Verlorenes Glück

von Verti92
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Elena Fisher Nathan Drake Victor Sullivan
25.08.2012
25.08.2012
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25.08.2012 473
 
Es regnete nicht. Anders als in Büchern oder Filmen fiel kein Tropfen Regen hinab vom Himmel, um die traurige Gewissheit angesichts dieser Situation zu untermalen.
Nichts, das dem Gemüt von Nathan Drake gleichkam, während er hier stand, mit Blick auf das Grab.
Der Grabstein war schlicht, ebenso wie das Grab selbst, obgleich es reich verziert worden war mit Blumen und Gestecken.
Nicht übertrieben und doch viel zu schlicht. Nicht, dass er ein pompöses Grab hatte ausheben wollen oder gar ein Mausoleum erbauen, doch es schien so unfair zu sein, Elena gerade einmal in einen Sarg zu stecken und das Ganze in einem schmalen Erdloch zu versenken, das dann mit ein paar Blumen belegt und mit einem Stein gekennzeichnet wurde.
Sie hatte ihm so viel bedeutet und war ihm bis zum Tod treu geblieben.
Und nun? Nun war nichts mehr von seiner Elena übrig, nichts mehr, außer ein Körper ohne Leben, der sich ebenfalls auflösen würde.
Nate weinte nicht, nicht wirklich jedenfalls. Denn in seinen Augen brannten zwar Tränen, aber sie traten nicht an die Oberfläche, bahnten sich keinen Weg seine Wangen hinab, um seine Trauer zu bekunden und die Erde zu durchnässen.
Noch blieben sie dort, wo sie waren, doch Drake fragte sich, wie lange es anhalten würde.
Die Sonne schien viel zu hell zu sein, viel zu sehr zu brennen, um wirklich Trauer beiwohnen zu dürfen…
„Es tut mir leid, Elena“, murmelte Nate.
Er war mittlerweile alleine am Grab. Alle waren gegangen, sogar Sully, der ihm seine Ruhe gönnen wollte, um sich in Ruhe und in „Zweisamkeit“ verabschieden zu können.
Die Zeit seit ihrem Tod schien nur aus reiner Qual und trostlosem Alltag zu bestehen.
Jeden Morgen wachte er auf, mit diesem Wissen, das sich gleich in sein Bewusstsein drängte, mit den Bildern, die ihn auch nachts verfolgten.
Die Bilder, wie sie da lag, sterbend, mit Blut besudelt und Blut hustend.
Und dem Gefühl, das ihn damals beherrscht hatte, neben der absoluten Trauer und dem brennenden Zorn, das Gefühl versagt zu haben und hilflos zu sein. Dieses Gefühl weckte ihn andauernd. Es fühlte sich an als würde er fallen, sein Magen zog sich krampfhaft zusammen und nichts vermochte ihn zu stoppen.
Dazu kam der Rest des Tages, voller grauem Einklang und ohne Abwechslung oder wirklicher Freude… Nate lebte zurzeit mehr in den Tag hinein, als dass er wirklich das Leben genoss. Wie auch?
Unweigerlich fragte sich der Mann, wie es jetzt weiter gehen würde.
Ihm war bewusst, dass der Schmerz niemals endete, aber vielleicht würde es irgendwann erträglicher werden. Darauf musste er bauen oder er würde daran zerbrechen, früher oder später.
Mit einem letzten Blick zum Himmel und auf das Grab wandte er sich schweren Herzens um. Was für ein merkwürdiges Gefühl, sie hier zurückzulassen, alleine von hier wegzugehen.
Irgendwie blieb sie allerdings bei ihm… Elena würde ihn nie wirklich verlassen.
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