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Abenteuer oder Ernst des Lebens?

von Cheyenne
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Chris Larabee Ezra Standish J.D. Dunne Vin Tanner
14.08.2012
14.08.2012
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14.08.2012 7.143
 
Abenteuer oder Ernst des Lebens? by Chris

Disclaimer: Was passierte, nachdem die festgesetzten dreißig Tage um waren? Das hier ist eine Möglichkeit
Charaktere:  Alle Sieben
Spoiler: ein wenig von Das Seminolendorf und Ein Tag im Westen

Gerade verließ Buck Wilmington wütend das Gefängnis, wobei er den ganzen Weg zum Saloon hinüber lautstark wetterte: "Dieser verdammte Dummkopf. Sheriff will er sein. Er ist ein Kind, ein Gott verdammtes Kind. Glaubt er nur, weil er jetzt den Stern trägt, ist er gegen alle Kugeln gefeit. Damit wird er erst recht zur Zielscheibe. Er muss den Verstand verloren haben. Eine andere Erklärung kann ich nicht finden."
Weiches Gelächter ließ den Casanova herumfahren. Vin Tanner lehnte an einem Pfosten und nicht weit davon stand die schwarz gekleidete Gestalt von Chris Larabee. Der Revolverheld und Anführer der Sieben fragte: "Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
Buck starrte seine langjährigen Freund an. Dann deutete er zum Gefängnis und antwortete:" Laus? Dieser verdammte Kindskopf hält es für ein Abenteuer. Er glaubt nur, weil er den Stern trägt, respektiert man ihn auch." Nach einer kurzen Pause, in einem ruhigeren aber fürsorglichen Ton fügte Buck noch an: " J.D will die Sache allein durchziehen."
Damit meinte Buck, dass der Sheriff den Gefangenen allein nach Malcom City überführen möchte.

Überrascht sahen sich Vin und Chris an. Hatte der Anführer den Jungen zu weit getrieben. Heute Morgen beim Frühstück protze J.D mit einer Verhaftung gestern Abend. Chris hatte ihm erklärt, dass es nicht der Sheriffstern, sondern die Anwesenheit der anderen sechs Revolvermänner gewesen waren, warum der Mann so leicht aufgegeben hatte.

Alle außer J.D saßen im Saloon, als ein staubbedeckter Reiter hereinkam und sich einen Whiskey bestellte. Der Fremde stand an der Theke, trank langsam sein Glas und schaute sich in aller Ruhe um. Die meisten Anwesenden hatten kurz nach dem der Mann hereingekommen war, ihre Beachtung von ihm gelöst. Für sie war er nur ein Durchreisender, der seine trockene Kehle anfeuchten wollte. Die sechs Revolvermänner dagegen beobachteten den Mann heimlich. Jeder aus anderen Gründen.
Ezra, der Spieler fragte sich, ob der Mann genug Geld in der Tasche hatte und vielleicht an einem Glücksspiel interessiert war. Seiner Kleidung nach wohl nicht, anderseits musste das nichts heißen.
Nathan prüfte ihn mit Kennerblick, ob der Mann verletzt war und vielleicht seine Dienste in Anspruch nehmen wollte.
Bei Josiah war es die Frage ob der Mann vielleicht eine verlorene Seele hatte.
Buck hatte seinen Blick gleich wieder abgewandt, nachdem er gesehen hatte, dass der Fremde mit dem hässlichen Narbengesicht keine Konkurrenz für ihn bei den anwesenden Saloongirls darstellte.
Der Scharfschütze betrachtete den Neuankömmling am längsten, dabei verbarg er sein Gesicht im Schatten der Hutkrempe. War der Mann ein Kopfgeldjäger und hinter der Spende her. Vermutlich nicht. Diesen Mann fehlte der Blick eines aufmerksamen Beobachters. Er wirkte stattdessen eher gehetzt, als wenn er selbst ein Gejagter war. Vin blickte auf Chris und schüttelte den Kopf. Dieser nickte in Bestätigung. Für den Anführer der Sieben war der Mann ebenfalls ein Unbekannter, niemand dem er schon einmal begegnet war und der vielleicht noch eine alte Rechnung zu begleichen hatte.
Der Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit hatte sein Glas geleert und nun verlangte er: "Noch einen Whiskey!" Dabei zog er einige Scheine aus der Tasche und bezahlte den Drink. Der Blick des Spielers sah des es nur kleine Scheine waren, also niemand für den sich die Mühe lohnen würde. Mit einem Seufzen hatte Ezra sich abgewandt und bekam den stillen Austausch zwischen Chris und Vin mit. Da er neben dem Scharfschützen saß, bemerkte er: "Der Gentlemen hat nicht den Anschein eines Kopfgeldjäger."
Überrascht sah Vin erst auf den Spieler und danach blickt er den Anführer wütend an. Hatte Chris ihn verraten und dann ausgerechnet an den unzuverlässigen Spieler. Vin wollte und konnte es nicht glauben. Bevor der Anführer sich verteidigen konnte, erklärte Ezra:" Ich habe selbst Augen im Kopf. Keine Sorge Mister Tanner ihr kleines Geheimnis ist bei mir sicher."
Nathan warf ein:" Bei uns allen."
Da der Scharfschütze ungläubig von einem zum anderen schaute, erklärte der Spieler:" Ihre Abneigung gegen anwesende Kopfgeldjäger, Mister Tanner. Jedes Mal, wenn einer hier auftauchte, hatten sie es eilig die Stadt zuverlassen.", nach einer absichtlichen Pause fuhr Ezra fort:" Tascosa war einer der vielen Orte, wo ich das Vergnügen hatte, mit den guten Bürgern der Stadt spielen zu können. Wenn man einige Tage in der Stadt ist, hört man so einiges."
Man merkte, dass eine Frage den Ex-Büffeljäger beschäftigte. Er fragte leise, fast ungläubig:" Ezra, wieso ...?"
Der Spieler unterbrach Vin und sagte mit einem gekräuselten Lächeln.:" Wieso ich sie nicht verraten habe, Mister Tanner. 500 Dollar sind doch nur Peanuts. Mal abgesehen von der ganzen Mühe, die ich hätte. Sie fesseln, auf ein Pferd verschnüren und den weiten Weg nach Tascosa transportieren. Wenn ich an die unbequemen Nächte auf dem kalten harten Boden denke. Keine Sorge Mister Tanner ich kann gern darauf verzichten."
Chris schoss einen drohenden Blick auf den Spieler, als wenn er ihn warnen wollte. Ezra hatte während seiner kleinen Rede den Anführer nicht aus den Augen gelassen. Deshalb fügte der Spieler jetzt an:" ... und auf die Folgen, die mein Handeln nach sich ziehen würde."
Dann legte Ezra erneut eine Pause ein und suchte nach anderen Wörtern um Vin seine Aufrichtigkeit zu zeigen. " Die Parallelen zu meiner eigenen Vergangenheit. Ich weiß wie es ist unschuldig angeklagt zu werden."

Die anderen fünf dachten an Ezras Begegnung mit Richter Travis hier ihn Four Corners. Es war J.D's erste Aufgabe als neuer Sheriff gewesen den Spieler wegen eines Vorfalls in Fort Laramie einzusperren. J.D hatte es nur ungern getan, aber es war seine Pflicht.
Für einen Mann, den man normalerweise nicht lesen konnte, gab es zu viele Gemütsbewegungen auf dem Gesicht des Spielers. Alles was Ezra nicht aussprechen konnte las Vin jetzt dort und er verstand. Ezra mochte den Scharfschützen und genoss die Gesellschaft seiner Freunde. Freunde? Ezra konnte selbst kaum glauben, dass er die anderen Männer so bezeichnete. Er konnte es nicht zugeben, er wollte es ja selbst nicht glauben, was ihn hier in der Stadt hielt. Es war nicht die Begnadigung von Richter Travis, sondern etwas anderes. Die festgesetzten dreißig Tage waren um und Ezra konnte jederzeit die Stadt verlassen, was hielt ihn also noch hier? Ezra konnte es sich nicht erklären. Chris, Vin und die anderen fragten sich dasselbe.
Vin empfand so ähnlich. Für einen der nie irgendwelche Freunde hatte, war es schwer jemanden zu vertrauen. Bei Chris war es einfach gewesen. Es war, als ob sie sich schon immer gekannt hätten. Bei den anderen fiel es dem Scharfschützen schwerer. Vin verließ sich auf seinen Instinkt, der ihn nur selten im Stich gelassen hatte. Deshalb sagte er nun: "Ich vertraue dir Ezra."
Für den Spieler bedeuteten die Worte sehr viel. Nur Chris und Vin sahen für einen Moment das dankbare Lächeln über die ansonsten unleserlich Maske des Spielers huschen. Nach einer Weile wandte sich der Scharfschütze an die anderen.
"Gibt es jemanden der es nicht weiß?", fragte besorgt Vin.
Buck antwortete:" J.D hat keine Ahnung."
Daraufhin bemerkte Josiah:" Beten wir zu Gott, das er es nicht herausfindet. Bei seinem Ehrgeiz in der Pflichterfüllung als Sheriff könnte er unserem Bruder vielleicht schaden."
Mit einem lächeln, weil er seinen Freunden vertrauen konnte, trank Vin ruhig sein Bier. Nach einer Weile fiel ihm etwas wieder ein, das Ezra früher sagte. Der Spieler erzählte nie etwas aus seiner Vergangenheit, Hölle kaum einer der Sieben tat es. Wenn jemand fragte, dann konnte man schon das eine oder andere Erfahren. Aus diesem Grund wagte er Ezra die Frage zustellen. "Ez, warum wurdest du eigentlich in Fort Laramie verhaftet?"

Der Spieler seufzte. Der Vorfall in Fort Laramie war etwas, was er nicht gerade mit seinen Freunden verbinden wollte. Es war eine schmerzliche Erinnerung. Es hatte ihm gezeigt, dass er nicht einmal seiner eigenen Mutter trauen konnte. Einer ihrer betrügerischen Coup wurde dem Spieler angelastet. Dann entschloss er sich doch zu reden. Ezra musste ja nicht alle Details erwähnen. Erst nach einer ganzen weile und mit unleserlichen Gesicht erzählte er dann:" Es war ein Missverständnis. Jemand mit dem ich damals umher reiste, erleichterte einen US-Army Colonel um eine größere Summe von Geld. Er verschwand und man wurde nur meiner habhaft. Richter Travis ließ mich auf Kaution frei. Ich nutze die Chance und suchte das Weite. Unnötigerweise leider. Der Colonel rehabilitierte mich kurz, nachdem ich fort war."
"Warum hat dich dann der Richter hier in Four Corners verhaftet?", fragte der Prediger neugierig.
In diesen Moment lächelte der Spieler und antwortete: " Der Richter nahm es persönlich das ich geflohen war, deshalb seine Reaktion. Wäre es wirklich ein ernstes Verbrechen gewesen hätte er mich wohl kaum begnadigt."
"Wurde der wahre Schuldige gefunden.", konnte sich Chris nicht verwehren zu fragen.
Ezra schüttelte den Kopf. Eigentlich wollte er die anderen mit dieser Antwort abspeisen, dann entschloss er sich doch weiter zu sprechen." Ich habe ihn seit dem nicht wieder gesehen. Er hat in Fort Laramie einen anderen Namen benutzt und die Beschreibung, die der Colonel gegeben hat, war sehr ungenau."
Vin hatte Ezra beobachtet. Plötzlich schlussfolgerte er: "Er war eine Frau."
Ein Nicken war die Antwort. Ein aufblitzen von Schmerz und Verrat huschte über das Gesicht des Spielers. Es war nur ein flüchtiger Zug, Vin entging es nicht. Der Scharfschütze legte seine Hand auf den Arm des Spielers und lächelte. Mehr brauchte Ezra nicht.
Es war eine Geste womit Vin seine Freundschaft offerierte.

J.D betrat den Saloon um sich den Freunden anzuschließen. Sein Blick blieb bei dem Mann an der Theke hängen. Der junge Sheriff erkannte den Verbrecher sofort. Erst heute Morgen hatte er das Gesicht auf einem Steckbrief entdeckt. Innerlich frohlockte J.D.
Nun würde er Buck zeigen das er kein Dummkopf war. Der Sheriff zog seine Waffe und bedrohte den Bandit, wobei er sagte:" Matthew Clark ich verhafte sie. Händigen sie mir ihren Revolver aus und dann folgen sie mir zum Gefängnis."
Der Angesprochene wandte sich langsam um und betrachtete den jungen Mann vor sich. Ein Kind, das Sheriff spielte. Lächerlich. Der Junge musste noch grün hinter den Ohren sein, sonst würde er sich nicht mit einem Mann wie ihm anlegen. Matthew hielt in der einen Hand das Whiskey Glas und die andere Hand tastete zu seinem Hosenbund. Er hatte dort für Notfälle eine zweite Waffe verborgen. Langsam setzte Clark sein Glas ab. Dann zog er vorsichtig den Revolver aus dem Halfter und reichte ihn J.D. Als er die Waffe in empfang nahm, war er für einen Moment abgelenkt. Plötzlich schaute der Junge in die Mündung eines Colts. Der Bandit sagte: "Geh aus dem Weg Junge und du wirst ein paar Tage älter."

Der Sheriff war für einen Moment verunsichert. Er hatte bemerkt das seine Freunde keinen Finger rührten. Sie hatten sich nicht einmal bewegt. Im Gegenteil er hatte mitbekommen, dass Buck aufspringen und ihm zu Hilfe eilen wollte. Chris hatte seinen langjährigen Freund am Arm zurückgehalten. Was Chris dabei sagte, hatte J.D nicht verstanden. Buck hatte nur ergeben genickt.
"Sie sind verhaftet. Geben sie mir ihren Revolver!", forderte der Sheriff noch einmal mit Bestimmtheit.
Matthew Clarks Blick schweifte über die Männer im Raum. An einem Tisch hatten sich sechs Revolvermänner erhoben, jederzeit bereit einzugreifen. Jeder Einzelne von ihnen war eine Bedrohung an sich. Die kalten Blicke, die Clark trafen, erleichterten die Entscheidung. Er übergab den Revolver und ließ sich zum Ausgang führen.
Als J.D sich umwandte, saßen die sechs Revolvermänner wieder auf ihren Plätzen und taten so als wäre nichts geschehen.

Heute früh stürmte J.D in den Saloon und bestellte laut sein Frühstück. Der Erfolg gestern Abend machte den Jungen überschwänglich. Plötzlich klopfte J.D Buck auf die Schulter und rief:" Hast du gesehen, wie ich den Mann gestern verhaftet habe. Hast du es gesehen."
Ein Stimme auf der Treppe die in den ersten Stock führte unterbrach den Sheriff:" Bitte Mister Dunne, müssen sie so schreien. Zu so erschreckend früher Stunde sind meine Ohren recht empfindlich."
Die Freunde sahen den Spieler herunterkommen, ein Gähnen dabei unterdrückend. Nathan fragte lächelnd:" Schon auf Ezra. Bist du krank?"
"Keine Beunruhigung Mister Jackson. Ich versichere ihnen, ich bin fein. Allerdings bei der Lautstärke, die unser junger Sheriff an den Tag legt, kann doch kein vernünftiger Mensch ruhig schlafen.", entgegnete Ezra.
J.D wandte sich nun an den Neuankömmling und sagte:" Entschuldige Ezra. Ich wollte nur den anderen erzählen wie ich den Mann gestern festgenommen habe."
Der Spieler schüttelte den Kopf. So viel Naivität war fast unmöglich. Er entgegnete:" Dazu besteht keine Veranlassung Mister Dunne, wir alle waren gestern Abend zugegen."
"Buck denkt ich bin noch grün hinter den Ohren. Aber ich habe es allein geschafft.", erzählte stolz J.D.
Chris stand auf und sagte: "Hast du nicht."
Diese drei Wörter genügten, um J.D von seinem hohen Ross herunter zu holen. Er starrte auf Chris, sein Idol und sein Held. Er hatte erwartet das Chris ihn loben würde, nun wollte der Anführer andeuten das J.D es nicht allein geschafft hatte. Verlegen begann J.D: "Aber Clark hat freiwillig aufgegeben."
"Weil wir anwesend waren.", erklärte Chris.
Der Sheriff sah von einem zum anderen und jeder nickte zustimmend. Enttäuschung machte sich in J.D breit. Er dachte wirklich nun endlich hatten die anderen einen Grund stolz auf ihn zu sein. Der Einwand von Chris war berechtigt. Er hatte gesehen wie die anderen gestern Abend einen abwartende Haltung angenommen hatten. Sie waren bereit jederzeit einzugreifen. Offenbar musste es auch Clark gesehen haben. Der junge Sheriff war so von sich selbst überzeugt gewesen, dass er beinahe versagt hatte. Er war sich so sicher diesmal einen guten Sheriff abgeben zuhaben, aber nein, wieder einmal hatte J.D die Situation nicht unter Kontrolle gehabt. Nun war er fast den Tränen nahe. Er kämpfte sie erfolgreich zurück, stattdessen machte sich Entschlossenheit breit.
Die Freunde sahen den inneren Kampf des Jungen. Buck wollte ihm gerade etwas sagen, er kam nicht mehr dazu.
Da wandte sich J.D auf seinen Fersen um und rief:" Ich schaffe es auch ohne euch. Ich werde es euch schon noch beweisen."
Dann war er auch schon verschwunden. Buck eilte ihm hinterher, um mit J.D zu reden. Vergeblich. Der Junge hatte seine Ohren verschlossen. Deshalb war der Casanova aus dem Gefängnis geeilt und hatte die Tirade von Flüchen losgelassen.

"Ich rede mit ihm.", sagte entschlossen Chris.
Vin hielt den Anführer zurück und widersprach." Ich halte das für keine gute Idee. "
"Hast du eine bessere?", kam die zornige Entgegnung.
Buck und Chris starrten auf das lächelnde Gesicht des Scharfschützen. Dieser nickte und erklärte:" Halte es für besser, wenn ich mit ihm rede. Er ist wütend auf euch beide. Ihr seid besorgt. Gut. Er glaubt sich missverstanden und will euch doch nur beweisen, dass er uns ebenbürtig ist."
Buck stimmte zu:" Vin könnte recht haben. Er will sich und uns etwas beweisen."
Chris nickte ebenfalls. Deshalb wandte sich Vin zum Gefängnis.

J.D. saß im Inneren und sah lustlos den Stapel Steckbriefe durch die heute Morgen mit der Postkutsche gekommen waren. Seine Gedanken waren immer noch bei dem Vorfall gestern und heute Morgen im Saloon. Na klar, Buck war besorgt und die anderen ebenso, aber war das ein Grund ihn wie ein kleines Kind zu behandeln. Er war enttäuscht von seinen Freunden.
Nun hatte er den letzten Zettel in der Hand. Das Gesicht kam ihm bekannt vor. Darunter prangte in großen Buchstaben ein Name. ' VIN TANNER'
Mit immer größer werdenden Augen las er die Anschuldigungen gegen Vin auf dem Zettel. Der Junge konnte es nicht fassen. Er bewunderte den Scharfschützen. Seine Fähigkeiten im Nachspüren, seine Treffsicherheit und nun das. Vin ein gesuchter Mörder?

Vin betrat den Raum:" J.D.", begann er, dann fiel sein Blick auf den Steckbrief in der Hand des jungen Sheriffs. Der Scharfschütze konnte zwar nicht lesen aber die Ähnlichkeit mit ihm war deutlich, zumal er auch den entsetzten Ausdruck auf dem Gesicht des Jungen entdeckte. Bevor J.D etwas sagen konnte stürmte Vin davon. Der Sheriff sprang auf und eilte hinterher. Er wollte eine Erklärung. Nach wenigen Schritten hatte er den Scharfschützen eingeholt und hielt ihn am Ärmel der Wildlederjacke fest.
"Warte Vin.", bat der junge Mann.
Dieser blieb stehen und starrte auf den jungen Sheriff. Mit einem verzweifelten Ausdruck in den Augen fragte J.D: "Ist das wahr?", dabei hielt er den Steckbrief in die Höhe.
Vin schüttelte den Kopf, befreite seinen Arm und wollte weiter gehen. Der Junge forderte: "Ich will eine Antwort Vin."
"Ich habe dir eine gegeben. Es ist eine Lüge, ich bin unschuldig. Das ist alles, was du wissen musst.", sagte Vin.
Immer noch ungläubig entgegnete J.D:" Der Steckbrief existiert nicht umsonst. Ich will die ganze Wahrheit!"
Mit einem Seufzen sah sich der Scharfschütze in der Stadt um. Es waren viele Einwohner und Reisende auf der Straße. Wie schnell könnte jemand etwas Falsches aufschnappen. Das Risiko war zu groß, um hier mit J.D zu sprechen. Er warf einen Hilfe suchenden Blick zu seine Freunden am Saloon, aber nur Ezra schaute gerade herüber. Der Spieler verstand sofort die Bedeutung.
"Mister Larabee, wenn ich etwas bemerken darf?", nachdem Chris seine Aufmerksamkeit dem Spieler zugewandt hatte, fuhr dieser fort:" Mister Tanner bedarf augenscheinlich unsere Hilfe."
Chris schaute hinunter zum Gefängnis. Er konnte nichts Verdächtiges entdecken außer das Vin sich gerade umwandte und von J.D gefolgt das Gebäude betrat. Der Anführer zuckte mit den Schultern und wollte von Ezra eine Erklärung, die bekam er auch, bevor er fragen konnte. "Ich fürchte Mister Sanchez Gebete haben nichts genützt. Das Blatt in der Hand unseres Sheriff hatte ganz den Anschein eines Steckbriefes."
Das genügte für Chris. Der Revolvermann verließ seinen Platz und eilte mit großen ausschweifenden Schritten hinunter zum Gefängnis. Die Zurückgebliebenen sahen sich an und dann folgten sie ihrem Anführer.

J.D wollte die Tür hinter sich verschließen, merkte aber nicht das Sie einen Spalt offen blieb. Dann setzte sich der Junge auf einen Stuhl, wobei er seine Beine auf den Tisch legte. Erst danach sah er erwartungsvoll den Scharfschützen an. Vin begann: "Du hast sicher gehört das ich auch als Kopfgeldjäger gearbeitet habe."
Da J.D nickte, fuhr Vin mit leiser Stimme fort:" Eines Tages war ich hinter Eli Joe her und fand ihn tot. Jemand war mir zu vor gekommen. Als ich die Leiche in Tascosa ablieferte, erfuhr ich das Es nicht Eli war und man bezichtigte mich des Mordes. Da ich keine Lust hatte unschuldig zu hängen bin ich verschwunden. Deshalb auch der Steckbrief."
Nachdem Vin geendet hatte, starrte der Junge immer noch auf den Steckbrief vor sich. Er sagte zweifelnd:" Jeder kann seine Unschuld beteuern aber wenn das wahr ist ...?"
" J.D vertraust du mir?", wurde J.D mit weicher Stimme von dem Scharfschützen unterbrochen.
Der Sheriff zuckte mit den Schultern und antwortete:" Vin, ich weiß nicht. Ich habe dir vertraut. Bevor ...", damit zeigte er auf den Steckbrief.
"Ich verstehe.", entgegnete Vin und wollte sich zum Ausgang wenden.
In der halb geöffneten Tür erschien Chris und gleich danach die Anderen. Sie hatten alle den offensichtlichen Zweifel von J.D gehört. Chris und Ezra sahen aber auch die Traurigkeit in den Augen des Scharfschützen. Der Anführer wollte etwas sagen, doch der Spieler kam ihm zuvor. "Mister Dunne. Sie sind doch ein Mann der jemanden nicht gleich wegen seines Aussehens oder aufgrund einer simplen Anschuldigung hin verurteilt."
Der Junge bestätigte:" Das war das Erste was du mir beigebracht hast Ezra. Wie man lernt Leute zu lesen und solche Sachen. Der Steckbrief jedoch ist kaum etwas Simples. Es geht um Mord."
Mit einem Seufzen, wobei er die fragenden Blicke der anderen ignorierte setzte, der Spieler fort:" Man sollte einen Mann nach seinen Taten beurteilen. Ich denke nicht, dass ein Mörder bereitwillig sein Leben riskieren würde, um einen Schwarzen zu befreien und sich dabei mit einer Horde betrunkener Cowboys anlegt."
An Nathan gewandt, da dieser bei dem Wort 'Schwarzer' tief Luft holte: "Das war nicht persönlich gemeint Mister Jackson."
Mit einem verstehenden Lächeln antwortete der Heiler: "Keine Beleidigung genommen Ezra."
"Danke ihnen Mister Jackson.", an J.D gewandt:" Gut Mister Dunne. Diese Tatsache und seine Arbeit als Gesetzesmann sprechen für ihn. Niemand hier im Raum erachtet Vin als einen Lügner, zumal er ein sehr schlechter Lügner ist. Ich glaube ihm wenn er sagt das er unschuldig ist."
Bevor J.D darauf antworten konnte, platzte Vin heraus: "Ich bin ein guter Lügner."
Der Anführer räusperte sich. Vin errötete und senkte den Kopf. Jeder im Raum erinnerte sich wie Vin, Chris einen Streich gespielt hat und es Buck in die Schuhe schieben wollte. Selbst J.D hatte den Scharfschützen durchschaut. Bei den Gedanken an dieses Ereignis verstand der Sheriff. Wenn es darauf ankam war Vin ein guter Lügner, solange es sich um Fremde handelte. Merkwürdigerweise traf das nicht bei seinen Freunden zu.

J.D betrachtete seine Freunde. In ihren Gesichter las er vertrauen in Vins Unschuld. Chris wusste von dem Steckbrief und trotzdem hatte es keinen abstrich an ihrer Freundschaft gemacht. Chris, der selbst seine Familie verloren hat, würde einem Mörder niemals beistehen. Der Spieler war einer der misstrauischsten Menschen, die es gab, aber in Vin schien er einen starken Glauben zu haben. Genauso wie Buck, Josiah und Nathan.
Jeder war mit seinen eigenen Empfindungen beschäftigt, fast hätte man J.D's Worte überhört:" Es tut mir leid Vin, ich hätte nicht an dir zweifeln sollen. Kannst du mir verzeihen?", dabei senkte der Junge beschämt den Kopf.
Der Scharfschütze merkte, dass es J.D aufrichtig meinte. "Einem Freund immer.", sagte Vin und nickte J.D zum Abschied noch einmal zu. Dann verließ er das Gefängnis zusammen mit den anderen fünf Männern. Zurück blieb J.D, der sich langsam fragte ob es richtig war, den Posten als Sheriff anzunehmen.

Der Mann in der Zelle zog seinen Hut wieder übers Gesicht um sein Lächeln zu verdecken. Der Gefangene witterte Geld. Um genauer zu sein bald würde er um 500 $ reicher sein. Er wusste das es sich nur noch um Stunden handeln konnte bis seine Freunde hier waren und er wieder ein freier Mann sein würde.

Es war noch dunkel, als der Spieler aus dem Saloon kam. Er steuerte das Gefängnis an und gesellte sich zu Vin.
"Nun Ezra, Aufbruch bereit?", fragte der Scharfschütze.
Der Spieler nickte und antwortete:" Ja Mister Tanner. Ich möchte zeitig losreiten."
"Gehst du deshalb nicht schlafen?", fragte Vin.
Der Spieler nickte mit dem Kopf und antwortete:" Würde sich nicht lohnen. Außerdem ist es ein weiter Weg bis Ridge City. Da habe ich genug Zeit      ein Nickerchen zu machen."
Die beiden Männer unterhielten sich noch eine Weile. Plötzlich erhob sich Ezra und bemerkte: "Es wird Zeit für mich."
Der Freund riet zum Abschied:" Denk daran Ezra. Wirf ab und zu auch einen Blick über deine Schulter."
Der Spieler lächelte und tippte sich grüßend an den Hut. Nur wenige Minuten später war Ezra im Mietstall verschwunden.

Vin schaute seinem Freund nach. Nur er wusste, dass der Spieler etwas für Richter Travis erledigen sollte. Wenn Chris aufstand, sollte Vin es ihm mitteilen. Der Scharfschütze ließ seinem Blick noch einmal über die Stadt gleiten und verschwand dann im Inneren des Gebäudes.
Darauf hatten die Männer in der Seitengasse nur gewartet. Sie schlichen zum Gefängnis. Einer von ihnen rief leise: "Vin."
Der Scharfschütze dachte es war noch einmal Ezra und öffnete deshalb die Tür. Trotzdem zog er seine Waffe. Es nützte aber nichts. Vin hatte kaum einen Schritt nach draußen gesetzt, als man die abgesägte Winchester aus seiner Hand schlug. Im nächsten Moment wurde er von zwei Waffen bedroht. Sie führten den jungen Mann ins Innere und dort wurden die drei Banditen freudig von dem Gefangenen begrüßt. Nach einer Weile hatten sie Vin gefesselt und ihren Freund befreit. Der Ex-Gefangene trat auf den Scharfschützen zu und sagte:" Wir nehmen ihn mit. Er ist 500 $ wert."

Ezra führte sein Pferd ins Freie und bemerkte eine Bewegung auf der Straße. "Mister Tanner, kaum dreht man den Rücken schon haben sie Trubel.", rief er überrascht.
Unten am Gefängnis brachte man gerade sein Freund aus dem Gebäude und warf ihn auf ein Pferd. Im nächsten Moment ritten die Entführer aus der Stadt in die entgegengesetzte Richtung. Der Spieler war für einen Moment verunsichert. Dann wandte er sich zu seiner Satteltasche und schrieb schnell eine Nachricht. Diese befestigte er an Chris Pferdebox, da er wusste dieser würde in einer Stunde die Morgenpatrouille beginnen. Ezra schwang sich auf sein Pferd und folgte den Banditen.

Etwa eine halbe Stunde später betrat J.D das Gefängnis. Er wollte Vin von der Nachtwache ablösen.
"Guten Morgen Vin. War unser Gefangener friedlich ...", dann starben die Wörter mitten im Satz. Der junge Sheriff entdeckte die geöffnete Zellentür. Auf dem Tisch lag die Waffe des Scharfschützen.
'Verdammt. Clark musste Hilfe gehabt haben. Es war nicht leicht Vin zu überlisten.', dachte J.D. Der Junge dachte an sein letztes Gespräch mit Vin. Es ging dabei um die Spende auf seinem Kopf. Der Gefangenen hatte vermutlich alles gehört und deshalb Vin entführt. ' Es ist alles meine Schuld. Ich bin unfähig.' Diese und andere Gedanken gingen dem Sheriff durch den Kopf, während er verzweifelt nach einem Ausweg suchte. Er sah jetzt schon die kalte Wut in Chris Augen, wenn er davon erfahren würde.
Der Anführer wollte ihn von Anfang an nicht dabei haben, weil er ihn für zu jung hielt. Nun hatte Chris seine Bestätigung. Doch noch war nicht alles verloren. J.D eilte zum Mietstall und sattelte sein Pferd. Nun würde sich zeigen, ob er schon genug von Vin im Spurenlesen gelernt hatte. Lange konnten sie noch nicht fort sein und vermutlich würde es deutlich Abdrücke geben. Tatsächlich musste er nicht lange suchen. Die Banditen hatten gleich die Richtung nach Texas eingeschlagen. Nun war J.D ihnen auf der Spur.

Einige Zeit später trafen sich die restlichen Männer am Saloon. Der Anführer sah sich in der Stadt um, dabei schweifte sein Blick zum Gefängnis hinüber. Normalerweise hätte J.D jetzt dort sein müssen. Wo blieb deshalb Vin. Ein ungutes Gefühl breitete sich aus.
Auch Buck schien sich unbehaglich zu fühlen. Da bemerkte auch schon Josiah: "Vin ist meistens der Erste am Saloon."
Chris gab keine Antwort. Er befand sich im gleichen Augenblick auf dem Weg zum Gefängnis. Dort angekommen stieß er die Tür auf. Buck war ihm dicht gefolgt. Beide Männer entdeckten das gleiche wie J.D vor einer Weile.
" Vin.", sagten die beiden Männer fast gleichzeitig. Dann eilten sie hinunter zum Mietstall und gaben Nathan einen Wink um sich anzuschließen. Josiah hatte schon, als er die beiden Männer aus dem Gebäude kommen sah, den Saloon betreten um den Spieler zu wecken. Chris stürmte in den Mietstall dicht gefolgt von Buck um die Pferde zu satteln.
"Das Pferd des Spielers fehlt.", bemerkte Buck.
Der Anführer unterbrach seinen Weg und drehte sich zu der leeren Pferdebox um. Ein Verdacht keimte in ihm.
"Ezra?", fragte Chris.
Nathan und Josiah kamen gerade herein und hörten die Frage. Der Prediger antworte:" Nicht in seinem Zimmer. Wollte ihn gerade wecken."
Der Heiler fügte noch an: "Er hat nicht erwähnt, dass er die Stadt verlassen wollte und dann noch so zeitig."
Der Verdacht wurde stärker. Dieser scheinheilige Schwindler. 500 $ sind doch nur Peanuts. Diese Worte gingen Chris wieder durch den Kopf. Vielleicht hatte sich Ezra mit dem Gefangenen verbündet um Vin zu entführen.
"Wenn ich dich in die Finger kriege, Standish wirst du um dein Leben winseln. Verdammter Betrüger, hinterhältige Schlange.", fluchte der Anführer. Dann betrat er die Box seines Pferdes. Der weiße Papierfetzen stach im sofort ins Auge. Wütend riss Chris ihn ab und las:

   Chris
   Offenbar hast du Mister Tanners Abwesenheit bemerkt. Es waren drei Reiter und unserer ehemaliger Gefangener. Ich folge ihnen östlich,
   Richtung Tascosa.

   Ezra


Der Anführer hatte die Worte laut gelesen. Dann sah er auf seine Freunde und fragte:" Warum der Zettel. Er hätte einen von uns bescheid geben können?"
Josiah legte sein Hand auf die Schulter des Anführers und antwortete:" Möglicherweise hatte unser Bruder keine Zeit. Außerdem J.D fehlt auch. Vielleicht sind sie zusammen geritten."
"Oder die Banditen haben J.D. ", sorgte sich Buck.
"Sie brauchen unsere Hilfe. Reiten wir!" , ordnete Chris an. Ob nun Ezra hinter Vins Verschwinden steckte, würde sich herausstellen wenn sie die Männer gefunden hatten. Auf jeden Fall würde der Schuldige zahlen.

Inzwischen wurde es langsam Mittag, als die Banditen ihre erste Rast einlegten. Vin wurde vom Pferd gehoben und achtlos wie ein Bündel Ware auf den Boden geworfen. Von einem erhöhten Standpunkt aus konnte Ezra der Prozedur folgen. Es schmerzte den Spieler das man seinen Freund so behandelte. Am liebsten hätte er sofort etwas unternommen. Doch die Ungleichheit lag bei den Banditen. Der Spieler befand sich im Moment in einer ungünstigen Lage. Fast im selben Augenblick änderte sich alles. Von der anderen Seite des Rastplatzes näherte sich achtlos ein Reiter. Seine Aufmerksamkeit war auf den Boden gerichtet, so das er die Falle, in die er geriet, nicht erkannte. Zum Glück für J.D wurde er von Ezra bemerkt. Der Spieler handelte im selben Moment. Ezra
schwang sich auf sein Pferd und schoss dreimal in die Luft. Damit warnte er den Sheriff und lenkte die Aufmerksamkeit der Banditen auf sich.

J.D reagierte tatsächlich und verschwand im nächsten Seitental. Von dort kletterte er auf die Felsen hinauf und beobachtete. Bald darauf war der Spieler von vier Männern umringt. Grüßend tippte sich Ezra an den Hut und sagte:" Guten Tag, Gentlemen. Was kann ich für sie tun?"
Clark erkannte den Mann aus dem Saloon von Four Corners. Er gehörte zu den anderen sechs Männern. Verdammt waren sie auch auf den Weg hierher? Wenn ja würde der Spieler eine gute Geisel abgeben. Man entwaffnete Ezra und legte ihm Handschellen an, die man aus dem Gefängnis mitgenommen hatte. Einer der Banditen untersuchte die Satteltaschen des Spielers nach etwas brauchbaren. Er fand einen Steckbrief und reichte ihn seinem Boss. Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht trat Clark vor seine beiden Gefangenen und hielt Ezra den Steckbrief unter die Nase. Er fragte: "Was ist das?"
Der Spieler betrachtete seine eigenes Abbild auf dem Zettel und entgegnete lächelnd: "Nur eine bedauerliche Verwechslung von einem Richter aus Fort Laramie."
Clark faltete den Zettel vorsichtig und steckte ihn ein. Zweihundert Dollar mehr waren ganz sicher nicht zu verachten und er war nicht so dumm sich diese Chance entgehen zulassen. Zu seinen Kameraden sagte er: "Behandelt Mister Simpson zuvorkommend. Er ist ein sehr wertvoller Gefangener und unser Gast bis wir ihn im nächsten Sheriffbüro abgegeben haben."
Dann ließ man die Gefangenen allein. Ezra entdeckte den vorwurfsvollen Blick des Scharfschützen, deshalb murmelte er:" Ich hatte keine andere Wahl.
Unser junger Mister Dunne war gerade dabei blind in die Falle zulaufen. Wenn er hier ist, werden unsere Gefährten nicht weit sein."
Erleichtert lehnte sich Vin zurück an den Felsen und schloss für einen Moment seine Augen. Er spürte es. Ja Chris war in der Nähe.

Von seiner Position aus hatte J.D das Geschehen verfolgen können. Für den Jungen kam nun eine weitere Schuld hinzu.
"Geh runter du verdammter Kindskopf. Willst du das man dir den Kopf weg schießt.", rief eine Stimme und im nächsten Moment wurde J.D hinter den Felsen gerissen. Der Sheriff wandte sich an seinen Retter und erkannte: " Buck?"
Der Casanova sprach vorwurfsvoll weiter:" Ja Buck. Wie oft soll ich dir noch sagen du sollst deinen Kopf bedeckt halten."
J.D schien die Vorwürfe nicht zuhören, stattdessen sagte er mit fast weinerlicher Stimme: "Sie haben Vin und Ezra."
"Das wissen wir.", sagte die Stimme des Anführers. Die restlichen Revolvermänner waren gerade rechtzeitig angekommen um  zusehen wie Ezra, J.D geholfen hatte. Beschämt senkte der junge Sheriff seinen Kopf. Chris ignorierte die offensichtlichen Schuldgefühle von J.D und gab seine Anweisungen. Nur Minuten später waren die Banditen umstellt.

Vin und Ezra beobachteten aufmerksam die Gegend. Am Anfang des Tals tauchte ein schwarzer Reiter auf und grüßte die Banditen. Chris sagte: "Ich glaube sie haben zwei unserer Freunde. Gebt sie raus, dann wird niemanden etwas passieren."
Clark lachte höhnisch.
Als Chris auftauchte, richtete der Spieler sich plötzlich auf und murmelte: "Ich denke wir sollten die Ungleichheit ein wenig ändern.", dabei zeigte sich ein überlegendes Lächeln auf dem Gesicht von Ezra. Er langte in seinen Stiefel und holte einen schmalen, länglichen Gegenstand hervor. Vin beobachtete überrascht den Freund, wie er versuchte seine Fesseln zu öffnen.
Ezra Handschellen klickten plötzlich und waren offen. Dann wandte sich der Spieler dem Schloss des Scharfschützen zu. Es dauerte nur Sekunden bis auch Vin frei war. Im selben Moment, wo die beiden Männer hinter die nächsten Felsen verschwanden, eröffneten die Banditen das Feuer auf Chris.
Der schwarz Gekleidete ließ sich von seinem Pferd gleiten und verschwand hinter einem Baum.
Aus den Augenwinkeln bekam Clark mit, wie die beiden Gefangenen verschwanden. So einfach wollte der Bandit sich nicht die 500 $ entgehen lassen. Er schnitt den beiden waffenlosen Männern den Weg ab. Da tauchte auch schon Vin auf und Clark feuerte.
Es hieß Tod oder Lebend auf dem Steckbrief. Die Kugel des Banditen verließ den Lauf der Pistole und prallte neben Vin vom Felsen ab. Im gleichen Augenblick fiel die Waffe des Banditen aus dessen Hand und Clark stürzte leblos zu Boden.
Neben den beiden überraschten Männern tauchte J.D auf und reichte Ezra einer seiner Pistolen und Vin ein Gewehr. J.D sollte den Rückzug der beiden Männer decken. Dadurch konnte er Clark aufhalten und Vin das Leben retten. Der Scharfschütze lächelte und sagte: "Danke J.D."
Während der Spieler die Waffe kontrollierte, nickte er ebenfalls anerkennend seinen Dank. Da war der Kampf auch schon vorbei. Die sieben Männer sammelten sich im Tal.

Mit einem Lächeln begann der Spieler: "Wie ich sehe Mister Larabee haben sie meine Nachricht gefunden."
Der Anführer nickte und sagte: "Ezra ...", dann stockte Chris.
Ein Blick in die Augen des schwarz Gekleideten genügte um die Schuld zuerkennen. Der Spieler wandte sich enttäuscht ab und lief zu seinem Pferd. Er hatte nichts anders erwartet. Warum sollte man auch einem Betrüger und Schwindler vertrauen.
Chris hatte den verletzten Blick in den grünen Augen des Spielers gesehen und nachdem er einen Blick mit Vin gewechselt hatte, wusste der Anführer was zutun war. Er eilte Ezra nach. Bei den Pferden trat er zu ihm und legte seine Hand auf die Schulter des jüngeren Mannes. Dabei sagte Chris: "Danke Ezra."
Der Spieler wandte sich um und sah den dankbaren Ausdruck auf dem Gesicht des Anführers. Chris sprach weiter, wobei er seine Worte sorgfältig abwägte:" Es ist schwer Abbitte zu leisten. Es ist auch schwer einem Betrüger zuvertrauen aber ich respektiere dich und schätze deinen Arbeit. Du hast dein Leben riskiert um J.D und Vin zu retten. Es war nicht das erste Mal und deshalb vertraue ich dir mit meinem Leben."
Chris wandte sich danach ab und wollte weggehen.

Ezra stand eine Weile wie betäubt. Er wusste das die anderen ihm nicht vertrauten außer vielleicht Vin. Der Spieler hatte das Selbst verschuldet nach dem er die Revolvermänner im Seminolendorf einfach im Stich ließ. Diese Worte nun von Chris zuerfahren war mehr als er stets für möglich gehalten hatte. Die Aufrichtigkeit in den Augen des Anführers war echt. Vielleicht hatte Ezra nun endlich eine Stelle gefunden, die er Heim nennen konnte und Freunde. Männern, denen er vertrauen konnte und sie ihm? Der Spieler hoffte es.
"Mister Larabee.", rief er dem fortgehenden Revolvermann nach. Als sich der blonde Gesetzeshüter umdrehte, folgte ein: "Danke."
Chris ging zurück zu Vin und ein leichtes Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Vielleicht hatten er und Ezra heute das Eis zwischen sich gebrochen. Er musste zugeben sie hatten keinen besonders guten Start im Seminolendorf. Ezra war davon gelaufen aber zurückkommen erforderte mehr Mut als manch einer hatte und das bewunderte Chris. Ob er es dem Spieler jemals sagen würde, war mehr als unwahrscheinlich.

Nach einer Weile trafen sich die Revolvermänner außer J.D bei den Pferden. Buck meinte plötzlich: "Ist er nun übereifrig oder einfach nur leichtsinnig."
Er spielte auf den erneuten Alleingang des Sheriffs an. Es hätte ihn fast das Leben gekostet.
"Etwas von beiden, Brüder.", versuchte Josiah J.D's Enthusiasmus zu verteidigen. "Unser junger Bruder braucht niemand der sich wie eine Glucke benimmt sondern Freunde."
"Ich bin nur besorgt um ihn.", wehrte sich Buck. Er sah in J.D so etwas wie einen jüngeren Bruder.
Vin fügte dem hinzu:" J.D fehlt nur die Erfahrung, wir müssen ihm etwas Zeit geben."
Mit einem seufzen gab Buck letztendlich den anderen recht. Meinte aber dann wieder lächelnd:" Trotzdem muss jemand auf ihn aufpassen und ich bin der am besten Geeignete."
Wenn nur J.D es auch verstehen würde. Als ob der Spieler die Gedanken des schwarz gekleideten Revolverheld erraten hatte bemerkte dieser: " Mister Dunne wird eines Tages ihr Anliegen verstehen Mister Wilmington."
" Hoffentlich.", stimmte der Casanova zu." Ich denke wir haben jetzt ein anderes Problem. Wie helfen wir J.D die Gefangenen nach Four Corners zu bringen ohne das er denkt wir mischen uns schon wieder ein."
Keiner seiner Freunde wusste so recht eine Antwort.
"Es gibt eine Möglichkeit unseren Sheriff darum bitten zulassen.", fiel Ezra plötzlich ein.
"Du hast einen Plan Ezra?", fragte der Anführer.
Der Spieler antwortete: "Ihr müsst mir nur vertrauen.", wobei er lächelte und seinen Goldzahn blitzen ließ. Gleich darauf waren die andern fünf in seinen Plan eingeweiht.
Dann kam J.D herbei geschlendert und fragte: "Können wir zurückreiten?"
"Habe etwas anderes vor. Bleibe vielleicht noch ein paar Tage hier draußen.", sagte Vin plötzlich.
"Wir haben es auch nicht eilig.", fügte Josiah an.
Aber J.D hatte. Er wollte die Gefangenen so schnell wie möglich zurück in die Stadt bringen. Heute kam der Richter. Seine Freunde jedoch schienen keine Anstalten zu machen, um ihm zu helfen. Er starrte von einem zum anderen. Meinten seine Freunde das ernst.
Ezra war, der erste der das Schweigen brach. Mit einem siegessicheren Lächeln sagte er plötzlich zu den anderen fünf, J.D dabei ignorierend:" Nun jetzt wo Mister Tanner wieder unter uns weilt, werden die Gentlemen mich wohl entschuldigen. Der Richter hat uns nur für dreißig Tage gemietet und da Mister Dunne offenbar unsere Hilfe nicht länger benötigt, wird es Zeit lukrativere Gefilde zu suchen."
"Ezra, wann willst du fort?", fragte J.D überrascht.
Der Spieler wandte sich an den Sheriff und sagte:" Sofort. Ich habe noch viel zu packen.", damit tippte er sich an den Hut und ging langsam zu seinem Pferd.
Hinter ihm sagte nun der Scharfschütze:"Ich denke für mich ist es eine gute Idee meinen Namen zu klären." Er wandte sich an den Anführer und fragte: "Chris?"
Dieser nickte und sagte lächelnd:" Tascosa klingt nicht schlecht."
J.D sah von einem zum anderen. Erst Ezra, nun Vin und Chris. Wer war der Nächste. Der Sheriff wandte sich mit besorgter Stimme an den Casanova. "Buck?"
"Es gibt ein neues Mädchen in der Stadt. Nun da ich nicht mehr für den Richter arbeite, kann ich meine ganze Aufmerksamkeit der Lady schenken."
Mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck wandte sich J.D nun an die restlichen Beiden. Bevor er fragen konnte, sagte der Heiler: " Ein Besuch bei Rain wäre nicht schlecht. Was hast du vor Josiah."
"Nathan, nicht du auch noch.", hörte man J.D sagen allerdings sehr leise und hoffnungslos.
Der Prediger reagierte nicht auf J.D und antworte dem Heiler:" An der Kirche ist noch sehr viel zu tun. Ich werde mich nun ganz auf diese Arbeit konzentrieren."
Damit gingen die fünf Männer zu ihren Pferden um sich Ezra anzuschließen. J.D rief hinterher:" Wartet. Ich dachte ihr wolltet mir helfen."
Buck wandte sich um und sagte: "Du warst doch derjenige, der es alleine schaffen wollte."
Da gab J.D klein bei und entgegnete:" Ich habe mich getäuscht. Ich schaffe es nicht ohne euch."
Buck klopfte J.D's Hut vom Kopf und sagte: "Ich hoffte du würdest das sagen."
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Buck zu dem Pferd des einen Banditen, nahm die Zügel und stieg dann auf seinen  eigenen Gaul. Danach wandte er sich in Richtung Stadt. Der Prediger und der Heiler kopierten Buck, während Vin das Pferd mit dem toten Banditen nahm. Zuletzt folgten J.D, Chris und Ezra.
In der Stadt wartete bereits der Richter auf die Sieben Gesetzeshüter. Nach dem die Gefangenen im Gefängnis waren und die Pferde versorgt worden sind, trafen sich die Revolvermänner mit dem Richter im Saloon.

"Gentlemen, ich möchte mein Angebot auf unbestimmte Zeit verlängern.", kam der Richter gleich auf sein Anliegen zu sprechen.
Die dreißig Tage, für die er die Männer verpflichtet hatte, waren um. Es hatte sich als gut erwiesen diese Männer anzuheuern. Nun hoffte Travis das die Revolvermänner auch weiterhin die Stadt schützen würden. Er wurde nicht enttäuscht.
J.D antwortete als Erster: "Wenn meine Freunde bleiben, dann bleibe ich auch."
Orrin Travis blickte zu den andern sechs Männer und sie nickten, lächelnd oder schmunzelnd. Zuletzt war Chris an der Reihe. "Ich habe doch gesagt ich werde es eines Tages bereuen.", murmelte Chris, jedoch laut genug das alle hörten. Dann wandte er sich an den Richter und sagte: "Sieht so aus als hätten sie immer noch Sieben."

    Ende

    © Februar 2002 - Oktober 2002
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