Ich brauche dich!

GeschichteRomanze / P12
25.08.2012
25.08.2012
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Ich brauche dich!

Nachdem sie ihm die Zeitung zum ersten Hochzeitstag geschenkt hatte, stieg sie aus dem Auto und wollte gerade die Tür schließen , als Sam aus der Notaufnahme kam. Sie wollte sich schnell einen Kaffee holen, als sie Luka entdeckte, welcher Abby zur Arbeit gebracht hatte. Er war abweisend und verschlossen, obwohl es in ihm wohl völlig anders aussah. Und Abby verging beinah vor Sehnsucht nach ihm und machte sich immer noch schwere Vorwürfe. Doch das kümmerte Sam im Augenblick nicht, Abby hatte Mist gebaut und musste nun mit den Konsequensen leben. Luka war für Sam immer noch ein guter Freund, der es einfach nicht verdiente, so behandelt zu werden. Also trat sie an die offene Autotür und begrüßte Luka freundlich:

" Hey, lange nicht gesehen." Dieser lächelte leicht.

" Ja, ich arbeite inzwischen nicht mehr hier, wie du weißt." Sam nickte.

" Schon klar, das heißt aber nicht, dass du alle Kontakte hier abbrechen musst. Wann hast du Mittagspause? Könnten zusammen was essen gehen und quatschen, so wie früher."

" Warum nicht?" Damit war Luka einverstanden. " Ich hol dich um 12 Uhr ab, in Ordnung?"

" Super, bis dann, Luka." Sie lächelte ihm zum Abschied zu, schloss dann die Autotür und ging weiter, um sich ihren Kaffee zu besorgen. Es war nur eine Verabredung unter Freunden, weiter nichts. Doch nach allem was geschehen und Luka vor einem Monat ausgezogen war, hatte Abby Angst ihn zu verlieren, wenn sie das nicht schon hatte, wie sie befürchtete. Noch vor einem Jahr, wo sie beide noch so glücklich zusammen waren, wär es kein Problem gewesen, wenn Luka und Sam sich mal zum Essen trafen, oder so. Denn sie wusste, dass zwischen den beiden schon lange nichts mehr lief und sie nur noch Freunde waren und ihm lag Sam´s Sohn Alex noch sehr am Herzen. Was Abby auch akzeptierte, da er ja, während seiner Beziehung mit Sam, viel Zeit mit dem Jungen verbracht hatte. Doch nun hatte sie eben, als Sam sich mit Luka verabredet hatte, ein komisches Gefühl im Bauch bekommen und sie spürte einen schmerzhaften Stich in ihrem Herzen. Eigentlich war Abby nicht der eifersüchtige Typ, aber seit Luka in ihr Leben getreten war, hatte sich alles verändert. Sie liebte ihn so wahnsinnig, es war mit Worten nicht auszudrücken.
Da schüttelte sie den Kopf. Sei nicht albern, schalt sie sich verärgert. Die zwei trafen sich nur zum Mittagessen, sonst nichts. Immer noch kopfschüttelnd betrat sie die Notaufnahme und machte sich an die Arbeit.


Dennoch stand sie gegen 12 Uhr mittags am Eingang und sah zu, wie Luka Sam abholte. Beide lachten über irgend etwas, dann stieg die junge Krankenschwester zu ihm in den Wagen und sie fuhren los. Da war er wieder, dieser schmerzhafte Stich in ihrem Herzen.

" Na, die zwei amüsieren sich ja hervorragend", stellte Neela grinsend fest. " Ob er uns auch noch zum Essen einlädt? Jetzt wo er hier nicht mehr arbeitet, wäre ein Abschiedsessen echt nicht schlecht."

" Sehr witzig!", bemerkte Abby trocken und wollte gehen, doch Neela hielt sie zurück.

" Hey, was ist los?

" Gar nichts", winkte ihre Freundin ab. Doch Neela konnte sie nichts vormachen, diese blickte ihr in die Augen und ahnte sofort was los war.

" Moment... du bist doch nicht etwa eifersüchtig?", fragte sie dann überrascht. " Abby, das ist doch nicht dein ernst! Die beiden gehen nur zusammen Essen, du warst doch bisher auch nicht eifersüchtig, das passt nicht zu dir!"

"Tja, ein Mal ist immer das erste Mal", erwiderte die Ärztin.

" Aber warum auf einmal?", hakte die Chirugin nach. " Du weißt doch, dass das mit den beiden lange vorbei ist", fügte sie hinzu. Abby zuckte mit den Schultern.

" Es ist halt so viel passiert. Ich hab alles zerstört und er ist vor einem Monat ausgezogen."

" Und? Er kriegt sich schon wieder ein und außerdem reden wir hier von Luka. Er liebt dich über alles. Und er ist im Augenblick verletzt, klar, aber das würde nicht zu ihm passen", meinte Neela zuversichtlich.

" Nun, ich könnt´s ihm nicht verübeln. Sam hat ihm nie so weh getan, als sie noch mit ihm zusammen war", sagte Abby leise. Neela verdrehte die Augen.

" Das ist doch totaler Blödsinn! Vergiss das sofort wieder, Luka tut so was nicht und das weißt du!"

" Ich muss nach einem Patienten sehen", lenkte Abby vom Thema ab und verschwand in Richtung Behandlungsraum 2. Besorgt schaute Neela ihr nach. Dann ging ihr Pieper los und sie machte sich wieder an die Arbeit.

Sam und Luka hatten inzwischen beschlossen in einer Pizzeria eine Kleinigkeit zu essen. Nachdem sie ihre Bestellung erhalten hatten, fing Sam an:

" Ganz ehrlich, Luka, ich ertrag´s kaum, dich so zu sehen! Bist du sicher, dass eure Ehe vorbei ist?"

"Ich weiß es nicht", antwortete der Angesprochene ratlos.

" Hör mal, ich auch wütend auf Abby, keine Frage! Du bist für Alex und mich selbst nach unserer Trennung immer da gewesen. Wir sind immer noch Freunde und du verdienst es einfach nicht, dass man dir so weht tut, niemand verdient so was!", fuhr Sam fort. Dann atmete sie tief durch. " Aber trotzdem denke ich, dass Abby dich von ganzem Herzen liebt. Es war die Alkoholsucht, welche sie dazu gebracht hat, es war ein totaler Black-Out!" Luka nickte.

" Das weiß ich doch...es ist nur... es tut so weh! Und ich bin ebenso Schuld, ich hätte nicht so lange weg bleiben sollen. Ich habe mein Versprechen gebrochen!"

" Aber das ist doch nicht wahr! Und Abby weiß das auch, du hast dich um deinen Dad gekümmert!", widersprach Sam. "Geh zu ihr und klär das, sonst geht ihr beide daran kaputt!"

" Ich weiß nicht, ob ich das kann", erwiderte Luka traurig.

" Doch, das kannst du!", ermunterte Sam ihn. " So wie ihr euch beide vermisst, ihr könnt doch gar nicht ohne einander und ihr habt einen wundervollen Sohn."

" Du hast ja Recht", stimmte Luka ihr schließlich zu. " Trotzdem fühle ich mich schuldig, weil ich sie so lang allein gelassen habe!" Sam strich ihm kurz sanft über seinen Arm.

" Aber das musst du nicht. Es war allein ihre Entscheidung wieder mit dem Trinken anzufangen, damit hast du nichts zu tun. Allerdings hat sie rechtzeitig die Notbremse gezogen und ´ne Entziehungskur gemacht. Und jetzt könnt ihr alles klären und neu anfangen." Luka schmunzelte leicht.

" Ich dachte, du bist total sauer auf Abby." Sam nickte.

" Das bin ich auch! Aber ich finde ebenfalls, dass ihr zwei zusammen gehört." Luka lächelte.

" Danke, fürs zuhören und so!"

" Hey, du bist immer für Alex und mich da gewesen, sogar nach unserer Trennung, jetzt kann ich auch mal was für dich tun", meinte die Krankenschwester.

" Wie geht´s Alex überhaupt?", wollte Luka wissen.

" Gut!", erzählte Sam mit leuchtenden Augen. " Er hat sich in der Schule eingelebt und ein paar gute Freunde gefunden. Wir genießen besonders die Zeit am Wochenende, wenn er zuhause ist." Dann sah sie auf die Uhr, welche in der Pizzeria an der Wand hing. " Meine Pause ist gleich vorbei."

" Okay, ich geh dann rasch bezahlen und bringe dich zurück ins County", schlug Luka vor und stand auf. Sam schüttelte den Kopf.

" Nein, das ist doch nicht nötig."

" Ich weiß, aber sieh es als danke schön an, in Ordnung?", entgegnete ihr Freund.

" Na gut", gab Sam sich lächelnd geschlagen. Während der Arzt zur Kasse ging, um die Rechnung zu bezahlen, verließ Sam schon mal die Pizzeria und wartete draußen auf ihn.


Pünktlich um 14 Uhr kamen sie wieder beim County an. Die beiden stiegen aus und verabschiedeten sich mit eine Umarmung voneinander und Sam betrat dann das Gebäude.
Abby, die schon seit ´ner Weile versteckt am Eingang, auf die Rückkehr der zwei wartete, hatte sich gedanklich bereits ein dutzend Mal in die Klapsmühle eingewiesen. Das was sie hier tat, sah ihr so überhaupt nicht ähnlich. Und als Luka und Sam sich umarmten, stockte ihr der Atem und sie schaute zur Seite. Sie kam sich dabei so albern vor und verfluchte sich gleichzeitig. Hastig drehte sie sich um und wollte zurück ins Krankenhaus gehen, als sie Luka´s Stimme hinter sich hörte:

" Hey Abby, hast du etwas Zeit?" Verwirrt drehte sie sich zu ihm um und fragte:

" Ja, wieso?" Obwohl sie im Moment unfähig war, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, gelang es ihr, diese normale Frage zu stellen.

" Können wir reden?", wollte er wissen. Immer noch verwirrt nickte Abby leicht und beide liefen gemeinsam in den Park, zum Fluss.

" Also", begann Luka schließlich. " Ich hatte beim Mittagessen ein langes Gespräch mit Sam... ."

" Wieso tust du das?", unterbrach Abby ihn aufgebracht. " Warum willst du mir auch noch davon erzählen? Warum willst du mir so weh tun?" Perplex blickte ihr Ehemann sie an.

" Was? Wovon sprichst du?" Dann ging ihm jedoch ein Licht auf. " Weil ich mit Sam Essen war? Aber wir waren nur Pizza essen und haben geredet. Dabei ist mir klar geworden, dass wir das alles endlich klären sollten." Da nickte Abby und atmete tief durch. Sie war unendlich erleichtert, trotzdem war es ihr auch peinlich so reagiert zu haben. Denn es gab absolut keinen Grund eifersüchtig zu sein.

" Das sehe ich genau so."

" Okay, das mit... Dr. Moretti ist wegen deiner Alkoholsucht passiert... und es tut immer noch weh,aber ich möchte, dass wir das nun alles endlich hinter uns lassen und neu anfangen. Wie wäre es, wenn wir dies weit weg von hier, wo uns keiner kennt, in einer anderen Stadt zusammen tun?" Abby hatte ihm aufmerksam zugehört. Er wollte wirklich einen Neuanfang mit ihr, in einer anderen Stadt? Er verzieh ihr! In ihren Augen glitzerten Tränen, als sie antwortete: " Ich liebe dich mehr, als ich es jemals sagen kann!“ Da nahm er ihr Gesicht sanft in seine Hände und küsste sie zärtlich. Und sie schmolz dahin. Seine Küsse waren schon immer der Wahnsinn, sie fiel dann jedes Mal in einen Rausch und ihr Knie wurden butterweich. Würde er sie nicht fest in seinen Armen halten, wäre sie umgekippt, ganz sicher.

Engumschlungen machten sie sich schließlich auf den Weg zurück zum County. Es würde nicht leicht sein, sich von ihren Freunden zu verabschieden, aber die Freude und das Glück darüber, dass sie wieder zusammen waren, überwog. Und eins wusste Abby mit absoluter Sicherheit, sie würde Luka nie wieder gehen lassen.


Ende
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