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Vampirjäger - Van Helsing

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
23.08.2012
14.12.2012
9
19.511
4
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.08.2012 1.710
 
Und hier ist das nächste Kapitel :) Viel Spaß beim lesen ;)
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Nachdem sie vereinbart hatten, erst morgen das Gepäck für den Professor zu holen, setzten sie sich wieder auf das Sofa. Während Catrina etwas zu trinken holte, sah Van Helsing sich um. Die kleine Wohnung war hübsch eingerichtet, ein Feuer flackerte im Kamin und die Flammen beschienen die Möbel aus dunkelbraunem Holz. Überall standen Vasen mit verschiedenfarbigen Blumen darin. In einer davon entdeckte Van Helsing Lilien. Sofort spürte er, wie sich die Härchen auf seinen Armen aufstellten. Gedankenverloren kratzte er sich den linken Unterarm. Auch sie hatte Lilien geliebt... „Wie lange wohnen Sie schon in London?“ Catrinas Stimme schreckte den Professor aus seinen Gedanken. „Seit zwei Jahren habe ich ein Haus hier angemietet. Davor bin ich meistens von Amsterdam hierher gereist, wenn ich hier gebraucht wurde.“ Die junge Frau nickte. „Das Haus ist in der Fleet Street, oder?“ Van Helsing bejahte. „Jack erzählte mir schon davon. Er erzählt ohnehin viel von Ihnen, Sie müssen ein guter Lehrer gewesen sein.“ Sie lächelte. Auch Van Helsing bemerkte, wie seine Mundwinkel sich hoben. „Das freut mich zu hören.“ Diese Frau war so anders. Und ihr doch ziemlich ähnlich. Ohne nachzudenken deutete er auf die Blumenvase mit den Lilien. „Mögen Sie Lilien?“ Catrina lächelte weiterhin. „Ja, sehr gern sogar. Orchideen finde ich aber auch sehr schön, und roten Klatschmohn. Und Sie?“ Erst überlegte Van Helsing, ob er lügen sollte, dann sagte er aber: „Lilien sind meine Lieblingsblumen.“

Catrina reichte ihm eine Tasse Tee. Der Professor nahm sie entgegen. „Womit vertreiben Sie sich eigentlich die Zeit, Miss Johanson?“, fragte er. Sie kicherte leise. „Auf welcher Sprache wollen Sie das hören?“ Zu seiner eigenen Verblüffung musste er ebenfalls leise lachen. „Welche Sprachen können Sie denn?“ Sie überlegte kurz, dann sagte sie: „Deutsch, Französisch, Spanisch, Rumänisch, Ungarisch und Niederländisch. Und Latein. Ein paar Brocken Griechisch kann ich allerdings auch, da ich früher mit meinen Eltern ab und zu mal dort im Urlaub war, meine Mutter musste dort hin zur Kur.“ Van Helsing hob die Augenbrauen. „Das sind aber sehr viele Sprachen. Ich bin beeindruckt! Sprechen Sie sie alle fließend?“ Catrina nickte. „Ich bin beeindruckt“, wiederholte er. „Das ist natürlich ein sinnvoller Zeitvertreib.“ Sie nahm einen Schluck Tee. „Ich bin nicht der Typ Frau, der jeden Tag in die Stadt muss, um sich ein neues Kleid zu kaufen, oder Schminke oder ähnliches. Ich setze mich lieber mit einem Buch nach draußen oder vor den Kamin und lese, in welcher Sprache auch immer. Sie kommen aus den Niederlanden, oder?“ Van Helsing nickte. „Ja, aus Amsterdam. Dort habe ich schon in meiner Kindheit gelebt. Zwischenzeitlich habe ich auch in Den Haag gewohnt, oder, wie jetzt, in London, aber irgendwann ziehe ich vielleicht wieder zurück nach Amsterdam.“ Er sah, wie sie ihre langen, dunkelbraunen Haare über die rechte Schulter legte und sie gedankenverloren flechtete. Nun betrachtete er sie genauer. Sie war etwa 25 Jahre alt, also etwas jünger als Jack, und ihre Haare reichten ihr bis zur Taille. Ihre Haut hatte die Farbe von Alabaster, und ihre Augen waren haselnussbraun. Auf ihrer Nase waren feine Sommersprossen zu sehen. „Amsterdam ist bestimmt schön, ich würde auch gern mal in die Niederlanden reisen.“ Van Helsing löste sich aus seiner Starre. „Ja, Amsterdam ist sehr schön, selbst wenn es regnet. Und das tut es oft.“ Catrina lachte. „Hier in London ist es aber auch nicht besser.“ Er stimmte in ihr Lachen ein. „Stimmt!“

~ † ~


Nachdem Catrina die Teetassen gespült hatte (alleine, obwohl Van Helsing sich anbot, ihr zu helfen) stand sie unschlüssig im Wohnzimmer. „Sagen Sie Professor... Könnten wir zu Jack fahren? Um diese Zeit ist er definitiv noch in der Anstalt. Und außerdem würde ich gerne diesen Renfield sehen...“ Der Professor nickte. „Haben Sie einen Telegraphen? Dann könnte ich Jack telegraphieren, dass wir unterwegs sind, damit wir nicht vollkommen überraschend in der Irrenanstalt auftauchen.“ Catrina überlegte kurz. „Unten in der Bäckerei meiner Eltern steht ein Telegraph. Ich habe den Schlüssel, solange die beiden nicht da sind, aber Sie müssen telegraphieren, ich kann das nicht.“ Sie zogen ihre Mäntel an und gemeinsam liefen sie die kleine Treppe hinab, die zu Catrinas Wohnung hinaufführte. Unten schloss sie die Bäckerei auf und sie traten ein. Van Helsing sah sich den Telegraphen an und sagte: „Soll ich ihm einfach nur mitteilen, dass wir kommen oder soll ich ihn fragen?“ Catrina lächelte und meinte: „Teilen Sie es ihm mit, er ist das gewöhnt. Ich schneie öfters mal einfach so hinein, es ist ja zu Fuß nicht so weit.“ Der Professor hob die Augenbrauen. „Sie schauen öfters in seiner Anstalt vorbei und haben seinen Lieblingspatienten noch nicht kennen gelernt?“ „Er hat mich noch nie seinen Patienten vorgestellt. Er redet mit mir ohnehin nicht viel über seine Arbeit. Nur über seine Zeit als Student. Aber das war schon immer so. Er redet lieber über die Gegenwart als über die Vergangenheit.“ Der Professor hob die Augenbrauen. „Kennen Sie Jack schon lange?“ Sie nickte. „Wir sind zusammen aufgewachsen, unsere Eltern waren sehr gut befreundet. Jack ist wie ein Bruder für mich.“ Sie lächelte ihn an. „Wollen wir dann los?“ Er nickte und öffnete ihr die Tür.

Da es Oktober war, war es schon sehr kalt. Ihr Atem bildete kleine weiße Wolken und Van Helsing bemerkte, wie Catrina zu zittern begann. Er bot ihr seinen Arm. Sie hakte sich dankend unter und sie liefen los. „Professor?“ Ihr kalter Atem schlug gegen seine Wange. „Ja?“ „Können Sie mir etwas über Vampire erzählen?“ Er dachte kurz nach. „Was wollen Sie denn wissen?“ Anscheinend hatte sie darüber schon nachgedacht, denn sie sagte sofort: „Wie entstehen sie? Wie kann man sie töten? Sind sie wirklich so gefährlich wie in den Geschichten?“ Van Helsing drehte den Kopf, damit er sie ansehen konnte. „Erstens: Ja, sie sind wirklich so gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher als in den meisten Geschichten. Um ein Vampir zu werden ist ein grausamer und widerwärtiger Ritus nötig...“ Er wollte nicht weitersprechen, wollte ihr dieses Wissen ersparen, doch sie schien es wirklich wissen zu wollen. „Was für ein Ritus?“ Der Professor seufzte. „Sie wissen bestimmt aus den Geschichten, das Vampire Blut saugen, nicht wahr?“ Da sie nickte, fuhr er fort. „Nun, um ein Vampir zu werden, muss man nicht nur einen Vampir von sich trinken lassen, sondern auch selbst Blut von ihm trinken.“ Catrina verzog das Gesicht. „Das ist wirklich widerwärtig. Aber woher wissen Sie das?“ Van Helsing schloss kurz die Augen. „Darüber möchte ich lieber nicht sprechen.“ Nein, das konnte er wirklich nicht erzählen. „Aber um auf Ihre dritte Frage zu kommen: Vampire hassen, wie sie wissen, Kruzifixe und man kann sie töten, indem man ihnen einen Holzpflock ins Herz rammt und ihnen den Kopf abschlägt. Es ist außerdem ratsam, anschließend den Mund mit Knoblauch zu füllen. Knoblauch hält sie auch ab. Deshalb sollten wir morgen auf dem Markt möglichst viel Knoblauch kaufen.“ Er lächelte zaghaft. „Der Geruch ist penetrant, aber man gewöhnt sich daran.“ Sie lächelte ebenfalls. „In Ordnung. Knoblauch, Kruzifixe, Holzpflöcke. Sonst noch etwas?“ „Ja.“ Er holte ein kleines Fläschchen aus seiner Manteltasche. „Weihwasser. Wir stellen nachher am besten eine kleine Schale damit auf Ihren Nachttisch.“ Das er die Vermutung hatte, lateinische Sprüche würden ebenfalls wirken, sagte er nicht, da er nicht wusste, ob dies wirklich der Fall war.

Zehn Minuten später waren sie an Jack Sewards Irrenhaus angekommen. Sie passierten das Tor und klopften an die Tür. Ein Pfleger öffnete ihnen. Als er Catrina erblickte, lächelte er. „Guten Abend, Miss Johanson. Es freut mich, Sie zu sehen. Ich sage Dr. Seward, dass Sie hier sind.“ Er trat zur Seite und ließ sie ein, dann ging er den Korridor hinunter und öffnete eine Tür. Kurz darauf kam ein junger Mann aus diesem Zimmer und lief auf sie zu. „Catie! Professor! Wie schön, dass Sie da sind!“ Er schüttelte Van Helsing die Hand, dann umarmte er Catrina. „Der Professor hat also mit dir gesprochen?“ Sie nickte. „Ja, er wohnt jetzt vorübergehend bei mir.“ Jack wandte sich an den Professor. „Danke, dass Sie uns helfen. Ich weiß gar nicht, was ich ohne Sie machen würde. Haben Sie schon Hinweise darauf, dass Dracula wirklich hinter Catie her ist?“ Van Helsing schüttelte den Kopf. „Noch nicht, es ist aber immernoch wahrscheinlich. Ich hoffe, Mr. Renfield kann Klarheit in die Sache bringen.“ Jack nickte. „Verstehe. Zur Zeit verhält er sich normal, für seine Verhältnisse, er isst Fliegen und Spinnen aber sonst...“ Als er die verwunderten Blicke von Catrina sah, sagte er: „Renfield ist zoophag.“ Da Catrina immer noch ratlos drein blickte, fügte er hinzu: „Er isst kleine Tiere, wie Fliegen und Spinnen.“ Da verzog sie das Gesicht. „Spinnen? Das ist ja... merkwürdig.“ Jack lachte. „Ja, merkwürdig. Und ekelig ist es auch, du kannst es ruhig aussprechen, Catie.“ Sie lächelte ebenfalls. „Können wir ihn denn mal sehen?“ Van Helsing nickte. „Es wäre wirklich sehr hilfreich. Vielleicht verrät er uns noch mehr über Dracula.“ Jack seufzte. „In Ordnung, kommen Sie mit.“ Er legte Catrina einen Arm um die Schulter und führte seine Gäste den Korridor hinunter. An Renfields Zimmer holte er einen Schlüssel aus der Tasche seines Arztkittels. „Es könnte sein, das er erschrickt, jedoch brauchen Sie keine Angst zu haben. Wirklich gefährlich ist er nicht.“ Er steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Da Catrina unschlüssig vor der Tür stehen blieb, ging Van Helsing direkt nach Jack in das Zimmer. Renfield war ein kleiner Mann von etwa 50 Jahren. Sein graues Haar war spärlich und seine Augen waren sehr groß. Er hockte in der Ecke und war über eine Holzkiste gebeugt. Van Helsing verstand nicht, was er murmelte, doch als Jack sich räusperte fuhr Renfield herum. „Oh, Herr Doktor, wie nett, dass Sie mich besuchen.“ Jack trat zur Seite. „Es ist Besuch für Sie da, Mr. Renfield.“ Renfield sah den Professor an. „Was machen Sie denn in meiner Zelle, Herr Professor?“ Verwundert hob Van Helsing die Augenbrauen. „Kennen wir uns von irgendwoher, Mr. Renfield?“ Er kicherte leise. „Naja, ich weiß wer Sie sind, und was der Meister Ihnen angetan hat!“ Der Professor senkte den Blick. Er spürte, wie Catrina an ihm vorbei lief. „Guten Abend, Mr. Renfield. Ich denke, mich kennen Sie nicht, oder?“ Renfields Blick glitt zu Catrina. Erst weiteten sich seine Augen, dann warf er den Kopf zurück und fing schallend an zu lachen.
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