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Sin City- No place for no hero

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
21.08.2012
27.11.2012
17
21.616
1
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.08.2012 1.361
 
A.N.
Ein großes Sorry erst mal an alle Leser dieser Geschichte, dass es diesmal wieder etwas länger mit dem Updaten gedauert hat- aber mich hatte es erkätlungstechnisch ziemlich erwischt gehabt.

Da diese Geschichte sich nun langsam dem Ende neigt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und mich einmal ganz herzlich bei Mossmutzel10, erdbeerkatktus, wordsmyweapon und Olive Hornby für eure Reviews zu bedanken-  ihr habt mich damit wirklich unglaublich motiviert!  
Danke auch für die Favo- Enträge und an alle meine (stummen) Leser für euer Interesse an dieser Story!  




DWIGHT


Wusste ich´s doch.
Dass sie ihn in sich hat.

Auch wenn das eine harte Nuss war.
Zugegeben.
Aber dass das hier kein Sonntagnachmittagsspaziergang wird, war klar.
Trotzdem hat mein Instinkt Recht behalten.
Am Ende.
Einmal mehr.

Zufrieden beuge ich mich hinunter.
Greife nach meinen Schnürsenkeln.

Musste nur richtig angegangen werden, die Sache.
Aus den Tiefen ihrer geschundenen Psyche hervor gezerrt werden.
Um die erkaltete Initialzündung wieder ordentlich in zu Gang bringen.

Und was wäre dazu besser geeignet, als kräftig Feuer unter dem Arsch.
Oder ein ordentlicher Tritt in den selbigen.
Gern auch Beides.
Wenn man auf Nummer sicher gehen will.
Gleichzeitig.

Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel.

Hätte im Leben nicht gedacht, dass dieser selten dämliche Spruch sich mal bewahrheiten würde.

Aber immerhin läuft der Motor in Amy endlich wieder.
Sichtlich.
Auf Hochtouren.

Ich richte mich wieder auf und blicke in ihr Gesicht hinunter.
In ihr glühendes, aufgebrachtes, rotwangiges Gesicht.
Vital.
Voll zorniger Lebenskraft.
Klopfe mir in Gedanken selbstgefällig auf die Schulter.
Genau so soll es sein, Baby.
So und nicht anders.

Für eine Sekunde habe ich ihn aufblitzen sehen in ihren angstgeweiteten, verheulten, absurd blauen Augen.

Da war es.
In dem Moment, als ich ihr die Ohrfeige verpasst habe.
Das erste Mal während dieser ganzen drittklassigen, unterirdischen Dirty Harry- Nummer.

Endlich.

Diese unverkennbare, weiß blitzende Funkeln in den Augen.
Das kurze Blecken ihrer Zähne.
Bevor sich ihr Gesicht sofort wieder in eine verzerrte Maske aus Angst zurück verwandelt hat.

Fast hätte ich mich täuschen lassen.

Aber jeder, der ihn ebenfalls hat, erkennt ihn sofort.
Wenn er sich ihm offenbart.
Egal, wie kurz der Moment auch sein sollte.

Das, was wir alle hier brauchen, um besser als schlecht über die Runden zu kommen.
Unseren Weg erfolgreich voran zu bestreiten.
In der Nahrungskette.
Wenn du von ganz unten kommst, gibt es naturgemäß nur noch eine Richtung.

Schätze, dass ist Amy nun auch endlich klar geworden.

Auch sie hat ihn in sich.
Hat somit alles, was es braucht, um in dieser mörderischen Stadt zu überleben.
Und nebenbei noch ihren Schnitt zu machen.
Irgendwie.

Den Killerinstinkt.

Gail, Baby, in einer Sache hast du tatsächlich Recht behalten.
Was Amy betrifft.
Heute Nacht.
Auch in ihr steckt eine kleine Mörderbraut.
Wortwörtlich.
Sie muss nur noch lernen, ihre Nerven besser in den Griff zu bekommen.

Ob das allerdings ihre Berufswahl zu deinen Gunsten entscheidet, wage ich trotzdem zu bezweifeln.
Yup.
Immer noch.

Trotzdem gibt es nicht Schöneres auf dieser beschissenen Welt, als einer Geburt beizuwohnen.
Wird zumindest alle Nase lang behauptet.
Und ich war bei dieser eben gerade die gute Hebamme.
Die helfende Hand.
Im Rotlicht- OP.

Zwar zittert Amy immer noch kräftig.
Wie Black Beauty auf dem Eis.
Oder Bambi auf der Schlittschuhbahn.

Selbst am meisten überrascht, plötzlich aufrecht stehen zu können.
Über die Kraft, die es dazu braucht.
Und die in ihr steckt.
Trotz allem.
Jetzt endlich aus ihr hervorgebrochen ist.
In voller Blüte.
Wahrscheinlich zum ersten Mal seit Jahren.

Hat sich aus ihrem uraltem Kokon aus Angst, Verzweiflung und Leid hart durch beißen müssen.
Eben.
Um ans Licht zu kommen.
Aber ist schließlich erfolgreich auf der anderen Seite angekommen.
Diese Nacht.

Keine Geburt ohne Schmerzen.

Sicher.
Sie taumelt noch zur Seite.
Von links nach rechts.
Und wieder zurück.
Steht noch unsicher auf diesem neuem Grund.
Muss sich erst gewöhnen an den Gedanken, selbst etwas Macht zu besitzen.
Über die Unversehrtheit ihres eigenen Körpers.
Beispielsweise.

Aber die Flügel sind intakt.
Bereits gespreizt worden.

Zerstreut krame in meiner Tasche nach den Zigaretten und dem Feuerzeug.
Habe mir den Glimmstängel jetzt redlich verdient.
Nach dieser bahnbrechenden Erkenntnis.
Muss aber feststellen, dass die Schachtel leer ist.

Verdammt.
Wann ist das denn passiert?
Kann mich nicht erinnern.

Trotzdem verspüre ich auf einmal ein weiteres Bedürfnis.
Von der eher ungewöhnlicheren Sorte.
Nämlich das, noch ein paar klärende Worte zu verlieren.
Trotz meiner netten kleinen Rede eben und dem Zusatz am Ende, Gail soll der Kleinen verflucht nochmal ihre Waffen zurück geben.
Jetzt wo ich weiß, dass sie die nicht nur als Handwärmer benutzt.
Fest davon ausgehe, dass Amy sich ab jetzt dem richtigen Gebrauch von Schusswaffen intensiv widmen wird
Hundert Pro.

Also halte ich noch einmal inne.
Obwohl ich meine Hand schon auf der Klinke habe.
Drehe mich wieder zu ihr um.

Noch immer steht sie wie erstarrt im Raum.
Unsere Blicke kreuzen sich.
Kurz hole ich Luft.
Von der Prämisse ausgehend, dass Amy es später schon noch kapieren wird.
Wenn der Schock erst mal nachlässt.
Der Zorn ihren Kopf frei gemacht hat.

Mein Abschiedsgeschenk.
Sozusagen.

„Du hast dich vorhin selbst nicht an deine eigenen Regeln gehalten, Amy“, fange ich an.
Sehe ihr vielsagend ins Gesicht.
Warte.

Stumm und stur starrt sie zurück.
Eins zu null.
Für sie.

Ich seufze.
Fahre fort.

„Und als Kunde kommt einem das nur gerade recht und billig.“
Eisiges Schweigen.
Weiter im Text.
„Die meisten Männer spüren sowieso ziemlich genau, wie sie welche Frau besonders gut schikanieren können. Glaub mir, Mädchen. Wir haben diesen Instinkt.“

Aber wem erzähl ich das.

„Also solltest du es erst gar nicht drauf ankommen lassen“, mache ich weiter.
„Saftey first. Obwohl ein Benehmen wie meines vorhin hier in Old Town das ungeschriebene Todesurteil wäre – ist“, korrigiere ich mich.

An ihren Augen sehe ich, dass es langsam einsickert.
Was ich ihr zu sagen versuche.
Erkenntnis dem Weisen.

„Aber auch hier gibt es leider ab und zu schwarze, wirklich selten dämliche Schafe“, räume ich ein.

Kurz muss ich an Jackie- Boy denken.
Dieser widerliche, selbstgefällige, saudämliche Idiot.
Hat gedacht, nur weil er mit einer großen Knarre in der Hand rumwedelt, könnte er nach Old Town kommen und alles nach seiner Pfeife tanzen lassen.

Aus-getanzt.
Jackie- Boy.
In Old Town herrscht Damenwahl.
Schon seit jeher.

Seit diese ganze perverse Inzest - Priesterfamilie mit ihren eingezogenen Schwänzen endlich aus der Altstadt erfolgreich vertrieben werden konnte.
Um deutlicher zu werden.
Sollte auch nur ein einziger von dieser verrotteten Bagage impotenter Hurensöhne noch ein einziges Mal seinen Fuß auf den Boden hier setzen und Anspruch darauf erheben, wird ihm nicht mal mehr der Leibhaftige selbst noch helfen können.

Das Fegefeuer ist ein laues Sommerlüftchen.
Eine Frühlingsbrise vorm Balkon.
Gegen das, was den dreckigen Bastard dann erwartet.
Fast könnte man Mitleid mit der armen Kreatur bekommen.
Wenn man dran denkt.
Aber nur fast.

Dass es soweit nicht kommen muss, dafür sorgen Frauen wie Gail vor.
Gewissenhaft.
Und akribisch.

Wenn ich mein bescheidenes Scherflein dazu beitragen kann, die Straßen von Old Town sauber zu halten, dann tue ich das.
Durch praktizierten Umweltschutz.
Wortwörtlich.
Entsorge bereitwillig den Müll.
Wenn es notwendig wird.
Ohne mit der Wimper zu zucken.
Trage ihn vorbildlich die Treppe hinunter.
Für die Damen.
Ordentlich verschnürt in einem schönen, großem und blick dichtem Plastiksack.

Bürger, haltet eure Straßen sauber.

Mit dem allergrößten Vergnügen.
Ihr Wichser.

Aber ich schweife ab.

Mir wird bewusst, dass Amy mich immer noch ansieht.
Mit ihren verheulten, rot geäderten, trotzdem noch absurd großen, ungewöhnlich blauen Augen.
Scheut die Konfrontation nicht mehr, die Kleine.
Ein gutes Zeichen.

Ich bilde mir ein, eine Veränderung in ihrem Blick wahrnehmen zu können.
Für eine Sekunde vielleicht nur.
Wird er weicher.
Tief traurig.
Aber dann.

Sofort ist es wieder da.
Das leuchtende Funkeln reinen, weißen Zorns.

Gut so.
Einen besseren menschlichen Antrieb gibt es nicht.
Zumindest mir nicht bekannt.

Ich bin nicht gut in dem, was jetzt kommt.
Also mach ich es kurz.
„Man sieht sich, Kleine.“

Oder vielleicht auch nicht.
Was wahrscheinlich eher der Fall sein wird.

Amy sagt nichts.
Nickt nur.
Wofür ich dem Mädchen dankbar bin
Überraschenderweise.
Und seltsam erleichtert.
Obendrein.

Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich wieder zur Tür.
Packe entschlossen die Klinke.
Und trete hinaus.
Lasse Amy hinter mir zurück.
Endgültig.
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