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Verlieren und Gewinnen

von oldi
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Dr. John Watson Irene Adler Mary Morstan Mycroft Holmes Professor James Moriarty Sherlock Holmes
11.08.2012
03.11.2014
26
103.667
11
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Dieses Kapitel
18 Reviews
 
 
11.08.2012 3.023
 
INHALT / SUMMARY: Spielt während der "Zug-Szene" in Teil 2 und danach.

Nachdem Holmes mit Watsons Hilfe schwer verletzt Moriarty und seinen Schergen entkommen ist, fürchtet der Doktor, seinen Freund dieses mal nicht retten zu können. Im Kampf um das Überleben des Detektives wird Watson klar, dass Holmes ihm mehr bedeutet, als er einzugestehen bereit ist. Und auch Holmes ist verwirrt über die plötzliche Intimität, die die Angst zwischen ihnen aufkommen lässt. Können sie es schaffen, die verbotenen, verwirrenden Gefühle zu unterdrücken? Wird Moriarty das Handwerk gelegt? Kann Holmes wieder zu alter Stärke zurück finden? Und ahnt Mary, dass ihr Ehemann seinem treuen Freund mehr zuneigung entgegen bringt, als ein frischgebackener Ehemann es vernünftigerweise tun sollte?


Kapitel 1 interpretiert die Zug-Szene ein wenig...neu. Einige Dialogreste sind aber original geblieben ;)

Pairing: HolmesxWatson

AUTHOR'S NOTE:
Nachdem mein allererster Holmes-Oneshot "Hopes and Illusions" ganz gut ankam, hat mich das Fieber noch einmal gepackt.
Dieses Mal wage ich mich allerdings mal an etwas neues.
Diese Story war ganz am Anfang mal als Friendship-Story gedacht - und wohlgemerkt auch nur als weiterer Oneshot - aber irgendwie verselbsständigte sich das ganze und da ich durchaus finde, dass die beiden geshippt werden könnten...hat diese Story eine erschreckende Eigendynamik entwickelt und ist damit meine erste Slash-Story.
Ich hab' noch nie 'ne Slash Story geschrieben und bin auch eigentlich nicht unbedingt ein Fan von Nicht Kanonesken Shippereien...Aber Holmes und Watson sind scheinbar meine persönliche Ausnahme.
Mag sein, dass es nicht so ganz in den Doyle Canon passt, aber ich stütze mich eben ausschließlich auf die beiden Guy Ritchie Verfilmungen und hoffe, ich werde den Charakteren einigermaßen gerecht.
Diese Geschichte ist ein Versuch, das Thema "Verbotene Sexialität" und verbotene Gefühle im Kontext viktorianischer Knebel halbwegs realistisch anzugehen. Ich versuche, den Charakteren ihre Eigenheiten zu erhalten und plausibel zu erzählen, wie aus guter Freundschaft unerwartet etwas wird, dass nicht nur Freude, sondern auch Probleme verursacht. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht.
Wer aber nach Friede-Freude-Eierkuchen-Fluff sucht, wird diese Story eher weniger mögen ;)

Wirklich explizit im Sinne von Sexualität wird es bei mir  eher nicht werden, was auch was mit dem Plot zu tun hat, aber wer mitlesen mag, der wird sehen ;)

DISCLAIMER: Die Geschichten um den Detektiv Sherlock Holmes gehören nicht mir, sondern Sir A.C. Doyle.
Die Filme "Sherlock Holmes" und "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" gehören Guy Ritchie, Michele und Kieran Mulroney, Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg,Lionel Wigram und Warner.
Ich habe mir die Figuren und Teile der Handlung für diese Geschichte, mit der ich kein Geld verdiene, nur geliehen.
No Copyright infrigement intended!

Die Handlung dieser kleinen Story gehört jedoch zu großen Teilen mir, auch wenn Kapitel 1 lose auf dieser Filmszene basiert:
http://www.youtube.com/watch?v=DhcMDcXix9s

WARNINGS: Slash (wenn auch ohne eindeutige sexuelle Handlungen, deshalb "nur" P16 Rating), traurig, Drama, Pathos, Kitsch, dialoglastig, düster, Wurmsätze.



So, wer jetzt trotz dem ganzen Geschwafel noch lesen mag, dem Wünsche ich viel Spaß!
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Verlieren und Gewinnen

Kapitel 1 - Verlieren.

Seine Lungen fühlten sich noch immer an, als würden sie gleich bersten, als er sich erleichtert an der Holzverkleidung der Zuginnenwand hinunter gleiten ließ.
Es grenzte an ein Wunder, dass sie es fast alle in den Zug geschafft hatten – dass Holmes es in den Zug geschafft hatte.
Besorgt musterte er dessen Gestalt, beobachtete wie Madame Simsa seinen Kopf vorsichtig auf ihrem Schoß hielt und beruhigende Worte murmelte.
Etwas in ihm zog sich schmerzhaft zusammen, als sein medizinischer Sachverstand nach dem Kampfgetümmel wieder aus dem Nebel des reinen Überlebenswillens auftauchte.
Es sah nicht gut aus für Holmes, und das wusste er. Die Wunde in seiner Schulter war tief und er hatte mehr Blut verloren, als Watson eingestehen wollte.
Mehrere seiner Rippen mussten angeknackst, wenn nicht sogar gebrochen sein und Gott allein wusste, ob er nicht auch innere Verletzungen davon getragen hatte.
Watson seufzte schwer, biss sich auf die Unterlippe und lehnte seinen Kopf gegen die schaukelnde Wand. Nicht auszudenken, welche Schmerzen sein Freund gerade durchleiden musste, ohne dass er ihm helfen konnte. Zu gern hätte er jetzt Simsas Platz eingenommen, hätte sich um seinen Freund gekümmert und ihn festgehalten. Zu groß aber war Watsons Angst, Holmes durch überflüssige Bewegung noch mehr Schmerz zuzufügen, also blieb er wo er war und dachte fieberhaft darüber nach, was jetzt zu tun war. Die Augen stetig beobachtend auf das immer blasser werdende Gesicht seines besten Freundes gerichtet, versuchte er in seinem Verstand eine Lösung zu finden. Sie brauchten ein Krankenhaus, wenn möglich eines, das einigermaßen gut ausgestattet war.
Das Problem war nur, dass sie sich nicht gerade in einer bevölkerungsreichen Gegend zu befinden schienen, in der es ein Krankenhaus geben würde. Geschweige denn eines, das etwas taugte. Außerdem war man hinter ihnen her und würde sie vermutlich alle zur Strecke bringen, wenn sie nicht genügend Abstand zwischen sich und ihre Verfolger brachten. Watson bemerkte, dass Holmes seinen besorgten Blick aufgefangen hatte und bemühte sich um ein beruhigendes Lächeln, das Holmes mit einer schmerzverzerrten Grimasse, die wohl etwas ähnliches wie ein Lächeln hatte werden sollen, quittierte.
Watson senkte den Blick, unfähig den Anblick seines leidenden Freundes in diesem Moment weiter zu ertragen. Etwas in seiner Brust stach und nahm ihm die Luft zum Atmen, als die Gewissheit weiter in sein Bewusstsein vordrang: Er konnte Holmes nicht helfen, nicht einmal sein Leiden lindern. Er hatte keine Schmerzmittel bei sich, konnte nichts tun als die Schulter weniger als notdürftig zu versorgen. Er war machtlos.
Als er wieder aufsah, entdeckte er in Holmes Augen tiefes Verständnis. Wieder einmal schien sein Freund seine Gedanken gelesen zu haben. Es schien fast, als wollte Holmes ihm sagen, dass es in Ordnung war.
Doch leider war gar nichts in Ordnung.
Das Wort das einen Satz vollenden würde, der in Watsons Kopf Alarm Schlug und seine Netzhäute brennen ließ, wurde von dem Bemühen nach klarem Verstand abgewehrt.
„Sherlock wird…“
Er verbot sich mit aller Macht, den Satz zu beenden und erhob sich in dem Bestreben, durch Bewegung seine Gedanken zu sortieren.
Mit zitternden Händen trat er an die offene Waggontür und sah nach draußen, betrachtete die vorbeiziehende Landschaft.
Keine Menschenseele schien in dieser verlassenen Gegend zu leben.
Es gab keine Häuser, nur weites Feld.
Es gab dort nirgends Hilfe.
Mit geballten Fäusten schlug er wütend gegen die Zugwand und schüttelte den Kopf.
„Komm schon Watson…irgendwas musst du tun können.“
Vielleicht konnte er wenigstens den provisorischen Verband verbessern, der in der Hektik eben nicht wirklich fest gebunden worden war. Vielleicht würde das schon ein wenig helfen.
Doch bevor er den Selbstbetrug erkennen oder in blinden Aktionismus verfallen konnte, hörte er, wie Simsa mit panischer Stimme verkündete, was er längst hatte kommen sehen.
„Er atmet nicht mehr.“
Den Bruchteil einer Sekunde brauchte es, bis die Rädchen in seinem Gehirn einrasteten, bevor er zu dem leblosen Körper seines Freundes hinüber stürmte und auf die Knie sank.
Simsa war schon zur Seite gerückt, ehe er es ihr mit einem strengen Blick bedeuten konnte und so fühlte er hektisch nach Holmes‘ Puls, der nicht da war.
Ohne weitere Zeit zu verschwenden schob er Holmes Unterkiefer hastig nach unten, um sich über ihn zu beugen und ihn zu beatmen. Dann riss er die verbliebenen Knöpfe an Holmes Hemd auf und kreuzte die Arme, drückte hastig auf Holmes‘ Brustkorb, versuchte sich zu erinnern, wie die neuesten Erkenntnisse waren, wie man es richtig machte.
„Watson, reiß dich zusammen. Du bist Arzt.“ Seine Gedanken rasten und machten es ihm fast unmöglich, sich auf das zu konzentrieren, was jetzt wichtig war.
„Verdammt Holmes…“ Seine Stimme war ein heiseres Flehen.
Schließlich fand er in einen Rhythmus, seine Bewegungen funktionierten nunmehr auf Autopilot.
„Komm schon. Komm schon. Komm schon. Bitte.“
Er hatte so viele Männer im Krieg sterben sehen. Hatte so vielen nicht mehr helfen können und dabei zusehen müssen, wie das Leben endgültig aus ihren Gesichtern wich. Immer hatte ihm das zu schaffen gemacht und belastete ihn noch heute, viele Jahre später. Aber Holmes, den besten Freund den er je besessen hatte, zu verlieren…allein der in seinem Kopf stetig kreisende Gedanke schnürte ihm die Kehle zu.
Mit wachsender Verzweiflung und einem mittlerweile säureartig schmerzenden Brennen in den Augen blies er Luft in Holmes Lungen und versuchte dessen Herz wieder zum Schlagen zu bewegen.
„Sie können mich nicht allein lassen, das können sie nicht, Holmes.“
Simsa hatte indessen längst begriffen, dass Watsons Unterfangen schier hoffnungslos war.
Während ihr eine Träne die Wange hinunter glitt, wollte sie sanft nach Watsons Schulter greifen, ihn zum Aufgeben bewegen. Doch bevor einer ihrer Finger auch nur seine Schulter berühren konnte, schob eine Hand die ihre bestimmend fort.
Etwas in Watson zerbrach, als sein Hirn längst begriffen hatte, was sein Herz niemals zulassen wollte. Er hatte ihn verloren. Sherlock war fort.
Vor seinem geistigen Auge zogen Szenen ihrer gemeinsamen Jahre vorbei und der Schmerz in seinem Innersten pochte und brannte und zog so heftig, dass er Schreien wollte. Aber er konnte nicht. Unablässig versuchte er weiter, seinen besten Freund zurück ins Leben zu holen und wollte nicht aufgeben. Niemals. Wenn er aufgeben würde, wäre es unwiderruflich vorbei und er wusste, dass er das nicht ertragen konnte.
„Ich weiß, dass sie mich hören können, sie egoistischer Bastard!“
Seine zitternde Stimme war getränkt von toter Hoffnung, Wut und Bitterkeit.
Wie hatte Holmes ihm das antun können? Wie konnte er ihn einfach im Stich lassen?
Ahnte er denn nicht, wie sehr er ihn brauchte? Ahnte er nicht, wie viel er ihm bedeutete?
Die erste Träne benetzte seine Wangen und tropfte auf Holmes leblosen Brustkorb.
„Watson. Es reicht.“
Arme umfassten seinen Brustkorb und zogen ihn fort.
Er ließ es dieses Mal geschehen.
Die Tränen liefen und ein Schluchzen entrann seiner brennenden Kehle, die sich immer weiter zuzuschnüren schien.
Mit mitleidigem Blick hielt Simsa ihn fest und strich ihm bedauernd über die Schulter.
Sie konnte nur erahnen, was dieser Verlust für Watson bedeutete, aber sie sah ihm an, dass etwas in ihm gerade mit dem großartigen Detektiv gestorben war.
Watsons Gehirn funktionierte kaum noch richtig und rationales Denken war schier unmöglich geworden, als die Emotionen ihn überwältigten und er nichts mehr tun konnte, als hilflos zuzulassen, dass ihm das Wasser aus den Augen quoll.
Doch irgendwo in der hintersten Ecke seines Verstandes regte sich etwas und bahnte sich einen Weg durch all die Verzweiflung hindurch in sein Bewusstsein.
„Es ist das perfekte Hochzeitsgeschenk.“
Noch bevor der Gedanke zu Ende gedacht werden konnte, war Watson auf den Beinen.
Mit verschwommenem Blick kniete er sich wieder neben den leblosen Holmes und zog etwas aus seiner Hosentasche.
„Bitte“, flehte er tonlos, ehe er ihm das Mittel injizierte, auf dem jetzt all seine letzte Hoffnung ruhte.
Bange Sekunden verstrichen, die Tränen versiegten und machten Nervosität Platz.
Simsa hielt sich im Hintergrund, beobachtete die Szene abwartend – bereit Watson jederzeit zu halten, wenn er den letzten Halt verlieren würde.
Aber so kam es nicht.
Während Watson schon schmerzhaft die Augen zusammen kniff, hastig das neu aufsteigende Wasser fort blinzelte und sich mit der Hand zitternd durch die Haare fuhr, die Hoffnung schon fast wieder loslassen wollte, schlug Sherlock Holmes die Augen auf und tat einen tiefen Atemzug.
Watson indessen stockte der Atem für einen Moment, bevor er begriff, was passiert war.
Sein Blick begegnete dem von Holmes und ein tränengetränktes, befreites Lachen fand seinen Weg aus seinem Innersten.
Er wollte Holmes um den Hals fallen und ihn festhalten, doch er hielt sich zurück und langte nur ungewollt ungestüm nach dessen Hand.
„Oh Gott, Holmes.“
„Watson, was…“ Holmes Stimme war schwach, aber Watson beugte sich zu ihm herunter, um ihn besser zu verstehen.
„Tun sie das nie wieder, Holmes. Bitte.“
„Was ist…warum…“ Holmes sah seinen Freund fragend an, als er dessen gerötete Augen bemerkte.
Watson schüttelte den Kopf.
„Nicht sprechen, Sherlock.“

Simsa saß ungläubig lächelnd ein wenig entfernt von den beiden Männern und schüttelte den Kopf. Erleichtert seufzte sie und beschloss, ihnen jetzt ein wenig Freiraum zu geben.
Watson schien sehr mitgenommen und sie würde ihn sicher nicht dazu bewegen, einen einzigen Millimeter von seinem Freund abzurücken, also blieb sie wo sie war und konnte nicht fassen, dass der Detektiv wieder unter den Lebenden weilte.

Erst jetzt bemerkte Holmes die Hand die die seine fest umklammert hielt.
„John…“
„Du sollst nicht sprechen.“
Holmes ignorierte das.
„Hast du mich einen egoistischen Bastard genannt?“
Watson konnte sich ein trauriges Lächeln nicht verkneifen.
„Das habe ich.“
„Warum?“
„Weil du einer bist.“
Holmes versuchte sich an einem schiefen Lächeln, aber die unablässig pochenden Schmerzen in seiner Schulter und seinen Lungen ließen ihn nicht.
Watson bemerkte seine fruchtlosen Bemühungen und das alte Unbehagen kehrte zurück.
Holmes atmete wieder, aber sein Zustand war noch immer mehr als kritisch.
Prüfend legte er seinem Freund zwei Finger an den Hals und stellte fest, dass Holmes‘ Puls schwach, aber stetig war.
Er sah seinem Freund in die Augen und seufzte.
Tiefes Bedauern und Sorge spiegelten sich in seinem Blick.
Holmes bemerkte das Unbehagen seines Freundes.
„Sehen sie mich nicht so an, Watson.“
Seine leise Stimme klang streng, aber sein Blick war ungewöhnlich sanft.
Watson ignorierte seine Bemerkung, ließ seine Hand endlich los und schob sich die Hosenträger von den Schultern.
„Was tun sie da, Watson?“
„Wir müssen die Blutung in ihrer Schulter stoppen.“
Schnell schlüpfte er aus seinem Hemd und riss einen der Ärmel ab.
Schockiert bemerkte Holmes, wie übersät Watsons Oberkörper mit Abschürfungen und Schnittwunden war. „Watson, sie sollten…“
„Seien sie still.“
Ein strenger Blick und Holmes verfiel in Schweigen.
„Das wird wehtun.“
Er beugte sich über seinen Freund, schob ihm das Hemd behutsam von den Schultern und wollte sich daran machen, den blutdurchtränkten ersten Verband von der Schulter zu entfernen.
Holmes nickte gefasst.
Vorsichtig nahm Watson den Fetzen herunter, versuchte das Stechen in seiner Brust zu ignorieren, das von den unterdrückten, zischenden Schmerzenslauten seitens Holmes wachgerufen wurde und machte sich daran, den abgerissenen Ärmel um die Schulter zu wickeln.
„Bereit?“
Wieder ein Nicken.
Er zog den Ersatzverband so fest wie er konnte und befestigte ihn schließlich mit einem strammen Knoten.
Wieder biss Holmes die Zähne zusammen, konnte aber ein Stöhnen nicht unterdrücken.
Seine Augen weiteten sich erschrocken, als Watson auch noch einen seiner Hosenträger zweckentfremdete und begann, ihn ihm die Schulter zu wickelt – noch strammer als den Verband.
Holmes atmete hörbar hektischer und bemühte sich um Beherrschung, während Watson bemüht war, es so schnell wie möglich geschehen zu lassen und ihm so wenig Schmerz wie möglich zuzufügen.
Schließlich hatte er es geschafft, der Ersatzverband saß stramm und würde die Blutung verlangsamen, wenn nicht sogar stillen.
Er warf einen Blick zu Holmes, der inzwischen die Augen geschlossen und den Kopf abgewandt hatte.
Besorgt fühlte er noch einmal seinen Puls, diesmal am Handgelenk und musste feststellen, dass dessen Rhythmus durch den Schmerz und die Anstrengung stark beschleunigt worden war.
Holmes schlug indessen die Augen wieder auf, als er die sachte Berührung an seinem Handgelenk bemerkte.
„Beruhigen sie sich, Holmes.“ Hörte er plötzlich an seinem Ohr und wandte Watson den Kopf zu.
„Ich tue mein möglichstes.“
Watson schmunzelte, doch es war nur von kurzer Dauer.
Ein Husten erschütterte plötzlich Holmes Körper und er wand sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Seite, krümmte sich und stöhnte jetzt ohne Zurückhaltung vor Schmerz auf.
Sofort war Watson bei ihm, kniete abermals neben ihm und berührte sachte seine Schulter.
„Versuchen sie, ruhig weiter zu atmen, Holmes. Das sind ihre gebrochenen Rippen. Sie engen den Brustkorb ein. Ganz ruhig weiter atmen, hören sie?“
Doch von Holmes kam keine Reaktion und so packte Watson ihn seufzend unter den Armen und zog ihn in eine sitzende Position.
Erschrocken stöhnte Holmes auf.
„Ist es so besser?“
Holmes Atmung beruhigte sich ein wenig und er nickte.
Im Sitzen stach der Schmerz noch immer, aber das Atmen fiel ihm jetzt etwas leichter.
Erleichtert schloss Watson kurz die Augen und schickte ein Stoßgebet gen Himmel, dass sie bald wieder in bewohntem Gebiet ankommen würden, wo man ihnen helfen konnte.
Mit einem erschöpften Seufzen zog er Holmes ein Stück nach hinten und half ihm, sich gegen die Wand zu lehnen.
Es erwies sich als weniger gute Idee.
Die ruckartigen Bewegungen des Zuges ließen seine Schulter heftig gegen die Wand knallen und wieder stöhnte er auf, inzwischen kaum noch bei Bewusstsein.
Sofort schob Watson ihn wieder nach vorn und hatte dann eine Idee.
Vorsichtig setzte er sich hinter seinen alten Freund und zog dessen Oberkörper dann an den Schultern so zu sich, dass er an ihn gelehnt dasitzen konnte.
Holmes Kopf glitt widerstandslos auf Watsons Schulter und sein Rücken berührte dessen Brustkorb.
„Watson, sie machen Scherze.“
Seine Stimme war noch leiser geworden.
„Sie wissen doch, ich beliebe nicht zu scherzen.“
„Wie sie meinen, Doktor.“
Inzwischen war er nicht mehr in der Lage, die Kraft aufzubringen, den Kopf zu heben, und so berührte seine Nase Watsons Hals.
Watson bemerkte die Berührung und zuckte ein wenig zusammen, als er merkte, wie Holmes‘ warmer Atem gegen seine Haut prallte.
Es war ein beruhigendes Gefühl, den regelmäßigen Luftstrom zu spüren und sich so sicher sein zu können, dass Holmes noch da war.
Holmes indessen genoss die Wärme, die vom Körper seines Freundes ausging. Sein labiler Kreislauf hatte ihn unablässig frieren lassen, doch jetzt erstarb jegliches Zittern und er wurde ruhiger. Zum Teil lag das auch an Watsons vertrautem Geruch in seiner Nase. Noch nie war er Watson so nah gewesen, aber dennoch kannte er den Geruch seines Aftershaves nur zu gut und auch den Geruch seines Schweißes, der hier am Hals jedoch nicht allzu stark war.
Vielmehr roch Watson eben einfach nach Watson und es beruhigte ihn so sehr, seinen Freund nah bei sich zu haben, dass ihm bald die Gedanken stockten, der Fall vorerst aus seinem Gehirn verschwand und er ein wenig von seinem Schmerz abgelenkt war.
Bald waren seine Augen zugefallen und er fiel in einen tiefen Schlaf.

TBC


So, das war Kapitel 1.
Wie hat's gefallen?
Wer möchte, der kann mir sehr gerne ein bisschen Feedback dalassen.
Ich freue mich auch über Kritik!
Vielen Dank jedenfalls an alle, die bis hierher durchgehalten haben!
Bald geht's auch schon weiter mit dem nächsten Kapitel!
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