Skyrim - A New Story

von EMS60
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
31.08.2012
18.06.2013
36
94881
1
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Wie versteinert saß sie in der kalten Ruine auf dem Thron des Draugrfürsten und starrte auf den blutüberströmten, leblosen Körper in ihren Armen. Gleich würde die letzte Fackel im Raum erlöschen. Erlöschen wie das lebhafte Glitzern seines Auges. Sie küsste die noch warmen Lippen ein letztes Mal, ließ seinen Körper sanft zu Boden gleiten und stand auf.
Jetzt musste sie sich darum kümmern, dass er eine ehrenvolle Aufnahme  bei den Gefährten von Ysgramor finden würde.
Sie webte einen Kerzenscheinzauber und begann zwischen den zahllosen Leichen nach brauchbarem Holz zu suchen. Ihr zerschundener Körper schmerzte und schrie nach Ruhe. Die würde er erst bekommen, wenn auch der Letzte der feigen Mörder ihres geliebten Mannes seinen Platz in der Unterwelt gefunden hatte.
Während sie auf einem der Einbalsamierungstische Holzscheit um Holzscheit für das Verbrennungsritual zusammentrug, schweiften ihre Gedanken, ohne dass sie deren Herr werden konnte, in die gemeinsame Zeit ab.



„Ihr werdet diesen Mann heiraten!“
Sie stand vor ihrem Vater. Seine Wut erschreckte sie, aber sie gab es nicht zu erkennen.
„Nein, mein Vater. Ihr wisst, dass Ihr mich nicht dazu zwingen könnt. Und Ihr wisst ebensogut, dass ich bereits auf dem Weg zur Akademie in Winterfeste bin. Ihr…“
„Schweigt Tochter. Dann werdet Ihr diesen Mann vorher heiraten.“
„…“
Die Stimme des alten Jarl wurde sanfter.
„Meine Tochter, meine Zeit ist bald abgelaufen. Dann werdet Ihr Jarl von Markarth sein. Die Zeiten sind hart und durchtrieben. Wir werden von den Abgeschworenen bedroht und auch die kaiserlichen Truppen bedrängen uns immer mehr. Ulfric Sturmmantel hat noch lange nicht die Macht uns zu unterstützen. Ihr werdet in Argis einen ehrenhaften starken Ehemann an Eurer Seite haben. Und Ihr werdet ihn brauchen.“
„Vater, dieser Mann ist ein Huskarl.“
„Dieser Mann ist ein Karl, ein freier Mann, der unserem Haus den Eid der Treue bis zum Tod geschworen hat.“
Ihr Vater richtete sich zu seiner vollen, immer noch beachtlichen, Größe auf und seine blauen Augen durchbohrten sie wie ein Pfeil.
„Dann ist es beschlossen. Ich werde den Vogt anweisen, die Feierlichkeiten zu arrangieren.“


Der Tempel in Rifton war nicht groß und nur mit einfacher Ausstattung gesegnet. Umso unrealistischer wirkte die fein gekleidete Gesellschaft. Die Banner, die gedämpfte Geräuschkulisse und die schon fast unnatürlich schön wirkende Braut.
Lange weißblonde Haare zu einem dicken Zopf geflochten, der bis weit in den Rücken reichte. Ein Golddiadem mit Smaragden, der Farbe ihrer Augen. Eine smaragdgrüne Samttunika, gerafft von einem goldenen edelsteinbesetzten Hüftgürtel, über einem scharlachroten bodenlangen Kleid.
Draußen hörte man das Trappeln von Hufen. Kurz darauf öffnete sich die Flügeltür.
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Wer war dieser Mann, der sie, die Tochter eines mächtigen Jarl, sie, eine belesene, magiebegabte Frau nicht nur warten liess wie eine Tavernenhure, sondern auch noch in einer vollständig verschmutzten einfachen Nordrüstung auftauchte.
Gestern war allgemeiner laugardagur gewesen. Er schien davon völlig unberührt zu sein. Immerhin hatte er seine blonden schulterlangen Haare durchgekämmt und die seitlichen Zöpfe mit feinen Lederstreifen neu geflochten.
Finster warf sie ihrem Vater einen Blick zu, der sich allerdings unbeeindruckt daran machte die Zeremonie zusammen mit dem Priester zu beginnen.

Die Eheringe wurden getauscht. Dabei sah sie ihm das erste Mal bewusst ins Gesicht.
Ein markantes Gesicht mit rehbraunen leuchtenden Augen, vollen Lippen und einem, was für ein Widerspruch, sehr gepflegten seidenweichen Kurzbart.
Auf der rechten Wange prangte eine große dunkelrote Tätowierung zu Ehren von Freyr, einem der Alten Götter. Seine Stimme kam tief und rau aus dem mächtigen Brustkorb. Seine Hände waren trocken, warm… und sauber. Er war ein großgewachsenes muskulöses, ausgesprochen ansehnliches Mannsbild, bei dem sich jede Frau nach einem Leben an seiner Seite verzehrt hätte.
Ihre Pläne waren aber andere.

„…Treue bis zum Tod und darüber hinaus“ hörte sie erst ihn, dann sich sagen.

Der Eheschwur war noch nicht verhallt, als sie die Halle verließ und sich auf Argis’ Pferd schwang. Sie hatte ihren Teil eingehalten und diesen Mann geheiratet. Mit nur ihrer Hochzeitsrobe bekleidet und einem verzauberten Dolch bewaffnet, galoppierte sie in die Dunkelheit hinaus, Richtung Winterfeste.

Keine Minute später bäumte sich das Tier mit einem riesigen Satz auf und brach dann röchelnd zusammen. Sie wurde hart auf den gefrorenen Boden geschleudert und rang nach Luft. Schemenhaft erkannte sie mehrere Pfeile, die im Körper des Tieres steckten, ganz gezielt geschossen um ein weiteres Fortkommen zu verhindern, aber dem Tier dann einen schnellen Tod zu ermöglichen.
Den Dolch in der Rechten, einen Stein in der Linken, schnellte sie wie eine Katze dem auftauchenden Schatten entgegen. Und prallte gegen einen Körper, der sie wie eine Feder im Wind abfing. Stein und Dolch fielen zur Erde.
„…Argis…Ihr?“
Über seiner Nasenwurzel hatte sich eine tiefe Querfalte gebildet und seine Augenbrauen schienen in der Mitte zusammengewachsen zu sein. Wortlos stellte er sie auf den Boden, drehte sich herum und begann die Pfeile aus dem toten Tier zu ziehen.
„Meine Gemahlin, Ihr könnt gehen wohin es Euch beliebt. Nach der Hochzeitsnacht, wie es Brauch ist.“
„Ihr habt Euer Pferd erschossen? Für eine Nacht mit mir?“
Insgeheim bewunderte sie die Bogenkünste ihres Mannes.
„Für Euch, teure Gemahlin...“ Weiter kam er nicht.
„Dann lasst sie uns vollziehen, hier und jetzt.“ Sie riß ihr Kleid auf.
„Ihr seid sehr, sehr schön. Ich sollte ein glücklicher Mann sein.“ sagte er leise. „Und jetzt nehmt diese Decke und bedeckt Euch. Ihr wisst so gut wie ich, dass diese Nacht in unserem Heim stattfinden muss.“
So kam es, dass sie sich, statt auf dem Weg nach Winterfeste, in die Decke eines toten Pferdes gehüllt auf dem Weg zu ihrer Hochzeitsnacht in Markarth befand.

Der Abreisemorgen in Rifton entsprach ihrer Laune: dumpf, neblig, grau.
Auf Anordnung ihres Vaters hatte sie ihrem Mann ein neues Pferd kaufen müssen und sich für einen wunderschönen Rappen entschieden. Bewundernd stand Argis davor, strich über die wohlgeformten Proportionen des Tieres und schwang sich dann auf ihren alten Zelter.
Ihren erstaunten Blick beantwortete er mit den Worten:
„Er ist Euer, denn das Geschenk entspringt nicht Eurem Herzen sondern dem Befehl Eures Vaters.“
In einer Mischung aus Wut und Verwunderung sprang sie auf den Rücken des Rappen und die kleine Gruppe, bestehend aus ihr, dem alten Jarl, Argis und zwei Wachen, machte sich auf den langen Weg quer durch Himmelsrand zurück nach Markarth.
Review schreiben