Dankbarkeit

KurzgeschichteDrama / P12
Bartimäus Kitty
01.09.2012
01.09.2012
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So, hier ist meine  Bartimäus FF. Als ich das Buch zu ende gelesen habe, wa ich aufgewühlt. Irgendwie verspürte ich den Drang etwas dazu zu schreiben und das ist dabei raus gekommen.
Ach ja, ich bin nicht unbedingt die beste darin, Sarkastisch zu schreiben, daher sorry wenn es nicht so ist, wie man es sonst von Bartimäus kennt. Ich hoffe trotzdem, dass es jemandem gefällt.

(....) = Bartimäus Gedanken
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Was soll ich dazu sagen? Nach fast 50 Jahren (natürlich Erdenjahre, dir muss ich wohl hoffentlich nicht sagen das es am Anderen Ort keine Zeit gibt) werde ich wieder aus meiner Welt gezerrt. Grade noch schwebte und waberte ich erfüllt von tiefsinniger Leere (was keinesfalls negativ war, Leere war am Anderen Ort nicht mit der Leere zu vergleichen, die ihr auf der Erde zu verspüren meint), da merkte ich wieder diese unzähligen Harken in meiner Substanz. Sie zerrte und zog mich, wollte mich von hier fort zwingen. Zwar wusste ich, dass es sinnlos war, und doch versuchte ich mich erst dagegen zu wehren. Doch dann gab ich es auf. Tja, mir blieb da einfach keine Wahl, als mich einfach meinem Schicksal zu fügen. Und so sah ich, wie mein Ort verschwand, wie Staub auf einer Kommode, den man mit einem Hauch weg pustet....jetzt war es aus mit meinem dahingleiten in ewiger Weite der Substanz...

Prompt fand ich mich in einem Pentagramm wieder. Noch bevor sich der Ort um mich herum materialisierte, dachte ich mir eine furchtbare Erscheinungsform aus, um den Unmut demjenigen klar zu machen, der es sich erdreistet, mich Bartimäus (muss ich jetzt wieder meine vielen Namen aufzählen? Ich denke, du kennst sie doch alle schon) zu rufen. Daher wurde im Kreis eine große Schlange sichtbar, dessen Rücken mit vielen, mal dicken, mal dünneren Stacheln versehen war. Aus dem Reptilienkopf sprossen zwei sich zur Seite hin kreuselnde Hörner. (Mit dieser Form hatte ich damals das alte China unsicher gemacht, sei nur soviel gesagt. Ich war in einem Kampf mit einen Afriten verwickelt. Man, da hat die Substanz gespritzt sag ich dir. Na ja...und Blut hat auch geflossen, wenn mal ein Zauberer sich unseren Kampf näherte. Mehr Einzelheiten erspare ich dir lieber.) Ich stieß ein Zischen aus, was so laut hallte, dass jede Glasscheibe der vier Fenster bebten und wackelten. Die Person im gegenüberliegenden Bannkreis zuckte leicht zusammen.

„Was ist dein Verlangen, Zauberer? Warum rufst du mich, Bartimäus von Uruk,Sakhr al-Dschinni, N´gorso der Mächtige, die silbergefiederte Schlange?“ (Na bitte, wenn du meine restlichen Namen und Bezeichnungen doch vergessen hast, dann hast du hier wieder eine kleine Auffrischung. Menschen und ihr Gedächtnis wie ein Sieb.)
Mein Herr und Meister blickte auf. Er war mittleren Alters und diesmal keiner, der totalen Wert auf sein Äußeres legte. Zumindest sagte mir das sein zerknittertes, graues Hemd und die zerschlissene, wenn nicht gar leicht gammelig wirkender Mantel. Seine Hose war nicht erwähnenswert und seine kurzen, schwarzen Haare schienen zerzaust. Er machte den Mund auf. Jetzt würde es mal wieder beginnen. Meine Knechtschaft. Und während er mir meine Aufgabe erteilte, schielte ich kurz aus dem Fenster. Um allem noch mal die Spitze drauf zu setzten, befand ich mich mal wieder in London. Na super, mochte mich die Stadt oder was? Jedenfalls war die Aufgabe eben sowenig erwähnenswert wie seine Hose gewesen (wenn auch aus unterschiedlichen Gründen) Und so verschwand ich mit einem lauten Grollen. Na super...konnte man mich denn nicht einfach mal in Ruhe lassen? Wohl nicht...Mist.  
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Wie gesagt, meine Aufgabe zu sagen, ist nicht wichtig. Denn noch am Abend des selben Tages hatte ich sie erfolgreich und schnell beendet. Na ja, um euch vielleicht nicht ganz im Dunkeln stehen zu lassen: Es handelte sich um einen alten Brief, den ich aus einem total verstaubten, von Kobolden und Foliot verseuchten Haus besorgen sollte. Jedenfalls befand ich mich in Gestalt eines Panthers wohlbehalten im Pentagramm, zwischen den Zähnen das alte Papier.
„Wie beauftragt, hier ist der Brief.“ Ich warf ihn in das benachbarte Pentagramm und mein Herr und Meister fing es auf. „Ich danke dir, Bartimäus. Ich verspreche dir, dich morgen um diese Zeit zu entlassen. Ich habe nur noch eine kleine Bitte. Es gibt jemanden, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Er nennt sich Dail Stone und lebt  in einem Londoner Vorort im Westen. Er wohnt  im Heim namens Westfield und ich kann und darf ihn nicht sehen. Aber ich habe noch ein Geschenk für ihn. Bitte überbringe es ihm.“ Er hielt in der Hand ein kleines, blaues Kästchen, was er mir vor die Pranken warf. Darauf haftete ein kleines Bild eines 11 jährigen Jungen mit strohblondem Haar und weichem Gesicht. Die hellgrünen Augen stachen mir sofort entgegen. „Das ist er.“ Sagte der Mann nur. „Mach es vorher ab, bevor du es ihm unauffällig gibst. Du kannst dir Zeit lassen. Komm erst morgen hier her zurück.“ Dann nickte er knapp und ich konnte gehen...

Er hatte mir sozusagen eine Vollmacht erteilt. Ich durfte alles tun, solange ich meine Arbeit auch erfüllte. Ohne groß nachzudenken, machte ich mich auf dem Weg. Es war eine lange Reise, doch dafür war sie recht angenehm. Seit der Sache vor 50 Jahren, wo die Zauberer ihre Macht einbüsten und ein bestimmter Zauberer ums Leben kam, hatte sich hier einiges verändert. Es flogen nur noch ganz wenige Wesenheiten durch den Himmel oder liefen durch die Stadt. Wachkugeln gab es keine mehr. So erreichte ich das Heim ohne Verzögerungen. Ich sollte es ihm unauffällig geben? Tja, nichts leichter als das. Ich verwandelte mich in eine kleine graue Ratte, sprang in ein offenes Fenster und suchte nach dem Jungen. Es gab hier keine Zauberer, daher war es eigentlich recht einfach. Dennoch sollte mich keiner sehen. Schließlich sah ich den Jungen, beobachtete ihn und so führte er mich zu seinem Zimmer. Dort ließ ich das Kästchen unter seinem Kissen verschwinden und als Fliege getarnt flog ich zum Fenster hin, welches, oh ich glücklicher, auf Kipp stand. Draußen aber sah ich noch einmal aus dem Fenster und beobachtete, wie der Junge das Geschenk fand. Meine Aufgabe war getan. Jetzt konnte ich tun und lassen was ich wollte. Ich konnte sogar zum Anderen Ort, es freute mich, so würde ich endlich diese schrecklichen Schmerzen los werden.
Aber mich interessierte es schon irgendwie, was aus London geworden war und so sah ich mich erst einmal um.

London war zu einer Stadt geworden, die wieder den Gewöhnlichen mehr oder weniger gehörten. Dennoch gab es noch Zauberer, die mit ihnen zusammenarbeiteten und so für Ruhe und Ordnung sorgten. Eigentlich ein schöner Anblick. Aber ich wusste leider, dass so ein Frieden nicht ewig wehren konnte. Irgendwann würde es wieder Bergab gehen. Dennoch gönnte ich den Menschen diese, wenn auch kurze Zeit des Glückes. Ich spielte schon mit dem Gedanken, zum Anderen Ort zu
gehen, da erblickte ich unter mir einen Friedhof. Eigentlich kein besonderer Anblick, aber irgendwas hielt mich auf, einfach ihm den Rücken zu kehren. Es war dunkel geworden und nun als Fledermaus flog ich zu dem Ort der Trauer (zumindest für Menschen, ich empfand hier nichts. Ich war ja auch ein Dschinn)

Ich sah alle Gräber mit einer gesunden Distanz, bis mir plötzlich ein größerer Stein entgegen sprang. Und als ich las, um welches Grab es sich da handelt, blieb ich als Kater davor stehen. Seltsam. Ich hatte gerechnet, dass so jemand wie er sich ein Denkmal an seinem Grab stellen ließ, doch außer dass sein Grabstein etwas größer war, zeugte nichts davon, dass dort eine für die Menschheit besonderer Jemand vergraben lag. Ich konnte ja keine irdischen Gefühle wahr nehmen, und doch war dieser Anblick für mich irgendwie eigenartig. Dieser Mann dort war ein ehemaliger Herr und Meister gewesen, der mich mit Jungen Jahren schon beschwören konnte. Schon damals war er sehr ehrgeizig, trotzig und eigensinnig gewesen, was es mir nicht besonders leicht machte. Schon deswegen, weil er von mir verlangte, das Amulett von Sarmakand zu stehlen. (Wenn ich dass jetzt mit dem Brief verglich...das war ein Himmelweiter Unterschied. Wie diese Erde und der Andere Ort. Einfach nicht vergleichbar.) Damit hatte er sich und damit auch mir ziemlichen Ärger eingeheimst, der mir beinahe mein langes Leben raubte. Tja. Und nicht nur das. Er erdreistete sich,mich nach zwei Jahren wieder zu beschwören! Zu dieser Zeit war er ein unausstehlicher Mistkerl gewesen, der mich immer noch für krasse Aufgaben einsetzte. Und ich musste ihn mehr als einmal das Leben retten. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich ihn gleich bei der besten Gelegenheit in den Rücken gefallen. Schon alleine weil ich seinen Geburtsnamen kannte. Und doch rief er mich nach einem Jahr erneut und ich musste zwei Jahre ununterbrochen in seine Dienste stehen.

Ich hatte ihn gehasst dafür. Vor allem, als dann auch noch sich eine neue Verschwörung anbahnte! (Na ja...neue war falsch. Es war die Verschwörung, an die ich schon unbewusst die ganze Zeit geraten war...so konnte es kommen) Meine Substanz war so im Arsch, dass ich mich nicht mal gegen die kleinsten Detonationen schützen konnte und ich war nur noch ein Schatten meiner Selbst. Und er war daran Schuld gewesen. Nathanael. Oder eher John mandrake. Auch wenn ich ihn nicht mochte, ich konnte mich noch nicht einmal gegen ihn wenden...zwei Mal bin ich dem Tode nur knapp entkommen. An beides war er Schuld.

Das ich mich ganz zum Ende mit ihm verbünden musste, hat mir nicht gefallen. Ganz und gar nicht. Jedenfalls der Gedanke. Aber trotz allem Hasses war er zu diesem Zeitpunkt wenigstens wieder der Nathanael den ich kennen gelernt hatte. Zumindest erinnerte er mich wieder eher an ihm als Damals. Er wollte kämpfen, dem allen ein Ende setzten. Und weil er und eine gewisse andere Person es nicht alleine schaffte, musste ich ihm helfen. Ob ich wollte oder nicht. Bei dem Kampf gegen Nouda starb er. Davor aber ließ er mich frei...zwar hatte ich ihn nie wirklich gemocht. Aber dieser einen Tat war ich ihm Dankbar. Und das hatte er auch gewusst, denke ich.

Jetzt wo ich so an seinem Grab stehe, wünschte ich, dass er wenigstens nicht mehr so leiden musste.Klar, er hatte mich leiden lassen. Aber wenn ich wirklich jemanden hasste, dann war es John Mandrake, nicht Nathanael. Denn dieser hatte noch ein Gewissen. Er hatte noch gewusst, wofür er kämpfte...wofür er zum Schluss starb. Unwillkürlich musste ich an seine letzten Worte denken.

>>Grüße Kitty von mir<<

Sie grüßen...
Kitty war ein besonderer Mensch...eine ungewöhnliche Gewöhnliche. Sie erinnert mich stark an Ptolemäus. Denn sie hatte das gleiche vorgehabt, das gleiche gedacht wie er und  es sogar ebenfalls geschafft, mir zum Anderen Ort zu folgen. Das war ein Vertrauensbeweis. Auch wenn niemand an Ptolemäus ran kam. Kitty war schon etwas besonderes in meinen Augen. Ich hatte angefangen sie zu mögen. Zum Glück hatte sie das Drama vor Jahren überlebt. Wie es ihr wohl ging? Sie müsste jetzt 70 sein, wenn ich mich nicht täuschte.

>>Grüße Kitty von mir<<

Ach ja...es war kein Versprechen und ich war ihm auch nichts Schuldig. Und doch spielte ich mit dem Gedanken sie aufzusuchen. Er hatte mich entlassen, bevor auch ich sterben würde. Seine Begründung war nicht die, dass er mich mochte. Zumindest hatte er mir gesagt, ich würde alles nur noch vermasseln. Ganz im inneren aber...ich konnte schließlich seine primitivsten Gefühle lesen. Sollte ich ihm also den letzten Wunsch erfüllen? Ich hatte Zeit der Welt. Und irgendwie wollte ich auch sehen, was aus Kitty geworden ist. Irgendwie reizte es mich schon.
Kurz darauf war der Kater verschwunden und eine Dohle erhob sich in den Himmel.
Wo war sie? Lebte sie noch?

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Es war kurz vor Sonnenaufgang, als ich das riesige Gebäude fand. Da war ein Fenster aus welches ich eine helle Aura wahr nahm. War dort Kitty? Ich schwang mich dort hin und landete auf dem Fenstersims. Das hier war ein altes Gebäude und die Scheibe hatte einen Sprung. Als dünner Rauch drang ich durch eine kleine Lücke und fand mich im dunklen Raum wieder. Ich besann mich nur auf das Bett, wo eine Gestalt in ruhe schlief. Tatsächlich. Dort lag Kitty. Als Dohle landete ich auf dem Holzbett und betrachtete sie. Sie war schrecklich gealtert. Ihre Haut war runzelig, ihre Haare Schneeweiß. Ich wartete. Sollte ich sie aufwecken? Was wenn sie sich nicht an mich erinnerte?
Da öffnete sie ihre Augen. Sie war blind. Ich wartete ab. Sollte ich etwas sagen? Womöglich, schließlich merkte sie gar nicht dass ich hier war.

„Wer ist da?“ Hörte ich eine alte Stimme sprechen. Ich tappte von einem Bein auf das andere. Sie hatte doch etwas bemerkt. Bewundernswert. Grade als ich meinen Schnabel öffnen wollte, sah ich sie lächeln. „Bist du der Tot?“ Das haute mich um. Ich konnte nichts sagen, was sollte ich denn auch dazu erwidern? Ich riss mich aber zusammen.
„Na ja...kommt ganz auf den Blickwinkel an.“ Sagte ich dann doch so keck wie es mir möglich war. „Ich habe schon vielen den Tot gebracht. Aber der Tot persönlich bin ich nicht.“
Das Lächeln wurde breiter. „Du lebst also noch.“ Ich schwieg erst. Hatte sie mich etwa erkannt?
„Du bist doch Barimäus.“ „Ja der unvergleichbare, unvergessliche, unveränderte Bartimäus.“ Nun lächelte ich auch (Nun gut...wie soll eine Dohle bitte Lächeln? Na ja...ich bin ein Dschinn. Bei mir ist alles möglich) „Aber du hast dich verändert, Kitty.“ Merkte ich an und legte meinen Kopf schief.

„Was dachtest du denn.“ Begann sie nach kurzen Zögern. „Es ist schließlich schon einige Jahre her. Wir Menschen altern halt. Anders als euresgleichen.“ Ihre Stimme hatte etwas trauriges an sich.
„Ich dachte...du wärst auch gestorben.“ Ich schluckte. „Tja...aber ich bin lebendig, wie du siehst.“
Konterte ich einfach. Kittys leere Augen sahen an die Decke.
„Was willst du hier Bartimäus, sehen, was vom früheren London noch übrig geblieben ist?“
„Nein...ich...nun ja...ich bin hier, weil ich dich grüßen soll.“ Kitty drehte sich nicht zu mir um.
„Wen kennst du denn bitte, der sich noch an mich erinnert?“
Ich wusste nicht, ob es so gut war sofort mit der Wahrheit zu kommen. Aber mir blieb keine andere Wahl. „Es war sein letzter Wunsch.“ „Nathanael?“ Ihre Stimme hatte einen leicht ungläubigen klang. „Nathanael.“ Bestätigte ich. „Von ihm soll ich dich grüßen.“ Ich starrte zum Fenster. Ich sollte wohl lieber gleich gehen.

Kitty aber schien noch etwas auf dem Herzen zu haben.
„Was ist ganz zum Schluss passiert?“ Ich seufzte leise. Aber sie hatte es verdient zu wissen. Ich erhob mich und nun trat ich in Gestalt von Ptolemäus auf sie zu. Kitty hörte die Schritte und starrte mich mit ihren blinden Augen an. „Ptolemäus?“ Fragte sie ganz leise, es war nur ein Hauch. Diesmal lächelte ich. Kurze stille. Ich zögerte, doch dann hob ich meine Hand und strich ihr das weiße Haar aus dem faltigen Gesicht. „Du hast ihn geliebt, oder?“ Plötzlich kullerte eine Träne aus ihrem Augenwinkel. „Geliebt? Ich habe ihn verabscheut für das, was er getan hat. Er hat mich zuhause aufgesucht. Er wollte mich in den Tower sperren! Ich konnte ihm nur mit Gewalt entkommen. Er entführte Jakop um an mich ran zu kommen! Ich bin wegen ihm fast gestorben! Aber...als meine Hoffnung erstarb, als du mich abwiest und ich am Boden zerstört war, kam er. Wenn auch nicht gleich wegen den besten Gründen. Im Theater dann wurde ich wieder fast getötet...und dann zwei Mal von ihm gerettet. Er hat mir in unseren vermeintlichen letzten Stunden geholfen...Da hatte ich nicht mehr John Mandrake vor mir...sondern Nathanael. Einen Jungen, der dem allen überdrüssig geworden war. Der etwas an dieser Lage ändern wollte. Mit allen Mitteln. Auch wenn ihm manchmal einfach das Durchhaltevermögen fehlte. Er trug sein Herz am rechten Fleck. Und in dieser kurzen Zeit, die wir zusammen gearbeitet haben, habe ich auch einen Teil von mir selber in ihm gefunden. Es war keine Liebe, Bartimäus. Aber ich habe ihn gemocht und wäre er noch am Leben...wer weiß, was dann aus uns geworden wäre...was aus dem Gefühl geworden wäre...“ Weitere Tränen strömten ihrer Wange entlang.

„Weißt du.“ Begann ich kurz darauf. „Er hat dich auch gemocht. Schon damals habe ich etwas in ihm gesehen...und das sein letzter Gedanke dir galt, sagt doch schon alles aus. Er hat dich geliebt.“ Meine Augen schlossen sich und ich trat von ihr weg. „Seine Verfassung war schlecht gewesen. Wir hatten uns kaum noch bewegen können. Ich hatte mich schon auf den Tod vorbereitet, da sagte er, ich würde alles vermasseln und er entließ mich einfach. Ich sah noch, wie er zusammenbrach...dann war ich schon am Anderen Ort. Zum Schluss hat er mir gesagt, ich soll dich grüßen, dass habe ich auch getan.“ „Hat er es ernst gemeint?“ Fragte sie mich einfach. Ich zuckte meine Schultern. „Das ich dich grüßen soll, kam von Herzen.“ „Nein, ich meine, ob er dich wirklich nur deshalb der Freiheit entlassen hat, weil du alles vermasselt hättest?“ Nun sah ich aus dem Fenster. Die Sonne war grade am aufgehen. Es war ein schöner Anblick. „Wer weiß das schon Kitty. Wer weiß das schon...“ „Du stecktest immerhin in ihm. Du hast doch seine Gefühle lesen können.“ Meinte sie ruhig. Ich schwieg.

„Da war ein Gefühl...“ Meinte ich leise. „Er war traurig, aber auch erleichtert...und irgendwie dankbar. Warum er Dankbar war, weiß ich nicht. Dankbar, dass da jemand ganz zum Schluss war, dem er seinen letzten Gedanken anvertrauen konnte. Einfach nicht alleine zu sein...ich weiß es nicht genau.“ Ich drehte mich leicht zu Kitty um. Sie hatte ihre Augen geschlossen und wirkte müde. „Wer weiß schon, was Nathanael damit wirklich gemeint hat.“ Setzte sie an. Doch sie sprach nicht weiter. Ich verwandelte mich in ein Dunstwölkchen.
„Bartimäus.“ Hörte ich noch einmal ihre schwache Stimme. „Ich nehme an, wir sehen uns nicht mehr.“ „Nein. Das war unser letztes Treffen.“ Hauchte ich und wollte grade aus dem Zimmer verschwinden. „Vielen Dank, Bartimäus.“ Ich sah noch einmal zurück. „Wofür?“ Fragte ich noch ein letztes Mal. Doch ich bekam keine Antwort. Ich lächelte. Dann war ich verschwunden.
Nichts erinnerte daran, dass irgendetwas den Raum betreten hatte.
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Am Abend kehrte ich im Bannkreis zurück und wartete darauf, was mein Herr und Meister zu sagen hatte. „Bartimäus. Hast du es erledigt?“ Ich nickte in Gestalt eines Wasserspeiers. „Noch am selben Tag.“ Er nickte, natürlich wusste er, dass ich es getan hatte. Er hatte mich schließlich beobachten lassen, aber nur so lange, bis ich meine Arbeit getan hatte. „Gut gemacht. Wie ich es dir versprochen habe. Entlasse ich dich hier mit.“ „Vielen Dank, mein Herr und Meister.“
Dann war die Entlassungsformel gesprochen und das Band zwischen Dschinn und Zauberer zerriss.
Ich war Frei. Endlich. Ich wusste nicht, wann mich wieder jemand beschwören würde. Aber die Sache vor 50 Jahren hatte endlich ihr Ende gefunden. Ich hatte Nathanaels Wunsch erfüllt. Ich hatte mich selber noch von Kitty verabschieden können. Sie wusste es zwar nicht. Aber ich war ihr Dankbar.
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