Die Tücken der Pubertät

GeschichteRomanze / P12 Slash
27.08.2012
01.10.2013
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Kapitel 1: Was Golf und Tennis unterscheidet

Tennis war, wie Shiraishi Kuranosuke gerne ausdrückte, Ekstase. Gänzlich anders, wenn er es mit Golf verglich. Diese zwei Sportarten hatten nichts gemein, nicht einmal das Gefühl, wenn er vor dem Abschlag stand, wenn seine Hände das eine oder andere führten, um den Ball zu schlagen. Tennis war anders, und es fiel ihm anfangs schwer. Sein erstes Mal war das Ergebnis einer Wette. Im Grunde hatte er nichts mit Tennis am Hut, er hatte seinem Kameraden lediglich einen Gefallen getan. Auf sein Drängen hatte er nachgegeben um ihm die Haut zu retten. Er fragte sich wirklich, wie Nioh Masaharu nur auf die Idee gekommen war, mit Sanada, dem Vizecaptain der Tennismannschaft, darum zu Wetten, ob er einen geeigneten Doppelpartner innerhalb von zwei Wochen finden konnte. Er spielte mit ihm gegen Marui und Kuwahara. Natürlich hatten sie hoch verloren. Sein entscheidender Nachteil war dabei, dass er bisher Tennis nur im Sportunterricht der Schule gespielt hatte und es ihm schwer fiel, den Ball zurückzuschlagen und dabei zu zielen. Tennis gefiel ihm damals nicht wirklich, es war anstrengend und komplexer als er gedacht hatte. Doppel zu spielen war sogar noch schwerer als Einzel, jedenfalls was das Timing anging. Auch jetzt war es lediglich sein Partner, der ihn mit diesem Spiel verband. Ohne Nioh zu spielen war nicht das gleiche, es fehlte ihm der effektive Spass daran. Golf war ein Einzelsport, und darum fiel es ihm auch nicht schwer, Einzel zu spielen und darin den gleichen Ehrgeiz zum Sieg zu zeigen wie im Doppel. Tennis war jedoch nur ganz, nur vollständig, wenn Nioh an seiner Seite war und die Notwendigkeit, die er empfand, war beinahe unerträglich. Nioh war nicht da, hatte ihn nicht abgeholt als er nach seiner Ansicht die Zeit bei der Schulerratsversammlung überzogen hatte und hatte damit auch Higurashi, die in ihn verliebt war, verunsichert. Als er auf dem Platz ankam, teilte ihn Sanada zu Basisübungen ein, die er streng überwachte. Er sah ein, dass er sie brauchte, doch es war nicht einfach, das über eine Stunde zu machen. Es war ungewöhnlich, dass Nioh fehlte, üblicherweise rannte er um diese Zeit seine obligatorischen Strafrunden. Allgemein fiel ihm auf, dass die Stimmung bedrückt war. Was war wohl passiert?
„Sanada….ist etwas vorgefallen?“, fragte er, während er seine Schulter zum wohl tausendsten Mal korrigierte.
„Yukimuras Zustand hat sich verschlechtert“, antwortete ihm Sanada knapp, was auch seine angespannte Miene erklärte, sowie das Gesamtbild der Rikkai. Besorgt hielt nun auch Yagyuu inne und liess den Schläger sinken.
„Wie sehr verschlechtert?“ Nioh war vergessen, wenn es um ihren Captain ging, war für sie alles andere zweitrangig, auch der beste Freund.
„Er muss im Bett bleiben.“ Sanadas Antworten waren stets kurz und monoton, was jedoch nicht hiess, das er dabei nichts empfand. Die Sorge verunsicherte auch ihren Vizecaptain und dass Yukimura, der sich in der Reha so anstrengte nun einen Rückschlag erlitt, traf ihn besonders hart. Sie alle wussten, was die beiden füreinander empfanden und akzeptierten diese Tatsache kommentarlos. Nun, selbstverständlich rissen sie Witze darüber, allen voran Nioh, Marui und zu Yagyuus persönlicher Überraschung oft auch Yanagi. Wenn er ehrlich war, beneidete er die beiden darum. Ihre Beziehung zueinander war klar, nicht wie bei ihm und Nioh. Sein Partner war etwas schwierig, nicht nur das, es war beinahe unmöglich, ihn ernst zu nehmen. Sie hatten bei der Kanto-Ausscheidung gegen Seigaku gespielt und verloren, ein herber Schlag für die Regulars, doch nichts würde sie davon abhalten, in den Nationalen ihr Bestes zu geben. Angefangen hatte ihr Verwirrspiel, als sie die Rollen getauscht hatten. Nioh war frech, unverschämt und ein Schuft, als solcher war es ihm leicht gefallen Nioh zu küssen, selbst wenn das in der Theorie hiess, dass er über die Wange seines eigenen Gesichts strich, seinen Namen in den Mund nahm und sich selbst die Lippen aufdrückte. Praktisch gesehen küsste er jedoch dem Gefühl nach Nioh, und es war seinem Partner schwer gefallen, ihn abzuweisen, wie Yagyuu Hiroshi es nun einmal täte.
Er spielte gegen Akaya, eine wahre Herausforderung, die hauptsächlich darin bestand, seine Schnelligkeit gegen ihn zu nutzen, seine Konzentration zu zerschlagen und den hervorragend gezielten Bällen auszuweichen, die ihn hätten treffen sollen. Yagyuu verlor, für Yanagi keine Überraschung und für Akaya ein Plus in seiner Laune, nun konnte ihr kleiner Teufel mit vor Stolz schwellender Brust einher gehen und jedem der es hören wollte erzählen, dass er Yagyuu geschlagen hatte.
Nach dem Training kehrte Yagyuu nicht nach Hause zurück, sondern schlug den Weg zu Nioh ein. Selbst wenn die Chance, dass Nioh sich sogar schon bei ihm aufhielt hoch war, wollte er es erst hier versuchen. Zu seinem Glück wurde er fündig. Nur durch die Ausrede, er habe Niohs Hausaufgaben bei sich, wurde er hinauf in sein Zimmer gelassen. Der Trickser schien wirklich krank zu sein. Schweigend liess er sich auf dem Bett nieder, Nioh, der sich der Wand zugewendet hatte, schien kein Interesse daran zu haben, sich zu ihm zu drehen, wenn er sein unangekündigtes Eindringen bemerkt hatte.
„Verschwinde…..siehst du nicht, dass ich krank bin?“, zischte er schliesslich doch, zog die Decke weit über seinen Kopf, es schien ihm wirklich schlecht zu gehen.
„Ich habe heute im Training gegen Akaya verloren, dafür musste ich zwanzig Runden laufen“, berichtete Yagyuu, in der Hoffnung, dass Nioh etwas von seinem eigentlichen Elan zurück gewann. Die derbe Abfuhr ignorierte er, wie Nioh so vieles ebenfalls ignorierte, das er sagte, wollte oder meist nicht zulassen durfte. Nioh drehte sich abrupt, blickte zwischen seinen Kissen hindurch und schien überrascht, ihn hier zu sehen.
„Was? Wieso spielst du überhaupt gegen ihn?“, fragte er, übel gelaunt. Vielleicht Kopfschmerzen?
„Weil du nicht da warst…“, entgegnete Yagyuu, warf ihm die Abwesenheit vor.
„Du hättest auch gegen jemand anderen spielen können“, antwortete Nioh unversöhnlich.
„Yanagi war im Krankenhaus, Yukimuras Zustand hat sich verschlechtert“, berichtete Yagyuu seinem Doppelpartner, der schlicht das Kissen wieder über sein Gesicht zog.
„Er hat selbst gesagt, dass die Reha hart ist…vielleicht zu hart“, antwortete ihm Nioh, drehte sich wieder der Wand zu. Er wirkte nicht überrascht, doch das hiess bei Nioh nicht. Auch ihm schien es aufs Gemüt zu schlagen.
„Ich finde, dass er es übertreibt. Er sollte sich mehr Zeit lassen“, teilte Yagyuu seine Gedanken mit seinem Doppelpartner, lehnte sich auf seine Hände, um die Decke anzustarren. Da Nioh die Jalousien herunter gelassen hatte, war es ungewöhnlich düster in seinem Zimmer. Es passte zu ihrer Stimmung.
„Alle wollen ihn wieder auf dem Platz sehen. Wir allen voran, schliesslich haben wir vor, mit ihm den Meistertitel zu holen. Das ist ein enormer Druck“, meinte Nioh leise und Yagyuu war ein wenig überrascht, ihn etwas so ernstes sagen zu hören.
„Den haben wir alle. Seit wir das Golden Pair der Seigaku besiegt haben, erwartet man von uns immer zu gewinnen“, wandte Yagyuu ein, auch wenn er wusste, dass Yukimura als ihr Captain von ihnen allen die grösste Last zu tragen hatte. Und natürlich spielte auch sein persönliches Bedürfnis, Tennis zu spielen, eine grosse Rolle.
„Wir gewinnen, gegen alles was kommt Yagyuu“, meinte Nioh ernst und drehte sich erneut zu ihm hinüber, schälte sich diesmal sogar aus seinen drei Kissen. Seine Haare waren ein einziges Chaos, kaum zu glauben, dass er sie ab und an wirklich kämmte.
„Das werden wir. Aber ich lasse dich schlafen, wenn es dir nicht gut geht“, bestätigte ihm Yagyuu und strich ihm sogar kurz über die Wange, ehe er aufstand.
„Du…du kannst auch bleiben, Yagyuu“, bat ihn Nioh und sah zu ihm auf, hatte sich sogar halb aufgerappelt. Er trug ein verwaschenes Shirt, irgendwie passte das zu ihm. Kurz lächelte Yagyuu, ehe er aus dem Zimmer ging und ihm noch eine gute Nacht wünschte. Die erste Liebe war kompliziert, egal, in welchem Alter.
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