"Die Bestie" - Ein Vampirthriller in Himmelsrand

von Rygaroth
GeschichteThriller, Fantasy / P18 Slash
09.08.2012
13.08.2012
5
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Er liebte modrige Höhlen. Liebte die Gefahr im Dunkel, das leise Plätschern der Wassertropfen, die sich ihren Weg in der Tiefe bahnten. Auch liebte er die Geräusche, und wie sie sich im Untergrund entwickelten. Das leise Fiepen einer Fledermaus wurde zu einem helltönenden Orchester in solchen Wänden.Vor allem aber liebte er eines an den Höhlen: Er liebte es, Vampire zu töten, diese übernatürlichen Bestien. Der gute Preis, den Vampirstaub bei kundigen Alchemisten erzielte, war natürlich auch nicht zu verachten.

Doch wer war er? Nicht nur ein Vampirjäger, auch ein Mensch, der sein Leben führte. Etwas, was ihm schwerfiel. Wo alle Dorfbewohner ihn doch gleich wieder verscheuchten, nachdem er die ‚Plage‘ beseitigt hatte, für die er angeheuert worden war. Ein Mann, ein Mittel zum Zweck. Niemals hätte sich jemand von ihnen dafür interessiert, wie er außerhalb seines Berufes war. Doch es schmerzte ihn nicht, er fand sogar Gefallen daran, für verschreckte Dorfbewohner der unheimliche Bestienmörder zu sein.Für alle anderen war er Andamus Regmienta, ein bretonischer Mann in jungen Jahren. Höflich war er, und hilfsbereit. Immer ein Lächeln auf den Lippen. Seine Geisteskrankheit sah man ihm niemals an. Denn diese brach nur hervor, sobald er sich in Höhlen wiederfand. Sobald aus dem Bürger ein Jäger wurde. Ein Jäger, der selbst vom Wahn gejagt wurde.

Nachdenklich saß er da, tauchte die Zehnspitzen in das Wasser vor ihm, was er noch nicht einmal zu sehen vermochte. Seiner metallbeschlagenen Stiefel hatte er sich entledigt, ebenso seiner schweren Rüstung, wie er es so oft tat. Nur leichte Gewänder trug er, die ihm mehr Bewegungsfreiheit erlaubten. Die auf üble Art verbeulte Metallrüstung war mit der Zeit mehr und mehr ein Schauobjekt geworden, eine tragbare Kulisse, die die Geldbeutel der Dorfbewohner offen halten sollte. Einen mit einer riesigen Kriegsaxt bewaffneten und mit verbeulter, kampferprobter Rüstung gerüsteten Vampirjäger bezahlten die Dorfbewohner gleich viel williger.Er wusste, dass die Vampire ihn bereits bemerkt hatten. Vermutlich schon, als er die Höhle betrat. Die Sinne dieser Viecher waren außerordentlich gut ausgeprägt und es war kaum möglich, sie zu täuschen. Deshalb hatte er sich von vornherein keine Mühe gegeben, leise zu sein.Was die Vampire sehr wohl taten. Doch trotzdem meinte er, ein entferntes Schaben oder Schleppen zu hören, vielleicht auch entfernte Schritte… bei dem leisen Echo war das Geräusch nicht klar zu identifizieren.Mögen die Spiele beginnen! Er zog eine Fackel hervor, die er rasch mit einem Schnipsen anzündete. Der Magie war er mächtig, doch trotzdem wollte er auf magisches Licht verzichten. Jedes Bisschen seiner Magika wollte er für die Vampire aufsparen, da war das magische Entzünden der Fackel schon Opfer genug.Nun sah er, dass er sich noch ziemlich am Eingang der Höhle befand, in einem runden Raum, der teils aus Erde, teils aus Stein bestand. Tiefer im Berg wurde der Raum dünner und verwandelte sich schließlich in einen natürlichen Wasserpfad, wo die kleinen Rinnsale Wasser sich mehr und mehr verdichteten und begannen, eine kleine, zarte Strömung zu bilden.Die nun seine Füße umschloss, als er sich durch den Gang bewegte. Tiefer und tiefer drang er in das unterirdische Reich der Blutsauger vor, immer mehr fühlte er sich eins mit der Welt. Seine Euphorie stieg mit der Sorge, seine Freude mit der Angst. Gegensätzliche Gefühle gleichzeitig empfinden… ein Fluch, der mit seiner Geisteskrankheit einher kam. Mit jedem Meter, den es ihn tiefer unter die Erde trieb, teilte sich sein Geist mehr, wurde verwirrt, bis zur vollkommenen Verrücktheit.Der Wahn hetzte ihn tiefer und tiefer, bis seine Füße schmerzten. Immer wieder hörte er das Schaben, doch es schien nicht lauter zu werden. Eine Illusion der Vampire vielleicht, um ihn zu verschrecken? Oder zu locken? Unwichtig. Es bezeugte nur, dass es Vampire in der Höhle gab. Andamus begann zu schreien, zu grollen, zu keifen. Die Fackel landete auf dem Boden, unbemerkt von ihm. Sein Wahn raubte ihm jeglichen Verstand. Die Füße begannen zu bluten, während er mal durch große Hallen, mal durch schmale Gänge irrte. Er schlug mit den Händen um sich, die hin und wieder trafen. Blut strömte aus Händen und Füßen, vermischte sich mit dem Wasser, welches noch immer unter ihm floss.

Jeder wusste, dass Blut von Vampiren gerochen wurde. Dass dieser Geruch sie schnell zur Quelle trieb, auf einen Mord und ein Mahl versessen. Nur Andamus… er entsann sich im Wahn nicht daran.Abrupt endete das allgegenwärtige Schaben. In der Dunkelheit leuchteten zwei orangerote Punkte auf. Ein leises, seltsames Lachen erklang. Tief, langsam… irre. „Wie weit bist du gelaufen, junger Freund?“ Erklang es aus Richtung der Punkte.Andamus stand still, seit das Schaben geendigt war. Sein Wahn schien wie verflogen. „So weit, dass ich blute.“ Sagte er ruhig. Alles, was er eben getan hatte, wahnsinnig getanzt und geschrien, schien das Werk einer anderen Person zu sein.Wieder dieses Lachen. „Ein Sterblicher, der in das Reich eines Vampires kommt. Und das erste was er sagt, handelt von Blut. Kennt ihr uns denn nicht, Mensch?“ Das letzte Wort spie er aus, als wäre es eine Beleidigung. „Zu gut. Viele von euch starben durch meine Hand.“„Erst reizt er mich mit Gerede über Blut, dann erzürnt er mich mit Gerede über Vampirjagd. Sprecht, seid ihr ein Vampirjäger?“Es reichte ihm. Er hatte keine Lust, mit der Bestie zu reden. Im Gespräch fühlte er sich wie eine Maus, die Beute einer Katze, die vor dem Fressen erst mit ihm spielen wollte.„Kämpft mit mir.“ Sprach er fordernd.Prustend lachte der Vampir. „Sucht ihr etwa den Tod?“ Die Punkte verschwanden, um direkt neben ihm neu zu entstehen. „Ich sage euch eines, Sterblicher: Wäret ihr ein so großer Jäger unserer, Spezies, wie ihr vorgebt, hättet ihr gewusst, wer in dieser Höhle lebt. Und dann hättet ihr euch niemals hineingewagt.“ Als er die feuchten Zähne an seinem Hals spürte, war es schon zu spät. Verzweifelt versuchte er, sich zu wehren, doch der Vampir schlug gegen seinen zappelnden Arm. Er fühlte und hörte, wie die Knochen brachen. Ein unterdrücktes, gurgelndes Jaulen trat noch aus seinem Rachen hervor, bevor er zu Boden sackte und sich eine blutige Lache auf dem Boden bildete, die aus seinem Hals floss.
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