Das große Gefecht im Trümmertal

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
OC (Own Character)
08.09.2012
08.09.2012
1
4.861
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
08.09.2012 4.861
 
Es war Nacht über den Orobas-Fjorden. Malik flog durch die engen Schluchten. Unter sich sah er die Pfade, welche an den Felsen angelegt worden waren. Über diese Pfade sollten eigentlich Wanderer die aus dem Trümmertal kamen, den Weg in den Hafen finden. Doch nun tummelten sich dort Imps und hier und da auch ein Goblin. Lediglich erfahrene Kämpfer konnten diesen Weg noch antreten.
Malik interessierte sich jedoch nicht für das was unter ihm lag. Er hatte mehr Probleme mit dem, was sich bei ihm, in den Lüften aufhielt. Zwei Zeppeline Aleroths, bestückt mit jeweils 20 Drachentötern, waren ihm auf den Fersen. Als Drachenritter, jetzt in seiner Drachengestalt, war er normalerweise schnell und wendig genug, um die beiden Zeppeline mühelos abzuhängen. Doch in den engen Schluchten konnte er einfach nicht schneller fliegen.
Als die Zeppeline erneut das Feuer auf ihn eröffneten, wich der Drachenritter wieder aus. Keines der Geschosse hatte ihn bislang getroffen. Sollte er sich jedoch auf einen Kampf einlassen, konnte sich das schnell ändern. Vor sich sah er schon das Ende der Schlucht. Bald würde er offenes Meer erreicht haben, und konnte problemlos fliehen.
„Und wohin“ dachte der Drachenritter grimmig, „Die Drachentöter werden mich doch sowieso verfolgen. Mich und die anderen. Es ist auch kein großer Unterschied, als wenn ich mich ihnen zum Kampf stelle.“
Malik erreichte nun das Ende der Schlucht und beschleunigte sein Tempo. Für seine Verfolger sah es zunächst so aus, als wolle er wirklich fliehen, doch Malik nutzte die Kräfte die er als Drache hatte, und beschwor einen Wyvern. Das große Flugtier griff umgehend einen der Zeppeline an. Der Zeppelin schoss auf das Tier, traf es jedoch nicht. Malik selbst wartete über dem offenen Wasser und beobachtete den Kampf aus sicherer Entfernung. Und es passierte, was er erwartet hatte. Der andere Zeppelin ignorierte den Wyvern und flog auf ihn zu.
Der Krieger hätte gegrinst, wenn er noch einen menschlichen Mund gehabt hätte. Als Drachenritter war er nicht nur stärker als ein gewöhnlicher Mensch, sondern auch intelligenter und viel langlebiger. Er konnte auf eine Lebenserfahrung  von mehreren Jahrhunderten zurückgreifen, was ansonsten nur sehr fähige Zauberer konnten. Es fiel ihm nicht schwer, seine Gegner zu überlisten. Inzwischen hatte der andere Zeppelin den Wyvern mehrmals getroffen. Dieser hatte auch den Zeppelin ziemlich beschädigt, doch lange würde er diesen Kampf nicht mehr durchhalten.
Malik schoss eine Flammenkugel ab. Er flog wendig vor dem Zeppelin das auf ihn zuhielt, hin und her, sodass keines der Geschosse ihn traf. Dabei schoss er zwei weitere Flammenkugeln ab. Diese einfache aber effektive Drachenfähigkeit fand der Drachenritter sehr praktisch. Die Flammenkugeln würden auch dann noch den Zeppelin treffen, wenn dieser wendete oder er selbst weiterflog. Hatte ein Drache einmal ein Ziel anvisiert, würde die Flammenkugel es in jedem Fall treffen, es sei denn, es war so weit weg, dass sie unterwegs erlosch.
Dann aktivierte er seinen Drachenschild und flog unter dem Zeppelin. Im Flug drehte er sich halb um die eigene Achse und setzte eine weitere Fähigkeit ein. Den Drachenatem. Glühendes Feuer schoss aus Maliks Rachen und verbrannte den Zeppelin. Der Drache hörte die Schmerzens- und Todesschreie der Drachentöter, welche sich an Bord befanden. Diese gingen in einer gewaltigen Explosion unter, als der Zeppelin gegen die Felswände der Klippen prallte und zerschellte.
Zwei Treffer erwischen Malik und verletzten ihn. Sein Drachenschild war nicht stark genug gewesen, um diesen Treffern standhalten zu können. Der zweite Zeppelin hatte inzwischen den Wyvern besiegt und griff Malik an. Mit seinen Drachenaugen sah der Drachenritter die zornigen Gesichter der Drachentöter, welche ihn aus ihren silbernen Augen voller Hass anstarrten.
Malik aktivierte seine Drachenheilung und flog in Richtung der Klippen, am Zeppelin vorbei. Vor sich sah er die Statue des großen Ritters. Sie markierte die Trennung vom Trümmertal zu den Orobas-Fjorden. Malik flog über die riesige Statue hinweg, und bemerkte, dass der Zeppelin ihm folgte. Doch der Drache war zu schnell und der Zeppelin zu stark beschädigt. Sie flogen noch ein gutes Stück ins Trümmertal hinein, dann war der Zeppelin am Ende. Es gab ein großes, lautes Knirschen, dann brach er mittendurch und krachte zu Boden. Doch auch Malik konnte seine Drachengestalt nicht mehr lange halten, er war zu geschwächt. Er flog noch ein kleines Stück weiter, flog über einen Fluss, und ging dann in der Nähe eines Wohnwagens zu Boden. Dort nahm er wieder seine Menschengestalt an.

„Wie viele Leute haben wir verloren?“ fragte Kommandantin Rhoda, die sich als Erste aus dem brennenden Wrack hatte befreien können.
„Acht Kameraden wurden bei dem Absturz getötet.“ antwortete Marius grimmig.
Beide waren in der Akademie der Drachentöter hoch geschätzt. Sie waren gute Kämpfer und hatten gemeinsam schon mehr als einen Drachenritter besiegt. Die beiden waren für ihren besonderen Hass auf die Drachen bekannt, und wurden daher von ihren Kameraden hoch geschätzt.
„Dann sind wir also nur noch zwölf. Zwölf entschlossene Krieger, die diesen verdammten Drachen zur Strecke bringen werden.“ stellte sie grimmig fest.
„Gernot und Günther verteilen gerade Heiltränke an alle Überlebenden.“ erklärte Marius.
Bei dem Absturz waren alle mehr oder weniger schwerverletzt worden. Doch jeder der auch so gerade noch am Leben war, würde auch überleben. Denn es brauchte nur wenige Tränke zur Heilung, damit man innerhalb kürzester Zeit genas. In einigen Minuten gäbe es wieder zwölf Kämpfer, die gemeinsam auf Drachenjagd gehen würden.
Rhoda guckte entschlossen. Dann sagte sie: „Noch diese Nacht werden wir Rivellon von einem weiteren Verräter befreien.“

Malik richtete sich auf und trank einen Heiltrank. Er spürte, wie er wieder an Kraft gewann und stand auf.
„Da bist du ja endlich.“ sagte eine Stimme.
„Wir haben schon auf dich gewartet.“ meinte eine andere Stimme.
Drei Gestalten traten auf Malik zu. Er kannte sie, denn es waren seine Freunde. Andere Drachenritter, die dem mordlustigen Wahn der Drachentöter bislang entgangen waren. Talana, die einzige Frau des Trios, hatte Malik zuerst angesprochen. Sie hatte eine kalte, harte Stimme, eine alte Narbe die sich quer über ihr Gesicht zog, und rotbraune Haare. Neben ihr stand Michael. Er sprach als zweiter zu Malik. Er hatte schulterlange, hellblonde Haare und einen Vollbart. Der dritte im Bunde war schweigsam wie immer. Jakob hatte kurze, braune Haare, und drei Narben im Gesicht die sich von der Stirn bis zu seiner linken Wange zogen, sein Auge aber glücklicherweise nicht verletzten.
„Freunde, schön, dass ihr hier seid. Aber ich kann nicht mit euch kommen. Ihr müsst ohne mich weiter.“ sagte Malik.
Er konnte keinem seiner Freunde ins Gesicht sehen, und schaute starr zu dem Wohnwagen, in welchem eine Wahrsagerin schlief, wie er wusste.
Einen Moment lang war es still, dann brach Michael das Schweigen: „Sind es die Drachentöter? Gemeinsam können wir sie mühelos besiegen. Sofern sie überhaupt den Absturz überlebt haben.“
„Wenn aber auch nur einer von ihnen entkommt, dann wissen die anderen sofort, dass es noch vier von uns gibt. Noch vier Drachenritter.“ hielt Malik dagegen.
„Er hat Recht“ meinte Jakob, „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Damian und den Schwarzen Ring zu vernichten. Wenn die Drachentöter nicht wissen, wie viele wir noch sind, haben wir eine Chance.“
„Keiner von ihnen wird überleben, wenn ich und meine Axt Drachensegen mitspielen.“ versprach Talana.
Malik lächelte sie an und sagte: „Du wirst noch die Gelegenheit bekommen, gegen sie anzutreten. Jeder von euch. Aber hier und heute ist es mein Kampf. Ich werde natürlich versuchen zu gewinnen. Vielleicht kann ich sie wirklich besiegen. Falls nicht, denkt daran, weiterhin gegen den Schwarzen Ring zu kämpfen.“
Die drei Drachenritter verabschiedeten sich von Malik. Jeder von ihnen umarmte ihn. Danach gingen sie nacheinander einige Schritte weg und verließen den kleinen Wald, an dessen Rand sie standen. Dort verwandelten sich die drei in Drachen, und flogen in verschiedene Richtungen davon. Malik lächelte, als er ihnen hinterhersah. Er spürte es, dass eines Tages ein Drachenritter den Schwarzen Ring vernichten würde.

„Da ist er.“ rief Kommandantin Rhoda, als sie den Drachenritter sahen. Alle zwölf Drachentöter waren jetzt wieder vollauf gesund und bereit für den Kampf. Als der Drache sie sah, drehte er sich um und rannte weg.
„Ihm nach!“ befahl Marius, doch es wäre nicht nötig gewesen. Alle Drachentöter zogen ihre Waffen und stürmten dem Drachenritter hinterher.
Malik rannte durch die Büsche. Er spürte schon nicht mehr, wie ihm die Zweige ins Gesicht schlugen. Glücklicherweise kannte er sich im Trümmertal gut aus. In seinem langen Leben war er schon oft hier gewesen, und kannte daher jede Ecke und jeden Winkel. Und wenn sein Plan aufging, würde er seine Verfolger geradewegs in eine Falle locken.
Als Marius und Rhoda durch das Gebüsch brachen, stand der Drache auf einer Landbrücke die einen Fluss überspannte. Er schaute ruhig seinen zwölf Gegnern entgegen, und die Kommandantin witterte eine Falle. Sie ließ ihre Sinne schweifen, konnte aber keinen weiteren Drachenritter spüren.
Optisch unterschieden sich Drachenritter in ihrer menschlichen Gestalt nur wenig von Drachentötern. Beide hatten sie silberne Augen, mit denen sie imstande waren, Geister zu sehen. Beide konnten auch Gedankenlesen. Unter beiden Gruppen gab es mächtige Krieger, Waldläufer und Magier; sowie solche die sich für keinen der drei Wege so richtig entscheiden konnten, und die Fähigkeiten aller drei Klassen hatten. Und außerdem waren auch beide Gruppen deutlich stärker als gewöhnliche Menschen. Während die Drachentöter jedoch nur durch mühsames, jahrelanges Training so stark wurden, waren die Drachenritter einfach aufgrund ihrer Natur so stark. Für die Drachentöter würde ein schwarzer Tag anbrechen, sollte jemals einer der ihren ein Drachenritter werden. Ihn zu besiegen wäre unglaublich schwer. Da die Drachentöter jedoch nur Menschen waren, konnten sie nicht von der Intelligenz und Langlebigkeit der Drachen profitieren, wie es die Drachenritter taten. Und es gab noch einen Unterschied. Die Drachenritter bewegten sich ganz anders als Menschen. Ihre Bewegungen waren viel geschmeidiger, geradezu katzenhaft.
Und dennoch konnten einige Drachentöter sehr wohl einen Drachenritter von einem der ihren unterscheiden. Sehr starke und erfahrene Drachentöter waren imstande, die Aura eines Drachenritters zu spüren. Sie spürten den Drachen in ihm. Kommandantin Rhoda und ihr ehemaliger Ausbilder Kenneth waren momentan die einzigen Drachentöter, die über diese Fähigkeit verfügten.
„Er ist alleine“ sagte sie schließlich, „Wahrscheinlich will er ehrenhaft im Kampf sterben, pah, falls ein Drache sowas wie Ehre überhaupt kennt. Wir greifen alle gemeinsam an. Dann haben wir keine Verluste und sein Ende ist gewiss.“
Wilde Kampfschreie ausstoßend, rannten die zwölf Drachentöter auf die Landbrücke und den Drachenritter zu... und bemerkten schließlich die Falle, die er ihnen gestellt hatte. Aus den Gebüschen kamen Goblins. Vielleicht waren es 20, vielleicht aber auch 30. Da es Nacht war, konnte man nur schwer schätzen, mit wie vielen Gegnern sie es zu tun hatten. Einen Moment lang sahen sich beide Gruppen an, dann stürmten die Goblins vor und griffen die Drachentöter an.
Malik hatte die Landbrücke verlassen und stand an deren anderem Ende. Er war bereit, sich jedem Drachentöter der den Goblins entkam, zu stellen. Die Schützen und Heiler unter den Goblins hoben ihre magischen Stäbe und schossen magische Kugeln und Strahlen auf die Drachentöter ab. Diese hatten sich schnell formiert. Die Krieger bildeten einen Kreis um die Waldläufer und die Magier. Die Krieger setzten die Fähigkeit Wirbelwind ein. Dadurch wurden die angreifenden Goblins zurückgeschleudert. Aus der Mitte des Kreises benutzten auch die Waldläufer ihre Fähigkeiten. Abwechselnd flogen Giftpfeile, Betäubungspfeile und Aufspaltende Pfeile in die Reihen ihrer Gegner. Die Magier warfen meist Feuerbälle oder Magische Geschosse auf die Goblins. Doch nur wenige von ihnen starben, die meisten wurden verletzt, und kurz darauf von den Goblinheilern geheilt.
Eine junge, schwarzhaarige Drachentöterin namens Jacqueline wurde von der Gruppe weggedrängt. Sie war eine Kriegerin und hieb mit ihrem Schwert immer wieder auf die Goblins ein, während sie mit ihrem Schild die Schläge abwehrte, die auf sie einprasselten. Sie konzentrierte sich darauf, immer nur einen Gegner anzugreifen, auch wenn sie von mehreren attackiert wurde. Dadurch wurde der Goblin schneller geschwächt als er geheilt werden konnte, und die Drachentöterin konnte ihn ganz einfach töten.
Jacqueline grinste, als sie schon den zweiten Goblin in die Halle der Seelen beförderte. Sie stand mit dem Rücken zum Ende der Landbrücke, und achtete nicht auf den Drachenritter, der sie ins Visier nahm.
Zwischen Malik und der Kriegerin gab es kein Hindernis mehr. Der Drachenritter zielte auf ihren Rücken und benutzte dann eine seiner stärksten Fähigkeiten: Das Magische Trommelfeuer. Fünf magische Hiebe durchzuckten Jacquelines Körper, jeder genauso schmerzhaft und verheerend wie der vorherige. Einen letzten Schrei ausstoßend, fiel die Drachentöterin in den Fluss. Als ihr Körper das Wasser berührte, war sie schon tot.
Einige andere Drachenritter die das gesehen hatten, schrien zornig auf. Zwei von ihnen verließen den schützenden Kreis und stürmten auf den Drachen zu. Einer schaffte es nicht. Der Goblinhäuptling hatte sich entschieden, ihn anzugreifen. Ein Goblinhäuptling war viel stärker als ein gewöhnlicher Goblinkrieger. Er benutzte daher für gewöhnlich auch zwei Schwerter, anstelle von nur einem. Andreas, so hieß der Drachentöter, war ein Waldläufer. Er schoss einen Giftpfeil auf den Goblinhäuptling ab, wurde jedoch seinerseits von zwei Goblinschützen getroffen. Der Giftpfeil schwächte den Häuptling nur wenig, und so bremste er kaum in seinem Tempo, als er auf den jungen Waldläufer zuhielt. Andreas gelang es noch, zwei weitere Pfeile – diesmal normale Pfeile – abzuschießen, dann hatte der Häuptling ihn erreicht und mit wenigen Hieben endgültig niedergestreckt.
Der zweite Drachentöter, Manuel, war ein Krieger. Er setzte die Fähigkeit Sturmangriff ein, und war nur wenige Sekundenbruchteile später bei Malik angelangt. Sein urplötzlicher Angriff stieß den Drachenritter zurück. Doch bevor Manuel ihn mit einigen schnellen Hieben endgültig erledigen konnte, stand dieser auch schon auf und zog sein langes Zweihänderschwert. Manuel führte ebenfalls eine solche Waffe und stellte sich dem Drachenritter nun entgegen.
Malik sprang aus der Reichweite des Drachentöters und hob seinen Bogen. Er schoss einen Betäubungspfeil auf Manuel ab. In Sekundenschnelle hatte er wieder sein Zweihänderschwert in seinen Händen und rannte auf Manuel zu, der sich nicht bewegen konnte. Der Drachenritter setzte die Fähigkeit Wirbelwind ein. Danach noch einmal, und daraufhin wieder. Die Betäubung ließ nach, und Manuel hieb mit seinem Schwert nach Malik und traf diesen auch. Doch dann sah er, dass Maliks Hand von orangenen und blauen Blitzen durchzogen war. Er kannte auch diese Fähigkeit: Todesschlag. Das war das Letzte, was er jemals sehen sollte.
Jessica, eine Magierin unter den Drachentötern, wurde ebenfalls aus dem schützenden Kreis gedrängt. Sie feuerte noch einen Feuerball ab, welcher zwei Goblins tötete, zwei weitere jedoch nur verletzte. Dann benutzte sie die Fähigkeit Feuerwand. Zwei weitere Goblins verbrannten, welche allerdings schon durch die anderen Drachentöter verletzt worden waren. Insgesamt waren nun schon fast die Hälfte der Goblins besiegt, doch das nutzte Jessica nicht viel. Aus irgendeinem Grund konzentrierten sich die Angriffe der Goblinschützen jetzt nur auf sie. Zehn magische Strahlen trafen sie. Schwer geschwächt wollte sie in den Kreis zurückkehren, doch ein Goblinkrieger kam ihr zuvor. Nur ein Hieb war notwendig, um sie endgültig in die Halle der Seelen zu befördern.
„So geht das nicht weiter!“ entschied Kommandantin Rhoda, „Jeder setzt jetzt seine stärkste Fähigkeit ein, dann werden wir gewinnen!“
Die Magier unter den Drachentötern benutzen das Magische Trommelfeuer, und wer es nicht beherrschte, den Feuerball. Die Waldläufer setzten Giftpfeile und Explosivpfeile ein. Besonders letztere Fähigkeit war sehr wirkungsvoll, und tötete mehrere Goblins, oder schickte sie über die Landbrücke ins Wasser. Doch einige Goblinkrieger waren noch übrig. Rhoda und Marius sprangen auf sie zu und stellten sich Rücken an Rücken. Die anderen Krieger unter den Drachentötern die da waren, beherrschten nicht die stärkste Krieger-Fähigkeit, Rhoda und Marius aber schon. Als die Goblins näher heran waren, auch der Goblinhäuptling, setzten sie sie ein: Tausend Hiebe. Mit katzenhafter Schnelligkeit und übermenschlicher Stärke prasselten die Hiebe auf die Goblins ein und töteten jeden von ihnen. Umringt von Goblinleichen standen die Drachentöter als Sieger da. Doch nicht für lange.
Malik schoss ebenfalls einen Explosivpfeil ab. Ein Drachentöter namens Hartwig wurde getötet, und die anderen schwerverletzt. Malik grinste seine Gegner an und rannte dann davon. Er erreichte den Wegpunktschrein und teleportierte sich davon.
„Verdammt“ fluchte Rhoda, „Er ist uns entkommen. Aber das macht nichts. Es gibt nur einen Ort, den ein Drache im Trümmertal aufsuchen würde, nur einen Ort, an dem er sich sicher fühlen dürfte. Wir brechen zum Lovis-Turm auf.“
Marius verteilte an die Drachentöter weitere Heiltränke. Als die Krieger genesen waren, warfen sie die Leichen der Goblins und der eigenen Gefallenen in den Fluss. Zu siebt machten auch sie sich zum Wegpunktschrein auf.

Es gab zwei Wegpunktschreine, die zum Lovis-Turm führten. Eine befand sich im Inneren des Turms, der andere am Fuß des Turms, wo ein großer See war. Malik hatte sich für den See entschieden. Er war sich darüber bewusst, dass die Drachentöter ihn bald finden würden, und so überlegte er sich einen Plan, um möglichst sie alle zu töten, und dann zu fliehen. Im Falle des Falles war er auch bereit sich zu opfern, sofern er wenigstens noch einige von ihnen in den Tod mitreißen konnte. Malik wusste, dass jeder Drachentöter der heute im Kampf fiel, seine Freunde nicht mehr würde töten können.
Am See saß ein Angler und schaute gelangweilt ins Wasser. Als er Maliks Schritte hörte, drehte er den Kopf.
„Wer bist du denn?“ fragte er neugierig.
„Malik, einer der wenigen Drachenritter.“ kam die Antwort.
„Unglaublich! Dass ich mal einen treffen würde, wer hätte das gedacht“ entfuhr es dem Angler „Ich heiße übrigens Tom.“
„Freut mich, Tom“ entgegnete Malik, „Gleich kannst du sehen, wie ich mich in die Lüfte erhebe.“
Malik ging in das Wasser des Sees, schwamm ein Stück und blieb dann stehen. Er hatte genug Abstand zwischen sich und dem Ufer gebracht. Dann konzentrierte er sich auf seine Drachenmacht und wechselte innerhalb einer Minute in seine Drachengestalt.
„Vorsicht, Drachenritter“ warnte Tom, „Hier sind einige Drachentöter die euch umbringen wollen.“
Malik hatte sich schon ein Stück in die Luft erhoben, trotzdem hörte er noch, wie Marius sagte: „Verdammter Verräter. Drachenfreunde hasse ich noch mehr, als die Drachen selber. Tötet ihn!“
Malik hätte geschrien, wenn er jetzt in seiner menschlichen Gestalt gewesen wäre. Er wollte dem Angler zur Hilfe eilen, doch es war zu spät. Mehrere Pfeile trafen und töteten ihn. Tom sackte zusammen und saß am Ufer. Malik war traurig. Er dachte daran, dass der Mann nur deshalb sterben musste, weil er ihn sympathisch fand, obwohl er ein Drachenritter war. Wahrscheinlich würde er auch als Skelett noch dort sitzen, ein Mahnmal für einen sinnlosen und grausamen Tod.
Voller Wut schoss er eine Flammenkugel auf die Drachentöter ab, diese wichen jedoch aus. Malik hatte jetzt den unstillbaren Wunsch, diese Drachentöter zur Strecke zu bringen. Er flog auf die Brücke des Lovis-Turms, und verwandelte sich dort in seine Menschengestalt zurück. Die Drachentöter sahen dies, und eilten zum Wegpunktschrein, um ebenfalls nach oben zu gelangen.

Malik vorbereitete sich auf den Kampf. Er sammelte all seine Kräfte, dann sagte er: „Direkt aus der Hölle.“
Vor seinen Füßen entstand ein dichter Beschwörungskreis, und ein Dämon kam heraus. Der schwarze, geschuppte und kräftige Körper mit den langen, gelben Klauen und dem wütenden, geifernden Maul jagte den meisten seiner Gegner eine Heidenangst ein. Dann nahm Malik einen leuchtenden Kristallschädel aus den Tiefen seines Umhangs, nahm wieder seine Kräfte zusammen und sagte: „Erwache, mein Tierchen.“
Und wieder erschien ein leuchtender Beschwörungskreis. Und auch diesmal kam eine Gestalt daraus hervor. Doch sie sah nicht annähernd so ästhetisch wie der Dämon aus. Der Körper war aus unzähligen Teilen anderer Körper, bei einem Nekromanten zusammengesetzt worden. Es gab Körperteile von Menschen, Goblins, Drachenelfen, und anderen Wesen die Malik gar nicht kannte.
Inzwischen waren auch die Drachentöter oben angekommen. Malik stellte sich ihnen entgegen, seine Kreatur und der von ihm beschworene Dämon standen neben ihm. Es gab keine lange Worte, kein großes Gerede, der Kampf begann einfach. Maliks Dämon schoss einen Feuerball auf einen der Drachentöter ab und stürmte dann vor. Seine Kreatur hatte den Kopf eines Drachenelfen, und damit auch dessen Fähigkeiten. Sie schleuderte mehrere Magische Geschosse auf die Drachentöter, und griff diese dann auch an. Rhoda kämpfte zusammen mit Steffen, einem Drachentöter der ebenfalls ein Krieger war, und griff den Dämon an. Marius nahm es im Nahkampf alleine mit der Kreatur auf, wurde allerdings von den drei Waldläufern Günther, Gernot und Julia unterstützt. Die Magierin Viktoria lief alleine auf Malik zu. Sie zog ihre beiden Streitkolben und griff ihn an.
Der Dämon fauchte und schlug mit seinen Krallen um sich. Rhoda wurde mehrmals getroffen, erwischte ihren Gegner jedoch auch mehr als einmal mit ihrem Schwert. Auch Steffen wurde mehrmals schwer getroffen, schlug den Dämon jedoch ebenfalls. Er kämpfte mit einer Streitaxt und einem Schild, doch der Schild fing längst nicht alle Hiebe ab, die der Dämon austeilte. Als Günther sah, dass Steffen und die Kommandantin in Bedrängnis gerieten, unterstützte er die beiden mit seinen Pfeilen, die er nach und nach auf den Dämon abschoss. Die meisten Pfeile waren normale Pfeile, doch er verschoss auch Giftpfeile und Betäubungspfeile. Immer wenn der Dämon von einem Betäubungspfeil getroffen wurde, und sich einige Sekunden lang nicht bewegen konnte, griffen die beiden Drachentöter ihn an und schlugen mit ihren Waffen zu. Doch kaum war die Wirkung vorbei, sprangen sie aus der Reichweite seiner Krallen.
Die Sprünge brachten nicht viel, denn der Dämon rannte einfach auf einen seiner Gegner zu und griff ihn an. Als Günther wieder auf ihn zielte, schoss er einfach einen Feuerball auf ihn ab. Günther wurde getroffen und stellte seinen Angriff ein. Steffen und Rhoda setzten nun die Fähigkeit Wirbelwind ein, und schleuderten den Dämon weg. Doch er stand sofort auf und rannte wieder auf sie zu. Kommandantin Rhoda war schneller. Sie benutzte ihren Sturmangriff und rammte ihren Gegner, sodass er abermals zur Seite geschleudert wurde. Günther schoss einen Pfeil auf den Dämon ab, verfehlte ihn jedoch. Der Dämon sprang wieder auf. Trotz der Härte des Kampfes, schien er kaum geschwächt zu sein. Aber Dämonen waren nun einmal starke Kreaturen. Günther schoss einen weiteren Pfeil ab, verfehlte jedoch abermals. Steffen eilte vor und setzte den Sprungangriff ein. Er sprang hoch in die Luft und verletzte den Dämon mit seinem machtvollen Hieb schwer. Doch der Drachentöter selbst war auch ziemlich geschwächt, und der Dämon konnte noch immer kämpfen. Er schlug mehrmals auf Steffen ein, und der Drachentöter sank sterbend zu Boden. Die Kommandantin schrie zornig auf und sprang auf den Dämon zu. Als dieser sich ihr entgegenstellte, setzte Rhoda wieder ihre stärkste Fähigkeit ein: Tausend Hiebe. Der Dämon wurde durch die Wucht ihrer Hiebe vernichtet. Er hob die Arme, stieß einen Todesschrei aus und verging in grünem Rauch.
Marius kämpfte mit der Kreatur. Er traf sie häufiger als sie ihn, sah jedoch, dass sie kaum geschwächt war. Beschworene Kreaturen schienen ziemlich zäh zu sein. Die Kreatur schlug Marius nieder und stürzte sich dann auf die Waldläufer, die sie immer wieder mit Pfeilen beschossen. Gernot schoss einen Giftpfeil auf sie ab, doch das machte der Kreatur nicht viel aus. Sie schleuderte weitere Magische Geschosse auf ihn und Julia, und traf beide. Julia war eine noch sehr unerfahrene Drachentöterin, und daher auch ziemlich schwach. Die Kreatur benutzte eine weitere Fähigkeit, Magisches Trommelfeuer, und tötete die Drachentöterin somit. Marius schrie auf und griff die Kreatur an. Auch Kommandantin Rhoda, welche den Tod ihrer Kameradin mitansah, griff die Kreatur an. Beide setzten den Wirbelwind ein, und drängten sie so zurück, während Gernot und Günther weitere Pfeile auf sie abschossen. Auch eine beschworene, untote Kreatur bestand schlussendlich nur aus Fleisch und Blut. Wenn die Verletzungen zu schwer waren, starb auch sie. Dies war nun der Fall. Weißer Rauch quoll auf, als Maliks Kreatur starb und sich auflöste.
Viktoria schwang ihre Streitkolben auf den Drachenritter, wieder und wieder. Mal traf sie, mal wich er aus. Eigentlich gelang es Malik sogar den meisten Hieben auszuweichen, die Viktoria ausführte. Doch immer wenn er sie traf, waren die Folgen verheerender. Der Drachenritter war nunmal viel stärker als sie. Die beiden Kämpfer waren immer weiter auf der Brücke entlanggegangen, hatten sich von den Kämpfen der anderen Drachentöter ferngehalten, und fochten miteinander.
„Dein Kristallschädel ist erloschen“ bemerkte Viktoria, „Offenbar ist deine Kreatur vernichtet worden.“
„Das macht nichts“ entgegnete Malik, „Es dauert nicht mehr lange, dann kann ich sie neu beschwören. Sie, und den Dämon.“
„So? Meinst du?“ erwiderte die Drachentöterin und schlug zu.
Ihr Hieb schlug Malik den Kristallschädel aus der Hand, und ließ ihn einige Meter entfernt zu Boden fallen. Trotz der Entfernung sah Malik, dass der Kristallschädel beschädigt war. Er würde ihn niemals wieder benutzen können. Zornentbrannt fuhr er zu Viktoria herum und griff sie wieder an. Die Drachentöterin hatte große Mühe, seine Hiebe abzuwehren, und sprang dann beherzt aus der Reichweite seines Schwertes.
„Wir sind beide Magier“ meinte die Frau plötzlich, „Wie wäre es, wenn wir herausfinden, wer von uns der Bessere ist? Der Gewinner lebt, der Verlierer stirbt.“
„Von mir aus gerne“ sagte der Drachenritter, „Ich schicke dich direkt in die Halle der Seelen. Dort kannst du dich bei diesem Angler den ihr ermordet habt, entschuldigen.“
Viktoria warf einen Feuerball auf Malik, welcher mit einem Magischen Trommelfeuer antwortete. Beide wurden durch die Treffer geschwächt, doch das änderte nichts an ihrer beider Kampfwillen. Malik rannte auf Viktoria zu, und schoss fünf Magische Geschosse ab. Die Drachentöterin lachte und setzte die Fähigkeit Feuerwand ein.
„Das war´s für dich“ höhnte sie, „Meine Feuerwand sollte dich erledigen, während nur ein Magisches Geschoss mir nicht viel anhaben kann.“
Doch Malik sprang rechtzeitig ab, bevor er die Feuerwand erreichte und gelangte so aus Viktorias Reichweite.
„Du irrst dich“ meinte er, „Ich wusste, dass der Feuerball nicht deine stärkste Fähigkeit ist, und du mich nur zu dir locken wolltest. Außerdem werden dich alle fünf Magischen Geschosse treffen. Sie verteilen sich nur, wenn ich gegen mehrere Gegner zugleich kämpfe.“
Viktoria schaute erschrocken, dann entsetzt, und schließlich schmerzerfüllt, als sie fünfmal getroffen wurde. Sterbend fiel sie über den Rand der Brücke. Wenige Augenblicke später ertönte ein großes Platschen, und die Leiche der Drachentöterin versank im See.
„Ich versichere dir, dass sie die letzte Drachentöterin war, die du auf dem Gewissen hast.“ sagte Kommandantin Rhoda zornig, als sie auf Malik zuschritt.
Marius war neben ihr, während sich Günther und Gernot leicht hinter ihnen hielten. Sie alle hatten ihre Waffen gezogen und bildeten einen leichten Halbkreis um den Drachenritter herum. In jedem der vier Gesichter las Malik Entschlossenheit, Zorn, Hass und Mordlust. Mit ihnen konnte er nicht verhandeln. Entweder wurden sie durch ihn getötet, oder er durch sie. Eine andere Alternative würde es nicht geben.
„Was haben wir euch bloß getan, dass ihr uns sosehr hasst?“ fragte Malik.
„Das weißt du ganz genau!“ fauchte Rhoda.
„Es war einer von uns, der diesen Fehler begangen hat. Es ist falsch, uns alle dafür büßen zu lassen.“ meinte Malik.
„Einen Fehler nennst du es“ ereiferte sich Marius, „Schon allein für diese Worte hast du den Tod verdient, Drache.“
„Wenn dies euer Wille ist, dann lasst uns kämpfen.“ antwortete Malik und sprang auf Marius zu.
Der Drachenritter erreichte seinen Gegner und traf ihn mit seinem Schwert. Marius wurde durch den Hieb weggeschleudert. Dann war Rhoda herangekommen. Sie schlug immer wieder mit ihrem Schwert nach Malik, doch sie konnte ihn nicht treffen. Die Kommandantin wurde darüber wütend und unachtsam. Das nutzte Malik aus, indem er ihr einen Hieb verpasste, der sie zu Boden brachte. Dann schickte er ein Magisches Trommelfeuer zu Gernot. Der Drachenritter rannte auf Günther zu und schlug ihn nieder. Noch während Günther zu Boden fiel, setzte Malik seinen Wirbelwind ein, und schleuderte ihn davon.
Marius und Rhoda waren inzwischen wieder aufgestanden und griffen Malik erneut ein. Der Kampf war hart und schnell, und der Drachenritter wurde genauso oft getroffen, wie er selbst Hiebe austeilte. Beide setzten nacheinander den Wirbelwind ein, sodass Malik nicht mehr dazu kam, seinerseits Fähigkeiten zu gebrauchen. Gleichzeitig trafen ihn immer wieder die Pfeile von Günther und Gernot. Es waren normale Pfeile, aber auch Gift- und Betäubungspfeile.
Stark geschwächt ging Malik schließlich zu Boden. Er war am Ende seiner Kräfte, und vermochte es kaum noch, sein Schwert zu halten. Er sah wie Marius vor ihm stand. Um dessen Hand leuchteten orangene und blaue Blitze, die Fähigkeit Todesschlag, als er mit seinem Schwert zuschlug und Malik tötete.

Rhoda und Marius betrachteten die Leiche des Drachenritters. Im Tod hatte er sich in seine Drachengestalt verwandelt. Sie wirkten zufrieden. Günther und Gernot kamen näher. Der Drache lag auf der Seite, und hing halb über der Brücke. Und sein Gewicht zog ihn nach unten. Es war erst unmerklich, dann immer deutlicher, dass der Körper in Schieflage geriet und über den Rand der Brücke hing. Dann fiel er herunter, und versank mit einem lauten Platschen im Wasser des Sees.
„Kommandantin Rhoda“ sprach Gernot sie an, „Das hier habe ich gefunden.“
Der Waldläufer hielt einen Kristallschädel in seinen Händen.
„Den nehmen wir mit, wenn wir nach Aleroth zurückkehren“ entschied sie, „Dort gibt es das Wildweidenhaus. Vorgeblich eine Irrenanstalt, tatsächlich aber ein Hort von Nekromanten. Sollen sie mit diesem Kristallschädel machen was sie wollen.“
„Und was tun wir als nächstes?“ erkundigte sich Günther.
„Wir werden die beiden Leichen unserer Kameraden auch ins Wasser werfen. Danach kehren wir nach Aleroth zurück. Wir können uns dann einige Tage ausruhen, und unserer gefallenen Kameraden gedenken. Danach suchen wir die anderen Drachen. Wir werden jeden von ihnen töten!“ sagte sie.
Einige Minuten später wurden die beiden Leichen der anderen Drachentöter ins Wasser geworfen, und kurz darauf verschwanden die vier Drachentöter mittels des Wegpunktschreins.
Eine ruhige, gespenstische Stille senkte sich über das Trümmertal. Unterbrochen nur durch das Flügelschlagen dreier Drachen, hoch am Himmel.

ENDE
Review schreiben