Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The other side

von Dunathon
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
14.08.2012
22.10.2013
12
24.463
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.08.2012 2.790
 
Am nächsten Morgen rüttelte Irene die beiden Mädchen wach, noch bevor die Sonne sich überm Horizont zeigte, sie legte beiden feste Kleidung hin, dicke, mit Fell gefütterte Lederstiefel, Hosen aus schwerer, dicker Wolle, relativ leichte Hemden und schwere Wintermäntel aus braunem Leder, die innen ebenfalls mit Wolle gefüttert waren, genauso wie die Mützen, die zwar bestimmt nicht schön aussahen, aber ihren Zweck erfüllen und einen warm halten würde. Im Scherz fragte Olivia: „Wie willst du uns bei den Klamotten denn noch auseinander halten?“ „Am Geruch“, antwortete Irene kühl, sie trug, wie die ganze Zeit schon, nur ihre Hautenge Stoffkleidung mit den wenigen Rüstungsteilen, die bestimmt nicht besonders warm hielt. Johanna sagte gar nichts, während sie schnell die dicke Kleidung überstreifte, Handschuhe hatte Irene offenbar keine gekauft, aber dafür hatten die Mäntel große Taschen, in denen man die Hände vergraben konnte, um sie warm zu halten.
Erst, als die drei die Spelunke verließen, fand Johanna ihre Stimme wieder, als sie die Kriegerin mit geradezu traurigem Blick fragte: „Wie lange werden wir noch mit dir unterwegs sein?“ „Nur noch heute. Heute Abend werde ich Rubel, einen Mann aus der Organisation, treffen und euch ihm übergeben. Unter den Novizinnen haltet ihr euch am besten an Theresa, sie ist etwas jünger als ihr und sehr zierlich, aber ihr Gesicht hat etwas gütiges und sie lässt sich nicht unterkriegen, vielleicht hilft sie euch, das alles gesunden Geistes zu überleben“, antwortete die Silberhaarige ruhig und beugte die Finger kurz, sie blickte sich um, noch war außer ein paar Wachen niemand aus dem Haus, was aber auch kein Wunder war, selbst durch die dicke Winterkleidung hindurch froren die Mädchen gotterbärmlich und vergruben die Hände so tief wie möglich in ihren Taschen.
Sie folgten Irene humpelnd aus der Stadt hinaus, unter den Wachsamen Blicken der Soldaten, die nicht nur auf der Stadtmauer postiert waren, sondern auch durch die Engen Straßen patrouillierten. Die Wunden in ihren Beinen brannten höllisch und außerhalb der Stadttore fielen sie schnell ein gutes Stück zurück, weil sie nicht so schnell durch den Schnee kamen wie die große Kriegerin und nach einer Weile, als sie kaum mehr gewesen war, als ein Schatten in dem immer noch anhaltenden Schneesturm, wartete Irene auf die beiden, wortlos und kaum hatten sie zu ihr aufgeholt, ging sie auch schon weiter, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. So ging das den ganzen Tag, Olivia und Johanna fielen zurück und die Kriegerin wartete, bis sie bei ihr waren, um dann ohne ein Wort weiter zu gehen, nicht mal gegen Mittag legten sie eine Rast ein und schnell ermüdeten die beiden durch die Anstrengung und, weil sie durch die Wunden recht viel Blut verloren hatten, aber sie klagten nicht. Schon allein, weil ihnen die Luft dafür fehlte und Irene ihnen keine Möglichkeit gab, mit ihr zu reden, bis sie die beiden schließlich abends in eine Höhle führte. Bevor die Kriegerin hinein ging, hob sie unruhig den Kopf, blickte sich wachsam um und schloss für einen Moment die Augen, dann folgte sie den Mädchen hinein in die Höhle.
Sie führte die beiden durch die engen, dunklen Gänge bis zu einer größeren Höhle, in der ein Feuer brannte. Neben den Flammen saß ein Mann in schwarzer Kleidung und mit einem schmierigen, breiten Lächeln. Irene nickte ihm zu und führte die Mädchen zu dem warmen Lagerfeuer, bevor sie zu reden anfing: „Der Auftrag verlief reibungslos, der Yoma ist tot und ich trug wie immer keine Verletzungen davon. Diese beiden Mädchen, Olivia und Johanna, wurden von ihm angegriffen, sie haben keinen Ort, an den sie könnten und wollen nun als Novizinnen in die Organisation eintreten.“ „Wunderbar, Irene. Aber sind die beiden nicht ein bisschen alt, um der Organisation noch beizutreten?“, fragte der Mann, immer noch mit diesem schmierigen lächeln auf den Lippen und die Kriegerin schüttelte ruhig den Kopf, während sie den Mädchen je eine Hand auf die Schulter legte, um sie zu ermutigen. Sie erklärte ruhig und mit dem selben kühlen Blick wie die ganze Zeit schon: „Das hätte ich gestern auch noch gedacht, aber sie sind mit je einer schweren Wunde im Bein den ganzen Weg von Pieta bis hier gelaufen, ohne ein Wort der Klage und ohne jegliche Hilfestellung. Was sie an zu hohem Alter mitbringen, machen sie mit einem unglaublichen Kampfgeist wieder weg. Sie sind bereit.“ Johanna nickte schwach, Olivia um einiges entschlossener als sie und die beiden tasteten nach der Hand der jeweils anderen. Irgendwie war dieser Mann fast so furchteinflößend wie der Yoma, der sie hatte fressen wollen, einfach, weil man nicht erahnen konnte, was hinter diesem schmierigen Lächeln vor sich ging, was er dachte oder plante. Irene setzte sich vom Feuer entfernt hin und fragte: „Hast du das Geld bekommen?“ „Natürlich“, antwortete der schwarzgekleidete ruhig und dann fügte er in einem Tonfall, der schon als herablassend zu werten war, an: „Du hast die Erlaubnis, zu gehen, Irene. Jaskal, eine kleine Stadt ein bisschen südlich von Pieta ist dein nächstes Ziel, wir rechnen mit mehreren Yoma, aber für die Nummer 2 dürfte das weniger ein Problem sein.“ Die Kriegerin nickte und warf ein zusammengeschnürtes Bündel zu Olivia und Johanna, welche es ein bisschen öffnete und darin praktische, dünnere Kleidung entdeckte, wohl, damit die beiden auch was zum Anziehen hatten, wenn sie in wärmere Gefilde kamen. Ohne ein Wort des Abschieds stand Irene auf, sie blickte nicht einmal mehr zurück, bevor sie in dem Gang verschwand, durch den sie mit den Mädchen gekommen war.
Johanna hatte sich noch zu ihr umgedreht und schien sich bedanken zu wollen, aber Olivia schüttelte den Kopf: „Lass sie, ich glaube, es ist das beste, wenn wir einfach nicht mehr daran denken, wir müssen jetzt nach vorn sehen.“ „Deine Freundin hat recht, du solltest auf sie hören, Mädchen. Ihr habt besseres zu tun, als an eine Kriegerin zu denken, die ihr höchstwahrscheinlich sowieso nie mehr wiedersehen werdet“, sagte Rubel und in dem Moment hätte Johanna sich am liebsten auf ihn gestürzt, so sehr triefte seine Stimme von Arroganz, Selbstgefälligkeit und Häme. Aber statt ihm an die Kehle zu gehen blickte sie weg von ihm und zu Boden, sichtlich müde durch den langen Tagesmarsch und auch eindeutig ziemlich hungrig und auch Olivia sah nicht viel besser aus, die Kälte draußen hatte ihr trotz der dichten Kleidung immer noch zugesetzt und es war anstrengend gewesen, sich durch den Sturm und den Schnee zu kämpfen. Eine Weile herrschte einfach Stille, Rubel musterte die beiden Mädchen und sie erwiderten den Blick kühl und ruhig, bis er ihnen schließlich eine Tasche aus Leder hinstellte und sie aufforderte: „Esst und trinkt was, ihr habt es nötig. Es wird noch Wochen dauern, bis wir beim Hauptquartier sind, bis dahin solltet ihr bei jeder Gelegenheit eure Sinne schärfen, ihr werdet in der Ausbildung weit hinter den gleichaltrigen zurückhinken und man muss die Lücke ja nicht noch größer werden lassen.“ Olivia nickte, aber ihre Freundin reagierte nicht, sie schien ein bisschen geistesabwesend, wie sie da saß, mit überkreuzten Beinen und dem Blick im Feuer, zumindest so lange, bis die ältere sie vorsichtig anstieß, dann schüttelte sie den Kopf, um wieder zu Verstand zu kommen und atmete tief durch, bevor sie Rubel anblickte und leise brummte: „Von mir aus.....“ Sie sah weg, offenbar wollte sie nicht, dass der relativ kleine Mann aus ihren Augen lesen konnte. Das Essen und Wasser rührte sie, im Gegensatz zu Olivia, auch nicht an, stattdessen rollte sie sich einfach auf dem Boden zusammen und schloss die grünblauen Augen. Olivia stieß sie seufzend ein zweites mal an und sagte leise: „Hey. Du musst auch was zu dir nehmen, sonst brichst du morgen am Ende noch zusammen.“ „Kein Hunger....“, murmelte das Mädchen und rollte sich ein bisschen fester zusammen, wobei sie möglichst versuchte, zu verbergen, dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Sie war zwar noch keine zwei Tage in dieser Welt, aber sie hatte einfach nur noch Angst, weil sie wusste, was noch auf sie und ihre Freundin warten würde. Sie wollte wieder zurück, in ihre langweile, wohlbehütete Welt, in der sie nicht jeden Tag Gefahr laufen konnte, aufgefressen zu werden, ihrer Meinung nach hätte dieses Abenteuer langsam mal enden können, nachdem sie schon ein Wesen auf so eine schreckliche Art und Weise hatte sterben sehen, selbst, wenn das wohl ganz sicher verdient gewesen war. Ihre Beine schmerzten und die Wunde brannte unerträglich stark, so, als würde jemand einen glühenden Schürhaken immer fester hinein bohren, wahrscheinlich hatte sie sich durch die Belastung beim Laufen und Dreck am Verband auch noch entzündet. Eine Weile lag Johanna so da, die Augen geschlossen und im Versuch, die Tränen einzudämmen, dann, nach etwas mehr als einer Viertelstunde, setzte sie sich wieder auf, weil sie fror und zu weit vom Feuer entfernt lag.
Langsam rutschte sie näher zu der wärmenden Glut und Olivia hielt ihr mit vorwurfsvollem Gesicht einen Lederschlauch hin, bevor sie leise sagte: „Du musst wenigstens was trinken, sonst brichst du garantiert früher oder später zusammen.“ Kurz schien es so, als wolle Johanna widersprechen, aber dann nahm sie das Wasser doch entgegen und trank gierig. Sie hatte ihren Durst über den Tag schon teilweise mit etwas Schnee gestillt, denn sie in ihrem Mund hatte schmelzen lassen, weil sie es anders wohl kaum hätte ertragen können, aber das Wasser, auch, wenn es abgestanden und ledrig schmeckte, tat ihr gut und beseitigte das trockene, unangenehme Gefühl, das sich über den Tag in ihrer Kehle breit gemacht hatte. Dafür hinterließ das Wasser einen unangenehm bitteren Geschmack in ihrem Mund zurück, der wohl von dem Leder herrührte, aus dem der Schlauch zusammengenäht war und die Sechzehnjährige verzog das Gesicht, sie sagte leise: „Igitt, das schmeckt ja widerlich!“ „Also dafür, dass es nicht schmeckt, hast du ganz schön viel getrunken“, spöttelte Olivia und kicherte, bevor sie laut und hinter vorgehaltener Hand gähnte und murmelte: „Ich hau mich hin, gute Nacht.“ Sie legte sich so nah wie möglich ans Feuer und schloss die Augen, es dauerte nicht lange, bis ihr Atem ruhiger wurde und sie wegdämmerte und kurz nach ihr legte sich auch Johanna hin, um sich wenigstens ein paar Stunden auszuruhen.

Rubel schien in zumindest einem Punkt gnädiger als Irene: Er ließ die Mädchen ausschlafen und gab ihnen auch ein relativ üppiges Frühstück, von dem beide allerdings nur relativ wenig aßen. Über Nacht war der Schmerz in ihren Wunden so viel schlimmer geworden und die beiden fühlten sich enorm fiebrig. Wahrscheinlich hatten sich die Wunden wirklich entzündet und das Aufstehen viel ihnen beiden enorm schwer, Johannas Bein knickte unter der Belastung sogar zuerst einmal weg und nur, um den spöttischen Blick des in schwarz gekleideten Mannes nicht ertragen zu müssen, quälte sie sich wieder hoch. Rubels Blick, kühl und herablassend, fiel nun auf die Ältere, als er leise sagte: „Ich hoffe für euch, dass ihr nicht zurückfallt. Wir machen uns auf den Weg, auf auf.“ Olivia knurrte nur etwas unverständliches und nahm das Bündel mit der Kleidung, das Irene ihnen da gelassen hatte, bevor sie mit Johanna zusammen vorausging.
Die Spuren im Schnee vom vorherigen Tag waren verschwunden, dafür war die weiße Decke noch dicker als am Vortag, aber wenigstens hatte der tagelange Schneesturm endlich geendet und die Sonne schien, was den ganzen Wald, den die Mädchen durch den Sturm kaum wahrgenommen hatten, in eine glitzernde, weiße Bilderbuchlandschaft verwandelte. Johanna schüttelte sich, irgendwie war ihr dieses Bild zuwider, es hatte etwas unwirkliches, wenn man an die Ereignisse der letzten Tage dachte. Und außerdem hieß, dass der Sturm vorbei war, dass man ihren Spuren ohne weiteres folgen konnte, sobald sie einen Schritt auf die dicke Schneedecke machen würden. Unentschlossen blieben die beiden stehen, die eine Begegnung mit dem Yoma hatte ihnen voll und ganz gereicht, aber andererseits standen sie hier, vor oder in der Höhle wie auf dem Präsentierteller, es gab nur diesen Ausgang, keinen anderen und wahrscheinlich konnten diese Biester sie sowieso riechen und würden sie hier mit Sicherheit finden. Olivia blickte zum Himmel hinauf, in der Hoffnung, irgendwo Wolken zu finden, die einen erneuten, schweren Schneesturm ankündigen könnten, der sie quasi decken könnte, aber der Himmel war klar und ließ nicht auf so etwas hoffen.
Als Rubel aus dem Eingang kam, blickte er sich das alles gar nicht lange an und zuckte mit den Schultern, selbst ihm schien klar zu sein, dass jetzt in den Schnee zu gehen das dümmste wäre, was man tun könnte, aber was er dann sagte, verblüffte die beiden Mädchen doch: „Hier geht’s nicht, dann nehmen wir eben den anderen Ausgang, kommt mit.“ Keine von beiden widersprach und beide folgten ihm widerstandslos zurück in die Höhle, auch, wenn sie sich fragten, wo dieser zweite Ausgang sein sollte, sie hatten keinen gesehen, als sie in dieser art Halle gesessen hatten, andererseits hatte das Feuer sie auch nicht komplett ausgeleuchtet und so konnte es durchaus sein, dass dort irgendwo noch ein Ausgang war, gut verborgen in den Schatten.
Und tatsächlich führte der relativ kleine Mann die beiden durch die große Grotte hindurch bis zu einer kleinen Öffnung, kaum hoch genug, dass man bequem hindurch gehen konnte, der Gang war eng und weniger angenehm als der letzte und in der völligen Dunkelheit fanden sich die beiden Mädchen nur sehr schlecht zurecht. Doch auf die Frage, ob man keine Fackel anzünden könnte, erklärte Rubel, dass das hier nicht ganz ungefährlich war, weil in der Luft hier drin ein gewisser Anteil von leicht brennbaren Gasen war, was schlimmstenfalls zu einer Explosion führen konnte. Also lieber vollkommene Finsternis, die einen nach und nach jegliches Zeitgefühl verlieren lies.

Wie lang sie nun tatsächlich unter der Erde waren, hätten die beiden beim besten Willen nicht sagen, sie legten in unregelmäßigen Abständen Rasten ein, schliefen eine Weile und aßen ein bisschen was, aber Rubel sagte ihnen nie, wie viele Tage sie schon unterwegs waren oder wie lang sie noch laufen mussten und irgendwann gaben sie auf, danach zu fragen. Nach einer halben Ewigkeit, wie es den beiden schien, wurde die Decke niedriger und zumindest Johanna stieß sich ein paar mal den Kopf an hervorstehenden Steinstücken, beschwerte sich aber nicht darüber und folgte Rubel genau wie Olivia.
Schließlich mussten alle drei irgendwann kriechen, um überhaupt noch durch den Gang zu kommen. Den Körper so flach wie möglich auf den Boden gepresst robbten sie durch das, was sich mal Höhle schimpfte. Olivia knurrte nach einer Weile in dieser unbequemen Lage: „Da geht’s doch nie und nimmer raus.“ „Wartet es ab“, entgegnete der in Schwarz gekleidete nur ruhig, doch ein paar Stunden schien es so, als würde Olivia recht behalten, bis die beiden schließlich anfingen, Schemen voneinander und von Rubel zu sehen. Es war vielleicht nur ein schwaches Licht, kaum merklich, aber für ihre an die Dunkelheit gewöhnten Augen war es genug, um einander zu erkennen und sogar die Quelle dieses hellen Scheins auszumachen. Eine Weile noch mussten sie durch den engen Gang kriechen, dann aber verbreiterte sich dieser Schlagartig und sie standen im Freien.
Die Mädchen atmeten erleichtert auf und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen, froh, endlich wieder draußen zu sein, den Wind zu spüren und das Tageslicht zu sehen, auch, wenn es ihnen im ersten Moment fast das Augenlicht nahm, sie konnten einfach kaum etwas sehen, weil sie viel zu lange im Dunkeln gewesen waren. Aber die frische Luft und das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln entschädigten dafür doppelt und dreifach. Aber zwei Dinge störten: Erstens fehlte das Zwitschern der Vögel, so, als wagten sich nicht einmal Tiere an diesen Ort, und zweitens war es so warm, das die beiden in ihrer schweren Winterkleidung schnell ins Schwitzen kamen. Fast gleichzeitig drehten sich die beiden zu Rubel um und zischten: „Dreh dich weg!“ Der in schwarz gekleidete widersprach nicht und drehte sich weg, während die beiden möglichst schnell ihre schwere, dicke Kleidung ablegten und mit der leichten, die Irene ihnen mitgegeben hatte, austauschen. Es waren praktische, weite Hemden aus dünner Wolle, genauso dünne Wollhosen und Schuhe aus weichem aber stabilen Leder, bequem, aber nicht besonders schön. Eben billige Funktionskleidung, damit die beiden hier nicht an einem Hitzekollaps sterben würden.
Während sich die beiden umzogen, hatten sich auch ihre Augen an das grelle Licht gewöhnt und sie konnten ihre Umgebung das erste mal wirklich mustern. Ein paar vereinzelte Bäume standen hier, aber sie wirkten krank und verkümmert und die Landschaft war im allgemeinen recht kahl, viele Spitze Felsen ragten aus dem Boden und direkt vor ihnen erstreckte sich eine endlos wirkende, in den Stein geschlagene Straße, die nach rechts hin leicht abfiel und links nach einer Weile eine Kurve machte. Johanna schluckte, bevor sie leise fragte: „Ist das der Eingang zum Hauptquartier?“ „Ja, dieser Weg führt euch zu eurem neuen Heim“, bestätigte Rubel, immer noch dieses schmierige, unsympathische Lächeln auf den schmalen Lippen. Die beiden Mädchen sahen sich an, bei so einer Umgebung konnte es ja nur besser werden.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast