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Vampirjäger - Van Helsing

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
23.08.2012
14.12.2012
9
19.511
4
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23.08.2012 3.746
 
Uuund es geht weiter ;) viel spaß :)
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Sie stand auf einer Wiese. Im hellen Mondlicht erschien alles geisterhaft. Der Mond war die einzige Lichtquelle, denn es stand kein Stern am Himmel. Catrina lief vorsichtig ein paar Schritte vorwärts. Dies war nur ein Traum, dass wusste sie, jedoch war sie trotzdem auf alles gefasst. Abrupt blieb sie stehen. Da stand jemand. Sie ging weiter. Die Person am anderen Ende der Wiese blieb in ihrer starren Haltung. Irgendwann stand Catrina direkt vor ihr. Sie erkannte die schöne, schwarzhaarige Frau. Es war die Frau von dem Foto. Die Frau, von der Van Helsing erzählt hatte. Roseanne. „Hallo?“, fragte Catie leise. „B-bist du Roseanne?“ Roseanne antwortete nicht. Sie drehte den Kopf zur Seite, als hätte sie etwas gehört. Catie folgte ihrem Blick. Neben ihnen stand eine Wiege. Langsam lief Roseanne darauf zu. Sie hob ein Baby aus der Wiege, und schaukelte es sanft in ihrem Arm. Dann sah sie Catrina an. Catie ging näher zu ihr und dem Kind, doch plötzlich stand nicht mehr Roseanne vor ihr. Die Augen, in die sie blickte, waren ihr sehr vertraut: Es waren ihre eigenen. Sie trat einen Schritt zurück. Tatsächlich sah sie sich selbst, wie sie das Baby in den Armen hielt. Catie hatte sich selbst noch nie so glücklich gesehen. Es hatte etwas Vertrautes, Geborgenes, wie sie das Kind so hielt. Catrina trat näher heran, sie wollte das Kind berühren, und sehen, wie ihr Traum-Ich darauf reagierte.
Doch als sie die Hand ausstreckte, lösten sich die beiden Gestalten in Luft auf. Plötzlich stand Catrina nicht mehr auf der Wiese. Sie stand in einer dunklen Gasse, so wie sie im East End Londons aussahen. Vor ihr stand eine Gestalt, vermutlich wieder Roseanne. Doch als sie sich umdrehte, sah Catie, dass es nicht die Roseanne war, die sie vorhin gesehen hatte. Diese Roseanne hatte rot glühende Augen, sie war bleich und ihre Eckzähne waren merkwürdig spitz. Von der anderen Seite hörte sie eine Stimme. „Was hast du getan, du Monster!“ Van Helsing. Das wusste sie, bevor sie sich zu ihm drehte. Sie wollte ihm etwas zurufen, doch aus ihrer Kehle drang ein tiefes, wohlklingendes Lachen. „Ich habe ihr ein besseres Leben geschenkt! Aber wenn du es zerstören willst, bitte, dann töte sie!“ Catie erstarrte. Es war Draculas Stimme. Bevor sie irgendetwas tun konnte, drehte Dracula sich vom Geschehen weg. So konnte auch Catrina nichts sehen. Sie konnte nur noch etwas hören. „Na los, mach schon! Töte sie!“ Dracula lachte erneut. Endlich drehte er sich wieder zurück. Catie sah gerade noch, wie Van Helsing ausholte. Dann waren zwei Schreie zu hören. Der eine kam von Roseanne, doch es klang nicht wie ein Menschenschrei. Der zweite kam von Professor Van Helsing, als er ihr den Holzpflock ins Herz stieß. Catie wollte weg gucken, doch der Körper, in dem sie sich befand, ließ sich von ihr nicht steuern. Van Helsing drehte den Kopf und sah ihr direkt in die Augen. „Du kranke Kreatur! Ich werde dich vernichten! Ich schwöre, ich werde dich vernichten!“ Es tat Catrina weh, ihn so leiden zu sehen. In seinen Augen war nichts von der Güte zu erkennen, die sie heute sah. Sie wollte weg hier. Mit aller Macht konzentrierte sie sich darauf. Ein letztes Mal hörte sie Dracula lachen, dann stieg sie in die Höhe.


~ † ~


Mit klopfendem Herzen setzte sie sich auf. Es war nur ein Traum, sagte sie sich selbst, nur ein Traum. Sicher war sie sich allerdings nicht. Catie blickte neben sich. Der Professor lag nicht mehr neben ihr. Also stand sie auf, zog ihren Morgenmantel an, und lief vorsichtig, noch leicht benommen vom Schlaf und von dem Traum, die Treppe herunter. Sie fand Van Helsing in der Küche. Er bereitete das Frühstück vor. Als sie eintrat, sah er auf. „Guten Morgen, Catrina. Sie sind aber schon früh auf, ich habe erst in einer Stunde mit Ihnen gerechnet.“ Catie sah auf die Uhr. Es war acht. „Ja, ich … ich hatte einen merkwürdigen Traum.“ „Ach ja?“ Van Helsing reichte ihr eine Tasse Tee. „Was war das denn für ein Traum?“ Catie zögerte. „Ich … kann mich nicht erinnern.“ Besser, er erfuhr nichts davon. Vielleicht war es tatsächlich nur eine Nachwirkung von seiner Geschichte letzte Nacht gewesen. Vorsichtig nippte sie an dem heißen Tee. „Professor, könnten wir gleich einen Spaziergang machen? Oder zumindest ein wenig nach draußen gehen? Ich habe schon wieder Kopfschmerzen.“ Sofort trat er näher und sah prüfend in ihre Augen. „Natürlich. Was halten Sie davon, wenn wir ein wenig im Hyde Park spazieren gehen?“ Sie nickte. Er nahm ihr Handgelenk und maß den Puls. „Die Transfusion scheint Ihnen gut bekommen zu sein. Es fühlt sich schon viel besser an als gestern.“
Catie lächelte. „Das ist gut. Wann meinen Sie werde ich mich gänzlich erholen?“ Er dachte kurz nach. „Das kommt ganz auf Sie an. Das ist von Körper zu Körper unterschiedlich. Vielleicht dauert es eine Woche, vielleicht auch drei.“ Catie seufzte. „Das wäre schade, wenn ich mich bis zur Hochzeit noch nicht erholt hätte.“ Er drückte kurz ihre Hand. „Bei Ihnen habe ich gute Hoffnung, dass sie in einer Woche wieder wohlauf sein werden.“ Catie atmete erleichtert auf. „Dann verlasse ich mich mal auf Ihr Urteil.“ Sie setzten sich hin und frühstückten. Anschließend zog Catie sich an, und der Professor und die junge Frau machten einen langen Spaziergang durch den Hyde Park.

~ † ~


Eine Woche später war Jacks und Lucys großer Tag gekommen. Catie hatte sich für diesen Anlass extra ein wunderschönes neues Kleid gekauft. Es war dunkelgrün, und kleine Blumenstickereien waren eingenäht. Es saß wunderbar. Das einzige, was sie störte, waren diese kleinen Bissspuren an ihrem Hals. Sie suchte ein weißes Samtband heraus und band es sich um den Hals. In ihre langen Haare hatte sie sich Blumen geflochten. Zufrieden begutachtete sie sich im Spiegel. Ja, so konnte sie sich sehen lassen. Also verließ sie das Schlafzimmer und ging die Treppe hinunter. Unten wartete Professor Van Helsing auf sie. Als er sie erblickte, sagte er: „Ich dachte, es gibt eine Regel, dass niemand schöner als die Braut sein darf.“ Catie spürte, wie sie errötete. „Vielen Dank. Aber Lucy wird umwerfend aussehen!“ „Nun, ich fürchte, sie bekommt ernsthafte Konkurrenz.“ Als Catrina am Ende der Treppe angekommen war, hielt der Professor ihr die Hand hin. Er trug heute nicht seine üblichen Sachen. Das Hemd und die Weste hatte er durch einen hübschen, hellbraunen Anzug ersetzt und anstatt des langen Mantels trug er ein Jackett. Catie ergriff die Hand und drehte sich im Anflug guter Laune einmal um sich selbst. „Ihnen scheint es tatsächlich wieder gut zu gehen“, sagte Van Helsing lachend. „Ja, ich bin wieder genesen!“ Sie nahm das Geschenk für Lucy und Jack, ein nagelneues Telefon, dessen Mikrofon erst letztens verbessert wurde, und legte es in einen Korb. Dann hob sie ihn an. Er war ganz schön schwer, allerdings versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen. Natürlich misslang ihr das. „Warten Sie, ich nehme das schon.“ Van Helsing nahm ihr den Korb ab. „Oh, dankeschön.“ Sie zog ihren Mantel an und öffnete die Tür. „Lucy und Jack haben Glück! Es ist wunderschönes Wetter draußen.“ Die beiden gingen die belebte Straße entlang. Bis zur Kirche, wo die Trauung stattfand, war es nicht weit. Dort angekommen lief ihnen Mrs. Westenraa, Lucys Mutter, entgegen. „Ach wie schön, Sie sind schon da!“, rief sie. „Geben Sie mir den Korb, ich bring ihn in die Kutsche mit den Geschenken!“ Der Professor gab den Korb an sie weiter. „Achtung, der ist schwer!“ Mrs. Westenraa lachte kurz auf. „Glauben Sie mir, ich habe heute schon weit schwerere Sachen tragen müssen!“ Van Helsing lachte kurz auf. „Sagen Sie, ist Dr. Quendt schon da?“ Mrs. Westenraa stöhnte genervt auf. „Oh ja! Sein Geschenk war furchtbar schwer! Wissen Sie, was da drin ist?“ „Das ist auch von mir. Es ist Geschirr und Besteck darin, wo ein J und ein L eingraviert ist.“ Die Miene von Lucys Mutter hellte sich auf. „Ach wie schön! Dann gehen Sie beide bitte schon in die Kirche, Lucy wird gleich da sein!“

~ † ~


Lucy sah zauberhaft aus. Ihr weißes Kleid umhüllte sie und ließ sie wie eine Kaiserin aussehen. Ihre langen, rotblonden Haare waren unter dem weißen Schleier hochgesteckt und auf dem Kopf trug sie ein kleines Diadem. Alle in der Kirche hielten die Luft an, als sie den Gang entlang schwebte. Alle, außer Van Helsing. Er wusste, dass sie wunderschön war, jedoch berührte es ihn nicht. Für ihn war sie nicht mehr als die schöne Frau eines guten Freundes. Ihre Schönheit ließ ihn nicht alles andere vergessen. Tatsächlich dachte er, als sie an ihm vorbei kam, an etwas anderes. An etwas, woran er in diesem Moment eigentlich nicht denken wollte. Er verglich Lucy augenblicklich mit Roseanne. Er wusste, dass es nicht gut für ihn war. Wenn er so weiter machte, würde er nie loslassen können. Fieberhaft versuchte er, sich auf die Trauung zu konzentrieren. Da fiel ihm etwas auf, was nichts mit Roseanne zu tun hatte. Ihm fiel auf, dass er Recht gehabt hatte: Catrina war mindestens genauso schön wie Lucy. Das war ihm bisher nicht aufgefallen, allerdings war Catrina in einem miserablen Zustand gewesen, als er sie mit Lucy in einem Raum gesehen hatte. Heute strahlte sie, ihre Wangen hatten eine gesunde Farbe, und sie schien sich einfach für Jack und Lucy zu freuen. Zwischendurch glitt ihre Hand zu dem kleinen goldenen Kruzifix um ihren Hals. Also war auch sie mit ihren Gedanken nicht ganz bei der Trauung ihres besten Freundes. Zwischendurch bemerkte Van Helsing, wie sie ihm einen Blick zuwarf. Er erwiderte diesen und sie lächelte. Er lächelte zurück. Das erste Mal seit langer Zeit fühlte der Professor etwas wie Glück in sich aufsteigen. Es war gut, dass er hier war. Es war auch gut, dass er Jacks Ruf gefolgt war, um Catrina zu beschützen. Er hatte alles richtig gemacht. Und diesmal war er sich sogar sicher, dass er es endlich schaffen würde, Dracula zu vernichten.

~ † ~


„Oh, wie wundervoll!“ Lucy besah sich das Geschirr und Besteck mit den Gravuren. „Wirklich, Professor, das ist wunderbar! Ihnen auch herzlichsten Dank, Dr. Quendt!“ Jack half ihr, die beiden Kartons wieder auf den Geschenk-Tisch zu stellen. Lucy sah sich auf dem Tisch um. „So, Liebling, welches machen wir als nächstes auf?“ Jack drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. „Welches du willst, mein Schatz.“ Die junge Braut kicherte. „Na, dann lass uns doch in den Korb da schauen!“ Catie löste sich aus der Menge. „Vorsicht, der ist sehr schwer!“ Lucy drehte sich zu ihr um. „Ist das von dir? Ja, dann machen wir das auf jeden Fall als nächstes auf!“ Jack hievte den Korb auf den Boden und Lucy öffnete vorsichtig das Geschenkpapier. Diesmal war es Jack, der einen entzückten Laut von sich gab. „Ein Telefon! Das ist ja toll!“ Er stand auf und umarmte Catie. „Danke!“ Lucy sah sich das Telefon genauer an. „Die sehen jetzt aber lustig aus! Muss man da reinsprechen?“ Sie hielt den Hörer auf Mundhöhe. Natürlich konnte man da nicht hinein sprechen. „Nein, Liebling, sieh mal, da hörst du denjenigen, der dich anruft. Hier spricht man rein.“ Er hob das Telefon hoch und zeigte ihr das Mikrofon. „Ach so“ Lucy kicherte erneut. „Mit so etwas Modernem muss ich erst einmal klar kommen... Danke Catie, wirklich eine tolle Idee!“ Sie drückte Catie einen Kuss auf die Wange. „Ach, keine Ursache!“
Nachdem alle Päckchen und Geschenke ausgepackt waren, eröffneten Jack und Lucy den Tanz. Nach und nach gesellten sich immer mehr Pärchen zu ihnen, und schließlich war die ganze Tanzfläche gefüllt. Catie spürte, wie ihr jemand auf die Schulter klopfte. „Hallo, Miss Johanson. Möchten Sie tanzen?“ Sie drehte sich um. Vor ihr stand Dr. Quendt. „Oh, gern, vielen Dank.“ Sie ergriff seine Hand und ließ sich auf die Tanzfläche führen. Dort stimmten sie in das Menuett ein. So kam es, dass Jack ihr nächster Tanzpartner wurde. „Und, Catie, geht es dir wieder besser?“, fragt er. „Ja, schon viel besser. Der Professor hat sich rührend um mich gekümmert!“ Jack lachte. „Das glaube ich! Er ist ein wirklich netter Kerl!“ Sie drehten sich noch einmal und Catie kam zurück zu Dr. Quendt. So ging es bis zum Ende des Menuetts. Etwas außer Atem nahm Catie das Glas Wein entgegen, das Dr. Quendt ihr hinhielt. Vorsichtig nippte sie an dem Glas. Ob Alkohol ihr jetzt schon gut tat, wusste sie nicht so genau. Und sie wollte nichts riskieren. Also stellte sie nach zwei kleinen Schlucken das Glas sicherheitshalber auf den Tisch und beschloss, es nicht mehr anzurühren. Stattdessen sah sie sich im Raum um. Sie entdeckte Jack und Lucy in der Mitte der Tanzfläche. Die beiden schienen eine hohe Ausdauer zu haben. Catie war schon nach diesem Menuett außer Atem gewesen. Was eigentlich kein Wunder war, schließlich war sie gerade erst von einem Vampirangriff genesen. Wie lächerlich das selbst in ihren Gedanken klang …
Irgendwann entdeckte sie Professor Van Helsing allein am Rand der Tanzfläche stehen. Als die Kapelle einen sehr schönen Walzer anstimmte, lief Catie eilig zu ihm herüber. „Erweisen Sie mir die Ehre?“, fragte sie und hielt ihm ihre Hand hin. Einen Moment lang starrte er sie an, als wäre er gerade mit den Gedanken nicht anwesend gewesen. Dann blinzelte er und ergriff die ausgestreckte Hand. „Sehr gern.“ Catie und er gingen auf die Tanzfläche und sie legte eine Hand auf seine Schulter. Langsam stimmten sie in die Walzermusik ein. Das Orchester spielte immer schneller, sodass die tanzenden Hochzeitsgäste immer ausgelassener über die Tanzfläche wirbelten. Schließlich war auch dieses Stück zu Ende, und Catie lehnte sich erschöpft gegen die Wand. „Das war jetzt doch etwas viel für mich, fürchte ich.“ Der Professor legte ihr die Hand auf die Schulter. „Vielleicht sollten Sie sich hinsetzten?“ Catie winkte ab. „Nein, das geht schon. Nur ein Schluck Wasser wäre gut …“ Sofort setzte Professor Van Helsing sich in Bewegung. „Einen Moment, ich hole Ihnen etwas.“ Der jungen Frau blieb gar keine Zeit, sich zu bedanken. Schon war er in der Menge verschwunden.
Von der anderen Seite näherte sich wieder Dr. Quendt. „Ich bin beeindruckt, Miss Johanson.“ Fragend runzelte Catie die Stirn. „Was meinen Sie?“ Dr. Quendt lachte kurz auf. „So ausgelassen habe ich Van Helsing seit vielen Jahren nicht mehr tanzen sehen. Sie können stolz auf sich sein! Er sieht heute sehr glücklich aus!“ Bevor Catie etwas erwidern konnte, kam der Professor mit einem Glas Wasser zurück. „Vielen Dank.“ Catrina nahm das Glas entgegen und trank in großen Schlucken das kalte Wasser. „Jetzt geht es schon besser.“ Sie erhob sich. „Was meinen Sie, Professor? Sollen wir noch einmal auf die Ta -“ Abrupt hielt sie inne. Im nächsten Moment wurde um sie herum alles schwarz. Auch die Musik in ihren Ohren war verschwunden. Sie hörte lediglich eine Stimme. Eine unheimlich vertraute Stimme. „Jung und schön. Dank mir wirst du immer jung und schön bleiben. Der Tod und der Schmerz wird dich nie erreichen, du wirst niemals mehr leiden müssen! Ich schenke dir das ewige Leben. Ich kann dir ein Leben mehr schenken! Catrina … Ein Leben mehr!“

Das erste was sie sah, als sie wieder aufwachte, war das besorgte Gesicht des Professors. Er musste sie aufgefangen haben, als sie gefallen war, denn sie spürte seine Arme unter sich. „Alles in Ordnung?“, fragte er. „Ja, es – es geht schon wieder …“ Sie versuchte aufzustehen, jedoch hielt Van Helsing sie fest. „Sie sollten sich lieber hinlegen.“ Und ohne zu fragen hob er sie in die Höhe und trug sie durch den Raum. Vor ihnen lief Dr. Quendt. „Hier entlang“, sagte er, „Hier ist noch ein Nebenraum, da steht ein Sofa.“ Er öffnete eine Tür und Van Helsing trat mit der von ihm getragenen Catrina in das Zimmer. „Keine Sorge, nur ein kleiner Kreislaufzusammenbruch“, hörte sie Dr. Quendt jemandem zurufen. Dann schloss er die Tür. Währenddessen legte der Professor die eigentlich gesunde Catrina auf das Sofa. Dann legte er ihr die Beine hoch und sah sie prüfend an. „Ehrlich, Professor“, versuchte sie ihn zu beschwichtigen, „Mir geht es gut! Ich weiß auch nicht, was das gerade war, aber es geht mir gut!“ Tatsächlich fand sie den Vorfall von eben sehr unheimlich. Es war ohne Zweifel Draculas Stimme gewesen, die sie in ihrem Kopf gehört hatte … „George, danke für deine Hilfe. Geh, und feier weiter, ich kümmere mich schon um Miss Johanson.“, sagte Van Helsing zu Dr. Quendt. Dieser nickte, sagte: „Keine Ursache“, und verließ den Raum. Sofort wandte sich der Professor an Catrina. „Was ist passiert?“ Catie wusste nicht recht, wie sie es beschreiben sollte. „Ich weiß nicht genau. Es wurde plötzlich alles schwarz, und dann habe ich Draculas Stimme in meinem Kopf gehört!“ Van Helsing kniff leicht die Augen zusammen. „Was hat er gesagt?“ Catie überlegte kurz. „Er sagte etwas davon, dass ich niemals leiden würde, dass er mir noch ein Leben schenken würde … Professor, was meint er damit?“ Sie fürchtete die Antwort, da sie glaubte sie schon zu kennen. Van Helsing strich sich einmal mit der Hand über das Gesicht. „Ich befürchtete schon, dass dies passieren könnte. Sie müssen verstehen, er sieht mich als Feind, und er wird alles tun um einerseits mich zu besiegen, jedoch andererseits an Sie heran zu kommen. Er scheint jetzt Zugriff auf Ihre Gedanken zu haben … Und er will Sie davon überzeugen, dass er Ihnen das beste Leben schenken kann … So jedenfalls habe ich es verstanden. Ich frage mich nur, wie es ihm gelungen ist, in Ihren Geist einzudringen …“ Catie schluckte. „Ich weiß nicht … Es ist mir jedenfalls sehr unheimlich!“ Van Helsing nickte. „Verständlich. Vielleicht sollten wir morgen ein paar Meditations-Übungen ausprobieren, damit Sie Ihren Geist vor ihm verschließen können. Oder ich versuche, Sie zu hypnotisieren.“ Catie runzelte die Stirn. „Glauben Sie an so etwas?“ Er lachte. „Ich glaube mittlerweile an so ziemlich alles, was bisher erfolgreich angewendet werden konnte. Also auch an Meditation und Hypnose.“ Catrina schüttelte sich. „Also ich finde Hypnose mindestens genauso unheimlich wie die Tatsache, dass Dracula in meinen Geist eindringen kann…“ „Was ist Ihnen lieber?“, entgegnete der Professor, immer noch leicht lächelnd. „Natürlich nicht Dracula! Dann lasse ich mich lieber von Ihnen hypnotisieren. Sehr viel lieber!“
Den restlichen Abend saßen Catrina und der Professor am Rand der Tanzfläche und unterhielten sich, entweder miteinander, oder mit anderen Hochzeitsgästen. Als jedoch eine Frau in hellblauem Kleid den Professor zum tanzen aufforderte, lehnte er ab. „Warum tanzen Sie denn nicht?“, fragte Catrina verdutzt, als die Frau sich umdrehte und jemand anderen suchte. „Es hat Ihnen doch vorhin so viel Spaß gemacht.“ Van Helsing sah zu Boden. „Ich habe keine Lust mehr, zu tanzen. Außerdem möchte ich lieber ein Auge auf Sie haben.“ Catie seufzte. „Sie müssen doch wegen mir auf nichts verzichten! Gehen Sie, und tanzen Sie, die Dame von eben ist ja ganz enttäuscht, dass Sie abgelehnt haben!“ Der Professor lachte kurz auf. „Nein danke, die Dame kenne ich, und um ehrlich zu sein mag ich sie nicht sonderlich. Ich kann gut darauf verzichten.“ Catie zuckte mit den Schultern. „Wenn Sie meinen…“ Also saßen die beiden, doch recht vergnügt, am Rand, und unterhielten sich über Gott und die Welt, bis sie sich als die letzten Gäste auf den Weg nach Hause machten.

~ † ~


Am nächsten Tag überredete Van Helsing die junge Frau, die Hypnose auszuprobieren. „Ich hoffe, dass wir durch diesen Schritt zu einem Ergebnis kommen, also dass wir auch in Draculas Geist eindringen können.“ Catrina seufzte. „Ja, das hoffe ich auch. Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?“ Van Helsing biss sich auf die Lippe. „Um ehrlich zu sein: Nein. Ich habe es studiert, sodass ich theoretisch alles beherrsche, jedoch habe ich eine Hypnose noch nie durchgeführt. Als ich noch als Arzt tätig war, gab es diese Methode noch nicht.“ Es war ihm klar, dass dabei auch eigentlich nichts schief gehen konnte, jedoch bezweifelte er, dass Catrina ihm das glaubte. „Dann versuchen wir es!“, sagte sie zu seiner Verblüffung. Sie setzten sich auf das Sofa, und Van Helsing zückte einen Bleistift. „Schauen Sie nur auf den Stift“, sagte er. Er schwenkte ihn hin und her, bis Catrinas Augen schwerer wurden. Dann berührte er ihre Stirn, und sie schlief. Im ersten Moment war der Professor sehr stolz auf sich. Eine Hypnose bekam nicht jeder hin. Dann konzentrierte er sich wieder auf seine Aufgabe. „Catrina? Was hören Sie?“ Catrina blieb stumm. „Was sehen Sie?“ Sie schwieg. „Verflixt“, fluchte er. Dann fiel ihm etwas ein, was er nicht bedacht hatte: Es war Tag. Das hieß, Dracula schlief jetzt. Für einen Moment stützte der Professor sein Gesicht in die Hände. Das er daran nicht gedacht hatte! Natürlich mussten sie die Hypnose abends durchführen! Also weckte er die junge Frau wieder auf. „Was habe ich gesagt?“, fragte sie sofort. „Überhaupt nichts. Ich habe jedoch eine wichtige Sache vergessen: Wir müssen die Hypnose abends durchführen. Tagsüber schläft der Vampir, da können Sie nichts sehen, was interessant wäre.“ Da lachte Catrina. „Zu dumm… Aber dann versuchen wir es einfach heute Abend noch einmal.“ Sie schien sehr guter Dinge zu sein, und dafür bewunderte Van Helsing sie. Würde Dracula in seinen Geist eindringen, wäre er vermutlich nicht so optimistisch. „Was möchten Sie denn jetzt tun?“, fragte er. Sie sah kurz auf die Uhr. „Ich könnte etwas kochen“, schlug sie vor. Dann hellte sich ihr Gesicht auf. „Oder ich backe etwas! Ich finde, das haben wir uns verdient!“ Van Helsing lächelte. „Eine gute Idee. Was denn?“ Die junge Frau lief in die Küche und sah sich um. „Ich könnte Rosinenbrot selbst backen“, sagte sie. „Das hört sich gut an.“, meinte er. Er half ihr, alle Zutaten zusammen zu tragen und sah dabei zu, wie sie Mehl, Eier und alles andere zu einem Teig knetete. Als es fertig war, ließen sie es kurz auskühlen. Mit Lucys Marmelade schmeckte es fabelhaft.

Als es draußen dunkel wurde, setzten sie sich wieder auf das Sofa, um erneut eine Hypnose durchzuführen. Diesmal beobachtete Van Helsing, dass Catrina sich bewegte, sobald sie in Trance war. „Was sehen Sie?“, fragte er.

Die Nacht umhüllte ihn. Es war eine sternenklare Nacht, jedoch nicht hell genug, um ihn sichtbar zu machen. Er glitt durch die Dunkelheit, als er ihn roch: Diesen verlockenden, betörenden Geruch von Blut. Es war junges Blut, da war er sich sicher. Er folgte dem Geruch, bis er bei den Inner Temple Gardens auskam. Da sah er es. Goldene Locken, rosige Wangen, ein unschuldiges -

„Kind!“ Abrupt fuhr Catrina aus der Trance.

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Ach ja, wenn ihr wissen wollt, wie catrinas kleid für die hochzeit (in etwa) aussieht, guckt mal hier:
http://www.spielmuseum-soltau.de/userfiles/images/kleid.gif
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