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Faked Strong

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
06.09.2012
07.01.2013
21
23.683
 
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06.09.2012 802
 
„Jen? Genug geschmollt?“, fragt Sam irgendwann.
„Warum verschwindest du nicht einfach und lässt mich in Ruhe!“, knurre ich und versuche die Wut und vor allem die Verzweiflung zurückzuhalten.
„Kann ich nicht…“
„Und warum nicht? Da ist die Tür!“ Ich weise mit dem Finger den Gang hinunter zur Wohnungstür und funkle Sam wütend an.
„Semper fidelis, Kleine. Wir sind ein Team. Ich lass dich nicht alleine, wenn es dir schlecht geht.“
„Wir sind kein Team! Ihr vielleicht, ich gehöre jedenfalls nicht dazu.“
„Und was macht dich da so sicher, Jenny?“
„Nur du bist hier...“ Langsam werde ich unsicher. Warum gehöre ich denn eigentlich nicht dazu?
Die Antwort ist im Prinzip ganz einfach. Ich will nicht dazugehören. Ich kämpfe am liebsten alleine.
Mein Vater hat mir seine Regeln beigebracht. Besonders Regel Nummer 12.
Meine Mutter brachte mir Kämpfen bei, und dass man nie, niemals zu enge Beziehungen zulassen sollte. Besonders nicht in einem Team. Ich selber habe mitangesehen wie das endet.
Und trotzdem habe ich so eine Beziehung zugelassen und es hat mich beinahe zerstört. Deswegen muss ich so sein wie ich eben bin. Ich will nicht, dass mein Herz ein zweites Mal zerbricht.
„Die anderen wollen dir Zeit lassen. Sie sind nicht so ungeduldig wie ich…“ Ich sehe Sam nicht mehr an. Ich betrachte den Boden unter meinen Füßen, starre ihn so intensiv an, dass es mir vorkommt als würde er sich wellen.
„Jen, ich hab dich nachhause gefahren und du hast das nicht mitgekriegt. Erzähl mir nicht, dir ginge es gut.“
Was? Sam hat mich nachhause gebracht?
„Erzähle ich doch gar nicht. Ich will nur nicht darüber reden…“, erwidere ich traurig. Innerlich verpasse ich mir eine Kopfnuss dafür. Wie konnte ich nur Gefühle in meiner Stimme zulassen?
Ich höre die Stimme meiner Mutter, die mich strafend anfaucht: „Das war Schwäche! Gefühle sind Schwäche!“ Wenn man vorhin das Telefonat betrachtet, kann man sich gar nicht vorstellen, dass meine Mutter so ist. So erfolgsorientiert. Der Unfall, der meine gesunde, bildhübsche Schwester zu meiner blinden, stummen und tauben Schwester gemacht hat, hat sie im Umgang mit mir auch etwas weicher gemacht, aber nur solange mir etwas passiert, danach behandelt sie mich wieder mit der Härte einer Ausbilderin. Ich frage mich manchmal, ob sie sich als Mossad-Ausbilderin für mich fühlt.
„Okay, kann ich verstehen.“, sagt Sam. Es klingt nach mehr, als er sagt. Irgendwie nach einem dunklen Geheimnis.
Ich antworte nicht.
„Du musst hier dringend raus. Komm!“ Sam greift nach meiner Hand und zieht mich, ehe ich mich versehe, hoch.
„Will ich aber nicht.“, maule ich unzufrieden und will mich wieder hinsetzten, aber Sam hat meine Hand fest gepackt und wenn ich ihm nicht den Arm brechen soll, werde ich ihm wohl folgen müssen.
„Sam! Ich kann doch nicht in dem Aufzug…“ Ich deute an mir hinunter. Jeans und ein schwarzes Oberteil. Ehe ich meinen Satz beenden kann, schnappt sich Sam die Schlüssel zu meiner Wohnung und zieht die Tür hinter mir ins Schloss. Na super.
„Sam! Lass mich los, oder ich brech‘ dir den Arm!“, drohe ich, aber das scheint Sam nur wenig zu interessieren. Wieso kann er so leicht meine Fassade zerstören?
„Machst du nicht!“
Er bugsiert mich auf den Beifahrersitz meines eigenen Autos und fährt los.
Hätte ich mich gewehrt, hätte er das natürlich nicht geschafft.
„Wohin fahren wir überhaupt, Sam?“, murre ich, während Sam viel zu schnell durch die Straßen von Toronto fährt.
„Überraschung!“, erwidert er knapp und biegt um eine Kurve. So schnell, dass selbst mir beinahe schlecht wird.
„Sam! Wir haben kein Blaulicht!“
Sam zuckt nur mit den Schultern und rast weiter. Sogar ein bisschen schneller als vorher, wenn mein
armer Wagen das überhaupt schafft.
Ich schweige lieber, sonst baut Sam bei dem Tempo noch einen Unfall. Und ich dachte immer, meine Mutter hätte einen grausigen Fahrstil, oder Onkel Jethro…
„Sam! Ich will noch ein bisschen weiterleben!“, quieke ich, als er beinahe ein anderes Auto rammt. Sonst fährt er doch auch nicht so. Will er mich denn umbringen?
„Wir sind spät dran!“, ist seine einzige Erklärung. Ich seufze erleichtert, als der Wagen endlich vor einer Bar stoppt.
„Wir sind…“ Ich unterbreche ihn, immer noch erschrocken. „endlich da!“
Sam grinst fröhlich und geht auf die Bar zu. Ich folge ihm langsam und ein Dankgebet murmelnd, obwohl ich gar nicht glaube. Ich bin froh noch zu leben.

In der Bar erlebe ich wirklich eine Überraschung.
Das ganze Team ist hier.
„Hey Leute. Es hat ein bisschen gedauert, unsere Eisprinzessin aufzutauen, aber ich hab‘s geschafft!“, verkündet Sam lächelnd.
Wir sitzen bis in die frühen Morgenstunden in der Bar. Trinken zwar keinen Alkohol, aber Red Bull Cola kann auch sehr… Naja…
Jedenfalls hatte Sam Recht, als er sagte, dass wir ein Team sind.
Genau das sind wir. Und zwar alle. Ich gehöre zum ersten Mal in meinem Leben irgendwo dazu.
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