Ahnungslos verführt

KurzgeschichteRomanze / P18 Slash
Hercules Salmoneus
25.08.2012
25.08.2012
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Autor: Susanne Christie
Fandom: Hercules - The Legendary Journeys
Pairing: Salmoneus/Hercules
Disclaimer: Sämtliche Rechte und finanziellen Gewinne an den von mir in dieser Geschichte benutzten Charakteren liegen bei deren Erfindern und Copyrightinhabern. Die Rechte an der Plotidee beanspruche ich für mich selbst.
A/N: Die in Kapitel 3 erwähnte Szene auf dem Kunstbasar findet sich in der Folge "Der doppelte Hercules".


Ahnungslos verführt


Salmoneus wusste, es war nicht fair.
Er wusste genau, wie gemein es war, was er da machte, als er den Kräutertrunk, den ihm die Kräuterfrau gegeben hatte, in den Becher mit dem Tee mischte, den er Hercules überreichen würde.
Doch Salmoneus konnte einfach nicht mehr. Er hatte bereits zu viele qualvolle Tage und Nächte hinter sich.
Tage und Nächte, in denen er gekämpft hatte mit seiner unerfüllten Sehnsucht. Ein jedes Mal hatte er sie niedergerungen, hatte den Schmerz in sich betäubt, indem er sich einredete, es müsste so sein. Es gäbe keinen anderen Weg.
Doch an diesem dritten Tag, da er mit Hercules auf Wanderschaft war, war es endgültig unerträglich geworden. Zumal ihn der Dialog der beiden jungen Frauen unentwegt verfolgte, den er zufällig belauschte, am Tag bevor Hercules zu ihm gekommen war und ihn überredete, ihn auf eine Wanderschaft in ein entferntes Dorf zu begleiten, wo er nach dem Rechten sehen wollte.
Insbesondere was diese Lydia gesagt hatte, ließ Salmoneus nicht mehr los.
Gerade von Hercules sollte man ja nicht denken, er sei zurückhaltend, aber ich sage Dir, Rosie, der Kerl ist sowas von schüchtern, das ist nicht normal. Eigentlich übernehme ich nicht gern die Initiative im Bett, aber wenn ich es nicht getan hätte, wären wir wohl unbeteiligt nebeneinandergelegen bis zum Morgengrauen. Nein, also normal ist das nicht. Er ist ja total gehemmt. Kein Wunder, dass er ewig allein herumläuft, wo er mit seinem Aussehen jede Nacht so viele Frauen vernaschen könnte, wie er will. Was beweist, dass Schönheit einsam machen kann. Und ehrlich gesagt, mir ist ein weniger gutaussehender Typ, mit dem ich im Bett Spaß haben kann, lieber als ein hübscher Langweiler, wie Hercules einer ist. Mit dem verbringe ich garantiert keine Nacht mehr!
Diese dümmlichen Weiber hatten eben keine Ahnung, wie sie einen Mann - einen zauberhaft schüchternen, gehemmten Mann - anpacken mussten! Das wusste nur Salmoneus. In seiner Fantasie jedenfalls.
Vielleicht wollte Hercules sowieso lieber Sex mit einem Mann haben.
Salmoneus kämpfte mit sich. Seit einer halben Ewigkeit törnte Hercules ihn total an, doch aus Sorge, den Freund zu verschrecken oder gar zu verärgern, hatte Salmoneus sich ihm gegenüber nie etwas anmerken lassen von seinen Gelüsten. Er hatte es bisher auch nicht gewagt, Hercules anzumachen oder ihn gar ungefragt anzufassen.
Doch das wollte Salmoneus jetzt ändern. Das, was diese Lydia gesagt hatte, ermunterte ihn geradezu dazu. Wenn Hercules schon Frauen gegenüber schüchtern war, wenn es um Sex ging, würde er sich erst recht nicht trauen, diesen einem Mann gegenüber einzufordern. Also blieb Salmoneus gar nichts anderes übrig, als die Intitiative zu ergreifen, oder er konnte warten, bis der Olymp einstürzte und es würde sich nichts tun.
Eine intime Begegnung mit Hercules war jedoch das Sehnsüchtigste, was Salmoneus sich zu erleben wünschte. Dafür hätte er alles mögliche aufgegeben, in Momenten, wenn seine Erregung kaum zu beherrschen war, sogar sein Leben.
Da! Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen.
Ein weiterer Tag ging zu Ende, der Salmoneus nichts weiter als eine lästige und schmerzhafte Dauererektion eingebracht hatte, während er hinter Hercules herstampfte über die hügelige Graslandschaft und dabei schmachtend beobachtete, wie die weichen, blonden, schulterlangen Haare seines Freundes in der rasch frischer werdenden Brise wehten.
Diese Haare....... Salmoneus geriet jedesmal aufs Neue ins Schwärmen. Wie konnte ein Mann solch wunderbares, volles Haar besitzen? Und wie schaffte Hercules es, dieses Haar stets weich und sauber aussehen zu lassen, als würde er es mehrmals am Tag waschen?
Dieser Mann war schön wie ein Engel.
Salmoneus musste ihn haben, und wenn es nur für eine einzige Nacht war.
Und es würde diese Nacht sein.
Salmoneus würde sich endlich seinen Traum erfüllen. Hercules war, wie diese Lydia (auf die Salmoneus verständlicherweise eine nicht unerhebliche Eifersucht verspürte) festgestellt hatte, in erotischer Hinsicht naiv und bezaubernd unschuldig, und gerade diese Unschuld, die Hercules auch in anderen Menschen vermutete, machte ihn umso anziehender für Salmoneus. Salmoneus hatte oft genug selbst beobachtet, wie sich Hercules den Frauen, die sich an ihn heranmachten, geradezu ängstlich verweigerte.
Wer konnte schon der Verlockung widerstehen, einen unbedarften Engel zu verführen?
Selbstverständlich hatte Salmoneus Angst vor einer Zurückweisung. Wenn er Hercules zu verstehen gab, was er von ihm wollte, und dieser sich ihm ebenso verweigerte wie den Frauen, wäre das für Salmoneus eine peinliche Sache gewesen.
Deshalb war Salmoneus zu dieser Kräuterfrau gegangen, während Hercules in einem kleinen Dörfchen, das sie auf ihrer Wanderung passierten, einen Freund besuchte. Die Kräuterfrau hatte Salmoneus einen Trunk gegeben, der demjenigen, der ihn zu sich nahm, einen besonders tiefen Schlaf bescherte. Einen Schlaf, der so tief war, dass er beinahe einer Bewusstlosigkeit glich.
Damit wollte Salmoneus sich Hercules gefügig machen - für eine einzige, kurze, intime Begegnung. An die würde sich Hercules am anderen Morgen nicht mehr erinnern können, Salmoneus jedoch sein ganzes restliches Leben lang.

+++++++

Salmoneus verspürte heftiges Herzklopfen, als er an diesem Abend gemeinsam mit Hercules am Rand eines dicht bewachsenen Waldes ein Lager für die Nacht aufschlug.
Und er verspürte noch etwas. Heftiges Mitleid nämlich. Gerade weil Hercules so ein geradezu kindliches Urvertrauen in seine Freundschaft mit Salmoneus hatte, tat es Salmoneus umso mehr weh, ihn hereinlegen zu müssen. Doch es ging nun mal nicht anders.
Während Hercules wie üblich dafür sorgte, dass das Lagerfeuer ordentlich brannte, kümmerte sich Salmoneus um die Zubereitung ihres Abendessens und braute den Tee.
Beim Essen machte sich Salmoneus allerhand Gedanken. Sollte er seinen gemeinen Plan wirklich durchziehen? Hatte die Kräuterfrau alles richtig gemacht oder konnte der Kräutertrunk Hercules gefährlich werden?
Nachdem sie gegessen hatten, reichte Salmoneus Hercules den Becher. Sein Herz schlug heftig, als ihn Hercules dankbar anlächelte und ihn die schönen, wasserblauen Augen des Freundes direkt ansahen. Hercules bedankte sich freundlich, wie es seine Art war, nahm den Becher entgegen und trank, durstig wie er war, den gesamten Tee fast auf einmal. Salmoneus schenkte ihm nach, und auch den zweiten Becher trank Hercules vollständig aus.
Nach etwa zwanzig Minuten beobachtete Salmoneus, wie sich Hercules immer öfter an die Stirn griff, als hätte er Kopfschmerzen. Weil dadurch ihre Unterhaltung jedesmal kurz unterbrochen wurde, kam Salmoneus nicht umhin, irgendwann zu fragen: "Ist alles in Ordnung, Hercules?"
"Ich weiß nicht......." Hercules wirkte erschöpft und verwirrt. "Mir ist schwindlig, und ich fühle mich schrecklich müde."
"Leg’ Dich zur Ruhe!" empfahl ihm Salmoneus.
"Der Mond ist noch nicht einmal aufgegangen.......", sagte Hercules, um den Freund zu erinnern, dass eigentlich noch keine Schlafenszeit war.
"Das macht doch nichts. Du bist eben übermüdet. Wir sind seit Tagen unterwegs und die Temperatur wechselt ständig. Tagsüber Hitze, abends Frische. Das ist nicht gut für den Körper."
Hercules wartete noch eine Weile, doch als das seltsame Schwindelgefühl, verbunden mit leichter Übelkeit, wiederkehrte, meinte er: "Ich denke, ich gehe schlafen, Salmoneus."
"Tu’ das, mein Freund. Ich wünsche Dir eine gute Nacht!"
"Die wünsche ich Dir auch."
Hercules entfernte sich vom Lagerfeuer und legte sich auf dem Rücken auf seiner Strohmatte nieder. Er musste innerhalb weniger Minuten eingeschlafen sein, denn Salmoneus beobachtete, dass er still lag und sich kein einziges Mal rührte oder umdrehte.
Um sicherzugehen, wartete Salmoneus lange. Dann sorgte er dafür, dass das Feuer niedrig brannte und schlich zu Hercules hinüber. Er kniete sich neben den Freund nieder und schaute eine ganze Weile auf dessen schlafendes Gesicht hinab.
Hercules rührte sich tatsächlich nicht. Nach einiger Zeit berührte Salmoneus ihn sanft an der Wange, zupfte an den blonden Haaren und strich ein paar Strähnen davon aus Hercules’ Stirn. Sein Herz klopfte heftig dabei. Zum einen, weil er Sorge hatte, Hercules könnte nicht so tief schlafen wie erwartet und plötzlich aufwachen, zum anderen, weil ihn die Berührungen des Menschen, den er heimlich liebte, elektrisierten und innerlich aufluden mit unerträglicher Spannung und Wollust.
"Mein wunderschöner, wunderbarer Engel", flüsterte Salmoneus, als seine "Tests" zufriedenstellend verlaufen waren und Hercules sich nicht rührte. Er lag still da wie ein Toter, seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig unter tiefen, ruhigen Atemzügen. "Wie gern hätte ich das alles für Dich getan, ohne Dich ausschalten zu müssen. Aber ich kann das Risiko nicht eingehen, dass Du wütend auf mich bist. Dich als Freund zu verlieren wäre unerträglich für mich. Dann lieber diese unerfüllte Sehnsucht. Doch dieses eine Mal sollst Du mir gehören. Mir ganz allein."
Und Salmoneus beugte sich über Hercules und hauchte ihm einen Kuss auf die goldene Stirn, die Augen tränengefüllt.
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