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Verlieren und Gewinnen

von oldi
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Dr. John Watson Irene Adler Mary Morstan Mycroft Holmes Professor James Moriarty Sherlock Holmes
11.08.2012
03.11.2014
26
103.667
11
Alle Kapitel
113 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
11.08.2012 5.315
 
Ihr lieben,

Ihr mögt es am Kapitel-Titel erahnt haben...dieses Kapitel ist das letzte richtige Kapitel dieser Geschichte. Es ist das Ziel einer sehr langen Reise, die mich als bescheidener Amateur-Schreiberling sehr gefordert und mir viel Freude bereitet hat.
Ich möchte allen Lesern, Reviewern, Stillen Favorisierern an dieser Stelle DANKE sagen für eure Geduld, eure Treue und die vielen netten Dinge, die ihr über diese Story gesagt habt :)

Wie das letzte Kapitel Enden würde stand inhaltlich schon fest, als ich den ersten Satz für diese Geschichte tippte. Wie wir jedoch dort hingekommen sind, war auch für mich oft eine Überraschung. Für dieses letzte Kapitel gab es keinen Plan. Ich habe mich einfach hingesetzt und drauflos geschrieben und versucht, mich von den Charakteren leiten zu lassen, weshalb es vielleicht ein wenig anders erscheint, als manch anderes Kapitel.
Ich hoffe dennoch, dass es euch gefällt und bin mehr als gespannt auf eure Meinungen zum Ende.

Lange Rede kurzer Sinn...
Der Abschied schmerzt mich mehr, als ich zugeben will, aber dennoch wünsche ich euch mit dem letzten Kapitel viel Freude!

oldi

PS mit !!!SPOILER ALERT!!!: Fluff warning. Außerdem ist es für meine VErhältnisse ziemlich explizit, aber noch tausende Meilen von Lemon entfernt.
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Kapitel 24 - Gewinnen

Die frühlingswarme Nachmittagssonne blendete ihn, während er zu Fuß auf dem Weg zur Bakerstreet war. Obwohl das Wetter weiterhin unbeständig war, und es am Morgen heftig geregnet hatte, wollte Watson ein wenig frische Luft schnappen, ehe er bei Holmes ankam und so hatte er sich gegen eine Droschke und für einen Spaziergang entschieden. Er beobachtete die Menschen, an denen er vorbeikam. Die Damen hatten begonnen, wieder ihre Sonnenschirme bei sich zu tragen und zogen den Winterhandschuhen allmählich die Spitzenhandschuhe vor, für die es nur langsam warm genug wurde. Er schmunzelte sachte bei dem Gedanken daran, wie viele erkältete junge Damen ihn demnächst wieder aufsuchen mochten, weil sie zu dünnen Stoff für ihre Frühlingskleider gewählt hatten. Dann und wann grüßte Watson jemanden, den er kannte, und erstand bei einem Zeitungsjungen die Abendzeitung für Holmes. Die glühende orange Sonne neigte sich beinahe ihrem frühen Untergang, als Watson nahezu auf die Sekunde pünktlich zum Fünfuhrtee an die Tür des Appartement B klopfte.

Er hörte ein lautes Poltern, gefolgt von einem Knall, weiterem Poltern und einem leicht gereizten „Einen Augenblick noch.“ Ein Lächeln schlich sich auf die Lippen des Doktors, während er vermutete, was Holmes wohl wieder in der Wohnung anstellen mochte, das einen solchen Krach veranstaltete. Doch ehe er eine Theorie über dessen chaotische Experimente aufstellen konnte, wurde die Tür geöffnet und er blitzartig am Handgelenk in die Wohnung gezerrt. „Was zum…?“
Watson machte sich aus Holmes Griff los und starrte ihn ratlos an, während dieser den Zeigefinger auf die Lippen gelegt dastand, und ihm bedeutete, zu schweigen.
„Hören sie das?“
„Was?“
„Es siedet!“
„Was siedet?“
„Oh, großartig. Endlich habe ich seinen Siedepunkt gefunden.“
Holmes stürmte zu seinem völlig chaotischen Schreibtisch und schrieb mit einem kratzenden Füllfederhalter etwas in ein vollgekleckstes Notizbuch.

Auf der Fensterbank stand ein Dreifuß mit einem Kolben, in dem eine nicht weiter zu identifizierende Flüssigkeit vor sich hin blubberte, darunter ein Gasbrenner. Auf dem Boden glänzten Flecke unterschiedlichster Coleur und auf dem Schreibtisch türmten sich zerknüllte Papierfetzen, umgeworfene Tintenfässer und leere Blätter. Die Wohnung war in ihren chaotischen, aber von einem Genie einem undurchschaubaren Ordnungssytem unterworfenen Normalzustand zurück gekehrt. Watson lachte leise und schüttelte den Kopf. Ohne es zugeben zu wollen, war er froh, dass Holmes sich nach all den Monaten der Selbstzerstörung und der Distanz wieder ganz wie er selbst benahm. Und so störte es ihn nicht, dass der Detektiv ganz vertieft über seinen Unterlagen hockte und leise Selbstgespräche führte. Wie selbstverständlich ließ er sich auf den Sessel vor dem Kamin im Salon gleiten, der früher sein Stammplatz gewesen war, und stocherte vorsichtig im Feuer, bevor er nach der Teekanne griff, die erstaunlicherweise voll war, und sich eine Tasse einschenkte. Mit einem leisen Schmunzeln auf den Lippen beobachtete er, wie Holmes die brodelnde Flüssigkeit weiter anstarrte, die Arme nachdenklich verschränkte und dann wieder eifrig zu notieren begann. Das warme Gefühl, das er so lange gefürchtet hatte, flutete alle seine Zellen und jagte ihm zum ersten Mal nicht mehr genug Angst ein, um die Flucht ergreifen zu wollen. Schließlich, als er sicher war, dass Holmes sich ihm erst zuwenden würde, wenn sein Experiment entweder zufriedenstellend beendet war oder der Kolben explodierte, wandte Watson sich der Zeitung zu, die er gekauft hatte, und trank gemütlich seinen Tee.
Ein lauter Knall war es schließlich, der die Idylle zerbrach und Watson zusammenschrecken und die Zeitung loslassen ließ.

Watson beobachtete kurz noch leicht amüsiert, wie Holmes fluchend die Scherben den Kolbens am Boden betrachtete, um sich dann zu erheben und sich zu versichern, dass Holmes keinen größeren Schaden angerichtet oder sich Säure ins Gesicht gespritzt hatte.
„Ist alles in Ordnung bei ihnen?“
„Das Destillat war beinahe soweit. Jetzt bleibt mir nichts anderes, als wieder ganz von vorne anzufangen. Dieser Glaskolben muss wirklich von minderwertiger Qualität…“
„Sie haben die Sachen in meinem Zimmer nicht umgeräumt, richtig?“
Holmes hielt in seinem leisen Gefluche inne und hörte auf, die dampfenden Glasscherben am Boden mit seinen Schuhen zusammen zu schieben.
„Nein, wieso?“
„Ich bin gleich zurück.“
Holmes zuckte die Schultern, machte sich eine Notiz über die Explosion und tauchte erst wieder aus seinen Überlegungen über seinen möglichen Fehler nach, als Watson ihm eine Hand auf die Schulter legte. „Kommen sie mal kurz hier herüber.“
Er deutete auf den Sessel und Holmes ließ sich irritiert, aber ohne Gegenwehr auf den Sessel schieben und beobachtete, wie Watson sich auf der Lehne niederließ, sein Kinn umfasste und seine linke Wange zu sich drehte.
„Was tun sie denn da?“
Ehe der Detektiv registrieren konnte, was vor sich ging, zog der Doktor mit einer Pinzette einen kleinen Glassplitter aus seiner Wange und reinigte die kleine Wunde mit alkoholgetränkter Watte. Holmes wandte sich abwehrend ab, als Watson damit fertig war und die Watte irgendwo in das Chaos am Boden warf.
„Au.“
„Ich bitte sie. Das war bloß ein kleiner Splitter.“
„Sie hätten mich ja wenigstens vorwarnen können.“
„Damit sie vor mir Reißaus nehmen können? Sicher nicht.“
Holmes grummelte und verschränkte die Arme.
„Die Arbeit eines ganzes Tages…verloren“
Watson verkniff sich das Lachen und deutete auf die Teekanne.
„Tee?“
„Ja, bitte.“
Watson goss ihm eine Tasse ein und reichte sie dem Detektiv, ließ sich dann wieder auf dessen Sessellehne nieder. „Woran haben sie denn gearbeitet?“
„An einer Verbesserung ihres Hochzeitsgeschenkes.“
Watson schluckte und Holmes bemerkte, dass es dumm gewesen war, das Wort Hochzeit in den Mund zu nehmen. Mit einem bitteren Schmunzeln versuchte er, das Gesagte durch Geplapper wett zu machen. „Ich war beinahe soweit, die Substanz zu perfektionieren, indem ich ihre Wirkstoffe in einem Destillat konzentriere, aber es benötigt wohl noch zu viel Hitze…“ Watson blickte zu Boden und reagierte nicht. Holmes wechselte das Thema, bemüht seinen kleinen Fauxpas vergessen zu machen und langte nach der Zeitung. „Gibt es heute etwas Interessantes in der Zeitung? Arbeit für mich?“ Er blätterte unkoordiniert darin herum und beobachtete aus dem Augenwinkel misstrauisch, dass Watson die Hände knetete und noch immer beinahe regungslos den Boden anstarrte. Aus einem Impuls heraus legte Holmes eine Hand auf Watsons Hände. Watson aber erhob sich, beinahe erschrocken. „Sie entschuldigen mich für einen Moment?“

Holmes blieb allein auf dem Sessel zurück. Unschlüssig, ob er Watson folgen sollte, wartete er wenige Minuten auf dessen Rückkehr, bevor er, die Zeitung noch immer in der Hand, zum Badezimmer hinüber ging. Watson hatte die Tür nicht geschlossen, sodass Holmes sah, wie der Doktor unentschlossen über die Waschschüssel gebeugt dastand, das Gesicht tropfend, da er sich dieses scheinbar gewaschen hatte.
Holmes räusperte sich leise und reichte Watson ein Handtuch von einem Stapel neben der Waschschüssel. „Doktor, ich…“
Aber Watson hob abwehrend die Hand, trocknete sein Gesicht ab und verließ den Raum, während er ihm die Zeitung aus der Hand nahm und nach einer Seite blätterte.
„Seite Sieben. Eine Familie vermisst ihren Vater und eine Halskette aus dem Familienerbe. Glauben sie, er ist durchgebrannt?“
Sie waren wieder im Salon angekommen und setzten sich, während Watson Holmes den Artikel reichte und ihn überflog. „Ich sage, er ist mit dem Hausmädchen ins Ausland geflüchtete. Mit der Kette, die, sollte der Edelstein tatsächlich echt sein, ihren Lebensunterhalt für mindestens zwei Jahre finanzieren sollte.“
„In dem Artikel steht nichts von einem Hausmädchen.“
„Mrs. Higgs kam der Tage bei mir vorbei. Sie hat ihren Mann lange wiedergefunden. Die Scheidung wurde eingereicht, das Mädchen und der Ehemann wurden verhaftet. Die Presse ist wieder einmal ein wenig hinterher.“
„Vielleicht musste ihr Ehemann verschwinden. Vielleicht war es kein Verbrechen.“
Holmes seufzte.
„Haben sie etwas von ihr gehört?“
„Nein. Ich glaube nicht, dass Mary mir jemals schreiben wird. Ich wäre nur gern wenigstens sicher, dass sie in Sicherheit ist.“
„Sie ist in Begleitung. Es wird ihr nichts geschehen.“
„Wer auch immer ihre mysteriöse Begleitung ist.“
Holmes rieb sich die Schläfen. Er wollte das leidige Thema gern fallen lassen, konnte aber nicht mit ansehen, wie Watson litt und sah ein, dass Mary Watson immer auf die eine oder andere Weise zwischen ihnen stehen würde. Er konnte es ignorieren oder versuchen, Watson über den Verlust hinwegzuhelfen. So sehr sein Ego nach der ersten Möglichkeit verlangte, so sehr drängte seine neugewonnene Sensibilität auf die letztere.
„Thomas Walker. Ein ehemaliger Angestellter von Mycroft, der Mary beschützte, als wir auf der Flucht waren. Er kehrt zu seiner Familie zurück, erfuhr von meinem Bruder, dass Mary in Unannehmlichkeiten gefangen war und bot ihr, wohl aus Sympathie, seine Hilfe an. Mycroft hat ihr einen neuen Pass anfertigen lassen. Er schrieb mir, dass sie von nun an Edith Weston heißt und nicht vorhat, jemals zurück zu kehren.“
„Das sagen sie mir erst jetzt?“
„Ich wollte nicht unnötig Salz in ihre Wunden reiben.“
Watson nickte. „Ich verstehe. Allerdings verstehe ich nicht, woher Mycroft…“
„Mycroft weiß immer, was ich tue und er liest mich, wie ein Buch. Ich kann nicht verhindern, dass er weiß, was er weiß. Aber er hat nicht vor, einen von uns bloßzustellen. Zumindest nicht öffentlich.“
„Was meinen sie damit?“
„Mycroft sah sich dazu verpflichtet, mich in Kenntnis darüber zu setzen, dass er meinetwegen das Bedürfnis verspürte, Edith Weston zu einem neuen Leben zu verhelfen.“
„Er glaubt dass sie Schuld daran tragen…“
„Dass ihre Frau erst sie und dann das Land verlassen musste? Korrekt.“
„Er irrt sich.“
„Wie bitte?“
„Dazu gehört mehr als ein schuldiger. Ich brach meine Ehe, nicht sie.“
„Oh Doktor. Woher der plötzliche Sinneswandel? Wäre ich nicht gewesen, wären sie jetzt noch immer glücklich verheiratet.“
„Hören sie auf. Ich will diese Sache von nun an ein für alle mal geklärt wissen. Sie sind nicht schuldig. Ich mache sie für nichts mehr verantwortlich, weil ich für meine Handlungen selbst jede Schuld zu tragen habe.“
„Sie sind doch ein gläubiger Christ, nicht wahr? Im Vater Unser heißt es doch ‚Und führe uns nicht in Versuchung‘…also ist es nicht allein ihre Verantwortung.“
„Holmes.“ Watson seufzte und beugte sich vor. „Wenn das hier funktionieren soll, müssen sie einige Dinge wissen. Ich werde niemals ganz damit aufhören, Mary zu lieben. Sie müssen mir Zeit geben, damit ich verarbeiten kann, dass ich sie verloren habe und eines Tages nicht bei jeder Erinnerung zusammenschrecke.“
„Ich weiß.“
„Hören sie mir zu. Ich bin noch nicht fertig. Denn auch wenn ich Mary liebe, so weiß ich seit gestern, dass ich nichts von dem bereue, was zwischen uns geschehen ist. Die Wege des Lebens mögen seltsam sein und nicht immer logisch, aber ich bin zufrieden mit dem Pfad, den mein Leben eingeschlagen hat.“
„Was?“
„Das hier…ist nicht nur ein Kompromiss. Es ist mein Wunsch, so wie es ihrer ist.“
Holmes starrte ihn an, den Mund staunend weit geöffnet. Sprachlos.
Watson lachte leise.
„Nun, da wir das geklärt haben…Wollen wir vielleicht die Scherben ihrer Explosion beseitigen, bevor noch jemand hineintreten kann?“
„Natürlich.“

Nachdem das Chaos beseitigt worden war, saßen sie gemeinsam vor dem Kamin, dessen Feuer Holmes inzwischen gegen die nahende Abendkälte mit einigen frischen Holzscheiten angefeuert hatte, und sahen den knisternden Flammen dabei zu, wie sie sich das neue Holz zu Eigen machten. Nachdem sie recht angespannt und gezwungen über das Wetter, Lestrades Unfähigkeit und das misslungene Experiment gesprochen hatten, wagte Watson es schließlich, ihr Gespräch erneut in unsichere Gefilde zu steuern.
„Seit wann weiß Mycroft, dass wir…keine Freunde mehr sind?“
Holmes räusperte sich und wandte dem Doktor den Blick zu.
„Das kann ich nicht genau sagen. Das erste Mal konfrontierte er mich mit seinem Wissen, nachdem wir nach London zurück gekehrt waren. Seien sie versichert, lieber Freund, dass ich meinem Bruder nicht ein Wort verraten habe. Er wusste es ohne mein Zutun. Er war schon immer der bessere Beobachter von uns beiden.“
Watson schmunzelte sachte.
„Vermutlich haben die Wände in seinem Anwesen Ohren. Das hätten wir wohl ahnen müssen.“
„Mycroft ist gewillt, die Angelegenheit diskret zu behandeln.“
Watson hob überrascht die Brauen.
„Hat er nicht versucht, es ihnen auszureden?“
„Nein. Vermutlich, weil es ihn nicht weiter stört und er weiß, dass es ein sinnloses Unterfangen wäre, mich davon abzuhalten, weiterhin Kontakt zu ihnen zu halten.“
„Er hat kein Problem mit…ihnen und mir?“
„Mycroft interessiert sich kaum für menschliche Bindungen. Ich würde ihn nicht als liberal bezeichnen. Eher als gleichgültig.“
„Das sah mir ganz anders aus, als er hier auftauchte, um sie in sein Haus zu verschleppen.“
Holmes blickte ihn fragend an, weshalb er sich erklärte.
„Sie werden sich kaum daran erinnern können, weil sie im Delirium waren, aber ihr Bruder hat versucht, mich aus dem Haus zu jagen und sie zu sich zu nehmen, um sie von ihrer Selbstzerstörung abzuhalten.“
„Ich erinnere mich verschwommen. Aber sie missdeuten Mycrofts Verhalten. Es ging ihm nicht um de Art unserer Beziehung. Er glaubte, sie würden mich wieder verlassen, wenn es mir besser ginge und war der festen Überzeugung, dass ich dann in einen Abgrund stürzen würde. Ein toter Bruder hätte unserer Mutter gar nicht gefallen.“
„Sie sind aber nicht in den Abgrund gestürzt.“
Holmes schmunzelte.
„Nicht physisch. Dazu war ich zu trotzig.“
„Wie bitte?“
„Sie und Mycroft und Mrs. Hudson erwarteten von mir, dass ich der süßen Betäubung wieder rettungslos verfallen würde, wenn sie gingen. Ich wollte nicht, dass sie Recht behalten.“
„Aus reiner Sturheit? Gott, das sieht ihnen ähnlich.“
Holmes konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, bevor er weiter sprach.
„Es ist nicht so, als wäre ich nicht versucht gewesen.“ Seine Miene wurde ernst und er wirkte abermals ungewöhnlich verletzlich, als er ins Feuer starrte. „Besonders des Nachts wäre es reizvoll gewesen, gänzlich zu vergessen. Aber ich konnte nicht. Vielleicht, weil ich eigentlich auch nicht vergessen wollte.“

Watson schluckte, beobachtete, wie Holmes scheinbar haltsuchend die Arme verschränkte und beschloss, einen neuartigen Versuch zu unternehmen, die Grenzen ihrer Nähe auszuloten. Beinahe zögernd erhob er sich, überbrückte die wenigen Schritte, die sie trennten und ließ sich von neuem auf die Armlehne des Sessels sinken, auf dem der Detektiv saß. Überrascht wandte Holmes ihm den Blick zu, während Watson ihm sachte über die Schulter strich. Die Verschränkung Holmes‘ Arme löste sich und der Detektiv nahm Watsons Hand, um ihn zögernd in seine Arme zu ziehen. Einige Augenblicke ließen sie die ungewohnte Nähe auf sich wirken, hielten sich nur vorsichtig fest, als könnten sie einander zerbrechen wie Porzellanpüppchen. Dann erwachten die lange disziplinierten Gefühle und ihre leichte Umarmung wurde zu einer Umklammerung. Holmes schmiegte seinen Kopf in die Halsbeuge seines alten Freundes und atmete dessen Geruch ein, erinnerte sich daran, wie es gewesen war, zum ersten Mal an dieser delikaten Stelle zu schnuppern und fühlte sich unerklärbar geborgen. Watson erlaubte sich, sachte über Holmes Rücken zu streichen und dabei seine Muskeln zu ertasten. Er löste sich erst von Holmes, als ihm ein leichter Schauer über den Rücken jagte und ihn ein Verlangen überkam, welches ihm unangenehm war.

Obwohl es ihm jedoch schwerfiel, zuzulassen, wie sein Körper auf die neuen Berührungen reagierte, entfernte er sich nicht. Stattdessen nahm er entschlossen Holmes Hände in die seinen und räusperte sich. „Wir hatten gestern gesagt, wir würden darüber sprechen, wie das hier funktionieren soll.“ Holmes nickte und so fuhr Watson fort.
„Ich habe eine Bedingung, Holmes. Nur eine einzige. Aber wenn sie nicht bereit sind, mir ein Versprechen zu geben, werde ich mich auf das hier, was immer es ist, nicht weiter einlassen.“
„Wie lautet die Bedingung?“
„Sie müssen mir versprechen, und das hoch und heilig, dass sie mir nie wieder so etwas antun, wie im letzten Winter.“
„Was genau meinen sie jetzt? Der Winter war turbulent.“
„Sie dürfen nie wieder so unkontrollierbar dem Kokain, dem Morphium, Opium oder Alkohol verfallen und hungern, nicht schlafen, sich selbst zerstören. Das könnte ich nicht ertragen.“
„Das ist ihre Bedingung? Ihre einzige?“
Watson nickte. „Ich werde von ihr nicht abrücken. Wenn sie wieder damit anfangen, werde ich gehen. Egal wie schmerzhaft es wäre.“
„Also gut.“
„Bitte?“
„Ich sagte ‚also gut‘. Ich werde ihnen das Versprechen geben.“
„Sie wenden sich von den Drogen ab?“
„Wenn es nötig ist, um mir ihre Gesellschaft erhalten zu können? Ja.“
Auf Watsons Gesicht breitete sich ein warmes Lächeln aus und er drückte Holmes Hände beinahe ungestüm. „Das war einfacher, als ich dachte.“
Holmes schmunzelte. „Ich habe aber auch eine Bedingung, Watson.“
„Die da wäre?“
„Wenn wir endgültig beschließen wollen, uns auf diese Verrücktheit einzulassen, dann tun wir es ganz. Keine Ausflüchte mehr, keine Distanz. Wenn ich mich auf sie einlasse, muss ich sicher sein, dass sie es so wollen.“
Watson war einen Moment lang wie vor den Kopf geschlagen.
„Schlagen sie gerade vor, was ich glaube?“
„Ich schlage nicht vor. Ich verlange. Wenn sie wirklich etwas anderes als Freundschaft begehren, dann müssen sie versprechen, sich auf all das einzulassen, was uns in den Augen der Kirche in die Hölle bringen wird.“
Watson starrte peinlich berührt zu Boden und wollte sich erheben, aber Holmes hielt ihn fest und schüttelte den Kopf.
„Glauben sie nicht, dass sie der einzige sind, der sich fürchtet. Ich kenne solche Gefühle nicht, diese merkwürdige Abhängigkeit. Das Verlangen, einen anderen Menschen zu berühren. Ich kann mir nicht gestatten, alldem nachzugeben, wenn ich nicht weiß, ob sie dazu bereit sind, sich ebenso zu öffnen.“
„Sie sind verändert, Holmes.“
Holmes seufzte. „Ich würde ihnen gerne wiedersprechen und aufhören, mich so weibisch zu benehmen, aber ich fürchte, dass sie ausnahmsweise eine richtige Beobachtung getätigt haben. Ich bin verändert. Weil ich glaube, dass es sein muss, wie es ist. Ich kann mich nicht wieder in die Einsamkeit zurückziehen, jetzt, wo ich hoffen darf, ihre Nähe nicht länger nur durch zufällige Berührungen zu spüren. Ich kann nicht mehr so tun, als besäße ich keine Gefühle. Und ich hasse mich für diese Hilflosigkeit.“
„Ein Mensch zu sein, ist kein Grund, sich seiner zu Schämen, Holmes.“
„Sie schämen sich auch.“
„Aus völlig anderen Gründen.“
„Die da wären?“
„Sie sind ein Mann.“
„Ist das ihr einziges Problem?“
„Davon abgesehen, dass ich meine Ehe gebrochen habe und sie ein launischer, egoistischer Bastard sind, der mich in den Wahnsinn treibt? Ja.“
„Diese scheinbar emotionalen Bedürfnisse stoßen sie nicht ab?“
Watson lachte.
„Nicht mehr. Vertrauen sie mir, Holmes. Das wird sich auch bei ihnen mit der Zeit legen, wenn sie erkennen können, dass nichts Schlechtes daran ist, sich auf einen Menschen einzulassen.“
„Sie akzeptieren also meine Bedingung?“
„Ich…“ Watson schluckte, erhob sich nun doch, wanderte umher und dachte nach.

Ihm war klar, was Holmes mit seiner Forderung implizierte.
Er wollte ihr Band verstärken, wollte das, was man bei Mann und Frau als Beziehung bezeichnet hätte, nicht als Sodomie. Holmes verlangte, dass sie einander gehörten. Auch Physisch. Watson wusste nicht, ob er garantieren konnte, sich endgültig darauf einzulassen. Er fürchtete sich noch immer vor seinen eigenen Gefühlen und kämpfte fortwährend mit dem alten Ekel, der ihm anerzogen war. Obwohl er tief in seinem Innersten lange wusste, dass er nicht ewig dagegen ankämpfen zu könnte, sich Holmes nicht nur emotional weiter anzunähern, sträubte sich ein kleiner Teil von ihm noch immer dagegen, sich zu seinem alten Freund in sexueller Weise hingezogen zu fühlen. Es war das eine, zu akzeptieren, dass er Holmes über alle Maßen gern hatte. Es war aber etwas gänzlich anderes, sich einzugestehen, dass er Holmes in unsittlicher Weise berühren und bei sich wissen wollte. Der Gedanke daran, Holmes hingegen nicht mehr um sich haben zu können, keine Möglichkeit mehr zu besitzen, das Verbotene zumindest an seinen Grenzen zu erforschen, in reiner oberflächlicher Freundschaft verbleiben zu müssen, jagte ihm mehr Angst und mehr stechende Einsamkeit ein, als die dunkle Seite seiner Selbst. So ertappte Watson sich überrascht dabei, wie er schließlich zögernd nickte und die Hände hob.
„Ich werde mich auf ihre Bedingung einlassen. Allerdings nur unter einer weiteren Bedingung.“
„Ich dachte, sie hätten nur eine einzige.“, grinste Holmes leicht amüsiert.
Watson überging seine Häme und blieb ernst.
„Sie versprechen, mich nicht zurück zu stoßen, weil sie plötzlich beschließen, doch wieder ein Hartherziger Idiot zu sein. Und sie versprechen, dass wir die Dinge langsam angehen und sie mir nicht böse sein werden, wenn ich zu etwas noch nicht bereit bin.“
Holmes stand plötzlich vor ihm, strich ihm die Haare aus der Stirn und lächelte.
„Wie könnte ich ihnen jemals böse sein?“
Watson trat einen Schritt zurück und entzog sich seiner geschickten Schmeichelei.
„Akzeptieren sie?“
„Ich akzeptiere. Wie steht es mit ihnen?“
Watson streckte die Hand aus. „Abgemacht.“
Holmes verweigerte ihm den Handschlag und hob die Brauen.
„Ich würde denken, dass man solcherlei Verträge mit etwas anderem besiegelt.“
Damit zog er den unsicheren Watson zu sich und küsste ihn kurz und hart auf die Lippen.
Watson schmunzelte und schob ihn von sich.
„Das ist wohl eine Sache, die wir noch üben müssen.“
„Wir haben alle Zeit der Welt.“
Watson schmunzelte und begab sich zurück in seine Komfortzone Sessel.
Holmes ließ ihn gewähren und ließ sich seinerseits in sein Sitzmöbel zurückfallen. Er war erschöpft. Es strengte ihn immer noch an, den Verstand auszuschalten und seine weiche Seite gewähren zu lassen, während sein Gehirn ihn anbrüllte, dass er sich lächerlich machte.

Die Distanz tat ihnen gut in diesem Moment, wussten sie doch, dass sie leicht wieder zu überbrücken wäre, und so klärten sie endlich einige Dinge, die geklärt werden mussten, um ihre brisante Situation diskret vor weiterem Unglück bewahren zu können.

Es wurde beschlossen, dass niemand weiter eingeweiht werden würde. Obwohl Holmes sich sicher war, dass Mrs. Hudson schon lange ahnte, was vorging und es nicht nur billigte, sondern gar befürwortete, einigte man sich darauf, dass auch ihre Vermieterin nichts erfahren sollte, wenn der Zufall es nicht wollte. Sie einigten sich darauf, dass Watson seine Praxis und seine Wohnung behielt und nur dann über Nacht in der Bakerstreet blieb, wenn sie ein Alibi hatten, weil schlechtes Wetter seine Rückkehr erschwert hätte oder sie behaupten konnten, ein Fall habe sie beide bis in die Morgenstunden beschäftigt. Holmes bestand darauf, geklärt zu wissen, dass Watson versuchen dürfe, Mary zu schreiben, wann immer er wollte und dass er nicht versuchen würde, Watsons Gefühle für seine Frau zu manipulieren. Er akzeptierte, dass Watson nicht allzu bald aufhören würde, sie zu lieben. Es schien ihm nur fair, war Mary doch keine Gefahr mehr für ihn, jetzt wo sie in Amerika weilte. Weiterhin einigten sie sich, dass Watson zwar Arzt bleiben würde, aber auch als Holmes Assistent an die Tatorte der Verbrechen zurück kehren würde, damit sie wieder miteinander arbeiten würden und sie nicht nur mehr Zeit miteinander verbrächten, sondern Holmes auch wieder jemanden hätte, auf dessen Hilfe er sich blind verlassen könnte. Holmes versprach, nur in Watsons Abwesenheit an Experimenten zu arbeiten und des Nachts Violine zu spielen. Sie gaben einander das Ehrenwort, sich zu vertrauen und einander nicht zu belügen. Man beschloss, dass Watson mit Frauen ausgehen würde, sobald Mary offiziell unter den Toten weihen würde. Watson versprach schweren Herzens, sich mit ihrem Scheintot abzufinden, um Mary nicht zu schaden und Holmes schwor, nicht eifersüchtig zu sein, wenn dadurch ihr Gesicht nach außen gewahrt werden könnte. Watson und Holmes gaben einander das Wort, sich Zeit und Raum zu geben, um heraus zu finden, wo die Grenzen ihrer Zuneigung lagen. Sie beschlossen, gemächlich herauszufinden, wie sie in Zukunft miteinander umgehen wollten und planten ihre Absicherung und ihre vage Zukunft schließlich bis spät in die Nacht hinein. Nach Stunden der Diskussion und viel emotionalem Auf und Ab voller erschöpfender Ehrlichkeit und offener Verwundbarkeit war es schließlich Watson, der gähnte und sich erhob.

„Nun, da wir alles geklärt haben, wäre es wohl an der Zeit, dass ich ins Bett komme. Meine Patienten sind wohl glücklicher, wenn ich nicht völlig übermüdet in der Praxis erscheine.“
„Sie könnten bleiben, heute Nacht.“
„Vergessen sie etwa unsere gerade erst geschlossene Vereinbarung?“
Holmes ging zum Fenster hinüber, zog den Vorhang beiseite und deutete auf den Gewitterhimmel, den Watson bis dahin nicht bemerkt hatte.
„Ich kann sie doch bei diesem Wetter nicht aus dem Haus lassen.“
Watson schüttelte lachend den Kopf und stellte seinen Stock, den er gerade aufgenommen hatte, wieder neben den Kamin.


„Es ist nur ein Experiment, Watson.“
„Oh wie beruhigend, dass ich jetzt Gegenstand ihrer Forschung bin.“
„Sie wissen, dass ich es so nicht gemeint habe.“
„Ach ja?“
„Es wird nicht anders sein, als im Haus meines Bruders. Wenn ich mich recht entsinne, haben sie es dort nicht als unangenehm empfunden, neben mir in einem Bett zu schlafen.“
„Sie verdrehen die Tatsachen. Das war eine völlig andere Situation. Sie hatten Fieber, ich bangte um ihr Leben und wollte nur helfen.“
„Sind sie sich da sicher?“
Watson schaute zu Boden, als Holmes sich schließlich das Hemd über den Kopf schob und unter die Bettdecke schlüpfte, während er noch immer voll bekleidet und mit verschränkten Armen im Türrahmen stand.
„Das Haus ihres Bruders war eine Art Paralleluniversum. Ich war nicht bei Verstand.“
„Tja, ich auch nicht. Da ich es auch jetzt nicht bin, könnten sie vielleicht versuchen, zusammen mit mir zu den seltsamen Eigenheiten des Paralleluniversums zurück zu kehren.“
„Ich bin nicht so weit, Holmes. Ich kann das nicht.“
Holmes seufzte und blickte auf die Bettdecke.
„In Ordnung. In ihrem Zimmer ist alles unverändert. Sie können dort bleiben, wenn sie es wünschen, oder gehen und einen Schirm mitnehmen. Löschen sie nur das Licht, wenn sie gehen.“

Etwas an der Enttäuschung in Holmes Stimme ließ Watson im Türrahmen verharren, nachdem Holmes sich bereits auf die Seite gedreht und die Augen geschlossen hatte. Also legte er leise fluchend sein Jackett, seine Weste, das Hemd und die Hose ab, um nur noch in seiner Unterhose bekleidet das Licht zu löschen und neben Holmes in dessen großes Bett zu schlüpfen. Holmes öffnete im Dunkel überrascht die Augen und runzelte die Stirn. „Haben sie es sich anders überlegt?“
„In meinem Zimmer ist es staubig und draußen hole ich mir den Tod.“
Holmes schmunzelte.
„Natürlich.“
Sie schwiegen, lagen jeder für sich dort und kamen einander nicht näher. Verkrampft und angespannt lagen sie nebeneinander, einen großen Abstand einhaltend und einander nicht einmal verstohlen aus dem Augenwinkel durch das Dunkel betrachtend.
Als Watson, der mit pochendem Herzen gen Decke starrte, schon dachte, Holmes sei längst eingeschlafen, meldete dieser sich unerwartet zu Wort.
„Das ist merkwürdig.“
„Es war ihre Idee.“
„Was es nicht weniger merkwürdig macht.“
„Und jetzt?“
„Ich würde vorschlagen, etwas zu versuchen, wenn sie mich lassen.“
„Ahnen sie eigentlich, wie seltsam das klingt?“
Er hörte Holmes ein wenig erbost schnauben.
„Ich habe nicht vor, ihnen etwas anzutun, Watson. Vertrauen sie mir einfach.“
„Sie wissen, dass ich damit immer noch Schwierigkeiten habe.“
„Dagegen will ich ja gerade etwas tun.“
„Bitte. Dann versuchen sie doch, was immer sie schon wieder vorhaben.“
„Gut. Erschrecken sie sich nicht.“
Sachte streckte Holmes seine Hand aus und legte sie auf Watson Schulter, um kurz dort zu verharren und sie dann seinen Arm sachte hinunter und wieder hinauf gleiten zu lassen. Das leichte Zittern, dass durch Watsons Körper fuhr, blieb von Holmes nicht unbemerkt und so fuhr er vorsichtig mit seiner Bewegung fort, um dann leise zu fragen:
„Ist ihnen das unangenehm?“
„Nein. Im Gegenteil.“
„Schön. Es ist ein wenig kalt, finden sie nicht?“
Watson verstand, dass es eine versteckte Frage um Erlaubnis war, ihm näher zu kommen und beschloss, dass er sich, so sehr er sich dagegen sträubte, nichts anderes wünschte.
„Ja.“
„Lassen sie mich etwas dagegen tun.“
Mit diesem letzten Flüstern rückten sie einander näher und Watson öffnete widerstandlos die Arme, als Holmes nun gänzlich neben ihm lag und seinen Kopf auf seiner Brust niederließ, um ihn in einer liegenden Umarmung zu umfangen.
Watson bemerkte, wie Holmes zitterte und schluckte und so fuhr er sachte mit seiner Hand über dessen Rücken. „So ist es besser, Holmes. Oder nicht?“
„Ich fürchte doch.“
Holmes hörte, wie das Herz des Doktors unter seinem Ohr raste und erahnte, dass sein eigenes Herz nicht viel weniger schnell schlagen mochte. In ihm regte sich das Verlangen, Watson noch näher zu sein, ihn zu küssen und seinen beinahe gänzlich entblößten Körper zu erkunden, aber seine Angst war zu groß und so beließ er es dabei, in den Armen Watsons zu liegen, seinen Geruch einzusaugen und sein Herz schlagen zu hören, während die warmen, zittrigen Arme um seinen Körper ihm signalisierten, dass er sicher und geborgen dalag, dass sie vereint waren in ihrer unerfahrenen Angst vor sich selbst und ihrem Gegenüber.
So lagen sie da, bis sie beinahe eingeschlafen waren und Watson dazu übergegangen war, sachte durch Holmes Haar zu streichen, während dieser seine freie Hand abwesend durch Watsons leichtes Brusthaar streichen ließ und  sich leise räusperte.
„Wenn sie mich bei Tage auch nur einmal daran erinnern, wie weibisch ich mich aufführe, wenn sie bei mir sind, bringe ich sie um.“
Watson lächelte sachte und murmelte verschlafen: „Versuchen sie’s doch.“

Irgendwann in der Nacht erwachte Watson mit einem unbewussten Gefühl der Leere.
Seine Augen erkannten in der Dunkelheit nur wenig und es dauerte, bis er begriff, wo er war, und warum er diese seltsame Leere empfand. Holmes lag nicht mehr in seinem Arm, sondern hatte sich auf seiner Seite des Bettes zusammen gerollt und murmelte im Schlaf leise vor sich hin. In einem Anfall impulsiver Zuneigung stützte Watson sich auf seinen Ellenbogen, rückte näher, und lauschte, was Holmes im Schlaf vor sich hin murmelte.
„John…“
Erschrocken fuhr Watson zusammen, als er seinen eigenen Vornamen hörte und Holmes sich auf die andere Seite wälzte, weiter seinen Namen murmelnd, ein Lächeln auf den Lippen. Watson fragte sich, was Holmes wohl zu Träumen vermochte und beobachtete weiter, wie Holmes im Traum zaghaft, beinahe liebevoll, seinen Namen nannte.
„Liebe dich, John.“
Watson schrak zusammen und saß plötzlich senkrecht im Bett.
Völlig konsterniert stellte er fest, dass Holmes weiterhin schlief und seine Gefühlsbekundung im Schlaf erneut wiederholte. Zitternd schlang Watson die Arme um seinen eigenen Körper und atmete tief durch, als ihm der Schweiß ausbrach. Niemals hätte er zu erwarten gewagt, dass Sherlock Holmes so für ihn empfinden würde. Niemals hätte er geglaubt, dass ausgerechnet der lange beinahe gefühlskalte Holmes es sein würde, der aussprach, was Watson schon lange folterte und auf der wunden Seele brannte. Obwohl Holmes wohl nur im Schlaf in der Lage war, all seine Verletzlichkeit und seine Zuneigung einzugestehen, klopfte Watson das Herz bis zum Hals. Eine kleine Träne aus dem Augenwinkel blinzelnd rief Watson sich schließlich zur Ruhe, lehnte sich zurück in die Kissen und zog den schlafenden Holmes schließlich in seine Arme zurück, küsste seinen wilden Haarschopf und murmelte, das Beben seiner Stimme unterdrückend: „Ich dich auch, Sherlock. Ich liebe dich auch.“

THE END

TBC with bonus chapter & Epilogue
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ACHTUNG ACHTUNG!
Nach diesem letzten echten Kapitel wird es noch einen Epilog, ein Bonuskapitel einer anderen FF-Autorin und einem Nachwort weitergehen, bevor ich ein Häkchen bei "Beendet" setzen werde.
Außerdem spiele ich mit dem Gedanken an eine klitzekleine OS-Fortsetzung...falls jemand Gefallen daran fände...

Ich bin gespannt, was ihr über das Ende denkt, oder über die ganze Story.
Was hat euch gefallen, was möchtet ihr kritisieren?
Was waren eure Lieblingsmomente? Welchen Charakter habt ihr vielleicht ins HErz geschlossen, wer ist in Ungnade gefallen?
Lasst mir gerne jeden Gedanken da, den ihr loswerden wollt.

Danke für die schöne Zeit.
oldi
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