the Wolfs past

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Wolfram von Bielefeld
27.08.2012
06.09.2012
2
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Titel: the Wolfs past
Kapitelanzahl: 2
Warnungen: CharacterDeath
Pairs: nur freundschaftlich: Yuri x Wolfram
Disclaimer: KyoKaraMaou gehört nicht mir, ich leihe mir lediglich die Figuren und das Setting aus. Und ich verdiene mit dieser Fanfiction auf kein Geld, sondern vertreibe mir damit bloß die Langeweile und gebe meiner Fantasie ein Ventil.
Kurzbeschreibung: Wolfi hasst die Menschen, aber wie kam es dazu? Welches Erlebnis hatte ihn so sehr gezeichnet, dass er der Menschheit gegenüber voller Hass begegnet?




Des Wolfs Verschwinden

Yuris POV


Es war mitten in der Nacht, als ich merkte, wie sich die linke Betthälfte senkte. Wolf…dachte ich und kuschelte mich tiefer in mein Kissen. Mittlerweile regte ich mich gar nicht mehr darüber auf, dass mein Verlobter in mein Bett kroch. Ich konnte ihn ja doch nicht davon abhalten. Und es war ja auch nicht so, als würde er sich dann an mich ranmachen oder so…okay, streicht das. Natürlich tat er das.
… …

Vogelgezwitscher weckte mich und verschlafen rieb ich mir die Augen. Als ich mich aufsetzte, bemerkte ich, dass die linke Bettseite leer ist. Ich runzelte die Stirn. Normalerweise schlief Wolfram doch immer so lange, bis einer seiner Brüder oder seine Mutter nach ihm schauen kamen. Gunther traute sich nicht, ihn zu wecken, was wohl ziemlich vernünftig war. Auf dem Stuhl in der Ecke lag meine Schuluniform, die ich in dieser Welt zu tragen vorziehe. Ich war es gewohnt, sie anzuhaben und außerdem meckerte Gunther immer, wenn ich etwas anderes trug, was nicht so schön schwarz war.
Ich machte mich frisch und ging in das Esszimmer, in dem ich mich versehentlich mit den jüngsten der Brüder verlobte. Ziemlich bescheuert, eine versehentliche Verlobung, aber wer ahnt denn auch, dass eine Ohrfeige ein Antrag ist? Darauf muss man erstmal kommen…
Am Tisch saßen wie erwartet Conrad, die Altkönigin und Gwendal sowie Gunther, der wie immer so ein undefinierbares Leuchten um sich herum hatte. Nachdem ich mich auf meinen Stuhl gesetzt hatte, deutete ich auf den letzten leeren Platz und fragte: „Wo ist den Wolfram? Will er nicht frühstücken?“ „Ach, ist es schon wieder soweit?“, seufzte die Altkönigin.
Keine Ahnung, wie ich den Blick, den sich die vier gerade zuwerfen, interpretieren soll, aber ein gutes Gefühl verursachte er nicht gerade. „Was ist los?“, will ich natürlich wissen. Ich mochte es noch nie, als einziger unwissend zu sein.
„Wolfi ist spazieren gegangen“, brach Cecilie schließlich das  unangenehme Schweigen. Spazieren? Und das soll ich ihr glauben? Wolfi würde ganz sicher nicht spazieren gehen, wenn er dadurch das Frühstück verpasst. Ich gab mich zwar vorerst mit dieser Antwort zufrieden, doch nahm ich mir vor, Conrad bei der nächsten Gelegenheit mal auszufragen. Vorteilhafterweise, wenn die anderen nicht dabei waren und dazwischenfunken konnten. Stillschweigend aßen wir unsere Teller leer, um anschließend unseren Arbeiten nachzugehen, was so viel hieß wie: jeder machte das, worauf er gerade Lust hatte.
Cecilie von Spitzweg verschwand in ihre Gemächer und lobte dabei laut die neueste Modekollektion einer gewissen Jeanne de Lanvin. Wen sie damit meinte, war mir schleierhaft.
Gwendal rauschte, mit seiner typischen Falte im Gesicht aus dem Zimmer und ich hatte so die dunkle Vermutung, dass er die nächsten Stunden damit verbringen würde, Stofftiere zu häkeln, oder sich um die Katzenbabys kümmern würde, die er auf den Straßen aufgelesen hatte. Wer hätte gedacht, dass dieser grimmig wirkende Mann, der problemlos die Hauptrolle in „Der Pate“ kriegen würde, eine Schwäche für alles niedliche hatte?
Gunther brummelte was von einem Orakel, das er befragen wollte. Seit neuestem benutzte er keine kleinen Tiere mehr dafür. Ich vermute, dass Gwen ihm ins Gewissen geredet hatte. Aber vielleicht hat er ihm einfach auch nur gedroht und Schmerzen versprochen, wenn er das Orakel nicht anders anrufen würde.
Blieben also nur noch Conrad und ich übrig, die im Speisezimmer waren. Unbehaglich rutschte ich auf meinem Stuhl herum, und überlegte, wie ich das Thema anschneiden sollte. „Mhmm, Conrad?“ „Ja, Majestät?“ Mit einem grummeligen Blick gab ich ihm zu verstehen, dass er mich nicht so nennen soll. „Was meinte deine Mutter, als sie meinte, dass es schon wieder so weit sei? Was ist mit Wolf?“
Conrad fuhr sich durch seine braunen Haare und das Lächeln, welches eben noch seine Lippen
verzogen hatte, verschwand. „Ich weiß nicht, ob ich es dir erzählen darf, Yuri.“ Das schürte meine
Neugier natürlich nur noch mehr, also hakte ich nach. Der zweitälteste der Brüder seufzte und nippte
an einem Glas Wasser. „Heute ist ein sehr wichtiger Tag für Wolfram. Es hat etwas mit einem Ereignis aus seiner Kindheit zu tun und seit dem ist er jedes Mal an diesem Tag verschwunden. Gwendal ist der einzige, der weiß, wo er sich dann aufhält. So viel kann ich dir verraten, aber vielleicht solltest du Wolf selbst danach fragen, wenn er zurückkommt.“ Plötzlich tischte er mir eine Ausrede auf und verließ fast fluchtartig den Raum.
 Natürlich machte mich das nur noch misstrauischer und ich beschloss, Gunther einen Besuch abzustatten.
 Ich fand ihn in seinem „Orakelsaal“, wie er den Raum gerne nannte. Allerdings verdiente er eher die Bezeichnung „Kesselraum“, denn besagter Kessel nahm fast den gesamten Platz in Anspruch und an die Wände pressten sich vollgestopfte Bücherregale. Aus dem Kessel stieg Dampf auf und mit einem verklärten Gesichtsausdruck hüpfte Gunther darum im Kreis. Vielleicht sollte ich mein Glück doch lieber bei Gwendal versuchen? Ich rechnete zwar nicht wirklich mit Erfolg, aber Fragen schadete ja nicht.
Nachdem ich mich dreimal verlaufen hatte, stand ich nun endlich vor Gwendals Tür. Tief durchatmen...Da auf mein Klopfen keine Reaktion folgte schob ich die Tür einen Spalt breit auf und riskierte einen Blick in den dahinter liegenden Raum. Auf dem Schreibtisch stapelten sich Papiere und Ordner, während sich auf dem Fensterbrett, Sesseln und Sofas selbst gemachte Kuscheltiere türmten. Sie hatten alle eine unheimliche Ähnlichkeit mit Schweinen, die man allerdings auch als Bären ansehen konnte. Was sie wirklich darstellen sollten, wusste ich nicht genau. Ich konnte Gwendal nicht sehen, also schob ich die Tür ganz auf und trat ein. Ein leises Quietschen lenkte meine Aufmerksamkeit zu dem großen Bett, welches an der linken Wand stand. Auf der grünen Tagesdecke stand ein kleiner Korb, an dessen Rand rote Bänder hineingeflochten waren. Gwendal kniete neben dem Bett und hatte sich über den Korb gebeugt, sodass die schwarzen Haare in sein Gesicht fielen. Trotzdem hatte ich den Eindruck, in eine extrem intime Situation hineingeraten zu sein, als er etwas aus dem Korb herausnahm. Genanntes Etwas war weiß, hatte einen dunkelbraunen Fleck auf dem Rücken und leckte Gwendal gerade mit einer rosa Zunge zufrieden über das Kinn. Oh mein Gott! Ich glaubte sogar, ihn kichern zu hören!!
Ich musste mich wohl durch irgendein Geräusch verraten haben, denn er hob den Kopf. Wütend funkelte er mich zwischen den Ohren des Kätzchens an und die allgegenwärtige Falte zwischen seinen Augenbrauen vertiefte sich sogar noch mehr.
„Ähm…ich…entschuldige, mein Pate“, verdammt! Was hatte ich da gerade gesagt? Geschockt hielt ich mir die Hand vor den Mund, konnte aber meine Worte nicht mehr zurücknehmen. Mein Pate?? Was sollte denn das? Meine Wangen hatten wahrscheinlich die Farbe von Wolframs Nachthemd angenommen. Peinlich berührt hoffte ich, das Gwendal nicht auf meinen Ausrutscher eingehen würde. Aber da hatte ich falsch gehofft. Bevor er sich erhob setzte er das Kätzchen zurück in den Korb. Wenn er steht, bietet er eine ziemlich eindrucksvolle Gestalt ab, kein Wunder also, dass ich ihn mein Pate genannt hatte. Außerdem hatte ich bei ihm meistens den Eindruck, als wenn er überlegen würde, ob er dich umbringen soll und ob sich die Mühe überhaupt lohnt.
HILFE!!!!! Er kam auf mich zu und blieb weniger als dreißig Zentimeter vor mir stehen. Das war definitiv zu nah, aber was sollte ich machen? Ich schluckte und legte mit eine Ausrede zurecht, um schnell verschwinden zu können. Mein eigentliches Vorhaben, ihn nach Wolf zu fragen, hatte ich in die hintersten Ecken meines Verstandes verbannt. Gwendal von Voltaire hob die Hand. Unfähig, woanders hinzusehen, starrte ich in an und bekam daher einen Mordschreck, als ich plötzlich seine Hand an meiner Hüfte spürte. Der überraschte Schrei blieb zum Glück in meiner Kehle stecken, sonst wäre ein ziemlich peinliches Quietschen über meine Lippen gekommen. Stattdessen stotterte ich irgendeinen Mist und erstarrte, als Gwendal anfing, an meinem Gürtel rumzuwerkeln.
Ich wagte einen Blick auf den ältesten der Brüder und wusste nicht so genau, wie ich diesen Gesichtsausdruck einschätzen sollte. Seine Augen hatten einen geradezu warmen Schimmer und die Falte zwischen seinen Augenbrauen war zum Teil verschwunden. Die Lippen hatten sich zu einem leichten Lächeln verzogen was mir einen Schauer über den Rücken jagte. Ich war es einfach nicht gewohnt, ihn lächeln zu sehen. Ein leises Klicken ertönte und ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen Hosenbund. Gwendal Hände verließen ihn. In der einen Hand hielt er den kleinen Plastikdelfin, den ich mir in Sea World gekauft hatte, als ich mit Ken Murata, einem Schulkameraden, da war. Scheinbar schien es ihm das Ding angetan zu haben, denn er betrachtete er mit liebevollen Augen und streichelte es sogar.
„Niedlich, der kleine Flipper, nicht?“
„Flipper?“, fragte Gwendal verwirrt nach.
„Ja, das ist der Name des Delfins“, erklärte ich.
„Flipper…sehr süß.“
„Du darfst ihn behalten, aber ich würde dich gerne etwas fragen. Wie wär´s, wenn du mir meine Frage beantwortest und du dafür den Anhänger bekommst?“ Versuchen kann man´s ja mal.
Gwendal schloss beschützend seine große Hand um den Delfin und hakte nach. „Was für eine Frage?“
„Nun…“ Jetzt mach schon, Shibuya! Dafür bist du doch schließlich gekommen! „Ich will wissen, was mit Wolf ist. Wieso ist er nicht da und was meinte seine Mutter damit, als sie sagte, dass es schonwieder so weit sei? Wo ist er hingegangen?“ Vor Aufregung war ich ganz außer Atem und ich atmete erstmal tief durch. Gwendal knurrte – wieder ganz der Alte – dass dies drei Fragen waren und nicht nur Eine, aber er schickte mich auch nicht weg, was meiner Hoffnung schon mal keinen Abbruch tat.
„Er ist spazieren, das sagte Mutter doch schon. Wieso fragst du ihn nicht einfach, wenn er wiederkommt?“ Gwendal wandte sich wieder seinen Kätzchen zu. Denn Delfin hatte er auf die Kommode neben dem Bett gelegt. „Ich denke nicht, dass Wolf mit antworten wird. Wahrscheinlich wird er irgendwas Abfälliges sagen, dass ich aufhören soll, ihn zu bemuttern. Ich möchte doch einfach nur wissen, wo er ist, wieso sagt mir das keiner?“
Mit einem Seufzen signalisierte Gwendal, dass er aufgab. Er setzte sich auf das Bett und stützte den Kopf in die Hände. „Wolfram ist nach K´Ylijala gegangen. Er wird heute Nacht wiederkommen, bitte bestürme ihn nicht mir Fragen. Es ist ein…schwieriger Tag für ihn.“ K´Ylijala? Ist das nicht eine Stadt außerhalb des Dämonenreiches?- Ich brachte es nicht fertig ´mein Königreich´ zu sagen. Gwendal musste mir den Gedanken angesehen haben, denn er seufzte abermals und fügte hinzu: „Er…besucht dort jemanden.“ Wow, wirklich präzise. Genervt, dass niemand mir einfach sagte, was los sei, verließ ich Gwens Gemächer und lief den Flur entlang. Die Hände tief in die Taschen meiner Schuluniform vergraben trat ich aus dem Schloss des blutigen Eides und legte den Kopf in den Nacken. Wolf…Plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich nachts aufgewacht war, weil ich eine Bewegung gespürt hatte. War Wolf etwa dann schon aufgestanden und nach K´Ylijala geritten? Eines der geflügelten Skelette segelte durch die Luft und verschwand hinter den Dächern der Hauptstadt. Mein knurrender Magen erinnerte mich daran, dass es schon Mittag war und hungrig begab ich mich zum Speisesaal. Obwohl ich wusste, dass es nicht brachte, hoffte ich, dass mein Verlobter in der Zwischenzeit wieder aufgetaucht war. Verdammt! Gwendal sagte, er besucht jemanden, da muss ich mir doch nicht solche Sorgen machen! Allerdings lag K´Ylijala im Menschenreich und dort mochte man die Dämonen nicht sonderlich. Was, wenn Wolf in Gefahr war? Wenn er gefangen genommen wurde und nun auf Hilfe wartet? Okay, ganz ruhig, Shibuya. Nicht durchdrehen, nur weil er weg ist. Immerhin kann er sich wehren und beherrscht zudem auch noch das Feuer. Er ist nicht hilflos!
Im Speisesaal erwarteten mich schon Conrad, Cery und Gunther. Gwendal war nicht da. Wieder verlief das Mahl im einträchtigen Schweigen und die Blicke, die sich die drei immer wieder zuwarfen, trugen nicht zu meiner Beruhigung bei.

Ich beobachtete, wie die Sonne hinter den Dächern verschwand und ihre letzten Strahlen die Leute blendeten, die auf dem Nachhauseweg waren. Gerade wollte ich reingehen, als ich einen Schatten zwischen den Häuserblocks sah. WOLF! Ja, das war er, kein Zweifel!
Sein Pferd ging langsam, hatte es doch einen weiten Weg hinter sich und Wolfs Haar leuchtete in den verschwindenden Strahlen. Aufgeregt lief ich ihm entgegen, nur um müde angefunkelt zu werden. Aber ich ließ mich nicht einschüchtern. So was war unmöglich, wenn man ihm in einem rosa Nachthemd mit Rüschen gesehen hatte. Ich nahm die Zügel und führte sein Pferd zurück in den Stall, wo sich ein Junge um es kümmerte. In der Eingangshalle wartete Gwendal, der ohne etwas zu sagen Wolfs Schulter drückte und dann ging. Cery war den ganzen Tag schon ungewohnt still gewesen und lächelte ihren jüngsten Sohn nur leicht an, als er an ihr vorbei die Treppe hochging. Ich folgte ihm, bekam aber die Tür vor der Nase zugeschlagen, als er in sein Zimmer ging. Etwas beleidigt trollte ich mich. Hoffentlich war er morgen besser gelaunt. Ich mochte es nicht, einen traurigen Wolfi zu sehen. Das passte nicht zu ihm.
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