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von kaddiii
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Adrian Ivashkov Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway
29.08.2012
29.08.2012
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29.08.2012 1.205
 
Die Orte und Personen gehören der wunderbaren Autorin Richelle Mead. Lediglich die Idee ist auf meinen Mist gewachsen. Ich verdiene mit der Kurzgeschichte auch kein Geld.

Viel Spaß beim Lesen, ich hoffe es gefällt euch.
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Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Ein Gefangener seiner eigenen Gefühle. Er verachtete sich dafür, so intensiv zu lieben. Jemanden so nahe an sich herangelassen zu haben, um verletzt zu werden. Aber jetzt war es zu spät zu bereuen, zu spät um seine Fehler rückgängig zu machen, zu spät um sie für sich zu gewinnen.

Mühsam rappelte er sich von seinem Bett auf, erinnerte sich daran, wie er vor ein paar Monaten noch gemeinsam mit ihr hier gelegen hatte. Legte seinen Westernroman beiseite, mit dem sie ihn immer so gerne aufgezogen, gar verspottet, hatte. Ging mit trägen Schritten ins angrenzende Badezimmer, in dem noch immer ein paar ihrer Sachen standen, die sie nie abgeholt hatte.

Der Spiegel über dem Waschbecken enthielt immer noch die Widmung, die sie für ihn hinterlassen hatte, während er duschen war.
„Ich liebe dich, Dimka“, las er leise und strich mit dem Finger über ihre Worte, die immer weiter verblasst waren, musterte das Gesicht in dem Spiegel, welches ihm so gar nicht ähnlich sah. Das dunkle, längere Haar hing trostlos und spröde an seinem Kopf herunter. Sie hatte sein Haar immer geliebt und er das ihre. Sein Kinn und die eingefallenen Wangen waren von einem dunklen, struppigen Bart eingerahmt. Seit Wochen hatte er sich nicht mehr rasiert oder vernünftig gegessen. Warum auch? Er würde ja doch nie wieder ihre weichen Finger auf seinem Gesicht spüren. Die dunklen Schatten unter seinen trüben Augen, zeigten deutlich wie wenig Schlaf er bekam.

Mit einem lauten Aufschrei fegte er wütend die Kosmetikartikel von den Armaturen und schlug mit der Faust in den Spiegel. Gott, er hatte das alles so satt. Jeden Tag drehten sich seine Gedanken nur um sie. Jede Nacht träumte er von ihr, von Zeiten, in denen sie beide glücklich waren und schließlich wachte er schweißgebadet auf, nur um festzustellen, dass sie wirklich nicht mehr da war. Dass ihre Bettseite leer und kalt war. Danach lag er bis zu den frühen Abendstunden wach und unterdrückte den Drang, sie aufzusuchen. Er wusste, sie würde ihn nicht empfangen, wusste, sie würde ihn nur mit Nichtachtung strafen und Gott weiß, er hatte es verdient.

Sie jeden Tag zu sehen, machte es nicht leichter. Jede Qual, die er seit dem verhängnisvollen Tag erlitt, war schlimmer als alles, was er bisher erlebt hatte. Wie jeden Abend schleppte er sich in die Räume der Königin, Vasilisa Dragomir, um sie mit seinem Leben zu verteidigen. Aber war er noch richtig am Leben? Bis auf das regelmäßige Schlagen seines Herzens deutete nichts mehr darauf hin.

Er verlor sich in seinen Erinnerungen an eine bessere Zeit.
„Komm schon, Genosse, nicht so langsam!“ Rose rannte lachend über das Sportfeld und schaute Dimitri über ihre Schulter hinweg an. Das lange Haar wehte hinter ihr her und ihr blumiger Duft umhüllte ihn wie ein dichter Nebel. Das war ihr erster freier Tag, seit sie am königlichen Hof arbeiteten, den sie zusammen verbringen konnten. Es tat ihnen beiden gut endlich mal wieder allein zu sein.
Ohne große Mühe holte Dimka sie ein, umfasste ihre Taille und zog sie zu einem Kuss an seinen Körper heran. Sie waren nun schon so lange ein Paar und Dimka befand, dass es Zeit wurde den nächsten Schritt zu machen. Langsam ging er auf die Knie und nahm ihre Hand in seine.
„Roza, willst du meine Frau werden?“ Ihr Blick sagte mehr, als tausend Worte es könnten. Immer wieder sagte sie Ja und wischte sich dabei die Tränen von den Wangen. Seine sonst so starke Freundin weinte, aber es waren Tränen der Freude und selbst er spürte, wie sich etwas Feuchtes aus seinen Augen löste und über seine Wange hinunterlief. An diesem Tag war er der glücklichste Mann der Welt.
Sie planten ihre Hochzeit in kleinem Kreis. Nur die Familie und engsten Freunde wie Lissa, Christian und Adrian. Schon damals hatte Dimitri nicht verstanden, warum ausgerechnet Adrian Ivashkov bei ihrer Hochzeit dabei sein musste.
„Er ist ein Freund von mir und ich möchte ihn dabei haben!“, hatte Rose geantwortet und gab ihm keine Chance, ein weiteres Wort zu sagen. Noch öfter gab es Gespräche dieser Art, die mit jedem weiteren Mal in einem schlimmeren Streit geendet hatte. Hätte er damals gewusst, dass er Rose durch seine eifersüchtige Art nur in die Arme eines anderen Mannes treiben würde, hätte er es unterlassen.    

Dimitri lachte kalt auf. Als ob seine Eifersucht damals der einzige Grund gewesen wäre, weshalb Rose ihn nicht geheiratet hatte. Er sah sich um. Die große Flügeltür zu den Räumen der Königin konnte er schon sehen. Nur noch ein paar Meter trennten ihn von seiner persönlichen Hölle und erneut holten ihn die Erinnerungen an seinen größten Fehler ein.
Am Tag vor ihrer Hochzeit sollte der Junggesellenabschied stattfinden. Rose war mit ihren Freundinnen unterwegs, während Dimitri mit seinen Wächterkollegen den königlichen Hof unsicher gemacht hatte. Und Adrian. Denn Rose hatte darauf bestanden, dass er bei der Feier anwesend war. Warum auch immer. Erst hatte Dimka gedacht, Adrian sollte den Aufpasser spielen, damit Dimitri sich nicht daneben benahm. Aber der Moroi hatte mindestens genauso viel getrunken wie Dimitri und sich frühzeitig von allen Anwesenden verabschiedet. Was ihm nur recht war. Im Nachhinein betrachtet, wäre es vielleicht besser gewesen wenn Adrian geblieben wäre.
Er wusste nicht mehr wie es dazu gekommen war, aber im Laufe des Abends hatte sich eine kleine Gruppe Moroi Damen zu den feiernden Männern gesellt. Darunter eine Frau, Mitte zwanzig, mit dunkelroten, langen Haaren. Sie war eine richtige Schönheit gewesen, mit dem Körper einer Göttin. Sie hatte ihn umgarnt und war parktisch nicht von seiner Seite gewichen. Hatte ihren Körper lasziv an seinem geräkelt und ihm unanständige Worte ins Ohr geflüstert. Dimitri war schwach geworden und kurze Zeit später hatte die rothaarige Schönheit die unanständigen Dinge mit ihm im Bett angestellt. Im Bett von ihm und Rose. Es hatte nicht lange gedauert bis Rose in der Tür vom Schlafzimmer stand. Eine Hand auf ihren Mund gepresst, die Augen weit aufgerissen.

Bei diesen Erinnerungen zogen sich noch heute seine Eingeweide schmerzhaft zusammen. Sie war die einzige Frau gewesen, die er je richtig geliebt hatte und das hatte er spielend einfach in Gefahr gebracht, ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen. Er öffnete die große Tür und sah sich seinem persönlichen Alptraum entgegen.
Da stand sie. In all ihrer Schönheit. Das dunkle Haar, welches ihr offen über die Schultern fiel. Die sinnlichen, weichen Lippen leicht geöffnet und zu einem Lächeln verzogen. Das strahlende, dunkle Braun ihrer Augen leuchtete auf, als sie ihn sah. Ihre Körperhaltung entspannte sich, alles verriet, dass sie glücklich war. Dass sie ihn brauchte, ihn liebte. Er ignorierte Adrian Ivashkov, der Rose gerade küsste und über ihren gewölbten Bauch strich und stellte sich auf seine Position hinter der Königin, den Blick starr geradeaus gerichtet, der Körper vollkommen angespannt. Und wie schon jeden vergangenen Tag der letzten sieben Monate, zwei Wochen und vier Tage hoffte Dimitri darauf, endlich in einem Kampf mit Strigoi zu sterben um nicht mehr das Glück von Adrian und Rose Ivashkov miterleben zu müssen.
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