Don't be dead!

von anyrei
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
12.08.2012
24.10.2012
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Kapitel 2: All hearts are broken

Als John erwachte, tat ihm alles weh. Er war auf dem Boden der Küche eingeschlafen. Mrs. Hudson stand neben ihm. „Oh mein Lieber.“ Sie schüttelte den Kopf und sah ihn mitleidig an, währen sie über Johns Kopf strich. John rappelte sich stöhnend auf.
„Ich muss wohl eingeschlafen sein. Tut mir leid.“
Mrs. Hudson lächelte aufmunternd. „Miss Hooper ist an der Tür. Sie möchte dich sehen.“
„Molly? - Ja, okay.“ John zog seine Kleidung zurecht und blickte verwundert zum Flur, als Molly die Stufen zu Johns Wohnung hochkam.
„Hallo John“, meinte sie und lächelte schüchtern.
„Molly. Das ist eine Überraschung.“
Sie grinste schief. „Ich hab Frühstück mitgebracht und wollte mal nach dir sehen.“
„Das ist... nett.“ Er wies auf einen Stuhl am Tisch. „Ich mache uns Tee.“
Molly packte ihre mitgebrachten Bagels auf einen Teller, den Mrs. Hudson ihr brachte, bevor sie lächelnd die Wohnung verließ.
„Bist du nicht eigentlich um diese Uhrzeit im St. Barts?“
Sie nickte. „Ich werde vertreten. Ich wollte nach dir sehen, wie gesagt. Und dir etwas mitteilen.“
John kehrte mit dem frischen Tee zum Tisch, setzte sich zu ihr und blickte sie erwartungsvoll an.
„Ich weiß, dass du im Moment nach einem Job suchst. Bei uns werden im Moment dringend Ärzte gesucht. Mike hat mich gestern angesprochen. Er fände es auch gut, wenn wir dich in dieser... schweren Zeit um uns haben.“ John blickte auf die Tischplatte. Einfach nur um sie nicht anzusehen.
„Das ist nett von euch. Aber es ist erst eine Woche her. Ich weiß nicht...“
„Vielleicht tut dir die Ablenkung ganz gut. Wirst du hier nicht ständig an ihn erinnert?“, fragte sie vorsichtig.
John schlug ärgerlich mit der Faust auf den Tisch, was Molly erschrocken zusammen zucken ließ.
„Entschuldigung. Ich ...“ John stand auf und ging ein paar Schritte durch die Wohnung.
„Ich kann nicht... Ich kann einfach nicht. Ich will mich nicht ablenken. Ich kann nicht.“ Seine Stimme zerbrach. Johns Zustand gab Molly einen tiefen Stich ins Herz. Es wäre so leicht für sie, ihn von dieser Trauer zu befreien. Ihm einfach zu sagen, dass Sherlock noch lebte. Aber sie hatte ihm geschworen John nichts zu verraten, eher er nicht sicher war, dass John nicht mehr in Gefahr war. Molly ging auf John zu und nahm ihn in den Arm. Er ließ es für einen Moment zu, doch zog sich dann frustriert zurück. Er hielt seine Hände kurz vors Gesicht und seufzte.
„Danke Molly. Wirklich. Ich glaube, ich brauch einfach noch Zeit.“
Sie nickte. „Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ich bin da.“
John schaute Molly an. Er hatte sie früher  nie richtig wahrgenommen. Das graue Mäuschen, dass in Sherlock verliebt war und alles tat, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Sherlock hatte sie immer nur ignoriert, aber sie hatte nie aufgegeben. Jetzt, wo Sherlock tot war, steckte sie es besser weg als John. Aus irgendeinem Grund fühlte sich John dadurch noch miserabler. Er kam sich vor wie ein Witwer. Wo er doch immer so erpicht darauf war, dass man Sherlock und ihn nicht als Paar ansah. Er schüttelte den Kopf über diesen Gedanken.
„Danke Molly. Wirklich.“
Den Rest des Frühstücks verbrachten sie in Schweigen. Molly fühlte sich furchtbar. Sie konnte einerseits verstehen, aus welchen Gründen Sherlock alles vor John geheim hielt. Aber sie konnte einfach nicht zusehen, wie sehr John litt. Sie hoffte Sherlock würde seine Meinung noch ändern oder schnell herausfinden, ob sie noch in Gefahr waren. Bevor sie ging, drehte sie sich noch mal zu ihm um.
„Überlege dir das mit St. Barts nochmal. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn du dich zurückziehst und alleine bist. Ich weiß, dass du das nicht hören willst, aber wir machen uns Sorgen um dich.“
„Wir?“
Molly zuckte zusammen, eine Reaktion die John verwirrte.
„Ähm, Mike und ich.“
„Ah okay. Ich wusste gar nicht, dass ihr euch so gut kennt.“
„Wir sehen uns öfter im Krankenhaus. Und manchmal essen wir zusammen Mittag.“
John nickte. Molly lächelte erleichtert. Das mit Mike stimmte zwar, aber mit 'wir' hatte sie eigentlich Sherlock und sich gemeint. Sie winkte ihm noch unsicher zu und verließ dann die Wohnung.
John war wieder allein. Allein mit den Geistern der Vergangenheit.

~~

Wie geht es ihm? SH

Die SMS poppte auf ihrem Handy auf, in dem Moment als sie die Wohnung in der 221b Bakerstreet verlassen hatte. Sie schüttelte ärgerlich den Kopf. Wenn er so besorgt ist, warum geht er dann nicht selbst? Natürlich wusste sie, dass Sherlock wahrscheinlich nichts lieber als das täte. Aber er hatte keine Wahl. Die ganze Sache mit seinem vorgetäuschtem Tod wäre vollkommen umsonst gewesen.

Nicht gut. Zeichen einer schweren Depression. Ich mache mir Sorgen. MH

Nimmt er seine Medikamente? SH

Ich glaube nicht. Gibt es nicht irgendeine Möglichkeit...? MH

Nein. Hast du das Mikrofon versteckt? SH

Ja... MH

Danke Molly. SH

Es kam nicht oft vor, das Sherlock sich bei jemanden bedankte. Sie wusste schon lange wie wichtig ihm John war. Es gab wahrscheinlich niemanden in Sherlocks Leben, der ihm wichtig war – außer John. Molly war kein eifersüchtiger Mensch. Sherlock hatte ihr Herz vor langer Zeit gebrochen und sooft danach. Doch trotzdem wünschte sie ihm nur das Beste und dass beide bald erkennen würden, wie wichtig sie dem anderen waren. Sie steckte ihr Mobiltelefon mit dem Wissen ein, dass Sherlock sich eine Weile nicht mehr melden würde. Dann lief sie die Straße hinunter in Richtung der Underground Station.

Sherlock saß mit einer Zeitung vor dem Gesicht auf einem der Plätze außerhalb des Restaurants „The Volunteer“ und beobachte Molly wie sie wegging. Er wusste, wie gefährlich es war in der Bakerstreet zu sein, so unweit von seinem zu Hause. Wenn John zufällig herauskam und ihn sah, war alles umsonst. Aber er konnte sich einfach nicht zurückhalten, nachdem er die Bilder gestern auf der Überwachungskamera gesehen hatte, die er selbst vor einiger Zeit für alle Fälle in ihrer Wohnung angebracht hatte. Ein kleiner Teil von ihm wünschte sich, dass John ihn hier finden würde. Sherlock schüttelte diesen Gedanken ärgerlich ab. Er versuchte seine Emotionen zu unterdrücken. Er konnte sich diese Gedanken und Sorgen um John im Moment einfach nicht leisten. Moriartys Tod hatte viel Staub aufgewirbelt. Er musste erst mal untertauchen und sehen wie sich alles entwickelt. Und vor allem herausfinden, wer dieser Scharfschütze war, der engagiert worden war seinen Freund John zu töten. Er wurde zwar nach seinem Sprung von John zurückgerufen, aber wenn Sherlock sein Leben wieder haben wollte, musste er vorher die Scharfschützen ausschalten. Sonst würden diese ihren Mordauftrag am Ende doch ausführen. Mit einem letzten Blick auf seine Wohnung, verließ er die Bakerstreet.
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