Verlorenes Glück

von Verti92
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Elena Fisher Nathan Drake Victor Sullivan
25.08.2012
25.08.2012
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Verlorenes Glück


Alles was Drake sah, war, wie sie regelrecht in Zeitlupe zusammensackte, die bleiche Haut schimmerte vor Schweiß im Licht der Fackeln.
Der Knall des Schusses schien noch immer zu hören zu sein. Ein grausamer Laut, der über Leben und Tod richtete. Entsetzlich laut und endgültig…
Sein Innerstes schrie verzweifelt auf und am liebsten wäre er nach vorne gestürzt, auf die Frau zu, die schwer atmend am Boden lag und stöhnte.
„Nein!“, brüllte er auf und sein Blick wanderte zu dem bulligen Mann, der mit der Waffe da stand und perplex die Frau betrachtete. „Was habt ihr getan?!“
Der angesprochene Verbrecher zuckte zusammen. Sein Boss würde ausrasten, wenn er das sah, denn immerhin wollten sie die Blondine als Geisel halten, damit Drake das machte, was sie wollten.
Und genau um das zu verhindern, hatte Elena sich gewehrt. In dem Handgemenge hatte sich ein Schuss gelöst und die Geisel tödlich verletzt. Nun würde Nathan Drake bestimmt nicht mehr das tun, was sie von ihm wollten, auch, wenn er der einzige war, der das Rätsel gelöst hatte, der einzige war, der sie weiter bringen konnte…
Der Chef würde ihm den Kopf abreißen!
Während der Bullige weiterhin darüber nachdachte, wie er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte, wehrte sich Nate weiter im Griff seiner Bewacher.
Der Mann, der links von ihm stand, hatte seinen Griff um Nates Schulter gelockert, denn auch sein Blick lag auf Elena.
Sobald Drake es bewusst wahrnahm, rammte er den anderen mit der Schulter und wandte sich dann dem Zweiten zu, der völlig überrumpelt wurde und letztendlich umfiel. Er blieb liegen, denn er war mit seinem Kopf gegen einen Felsen gekracht.
Sofort wollten die nächsten Gegner auf Nathan losgehen, wurden jedoch von dem Bullen zurückgepfiffen. „Lasst ihn!“
Viel zu sehr mit der Angst vor seinem Boss beschäftigt sah er keine Gefahr da drin, dass der Mann zu seiner sterbenden Frau gehen würde.
Die war ohnehin geschwächt und atmete kaum noch, sollte Drake doch zu ihr gehen und sich verabschieden.

Als Nate auf Elena zuschritt, fühlten sich seine Beine viel zu schwer und zu gummiartig an, sein Magen war nur noch ein schmerzendes und zusammengezogenes Etwas.
Sie atmete nur noch leicht, aber schwer und er ließ sich neben sie auf die Knie sinken, berührte ihre Schulter, die sich schwitzig und kalt anfühlte.
Sanft drehte der Mann die Verletzte auf den Rücken und stütze ihren Kopf im Schoß, strich ihr die feuchten, verklebten Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Elena?“, hauchte er, sich bewusst, dass sie nicht antworten würde. Die Frau würde ihm nie wieder antworten können, was ihn dazu veranlasste die Schultern sinken zu lassen.
Sanft strich er über ihre Wangen und musste die Tränen zurückhalten.
Schlagartig wurde er an die Situation von damals erinnert, als die Granate direkt vor ihr explodiert war und Flynn sie fast mit sich in den Tod gerissen hatte.
Er hatte sich geschworen, auf sie aufzupassen und nicht mehr zuzulassen, dass so etwas passieren würde! Einfach, weil er sie nicht verlieren wollte… es nicht konnte! Nur die Vorstellung davon hatte ihm den Atem stocken lassen. Ihm!
Und nun war genau das eingetreten, was niemals hatte eintreten dürfen.
Elena starb, langsam aber sicher. Jede Sekunde konnte ihr letzter Atemzug den Weg über ihre Lippen suchen, konnte ihr Herz aufhören, mit dem stockenden Pochen, das sie noch am Leben erhielt.
Dabei war alles so harmlos gewesen. Am Anfang…
Vor ein paar Wochen waren sie auf dieser kleinen, scheinbar unwichtigen Insel gelandet, weil Elena hier eine kleine Story bearbeiten sollte.
Sie hatten es gleich so verbunden, dass sie hier Urlaub machen wollten, denn die Insel war wunderschön, mit einer atemberaubenden Natur.
Aber natürlich war es gekommen, wie es kommen musste. Seine Neugierde hatte wieder einmal zugeschlagen, als er einen verlassenen Tempel fand, von dem ihm ein paar Einheimische berichtete hatten.
Dieser Tempel sollte nach ihrer Aussage verflucht sein, denn es erklangen merkwürdige Geräusche aus den Ruinen und jeder, der sich näher heranwagte,bekam ein ungutes Gefühl und wurde befallen von Übelkeit und Schwindel, solange, bis derjenige einige Zeit außer Reichweite des Gemäuers verbracht hatte.
Die Narren, die ihn tatsächlich betraten, waren nie wieder gesehen worden.
Nate hatte sich zu einem dieser Narren gewandelt, die ihre Nasen direkt in ein eventuelles, neues Abenteuer stecken mussten, gebannt von der Vorstellung, etwas Neues finden zu können und erneut in der Geschichte herumstochern zu können, ganz so, wie der Mann es liebte.
Elena war zu Beginn mit Elan an der Sache dran, in der leisen Hoffnung mehr als nur eine normale Story abkassieren zu können.
Als es dann jedoch gefährlicher wurde, wollte sie aussteigen. Die Journalistin war zwar nicht ängstlich, aber ihr Glück ausreizen musste sie auch nicht, das hatte sie schon zu oft gewagt. Irgendwann würde das Glück ihr nicht mehr hold sein und sie unweigerlich verlassen.
Das hatte Elena ihm gesagt, gestern, auf der Hauptstraße.
Und er hatte sie gehen lassen, weil er sowieso nicht wollte, dass sie in Gefahr geriet. Nathan war sogar einerseits froh darum, als er ihre Bitte erhörte.
Außerdem hatten der Tempel und das Rätsel, das er gerade gelöst hatte, ihn zu sehr in Anspruch genommen, seinen natürlichen Entdeckertrieb geweckt und dafür gesorgt, dass er ihr nicht nachgelaufen war, sondern zum Tempel zurückmarschierte. Nicht ahnend, dass zwei Häuserecken weiter jemand auf die Blondine lauerte und sie schnell ausschaltete, ehe sie überhaupt wusste, wie ihr geschah. Dafür verfluchte sich der Entdecker gerade selbst, sich, seine Abenteuerlust und seine verdammte Neugierde, die nicht nur ihn andauernd in Gefahr brachte! Elena war entführt worden, seinetwegen und doch von ihm nicht wahrgenommen.
Nein, er hatte es nicht bemerkt.
Stattdessen hatte er die Nacht über damit verbracht, sich den Tempel genauer anzusehen und war mit Sully in einem der versteckten Gänge gewesen, die er gefunden hatte, nachdem er das Rätsel löste. Die beiden hatten nur kurz zurückkehren wollen, um sich etwas Ausrüstung zu besorgen, da ihre Taschen leer waren und ihnen der Weg durch eine eingestürzte Wand versperrt worden war.
Sully und er trennten sich, denn Nathan beschloss, sich noch etwas umzuschauen, während der ältere Mann die Ausrüstung holte. Verschwunden war er durch einen Nebengang, durch den sie auch hereingekommen waren.
Kaum war Drake jedoch wieder in der Haupthalle angekommen, da standen ihm die Gangster auch schon gegenüber, mit Elena in der Gewalt, ihn dazu auffordernd ihnen zu helfen, weil Elena sonst die längste Zeit geatmet hatte.
Und nun das! Ehe er sich entschied, wobei für ihn die Entscheidung eigentlich schon fest stand, wehrte sich Elena, rief ihm zu, dass das eine Falle war und schubste den Bulligen weg, der auf sie schoss…

Drake sah auf, als Elena ein lautes Röcheln von sich gab, sich kurz anspannte und schließlich erschlaffte.
Fassungslos strich er ihr durchs Gesicht, murmelte immer wieder ihren Namen und suchte nach irgendeinem Lebenszeichen. Vergeblich.
„Elena…“, keuchte er. Das Wissen, dass sie tot war, schlug über ihm zusammen, schien ihn erdrücken zu wollen.
Ein Teil von ihm schrie auf, weigerte sich, es wahrzuhaben. Das konnte einfach nicht sein!
„Ihr habt sie umgebracht!“, entfuhr es ihm lauthals.
Sein Kopf ruckte hoch und Zorn brannte in seinen Adern. Sie hatten Elena umgebracht! Und das alles nur wegen einer Ruine! Er war zwar auch versessen darauf etwas Neues zu finden und er war ebenso bereit dafür Gegner auszuschalten. Doch er nahm keine Unschuldigen als Geisel! Zumal nicht Elena!
Sogleich wurde er erneut umringt von den Mördern, dieses Mal jedoch würde er sich wehren, denn es gab nichts mehr, dass ihn ablenkte. Sie hatten ihre Geisel verloren! Und Nate damit seine Hemmungen zuzuschlagen, die sich eben aufgrund von Elenas Entführung in ihm gebildet hatten.
„Wir brauchen ihn lebend!“, befahl der Bullige und deutete auf Nate. Vielleicht konnte man ihn ja anders zwingen… Zum Beispiel, in dem man den alten Mann gefangen nahm. Nur würde er dieses Mal aufpassen, dass die Geisel nicht wieder starb.
Dass sie ihn lebend brauchten, kam Nate gerade recht. Dadurch musste er sich weniger vor ihren Waffen in Acht nehmen.
Der Mann rollte sich schnell über den Boden, auf die Schusswaffe einer seiner ehemaligen Wächter zu, packte diese und suchte Deckung hinter einem Felsen.
Kein Schuss erklang, denn sie brauchten ihn immer noch lebend. Dafür lugte er öfters über das Gestein weg zu den Menschen, nahm einen ins Visier und gab einen Schuss ab.
Der Angreifer sackte tot zusammen, während Nathan versuchte zu ignorieren, wie sehr ihn das Geräusch an Elena erinnerte.
„Gib auf, Drake!“, schrie der Bullige, „Du hast keine Chance zu gewinnen, egal, wie lange du dich dort verkriechen wirst, wir sind in der Überzahl!“
Nathan sah gar nicht ein, einfach aufzugeben, allerdings hatte der Bulle Recht, wie sich nach einiger Zeit herausstellen sollte.
Der Entdecker kämpfte, so gut er konnte, schoss auf seine Feinde und musste sich ab und an mit den Fäusten verteidigen, wenn ihm ein Feind zu nahe auf die Pelle rückte.
Letztendlich jedoch waren noch fünf Leute, samt dem Bullen übrig, die ihn erhaschen konnten. Einer trat ihm mit voller Wucht in den Magen, sodass Nate würgend nach vorne kippte, nur noch gehalten von zwei Verbrechern, die ihn jeweils links und rechts an den Armen festhielten.
So kniete er vor dem Bulligen, der ihm eine schallende Ohrfeige verpasste. „Du wirst das tun, was wir von dir verlangen!“
„Gar nichts werde ich!“, zischte Drake und warf dem Mann einen bösen Blick aus funkelnden Augen zu. „Ihr habt euer Druckmittel verloren!“ Die Erkenntnis schmerzte noch immer, nur war jetzt nicht die Zeit, um darüber nachzudenken…
„Du besitzt doch noch einen Begleiter, liegt dir nichts an seinem Leben? Ist dir alles egal geworden, nachdem deine kleine Frau gestorben ist?“, höhnte der kräftige Mann.
„Ihr bekommt Sully nicht!“, schnauzte Drake und hoffte, dass es wirklich so war. Nicht nur, dass sie ihn ohnehin töten würden, sobald ihr Ziel erreicht war – das war das, was ihm Elena zugerufen und er bereits vermutet hatte –, sie dorthin zu führen, kam Nathan wie ein Verrat an Elena vor.
„Bist du dir da so sicher?“, mischte sich nun eine andere Stimme ein.
Der massige Mann vor Nate wich erschrocken zurück, denn der kleine, hagere Mann, der im Eingang auftauchte, war niemand anderes als sein Boss.
Er mochte ungefährlich aussehen, aber jeder, der mit ihm zu tun hatte, wusste, dass dieser Mann sehr gute Kontakte hatte.
„Sully ist nicht so dumm, sich reinlegen zu lassen. Auch Elena war es nicht. Ihr habt sie nur bekommen, weil sie nicht wusste, dass es eine solche Gefahr gab!“ Beziehungsweise, dass sie sich bereits im Visier des Feindes befand. Die Gefahren, die sie abgeschreckt hatten, waren ganz andere Dinge gewesen.
„Und woher soll dein Freund wissen, dass eine solche Gefahr besteht?“, verlangte der kleine Mann zu wissen.
Nate öffnete bereits den Mund, um zu antworten, da erklang das scharfe Knallen eines Schusses.
Der Anführer wurde getroffen und brach keuchend zusammen. Indessen stürmten die anderen Leute auseinander, damit sie sich Schutz suchen konnten.
„Ganz einfach. Ich weiß es, weil ich hier bin!“, rief Sully. Seine Stimme brach sich an den Wänden, sodass niemand genau sagen konnte, von wo sie kam.
Der Bulle, ganz entgeistert darüber, wie sein Chef so schnell hatte besiegt werden können, suchte nach einem Ziel. Da er Sully nicht finden konnte, nahm er nun Kurs auf Nathan, der einige Probleme damit bekam, sich den Typen vom Hals zu halten und gleichzeitig darauf zu achten, dass ihm kein anderer zu nahe kam.
Zum Glück versuchten diese entweder Sully zu finden oder flohen, denn der ältere Mann besaß anscheinend ein gutes Versteck und schoss immer wieder auf seine Feinde.
Vermutlich war sein Augenmerk eben auf Elena gefallen und der Zorn brannte auch in seinen Adern. Immerhin waren die beide guten Freunde gewesen.
Nate und der Bulle dagegen verfielen in einen Zweitkampf, der zuerst von dem größeren Mann dominiert wurde.
Doch Nate, im Verhältnis eher klein und schmächtig, war schneller und wendiger. Und, wie es schien, um einiges intelligenter.
Er ließ den Dicken sich austoben, um auf seine Chance zu warten. Deswegen wich der Abenteurer immer nur aus, reizte den Koloss und wartete, bis dieser sich auspowerte.
Dann schlug Nathan zu. Da er selbst keine Waffe mehr hatte, der Bulle allerdings auch nicht, schnappte sich der „Kleinere“ einen Stein im Vorbeilaufen, rammte dem Mistkerl die Faust in den Magen und den Stein auf den Kopf.
Die rachsüchtige, vom Zorn beherrschte Stimme in seinem Kopf schrie ihm zu, den bewusstlosen Mann zu erledigen, ihn büßen zu lassen, weil er Elena umbrachte.
Doch Drake überhörte diese Stimme.
Der Mann würde büßen, ja, aber nicht mit seinem Tod, sondern dadurch, dass er im Gefängnis schmoren würde. Der Kerl wurde bestimmt gesucht, er schien nicht wirklich ganz koscher zu sein. Und im Gefängnis würde er mehr leiden als mit einem schnellen Tod.

Nate wusste nicht, wie lange er hier stand, ehe jemand eine Hand auf seine Schulter legte.
„Es ist vorbei, Junge“, meinte Sully traurig. Erst jetzt fiel dem Jüngeren auf, dass er noch total angespannt war. Augenblicklich entspannte er sich etwas mehr und sofort wollten seine Beine ihn nicht mehr tragen. Er sank auf die Knie, nicht fähig in die Richtung zu schauen, in der noch immer Elena lag.
Sullivan verstand es. Auch ihn befiel die Trauer, allerdings zusammen mit dem Bewusstsein, dass es für seinen Freund noch schlimmer sein musste.
Elena war eine gute Frau gewesen. Mutig, störrisch, intelligent und ihren Freunden treu ergeben.
Sie hatte Nate glücklich gemacht, allein dafür war Sully ihr unendlich dankbar, wenngleich er sie selbst auch schätzte… Daran würde ihr Tod nichts ändern, so traurig dieser auch sein mochte.
Jetzt brach eine schwere Zeit für die beiden Männer an.

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Das ist meine erste Uncharted Geschichte, über Reviews würde ich mich sehr freuen.
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