Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

♥♥♥Die größte Pairing-Oneshot-Sammlung aller Zeiten♥♥♥ Eine MMFF mal ganz anders...

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ash Ketchum Drew Gary Eich Lucia Maike N
01.09.2012
27.08.2014
19
93.744
1
Alle Kapitel
122 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.09.2012 5.692
 
Shipping: Ikari

Rating: P12

Anm.: Wenn ihr es mir ausdrücklich sagt, ändere ich die Namen ins Deutsche gerne. Wenn ihr mir nichts sagt, verwende ich die Namen, die ich eben auch sonst immer verwende in meinen eigenen FFs. Wundert euch also nicht, dass es hier mal deutsch ist xD!















A cold Beauty and the coldest Beast“



Das war es. Das war endlich das Ende. Da steh ich hier und sehe vor mir ein tobendes Publikum, in all seinen Facetten. Wie sie stehen und applaudieren, wie sie mich von ihren erhöhten Tribünen anlächeln und bejubeln…und wie sie mich alle feiern.

Noch einmal machte ich einen Knicks und verbeugte mich vor der mitreißenden Menge. Haspiror, das sich ebenfalls im Applaus sonnte, beugte sich mit mir hinunter und imitierte meine Bewegungen. Ich war so stolz auf es!

Ich richtete meinen Oberkörper auf und sah ungewollt auf einen der großen Bildschirme. Ich sah mich selbst: Ein junges Mädchen mit langen, blauen Haaren und einem weißen, schlichten Kleid, wie aus Eis. Selbst in der Kamera glitzerte mein Diadem, welches ich auf dem Kopf trug und mein elegantes Erscheinungsbild unterstrich. Das Kühle des Eisprinzessin-Outfits unterstrich meine Darbietung des Wettbewerbs: Ein Sieg aus Eis!

Ich verdankte es Haspiror, dass wir gewonnen haben. Es hat so fleißig mit mir trainiert und so hart dafür gekämpft. Es wäre wirklich maßlos untertrieben von mir, wenn ich gesagt hätte, dass wir nur knapp gewonnen hätten. Denn das haben wir nicht. Wir haben sogar ziemlich einfach gewonnen im Verhältnis zu unseren anderen Kämpfen. Damit war der jährliche und einmalige Wettbewerb in Blizzach beendet.

Ich habe gesiegt.

Und das bedeutet, dass ich es heute tun werde.

Ich habe es mir versprochen.

Sachte und darauf bedacht elegant zu wirken, ging ich auf das Podest zu und stellte mich mit Hilfe der Moderatorin darauf. Dann pustete Konfetti von unten auf mich mit Bläsern und mir wurde das einzigartige Band von Blizzach überreicht. Es strahlte in einem kühlen Blau und funkelte in seiner Einzigartigkeit. Ich war sofort drauf fokussiert und vergaß für einen Moment die jubelnde Menge vor und hinter mir. Die offene Arena aus Eis machte es einem nicht gerade leicht seelenruhig da zu stehen. Vor allem, weil mir wahnsinnig kalt war in diesem hauchdünnen, zarten Kleid. Aber was tut man nicht alles für die Schönheit? Erst recht, wenn deine eigene Schwester das Kleid für dich handgenäht hat…

Nach einer ganzen Weile, in der ich in die Kamera lächeln und winken musste und noch ein paar Statements den Reportern abgeben musste, konnte ich mich endlich zurückziehen, während die Arena sich sehr langsam leerte. Ich presste mich durch die vollen Gänge hindurch, in denen das Personal auf und ab lief und versuchte zum Ausgang zu kommen. Haspiror hatte ich schon längst in seinen Ball zurückgeholt, da ich fand, dass zu viel Trubel und Aufregung nicht gut für es war.

Endlich kam ich an der Garderobe an, die völlig leer war. Es ist ja auch kein Wunder. Ich war die letzte Kandidatin gewesen und mein Rivale und der gleichzeitige andere Finalist war ein junger Mann gewesen. Ich lehnte mich noch kurz an die ebenfalls kühle Wand der Garderobe und atmete tief ein uns aus. Dabei sah ich meinen eigenen Atem als Rauch, der von der eisigen Kälte kam.

Ich schaffe das. Ich musste es nun schaffen. Ich habe es mir selbst versprochen. Heute werde ich Paul meine Liebe gestehen.

Mein treuer Begleiter und mein pessimistischer Freund. Normaler Freund versteht sich. Obwohl das Finale doch so banal einfach zu gewinnen war, hätte ich niemals erwartet, dass ich aus diesem Contest als Siegerin rausgehen würde. Deshalb habe ich mir wahrscheinlich auch dieses Versprechen gegeben…irgendwie bereue ich es jetzt schon. Was er wohl sagen wird? Nein, Lucia! Sei zuversichtlich! Er hat dich schon vor zwei Jahren gefragt, ob du mit ihm reisen willst. Wieso hätte er das getan haben sollen, wenn er rein gar nichts für dich empfindet? Außerdem seid ihr euch in letzter Zeit immer näher gekommen…du schaffst das! Er mag vielleicht ein herzloser, kalter Idiot sein, aber du bist anders und kannst ihm zeigen, dass es sich lohnt zu lieben! Und genau das werde ich jetzt tun! Genau! Auf geht´s!

Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel verriet mir, dass alles in Ordnung war. In diesem schneeweißen Kleid wirkte mein Teint noch weißer, so eisig wie eine Eisprinzessin und meine blauen, sanften Haare unterstrichen das Bild meiner so wirkenden ewigen Jugend. Mein kleines Diadem auf dem Kopf glänzte immer noch in all seinen blauen und weißen Steinen und ich richtete ein letztes Mal mein Kleid, bevor ich rausging. Ich zog mich nicht um, ich fand mein Outfit immer noch passend. Und was noch passender war, war mein Geschenk für ihn! Das Band von Blizzach!

Ein Zeichen meiner Liebe! Am besten du erzählst es ihm nicht in diesem Wortlaut, Lucia…wahrscheinlich wird er sich wieder schein übergeben müssen…

Ich ging in die VIP Lounge, wo ich schon sofort von einigen Berühmtheiten angesprochen und in ein Gespräch verwickelt wurde. Diese Leute interessierten mich wirklich nicht, aber als Siegerin dieses einzigartigen Wettbewerbs musste ich nun da durch. Die Leute gratulierten mir und ich sah einige bekannte Gesichter vor mir. Aber das musste enden. Ich ließ die Leute zum Teil verdattert stehen und suchte nach einem mir bekannten Gesicht. Er ist so grimmig, den kann man eigentlich gar nicht übersehen…Oh, da!

Einige Leute gingen an die Bar, der schön dekorierten Lounge und machten den Platz frei für meinen eisigen Prinzen. Nein…er hatte keinen anderen Ausdruck auf dem Gesicht. Wie sonst auch immer nicht. Aber so war er nun einmal und so wollte ich ihn für immer haben. Meinen grimmigen Paul!

„Hey, Paul!“ rief ich ihm zu und lief in meinen weißen Pumps, die fast schon Cinderellas Schuhen ähnelten, vorsichtig zu ihm. Ohne ihn zu warnen, lief ich auf ihn los und umarmte ihn lieb, wenn auch nicht etwas stürmisch. Den Leuten schien das nicht groß aufzufallen, da die meisten anderen Sachen wieder hinterherhingen und die angebliche VIP Lounge für doch mehr Leute zugänglich war, als es zu Beginn der privaten Party schien. Ich hatte Paul wohl wieder völlig überrumpelt, denn ich hörte nur ein zischendes „Lucia“. Den passenden Gesichtsausdruck musste ich wirklich nicht mit Augen sehen, um ihn bildlich vor meinem inneren Auge zu haben. Aber entgegen aller Gesetzmäßigkeiten Pauls Natur legte er wirklich die Arme um meinen schlanken Körper und schien mich beinahe so etwas wie an sich zu drücken und meine Umarmung zu erwidern. Diese kleine Berührung war für die meisten Menschen wohl normal und als lächerlich zu betrachten, dass man sich darüber freute, aber für mich war es nun einmal etwas Besonderes. Immerhin wusste ich ja, dass Paul es allgemein nicht mit viel Körperkontakt zu tun haben schien.

„Ich hab gewonnen.“ Flüsterte ich ihm ins Ohr. In der Lounge war ein schönes Ambiente, trotz vieler Menschen. Da die meisten etwas im Pokégeschäft zu sagen haben und die meisten anderen selber berühmte Koordinatoren und Teilnehmer waren, war es eine etwas…nun ja…sagen wir vornehmere Gesellschaft.

„Ich weiß…“ antwortete er mir zwar nicht flüsternd, aber dennoch ruhiger und leiser. Ich hatte wirklich nicht so etwas wie „Herzlichen Glückwunsch“ oder „Oh Lucia! Ich bin so stolz auf dich!“ erwartet. Das wäre wohl selbstverständlich gewesen, aber ich hatte ein paar Macken nun einmal an ihm akzeptiert. Es kränkte mich auch nicht mehr. Für Paul war es eher eine Selbstverständlichkeit, dass ich gewann. Nicht weil es in Realität selbstverständlich war, sondern weil ich schlicht und ergreifend gewinnen sollte. Leider gehört Paul immer noch zu den Menschen, die sich ab und zu mal gerne über Stärke und Siege charakterisieren. Auch wenn ich ihn wirklich verändert habe. Meine Gesellschaft tut ihm gut!  Hoffe ich zumindest…

„Können wir vielleicht raus gehen? Ehm…es gibt da etwas Wichtiges was ich dir sagen muss…“ sagte ich und endlich traute ich mich ihn darauf anzusprechen. Ich spürte, wie sich meine Wangen färbten und mein Kinn automatisch sank. Er war eh schon größer als ich, ich sollte mich eigentlich nicht kleiner machen, aber irgendwie wusste ich auch, dass diese „schüchterne Mädchen“-Position es bei jedem Mann brachte. Und bei Paul war man auf der sicheren Seite, wenn man ein paar Argumente mehr zum Diskutieren hatte.

„Wenn es sein muss.“ Antwortete er so wortkarg wie immer und ich hätte wirklich nichts Besseres erhofft. Hoffentlich ging seine Laune einigermaßen. Ich hatte nach den zwei Jahren und den Jahren davor, wo wir noch nicht zusammen gereist sind, zwar gelernt seine spezifischen Launen zu ertragen, aber manchmal kostete es einen seine gesamte Kraft. So gingen wir also langsam Richtung Hinterausgang damit uns vorne die Paparazzi nicht störten. Es war umso besser für mich, da hinten meist nur wenige Leute waren.

Oha, Lucia! Jetzt wird es wirklich ernst.

Wir traten aus und waren an einer Art kleinen Garten. Es war sogar ein Brunnen da, der aber vollständig zugefroren war. Schade eigentlich. Zu meinem Glück war wirklich keine Menschenseele zu sehen. Naja…wer ist denn auch bitte wirklich so bescheuert und geht bei der Kälte raus?

Ich räusperte mich und Paul drehte sein Gesicht in meine Richtung und schenkte mir seine Aufmerksamkeit.

Ich bin so bescheuert…

„Was?“ fragte er.

Hab ich das gerade laut gesagt? Paul sah mich nur komisch an, aber dann verstand ich langsam. Er wollte wissen, was ich wollte.

„Also, Paul. Ich muss dir etwas ganz Wichtiges sagen.“ Begann ich meine Ansprache und versuchte nun all meine Emotionen und Gefühle in diese Rede zu legen. Immerhin war ich drauf und dran eine Liebeserklärung zu machen.

Meine Erste übrigens! Und hoffentlich auch meine Letzte…

„Ja, das hattest du schon erwähnt. Ich weiß. Mach es nicht spannend. Also?“ fragte er betont gelangweilt und signalisierte mir nonverbal, dass ihm kalt war. Ich war dann doch etwas vor den Kopf gestoßen, dass er gleich so grob drauf war, aber hey, er wusste ja noch nichts von seinem Glück.

„Also, Paul…“ begann ich wieder und erinnerte mich an die Worte, die ich so viele Male mental im Kopf abgespult hatte, immer und immer wieder. Nur um mich für diesen einen besonderen Moment zu wappnen.

„Wie du weißt, reisen wir jetzt seit ungefähr zwei Jahren. In den zwei Jahren ist mir sehr viel bewusst geworden. Weißt du…ich hätte niemals gedacht, dass diese Reise mal etwas Ernstes werden könnte, aber dennoch ist es passiert. Während der Zeit, in der wie trainiert haben, du Arenakämpfe bestritten hast, ich an Wettbewerben teilgenommen habe, ist mir einiges bewusst geworden. Das zwischen uns…also…ich finde unsere freundschaftliche Beziehung hat sich verändert. Also ich meine…spürst du nicht auch, dass da mehr ist? Während des Trainierens ist mir so viel Wunderbares bewusst geworden, dass Menschen sich ändern können und dass Menschen auch Macken von anderen akzeptieren, ja gar lieben können. Und was ich eigentlich versuche zu sagen…“

Er sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

„Ich liebe dich!“

Stille.

Bei diesem einen letzten Satz hatte ich meine Augen geschlossen. Ich spürte wie mir trotz der Kälte das Blut in meine Wangen schoss und sie rot färbte. Ich wartete. Sekunden verstricken und ich wartete auf eine Antwort. Aber es kam nichts. Würde jetzt der berühmte Kuss kommen? Oder war er noch zu geschockt?

„Wie bitte?“

Ich hörte seine Stimme, aber sein Ton war mir nicht geheuer. Er klang…wütend? Ich öffnete die Augen und sah ihn mit einem großen Blick an. Seine Konturen waren vor Wut verzogen und er sah mich ernst an.

„I-ich…liebe…dich?“ wiederholte ich leise und ich ertappte mich dabei, wie ich die Aussage beinahe fragte.

„Du liebst mich? Lu-Lucia!“ sagte er empört und wütend und ging weg.

„Ich kann das nicht!“ sagte er.

Und dann hörte ich, wie seine Schritte auf dem Schnee knirschten und die Tür hinter mir zu gedonnert wurde.

Das war es.

Einfach so.

Er ist weg.

Er erwidert meine Liebe nicht.

Er liebt mich nicht.

Langsam spürte ich wie meine Beine nachgaben und ich mit den Knien vorwärts in den Schnee fiel. Das war es. Er liebt mich nicht. So einfach. Hart, erbarmungslos, ehrlich: Er liebt mich nicht.

Ich spürte wie mir dickflüssige, heiße Tränen über die Wangen liefen. Er liebt mich nicht. So einfach ist das Leben. Nicht jede Liebe muss erwidert werden. Er liebt mich nicht.

Ich spürte wie mein Gesicht gänzlich erfror und die Kälte bis tief in mein Mark reichte. Ich stand auf und ging. Ich lief. Ich rannte. Einfach weg. Irgendwohin wo ich allein sein konnte. Irgendwohin wo ich sterben konnte.

Was macht das Leben für einen Sinn, wenn das eigene Herz erfroren ist? Wie aus tiefstem Eis und grausiger Kälte hielten die Splitter des Gefrorenen mein Inneres und meine Seele.

Er liebt mich nicht.

So einfach ist das.

Der Schneesturm draußen wehte weiter. Es war mir nicht entgangen, dass es Minute zu Minute immer schlimmer wurde. Aber was spielte das denn noch für eine Rolle. Vielleicht bin ich zu jung und zu dumm…aber was macht das Leben für einen Sinn, wenn die eine große Liebe deine Liebe nicht erwidert?

Ich lief weiter und rutschte aus. Noch immer hatte ich die weißen, kristallen Pumps an, die definitiv nicht für einen Winterspaziergang geschaffen waren. Ich rutschte immer wieder auf der undefinierten Sohle aus und fiel. Aber das interessierte mich nicht. Ich raffte mich immer wieder auf und lief stur weiter. Entgegen des eisigen Windes. Entgegen der eisigen Kälte. Entgegen meiner eisigen Liebe.

Wie kann man eigentlich jemanden lieben, der so gefühlskalt und emotionslos ist? Kann man echt jemanden lieben, der einem selber keine Wärme spenden kann? Lohnt es sich diesen jemanden zu lieben, wenn man keine Liebe zurück bekommt?

Ja. Das sagt zumindest mein Herz. Denn es ist dumm genug in Tausend Stücke zu zerbrechen, anstatt stark zu bleiben und für mich da zu sein.

Es schneite und der Schnee, der auf Haar und Gesicht und Kleid fiel, hüllte mich im Endeffekt in einen Mantel aus Wasser. Ich war nicht mehr durchgefroren. Ich war Eis. Der Schnee, der sich in Wasser wandelte, haftete auf mir, nur um wieder zu gefrieren und mich zu einer wahrhaftigen Eisprinzessin zu machen. Mein Kleid leuchtete in dem hellen Schnee, meine Haare verblassten, mein Gesicht wurde noch bleicher. Und das Leben schien immer weiter von mir fort zu gehen.

Ich wusste nicht wie lange ich gelaufen war. Mein Atem ging flach, mir brannten die Lungen und ich hatte das Gefühl, dank der Kälte, keine Luft mehr einatmen zu können. Meinen Körper konnte ich fast gänzlich nicht mehr spüren. Körper und Geist waren betäubt und ich ging wie eine Marionette weiter.

Was war da? Ein schwarzes Loch? Ein Eingang? Das Ende?

Ich ging weiter, ohne es zu verstehen.

***

Was hatte sie gesagt? Wieso hatte sie es gesagt? Sie liebte mich? Wieso…wieso…ich meine wie konnte sie? Wie kann sie bloß…?

„Verdammt!“ schrie ich in den weiten, dunklen Himmel hinauf und spürte wie mir dicker Schnee ins Gesicht fiel. Ich bin so wütend. Wie kann sie mich lieben? Mich? Der, der so herzlos ist und nicht lieben kann? Ich kann nicht lieben und ich dachte, das hätte sie in den Jahren gelernt. Ich wusste, dass sie in unsere Reise zu viel hineininterpretieren würde.

Ich setzte mich auf die kalte, mit schneebedeckte Bank und wartete. Irgendwann würde sie schon zu sich kommen. Dann würde sie sich bei mir entschuldigen. Sagen, dass das alles ein großes Missverständnis war und sie nur emotional geladen war aufgrund ihres Sieges. Es würde schon klappen. Sie konnte mich nicht lieben. Ich bin nicht fähig zu lieben und sie ist so emotional auf vielen verschiedenen Ebenen. Außerdem habe ich ein so glückliches Mädchen sowieso nicht verdient. Sie braucht jemand optimistischeres und jemanden, der sie glücklich machen kann. Und das bin ganz bestimmt nicht ich.

Ich wartete lange.

Und bald vergingen zwei Stunden.

Meine Glieder waren zu Tode gefroren und ich hatte mich seitdem nicht mehr bewegt. Nur gewartet. Gewartet, dass sie wieder kommt. Aber das tat sie nicht. Verdammt! Wo ist sie? Wo bleibt sie denn? Ich dachte sie wäre nur kurz rausgegangen, bzw. draußen geblieben, um sich im Klaren zu sein. Ich wollte reingehen, denn ich hatte schon körperlich Schmerzen aufgrund der Kälte. Sie war bestimmt irgendwo sicher. Das musste sie! Keiner würde in dieser Kälte da draußen überleben können.

„Mein Sohn.“

Ich blieb stehen und mir gefroren die Adern bis aufs Äußerste. Gerade wollte ich zurück zum Eingang. Aber eine alte, standhafte Frau stand vor mir und versperrte mir den Weg. Sie sah äußerst gruselig aus in ihrem Mantel und ihr eleganter Hut verbarg gänzlich ihr Gesicht. Auf einmal schien sie doch nicht mehr so alt, wie ich dachte. Vielleicht lag es an dem gespannten Stück Haut, dass ich von ihrem Gesicht und von ihrem Hals sah?

„Ich bin nicht ihr Sohn. Und nun lassen Sie mich bitte durch.“ Ich versuchte meinen anständigsten Ton hinzubekommen, immerhin war sie eine ältere Dame. Aber dennoch sollte sie mich lassen. Sie war mir nicht geheuer.

„Du solltest hinter ihr hergehen.“ Sagte sie in einem noch gruseligeren Ton. Was hatte diese Frau bloß?

„Wem soll ich hintergehen?“ fragte ich sie und beäugte sie kritisch. Sie war eine ältere Dame, die für diese Jahreszeit viel zu elegant gekleidet schien. Dabei versteckte ihr Hut ihr Gesicht immer noch und sie machte keine Anstalten diesen zu entfernen.

„Deine Freundin. Du wirst sie vermissen, wenn sie nicht mehr da sein wird. Geh und such sie.“

Ich sah sie mit großen Augen an und sah ihr hinterher, als sie einfach davon ging, mitten ins Nirgendwo nach draußen. Ich befand, dass sie bescheuert war und ging weiter Richtung des Eingangs. Gerade als ich die Tür öffnen wollte…

„Ach ja, übrigens. Sie hat keine Pokébälle dabei. Geh und such nach ihnen. Vielleicht glaubst du mir dann?!“ hörte ich körperlos aus dem Nirgendwo. Danach hörte ich ein herzhaftes Lachen. Ein Lachen bei dem mir wieder alles erfror, was es an Innereien in meinem Körper gab.

Sie hat keine Bälle dabei? Nein! Moment! Das…das ist unmöglich. Die Alte spinnt doch…und woher will sie das wissen überhaupt? Ich ging rein und spürte endlich mal wieder Wärme um mich herum. Ich ging auf und ab und erst jetzt bemerkte ich, wie stickig die Luft hier drin war. Aber bei so vielen Gästen konnte man wohl nichts machen. Denn keiner wollte wirklich vor die Tür oder die Fenster weit aufreißen. Ich wärmte mich an der Heizung und ging weiter. Komische alte Frau. Was wollte die Alte von mir? Und was sollte das mit den Pokébällen. Ich ging zum Punschfass uns bediente mich eines Glases.

Aber ihre Worte gingen mir dennoch nicht aus dem Kopf.

Sie hat keine Bälle dabei. Geh und such sie. Vielleicht glaubst du mir dann.

Ich wusste ehrlich nicht wieso ich das tat, aber ich ging zur Garderobe. Es konnte ja nicht schaden meiner Intelligenz einen Gefallen zu tun und mir selbst auch mal wieder was zu beweisen. Pff…als ob Lucia ihre Pokébälle nicht mitnehmen würde…

Und tatsächlich fand ich Lucias Tasche noch vor. All ihr Equipment, ihre Kleidung und Habseligkeiten waren hier. Was ja wirklich nichts Außergewöhnliches war, da sie nun einmal noch auf der Party ist…war…

Ich beäugte die Tasche kritisch und öffnete ihren Rucksack.

Ich ließ das Glas aus der Hand fallen.

Der Punsch ergoss sich in alle Richtungen und die Scherben verteilten sich auf den gesamten Fußboden.

Sechs Bälle. Ich fand sechs weiß-rote identische Bälle vor. Lucias Bälle. Ihre Pokémon.

Ich lief. Ich lief, so schnell ich konnte, los. Und zwar an die Rezeption des normalen Pokémon-Centers, in dem Lucia und ich übernachten würden.

„Schwester Joy!?“ schrie ich schon fast und die Schwester, die hinter der Rezeption saß, erschrak heftig und drehte sich mit ängstlichem Blick zu mir.

„J-ja?“ antwortete sie zittrig.

„War Lucia schon nach der Party hier? Ich meine: Ist sie schon hier gewesen?“ Sie sah mich verdattert an und verstand nicht. „Lucia! Die Siegerin des Blizzach Wettbewerbs! Die diesjährige Eisprinzessin!“ schrie ich sie an. Schwester Joy schien ein Licht aufzugehen und sie formte mit den Lippen ein „oh“.

„Ach, die Lucia! Sag das doch gleich! Nein, tut mir Leid, seitdem die Party im Gange ist, war eh keiner mehr hier. Es tut mir leid!“ antwortete sie mir und schenkte mir ein bedauerndes Lächeln. Das war es. Ich lief. Und rannte. So schnell ich konnte. Einfach drauf los. Ich muss sie finden! Sie ist irgendwo da draußen und braucht mich!

Was habe ich getan?

***

Mein Körper schmerzte nicht mehr. Es tat auch nicht mehr weh. Alles war taub. Mittlerweile mussten Stunden vergangen sein, aber meine innere Uhr war leider eingefroren. Wie alles an mir. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass meine Finger langsam schwarz wurden. Da geht sie hin der schöne weiße Schwan. Wandelt sich in ein schwarzes Wesen aus purer Gleichgültigkeit. Verloren im ewigen Dunkel. Ich schloss meine Augen wieder. Ich spürte nichts mehr.

***

Als ich das nächste Mal aufwachte, spürte ich irgendwas. Irgendetwas. Ich konnte etwas spüren?

„Lucia!“

Hat da jemand meinen Namen gerufen?

„Lucia!“

Da! Schon wieder!

„Lucia, wach auf!“

Ich wünschte ich könnte meine Augen öffnen, um die Person zu sehen. Dann änderte sich irgendwas. Ich spürte grundlegend immer noch nichts, aber die Luftverhältnisse schienen sich zu wandeln. Auf einmal wurde es kälter und die Luft dünner. Was war los?

„Ein Glück bist du vor einer Höhle umgekippt.“

Paul? Bildete ich mir das ein? War das wirklich er? Wahrscheinlich war es nur ein Traum…

„Lucia!!“

Das war Paul. Langsam versuchte ich meine gefrorenen Augenlieder zu öffnen, aber es gelang mir nicht ganz. Dann spürte ich einen stechenden Schmerz auf beiden Seiten meiner Wangen und spürte wie mir das Blut in sie zurückfloss. Aua! Das hat wehgetan!

„P-…“

Ich wollte sprechen, aber meine Lippen waren so kalt, meine Zunge steif und mein Gesicht so taub. Verdammt, alles war so leblos und taub!

„Du lebst!“ hörte ich ihn erleichtert, fast schon aus tiefstem Herzen aufseufzen. Danach spürte ich wieder ein stechendes Schmerzen. „P-Paul?“ ich versuchte das Plosiv zu Beginn seines Namens zu bilden. Einigermaßen gelang es mir, aber dennoch schienen auch meine Stimmbänder nicht mehr schwingen zu können. „Ich verstehe schon. Und jetzt sei still!“ hörte ich nur. Danach realisierte ich erst, warum sich die Luftverhältnisse verändert haben. Er musste mich tragen, und auf der höhergelegenen Position war die Luft noch dünner. Es war unverständlich, aber vor meinen inneren Augenlidern wurde es noch dunkler. Wo bin ich jetzt?

Ich spürte etwas Eigenartiges auf dem Rücken. Wahrscheinlich hatte er mich hingelegt. „Verdammt, jetzt müssen wir dich erst einmal wieder aufwärmen.“ Hörte ich ihn nuscheln und endlich schaffte ich es ein Augenlid zur Hälfte aufzubekommen. Ich sah Pauls Silhouette, wie er irgendetwas machte. Gut erkennen konnte ich es nicht. Aber zum Teil spüren. Denn er legte irgendetwas um meinen Körper.

„Halt jetzt bloß still! Ich wärme dich jetzt. Hier meine Jacke.“ Sagte er und er schlang seine Jacke um mich und hielt mich fest. Er drückte meinen Kopf an seine Brust und etliche Minuten vergingen in denen wir nichts mehr sagten. Ich wollte vieles sagen. Ich wollte ihn fragen, was das alles solle. Warum er mich gesucht hat und wie er überhaupt hier her gefunden hatte. Aber meine Stimmbänder und Sprechorgane erlaubten es nicht. So verging die Zeit. In Eiseskälte und Stille. Was für eine passende Kombination…

Nur das Heulen des Windes war zu hören und selbstverständlich immer noch der Sturm, der dort draußen wehte. Ich weiß nicht wie viele Stunden vergingen währenddessen, aber ich schätzte auf ungefähr zwei Stunden, in denen wir nur den Glitzer draußen beobachteten, der durch den flockigen Schnee entstand. Irgendwie verging die Zeit so langsam, aber gleichzeitig so schnell. In jeder Sekunde bekam ich wieder ein Stückchen Leben und allmählich spürte ich elementare Körperteile wieder. Nennen wir es einfach mal: Alles! Gesicht, Beine, Hände und der Rest. Die Taubheit verschwand, aber dafür kam ein schreckliches Brennen. Aja, ich glaub Professor Esche war es damals, die mir erklärt hatte, dass auch Eis genau denselben Effekt wie Feuer haben konnte. Ich hoffe ich habe nicht lauter Brandwunden am Körper. Es ist ein Wunder, dass ich meine Finger noch spüren kann. Die Schwärze ist fast vollständig zurückgegangen. Oh Arceus! Meine Finger hätten absterben können!

„Geht es dir besser?“

Ich erstarrte und versuchte einmal meine blöden Gedanken beiseite zu schieben. Nach all der Zeit der Stille kamen seine Worte überraschend. Ich schaute weiter nach draußen und versuchte wieder zu reden.

„J…“ fing ich an und räusperte mich, um meine Stimme wieder zu erlangen. „J-ja. Ich denke schon.“ Antwortete ich, wenn auch am Anfang etwas holprig. Aber ich denke es geht wieder. „Gut…“ antwortete er wieder und verstummte. Wieder hielt er mich zehn Minuten lang einfach so fest. Ich wusste, dass das kein Dauerzustand bleiben konnte, da ich mich auch wieder besser fühlte, wenn nicht ganz etwas erschöpft noch. Ich versuchte mich zu bewegen und es klappte tatsächlich. Nach all der Zeit, in der ich mich nicht bewegt hatte, war es zu Beginn zwar schwierig, aber es klappte wieder. Aua! Meine Glieder waren gänzlich eingeschlafen! „Urgh…“ jammerte ich und stand auf. Paul sah mich mit entsetzten Augen an und stand selbst auf. Als ich auf den Beinen war, bemerkte ich erst wie die Höhle aussah. Eine einfache kleine Höhle, ohne Besonderheiten. Igitt! Und hier waren wir die ganze Zeit?

„Wieso stehst du auf? Du solltest noch sitzen, bzw. liegen bleiben!“ hörte ich ihn schimpfen, mit all seiner alten Manier.

„Ich gehe jetzt.“ Antwortete ich kühl und ich verdeckte mit einem gekonnten Kopfdreher mit meinem Pony meine Augen. Ich will ihm hiernach nicht mehr in die Augen sehen. Das alles hier ist mir schon peinlich genug.

„Spinnst du total?! Du setzt dich jetzt auf der Stelle hin!“ befahl er mir grimmig und böse, aber mir war es egal!

„Nein!“ antwortete ich trotzig, wie ein kleines Kind. Soll er mir doch den Buckel hinunterrutschen.

„Lucia!“ schimpfte er mich aus. Ich sah ihn nicht weiter an und schritt langsam und unsicher zum Ausgang hinaus, aber nicht ohne ihm seine Jacke in die Hände zu drücken. Danach war ich schon auf und davon.

„Lucia!“ hörte ich nur und spürte, wie er mich am Arm packte und mich kräftig rumdrehte.

„Aua!“ schrie ich und wurde auch schon wütend.

„Du bleibst!“ drohte er mir knurrend und er war zornig wie eh und je.

„Nein! Das tue ich nicht! Und kannst du nicht etwas feinfühliger sein!?“ fragte ich genauso zickig zurück. Wie du mir, so ich dir.

„Feinfühlig?“ Er sah mich mit einem empörten Blick an, einen den ich noch nie bei ihm gesehen hatte. Wahrscheinlich wusste er nicht, was er auf diese zweideutige Frage antworten sollte. „Ja! Feinfühlig! Ich frage mich, ob du jemals etwas freundlicher sein könntest. Aber wahrscheinlich nicht! Mister Ich-habe-in-jeder-Situation-kategorisch-eine-schlechte-Einstellung!“ schnauzte ich ihn an und ich wusste, dass es längst nicht mehr, um seinen groben Körperkontakt ging. Wir sahen uns zornig in die Augen und keiner sagte etwas für ein paar Sekunden.

„Du bist echt unmöglich…“ knurrte er und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wie bitte!“ schrie ich und legte zur Betonung meiner Wut meine Hände auf die Hüften.

„Ja! Du bist kindisch und unmöglich!“ sagte er und sah mich weiter mit seinem typischen Blick an. Dieser…dieser…

„Arrrghhh…! Paul! Du bist so…so…!“ Ich fand nicht die passenden Worte.

„Wenigstens bin ich nicht wie du!“ antwortete er ruhig und typisch Paul.

„Ach ja?! Und wie bin ich?! Nervig und verletzend!? So wie du?“ fragte ich und spürte den Kloß im Hals und die Tränen in den Augen.

„Nein, eher nervig im Sinne von zuvorkommend. Einem Jungen seine Liebe gestehen? Geht es noch?“ schnauzte er mich an und sah mir erbittert in die Augen. Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte und sah ihn mit großen Augen an.

„Ja, du hörst mich richtig! Seit wann gestehen Mädchen den Jungen zuerst ihre Liebe? Du scheinst ja eine ganz Moderne zu sein, was?“ Ich verstand nicht und sah ihn verdattert an. „Hör auf mich so anzugucken.“ Sagte er und auf einmal bemerkte ich so etwas wie eine leichte Röte in seinem Gesicht. „Also…mir ist klar geworden…ach, reden wir nicht drum herum. Lucia…ich liebe dich auch! Und jetzt regeln wir wieder alles auf meine Art und gehen! Ich übernehme die Führung! Bei dir verlaufen wir uns bestimmt wieder!“ sagte er schonungslos, nahm meine Hand und ging einfach weiter…    

Wir gingen raus aus der Kälte und ausnahmsweise war ich nicht wegen der Kälte betäubt. Hä? Was hat er gesagt? Ich blieb einfach stehen, weil ich nicht mehr weiter wusste. Paul sah mich verstört an und mit einem Blick, der mir sagte: ´Wie kannst du nur stehenbleiben? Bist du dumm?´ Aber das war man ja von Paul gewöhnt.

„W-wie jetzt?“ fragte ich verdattert. Ich sah ihn an und war sprachlos.

„Lucia. Lass uns bitte keine Show abziehen. Was gesagt werden musste, wurde gesagt und das war´s. Und jetzt gehen wir weiter.“ Sagte er geschäftsmäßig und ging ernsthaft weiter und zog mich an der Hand hinter sich mit.

„Du liebst mich!?“ kreischte ich verstört und verwundert. Er sah mich wieder, diesmal hochrot, an und sah beschämt weg.

„Aber…aber eben…also vorhin sagtest du doch, dass du mich nicht liebst!“ schilderte ich empört. Wenn es ging, wurde er noch röter und kniff die Augen weiter zusammen.

„Das habe ich niemals so gesagt.“ Antwortete er nuschelnd und ich dachte über seine Worte nach. Danach seufzte ich genervt auf, als mir seine Reaktion wieder in den Sinn kam. „Paul…“ knurrte ich ihn an und spürte meinen inneren Zorn aufkeimen. Danach sah er mich fragend an. „Wenn ich es also richtig verstanden habe, hast du mich schon die ganze Zeit geliebt?“ fragte ich mit geschlossenen Zähnen knirschend. Er jedoch sah mich nur weiterhin empört an und wusste nicht was er sagen sollte. „Bedeutet deine Wortkargheit hier in dem Sinne ein ´Ja´?“ fragte ich wieder und langsam konnte man meinem Tonfall raushören, dass ich wütend wurde.

„Hör mal zu, Lucia. Das was du da eben gesagt hast. Das hat mich ziemlich getroffen. Ich war total perplex und wusste bis vor kurz eben nicht, ob ich überhaupt im Stande bin zu lieben. Aber dann war da…diese alte Frau…und ich…also…mir ist bewusst geworden, dass ich diese Gefühle doch irgendwie erwidern kann. Ich weiß nicht, ob ich einen guten Freund abgeben kann und ob ich dir Liebe geben kann, aber ich weiß, dass ich dich nicht verlieren kann.“ Antwortete er ganz untypisch und schluckte hart.

„Du hast meine Frage nicht beantwortet!“ knurrte ich weiter. Er sah mich verdattert an und verstand nicht worauf ich hinauswollte.

„DU IDIOT HAST MICH DIE GANZE ZEIT GELIEBT!?“ schrie ich total wütend in die Eiszeit hinaus. Ich sah wie sein Kiefer lose runterhing und er noch einmal schluckte.

„Wegen dir Idiot also hab ich die ganze Zeit hier gefroren und hatte das Bedürfnis zu sterben!? Und das umsonst?! Paul…du…ARGH!“ schrie ich, packte ihn am Kragen und küsste ihn hart und fordernd auf den Mund. Er erstarrte und wusste nicht was er tun sollte. Aber nach ein paar Sekunden fing er sich, packte mit den Händen meine Oberarme und drückte mich weg.

„Wenn du willst, kann ich dich auch nicht mehr lieben und wieder gehen?“ fragte er und zog eine Augenbraue hoch. „Ich meine, dann hat sich das alles hier wenigstens gelohnt.“ Oh Arceus…wie werde ich den Rest unser Beziehung oder vielleicht sogar meines Lebens mit dieser sarkastischen Nudel auskommen? Das versuchte ich ihm mit einem genervten Blick zu signalisieren und anscheinend kam es an.

„Was kann ich denn bitte dafür, dass ich nicht weiß, wie ich empfinden soll!? Du hast mich total überrumpelt!“ schnauzte er und seine Augen glänzten schön. Auf einmal wirkten sie nicht mehr so zornig wie sonst, obwohl er die Augenbrauen zusammenzog.

„Du hättest darüber nachdenken können, bevor du mich hast einfach allein stehen lassen in der Kälte! Wegen dir wäre ich fast gestorben vor Kälte und Kummer!“ schnauzte ich mindestens genauso genervt zurück.

„Was kann ich dafür, dass du so ein Seidenfetzen anziehst? Und typisch Frau…immer am übertreiben…!“ sagte er genervt und schüttelte den Kopf, als ob ihm ein anderer Mann zuhören würde.

„Übertreiben! Weißt du wie viel Grad wir haben?! Das ist die kälteste Stadt Sinnohs! Du untertreibst! Für euch Männer ist ja alles so simpel! Und außerdem: Kälte hat denselben Effekt wie Feuer! Meine Haut trocknet völlig aus! Und daran bist nur du schuld!“

„Ich schuld!?“

„Ja! Wenn du jetzt ´ne Freundin mit trockener, schrumpeliger Haut haben wirst, bist ganz allein du schuld!“

Darauf antwortete er nichts mehr. Danach nahm er mein Gesicht in seine Hände und küsste mich. Ich war zu perplex, um zu verstehen, was er da wirklich tat. Und wie er mich geküsst hatte, löste er sich wieder. Immer dasselbe: Alles so überraschend.

„Komisch…für deine trockenen Körperpartikel sind deine Lippen, aber noch ziemlich weich! Ich sag ja: Frauen übertreiben maßlos!“ Und damit nahm er wieder meine Hand und ging weiter. Dass ich schon wieder fror, viel mir jetzt erst ein und gegen all meiner Erwartungen legte mir Paul wieder seine Jacke um meine Schultern. Er hat mich geküsst. Mich! Von sich aus, versteht sich!

Während er meine Hand hielt, befreite ich mit meiner anderen Hand das Band, dass ich nach dem Wettbewerb sofort an mein Kleid mit einer Stecknadel gesteckt hatte. Ich ließ kurz seine Hand los und befreite es von der Stecknadel. Danach drückte ich ihm schüchtern das Band in die Hand. Sein Gesichtsausdruck wirkte so verloren, aber dadurch auch so niedlich. Ich beließ es einfach dabei. Für heute hatten wir schon genug Drama.

„Eeehh…weißt du wo wir lang müssen?“ fragte ich dann doch und nahm wieder seine Hand und zog ihn in die Richtung weiter, in die der schon die ganze Zeit gegangen war. Irgendwie sah der ganze verschneite Weg so gleich aus. Er sah mich nach langem Stillschweigen an. Danach setzte er schon zu dem an, was wir am besten konnten. Streiten…

„Lucia, wenn du meinst, dass du den Weg besser wüsstest, kannst du ja gern vorausgehen und…“

Ich würde diesem kalten Biest definitiv eines Tages Feuer unterm Hintern machen…
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast