Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vampirjäger - Van Helsing

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
23.08.2012
14.12.2012
9
19.511
4
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.08.2012 1.136
 
Es war Freitag, der 13. Oktober 1878 in London. Catrina Johanson lief ruhelos durch ihre Wohnung. Wann kam der Professor endlich? Sie war sehr nervös, schließlich ließ sein Brief nichts Gutes ahnen. Gerade, als sie zum Fenster gehen wollte, um auf die Straße hinunter zu spähen, hörte sie die Klingel. Noch nervöser legte sie die Hand auf die Klinke und öffnete die Tür. Auf der Schwelle stand ein Mann mittleren Alters, das aschblonde Haar wurde von einem Hut verdeckt, den er jedoch in dem Moment abnahm, als sie die Tür öffnete. „Guten Tag, Miss Johanson“, begrüßte er sie. „Guten Tag, Professor. Was führt Sie so Wichtiges zu mir?“ Mit einer Handbewegung bat sie ihn in ihre Wohnung. „Es ist ernst, fürchte ich.“ Er trug einen kleinen Koffer mit sich, wie es in London jeder Arzt tat, der etwas von sich hielt. Mr. Van Helsing räusperte sich, bevor er fortfuhr. „Sie müssen mir versprechen, dass Sie mich nicht auf der Stelle wieder fortschicken, wenn ich Ihnen mein Anliegen erläutert habe.“ Zur Antwort nickte Catrina und sagte: „Jack berichtete von Ihren... Entdeckungen.“ Van Helsing hob die Augenbrauen. „Sie kennen also den Terminus Vampir?“

Catrina nickte erneut. „Ja, auch wenn ich es nicht so recht glauben will...“  Sie bedeutete ihm, auf dem Sofa Platz zu nehmen und setzte sich neben ihn. Neugierig spähte sie in seinen Koffer, als er diesen öffnete. „Kruzifixe? Holzpflöcke? Wozu ist das alles?“ Er reichte ihr ein Kruzifix. „Es sind die einzigen Mittel, um Vampire zu besiegen.“ „Und wieso kommen Sie damit zu mir?“ Er seufzte. „Ich fürchte, Sie schweben in großer Gefahr.“ Catrina runzelte die Stirn. „Wie meinen Sie das?“ Der Professor sah sie mit einem Blick an, den sie als mitleidsvoll interpretierte. „Mr. Seward schrieb mir vor einer Woche einen Brief, in dem er mir von einem beunruhigenden Zwischenfall mit seinem Patienten Renfield berichtete. Ich gehe schon seit längerem davon aus, dass Renfield mit einem bösartigen Vampir namens Dracula in mentaler Verbindung steht...“ „Mit Gedankenübertragung also?“, unterbrach ihn Catie. Van Helsing schmunzelte. „Ja, so etwas in der Art.“ Catie nickte nachdenklich. „Verzeihung... Fahren Sie fort.“ „Jedenfalls berichtete mir Mr. Seward, dass Renfield merkwürdige Dinge von sich gab... Merkwürdiger als normalerweise, wenn Sie verstehen..“ Catrina lächelte. „Ja, ich denke, ich verstehe. Und weshalb glauben Sie, dass das etwas mit mir zu tun hat?“ Der Professor fuhr sich nervös über das Gesicht. „Mr. Seward und ich haben lange überlegt. Renfield sprach die ganze Zeit von seinem 'Meister' Dracula, dass er … lesen Sie am besten selbst, ich habe es notiert.“ Van Helsing reichte ihr ein kleines Notizbuch. Catrina nahm es entgegen und begann leise zu lesen.

„Bald kommt er, mein Meister, bald kommt er und befreit mich. Er wird mich reich beschenken, weil ich ihm ein so treuer Diener war! Jedoch bevor er mich befreit, will er sich die Reinheit holen, die unberührte, unschuldige Reinheit. Oh ja, Herr Doktor, Sie kennen sie auch... Dem Meister dürstet es nach ihrem Blut. Er hat sie schon gerochen, als sie auf dem Schiff war, mit dem der Meister aus London nach Frankreich gefahren ist, um heimzukehren! Er wird sie sich holen, und dann befreit er mich!“  Catrina sah auf. „Das klingt wirklich beunruhigend... Aber wieso sind Sie jetzt gerade bei mir?“ Van Helsing seufzte. „Renfield sagte, Dracula wolle sich die 'Reinheit' holen. Mr. Seward und ich überlegten lange, was er damit meinen könnte. Ein Kind? Das schien uns unlogisch, denn Kinder wären auch in seinem Heimatland leichte Beute für ihn, dafür müsste er nicht nach London reisen. Aber wen meint er dann? Die Tochter eines Priesters? Möglich, jedoch konnte dies nicht die einzige Option sein. Mr. Seward war es, der den Gedanken aussprach, dass es ein Rätsel sein könnte. Vielleicht war 'Reinheit' nur ein Wort für etwas ganz anderes? Dann kamen wir auf Namen. Mr. Seward kennt eine Agnes, was in etwa 'Rein' oder 'Reinheit' bedeutet. Jedoch war Agnes niemals auf einem Schiff von London nach Frankreich. Und da blieben nur Sie. Catrina bedeutet nämlich 'Die Reine'. Deshalb befürchten Mr. Seward und ich, dass Dracula Sie jagt.“

Catrina erblasste. „Ehrlich? Aber...“ Der Professor legte seine Hand auf ihre. „Waren Sie schonmal auf einem Schiff von London nach Frankreich?“ Catie nickte. „Ja, vor ein paar Wochen... Ich bin mit meiner Mutter eine Freundin in Frankreich besuchen gegangen, der es sehr schlecht ging...“ Sie fuhr mit der Hand durch ihre langen, dunkelbraunen Haare. „Also bin ich Draculas nächste Beute?“ Van Helsing sah sie an. „Nicht, wenn ich es verhindern kann.“ Catie lächelte ihn traurig an. „Weiß Jack, dass Sie hier sind?“ Van Helsing nickte. „Ja, ich war vorhin bei ihm und bin danach direkt zu Ihnen gekommen.“ Catie nickte nachdenklich. „Eine Frage, Professor: Wie wollen Sie verhindern, dass der … Vampir“, wie schwer es war, dieses Wort auszusprechen, „Dass der Vampir mein... Blut aussaugt?“ Er seufzte. „Ich fürchte, es ist unumgänglich, dass Sie nicht mehr alleine sind. Egal wo.“ Sie runzelte die Stirn. „Das wird kompliziert, da ich alleine wohne und meine Eltern zur Zeit in Deutschland sind...“ Van Helsing seufzte erneut. „Ich hatte mir ohnehin gedacht, dass es am besten wäre, wenn Sie in meiner Nähe sind. Demnach würde ich vorschlagen, dass Sie entweder vorübergehend zu mir ziehen oder ich zu Ihnen. Ich weiß, es kommt alles ein wenig plötzlich, aber...“ Er brach ab. „Aber Sie wollen den Vampir töten?“, half ihm Catie auf die Sprünge. Er nickte. „Seit ziemlich genau 13 Jahren jage ich ihn nun schon. Ich habe in diesen Jahren einiges gelernt, er aber auch.“ Caties Augen weiteten sich. „13 Jahre? Das ist ganz schön lang...“ Sie dachte kurz nach. „Aber um auf die Sache mit dem allein sein zurückzukommen... Ich weiß nicht -“ „Sie müssen gar nichts!“, unterbrach der Professor sie, „Sie kennen mich schließlich kaum. Sie können auch vorübergehend zu einer Freundin ziehen oder zu Jack... Allerdings hätten Sie mich trotzdem am Hals“, er lächelte, „denn ich möchte Sie schließlich beschützen und den Vampir vernichten.“ Sein Blick verfinsterte sich. „Was mir diesmal hoffentlich gelingen wird.“ Catie nickte langsam. „Bestimmt. Aber nein, zu einer Freundin will ich nicht, ich möchte da niemanden mit rein ziehen. Und Jack hat im Moment nicht allzu viel Zeit für mich, er und Lucy sind ja mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, da will ich nicht stören.“ Sie grinste. „Die Hochzeit ist schon bald!“ Auch der Professor lächelte jetzt wieder. „Ja, ich weiß, ich bin auch eingeladen.“ Er räusperte sich. „Und nun? Ich schwöre Ihnen, es geht mir einzig und allein um Ihre Sicherheit!“ Catie hob die Hand. „Ich weiß! Ich habe auch nicht vor, Ihnen irgendetwas vorzuwerfen, Professor. Mir geht es schließlich auch um meine Sicherheit. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich vorschlagen, ich richte Ihnen mein Sofa als Schlafstätte her.“ Sie erhoben sich gleichzeitig. „In Ordnung“, sagte Van Helsing.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast