A life before....

von -The Bat-
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Mystique / Raven Darkholme Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier
01.09.2012
21.12.2015
27
201.075
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01.09.2012 3.226
 
Auf der Flucht - Charles Francis Xavier
   
   Es war eine stürmische Nacht gewesen, als ich begann das Vieh von der Weide meines Herren in die Ställe zu treiben. Es war nicht gerade einfach. Es regnete ununterbrochen durch; meine Sachen waren bis zur Haut durchnässt und die Sicht war auch nicht besonders gut. Mein Leben hatte bis jetzt darin bestanden meinem Herren zu dienen. Meine Familie arbeitete schon seit Generation für seine Familie. Mein Herr war kein Mann von guten Taten. Er hatte meine Mutter oft geschlagen, mein Vater hatte ich nie kennengelernt. Meine Mutter hatte mir meinen Vater oft auf Bildern gezeigt, aber es brachte mir nichts. Für mich war es nur ein Mann auf einem Bild... einer Zeichnung  - weiter nichts. Als sie starb, brach für mich der Halt zusammen. Sie war es, die mich noch gestützt hatte, jetzt war ich nur noch jemand der seine Arbeit verrichtete. Still und leise...und doch lächelnd.
Wir hassten diesen Mann... Doch niemand traute sich etwas gegen ihn zu sagen. Er war ein sehr reicher Mann... Er gab uns trotz allem, etwas zu essen und einen warmen Schlafplatz... doch zu welchem Preis mussten wir das alles bezahlen? Immer wieder hatte er sich einige Frauen des Nachts von uns geholt aber auch Männer. Ihr Wimmer schallte trotz des Sturms in meine Ohren. Dieses Geschrei der Angst... Wer es doch wagte etwas zu unternehmen, starb auf mysteriöser Weise oder verschwand. Wir wussten was mit ihnen passierte.
   In Gedanken klopfte ich einer der Kühe auf den Hintern, sodass diese sich wieder in Bewegung setzte. Der Stall war nicht mehr so weit entfernt, was mir endlich Hoffnung gab gleich im Warmen zu sitzen, doch das sollte mir verwehrt werden.
   Vor kurzem hatte ich etwas in mir entdeckt. Ich verstand nicht was es war... aber es faszinierte mich... Ich konnte in die Gedanken der anderen Menschen tauchen. Ich wusste was sie fühlten was sie gerade dachten... was sie erlebt hatten. Einige Male konnte ich es nicht beherrschen, ich sah Dinge, die ich nie erleben, geschweige denn sehen wollte. Hennrics war der Name unseres Herren... ich sah in seine Gedanken und ich hatte ihn einfach nur angestarrt. Gott sei Dank bemerkte er mich nicht. Er hatte mich nicht oft angeschaut, mich nicht oft beachtet... Nur wenn ich etwas falsch gemacht hatte oder er mich für kurze Zeit verkauft hatte, dann sah mein Rücken seine Peitsche... jeder sah sie ab und an... auch wenn wir nichts getan hatten. Er musste seine Frustration freien Lauf lassen...
   Der Stall war nur mit einer kleinen Öllampe beleuchtet, die ich vorsichtig aufdrehte, als ich die Tiere weiter hinein führte und dann hörte ich ihn. Ich sah seine Gedanken... sah mich selber als er mich ansah... Erschrocken drehte ich mich um und schaute in das breite Grinsen des Mannes den wir alle verabscheuten. Seine Sachen waren genauso nass wie die meinen. Der einzige Unterschied; dass er noblere Sachen an hatte als ich. In seiner Hand ruhte die Peitsche...
   "Ich sollte heute abgeholt werden...", sprach er drohend und trat auf mich zu. Hatte ihn denn niemand abgeholt? Unwillkürlich zuckte ich kurz zusammen, nicht weil er auf mich zukam, sondern weil ich SAH was er mit mir vorhatte. Ich wusste diese Bestrafung würde ich dieses Mal nicht überleben... Im nächsten Moment spürte ich schmerzlich die Peitsche in meinem Gesicht. Es brannte... Sofort hielt ich meine Hand hoch, um mein Gesicht vor weiteren Schlägen zu schützen. Ich stolperte nach hinten. Wieder hörte ich das Sausen der Peitsche und der Schmerz der darauffolgte. Hennrics fluchte... schlug immer wieder zu. Ich wurde wütend... und dann passierte etwas, das ich nicht verstand. Innerlich schrie ich, dass er aufhören sollte und er tat es... Doch als ich ihn ansah wusste ich, dass er es nicht freiwillig tat... Hatte ich das gemacht? Meine Augen fixierten den Mann und dann das Messer was er an seinem Gürtel trug. Würde es funktionieren...? War ich das wirklich, der diesen Mann Einhalt gebot...? Ich musste es versuchen. Musste versuchen aus dieser Situation heraus zu kommen.
   „Nehme das Messer und stech es dir immer wieder ins Bein, bis ich weit genug von dir geflohen bin!“, schrie ich in meinen Gedanken einfach und das was dann geschah ließ mich erschauern. Er nahm tatsächlich das Messer und begann sich in seine Beine zu stechen... immer und immer wieder. Was zum...? Ich schluckte hart, war es doch etwas was ich noch nie getan hatte und das ich so etwas konnte, ließ in mir Angst aufkommen. Ich hörte seinen Schrei, sah seine eigene Angst in seinen Gedanken, die sagten:
   „Renne nun endlich... aber ich werde dich finden!“ , ohne weiter darüber nachzudenken rannte ich in die Nacht hinein. Rannte so lange wie mich meine Beine trugen. Ich war frei... Ich lachte und doch weinte ich zugleich... Ich fürchtete mich ... Hatte Angst vor meinen eigenen Fähigkeiten, die begannen Überhand zu nehmen. Ich konnte sie nicht beherrschen. Wusste nicht wie ich damit umgehen sollte.
   Ich blieb erst stehen, bis ich mich vor Erschöpfung einfach fallen ließ... Die Felder in England gingen rauf und runter, was einen viel zu lang und anstrengend vorkam. Der Regen hatte meine Sachen vollkommen eingenommen. Er peitschte mir ins Gesicht und rutschte im Schlamm immer wieder aus, machte meine Flucht nur noch mühsamer und schmerzlicher. Ich bemerkte nicht, dass ich bis zu einem anderen Anwesen gelaufen war. Es war immer noch dunkel, war ich doch nur bis zum nächsten Licht gelaufen. Ein Hoffnungsschimmer...
   Die Anwesen erstreckten sich über Kilometer... daher kannten sich einige auch nicht... das war mir nur recht... ich zitterte... meine Beine waren nur noch weich... Sie streikten... Meine Situation hatte sich also nicht gerade gebessert. Verbittert musste ich grinsen, als ich in dieser Einfahrt halb in einer Pfütze lag... Das Leben wollte mir also keine Güte oder gar Frieden schenken... Frieden schon, denn diesen würde ich finden, wenn ich endlich starb... und in diesem Moment wollte ich sterben.

~

Ein stolzer Mann - Erik Magnus Lehnsherr

   Wie es leider so oft auf unseren Ländereien war, stürmte es des Nachts ziemlich heftig. So auch diese Nacht, die sehr viel mehr versprach, als all die anderen Nächte in denen es so furchtbar stürmte. Das Einzige was mich in solchen Nächten störte waren die Dienstboten. Sie behaupteten alle, dass es in meinem Haus spuken würde. Doch solche Dinge hörte man doch immer in alten Häusern. Mein Haus war eben in die Jahre gekommen. Da quietschten schon mal Holzdielen oder pfiff der Wind durch einige Löcher. Sie sollten lieber froh sein, dass sie eine anständige Anstellung bei mir hatten.
   Mein Name war Erik Lehnsherr. Ich war schon sehr früh zum Hausherr geworden. Ungewollt. Ich hatte das Glück in eine wohlhabende Familie hineingeboren zu werden. Aber sie wurde mir sehr früh entrissen. Mein Vater war ehrenhaft und entschloss sich trotz seines hohen Standes, mit all den anderen Männern in den Krieg zu ziehen. Er kam nie zurück. Meine Mutter verkraftete den Tod meines Vaters nur sehr schlecht und kurz darauf wurde sie krank.
    Als ich grade mal 17 Jahre alt war, wurde mir meine Familie aus den Händen gerissen. Die Jahre darauf verbrachte ich in einer Schule, die gutes Benehmen und gesellschaftlicher Umgang lehrte. In der Zeit überließ ich das Haus meiner Haushälterin, Miss Fairfax. Sie war eine entfernte Verwandte von uns, doch hatte sie sich niemals diesen Umstand zu ihren Gunsten genutzt.
   Als ich dann mit 25 von der Schule kam, hatte ich alle nötigen Anforderungen, die man brauchte um sich in der Gesellschaft zu Recht zu finden und ein eigenes Anwesen zu leiten. Doch das war nicht alles was ich mitgenommen hatte. Ich hatte etwas in mir entdeckt. Etwas…Neues und Unbekanntes. Etwas, was viele als Hexerei bezeichnen würden. Aus Angst dass man mich genau dessen beschuldigte, erzählte ich niemandem etwas davon und sah zu, dass wenn ich meine neu gewonnen Fähigkeiten einsetzte, alleine war. Ich hatte die Fähigkeit jegliche Metalle zu manipulieren. Ich konnte sie Formen wie ich wollte, konnte alles schweben lassen, konnte die Magnetfelder nutzen. Ich hatte in der Schule nicht nur mehr Manieren gelernt, sondern auch heimlich den Umgang mit meinen Gaben. Sie waren nicht perfekt und oft konnte ich sie nur nutzen wenn ich wütend war. Dann wenn meine Gefühle am stärksten an die Oberfläche kamen. Ich war nicht grade ein einfacher Schüler gewesen.
   Seit dem Tod meiner Eltern, war auch in mir etwas gestorben. Ich war oft launisch und verstand diese noblen Leute nicht, mit denen ich mich nun Tag täglich abrackern sollte. Doch ich musste. Man erwartete es von mir. Ich verließ schließlich die Schule, wenn auch mit einem gewissen Ruf und kehrte nach Hause zurück.
Jetzt war ich 32 und hatte ein so tristes, ödes Leben, dass ich mich jeden Abend dasselbe fragte.
   „Wieso bin ich hier?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Mein Aufenthaltsraum war lediglich nur vom Kaminfeuer erleuchtet. Ich bat die Bediensteten mich nicht zu stören. Denn ich hatte meine Handfläche nach oben zeigend und ließ Geldmünzen, Briefbeschwerer und Schmuckstücke in der Luft kreisen. Training für meine Koordinatoren. Doch ich wurde an diesem Abend jäh aus meiner Übung gerissen, als ich laute Stimmen auf den Korridoren vernahm, die nach mir riefen. Seufzend ließ ich die Gegenstände sinken und stand auf. Einen Kerzenhalter in der Hand verließ ich den Raum und blickte mürrisch in die fragenden Gesichter meiner Angestellten.
   „Was ist hier los?“, murrte ich. Miss Fairfax kam auf mich zugedackelt.
   „Verzeihen sie die Störung Sir, aber man hat einen Verletzten Herrn im Hof gefunden.“, klärte mich die ältere Dame auf. Ich legte meine Stirn in Falten.
   „Und? Was hab ich damit zu tun?“, rüsselte ich. Die ältere Dame sah mich entsetzt an.
   „Mit Verlaub Sir, er benötigt Hilfe. Oder er wird in seinen jungen Jahren einen frühen Tod sterben.“ Die Stärke dieser Dame war es leider, mich mit ihren mehr als nur gütigen Blicken zu schwächen und zu entwaffnen. Ich blickte sie lange an, eh ich dann nachgab.
   „Meinetwegen. Holt ihn schon rein.“, gab ich schließlich nach und ging mit einigen Bediensteten nach unten.

~

Gerettet - Charles Francis Xavier

   Schwach schloss ich meine Augen, hörte wie der Regen unaufhaltsam weiter herunter prasselte. Erst jetzt spürte ich die Wunden der Schläge von Hennrics. Sie schmerzten... Ich wollte einfach nur noch hier liegen bleiben. Der Regen wurde zu einer beruhigenden Melodie, die mich mit sich riss... Mich weg führte von dieser Welt... Mir zeigte, dass es besser war nicht mehr hier zu bleiben... Ich war eigentlich noch nie ein Mann gewesen, der aufgab... doch das ich die ganzen Jahre überhaupt überlebt hatte, war schon ein Wunder gewesen... Hennrics hatte in mir anscheinend doch einen guten Arbeiter gesehen. Jetzt würde er mich jagen, wenn er noch am Leben war. Daher war es doch egal, ob ich jetzt mein Leben verwirkt hatte oder nicht?
   In weiter Ferne vernahm ich Stimmen die auf mich zu kamen... Sie riefen sich etwas zu... Versuchten den Sturm zu übertönen. Ich verzog schmerzlich mein Gesicht... Ich hörte ihre Gedanken... doch ich wollte das nicht mehr, sie sollten verschwinden, mich in Ruhe hier liegen lassen. Es wurde doch Zeit für mich...? Oder nicht? Warum sollte man zu mir kommen und mich holen oder gar helfen? Sie sollten mich hier einfach liegen lassen.
   Mit einem Ruck wurde ich jedoch auf die Beine gezogen. Mich trug jemand... Er sollte mich runter lassen... Ich wollte da liegen bleiben... Nicht einmal wehren konnte ich mich; wie erbärmlich ich doch war. Der Regen verstummte... ich hörte aufgeregte Stimmen... spürte wie ich weiter getragen wurde. Wieso trug mich jemand? Ich konnte doch auch alleine laufen, das dachte ich zumindest. Ich hatte jetzt schon das Gefühl, ich würde in wenigen Minuten wegtreten. Als der Regen aufgehört hatte auf mir nieder zu prasseln, wurde mir unsagbar kalt. Ich begann zu zittern... Wer waren diese Leute...? Waren es die, von diesem Anwesen...? Sie sollte mich runter lassen... Sie würden nur selbst Ärger mit ihrem Herren bekommen, wenn dieser erfuhr, dass sie einen Fremden bei sich aufgenommen hatten. Ich sah in ihren Gedanken, dass es die Angestellten des Hauses waren, die mich herein gebracht hatten. Doch wieso?
   Ich wurde erst auf etwas weichem abgelegt, als ich schließlich mein Kopf drehte. Die Augen wollte ich nicht öffnen. Wollte die Personen nicht sehen von denen ich die Gedanken sah. Nur durch ihre Gedanken erfuhr ich, dass ich auf einem anderen Anwesen gelandet war. Ich spürte die Menschen die hier lebten und dann war da noch etwas anderes... Jemand anderes... Seine Gedanken strömten nicht auf mich ein, sondern waren ruhig und gefasst... ich konnte sie kaum lesen, doch sie beruhigten mich... was sollte das...? Sie gehörten einem jungen Mann, nicht älter als ich... Ich blieb an seinen Erinnerungen und Empfindungen hängen... Ließen sie mich doch kurz vergessen, was geschehen war... Was ich getan hatte...
Ich spürte wie mir meine nassen Sachen ausgezogen wurden... Wenn ich ehrlich war, es war mir eigentlich egal... Denn was konnte ich schon großartig unternehmen? Ich konnte mich nicht einmal wehren. Was auch nicht nötig war, denn ich wusste jetzt, dass sie nur das Beste für mich wollten. Ich fragte mich immer noch warum, doch war mir einfach zu kalt, um irgendwelche Töne heraus zu bekommen...
   Ich spürte warme Lappen an meinem Körper. Ich fror immer noch... doch diese Wärme ließ mich wieder zurückkehren... Ließ mich langsam wissen, dass ich wirklich noch lebte. Ich kannte solch ein Verhalten nicht bei anderen Menschen... woher auch. Bei Hennrics war sich jeder selbst der nächste. Es war nicht leicht gewesen und doch taten diese Leute mehr für mich, als meine es jemals getan hätten und auch dessen Herr sagte nichts dazu. Zumindest wurde ich nicht gleich wieder vor die Tür gesetzt...

~

Erste Erkenntnis - Miss Fairfax

  Wie ich schon ahnte hatte Mister Lehnsherr wieder unglaublich schlechte Laune. Manchmal fragte ich mich ob es am Wetter lag, aber er war ja schon als Kind so unglaublich stur und hatte Stimmungsschwankungen. Aber immerhin konnte ich ihn davon überzeugen, den armen Jungen von der Straße zu holen. Ich konnte das nicht mit ansehen, wenn jemand Hilfe benötigte, aber niemand auch nur einen Finger krümmte um ihm zu helfen.
  Er kam schließlich mit uns nach unten und trommelte einige der männlichen Bediensteten zusammen, die er dann nach draußen schickte um den armen Mann aus dem Regen zu holen. Ich wies Anna, einer der jungen Mädchen die dazu gekommen war an, eine heiße Milch aufzusetzen und sagte auch den anderen Bescheid, dass sie ein Bett fertig machen sollten. Ich ging derweil und holte Decken. Mister Lehnsherr stand an der Tür seines Hauses und beobachtete wie sie den armen Mann auflasen und ins Trockene brachten. Als sie mit ihm neben dem Hausherrn vorbeiliefen, ließ er einen Blick auf ihn ruhen. Und zu meiner Erleichterung, beharrte er nicht darauf ihn gleich wieder nach draußen zu werfen. Das hatte er auch schon getan, wenn wir jemanden aufgenommen hatten, dieser sich aber als Bettler herausstellte. Er schloss die Tür und verschwand dann ohne ein Wort wieder nach oben. Also lag nun alles in unseren Händen. Ich warf die Decke um den Fremden und wies die Leute an ihn ins Zimmer zu bringen. Da überließ ich ihn erst mal den Mägden die ihn auszogen und in wärmere Sachen hüllten. Es war eine kalte Oktobernacht. Da konnte er sich schon was eingefangen haben.
   Die Aufregung legte sich langsam wieder und wir Damen konnten uns seiner annehmen. Die Männer schickten wir schließlich wieder ins Bett. Anna kam dann mit der heißen Milch, die ich ihr abnahm. Einige Mädchen machten Feuer, eh sie dann mit seinen dreckigen Sachen davon eilten. Während Anna mit einem warmen Lappen sanft sein Gesicht sauber machte und man langsam erkennen konnte, was für ein Mann uns da in den Schoss fiel, versuchte ich ihn etwas aufzurichten um ihm die Milchtasse an die Lippen zu führen . Ich konnte seine Lider zucken sehen. Ein gutes Zeichen.
   „Meine Güte….er scheint noch jünger als der Herr zu sein.“, stellte ich fest und blickte zu Anna.
   „Können sie mich hören?“, versuchte ich dann langsam zu ihm durchzudringen, da er doch vorsichtig zu uns zurückfand, wie es schien. Langsam öffnete er seine Augen und schaute uns nach einander an. Ich sah wie seine Gedanken zurück kehrten und er sich anscheinend ein Bild von uns machte. Ein leichtes Lächeln huschte über meine Lippen, doch ließ ich es nicht stehen, sonder musterte ihn besorgt. Was er wohl durchgemacht haben musste...?
   "Wo bin ich?", fragte er uns schwach. Seine Stimme klang sehr kratzig, als hätte er viel geschrien. Ich sah auch, dass es ihn leicht schmerzte, denn er griff vorsichtig an seinen Hals.
   Ich war heil froh, dass er sich meldete. Aber er war sehr schwach. Vorsichtig antwortete ich ihm.
   „Ihr seid auf dem Anwesen der Lehnsherr’s. Ruht euch aus. Ihr seid sehr erschöpft.“, sprach ich also behutsam zu ihm. Und schon fielen seine Augenlider zu. Ich musste doch etwas lächeln. Er schien kein übler Typ zu sein, der Böses wollte. Er war noch so jung und schien ein reines Herz zu haben. Auch wenn wir ihn nicht kannten, so erkannte ich solche Dinge immer auf Anhieb. Wie auch bei unserem Herrn. Er hatte eine sehr dicke raue Schale, aber tief im Innern war er ein sehr gutherziger Mann.
   „Shhh~“, kam es dann von Anna, die noch immer sanft seine Stirn betupfte. Doch nach und nach zogen wir uns dann auch zurück. Ich wies Anna an, alle Stunde nach ihm zu sehen. Aber er schien kein Fieber zu haben, was uns doch sehr erleichterte. Er war nur unsagbar erschöpft.

~

In Gedanken - Erik Magnus Lehnsherr

   Ich hatte einen Blick auf den Fremden geworfen, der auf unserem Anwesen im Dreck gelegen hatte, als sie ihn reinbrachten. Auch wenn er verdreckt gewesen war, so schien er mir nicht den Eindruck zu machen, dass er wie die anderen Landstreicher war, die hier Zuflucht suchten. Sie aber nicht bekamen. Er schien mir gepflegt, wenn auch etwas hager. Ich ließ ihn also gewähren und zog mich dann wieder zurück. Unglaublich was in solchen Nächten immer passierte. Nie hatte man hier seine Ruhe. Kaum war ich oben angekommen, hörte ich auch schon die ersten Gerüchte, die sich das schwatzhafte Personal über den Fremden zusammenreimten. Ich verdrehte genervt die Augen und verschwand in meinem Zimmer. Sollen sie doch tratschen, solange ich es nicht mit anhören musste. Ich hatte die Nase gestrichen voll von Weibergequatsche. Jahre lang musste ich mir von diversen Gesellschaftsdienern anhören, dass ich alt genug wäre mir eine Braut zu suchen. Doch ich hatte kein Interesse daran. Ich wollte ganz einfach niemanden um mich haben, der nur des Geldes wegen bei mir war. Dieses falsche Getue hatte ich immer gehasst. Mein Vater meinte immer zu mir, dass die Gefühle von selbst kommen würden, auch wenn man ohne heiratete. Doch das kam bei mir nicht in Frage. Und bisher hatte ich auch keine gefunden die meinen Wünschen entsprach. Jede war so künstlich wie die andere. Die mir Honig um den Bart schmierte, nur damit sie in eine gesellschaftlich hohe Familie, wie die meine einheiraten konnte. Nein danke. Daher zog ich es vor alleine zu bleiben. Auch wenn ich Tag täglich weitere Einladungen zu irgendwelchen Abenden bekam. Meistens tauchte ich auf keiner auf. Nur auf denen die ich selbst gab.
Daher hatte ich eindeutig genug von dem Geschwafel. Sei es nun von den Dienstboten oder von anderen. Weshalb ich mich den Rest des Abends in mein Zimmer verzog.
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