist. Stattdessen hab ich jemand anderen getroffen. War recht amüsant.“, der Schalk funkelt bösartig in seinen Augen. Der Strohhut oder die Marine, Ceasar hatte sich noch vor mir aus dem Staub gemacht.

Plötzlich sehe ich das Bild von Vegapunks Labor vor Augen: Die Forschungen, die Instrumente und Maschinen. Eustass Kid amüsiert sich nur auf eine Weise. „Was hast du gemacht?!“

„Ruhig Blut, Herzchen.“, er hat meine Hingabe zu diesem Organ schon immer verspottet. „Viel hast du nicht übrig gelassen. Zerstörte Schiffe, vertauschte Körper. Der Qualmer und seine drittklassige Hure konnten ihr Glück kaum fassen!“

Meine Crew hält sich im Hintergrund, vorsichtshalber. Sie starren ihn an, wachsam. Wie ihr Käpt'n thront er in ihrer Mitte, zieht die uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf sich, inklusive meiner. Seine Präsenz ist... nun, präsent, da, unausweichlich, vorhanden, man kommt nicht um ihn herum.

Wenn er das so sagt, muss Blut geflossen sein, viel Blut. Sicherlich ist er verärgert, dass er anstatt mir nur ein paar nervige Marinesoldaten angetroffen hat. Und diese auch noch in vertauschten, zusammengewürfelten Körpern, so, dass sie noch nicht einmal ordentlich kämpfen konnten. Sehr verärgert. Trotzdem! Dieser elendige Bastard, was fällt dem ein?!!

„Spinnst du?! Du kannst doch nicht einfach einen Marineadmiral töten! Auf Punk Hazard! Die verfluchte Regierung weiß, dass ich mich ab und an dort aufhalte!“

Schlagartig ändert sich sein Gemütszustand von amüsiert in verärgert, unverstanden, vernachlässigt. „Wähle deinen Ton gut, Shichibukai Trafalgar Law!“, er hebt seinen rechten Arm, den Lebendigen. Helle Funken sprühen aus ihm und der Boden unter meinen Füßen fängt an zu zittern, wird angezogen. Auch meine Ohrringe kribbeln leicht. Mein Schiff besteht komplett aus Metall.
Jemand aus seiner Crew muss mit einem Beiboot in der Nähe sein, er selbst würde den Untergang dieses U-Bootes nicht – genauso wie ich - überleben. Aber da ist noch etwas viel Gravierenderes: „War das gerade ein Befehl, Eustass?!“

Er ächzt, genervt von meinen ständig so empfindlichen Reaktionen auf jegliche Art von Befehlen oder Anweisungen. Bitten sind okay, aber nur, wenn ich bei guter Laune bin. Woher das kommt, weiß ich selbst nicht, ich hasse es einfach, herumkommandiert zu werden!

Das Zittern zu meinen Füßen wird stärker, in meiner Hand formt sich ein rotierender Kreis, zum Angriff bereit. Was dieser Dämon kann, kann ich schon lange – und das besser! „Käpt'n!“, meine Crew holt mich wieder runter. Der Ton ist warnend und sie haben Recht. Jetzt kann ich keinen Kampf mit Kid provozieren, nicht auf meinem Schiff, nicht auf hoher See. Rücksichtslos hin oder her, ich trage immer noch die Verantwortung über meine Männer, darf sie nicht unnötig in Gefahr bringen. Kid ist das egal, das weiß ich, habe es schon oft genug gesehen. Es würde ihn auch nicht interessieren, wenn das hier seine Männer und sein Schiff wären. Eustass Catpain Kid ist ein scheiß Käpt'n!

Ich lasse meine Hand sinken, gebe notgedrungen nach. In meinem Room könnte ich ihn zwar überwältigen, jedoch nicht unser Untergrund seine Teufelskraft. Er nimmt das wohl als Unterwürfigkeit auf, jedenfalls gibt mir sein Grinsen das so zu verstehen. Arschloch! Von allen Plagen in der Neuen Welt – und davon gibt es Einige – verfolgt mich ausgerechnet die Schlimmste!

Zwar fühlt er sich überlegen und bestätigt, aber da ist noch etwas anderes in seinem Blick. Ein Ausdruck in den goldenen Augen, der weder etwas mit Herablassung, Überlegenheit oder Blutrünstigkeit zu tun hat. Ein Ausdruck, mit dem er wohl nur mich ansieht, wenn er... ich hoffe zumindest inständig für diese Ausgeburt der Hölle, dass er nur mich so ansieht! ...Eustass Kid hat Sehnsucht. Und er ist ungeduldig. Der Idiot würde sich wohl nicht mehr lange vor meiner Crew im Zaun halten, das Vibrieren und Zittern des Metalls hat nicht nachgelassen. Ich setze mein für mich typisches Grinsen auf, sehe ihn herausfordernd an.

„Komm mit.“

Zunächst wirkt er etwas überrascht, unschlüssig, verunsichert. Als wüsste er nicht, wie er mit solch simplen, aber auch verheißungsvollen Worten umgehen soll. Zwei Worte, die alles bedeuten können; Unheil oder Freude, aber auf jeden Fall Ungewissheit. Der Gesichtsausdruck verändert sich nur minimal, vielleicht habe sogar nur ich den Unterschied bemerkt; er fängt sich wieder, schließt kurz die Augen und als er sie wieder öffnet, setzt sich erneut diese Grimasse, seine Grimasse auf sein Gesicht. Angriffslustig, herausfordernd, bedrohlich. Eustass Kid hat Nichts zu befürchten.Obwohl er alleine auf einem Fremden Schiff, meinem U-Boot, ist, sind doch wir es, die sich zu fürchten haben. Die, die sputen sollten. Es wäre ein Leichtes für ihn, uns zu versenken. Der rote Teufel vor mir ist leichtsinnig (seine grässlichen Narben zeugen von Unachtsamkeit und undefinierbarer Selbstüberschätzung), er würde es tun.

Er kommt auf mich zu, fixiert mich mit diesen furchteinflößenden Augen. Ich blicke unter meiner Mütze hervor, mein Gesicht beinahe komplett verborgen. Kid dürfte meine Emotionen nicht deuten können. Dann läuft er an mir vorbei, seine Mundwinkel ziehen sich für einen Moment noch weiter nach oben, als er kurz neben mir stehen bleibt und dann weiter läuft, den Innenraum meines U-Bootes betritt. Obwohl er nur ein fremder, unerwünschte Besucher ist, bin doch ich es, der Kapitän, der Anführer, der ihm folgt.



Keiner meiner Männer läuft uns nach, als wir in dem dunklen Gang eine Tür nach der anderen passieren. Nicht einmal Bepo, der vor Sorge wahrscheinlich gerade umkommt. Hoffentlich überlegen sie keinen Angriff. Mir fällt auf, dass ich mein Schwert nicht bei mir trage. Hoffentlich überlege ich keinen spontanen Angriff. Selbst wenn... Eustass' Teufelskraft würde es ohnehin nutzlos erscheinen lassen. Er hält vor einer Tür, meiner Tür. Ich blicke ihn von unten herablassend an. Er schaut zu mir und wartet. Nicht auf eine Erlaubnis oder das ich ihm die Tür öffne, nein, er will sehen, ob ich einen Rückzieher mache. Ich bleibe stumm, hebe eine Augenbraue, fordere ihn heraus und er grinst amüsiert, bevor er zum Türknauf greift und den Raum zu meiner Privatsphäre öffnet. Kid wendet sich mir zu, verbeugt sich spottend und „Wenn ich Sie bitten darf, Shichibukai Trafalgar Law.“ lässt mir den Vortritt. Die Provokation auf seine, sich selbstauferlegte, selbstverständliche Pression mir gegenüber, beachte ich nicht, beachte ihn nicht, und trete ein.

Die Tür wird hinter mir verschlossen.

Es ist still. Mein Atem geht schwer, bemüht leise. Noch immer habe ich ihm den Rücken zugewandt, er lehnt an der Tür, versperrt jeglichen Weg zur Flucht. Das weiß ich, er tut es immer.

Obwohl Kid nichts sagt, sich nicht bewegt, komme ich nicht um seine Anwesenheit herum. Ich spüre ihn. Spüre diese Spannung, die jedes Mal aufkommt, wenn er hinter mir ist. Wenn ich ihn nicht im Blick habe, nicht sehen kann, was er denkt, was er vor hat. Schlagartig wird es warm. Sein Blick ruht auf mir. Nervosität? Es ist lange her...

„Ich wiederhole mich nur ungern.“, höre ich mich die Stille brechen. Ich muss etwas sagen. „Was willst du hier?“ Er schnaubt verächtlich, ungeduldig. Hievt sich von der Tür. „Nicht so barsch, Shichibukai Trafalgar Law. Willst du mir nichts zu trinken anbieten? Whiskey? Den obligatorischen Kaffee?“, das wissende Grinsen ist nicht zu überhören. „Reiz es nicht aus, Mr. Eustass.“. Er lacht. Nun drehe ich mich doch zu ihm, mein Gesicht halb von meiner Mütze verdeckt. „Sag mir was du willst und verschwinde.“

Mein Ton ist ruhig. Seiner nicht. Er war schon immer leicht zu reizen. „Ich wiederhole mich nur ungern! Punk Hazard! Klingelt da vielleicht da irgendwas?!“ Das tat es in der Tat, aber den Gefallen, dies auszusprechen, mache ich ihm garantiert nicht. Er wartet sowieso nicht auf eine Antwort: „Denkst du, ich nehme einen solchen scheiß gefährlichen Weg nur zum Spaß auf mich?!!“ Kid fängt an zu brüllen. Kurz überlege ich, ob nicht etwas Mitgefühl angebracht wäre. Aber er hat keine Ahnung, was auf Punk Hazard alles geschehen ist.
„Ich konnte nicht dort bleiben.“

Schlagartig ändert sich Kids Gesichtsausdruck von verärgert in wütend. Er stapft auf mich zu und packt mich an den Schultern. Die metallene Konstruktion einer linken Hand bohrt sich durch meine Kleidung ins Fleisch. „Du konntest nicht da bleiben?!“, er rüttelt an mir, schreit mich an. Ich weiche seinem Blick aus, senke den Kopf, sodass mein Gesicht, meine Gefühle erneut nicht sichtbar sind. Vor einigen Wochen hatten wir ausgemacht, uns dort zu treffen.

Barsch reißt er mir die weiße Mütze vom Kopf und packt mich am Kinn, zwingt mich, Gefühlsregungen preiszugeben. „Sieh mich gefälligst an, Shichibukai Trafalgar Law!!“, befiehlt er mir und wieder ächzt er diesen Titel abwertend, wütend. Seine Finger bohren sich tiefer in meine Wangen. Es tut weh, ich versuche, an ihm vorbeizuschauen. „Was willst du denn hören?!“. Er donnert mich gegen die Wand und hält mich dort mit seinem linken, eisernen Arm fest. Bücher in dem Regal neben mir und das Regal selbst erzittern bei dem Aufprall, ein glasiges Gefäß zerbricht und verteilt Scherben auf dem Boden. Hoffentlich nichts besonders Wertvolles, denke ich und stöhne. Ich packe meinen Peiniger und versuche, ihn wegzudrücken. Kid ist groß und kräftig, stark. Sein Metallarm unnachgiebig. Normalerweise berührt er mich nur mit dem Lebendigen.

Wieder spüre ich ein Zittern. Es kommt von der Wand in meinem Rücken. Eustass Kid ist sauer. „Was zum-! Hör auf, lass mich los! Spinnst du jetzt völlig?!“, vielleicht klingt das etwas zu panisch, aber immerhin ist das hier mein Schiff.
„Was war denn so Wichtiges, he?!!“, wieder brüllt er und das Klappern des Regals, die Vibration in meinem Rücken wird stärker. Kurz überlege ich, ob ich in ihn einem Room einsperren soll, aber das würde nichts bringen. Es würde ihn noch mehr reizen und ich habe nichts bei mir, mit dem ich ihn hätte zerteilen können.

Bepo, Shachi, ...ich denke an meine Crew. Das U-Boot, unser Leben und die Verantwortung die ich Trage. Meine Sammlung. Er hat mich in die Enge gedrängt. Kid will, dass ich nachgebe. Vor ihm krieche, mich entschuldige. Er ist verletzt. Eigentlich kann ich mich glücklich schätzen. Jemand anderen hätte dieser Teufel schon aus der Ferne versenkt. Dann holt er aus, Funken sprühen aus seiner Faust. Die Reaktion ist schnell: Er zerschmettert ein paar dicke Bücher. Die Wuchtigsten, die ich besitze. Die, die seinen Schlag nicht die Wand auseinandernehmen lassen. Sie sind zwar Schrott und es wird mir später wirklich Leid um sie tun, aber sie verhindern ein Wassereindringen, welches dieser Idiot ohne Weiteres verursacht und somit auch sich selbst lahm gelegt hätte.
Verdutzt dreht er sich um, schaut zu mir und findet sich in einer Kugel wieder. „Beherrsch' dich, Kid! Du bringst uns noch um! Dieser Raum ist unter Wasser!“, „Tsch!“, presst er hervor. Seine Haltung lockert sich etwas, das Vibrieren verebbt. Der Room verschwindet. Dann grinse ich ihn herausfordernd an, mein Blick ruht intensiv auf ihm, während ich mir durch die Haare fahre. „Und, darf ich dir etwas zu trinken anbieten?“



Kid kniet über mir. Meine Hände fahren sachte seine Seiten hinauf, bis sie das Ende der schwarzen Weste, die er noch trägt, erreichen. Sein Mantel liegt unbeachtet auf dem Boden. Ich betrrachte ihn, Mr. Eustass, seinen Körper, all die Narben. Ich muss es immer und immer wieder tun, ihn ansehen. Kann nicht anders.

Die Neue Welt hinterlässt Spuren, einige sichtbar, andere nicht.

Meine Finger berühren die Stelle, an dem die Weste anfängt, all diesen vergangenen Schmerz zu verdecken. Die Haut dort ist rau und gespannt, schlecht verheilt. Mein Blick fällt auf seinen linken Arm, auf die linke Schulter. Sie fehlt beinahe komplett, in ihr schon die metallenen Bindungsglieder zu dem Arm impregniert. Es ist kein Arm, es ist eine Waffe. Eustass Kid ist gefährlich und überschätzt sich sichtlich. Er sieht so ...ramponiert aus. Kaputt. Und es schmerzt, tut weh. drückt in der Brust, im Herzen. An diesen Anblick kann man sich nicht gewöhnen, kann ihn nicht beschönigen oder hinnehmen.
Ich betrachte seinen Hals, das Gesicht. Die Narben bedecken beinahe die komplette linke Hälfte. Meine Augen streifen seine und bleiben dort stehen. Er sieht mich an, wissend. Wissend, dass es mir nicht gefällt, wie sehr ich mich ärgere, weil er mich nicht operieren, verschönern, ersetzen lässt. Gesagt hat er es nie, aber ich weiß es. Er befürchtet, dass es mich abstößt. Und das tut es, aber nicht genug.

Seine rechte Hand streift meine Wange. Bernsteinfarbene Augen sehen mich noch immer an. Starren mich nicht an, fixieren mich nicht, sondern lassen mich tief blicken. Kid wird mit mir schlafen, mich nehmen, weil er es nicht anders weiß. Eustass Captain Kid wird nicht aussprechen, dass die Sehnsucht nach mir ihn plagt, wie sehr es ihn verletzt hat, mich auf Punk Hazard nicht anzutreffen, weshalb ich ihn so barsch empfangen habe. Kann nicht sagen, was er alles dafür geben würde, unsere Routen nach Unicon endlich einander anzupassen, dass ich meine Pläne aufgeben, den verachteten Shichibukai ablegen soll. Er sagt nicht, wie sehr er liebt.
Sein Zeigefinger fährt über mein Kinn, dann meinen Hals hinab, über mein Schlüsselbein, bis er das Hemd erreicht. Ich lege meine Hand auf seine Brust. Die Haut ist warm, ich fühle sein Herz schlagen. Stark und regelmäßig, gesund. Er kichert, als er meinen wohligen Gesichtsausdruck bemerkt. Soetwas von ihm zu hören, ist genauso gewöhnungsbedürftig wie alles an ihm. Aber ich mag es.

Er drückt meine Hand mit seiner fester an die Stelle. Sein Herz hämmert noch gewaltiger gegen meine Handinnenfläche. „Das eine fehlt dir noch, hm?“

Ich sehe von unseren Händen zu ihm auf, lächle herzhaft zufrieden, weil er auf eine Antwort wartet, die ihn nicht abweist. Das ist sein Ich liebe dich. „Nein.“, sage ich und schiebe „Es fehlt mir nicht.“ nach und hoffe, dass er versteht, was ich ihm sagen möchte: Ich liebe dich auch, du Trottel. Er seufzt zufrieden, auch wenn es eher nach einem Schnauben klingt. Seine Mundwinkel verziehen sich leicht nach oben, er hat es verstanden.

Dann beugt Kid sich zu mir herunter und ich ziehe ihn näher.

Meine Gedanken schweifen kurz ab. Kurz deshalb, weil es für mich in wenigen Augenblicken nur noch ihn geben wird. Ich komme nicht um ihn herum, an ihm vorbei. Wenn er da ist, nun ...dann ist er da. Unaufhörlich, uneingeschränkt. Er schimpft und ist böse mit mir, scheucht und kommandiert mich herum, vor meiner oder seiner Crew, vor jedem, der die Ehre hat, einem solchen Spektakel bei zu wohnen. Und meist kusche ich, auch wenn es mich bis ins Mark ärgert. Mir selbst immer wieder bewusstmachend, dass ich es bin, der ihn so auf Abstand hält. Ich bin der, der nicht mit ihm zusammen segeln möchte. Ja, in meine Pläne ist er eingeweiht und er verspottet sie. Dabei hat er keine Ahnung, welche Vorteile sich auch für ihn erschließen würden! Selbst schuld, dämlicher, sturer Idiot! ...
Dann frage ich mich, was wohl meine Crew denken mag. Ob sie sich sorgen? An der Tür lauschen? Kids Schiff im Blick behalten? Ich hoffe Letzteres.

Ich denke an all die schlagenden, regelmäßig pumpenden Herzen ein paar Räume weiter. Meine Schätze. Einige wenige von ihnen, die, die mir am meisten am Herzen liegen, schwimmen nicht in einem Glas, sondern pochen wohlig warm behütet in den Brustkörben ihrer Besitzer und erfüllen sie mit Leben.


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