Der Schmetterlingsgarten

von KyaStern
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Elizabeth Hawke Toby Johnson Verity McGuire
04.09.2012
04.09.2012
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Titel: Der Schmetterlingsgarten
Arbeitstitel: Metamorphose
Kapitel: 1/1
Autor: KyaStern

Genre: Drama, Freundschaft, Angst

Kommentar: Aus meiner Sicht mein bisher bestes Stück für 'Total Genial'. Die Idee kam mir, als
                   ich über Elizabeths plötzliche Veränderung in der ersten Folge nachdachte.
                   Deshalb einmal keine Romanze oder eine Alternative Wendung, sondern einen
                   Einblick darüber, wie ich mir Veritys und Elizabeths Leben vor der Serie vorstelle.

„..." reden
‚...' denken

Viel Spaß!

---


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---

Beths Garten war der schönste in ganz Sandy Bay. Jedenfalls für die kleine Verity.

Das Gras war so hoch, dass man sich darin verstecken konnte, in dem gefährlichen
Brennnesselfeld hausten Trolle und Drachen und wunderschöne Wildblumen wuchsen
über die ganze Wiese verstreut. Es war allein ihr Reich, in dem die beiden Freundinnen
stundenlang spielten und herumtobten.

Verity, leicht tollpatschig wie sie war und wie jeder es ihr vorhielt, durfte hier ungestört
rennen und springen und niemand schimpfte, während Beth langsamer und vorsichtig
durch das Gras lief, damit sie nicht schmutzig wurde. Immer sagten Veritys Eltern, sie
müsse besser aufpassen: wegen ihrer Kleidung oder ihrer Allergien oder... Zu Beth sagte
niemand so etwas, aber Beth passte sowieso immer auf.

Mit Bewunderung und etwas kindlicher Eifersucht würde Verity stets beobachten, wie
sich die Schmetterlinge auf Beths Armbanduhr – die sie schon lesen konnte – setzten und
dort einen Augenblick verharrten, bis sie weiterflogen. Verity wollte auch, dass die
Schmetterlinge zu ihr kamen, doch sie sagte nichts.

Einmal, da flog eines der elfengleichen Tiere ganz dicht an ihr vorbei. Verity hätte nur die
Fingerspitzen ein wenig strecken müssen und sie hätte ihn fangen können.

„Wenn man ihre Flügel berührt, dann können sie nicht mehr fliegen und sterben.“, sagte
Beth und hielt Veritys Hand fest. „Das hat Dad mir gesagt.“

Und was Beths Dad sagte, das stimmte auch. Er war superschlau und wusste immer tolle
Spiele und nannte Beth 'seine Prinzessin'. Verity selbst hatte den Titel 'Lady Verity' erhalten
und war jedes mal stolz darauf, wenn man sie bei dem Namen zum Eisessen rief.

Deswegen musste das auch stimmen. Sofort zog Verity die Hand zurück und starrte dem
wunderschönen Falter mit schlechten Gewissen hinterher. Gut, dass Beth sie gewarnt
hatte.

Verity würde in ihrem Leben niemals die Schmetterlinge berühren, weil sie nicht sterben
sollten.

~Schmetterling~

Das Gras erschien Verity nicht mehr so hoch wie früher, auch wenn sich der Garten nicht
verändert hatte. Es reichte den Mädchen immer noch bis über den Bauch, doch sie beide
waren halt ein ganz schönes Stück gewachsen und Verity hatte neulich ihren ersten
Wackelzahn für die Zahnfee unters Kopfkissen gelegt.

Bald würden Beth und sie in die Schule gehen und wie große Kinder lesen und schreiben
lernen.

Obwohl die Mädchen und ihre Spiele sich verändert hatten, so blieb der Garten doch ihr
Lieblingsplatz und sie verbrachten hier viele Stunden.

Die Schmetterlinge würden immer noch zu Beth kommen, auch wenn sie nicht mehr
Prinzessinnen spielten und sich keine Drachen im Brennnesselbeet verbargen. Stattdessen
wohnten auf der gefährlichen Pflanze hässliche, lange Insekten, die dort umher krabbelten.

Beth hatte sie zu erst entdeckt (War mit ihrer 'Wunderbrille', die sie tragen musste, wohl
auch einfacher als für normale Menschen!).

Sofort hatte Verity nach einem Stock gegriffen und wollte sie wegmachen, aber Beth hielt
sie zurück.

„Das sind Raupen, Verity. Die werden einmal zu Schmetterlingen.“

Verdutzt schaute Verity ihre Freundin an und dann die widerlichen 'Raupen'.

„Diese hässlichen Würmer werden Schmetterlinge?“

Beth nickte. „Sie fressen die Brennnesseln.“

Wenn Beth das sagte, dann musste es stimmen. Weil Beth war schlau wie ihr Dad – Sie
konnte schon bis 100 rechnen und ihren Namen schreiben! - und hatte die Wunderbrille und
solange die Viecher die Brennnesseln fraßen, war alles gut...

~Schmetterling~

Sie hatten eine Decke mitten ins hohe Gras gelegt und saßen zu zweit zwischen den
Wildblumen und unterhielten sich. Nebenbei würden Beth und Verity Limonade trinken und
selbst gebackene Kekse naschen.

Beth – schlau wie sie war – würde Verity mit den Hausaufgaben helfen und einen Brief an
Toby schreiben, in der etwas groben Handschrift, die eine Zweitklässlerin halt besaß.

Sie wollte ja schon immer mit Toby befreundet sein und seit Wochen redete Beth nur noch
von ihm. Ihr Dad scherzte schon, sie sei in Toby verliebt, und Verity dachte ins Geheim das
gleiche.

Als kleine Gegenleistung für die Hausaufgaben hatte Beth sie gebeten, einen Schmetterling
auf den Brief zu malen, denn Verity malte die schönsten Bilder der ganzen Klasse. Nur zu
gerne tat Verity ihr den Gefallen.

„Vielleicht sollte ich besser ein Herz malen...!“, ärgerte Verity ihre Freundin ein bisschen,
die sofort wieder aufquietschte und ihr den Zettel weg nahm.

Die Zeichnung eines Schmetterlings erstreckte sich über die unbeschriebene Seite. Blaue
Augen waren auf den Flügeln zu sehen. Ein Tagpfauenauge...

„Warum fragst du ihn nicht einfach, ob er dein Freund sein will?“, wollte Verity wissen, als
Beth sich wieder hinsetzte, um den Brief zu Ende zu schreiben.

„Russ wird lachen.“, antwortete Beth nur und Verity wusste, wie sehr Beth es hasst,
wenn jemand sie auslachte.

Die Antwort reichte ihr und sie unterhielten sich lieber über schönere Dinge, als über Russ.
Und sie vergaßen die Zeit und redeten den ganzen Nachmittag, bis Beths Dad sie mit dem
peinlichen Prinzessinnennamen zum Abendbrot rief.

Vergessen lag der Brief mit dem Schmetterlingsbild auf der Decke. Ein Windhauch und er
flog wie ein echter Schmetterling hinfort...

~Schmetterling~

Laute Motorengeräusche begrüßten Verity, als sie eines Tages nach dem Tanzunterricht
zu Beth nach Hause kam.

Wie immer ging sie einfach am Haus herum in den Garten, nur um dann zu sehen, wie ihre
beste Freundin ihrer Mutter mit starren Blick zuschaute.

Beths Mum hatte große Kopfhörer auf den Ohren und schob einen riesigen Rasenmäher
durch die hohe Wildwiese.

„Was macht sie da?!“, fragte Verity halb entsetzt, als immer mehr von ihrem Lieblingsplatz
dem Mäher zum Opfer fiel.

„Sie räumt den Garten auf, sagt sie. Er erinnert sie an Dad.“, antwortete Beth seltsam
tonlos und beobachtete traurig, wie die Schmetterling in alle Richtungen stoben, als sich
der Rasenmäher nährte.

„Aber dein Dad ist doch nur kurzzeitig ausgezogen.“, meinte Verity verwirrt und verstand
nicht ganz.

Beth schüttelte den Kopf. „Sie lassen sich scheiden. Ich habe Dad und die andere Frau
gesehen. Sie bekommen ein Baby...“

Warum klang Beths Stimme nur so tot? Beth Blick sagte ihr, dass ihre schöne, kluge
Freundin mit der Wunderbrille mal wieder Dinge durchschaut hatte, die Verity selbst noch
nicht verstand.

Verity wollte sie in den Arm nehmen, aber Beth wollte nicht. Traurig schauten die beiden
Mädchen zu, wie Reihe um Reihe das Gras und die Wildblumen niedergemäht wurden.
Gerade wollten sie ins Haus gehen, da merkte Verity, wie gefährlich nahe der Rasenmäher
an das Brennnesselfeld herankam...

„Sie wird die Brennnesseln kaputt machen...!“, wisperte Verity entsetzt, doch Beth
reagierte überhaupt nicht. „Beth! Sie wird die Raupen töten!“

Beth zuckte mit den Schultern, als ginge es sie gar nichts an. „Dann ist das so...“

„Beth! Wenn sie die Raupen tötet, dann wird es keine Schmetterlinge mehr geben! Nicht
dieses Jahr und nie mehr!“, prophezeite Verity ihrer sonst so klugen Freundin.

Beths Augen wurden groß und ohne Nachzudenken rannten die beiden in die Küche,
leerten alle Marmeladengläser aus und liefen, als ginge es um ihr Leben, um die Raupen zu
retten.

Am Abend waren ihre Hände und Arme von Brennnesselpusteln übersät und sie bekamen
den Ärger ihres Lebens wegen der Marmelade, doch die Mädchen schwiegen und
verrieten nicht, dass die Gläser oben auf Beths Fensterbrett standen.

Vollgefüllt mit Brennnesselblättern und Schmetterlingsraupen und mit Luftlöchern in den
Deckeln...

~Schmetterling~

Beth meldete sich nicht mehr im Unterricht und Beth machte ihre Hausaufgaben nicht mehr
ordentlich und mit ihrer Mum sprach sie auch nicht.

Und sie wollte auch nicht, dass man sie 'Beth' nannte.

„Ich heiße Elizabeth.“, korrigierte sie stets, wenn sie überhaupt sprach.

Sie hatte ihren Koffer nicht wieder ausgepackt, nachdem sie mit ihm zu ihrem Dad
gegangen war und gefleht hatte, dass er sie mitnehme nach Sydney. Elizabeth wollte bei
ihm leben, mit der neuen Frau und dem Baby.

Anscheinend wollte ihr Vater das nicht und heimlich war Verity ganz froh darüber, dass
ihre beste Freundin nicht nach Sydney zog. Doch sie machte sich auch Sorgen, denn Beth
– nein, Elizabeth! - aß nicht und sprach nicht und weinte nicht.

Nur die Raupen, die starrte Elizabeth stundenlang an.

Sie verließ auch das Haus nicht und Verity saß mit ihr in ihrem Zimmer. Wo sollten sie auch
hin? Der Garten war jetzt sauber und ordentlich und hatte all seinen Zauber verloren.

Als Verity eines Tages nach den Raupen schaute – weil was anderes taten sie ja nicht –
erschrak sie zu Tode und begann jämmerlich zu weinen.

Alle Raupen waren weg und stattdessen hingen komische, trockene Teile an den
Glasrändern.

Sofort sprang Elizabeth auf und fragte: „Verity, was ist los?“

Es war eine Sache, nicht zu essen oder einfach vor sich hin zu vegetieren, aber hier ging
es um Verity und die war immer noch ihre beste Freundin.

„Die Raupen... die Schmetterlinge... alle tot!“, stieß Verity unter Schluchzen hervor und
zeigte auf die Marmeladengläser.

Elizabeth rückte ihre Brille zurecht – auf das Schlimmst gefasst – und begann bei dem
Anblick ausgelassen zu lachen.

Kurz dachte Verity, sie hätte jetzt endgültig den Verstand verloren. Ihre Freundin lachte,
bis ihr die Tränen in den Augen standen und meinte:
„Du Schusselkopf! Die sind nicht tot. Sie haben sich verpuppt!“

Verity verstand nicht und Elizabeth erklärte Kopf schüttelnd: „Sie verwandeln sich in
Schmetterlinge.“

Verblüfft schaute Verity noch einmal ins Glas, auf die seltsamen Kokons, und lachte dann
selbst. Sie konnte sich bildhaft vorstellen, wie sich die dicken Raupen eine Schutzschicht
gebaut hatten und jetzt darin schliefen, bevor sie sich in Schmetterlinge verwandelten.

Es dauerte noch fast eine Woche bis sie schlüpften. Ab dem Tag als Elizabeth und Verity
ein Brennnesselbeet im Park fanden und die Schmetterlinge aussetzten, ging es Elizabeth
wieder besser.

Veritys Freundin benahm sich fast wieder normal.

~Schmetterling~

Irgendwann in der 5. Klasse begannen ihre Klassenkameradinnen sich zu verändern.
Claire bekam als erste einen Busen und ihre Freundin Jade kam dafür als erste mit
hochhackigen Schuhen zu Schule. Jungen waren auf einmal top-aktuell.

Doch irgendwie schienen Elizabeth und Verity von dieser Verwandlung ausgenommen.
Nicht einmal der Ansatz eines Busens zeigte sich, Jungen waren so uninteressant und
primitiv wie eh und je – sah man von Toby Johnson ab, doch das war ja nichts neues –
und in den Übungsversuchen mit Hackenschuhen bewies Elizabeth die Grazie eines
Verkehrsunfalls.

Dafür machte sie dann urplötzlich einen Wachstumsschub in die Höhe und ehe man sich
versah war Elizabeth das größte Mädchen der Klasse. Pfennigabsätze waren unnötig; sie
überragte selbst die Jungen um einige Zentimeter. Das Russ sie eine 'Giraffe' taufte, würde
sie ihm noch lange nachtragen...

Die beiden Freundinnen versuchten dem ganzen auf verschiedene Arten entgegen zu
wirken:

Verity lackierte sich die Fingernägel in Regenbogenfarben, trug Glitzerhaarspangen und
eine Kette mit einem Schmetterlingsanhänger.

Sie häkelte und knüpfte sich Taschen, ging zum Tanzen und versuchte sich (erfolglos)
beim Schulmusikal.

Elizabeth tat so, als ob es ihr vollkommen egal wäre. Sie machte einen riesigen Bogen um
Schminke und Modezeitschriften und ließ sich zu Weihnachten ein Mikroskop schenken. In
ihrem Zimmer hatte sie eine eigene Raupenzucht, die sie akribisch protokollierte, und von
deren Ergebnissen sie Fotos schoss und in ein Notizbuch klebte.

Das Notizbuch war voll gestopft von Schmetterlingsaufklebern und -fotos und von Veritys
Zeichnungen, die sie Elizabeth zu liebe immer anfertigte.

Ihre eigene Mutter hatte nie große Verständnis für dieses 'Hobby' gehabt und kaufte
Elizabeth lieber Anziehsachen, in denen sich ihre Tochter total unwohl fühlte, und meldete
sie zum Turnen an.

Wenn man wusste, dass ihre Mutter sich nicht mal Veritys Namen gemerkt hatte, so
verstand man auch, wie wenig sie Elizabeth doch wirklich kannte:
Nach zwei Wochen schwänzte Elizabeth den Turnunterricht und saß in der Zeit bei Verity
Zuhause, die ihr Zöpfe flocht.

~Schmetterling~

Geburtstagspartys waren für Elizabeth eine Katastrophe:
An ihrem 12. war keines der Mädchen – mit Ausnahme von Verity – gekommen und Toby
und Russ hatte sie nicht einladen dürfen, weil es nach der Meinung ihrer Mutter ja ein
Mädchengeburtstag war.

An diesem Tag, als ihre einzige Tochter ein selbst ironisches Lächeln zu Schau trug und
mit Verity die ganze Torte verspeiste, begriff Elizabeths Mutter vielleicht etwas über ihre
Tochter. Vielleicht auch nicht...

Jedenfalls sagte sie nichts mehr gegen die Raupenzucht und ließ ab da an Elizabeth ihre
Geburtstage selbst organisieren. Ihr Vater schickte eine nicht kleine Summe Geld - und eine
Glückwunschkarte, die meist ungelesen im Papierkorb landete - , was für ein schönes
Geschenk und einen netten Ausflug zu zweit reichte. Oft ins Theater oder in die Oper.

Elizabeth liebe solche Aufführungen und sie liebte die atemberaubenden Theatergebäude
und großen Ausgehkleider. Nur die hochhackigen Schuhe...

Auch Verity mochte diese Dinge, obwohl ihr Elizabeths Geschmack teils zu anspruchsvoll
war, und so gingen sie beide in hübschen Kleidern zu Stücken von Shakespeare und
Goethe und Giacomo Puccini.

Als sie an einem von Elizabeths Geburtstagen – Verity konnte sich nicht genau erinnern,
aber es war noch vor der High School – aus einer sehr traurigen Oper kamen, fragte
Verity:
„Warum nennt man eine Oper über eine Geisha 'Madam Butterfly'?“

Die ganze Oper war in italienisch und Verity war schon bei der Handlung, die unten auf
der Bühne gespielt wurde, den Tränen nahe. Deshalb musste sie fragen. Was hatte ihr
Lieblingstier damit zu tun?

„Schmetterling leben nur einen Sommer.“, antwortete Elizabeth und in ihrer Stimme lag eine
Reife, die ein Mädchen in ihrem Alter nicht besitzen sollte. „Sie sind ein Symbol der
Schönheit und der Vergänglichkeit. Madam Butterfly stirbt.“

Bei dem Gedanken musste Verity schlucken.

~Schmetterling~

Elizabeth hatte sich irgendwann die Angewohnheit zugelegt, Lehrer zu verbessern. Das
beruhte wohl auf der Tatsache, dass sie scheinbar immer Recht hatte, und dann konnten
auch die Lehrer nichts mehr sagen und gaben ihr die 1.

Die Lehrer hielten nicht viel von Elizabeth und - ehrlich gesagt – beruhte das auf
Gegenseitigkeit. Elizabeth hatte keinen Respekt vor Leuten, die keinen Respekt vor ihr
zeigten. Doch sie war  nicht dumm – oder teils einfach zu schüchtern -, also sagte sie das
niemandem.

Verity hatte keinen Respekt, sie hatte Angst. Vor ihren High School Lehrern im Allgemeinen.

Vielleicht war sie da nicht die einzige... Es gab Persönlichkeiten im Lehrkörper, die konnten
eine ganze Klasse mit einem einzigen Blick das Fürchten lehren. Solch eine Person war Mr.
Tesslar, genauer gesagt:

Professor C. Tesslar

Er trat aus einem unbekannten Grund aus der Univerty aus und tyrannisierte jetzt die
Schüler der Sandy Bay High. Warum wusste keiner. Er mochte keine Jugendlichen und ließ
gerne seine schlechte Laune an ihnen aus. Doch wenn es um Naturwissenschaften ging,
konnte keiner bestreiten, dass er ein richtiges Genie war.

Alle seine Kurse fürchteten ihn und seine Notengebung, ganz besonders Verity tat dies.
Elizabeth nicht:
Professor Tesslar hatte keinen Respekt vor seinen Schülern – und erst recht nicht vor
Toby Johnson – und Elizabeth somit keinem vor ihm.

Noch nie hatte man solche Debatten zwischen einer Schülerin und einem Lehrer erlebt,
wie zwischen Elizabeth Hawke und Professor C. Tesslar und da der frustrierte Lehrer ihr
nichts konnte – Elizabeth hatte wirklich immer Recht, sonst fing sie gar nicht an zu
diskutieren -, suchte er sich ein leichteres Opfer: Verity McGuire

Verity bekam schon fast das Stottern, wenn Mr. Tesslar nur den Raum betrat.

„Hat irgendjemand von Ihnen das Kapitel auch nur gelesen?“, fragte der Lehrer erbost, weil
niemand – außer Elizabeth – bis zu diesem Kapitel gekommen war.

„Verity!“, rief er Elizabeths beste Freundin auf, die sich ganz klein auf ihrem Stuhl machte.
„Erzählen Sie etwas über Metamorphose!“

Und Verity hatte wie der Rest der Klasse keine Ahnung und hätte am liebsten angefangen
zu heulen, als Elizabeth ein Wort auf ihren Collegeblock schrieb: Schmetterling

„Metamorphose ist beim Schmetterling.“, formulierte Verity ungeschickt ohne eigentlich zu
verstehen, was sie sagte.

„In wie fern?“, hakte Mr. Tesslar mit deutlich sachlicherem Ton nach.

„Nun... erst sind sie hässliche Raupen und dann verpuppen sie sich und dann verwandeln
sie sich in schöne Schmetterlinge.“

Ein paar Jungen in der hintersten Reihe lachten, Garth King vorne weg.

„Können Sie mir ein besseres Beispiel nennen, King?“, fuhr Mr. Tesslar den Störenfried an
und sofort herrschte Ruhe.

„Dachte ich mir... Ja, Verity, einfach formuliert ist das eine Metamorphose. Die Umwandlung
der Larvenform zum Adultstadion, auch Metabolie genannt.“, gab er ihr Recht und ließ dann
Elizabeth fortfahren, die eine halbe Stunde über Kaulquappen und griechische Mythologie
sprach.

~Schmetterling~

„Ich bin so hässlich!“, heulte Elizabeth von der anderen Seite der Toilettenkabine, in der sie
sich eingesperrt hatte.

Verity versuchte mit aller Macht, ihre Freundin dazu zu bewegen, die Tür zu öffnen und sie
herein zu lassen.

Ein paar Mädchen aus ihrer Klasse hatten Elizabeth ziemlich fertig gemacht und Dinge
gesagt, die Verity nicht wiederholen wollte. Zwar hatte Verity versucht ihre Freundin zu
verteidigen, aber sie war gnadenlos unter gebuttert worden. Nun begann die nächste
Stunde, Verity hatte ihre Tränen getrocknet und nur Elizabeth kam nicht aus der
Mädchentoilette.

Das schlimmste war wohl, dass Toby etwas von dem ungleichen Zickenkrieg
mitbekommen hatte und deshalb reagierte Elizabeth jetzt so heftig.

„Er will nicht einmal mit mir befreundet sein, geschweige denn zusammen! Er weiß genau,
wie hässlich ich bin! Keiner mag hässliche Mädchen!“

Es tat Verity in der Seele weh, dass Elizabeth so von sich dachte. Sie selbst sah doch,
wie schön ihre Freundin geworden war, mit den langen blonden Harren und den klaren
blauen Augen, die man hinter der Wunderbrille suchen musste. Sogar ein Busen war ihr –
im Gegensatz zu Verity – gewachsen, den Elizabeth unter den rosafarbenen Polo-Shirts
verbarg.

Ihre Freundin war ein ganz besonderer und wunderschöner Mensch und niemand sah es.

Ihre Klassenkameraden gaben sich außergewöhnliche Mühe, Elizabeth einzureden, wie
hasslich und lästig und dumm sie sei. Es erinnerte Verity an das Märchen von
Aschenputtel und an das hässlichen Entlein und an die Raupen in den Brennnesseln.

Eines Tages würde aus Elizabeth ein atemberaubender Schmetterling werden, da war
Verity sich sicher.

Hoffentlich kam diese Verwandlung bald... bis dahin:
„Wenn er das denkt, dann ist er blind. Komm schon, Elizabeth,... bitte...“

~Schmetterling~

Jemand hatte Elizabeth einen ganz üblen Streich gespielt – Verity tippte auf Garth.

Na ja, wenigstens in seiner Fantasie hatte dieser jemand das:
In Elizabeths Brotdose wimmelte es vor schwarzen, haarigen Raupen, die über ihr
Mittagessen krochen.

Der ganze Kurs wartete hämisch auf eine Reaktion. Ein Schrei oder besser noch, dass
Elizabeth in Tränen ausbrach, aber nichts dergleichen passierte.

Veritys Freundin schaute die Raupen an, griff nach der Dose und verschwand aus dem
Klassenzimmer. Die Stunde begann und Elizabeth blieb verschwunden. Verity hatte schon
alle Mädchentoiletten abgesucht, aber ihre Freundin nicht gefunden.

Stotternd versuchte sie dem wütenden Mr. Tesslar zu erklären, warum Elizabeth fehlte,
aber der Lehrer hörte nicht richtig zu. Verständlicherweise gab ja auch niemand zu, die
Raupen in Elizabeths Dose getan zu haben und Mr. Tesslar hatte es nicht gesehen.

Wahrscheinlich hätte Elizabeth den Ärger ihres Lebens bekommen, hätte nicht ein weiteres
von Professor Tesslars Lieblingsopfern sich zu Wort gemeldet.

„Aber Verity sagt die Wahrheit. Da waren Raupen!“, stand Toby ihr bei und in diesem
Augenblick beschloss Verity, dass er gut genug für Elizabeth war.

„Wenn dem so ist, dann gehen Sie und Verity das Mädchen jetzt suchen. Der Rest nennt
mir jetzt entweder den Übeltäter oder Ihr werdet zu morgen alle eine Hausarbeit schreiben!“

Toby und Verity beeilten sich aus dem Klassenzimmer zu fliehen, bevor der Lehrer es sich
anders überlegte. Sie suchten beide das ganze Schulgelände ab und den Hof.

„Hast du keine Idee, wo sie sein könnte?“, fragte Toby und Verity wollte gerade den Kopf
schütteln, da ging ihr ein Licht auf.

Das sie nicht früher darauf gekommen war!

Schnurstracks rannte sie über den Sportplatz bis hinter den Geräteschuppen, wo einige
Brennnesseln wuchsen. Verity erkannte Elizabeth von Weitem. Ihre Freundin saß vor den
Pflanzen, die Brotdose offen, und beobachtete die Raupen, die über die Blätter krochen.

Toby blieb zusammen mit Verity in einigen Metern Abstand stehen und sah dem Mädchen
verwirrt zu.

„Was macht sie da?“, fragte Toby und Verity antwortete: „Sie lässt die Raupen frei.“

Bewunderung legte sich in Tobys Blick, als er sagte: „Sie tötet sie nicht...“

Verity nickte und vielleicht hatte auch Toby Johnson an diesem Tag einmal darüber
nachgedacht, dass Elizabeth ein ganz besonderer Mensch war...

~Schmetterling~

Freundschaft konnte man das zarte Band, das sich zwischen Toby und Elizabeth geknüpft
hatte, noch nicht nennen. Beide waren zu schüchtern, um überhaupt richtig miteinander zu
sprechen.

Für Verity wäre es aber nur eine Frage der Zeit gewesen, bevor aus ihnen ein Paar
geworden wäre.

Toby hatte mit seiner sanften Art etwas von einem Feenprinzen und Elizabeth noch immer
ein bisschen Ähnlichkeit mit 'der kleinen Raupe Nimmersatt', nur halt mit Wissenshunger.
Warum sollte das Märchen vom Schmetterlingsmädchen und dem Feenprinzen kein Happy
End finden?

Die Antwort war ein rotlockiger bester Freund, der sich dadurch vernachlässigt fühlte,
dass Toby nun neben ihm und Elizabeth saß und bei den Gruppenarbeiten
mit ihr zusammenarbeitete.

Nicht, dass Russ eine schlechte Person war, aber neigte dazu, Sachen niemals Ernst zu
nehmen. Russ hatte scheinbar vor nichts und niemandem Respekt, was bedeutete, dass
Elizabeth keinen Respekt vor ihm hatte...

Der Auslöser war eine Naturwissenschaftsstunde und die meisten Leute haben nie
wirklich begriffen, warum Elizabeth reagiert, wie sie reagierte. Sie arbeiteten gerade an
einem Thema, dass sowohl Elizabeth als auch Verity lag und an welchem beide sich mit
Elan beteiligten: Schmetterlinge.

Jeder hatte von Mr. Tesslar ein Glas mit einem Falter bekommen und sollte das Tier im
Folgedem genau beschreiben. So weit, so gut. Die ganze Sache wäre nicht passiert,
wenn nicht einige – Garth und Co. - angefangen hätten die Gläser zu schütteln und sich
darüber totzulachen, wie die Insekten panisch mit den Flügeln schlugen.

Verity konnte aus den Augenwinkeln beobachten, wie Elizabeth bei diesem Anblick immer
bleicher wurde. Auch Verity empfand eine ungemeine Wut darüber, wie man mit ihren
Lieblingstieren umging.

Russ brachte das Fass schließlich zum Überlaufen:
Er öffnete das Glas und tat das, was Verity sich schon in ihrer Kindheit geschworen hatte
nie zu tun. Er berührte die Flügel und zog den schönen Falter daran heraus.

Wie vom Donner getroffen sprang Elizabeth von ihrem Stuhl auf und entriss ihm das Glas.

„Du ungebildeter, blöder Idiot!“, schrie sie ihn an und starrte entsetzt auf den Schmetterling
in seiner Hand. „Du bringst ihn um!“

Die ganze Klasse und Toby, der bis jetzt nichts mitbekommen hatte, wurden sofort
aufmerksam durch Elizabeths Geschrei.

Abwehrend hob Russ die Hände und sprach ganz langsam, als hätte er es mit eine geistig
Verwirrten zu tun: „Schon gut! Schon gut, ich packe ihn ja schon zurück.“

Wütend reichte Elizabeth ihm das Glas und Russ öffnete den Drehverschluss. Verity
konnte damals nicht genau sehen, was als nächstes geschah. Nur der Ausdruck auf
Elizabeths Gesicht brannte sich in ihr Gedächtnis ein.

Von blanken Entsetzten zu etwas, dass man bald als Raserei beschreiben konnte.

Das Glas fiel zu Boden und Elizabeth stürzte sich im selben Moment auf Russ. Sie hätte ihm
sicher die Augen ausgekratzt, wäre Toby nicht dazwischen gegangen.

„Die hat einen totalen Dachschaden!“, brüllte Russ und zeigte mit dem Finger auf Elizabeth.
„Total irre!“

Elizabeth sagte gar nichts und stieß nur Tobys Hand weg. Endlich schaltete sich auch Mr.
Tesslar ein. Russ erzählte, dass Elizabeth ohne Grund total abgedreht sei, während
Elizabeth immer noch nichts sagte.

Sie verteidigte sich nicht einmal.

Toby schüttelte nur enttäuscht den Kopf und stellte sich neben Russ.

Genervt schickte Mr. Tesslar alle hinaus, nicht ohne eine Extra-Portion Hausaufgaben zu
verteilen.

Verity berührte ihre beste Freundin vorsichtig an der Schulter, weil sie sich nicht bewegte.
Auf dem Boden lag der Schmetterling und wand sich panisch. Mit Entsetzen stellte Verity
fest, dass ihm ein Flügel fehlte.

Er steckte im Schraubverschluss zwischen Deckel und dem zersplitterten Glas. Verity
schlug sich die Hand vor den Mund und unterdrückte ein Schluchzen.

Fast apathisch starrte Elizabeth den sterbenden Schmetterling an, bevor sie sein Leiden
beendete, indem sie drauf trat.

~Schmetterling~

Nach der unfreiwilligen Pause hatte Verity alle Schmetterling aus den Gläsern befreit und
zugesehen, wie sie durchs Fenster flogen.

Professor Tesslar lief so rot an, dass man Angst bekam, er könnte einem Herzinfarkt
erliegen. Sofort rief er Elizabeth in die Biosammlung, um mit ihr darüber zu sprechen.

Keiner wusste je, was die beiden besprochen hatten, aber irgendetwas musste Elizabeth
gesagt haben, dass den Lehrer beeindruckte. Verity war sich nur sicher, dass Elizabeth
sie nicht verraten hatte.

Böse Zungen flüsterten ab jetzt auf den Schulfluren, Elizabeth sei sein Liebling und eine
ehrlose Schleimerin. Verity wusste es besser:
Professor Tesslar hatte sich irgendwie selbst in Elizabeth gesehen.

Ab da an ließ er sie vorarbeiten und gab ihr anspruchsvollere oder Extraaufgaben. Sie
durfte in der Sammlung aushelfen und manchmal den Unterricht mit vorbereiten.

Im Unterricht selbst diskutierten sie nicht mehr. Mr. Tesslar bat Elizabeth sogar Vorgänge
zu erläutern und bei Experimenten zu assistieren. Fast auf einer Ebene – so weit das halt
ging – sprachen die beiden miteinander.

Elizabeth Hawke war wohl die erste Schülerin an der Sandy Bay High, der Professor C.
Tesslar mit Respekt begegnete, und er war der einzige Lehrer, den Elizabeth respektierte.

Er lieh ihr sogar ein Buch über Schmetterlinge aus. Kein normales Buch – nein! - einen
wissenschaftlichen Fachwälzer wie ihn eigentlich nur Studenten in die Finger bekamen.
Von da an schrieb Elizabeth die lateinischen Namen der Schmetterlinge in ihr Notizbuch.

Doch wo eine Tür sich öffnete, da schloss sich eine andere...

Tobys und Elizabeths Beziehung war zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hatte:
Zwar saßen sie noch nebeneinander, aber sie redeten kaum noch.

Es war klar, dass Toby den Aufstand nicht verstanden hatte und er war länger mit Russ
befreundet, als er sich überhaupt erinnern konnte. Natürlich stellte er sich auf die Seite
seines besten Freundes, wie auch Verity es nicht anders getan hätte. Dafür waren beste
Freunde da!

Vielleicht hätte eine Entschuldigung bei Russ etwas verändert, aber Verity kannte
Elizabeth. Sie und Russ konnten sich nicht riechen.

Es war traurig, dass das ganze wegen einem Missverständnis so enden sollte und Verity
nahm sich vor, dass sie mit Toby reden würde, wenn nach den Sommerferien nicht alles
wieder besser würde...

~Schmetterling~

Raubtiere haben verschiedene Strategien, um ihre Beute zu fangen: Sie jagten, sie
lauerten, sie stellten Fallen.

Spinnen weben feine, klebrige Fäden und warten, bis ihnen die Beute ins Netz geht.

Dina Demeris war eine menschliche Spinne.

Sie warf ihren Köder aus und schon wickelte sie jeden um den kleinen Finger, in ihrem
Jeansrock und mit ihrem selbstbewussten Auftreten.

Verity hatte noch nie viel für Spinnen übrig. Sie waren Furcht einflößend, widerlich und
fraßen ihre eigenen Artgenossen – und Schmetterlinge!

Warum hatte Dina sich auch Toby aussuchen müssen, der sich von ihrem hübschen
Gesicht und der frechen Art einfangen ließ?

Viel zu schnell war er in ihrem Netz verstrickt und Dina suchte sich ein passenderes Opfer.

Schmetterlinge sind leichte Beute und gerade zu wehrlos, aber sie hatte auch
Verteidigungsstrategien. Verity wusste, dass das Tagpfauenauge eine Schrecktracht
besaß. Er spannte die Flügel auf und entblößte zwei große Augen, mit denen es
vorgaukelte, es sei ein großes gefährliches Tier.

Wie ein Tagpfauenauge starrte Elizabeth, als Dina Toby ihre Handynummer gab.

Mit acht Augen starrte Dina zurück und durchschaute den Trick. Es war einfach nicht fair...

~Schmetterling~

Verity wusste nicht, was in der Nacht in der Schule passiert war, aber Elizabeth war aus
ihrem Kokon geschlüpft und hatte ihre Flügel ausgebreitete.

Das war keine Veränderung, das war die reinste Metamorphose, die ihre Freundin
durchlebt hatte!

Sie hatte die Wunderbrille abgenommen, die an ihre Raupenjahre erinnerten, trug die Haare
offen und schöne Kleidung in passenden Farben. Sogar ihr Gang schien anders. Elizabeth
flog regelrecht, anstatt zu gehen.

Neidische und ungläubige Blicke wurden ihr von den Klassenkameradinnen zu geworfen,
doch sie überstrahlte alle.

Die Jungen mussten zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass es wirklich Elizabeth war.
Sie fragten nach Dates, selbst Shawn Bengs starrte ihr nach und Elizabeth hätte sich wie
ein Schmetterling nur die schönste Blume heraussuchen müssen.

Aber Elizabeth hatte schon vor Jahren gewählt.

Sie wollte Toby Johnson und sonst keinen. Dafür würde sie es mit Spinnentieren
aufnehmen und riskante Parcourflüge durch das Netz aus Spinnenseide wagen.

~Schmetterling~

Am Anfang war es wie ein Märchen. Veritys beste Freundin war wunderschön und
intelligent und selbstbewusst, so wie man es nach der Scheidung ihrer Eltern nicht mehr
gesehen hatte.

Zuerst versuchte Elizabeth sogar noch, sie in ihre Pläne einzuweihen, doch Verity hatte
schon vor der Metamorphose Schwierigkeiten gehabt, Elizabeths Gedanken zu folgen.
Jetzt war es nahe zu unmöglich, wenn sie über DNS-Transkription, Anti-Gravitation und
Reibungsverlust sprach, als wäre es das simpelste der Welt.

Sollte Verity eines der Experimente anfassen wollen, wurde Elizabeth gleich hysterisch.

„Eine winzige Veränderung kann eine Katastrophe verursachen!“, belehrte sie Verity und
nannte es den Schmetterlingseffekt. „Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann auf der
anderen Seite der Welt einen Tornado auslösen.“

Verity wollte nicht glauben, dass Kleinigkeiten so entscheidend seien. Schmetterlinge
waren doch kein Synonym für Chaos...

Aber als Elizabeth Garth King einweihte und über intelligenten Stoff sprach, da wusste
Verity, dass  diese Veränderung eine Katastrophe auslösen würde.

~Schmetterling~

Verity verstand nicht, warum Elizabeth leere Marmeladengläser in ihrem Labor hatte. Um
ehrlich zu sein, verstand sie überhaupt nichts mehr.

Toby Johnson, der Junge den Elizabeth mit Herz und Seele vergöttert hatte, seit Verity
denken konnte, arbeitete mit der menschlichen Spinne Dina zusammen und war zur ihrem
Erzfeind geworden.

Blankes Entsetzten packte Verity, als sie den Glaskasten mit den aufgespießten
Schmetterlingen entdeckte.

„Warum hast du das gemacht!?!“, fragte Verity und zeigte anklagend auf die toten Tier.

„Sie wären nach 4 Wochen sowieso gestorben. So kann ich sie ewig erhalten.“,
antwortete Elizabeth und Verity glaubte ihren Ohren nicht zu trauen.

Dieses Glitzern in Elizabeths Augen, während sie die Schmetterlingssammlung anschaute,
und der Stolz in ihrer Stimmung sorgten dafür, dass sich Verity der Magen umdrehte.
Elizabeth war wirklich überzeugt von dem, was sie sagte.

Elizabeth musste den Verstand verloren haben!

Schmetterlinge, die sich von hässlichen Raupen mit unstillbarem Hunger in etwas
Wunderschönes verwandelten, um dann nur einen Sommer lang zu fliegen, waren gerade
deshalb so schön, weil sie so tragisch kurzlebig waren.

Sie waren ein Inbegriff der Wiedergeburt und Perfektion, weil sie nur für einen Augenblick
existierten, und sie symbolisierten für Verity die Freundschaft zwischen ihr und Elizabeth.

Es war einfach nur krank, ihnen Ewigkeit aufzwingen zu wollen, genauso wie ihre
Freundschaft sich in eine Diktatur gewandelt hatte.

Statt auf der hohen Wildblumenwiese mit dem Brennnesselfeld saßen sie in einem dunklen,
vergessenen Kellerraum der Schule. Schönheit zu Chaos. Eine Seele für Macht...

Das war keine Metamorphose gewesen in dieser verhängnisvollen Nacht, das war eine
Mutation!

Die Marmeladengläser erwiesen sich nicht als leer:
Eine dicke, schwarze Raupe saß in jedem.

Spinnen waren Kannibalen und Raupen hatten bei Nahrungsmangel die gleiche
Angewohnheit. Es fehlten die Brennnesselblätter.

Die Raupen hatten sich gegenseitig gefressen.

Fin
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