Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Rudel kann auch anders!

von Das Rudel
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
01.09.2012
30.09.2012
30
114.684
2
Alle Kapitel
304 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
01.09.2012 4.512
 
Also diese Reviewkekse liegen mir immer noch ein wenig schwer im Magen. Was Gutes für die Verdauung ist ja hier nicht zu kriegen. P12 wurde mir gesagt. Na ganz toll!
Ich bin übrigens unter Vorspiegelung völlig falscher Tatsachen hergelockt worden. Es hieß, ich dürfe eine nette Urlaubsreise nach Sibirien machen. Und, was ist? Nix ist! Fast alle Rudler, die sich gemeldet hatten, haben auch was abgegeben ...
Dafür häng ich jetzt hier rum.
Das kommt davon, wenn man das Kleingedruckte nicht liest ...
Hatte ich die verdammt trockene Luft schon erwähnt?
*prrrffffttttt*




Heute bekommt Ihr den ersten Teil von Glasschmetterlings (http://www.fanfiktion.de/u/Kuschelkueckchen) Crossover zu lesen. Harry Potter x Jane Austen. Viel Spaß damit!


~~~



Zusammenfassung: Hermione Granger ist verzweifelt auf der Suche nach einer Anstellung, die sie an Mr Snapes Institut findet, wo sie Mädchen unterrichten soll. Doch an ihrem Arbeitgeber und seiner Angestellten, Mrs McGonagall, ist etwas nicht so, wie es sein sollte, sie haben ihre Geheimnisse… und Hermione ist fest entschlossen, sie herauszufinden.
Fandom: Harry Potter Alternative Universe und Stolz und Vorurteil Alternative Universe.
Stolz und Vorurteil, Jane Austens bekanntester Roman. Die Welt der englischen Mittelklasse des beginnenden 19. Jahrhunderts, in der eine Heirat vielleicht die einzige respektable Beschäftigung für eine junge Frau ist, Sitten und Anstand alles bedeuten, und die größten Aufregung der Tee oder ein Dinner mit den Nachbarn sind, oder ein gelegentlicher Ball.
Miss Bennet und Miss Lydia, genauso wie Mr Wickham, stammen aus dieser Welt, genauso wie Hermione Granger als Muggel in diese Schicht hineingeboren wurde. Severus Snape hingegen ist ein Zauberer – ein Zauberer mit einer Mission.

Coming Out

A Harry Potter Regency


„Miss Granger, nehme ich an.“ Er dehnte jedes einzelne Wort, genauso, wie er sich langsam aus seinem Stuhl erhob, während das Dienstmädchen die junge Frau – selbst kaum mehr als ein Kind – in sein Büro führte.
Aus großen Augen sah sie sich um, ihre wilde Masse an Locken drohte dem Haarknoten in ihrem Nacken zu entkommen, und sein erster Gedanke war, dass so nicht die ideale Lehrerin für seine Schule aussah. Ihre Referenzen allerdings waren gut, und er brauchte jemanden für die Mädchen – Minerva konnte nicht alle Stunden übernehmen, die nicht von den externen Meistern für die Kunst oder den Tanz abgedeckt wurden.
Sie knickste, und er deutete auf den Stuhl vor seinem Tisch. „Setzen Sie sich.“
Langsam nahm sie auf der Kante Platz, der Rücken gerade, die Hände im Schoß verschränkt, und nur die Art, wie ihre Knöchel weiß hervortraten, verrieten ihr seine Nervosität. Ein weniger aufmerksamer Mann hätte die kleinen Zeichen nicht bemerkt, aber er hatte schon vor langer Zeit gelernt, seine Mitmenschen zu beobachten – und wenn man wusste, wonach man suchen musste, war Miss Granger ein offenes Buch.
Jung. Ängstlich. Verwirrt – wie oft passierte es schon, dass ein Mann ein Mädchenseminar leitete, selbst wenn Minerva den größten Teil der Arbeit übernahm?
Er warf einen kurzen Blick auf den Brief auf seinem Schreibtisch, bevor er Miss Granger wieder fixierte. „Sie wollen also Lehrerin werden.“
Natürlich sprach er das offensichtliche aus, aber trotzdem zuckte sie fast zusammen, bevor sie schließlich nickte. „Ja, Sir.“
„Haben Sie irgendwelche Referenzen?“
Sie nickte hastig und zog einen Brief aus ihrem Pompadour, den sie ihm über den Schreibtisch hinweg reichte. „Ich war zuvor bei Mrs Weatherly als Gesellschafterin angestellt.“
Er öffnete das bereits gebrochene Siegel und entfaltete das Papier, bevor er seinen Blick über die Zeilen wandern ließ, mit jedem Satz mehr bemüht, sein Amüsement zu verbergen. Der Brief stammte aus dem November 1814, war also nur wenige Wochen alt, und ganz offensichtlich hatte Mrs Weatherly etwas an Miss Granger auszusetzen gehabt, genauer gesagt ihren lebhaften Verstand.
Die junge Frau wusste, dass ihre ehemalige Arbeitgeberin ihr in ihrem Schreiben keine Rosen streute, so wie sie in ihrem Stuhl umherrutschte, und er lehnte sich zurück, betrachtete sie langsam. Niemand konnte ihr zu große Eleganz vorwerfen, ihre Haare waren eine Katastrophe und ihr Kleid schon seit einigen Jahren außer Mode, aber da war etwas in ihren Augen, das, trotz ihrer offensichtlichen Nervosität, von Neugier sprach – und genau diese Art von junger Frau war es, die er für seine Schule suchte.
„Abgesehen von der Tatsache, dass sie ganz offensichtlich nicht besonders geeignet sind, sinnlosen Smalltalk mit alten Damen zu betreiben – was haben Sie denn noch, das Sie empfehlen würde?“
Sein spöttischer Tonfall schien sie noch mehr einzuschüchtern, aber nach einem Moment fing sie sich und antwortete schließlich doch. „Ich beherrsche die üblichen Handarbeiten und Tänze, ich spreche und schreibe Französisch und Italienisch, spiele Klavier, und habe Kenntnisse der lateinischen und griechischen Sprache sowie der grundlegenden Arithmetik, zudem habe ich die Klassiker gelesen. Außerdem verfüge ich über solide Grundkenntnisse in der Biologie und der Geographie, und habe meinem Vater für einige Jahre den Haushalt geführt, bevor er... verstarb.“
Er nickte langsam – ihre Kenntnisse waren umfassender als die der meisten jungen Frauen, die er für die Position gehört hatte, und auch wenn ihre Manieren nicht die der feinen Welt waren... seine Schule war auch keine der feinen Welt. „Wann können Sie beginnen, Miss Granger?“
Sie zuckte zusammen, als er die Worte sagte, ganz offensichtlich bis zu diesen Moment überzeugt, dass er sie ablehnen würde.
„Sofort, Sir, wenn Ihnen das Recht wäre...“
Erneut nickte Severus Snape, bevor er nach dem Mädchen klingelte, um ihre Sachen auf ihr Zimmer bringen zu lassen.

Es klopfte an der Tür, gerade als Miss Hermione Granger ihre Reisekiste in ihrem Schrank verstaute, und nach einem Moment, den sie brauchte, um ihr Kleid wieder glattzustreichen und über ihre Haare zu fahren – eine eher sinnlose Geste – hastete sie zur Tür und öffnete.
„Sie müssen Miss Granger sein“, stellte die ältere Frau, die in der Tür stand und sie aus scharfen, grünen Augen musterte, fest. „Ich bin Mrs McGonagall, und ich leite das Mädchenseminar für Mr Snape. Habe Sie sich fertig eingerichtet?“
Hermione nickte.
„Dann folgen Sie mir doch in den Salon.“
Nur ein bisschen weniger nervös als vor ihrem Gespräch mit Mr Snape huschte sie hinter der älteren Frau her. Er hatte über ihre Einstellung entschieden, aber Mrs McGonagall war für ihren Verbleib verantwortlich, und sie vermittelte vom ersten Moment an den Eindruck einer strengen Frau, von ihrer Brille bis hin zu ihrem Haarknoten.
„Setzen Sie sich“, bat sie Hermione, nachdem sie den Salon erreicht hatten, und sie nahm auf einem der Stühle Platz, bevor die Leiterin des Seminars nach Tee klingelte.
„Ich denke nicht, dass Mr Snape Ihnen viel über unser Institut erzählt hat, also werde ich das nachholen. Wie Sie wissen, bilden wir Mädchen und Jungen aus, allerdings natürlich in verschiedenen Gebäuden und nach verschiedenen Curricula. Alles andere wäre natürlich völlig unangebracht. Während Mr Snape sich um die Jungen kümmert, bilde ich die jungen Damen aus, und genau dabei werden Sie mir helfen. Mr Snape sagte, Sie seien umfassend gebildet?“
Hermione nickte, doch mehr konnte sie auch gar nicht tun, so schnell sprach Mrs McGonagall weiter.
„Ausgezeichnet. Wie Sie sicherlich wissen, lernen Kinder genauso sehr am Vorbild wie aus ihren Büchern, und deswegen muss Ihr Benehmen ohne Fehl und Tadel sein. Ich hoffe, Ihnen ist klar, dass ich alles andere nicht akzeptieren oder tolerieren werde.“
„Natürlich, Ma'am.“ Hermione nahm sich die Warnung, wenn sie denn überhaupt eine Warnung sein sollte und keine Drohung, zu Herzen – sie hatte den größten Teil ihres Geldes für ihr letztes Zimmer in einem der schlechteren Gasthäuser von London ausgegeben, und bis sie ihren Lohn bekam, mussten die mageren Reste in ihrem Pompadour reichen.
Mrs McGonagall bedachte sie mit einem scharfen, prüfenden Blick, bevor sie nach dem mittlerweile gebrachten Teegeschirr griff und Hermione eine Tasse einschenkte. Mit Händen, die eine viel zu große Neigung zu zittern hatten, nahm sie sie entgegen und nippte daran, bevor Mrs McGongall schließlich weitersprach. „Ich werde Sie nach dem Dinner den Mädchen vorstellen. Danach werden Sie sich hier im Salon zu mir und den anderen Lehrerinnen gesellen und Ihre Pflichten für den morgigen Tag kennenlernen. Ein paar der jüngeren Mädchen benötigen Hilfe bei ihren Studien der Geschichte, das ist eine angemessene Aufgabe für Sie. Bis heute Abend gehört Ihre Zeit Ihnen. Zögern Sie nicht, nach Mrs Pomfrey, der Haushälterin, zu klingeln, wenn Sie etwas benötigen.“
Hermione spürte, dass sie entlassen war, nickte und floh fast aus der Gesellschaft der strengen Dame, obwohl ihr Tee noch fast unberührt war.

Die Mädchen kennenzulernen war nicht so schlimm gewesen wie befürchtet, auch wenn die Schmetterlinge in ihrem Bauch angestrengt mit den Flügeln geschlagen hatten. Aber unter Mrs McGonagalls wachsamen Augen wagte es niemand, sie auch nur zu unterbrechen, während sie sich vorstellte, und das schlimmste, das sie zu ertragen hatte, waren ein paar neugierige Blicke, vor allem von den älteren Mädchen. Mit ihren zweiundzwanzig Jahren war Hermione alt genug, um den jüngeren Kindern, nur neun oder zehn Jahre, Respekt einzuflößen. Die älteren aber, die nur noch in der Schule waren, um sich auf ihr Debüt vorzubereiten, oder weil ihre älteren Schwestern noch nicht verheiratet waren, musterten sie ein wenig skeptisch.
Obwohl ihr Empfang Hermione nicht gefiel, konnte sie sich nicht darüber wundern, schließlich stammten die meisten von ihnen sicherlich aus besserem Haus als sie, hatten feinere Kleider, hübscheren Schmuck... Hermione seufzte innerlich. Ein Teil von ihr wünschte sich, die Distanz zu wahren, nachdem sie schon so oft verspottet worden war, aber das war dumm und unsinnig. Sie war jetzt Lehrerin – sie durfte keine Angst vor ihren Schülerinnen haben!
Danach, im Salon, während sie Tee tranken, lernte sie auch die anderen Lehrerinnen kennen, drei junge Frauen wie sie, während Mrs McGonagall den Ablauf des nächsten Tages mit ihnen besprach. Hermione war noch immer erleichtert, mehr noch nach ihrer Erkenntnis vom Dinner, dass sie nur mit den jüngeren Mädchen arbeiten würde, und vor allem, dass sie Mr Snape nicht regelmäßig treffen würde – er hatte sie während ihres Gesprächs doch zu sehr eingeschüchtert.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug, während sie ihre ersten Unterrichtsstunden abhielt und begann, sich langsam an ihr neues Leben zu gewöhnen. Wo sie zuerst ihre Befürchtungen gehabt hatte, war sie nun sehr froh, dass sie Mrs Weatherly verlassen hatte. Obwohl Mrs McGonagall sehr streng war, schien sie sie doch zu mögen, und mit ihrer Arbeit mit den Kindern zufrieden zu sein – zu Hermiones unglaublicher Erleichterung. Sie konnte es sich einfach nicht leisten, diese Arbeit zu verlieren, nachdem ihr Vater gestorben war und niemand mehr für sie sorgte. Für Frauen waren die Möglichkeiten begrenzt, wie sie ihren Unterhalt verdienen konnten – viel mehr als Gesellschafterin, Gouvernante oder Lehrerin konnten sie nicht werden – und eine dieser drei Möglichkeiten hatte Hermione schon ohne durchschlagenden Erfolg hinter sich gebracht. Sie musste einfach hier bleiben!

„Was denkst du, Severus?“ Severus Snape, ehemaliger Schulleiter der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei, stellte seine Teetasse zurück auf den Untersetzer und seufzte. „Vielleicht sollte ich das besser dich fragen, Minerva.“
Wenn einer von ihnen bemerkte, wie unschicklich es für sie war, sich beim Vornamen zu nennen, dann zeigte es keiner von ihnen. „Immerhin siehst du mehr von Miss Granger als ich.“
Minerva nickte langsam. „Am Anfang war sie genauso verängstigt wie die kleinen Mädchen, die zu uns kommen, aber mittlerweile hat sie sich beruhigt und läuft nicht mehr wie auf rohen Eiern.“
„Und fachlich?“
Minerva lachte. „Du hast untertrieben, als du von ihren Qualifikationen gesprochen hast. Ich glaube, das Mädchen hat jedes Buch in England gelesen.“
„Ein Bücherwurm?“
Minerva nickte. „Ja, auch wenn ich glaube, dass es den Mädchen vielleicht nicht schadet, ein Vorbild zu haben, das mehr kann als Kreuzstich und Filigranarbeit.“
„Du meinst abgesehen von dir?“
Minerva schnaubte. „Den größten Teil meiner Fähigkeiten kann ich ihnen ja doch nicht zeigen – das Geheimhaltungsabkommen, du weißt schon... aber abgesehen davon – sehe ich aus, als ob ich junge Damen dazu inspirieren würde, meinem Vorbild nachzueifern?“
„Minerva, du weißt genau, dass es auf diese Frage keine richtige Antwort gibt, also werde ich mich hüten. Zwei alte Männer, die gerissener sind als du, haben zwanzig Jahre lang versucht, mich zu einem falschen Wort zu verführen, das mich getötet hätte. Wie du sehen kannst, hat es damals nicht funktioniert, also solltest du dir auch keine Hoffnungen machen.“
„Wahrscheinlich.“ Sie grinste, bevor sie sich wieder ihrer Teetasse zuwandte und sie mit einem angewiderten Blick bedachte. „Kalt“, murmelte sie, doch einen Moment später dampfte sie wieder, erhitzt von Severus' nonverbalem Zauberspruch. „Ich danke dir.“
„Was ist mit den neuen Kindern? Irgendwelche Anzeichen?“
Langsam schüttelte sie den Kopf. „Keine merkwürdigen Vorfälle, keine unabsichtlichen Verletzungen, keine Berichte von anderen Mädchen.“
Severus nickte. „Genauso wie bei den Jungen. Aber das Schuljahr auf Hogwarts hat ja auch gerade angefangen – wir haben ein Jahr Zeit, um neue Schüler zu finden. Trotzdem werde ich in den nächsten Tagen mit meinen Kollegen von den anderen Schulen sprechen. Vielleicht hat einer von ihnen etwas bemerkt.“
Sowohl Minerva McGonagall als auch Severus Snape galten als außerordentlich scharfsinnig, trotzdem fiel keinem von ihnen auf, wie Miss Granger, die die Hand schon nach dem Türknopf ausgestreckt hatte, wieder in ihr Zimmer zurückschlich.

Hermione verschwand leise wie eine Maus wieder in ihrer Kammer und bemühte sich, ihr pochendes Herz wieder unter Kontrolle zu bringen. Sie hatte nicht lauschen wollen, wirklich nicht, aber sie hatte auch nicht stören wollen, und war deshalb für einen Moment stehen geblieben, um sicherzugehen, dass Mrs McGonagall alleine war. Und dann hatte das Gespräch sie in seinen Bann gezogen – hoffentlich hatte sie sich nicht verraten.
Während ihre Angst abebbte, spürte sie, wie ihre natürliche Neugier, die sie auch dazu getrieben hatte, die unzähligen Bücher in der Bibliothek ihres Vaters zu lesen, wieder erwachte. Wovon hatten Mr Snape und Mrs McGonagall gesprochen? Und wieso nannten sie sich beim Vornamen? Was waren das überhaupt für Vornamen, Severus und Minerva? Wer benannte seine Tochter nach einer römischen Göttin, und taufte sie nicht Mary oder Elizabeth?
Sie schüttelte den Kopf. Nicht meine Sache, versuchte sie sich zu sagen, aber der Gedanke wurde schwächer und schwächer, je mehr sie darüber nachdachte – ohne es verhindern zu können.
Wer oder was war Hogwarts? Und das Geheimhaltungsabkommen? Und wovon sprach der Schulleiter, wenn er zwei alte Männer erwähnte, die ihn töten wollten?
Für einen Moment kämpfte ihre Angst vor Snape noch einmal mit dem Wunsch, das Rätsel zu lösen, aber Hermione war schon immer eine neugierige junge Frau gewesen, und Vorsicht war schwierig, wenn sich ein Geheimnis vor ihrer Nase versteckte.
Nur – wie sollte sie es lösen? Nein, wie sollte sie überhaupt irgendetwas herausfinden? Wenn sie Mrs McGonagall oder – Gott bewahre – Snape darauf ansprach, würden die beiden sicherlich sofort wissen, dass sie ein Gespräch belauscht hatte, das eindeutig nicht für ihre Ohren bestimmt war, und ihre Indiskretion würde sie vielleicht sogar ihre Anstellung kosten. Und ihr erster Instinkt in jeder Situation, die ein Problem für sie darstellte, würde ihr auch nicht weiter helfen – sie wollte in die Bibliothek gehen und recherchieren, aber irgendwie bezweifelte sie, dass Mrs McGonagall Bücher über etwas, das sie ganz offensichtlich geheim halten wollte, offen herumliegen lassen würde.
Trotzdem wäre es einen Versuch wert, und in den nächsten Wochen, während sie sich an ihre neue Situation weiter gewöhnte, verbrachte sie jede freie Minute in der Bibliothek der Schule. Zu ihrem Glück war sie meist ungestört, denn nur wenige der Mädchen oder der anderen Lehrerinnen interessierten sich wirklich für Literatur, die über den gelegentlichen Liebesroman hinausging, was ihre Recherche einfacher machte. Leider wurde sie dadurch nicht ertragreicher – das Einzige, das sie aufstöbern konnte, war ein Buch über Kräuterkunde, alt, verstaubt und aus Pergament statt aus Papier, in dem von Pflanzen die Rede war, von denen sie noch nie gehört hatte.
Hermione hatte nicht gelogen, als sie bei ihrem Einstellungsgespräch erwähnte, dass sie Ahnung von Botanik hatte, aber als Expertin konnte sie sich nicht bezeichnen. Es war immerhin möglich, dass es eine Lücke in ihrem Wissen war, die ihr die dargestellten Pflanzen so abenteuerlich erscheinen ließen... also erweiterte sie ihre Suche auf alle botanischen Abhandlungen, die im Haus zu finden waren – ohne Erfolg. Die in dem Buch beschriebenen Gewächse existierten einfach nicht – allerdings half das Hermione nicht, sondern machte sie nur noch neugieriger.
Der nächste Schritt in ihrer Recherche war nicht so klar – die Ressource Bücher war vollkommen ausgereizt, und um den Mut für den nächsten Schritt zu sammeln, brauchte Hermione einige Wochen. Schon früh war ihr der Gedanke gekommen, dass sie mit etwas List vielleicht an Informationen kommen könnte. Es war Hermiones Glück, dass sie diese Idee nicht an Mr Snape versuchte, sondern nur an Mrs McGongall, die Hermione schon nach den wenigen Wochen ihrer Anstellung ins Herz geschlossen hatte.
Am Abend, nachdem sie ihren Entschluss, nun endlich zu handeln, in die Tat umgesetzt hatte, als sie mit den anderen Lehrerinnen und ein paar der älteren Mädchen beim Tee saß, brachte sie das Gespräch wieder auf Mr Snape. „Ich habe gehört, der Schulleiter war heute hier.“
Mrs McGonagall nickte. „Ja, er hat sich mit mir wegen der neuen Schüler besprochen.“ Und wegen Ihren Geheimnissen?
„Wir bekommen neue Schülerinnen?“, fragte eines der Mädchen hier, und Mrs McGonagall nickte.
„Ja, am Montag werden Miss Bennet und Miss Lydia ankommen. Der Schulleiter wird sie vorstellen und danach einigen eurer Stunden beiwohnen.“
Hermione glaubte für einen Moment, dass ihr bei diesen Worten ein besonders scharfer Blick galt, aber vielleicht täuschte sie sich auch nur – zumindest hoffte sie das inständig. Snape – in ihren Stunden! Und das gerade, wo sie sich an ihren Unterricht gewöhnt hatte und begann, Fortschritte zu erzielen.
Der Rest des Gespräches ging zum größten Teil an ihr vorbei, so sehr war sie damit beschäftigt, diese Horrorvorstellung in ihrem Kopf zurückzuhalten, und so zuckte sie überrascht zusammen, als Mrs McGonagall ihren Arm berührte. „Machen Sie sich keine Sorgen, Miss Granger. Der Schulleiter ist nicht annähernd so hart, wie er scheint.“ Irgendwie bezweifelte Hermione das stark.

Severus Snape hatte schlechte Laune. Die beiden Bennet-Mädchen waren noch dümmer und oberflächlicher als seine anderen Schülerinnen – auch wenn das eigentlich kaum möglich war – und er hatte das Gefühl, dass Minerva noch viel Freude an ihnen haben würde. Nur in den paar Minuten, die er gebraut hatte, um sie von ihren Eltern in Empfang zu nehmen, war er öfter als er zählen wollte versucht gewesen, ihnen Hauspunkte abzuziehen oder ihnen Nachsitzen bei Filch aufzubrummen. Leider war Kessel Schrubben keine Arbeit, die er feinen, jungen Damen auftragen konnte, ohne den Zorn ihrer Familien zu erregen. Leider.
Allerdings galten diese Beschränkungen bei Miss Granger nicht, und vielleicht, wenn es ihre Autorität nicht zu sehr untergrub, konnte er sie ein wenig triezen. Irgendwie musste er ja unter Beweis stellen, dass er Mädchen noch immer zum Heulen bringen konnte, und bei Muggelmädchen war das noch einfacher als sonst...
Severus schüttelte den Kopf. Er würde die Muggel nie verstehen. Die Art, wie sie ihre Töchter erzogen, würde nie eine Frau wie Minerva hervorbringen, stark und unabhängig, oder wenn, dann nur durch Zufall. Und wie ein Mann ernsthaft an einer errötenden Debütantin interessiert sein konnte, die nur über Kleider, Spitze und ihre Nachbarn sprach, wollte auch nicht in seinen Kopf. Keine Widerworte, keine Herausforderungen, kein Temperament. In einem Wort – langweilig. Was wahrscheinlich auch der Grund war, wieso er nach dem Ende des Krieges nicht geheiratet hatte. Es gab einfach zu wenig interessante junge Frauen in der Muggelwelt, aber hier lebte er nun, zumindest für die nächsten Jahre.
Er hatte den Klassenraum erreicht, in dem Miss Granger gerade mit ihren Schülerinnen arbeitete, und trat ein, ohne zu klopfen. Sie zuckte zusammen, als er die Tür öffnete, und für einen Moment huschte ein Schatten von Unmut über ihre Züge, bevor sie sich erhob und gemeinsam mit ihren Schülerinnen knickste. „Mr Snape, Sir.“
Er warf ihr einen seiner einschüchterndsten Blicke zu. „Woran arbeiten Sie gerade?“
„Die Mädchen lernen gerade die Liste der Könige Englands.“
Severus warf ihnen einen finsteren Blick zu, bevor er sich schließlich der kleinsten von ihnen zuwandte. „Name?“
„Sanderson, Sir. Harriet Sanderson.“
„Nun, Miss Sanderson... wer regierte denn im Jahre 1414?“
„Heinrich der Fünfte, Sir.“
„Und welcher unserer berühmten Autoren schrieb ein Stück über sein Leben?“
Augenblicklich zeigte Miss Sanderson alle Anzeichen eines Schülers, der eine Antwort nicht wusste, bis sie schließlich unter seinem strengen Blick zugab: „Das weiß ich nicht, Sir.“
Severus musste den Impuls unterdrücken, auf diese oft gehörten Worte mit „Zehn Punkte Abzug für Gryffindor“ zu antworten, und begnügte sich schließlich mit: „Schockierend, dass Sie die Werke Shakespeares nicht kennen.“
Das war der Moment, in dem Miss Granger sich entschloss, einzugreifen – eine Herausforderung, die Severus nur zu gerne annahm. „Mit allem gebührenden Respekt, Sir, aber die Kinder haben noch nicht über die Literatur gelernt.“
„Wäre es nicht ihre Aufgabe, ihnen das beizubringen, Miss Granger?“
„Nicht heute, Sir. Heute ist es meine Aufgabe, ihnen die englischen Könige, ihre Regierungszeiten und deren wichtigsten Ereignisse näherzubringen.“
Sie war aufgestanden, als sie gesprochen hatte, und starrte ihm nun finster in die Augen, während ihre Schülerinnen sich unbewusst hinter sie gedrückt hatten, um seinem direkten Blick zu entgehen. „Denken Sie das, Miss Granger? Und was bringt sie zu der Ansicht, dass Sie besser wissen als ich, was Ihre Aufgaben sind?“
Etwas in ihrem Blick gab nach, als ihr ganz offensichtlich bewusst wurde, wie sie mit ihrem Arbeitgeber sprach, doch trotzdem streckte sie ihren Rücken durch und hielt sich ein wenig gerader, als sie entgegnete: „Nichts, Sir, außer der Tatsache, dass ich bereits seit einem Monat mit diesen Kindern arbeite, während sie vor fünf Minuten dieses Klassenzimmer betreten haben.“
Für einen Moment spürte er das leichte Kribbeln von Magie über seine Haut, während Miss Granger ihn wütend und zähneknirschend anstarrte, bevor sie schließlich einen Schritt zurück machte und knickste. „Verzeihung.“
Merkwürdig, so ärgerlich, dass er die Kontrolle über seine Fähigkeiten hätte verlieren können, war er gar nicht gewesen... mehr amüsiert. Miss Granger war, so trotzig sie auch blicken mochte, keine ernsthafte Bedrohung für seine Autorität, das wurde immer klarer, während er die Mädchen befragte, und sie sich im Hintergrund hielt. Aber für eine Muggel hatte sie sich wacker geschlagen, das musste er zugeben – erzogen dazu, zu lächeln und nachzugeben, hatte sie einen beeindruckenden Willen gezeigt, ihren eigenen Standpunkt durchzusetzen. Es war wohl nur die Angst um ihre Position gewesen, die sie hatte zurückweichen lassen – und da Severus aus erster Hand wusste, wie sich Armut anfühlte, würde er ihr das nicht zum Vorwurf machen.

Hermione knirschte nun, eine Woche später, noch immer mit den Zähnen, wenn sie nur an den Nachmittag dachte, an dem Snape ihren Untericht inspiziert hatte. Warum der Mann eine Schule – ausgerechnet eine Schule – leitete, wo er Kinder doch so offensichtlich hasste, entzog sich ihrem Verständnis völlig. Nicht nur Miss Sanderson war ein Opfer seiner scharfen Befragung geworden, auch alle anderen Mädchen hatte er ins Visier genommen, bis Hermione eine von ihnen, Miss Laughley, zu Mrs Pomfrey schicken musste, um sich zu beruhigen. Sie hatte einfach nicht mehr aufgehört zu weinen.
Dieser... dieser unerträgliche Mann! Und jetzt wollte auch noch Mrs McGonagall sie sprechen, wahrscheinlich, um sie dafür zu schelten, dass sie sich ihm entgegengestellt hatte. Natürlich, er war ihr Arbeitgeber, aber sie wäre wahrscheinlich jedem entgegengetreten, der so mit den Kindern – ihren Kindern! - umging, auch dem König von England oder dem Prinzregenten.
„Wollen Sie hereinkommen, Miss Granger, oder lieber Löcher in die Tür starren?“
Sie zuckte zusammen, als sie Mrs McGonagalls Stimme hörte, und trat schließlich doch in ihr Arbeitszimmer ein, wo bereits der warme Geruch von Tee auf sie wartete, willkommen in der Kälte des beginnenden Novembers. Auf Mrs McGonagalls Einladung nahm sie Platz, nachdem sie Tassen für sie beide gefüllt hatte, und sah sie an, während sie sich fragte, was die ältere Frau von ihr wollen konnte, und gleichzeitig hoffte, dass sich eine Gelegenheit ergeben könnte, ein paar gut platzierte Fragen zu stellen.
„Bevor Sie sich Sorgen machen, Miss Granger, auch wenn Mr Snape sich über Sie beschwert hat, ich denke, er hat es nur getan, um seinem Ruf gerecht zu werden. Ich denke, in Wirklichkeit war er recht beeindruckt von Ihrer... Unnachgiebigkeit, und nachdem er genauso wie ich mit Ihrer Arbeit zufrieden ist, wird der Vorfall keine Auswirkungen auf Ihre weitere Anstellung haben.“
Hermione stieß den Atem aus, von dem sie nicht bemerkt hatte, dass sie ihn angehalten hatte, und lächelte dann ein wenig. „Danke, Ma'am.“
Als Mrs McGonagall still blieb, nahm sie ihren Mut zusammen. „Sie scheinen den Schulleiter sehr gut zu kennen, Ma'am.“
Für einen Moment schien die ältere Frau überrascht von der Frage, dann nickte sie. „Ja. Ich kenne Mr Snape, seit er ein kleiner Junge war. Ich war seine... Gouvernante, und als er diese Schule gegründet hat, hat er sich dankbar an mich erinnert.“
Hermione kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. Das erklärte vielleicht ihren vertrauten Umgang, aber dass sie sich beim Vornamen nannten, kam ihr doch sehr seltsam vor – das taten eigentlich nur Familienmitglieder, oder Paare. Und dass Mr Snape und Mrs McGonagall... nein, das konnte sie sich doch nicht vorstellen, dazu war Mr Snape viel zu jung.
Schließlich sah sie auf, und begegnete Mrs McGonagalls Blick, der für ihren Geschmack viel zu scharf und durchdringend war – aber bis jetzt waren ihre Fragen vollkommen unschuldig gewesen, und hatten nichts von dem verraten, was sie überhört hatte. Auch das Buch, das sie in der Bibliothek gefunden hatte, wollte sie lieber für sich behalten – sie hatte Angst, dass man es ihr wegnehmen würde, wenn jemand davon erfuhr.
„Gibt es sonst noch ein Problem, Miss Granger?“
Sie hatte nur Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen, doch wie meist behielt ihre Neugier die Überhand. „Ich wollte nur fragen... das heißt...“ Zu ihrer Überraschung spürte sie, dass die Tränen, die ihr in die Augen stiegen, echt waren – zu lange hatte sie sich nicht erlaubt, über den Tod ihres Vaters und ihrer Mutter, die ihm kurz darauf gefolgt war, nachzudenken, hatte sie funktionieren müssen, um ihren Unterhalt zu verdienen.
Zu ihrer Überraschung sah sie Mitleid im Gesicht der strengen Mrs McGonagall aufschimmern, und die ältere Frau erhob sich von ihrem Stuhl und führte sie hinüber zu einem kleinen Sofa, wo sie ihr ihre Teetasse noch einmal auffüllte. „Es ist schwer, von zu Hause fort zu sein, nicht?“
Hermione schluckte und spürte, wie ihre Tränen sich jetzt den Weg über ihre Wangen hinunter bahnten. „Möchten Sie darüber reden?“
Für einen Moment wollte sie, doch dann schüttelte sie schließlich den Kopf. Sie war schließlich keine heimwehkranke Schülerin – auch, weil Heimweh sinnlos war, wenn man kein Zuhause hatte, zu dem man zurückkehren konnte – sondern eine Lehrerin. Mrs McGonagall nickte. „Ich bin auch weit weg von meiner Familie.“
Hermione wischte sich mit der Hand über ihre Augen. „Sind sie in Schottland?“
„Ja. Meine Freunde sind auch dort, und Briefe sind einfach kein Ersatz... haben Sie Freunde außerhalb der Schule, Miss Granger? Oder Familie?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Die anderen Kinder fanden mich immer ein wenig... merkwürdig, und meine Eltern hatten beiden keine Geschwister...“
Mrs McGonagall nickte, und einen Moment später spürte sie, wie ihr ein Stofftaschentuch in die Hand gedrückt wurde. Hermione tupfte sich die Augen damit ab, und erst, als sie es wieder senkte und es schon fast wieder zurückgeben wollte, warf sie einen Blick darauf – und erstarrte, wenn auch nur für einen Moment. Hogwarts stand darauf, und darunter waren die unglaublich detailreichen, kunstvollen Stickereien eines Löwen, eines Adlers, eines Dachses und einer Schlange zu sehen. Draco Dormiens Nunquam Titillandus.


...tbc
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast