the Wolfs past

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Wolfram von Bielefeld
27.08.2012
06.09.2012
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Des Wolfs Hass

Wolfis POV


Leise schob ich die Bettdecke zur Seite und stand auf. Yuri murmelte irgendwas, wachte aber nicht auf. Ich schlich in meine eigenen Gemächer, schlüpfte in Klamotten und suchte meine Stute im Stall auf. Die weichen Nüstern im Heu vergraben schnaufte sie, als ich sie sattelte. Unbemerkt schafften wir es aus der Hauptstadt und wir passierten gerade ein paar Hügel, die die Stadt einschlossen, als sich weit im Osten der Himmel grau färbte. Ich war sehr früh aufgebrochen, denn ich hatte einen weiten Weg vor mir, der mich in das menschenreich und in die Stadt K´Ylijala führte. Dort würde ich eine Freundin aus meiner Kindheit besuchen. Jedes Jahr an diesem Tag ritt ich zu ihr und blieb dort bis zum Abend. Ich musste keine Nachricht hinterlassen, wo ich war. Meine Familie und Gunther wussten, wo ich war. Yuri natürlich nicht, und ich weiß, dass er aus den anderen nichts herausbekommen wird. Sie erzählen nichts.
Die Hufe meiner Stute klapperten leise auf dem Pflaster und leichter Nieselregen setzte ein, als ich die lange Handelsstraße entlangritt. Dürre Grashalme behaupteten sich gegen das trockene Klima und wuchsen zwischen den einzelnen Steinen dem Himmel zu. Ich trank einen Schluck aus dem Wasserbeutel, den ich am Sattel befestigt hatte und drehte mein Gesicht der Sonne entgegen, die seit einer Stunde das Grau vertrieben und durch helles Blau ersetzt hatte. Vereinzelt flogen Vögel durch die dünnen Wolkenfetzen, die sich schnell auflösten. Aber genauso gut hätten es auch die Skelettboten sein können, die hoch genug fliegen konnten, um von der Erde aus wie kleine Vögel auszusehen.
Auf meinem Weg nach K´Ylijala kam ich an kleinen Dörfern vorbei, die ich allerding alle im Bogen umritt. Ich konnte mir leine Zeitverzögerungen leisten, wenn ich pünktlich ankommen wollte. Schätzungsweise war es jetzt sechs Uhr morgens. Zum Glück war es Sommer, sonst wäre es jetzt noch stockfinster und außerdem kalt. Nicht, dass mich das stören würde, beherrsche ich doch das Feuer.
Ich hielt nur an, um meine Stute trinken zu lassen. Wenn sie Hunger bekam, rupfte sie am Wegrand ein paar Grasbüschel ab. Damit sie keine Pause zum Verschnaufen brauchte, ritt ich immer im gleichen Tempo und ging manchmal eine Zeit lang neben ihr. Ich schätzte die Zeit auf neun Uhr, als sich die Bäume lichteten und den Blick auf das Dorf freigaben. Ein Weg schlängelte sich hinunter ins Tal und verschwand dort zwischen den Häusern. Doch ich folgte dem Weg nicht weiter sondern bog vorher rechts ab. Ich stieg ab, damit ich meine Stute durch das Gestrüpp führen konnte. Dornenranken verhakten sich an meiner Hose und rissen winzige Löcher hinein. Zweige knackten unter meinen Stiefelsohlen und wurden von den Hufen in den weichen Boden gedrückt. Nach weiteren dreihundert Metern in den Wald hinein erreichte ich mein Ziel: Eine kleine versteckte Lichtung, deren Mitte von einer alten Trauerweide gekrönt wurde. Die nach unten fallenden Zweige reichten teilweise bis auf den moosbewachsenden Boden. Zitternd atmete ich ein, als ich auf die Weide zutrat. Meine Stute stand abgesattelt am Rand der Lichtung und graste friedlich. Ich strich die Zweige beiseite und ein schwaches Lächeln umspielte meine Lippen. „Da bin ich, Mylady. Hast du mich schon erwartet?“
Dicht am rauen Baumstamm ragte der Grabstein aus dem Boden. Vereinzelte Efeuranken hatten ihn in ihre grüne Umarmung gezogen und liebkosten ihn, als der Wind durch ihre Blätter blies. Vorsichtig fuhr ich mit den Fingern die Maserung des Steins nach und erinnerte mich an die Mühe, die es mir bereitet hatte, ihn hierher zu bringen.
„Nun, wo soll ich anfangen, Mylady? Es ist so viel passiert, in den letzten zwölf Monaten. Wir haben einen neuen König. Er ist ein ziemliches Weichei und hat auf der Erde gelebt. Kein Wunder also, dass er sich für einen Menschen hält und keine Ahnung von unseren Gebräuchen hat. Das hat auch dazu geführt, dass ich jetzt verlobt bin. Du kannst dir vorstellen, was für eine Demütigung es für mich war. Mutter war natürlich begeistert davon. Verstehe einer diese Frau. Ich habe ihn herausgefordert und er nahm an. Im Schwertkampf hätte ich ihn locker besiegt, aber als ich ausversehen eines der Dienstmädchen mit meiner Magie verletzte, rastete er aus und verlor die Kontrolle. Die Seele des Königs erwachte in ihm und mithilfe seiner Wassermagie besiegte er mich. Hah! So ein Weichei. Konnte sich anschließend an gar nichts mehr erinnern.“
Schmunzeln musste ich mir eingestehen, dass ich ihn schon länger nicht mehrWeichei genannt hatte.
„Wir haben auch das Schwert Morgif gefunden, welches einen Krieg zwischen uns und den Menschen verhindern sollte. Es hatte uns ziemlich viel Aufwand gekostet, es zu bekommen. Und als wir es endlich sicher im Schloss des blutigen Eides hatten, brach Mutter den Edelstein aus dem Griff, der ihm seine Macht gab. So was schafft auch nur sie!“
Einer der Zweige zog an meinen Haaren und ich musste einige
Minuten aufbringen, um mich zu befreien. Schließlich war ich ein paar Haare ärmer und auch meine Kopfhaut brannte leicht.
„Weißt du, Mylady, in letzter Zeit finde ich es gar nicht mehr so schlimm, mit ihm verlobt zu sein. Ich krabbel sogar nachts in sein Bett.“ Nur zu gut konnte ich mir jetzt das leise Gekicher von ihr vorstellen.

Die Schatten der Bäume reichten immer länger und verbreiteten eine angenehme Kühle auf der Lichtung. Ein Blick sagte mir, dass die Sonne schon dabei war unterzugehen. Seufzend erhob ich mich und verabschiedete mich von ihr. Ein langer Ritt stand mir bevor. Nachdem ich meine Stute gesattelt hatte, ließ ich die Lichtung hinter mir.
Ich erinnerte mich daran, wie ich sie kennengelernt hatte. Sie war ein kleines Menschenmädchen, welches sich frech und furchtlos einem Dämon genähert hatte. Voller Freude hatten sie sich fast jeden Tag getroffen und im Wald gespielt.

Ein Rascheln ließ mich herumfahren. Ich befand mich weiter im Wald drin, als mir erlaubt war, aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich an die Verbote meiner Mutter oder die meines Bruders Gwendal halten würde. Wir waren am späten Nachmittag angekommen und hatten unser Lager am Rande des Waldes aufgeschlagen. Wenige Kilometer weiter lag das Dorf K´Ylijala im wogenden Meer des Grases.
Wieder dieses Rascheln, als wenn jemand versuchen würde, möglichst wenige Geräusche zu verursachen und dabei kläglich versagt. Mit gespitzten Ohren machte ich die Richtung aus, aus der es kam und schlich weiter. Kein Zweig knackte unter meinen Sohlen. Auf jeden Fall redete ich mir das ein. Die leisen Laute wurden von den Tieren des Walds erzeugt, nicht von mir!
Da! Im Dickicht vor mir hatte sich etwas bewegt! Etwas
größeres, denn die Blätter bewegten sich zu stark für einen Vogel oder einen Hasen. Ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus und mit einem Satz war ich bei dem Busch. Flink wie ein Reh rannte der Verursacher des Raschelns davon. Ohne groß zu überlegen rannte ich hinterher und holte auch schnell auf. Gekonnt sprang ich über einen umgestürzten Baumstamm und kam leicht auf der anderen Seite auf. Vor mir war niemand mehr. Die Person war verschwunden, doch bevor ich fluchen konnte, drehte ich mich um und siehe da! Da war sie. Ihr Rock hatte sich an der Borke des Stammes verhakt und ließ sie nicht mehr gehen. Die hellbraunen Haare verdeckten ihr größtenteils das Gesicht, aber zwischen zwei Strähnen konnte ich dunkle Augen ausmachen, die mich wütend anblitzten. Was denn? War es etwa meine Schuld, dass sie sich nicht befreien konnte? Aber freundlich wie ich nun mal war, bot ich ihr meine Hilfe an. Die sie auch prompt ablehnte.
Nachdem sie es auch nach mehreren Versuchen nicht geschafft hatte, seufzte ich auf und trat neben sie. „Würden Mylady bitte beiseite rücken, damit ich Ihr helfen kann?“ Den Spott konnte man nicht überhören, trotzdem gehorchte das Mädchen und ich konnte ihren Rock aus der Borke befreien. „Würden mir Mylord auch seinen Namen nennen?“, ahmte sie meine Sprechweise nach und schaute mich mit hochmütigem Blick an. Doch ich konnte das Funkeln in ihren Augen sehen und spielte mit.
„Ihr erlauchter Retter wird mit dem Namen Wolfram von Bielefeld betitelt. Und wie lautet Euer Name, Mylady?“
„Mylady hört auf den Namen Rosemarie von
K´Ylijala. Ich danke Euch für Eure Hilfe, Lord Wolfram von Bielefeld. Darf ich fragen, was Euch so tief in diesen Wald führt?“ Sie hatte das gut drauf, so zu reden.
„Natürlich dürft Ihr das. Wer wäre ich denn, Euch eine Antwort zu verweigern? Mich führte die Hoffnung, solch bezauberndes Wesen wie Euch zu treffen hierher. Ich verfolgte eine kleine Elfe, die vor mich in den Wald führte und vor meinen Augen in eine wunderschöne Prinzessin verwandelte.“
Die Wangen der Kleinen färbten sich hellrosa, nicht mehr als ein Hauch. Sie kicherte und als ich grinste, fing sie an zu lachen. Ich fiel mit ein und bald saßen wir lachend auf dem Waldboden. Als wir uns wieder beruhigt hatten fragte sie: „Wie kann man nur so hochtrabenden Unsinn reden? Eine kleine Elfe? Erzähl das in zehn Jahren den Mädchen und du wirst Mengen von Verehrerinnen haben.“ Sie wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. „Wer bist du wirklich? Du bist ein Dämon, nicht wahr?“
Überrascht sah ich sie an. Woher wusste sie das? Ich sah nicht so aus, wie sich die Leute uns vorstellten. Dunkel und schwarze Haare und Augen. Mit meinem blonden Schopf und den grünen Augen war ich eigentlich das genaue Gegenteil davon.
Zustimmend nickte ich. „Ja, du hast recht. Ich bin Wolfram von Bielefeld, der dritte Sohn der Altkönigin.“ Sie pfiff leise durch die Zähne und fragte dann:“ Wie ist das Leben am Hof?“
„Nicht so aufregend, wie du es dir vorstellen magst, Mylady. Bei den Besprechungen darf ich nicht anwesend sein und wenn mein Bruder weg ist, bleiben mir nur noch Verrückte. Und mit denen einen ganzen Tag zu verbringen kann zur Folter werden.“
Rosemarie verzog enttäuscht die Lippen, hatte sie sich das Leben im Schloss doch tatsächlich aufregender vorgestellt.
„Wie alt bist du?“, lautete die nächste Frage.
„Ich bin werde dieses Jahr vierunddreißig!“, erklärte ich stolz
und betrachtete Rosemaries Gesicht, welches von Staunen
gezeichnet war. „Vierunddreißig?“, widerholte sie ehrfürchtig.
„Ja. Wir Dämonen sind fünfmal so alt wie wir aussehen.“
Rosemarie staunte und fragte gleich weiter. Sie war ein neugieriges Kind, welches ihre Eltern schon öfter mit der Fragerei zur Weißglut getrieben hatte. Ich beantwortete sie alle so gut ich konnte. „He, kennst du diese Lichtung im Wald? Die mit der Trauerweide?“ Natürlich kannte ich sie nicht, ich war doch erst seit einem Tag in der Nähe. Also packte sie mich am Ärmel und zog mich weiter ins Dickicht. Stolpernd folgte ich ihr und holte erstmal tief Luft, als sie stehenblieb. Vor uns erstreckte sich eine Lichtung, in deren Mitte eine Trauerweide stand. Es gab wenig Gras, da es meistens schattig war, dafür wuchs überall Moss. Wir spielten den ganzen Tag und ich nannte sie „Mylady“. Als die Sonne zu versinken begann, machten wir uns auf den Rückweg. Plötzlich knackte etwas vor uns und ich stellte mich beschützend vor sie. Innerlich bereitete ich mich darauf vor, das Feuer zu rufen, als jemand auf den Weg trat. „Und? Genug gespielt?“ Fassungslos sah ich Gwendal an, der in seiner grünen Uniform mit dem Wald verschmolz. Mit seinen 85 Jahren war er noch ziemlich jung, befehligte aber trotzdem schon einen Teil unseren Militärs. War ich wirklich so naiv gewesen und hatte nicht damit gerechnet, dass man mich suchen würde? Immerhin war ich den ganzen Tag über verschwunden. Rosemarie verabschiedete sich mit einem Lächeln und lief nach Hause. Über ihre Schulter hinweg rief sie: „Bis Morgen, Wolfram!“
Ich winkte zurück und lachte. Den ganzen Weg zurück rechnete ich damit, dass Gwendal etwas sagen würde, aber er blieb still und meinte nur: „Sag Bescheid, wenn du morgen gehst.“ Ich nickte nur, froh, keine Fragen beantworten zu müssen. Das änderte sich am Morgen allerdings und Mutter fragte mich über jede Einzelheit doppelt aus. Und das Schlimmste war ja, dass sie sich Romanzen mit mir und Rosemarie ausmalte. Himmel, für wie alt hielt Mutter uns? Als ich dann wieder in den Wald lief, begleitete mich Gwendal ein Stück. Er hielt sich einige Meter hinter mir und verbarg sich, indem er durch den Wald ging, aber jetzt, wo ich wusste, dass er mir folgte, bemerkte ich ihn. Rosemarie erwartete mich an dem Baumstamm, der über den Weg gefallen war und winkte mir aufgeregt zu, als sie mich sah. Wir spielten den ganzen Tag zusammen und schnell vergaß ich, dass Gwendal uns beobachtete. Der Tag ging viel zu schnell vorbei, aber wir wollten uns morgen wieder treffen.
Die Wochen waren schon bald vorbei und wir mussten wieder nach Hause zum Schloss des Blutigen Eides. Doch ich versprach Rosemarie, dass ich sie besuchen würde.

Als ich es dann tat, konnte ich sie im Wald nicht finden. Ich schlich an das Dorf heran, hielt mich im Schatten und versuchte, nicht gesehen zu werden. Als ich um eine Ecke bog, hörte ich Stimmen. Ich folgte ihnen und kam auf den Dorfplatz, der von schiefen Häusern eingegrenzt war und einen Brunnen in der Mitte hatte. Um diesen Brunnen hatte sich eine große Menge gesammelt, die auf irgendetwas eintraten, was vor ihnen auf dem Boden lag. Ich umrundete den Platz und versteckte mich in einem Haus, das wohl gerade leer stand. Durch ein Fenster im ersten Stock konnte ich über die Köpfe der Menschen hinweg sehen und erkennen, was sie dort traten. Ich sah, wie das grüne Kleid, das Rosemarie so gerne getragen hatte, unter einer Flut von Rot ertrank. „Wertloses Miststück!“
„Du wagst es, dich hier zu zeigen?“
„Wie kannst du es nur wagen?“
„Verschwinde!“
„Dreckige Verräterin!“
Für einen Moment war ich wie gelähmt, aber als ich einen
spitzen Schmerzensschrei hörte, kam ich wieder zu mir und rief das Feuer. In lodernden Flammen umhüllte es meine Hände, griff nach meinen Armen und knisterte erbost. Mit einem wütenden Schrei sprang ich aus dem Fenster mitten in die Menge hinein. Ich verbrannte sie, ließ sie nicht fliehen und ließ
meine Flammen auf jedem einzelnen von ihnen tanzen. Um Rosemarie hatte das Feuer einen schützenden Kreis gebildet und als niemand mehr lebte, durchbrach ich ihn. Ich nahm Rosemarie auf die Arme und brachte sie fort, in den Wald hinein, weg von den Menschen und auf die Lichtung, auf der wir immer gespielt hatten. Als ich sie unter die Weide legte, wollte ich Hilfe suchen, aber sie fasste mich am Ärmel, hielt mich mit ihrer letzten Kraft fest und flüsterte:
Lass mich nicht alleine, Wolfi…Also blieb ich bei ihr, bettete ihren Kopf auf meinem Schoß und legte um ihre zerschmetterten Arme und Beine Moos, damit sie weicher lagen. Den ganzen Tag blieb ich bei ihr, strich ihr über den Kopf und versuchte vergeblich, meine Tränen zu unterdrücken, als den Blutstrom, der aus ihrem Mundwinkel sickerte, immer breiter wurde. „Mylady…“ Ich wollte nicht, dass sie stirbt, ich wollte, dass sie lebt, im Wald herum läuft wie ein junges Reh und mit den Schmetterlingen zusammen durch die Blumen tanzt. „Mylady…“ Die Tränen fielen auf ihr Gesicht und vermischten sich mit ihrem Blut. „Wolf…“ Ihre Stimme wurde von dem Blut erstickt, dass aus ihrem Mund floss und der Griff ihrer Finger um meine Hand löste sich, als sie sich aufbäumte, Blut hustete und mit einem Seufzer niedersank.
…vorbei…Rosemaries Schmerzen waren vorbei, sowie ihr Leben, dass noch nicht einmal richtig begonnen hatte. Sie war meinetwegen gestorben, weil wir miteinander befreundet waren, hatte man sie als Verräterin beschimpft, sie getreten und schließlich umgebracht.
Die Sonne versank hinter den Baumwipfeln, tauchte die Lichtung in gleißendes Gold, blendete mich und ließ das noch feuchte Blut funkeln. Irgendwann legte ich mich neben sie, verflocht meine Finger mit den ihren und schloss ganz fest meine Augen. Ich wollte nicht fühlen, wie nach und nach die Wärme ihren Körper verließ und der Kälte Platz machte. Wollte nicht fühlen, wie sich ihre Glieder versteiften, als die Totenstarre eintrat. Wollte nicht fühlen, wie das Blut gerann und sich klebrig und zäh an ihre Haut schmiegte. Ich wollte nicht…ich wollte nicht, dass alles vorbei war. Meine Mylady kann dich nicht einfach sterben!
Der Abendhimmel wurde von der Nacht abgelöst, ließ die Sterne und den Mond erscheinen.


Yuri saß schweigend neben mir, hatte selbst Tränen in den Augen und schniefte. Schließlich beugte er sich vor, nahm mein Gesicht in seine Hände und blickte mir voller Verstehen in die Augen. Sie waren wahrscheinlich gerötet, hatte ich doch die meiste Zeit über geweint, als ich Yuri meine und Rosemaries Geschichte erzählt habe.
Yuri schloss die Augen und küsste mir die Tränen von den Wangen. Es waren nur federleichte Berührungen seiner Lippen, doch ich genoss sie und fühlte mich auf eine unbestimmte Art…ich weiß nicht…geliebter? Nicht mehr so schuldig, wie ich es die letzten Jahre getan hatte?
Dafür liebte ich das Weichei, welches nichts auf die Reihe bringt, meinen Verlobten der zu früh zum König wurde...
...meinen Yuri…
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