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Gefrierpunkt

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
26.08.2012
09.01.2013
28
32.324
1
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26.08.2012 969
 
(Disclaimer s. vorherige stories)



Was soll ich großartig erzählen. Die Geschehnisse nahmen ihren Anfang gerade zu ordinär langweilig. Ich kann mich noch genau an den Morgen erinnern, an dem ich auf der Terrasse unseres Hauses gesessen, Kaffee und Zeitung vor mir hatte. Die Sonne über L.A. wärmte sanft meine Beine.
„Liebling. Sieh mal her!“ Charles erschien neben dem Tisch und reichte mir ein Stück Papier. „Das wird dein Zuhause für die nächsten Monate.“
Sorgfältig las ich über die Zeilen des Schriftstücks. „Toronto? Und wo wirst du sein?“
„Mexiko.“
Ich atmete tief ein und wieder aus. Es war nicht neu, dass er geschäftlich viel unterwegs war. Mal nur ein paar Tage, dann wieder Monate. Diesmal schien es sich um eine längere Reise zu handeln.
Das Papier zeigte neben ein paar detaillierten Beschreibungen auch ein Bild eines Hauses. Darin waren Appartements. Eines sollte nun mir gehören für die kommenden Monate. Während seiner Abwesenheit würde es sicherer sein in Canada, als in Los Angeles in einer seiner Villen. Es war für mich nichts Unbekanntes umzuziehen, neue Orte und Menschen kennen zu lernen.
„Es war ein Glückstreffer. Appartement 1011 im Obergeschoss. Du wirst es lieben!“ Sanft küsste er meine Stirn, ging ins Haus zurück und ließ mich mit dem Stück Papier allein.

Natürlich forschte ich in den folgenden Tagen ein paar Informationen heraus. Das war leicht, Charles kannte viele Personen, und noch mehr Möglichkeiten an Infos heranzukommen. Außerdem half mir Ray. Er war einer von Charles Leuten, ihn mochte ich noch am liebsten. Einmal hatte er mich auf einen Kaffee eingeladen. Ray schien Mitleid für mich zu empfinden, doch gleich warum, er war nett zu mir und ich schenkte ihm mein Vertrauen. Dies erwiderte er mir, indem er mir am Ende einer langen Reise sein Tagebuch in meine Obhut gab. Dadurch kann ich meine Erzählungen hier ergänzen.

Ein paar Senioren lebten im Erdgeschoss, ein paar Studenten und unscheinbare Personen verteilt in den anderen Wohnungen. Im meinem Stockwerk gab es lediglich zwei weitere bewohnte Appartements. Eines gehörte einem alten Tratschweib. Sie schien schon ewig dort zu leben, genoss die Aussicht auf die Straße und die Gespräche anderer Menschen zu belauschen. Das andere Appartement, 1008, war von einem jungen Polizeibeamten bewohnt. Es machte mich stutzig, weshalb ich Charles eines abends, es war kurz vor unser beider Abreise, danach fragte.
„Sei deinen Feinden am nächsten, so wird deine Spur trübe.“ Das war alles was es seinerseits zu sagen gab. Er sah nicht einmal vom Buch hoch, die Diskussion war somit beendet. Für mich schien es logisch und ich tüftelte alsbald einen Plan aus, der mich die nächsten Monate beschäftigen sollte. Langeweile hasste ich zutiefst.

Zum Abschied gab mir Charles einen festen Kuss auf die Stirn, sah mir schweigend in die Augen und stieg dann in den Wagen. Das war eben Charles. Wenn man ihn nicht kannte, könnte man ihn für einen Widerling halten. Jemand, der sich um niemanden als sich selbst kümmert. Doch bei mir war es anders.
Wir lernten uns schon in jungen Jahren kennen, ich war sofort fasziniert gewesen von seiner Ausstrahlung. Er selbst schien meine anbetende Haltung ihm gegenüber mehr als anziehend zu finden. Meine Eltern konnten Charles leider von Beginn an nicht leiden. Als ich mich häufiger mit meiner Mutter zu streiten begann, zog ich mit 16 Jahren aus. Seit dem lebte ich mehr oder weniger mit Charles zusammen. Einmal nur, da war er zwei Monate fort. In dieser Zeit lernte ich jemanden kennen, den ich sehr mochte und liebte. Als Charles zurückkam wusste er sofort davon. Er machte mir deutlich, dass er dieses Verhalten von mir nicht erdulden, nicht ertragen konnte. Danach sah ich diesen Herrn nie wieder und ich selbst hielt mich auch zurück. Ich wusste alsbald sogar wie er davon Bescheid wissen konnte. Er hatte ein paar seiner Leute angesetzt mich zu beschatten. Eigentlich sehr lieb von ihm, so konnte er sicher gehen, dass mir nichts passierte während er fort war. Seit damals begleiteten mich diese Schatten auf jeder Reise.
Ich liebte ihn, und er sorgte dafür dass es mir nie an etwas fehlte.


Ich hatte mich schnell in meiner neuen Wohnung eingerichtet. Sie war nicht groß, nicht nobel wie Charles Villen mit Pool, bei denen ich mich nur gelegentlich sonnte. Aber es war ruhig. Wie immer, passte ich mich schnell an die neue Umgebung an. Trug legere Kleidung, ging regelmäßig aus dem Haus, gab mich wie jeder andere Stadtbewohner.
Die alte Dame kam mir öfters entgegen. Anfangs war ich verwundert über ihre Blicke, bis sie mich dreist fragte ob ich es nicht vermisste mich in LA zu sonnen. Sie schien meinen sonnigen Teint nicht zu mögen. Oder es waren die rötlichbraunen Haare, die gewellt auf meinen Schultern auflagen. Mir war es gleich. Mit entzücktem Lächeln und meinen grau leuchtenden Augen, die knapp unter meinen Stirnfransen hervorglänzten, sah ich sie an und sagte nichts.  Alte Damen haben oftmals etwas auszusetzen sobald Neues, für sie Unbekanntes in ihren öden, regelmäßigen Tagesablauf trat. Den anderen, diesen jungen Cop, bekam ich nie zu Gesicht. Die alte Dame ließ mich wissen, dass er zumeist bei seiner Freundin, ebenfalls eine Beamtin, in deren Haus wohnte. War er einmal hier, verpasste ich ihn nur knapp.
Leider warf das meinen Plan, mir die Langeweile zu vertreiben, etwas aus dem Konzept. Doch glücklicherweise rechnete ich mit einem Anruf von Charles. Schon nach wenigen Tagen war es so weit.
„Schatz? Ich werde meine Reise etwas verlängern müssen. Es sind jetzt schon Probleme aufgetaucht, die mehr Zeit als gedacht in Anspruch nehmen werden.“
Ich war es gewohnt, dass Charles seine Reisen verlängerte. Es störte mich nicht, da ich die Zeit für mich alleine auch genoss. Allerdings fragte ich mich wie Charles wohl diesmal seine Reiseverlängerung gestaltete, ob es blondgefärbt oder mehr Latino mäßig, mit dunklen Teint und wohl geformt war. Darauf ansprechen würde ich ihn nicht.
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